Über die zwei Ersten der Zehn
Gebote, die religiösen Elementar-Meme und die Unsterblichkeit
Von
Die zehn Gebote und viele Vorschriften des
Alten und Neuen Testaments sind barbarisch und inhuman
Die meisten Gläubigen
haben nur eine mangelhafte Kenntnis ihrer eigenen Religion. Wenn man einen
Christen fragt, wie heißt das erste und
das zweite der Zehn Gebote ? Dann wird er antworten: „1. Du sollst keine
andern Götter neben mir haben und 2. Du sollst dir kein Gottesbild machen“.
Die wenigsten werden aber
den genauen Wortlaut kennen. Der ist nämlich:
„Ich bin der Herr, dein
Gott, der ich dich aus dem Lande Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt
habe; du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Du sollst dir kein
Gottesbild machen weder dessen, was oben im Himmel, noch dessen, was unten auf
Erden, noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist; du sollst sie nicht
anbeten und ihnen nicht dienen; denn ich der Herr, dein
Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht bis in
die dritte und vierte Generation an den Kindern derer, die mich hassen,
der aber Gnade übt bis in die tausendste Generation an den Kindern derer, die
mich lieben und meine Gebote halten.“
Hier zeigt sich der Gott
der Juden, der ja auch der Gott der Christen und Moslems ist, als grausam und
rachsüchtig. Jeder Verstoß gegen seine Gebote wird mit barbarisch bestraft. Nicht nur der Gesetzesbrecher
wird bestraft, sondern auch seine Kinder, Kindeskinder und deren Kinder. Das
ist ein eklatanter Verstoß gegen die Humanität. Aus Religiosität wird
Bestialität.
In den katholischen
Kirchen sieht man eine reiche Fülle von bildlichen Darstellungen von Gott,
Jesus, Maria und den Heiligen, und zu allen wird eifrig gebetet. Das
widerspricht klar dem zweiten Gebot, und also müssten alle, die solche Bilder
erschaffen und aufstellen und alle, die zu diesen Bildern beten, ewig in der
Hölle schmoren. Und nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Nachkommenschaft.
Wenn ein katholischer
Christ über diesen Sachverhalt nachdenkt, dann kann er sich eigentlich nicht
mehr zum Christentum bekennen. Denn er muß klar erkennen: Ich bete hier einen
grausamen und despotischen Gott an. Meine Kirche ermuntert mich, zu
Gottesbildern zu beten. Also ermutigt sie mich zu einer Handlung, die für mich
und meine Kinder die ewige Verdammnis bedeutet.
Wenn wir das zweite Gebot
ernst nehmen würden, müssten wir alle Moslems werden. Im Islam ist die
bildliche Darstellung verboten, und in den Moscheen sehen wird nur
kalligraphische und sonstige Ornamente.
Die Christen begegnen
dieser Situation auf ihre Weise: Das was in der Bibel, speziell im Alten
Testament, steht, wird eigentlich gar nicht zur Kenntnis genommen, es wird
verdrängt. Man sagt: Durch das Neue Testament wird das Alte Testament quasi
außer Kraft gesetzt; jetzt gilt das Neue Testament. Nicht mehr Moses und
Abraham sind für uns maßgebend, sondern Christus.
Aber warum müssen dann
die Kinder überhaupt noch die Zehn Gebote auswendig lernen und warum wird nach
wie vor das Alte Testament als verbindlich anerkannt ?
Die Antwort ist: Die
Christen und Juden glauben, daß „sich Gott in der Geschichte des Volkes Israel
offenbart.“ Die Geschichte der Juden wird im Alten Testament beschrieben.
Deshalb kann man sich auch als Christ nicht vom Alten Testament lossagen. Und
wenn man sich nicht von ihm lossagen kann, dann muß es auch verbindlich bleiben.
Und also glauben auch die Christen an den Gott Abrahams.
Dieser Gott Abrahams ist
aber ein grausamer und barbarischer Gott; man könnte ihn fast mit dem Teufel
verwechseln.
Die historische Tat von
Christus, und mehr noch von Paulus, war, daß er ein neues Gottesbild geschaffen
hat. Der Gott Christi ist nicht mehr der blutrünstige Kriegsgott eines
Nomadenvolkes, das über das von einer bäuerlichen Bevölkerung bewohnte Land
Kanaan hereinbricht, dessen Priester ermordet, dessen Heiligtümer schändet und dessen
Bewohner unterdrückt. Nein, der neue Gott Christi ist ein von der griechischen
Zivilisation und Kultur geprägter Gott. Ein Gott der Liebe und der Vergebung.
So glauben die Christen.
Kratz man aber an diesem
neuen Christengott, dessen Bild hauptsächlich von dem in der hellenistischen
Zivilisation aufgewachsen Weltbürger Paulus geprägt wurde, dann kommt unter dem
Lack wieder der alte despotische und barbarisch, blutdürstige Gott des alten
Testaments zum Vorschein:
In der Bergpredigt
(Matth. 5) sagt Jesus: „Meinet nicht, daß ich gekommen bin, um das Gesetz (des
Moses) oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzulösen,
sondern zu erfüllen...Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt wurde: ‚Du
sollst nicht töten’; wer aber tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber
sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein...Wer aber sagt ‚Du Tor!’ soll der Hölle mit ihrem Feuer
verfallen sein...Ihr habt gehört, daß gesagt ist: ‚Jeder, der eine
Ehefrau ansieht, um sie zu begehren, hat ihr gegenüber in seinem Herzen schon
Ehebruch begangen. Wenn dich aber dein rechtes Auge zur Sünde verführt, so reiß
es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, daß eins deiner
Glieder verloren geht und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“
Ist dies der Gott der
Liebe und Vergebung, an den die Christen glauben? Aber die gläubigen Christen
kennen oft ihre eigenen heiligen Texte nicht. Und nur dadurch, daß sie diese
nicht kennen oder sie bewusst ignorieren oder uminterpretieren, können sie an
ihrem Glauben festhalten. Man sollte sie mit ihren heiligen Texten
konfrontieren und sie dazu ermutigen, sie mit kritischem Verstand zu lesen.
Die Einführung der
Jungfrau Maria als Muttergottheit in die katholische Religion ist ein Beispiel
dafür, daß die Religionen in einem ständigen Wandlungsprozess begriffen sind,
und daß religiösen Führer die religiösen Texte willkürlich und beliebig so
auslegen, wie es ihnen in den Kram passt.
Auch die religiöse Moral ist beliebig und
willkürlich. Sie ändert sich von Religion zu Religion. Aber auch innerhalb der
gleichen Religion passt sie sich an den Zeitgeist und die Bedürfnisse und
Wünsche der Religionsführer an.
Nur die Fundamentalisten
nehmen die heiligen Texte wörtlich und kehren damit geistig und moralisch auf
eine längst schon überwundene Stufe der zivilisatorischen Entwicklung zurück.
Fundamentalismus ist Atavismus, also der Rückfall in eine frühere, primitivere
Entwicklungsstufe.
Die Grundsätze der
Humanität sind überall auf der Welt gleich. Sie unterliegen nicht der Willkür
religiöser Führer. Ein Mord bleibt ein Mord, auch wenn die Religion den
heiligen Krieg und den heiligen Mord befiehlt. Die Menschenrechte stehen über
der Religion. Das ist die Grundaussage des Humanismus: Erst kommt der Mensch,
dann die Religion. Die Religion ist für den Menschen da, und nicht der Mensch
für die Religion.
Alle Menschen haben, wenn
sie auf ihre Vernunft und auf ihr moralisches Empfinden hören, einen
zuverlässigen Kompass dafür, was gut und böse ist. Instinktiv weiß jeder
Mensch, egal welchem Kulturkreis er angehört, daß die Menschenrechte gut,
richtig und universell verbindlich sind.
Die
religiösen Elementar-Meme
Die Gläubigen der Welt,
egal welcher Religion sie angehören, glauben an die religiösen Elementar-Meme.
Diese sind im Katholizismus ebenso zu finden sind wie z. B. in der
Voodoo-Religion – weshalb Voodoo-Gläubige gleichzeitig Katholiken sein können
und umgekehrt:
Der Punkt 4 ist
eigentlich der Kern dessen, was das jede Art von religiösem Glauben ausmacht.
Religion ist eine spezielle Variante von Egoismus. Wenn die Religion den
Egoismus der Menschen nicht in besonderer Weise ansprechen würde, wäre sie für
die Menschen uninteressant. Und deshalb ist der Atheismus und Agnostizismus für
viele so uninteressant. Da gibt es weder herrliche Belohnungen noch
schreckliche Bestrafungen.
Womit wir bei der zweiten
Hälfte der religiösen Elementar-Meme wären, nämlich denen, die den Gläubigen
Angst und Schrecken einflößen:
Wir verstehen jetzt,
warum die heiligen Personen keine unpersönlichen Mächte, wie z. B. das Tao oder
die Naturgesetze sein dürfen: Mit Personen kann man reden, man kann zu ihnen
beten und man kann sie beeinflussen.
Und nur die sind für den religiösen Menschen interessant und lukrativ.
Wir verstehen jetzt auch,
warum für die Christen Jesus ein Gott sein muß: Nur so hat er die Macht, die
Gebete der Gläubigen auch wirklich zu erfüllen.
Dir Himmel gleicht für
die katholischen Christen einem byzantinischen Kaiserhof. Der einfache Bittsteller
hat keine Chance, dem Kaiser persönlich sein Anliegen vortragen zu können. Aber
er kann sich an jemanden wenden, der mit dem Kaiser in Kontakt steht. Das sind
die Heiligen. Die können sich dann beim Kaiser für einen verwenden und ein
gutes Wort einlegen. In kleineren Angelegenheiten reicht ihre Kompetenz aus, um
ohne Rücksprache mit dem Chef zu entscheiden.
Wenn Gott den ganzen
lieben Tag damit beschäftigt ist, die Wünsche der Gläubigen anzuhören und zu
erfüllen, dann hat er keine Zeit mehr, den normalen Ablauf der Welt zu steuern.
Das muß deshalb der Heilige Geist tun.
Die Gläubigen verharren
in einem antiquierten, archaischen Weltbild, das in diametralem Gegensatz zu
den Erkenntnissen der Naturwissenschaften steht. Sie glauben an Wunder und Magie.
Naturalismus lehnt beides
ab und trifft damit einen der sensibelsten Punkt des religiösen Weltbildes, das
Wunder – des Glaubens liebstes Kind.
Nun wird so mancher
aufgeklärte protestantische Christ sagen: „Ich glaube weder an Wunder noch an
Heilige. Aber ich glaube, daß Gott die Welt erschaffen hat und daß er Mensch
eine unsterbliche Seele hat“. Dann muß man ihn aber weiter fragen: „Glaubst du
an die Wiederauferstehung im Fleische und an die magische Umwandlung von Brot
und Wein in Leib und Blut Christi beim Heiligen Abendmahl ? Dann glaubst Du
auch an Wunder und an Magie. Worin besteht der Unterschied zwischen einem
heidnischen Priester, der die Gottheit herbeizitiert und dem Priester oder
Pfarrer, der durch eine magische Zeremonie Jesus Christus zwingt, sich in Brot
und Wein zu inkarnieren und damit zu einem Gott zu werden, den man essen und
trinken kann ?“
Wer an eine Religion
glaubt, muß auch an Wunder und Magie glauben. Beides sind mit der Religion
untrennbar verbunden und machen ihr Wesen aus.
Warum glauben Menschen in
unserer heutigen, von Technik und Naturwissenschaft geprägten Welt dennoch an
Wunder und an des antiquierte Weltbild der Religionen ?
Die Antwort ist: Wer
nicht an Wunder glaubt, muß an seinen eigenen Tod glauben.
Die Naturwissenschaft
belehrt uns, daß das Leben mit dem Zusammenbruch der Organfunktionen endet. Das
Denken ist an die Funktion des Gehirns gebunden. Wenn es keine Gehirnströme
mehr gibt, ist das Leben zu Ende. Eine Leben ohne körperliche Grundlage gibt es
nicht.
Vor dieser Erkenntnis
schreckt jeder zurück, der an Religion glaubt. Und dies ist die größte
Hemmschwelle, Atheist oder Agnostiker zu werden.
Die Schizophrenie des
modernen Gläubigen
Der moderne gläubige
Mensch lebt in einem schizophrenen Geisteszustand. Einerseits weiß er, daß die
Glaubwürdigkeit von Bibel und Koran durch die moderne Wissenschaft so
nachhaltig erschüttert ist, daß man ihnen nicht vertrauen kann. Wenn nur sich
nur eine einzige Aussage in einem Heiligen Buch als unwahr erwiest, dann kann
dieses Buch nicht von Gott stammen. Inzwischen sind in den Heiligen Büchern
eine Vielzahl von Fehlern, Widersprüchen und ethisch nicht vertretbaren
Ungeheuerlichkeiten offenbar geworden. Warum hält man trotzdem an seinem
Glauben fest und entwickelt eine Art Blindheit gegen diese Fehler und
Widersprüche ? Weil diese Bücher das Ewige Leben verheißen. Und je näher das
Ende des Lebens naht, umso eher neigt der Mensch dazu, nach diesem Strohalm zu
greifen.
Es gehört viel
Überwindung dazu, anzuerkennen, daß mit dem Tod das Leben endet und daß es kein
Leben nach den Tode gibt. Diese bittere Eingeständnis der Endlichkeit der
eigenen Existenz ist eine bittere Pille, die jeder Atheist schlucken muß.
Die Wahrheit ist aber,
daß auch der gläubige Christ und der gläubige Moslem sich nach ihrem Tod weder
im Himmel noch in der Hölle oder im Fegefeuer wiederfinden werden. Sie werden,
genau wie der Atheist, schlicht und einfach nicht mehr existieren. All Ihre
Gebete und all die Einhaltung der religiösen Gebote wird ihnen nichts genützt
haben. Sie werden genauso für alle Ewigkeit tot sein wie der Atheist. Alle
Anstrengungen und Verbiegungen, alle Unterwerfung unter den vermeintlichen
Willen Gottes waren vergeblich.
Der Sinn des Lebens und was die Priester mit der Sinnfrage
suggerieren wollen
Die christlichen Priester
und Pfarrer stellen den Menschen immer die Frage nach dem Sinn des Lebens. Der
Gedankengang bei der Sinnfrage ist ungefähr folgender: „Wenn ich nur so in den
Tag hinein lebe und das Leben genieße, dann bleibt doch immer ein Rest von
Angst vor der Zukunft. Ich müsste also etwas tun, um diese Zukunft zu sichern.
Das wäre sinnvoll. Wenn ich Beziehungen zu anderen Menschen aufbaue, ihnen
Gutes tue, dann werden sie mir in Zeiten der Not bestehen. Deshalb sollte ich
nicht nur für mein Vergnügen leben, sondern für die anderen etwas tun. Noch
wichtiger aber ist es, die Beziehungen zu Gott pflegen. Der wird mir diese
Zuwendung lohnen, indem er mich später in den Himmel aufnimmt.“
Der ganze Aufwand hat
aber nur dann einen Sinn, wenn dieses höhere Wesen existiert. Außerdem muß
dieses höhere Wesen durch meine Gebete und guten Taten auch beeinflussbar sein.
Der normale Gläubige
macht in etwa folgende Rechnung auf: Ob es Gott gibt oder nicht, weiß ich nicht
mit hundertprozentiger Sicherheit. Die Chancen stehen vielleicht 50 zu 50. Aber
selbst wenn es eher unwahrscheinlich ist, daß es ihn gibt, so ist es doch
besser, ich glaube an ihn. Wenn es ihn nicht gibt, so nützt mir mein Glaube
zwar nichts, aber er schadet mir auch nichts. Wenn es ihn aber gibt, dann komme
ich dank meines Glaubens in den Himmel. Mein Glaube ist quasi die
Versicherungsprämie, die ich zahle, um das Risiko abzudecken, in die Hölle zu
kommen.
Lohnt es sich wirklich, zu beten und zu opfern ?
Diese Logik ist aber
keineswegs zwingend. Stellen wir uns vor, es gibt tatsächlich Gott und der
Gläubige steht vor seinem Richterstuhl. Da könnte Gott zu ihm sagen: „Dein
ganzes Leben lang bist du mir mit deinem Beten und Betteln auf die Nerven
gegangen. Ich habe auch noch ein Privatleben. Die guten Werke, die du getan
hast, hast du nicht getan, um den Menschen zu helfen, sondern um dir einen
Platz im Himmel zu erkaufen. Aber ich bin ein freier Gott, und du kannst mich
durch noch so viele Gebete und gute Taten nicht zwingen, dich in den Himmel
aufzunehmen. Sieh hier diesen Atheisten: Er glaubte nicht an mich, und trotzdem
hat er gute Werke getan. Er hat mich nicht mit seinen Gebeten belästigt. Er hat
nicht seinen Mitmenschen in meinem Namen verkündet, was mein Wille sei und er
hat niemandem moralische Vorschriften gemacht und ihm das Leben vergällt.
Deshalb werde ich ihn im Himmel aufnehmen, dich aber in die Hölle schicken.“
Die Gläubigen sind nicht
die Guten und die Ungläubigen sind nicht die Bösen. Wenn es Himmel und Hölle
gibt – dann wird man im Himmel
vielleicht mehr Atheisten als Gläubige finden. Und das Amt des Papstes
garantiert noch lange nicht einen Platz im Himmel. Wenn es eine göttliche
Gerechtigkeit gibt, wird vielleicht die Hälfte der Päpste in der Hölle sein.
Und auch Herr Ratzinger muß um seinen Platz im Himmel bangen. Und selbst wenn
ihn sein Nachfolger heilig sprechen würde, würde das Gott, um in der Logik der
Gläubigen zu bleiben, nicht beeindrucken. Wer heilig ist oder nicht, das
entscheidet kein Papst und keine Kirche.
Das Tao ist nicht zu beeinflussen
Ich glaube nicht an einen
persönlichen Gott, sondern an das Tao. Dieses hält die Welt im Innenersten zusammen
und gestaltet sie – aber nicht nach einem festen Plan oder gemäß dem
„intelligent design“ der Kreationisten, sondern mit den Mitteln der Darwinschen
Evolution. Das Tao ist durch Gebete und Opfer nicht zu beeinflussen, und Freude
und Leid des Menschen sind ihm gleichgültig. Dem Tao ist es auch gleich, ob man
an es glaubt oder nicht. Man kommt aber am besten durchs Leben, wenn man im
Einklang mit ihm handelt. Man kann nichts erzwingen, und jede Tat hat gleich
viel positive wie negative Folgen. Also kann man im Grunde weder gute noch böse
Werke tun, denn gute und schlechte Folgen einer Handlung halten sich immer die
Waage und die Summe aller Leiden bleibt konstant. Was gut und böse ist, das muß
die menschliche Gesellschaft aus ihren Interessen heraus definieren. Aber das
muß nicht gut für andere Kulturen oder für die natürliche Umwelt sein. Je
universeller aber eine Gesellschaft ist, um universeller werden die Interessen
sein, nach denen sie gut und böse definiert.
Alles was man tut, hat
eine doppelte Wirkung, weil jede Aktion stets eine Gegenreaktion hervorruft.
Die Säkularisierung und die Naturwissenschaft haben nicht nur bewirkt, daß die
Leute immer ungläubiger wurden, sondern auch, daß sie immer abergläubischer und
fundamentalistischer wurden. Und der Vormarsch der Gläubigen hat jetzt wieder
die Gegenreaktion der Ungläubigen hervorgerufen, die den Glauben durch
Aufklärung in die Schranken weisen.
Das Ende der friedliche Koexistenz zwischen Religion und
Naturwissenschaft
Die Grenzen zwischen Naturwissenschaft
und Glauben waren in den westlichen Demokratien im vorigen Jahrhundert klar
gezogen: Hier im Diesseits galt die naturwissenschaftliche Weltanschauung. Für
das Jenseits und das Leben nach dem Tod war die Religion zuständig. So gab es
eine friedliche Koexistenz. Mit dem 11. Sept 2001 sind die islamische
Fundamentalisten in diese Welt des friedlichen Nebeneinanders eingebrochen.
Aber schon vorher gewannen in den USA die christlichen Fundamentalisten immer
mehr politischen Einfluß und stellten die Darwinsche Evolutionstheorie in
Frage. Die Religiösen drangen also in die Domäne der Naturwissenschaft ein. Und
folgerichtig schlug die Naturwissenschaft zurück und ging zum Gegenangriff auf
die Religion über.
Technik und Wissenschaft können schon bald die Unsterblichkeit
versprechen
Aber auch die
Naturwissenschaft schickt sich an, die Grenzen zu verletzten. Das Ewige Leben
ist in den Bereich des Machbaren gerückt – dank Gentechnologie und
Computertechnik. Man wird eines Tages vielleicht den genetischen Bauplan und
die Gehirnstrukturen, aber auch die Erinnerungen eines Menschen speichern und
ihn ein zweites Leben als Computersimulation führen lassen oder ihn sogar
wieder „im Fleische“ auferstehen lassen. Der Mensch kann transhuman werden.
Und schon heute kann der
Mensch, seine Bilder und seine Werke digital aufzeichnen. Und was einmal
digital aufgezeichnet ist, kann unendlich oft kopiert werden – heute und in
Zukunft und in alle Ewigkeit.
Das ist zwar nicht die
Unsterblichkeit, wie sie das Christentum verspricht, aber es ist sehr viel
realistischer.
Warum entschieden sich
die Menschen eine bestimmte Partei zu wählen ?
Der Stimmenanteil
errechnet sich nach folgender Formel:
Prozent der Wählerstimmen
ist (Größe der Versprechen plus Drohungen, falls man sie nicht wählt) * mal
Wahrscheinlichkeit daß diese Versprechungen und Drohungen jemals in Erfüllung
gehen
Warum entscheidet sich
ein Mensch für eine bestimmte Religion (wenn er die freie Wahl hat, was meist
nicht der Fall ist) ?
Genau nach der gleichen
Formel wie für die Wählerstimmen. Dies ist die Erklärung dafür, daß das
Christentum eine so große Verbreitung fand: Die Versprechungen waren
unwahrscheinlich hoch (höher geht’s nicht): Glückseligkeit bis in alle
Ewigkeit. Die Drohungen waren ebenso unerreichbar furchtbar: Größte Leiden bis
in alle Ewigkeit. Wenn auch die Wahrscheinlichkeit, daß Versprechungen und
Drohungen wahr werden, gering sind, so wird dies durch ihre phantastische Höhe
wieder ausglichen und Otto Normalverbraucher denkt: Unterm Strich ist es
besser, ich wähle das Christentum.
Der Islam macht exakt
genau die gleichen Versprechen. Allerdings benutzte er noch starke Druckmittel
(Gewalt und finanzielle Nachteile in
Form von Steuern), um die Ungläubigen in Gläubige zu verwandeln.
Über den Wahrheitsgehalt
und die Qualität einer Religion sagt also die Zahl ihrer Anhänger überhaupt
nichts aus.
Da die Humanisten,
Atheisten und Agnostiker keine so phantastische Versprechungen und Drohungen zu
bieten haben (sie sind ja der Wahrheit und der Humanität verpflichtet) und die
Gewaltanwendung widerspricht ihrem Ethos, werden sie letztlich gegen Religion
und Aberglaube nur schwerlich den endgültigen Sieg erringen können.