Die zwölf Leitsterne der Politik
von
1. Frieden: Seit es Atomwaffen gibt, hat die
Menschheit es in der Hand, sich selbst auszulöschen und weite Teile unseres
Planeten auf viele Jahre unbewohnbar zu machen - mit allen Folgen, die das für unser
Ökosystem Erde hat.
Die erste und vordringlichste Aufgabe jeder Politik muß es sein, die Gefahr eines Krieges mit
Massenvernichtungswaffen unmöglich zu machen. Da jeder konventionelle Konflikt
zu einem Krieg mit Atomwaffen ausarten kann, bedeutet dies: Der Krieg muß abgeschafft werden. Notwendig ist eine weltweite
politische Struktur, die einen Krieg ausschließt. Diese Struktur kann nur ein
föderativer Bundesstaat sein, dem alle Nationen der Welt angehören.
Es gibt keine andere Lösung des Kriegsproblems als die Vereinigung
der Menschheit in einem föderalistischen Bundesstaat, der so strukturiert sein muß, daß Kriege und Bürgerkriege
ausgeschlossen sind.
Es muß ein demokratisch legitimiertes
Weltparlament geschaffen werden, das auf der Basis der Menschenrechtsdeklaration
eine Art "Welt-Grundgesetz" verabschiedet und eine föderative
Weltregierung einsetzt. Außerdem muß ein Justizsystem
geschaffen werden, daß dem Welt-Grundgesetz Geltung
verschafft, was wiederum voraussetzt, daß die
nationalen Polzeikräfte sowie eine übernationale
Polizeitruppe dem Welt-Justizsystem zuarbeiten.
Diese Vorschläge und Ideen, die an sich logisch und konsequent
sind sind, laufen den Interessen der Mächtigen und
dem nationalistischen Denken vieler Menschen entgegen und sind nur sehr
allmählich durchsetzbar.
Aber sollen wir aus Rücksicht darauf verzichten, das, was wir für
richtig halten, klar und deutlich zu formulieren ?
2. Gerechtigkeit: Ohne Gerechtigkeit kann es keinen Frieden
geben. Es kann auch keinen allgemeinen Wohlstand geben, weil der Fleiß nur dann
einen Sinn hat, wenn die Früchte der Arbeit nicht geraubt werden können.
Am Beginn jeder Kultur die Übereinkunft aller Menschen, daß jeder einzelne im Interesse aller darauf verzichtet,
andere Menschen zu töten, zu verletzen, zu bedrohen, zu bestehlen und zu
betrügen. Zu dieser Übereinkunft gehört auch, daß ein
Verstoß gegen diese Regeln bestraft werden muß.
Deshalb muß jede Regierung danach
streben, für ihre Bürger Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Wenn sie das
nicht schafft, hat sie die Legitimität ihres Gewaltmonopols verloren.
Ein wesentlicher Fortschritt besteht darin, daß
in einem Rechtsstaat auch die Regierenden selbst an Recht und Gesetz gebunden
sind.
Das alles ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Aber in weiten
Gegenden der Welt ist dies nicht der Fall. Solange aber nicht in diesen
Weltgegenden der Rechtsstaat durchgesetzt ist, wird es dort weiterhin Not und
Armut geben und alle humanitären Hilfen werden letztlich vergeblich sein. Das
Grundübel ist, daß man den Menschen ihren Besitz und
die Früchte ihrer Arbeit raubt und sie entweder in die Passität
und Trägheit oder in die Lohnsklaverei treibt.
Eine Regierung, die will oder es zuläßt,
daß die Menschen in Not und Unterdrückung leben, ist
illegitim und muß beseitigt werden.
Recht und Gesetz müßen weltweit
durchgesetzt werden. Niemand darf ein
Verbrechen vergehen dürfen, ohne daß er mit
großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen muß, gefaßt, angeklagt und verurteilt zu werden.
Oft sind die Grenzen zwischen Betrug und legitimen Verträgen
fließend. Wer z.B. ein Grundstück billig einkauft und mit doppeltem oder
dreifachen Gewinn verkauft, handelt zwar nach dem Buchstaben des Gesetzes
korrekt, aber er hat sich unangemessen bereichert. Das gleiche gilt für
ausbeuterische Arbeitsverträge oder für Wuchergeschäfte.
Soziale Gerechtigkeit bedeutet, daß
niemand mehr verdienen darf, als es der Leistung entspricht, die er für die
Allgemeinheit erbringt. Konkret sollte es einen Mindestlohn geben, den ein
normaler Arbeiter erhält. Dieser Lohn muß ausreichen,
um ihm und seiner Familie ein gutes Auskommen zu sichern. Darüber hinaus sollte
ein Höchsteinkommen geben, das das Fünffache dieses Mindestlohns nicht
übersteigen darf. Unter Einkommen sind auch alle Einnahmen aus Kapital oder aus
irgendwelchen Verträgen zu verstehen. Diese Bandbreite zwischen dem einfachen
Mindestlohn und dem fünffachen Mindestlohn ist ausreichend, um außergewöhnliche
Leistungen zu honorieren.
Im globalen Maßstab bedeutet Gerechtigkeit, daß
alle Rohstoffe gemeinsames Eigentum der jetzigen und der zukünftigen Menschheit
sind. Keine Nation und keine Gruppe von Menschen, schon garnicht
ein Einzelner sollte behaupten können, daß ihm
irgendwelche Bodenschätze gehören. Die Rohstoffe müssen von allen Nationen
gemeinsam verwaltet werden und sparsam und gerecht eingesetzt werden.
3. Verantwortung: Jeder muß
sich so verhalten, daß er Schaden von sich selbst und
von anderen fernhält. Es steht dem einzelnen also nicht frei, seinen Körper
durch Alkohol, Nikotin oder Drogen zu Grunde zu richten oder extreme Risiken
einzugehen.
Für soziale Gruppen bedeutet das Prinzip Verantwortung, daß sie ihre Interessen nicht ohne Rücksicht auf andere mit
allen Mitteln durchsetzen dürfen.
Bezogen auf die Umwelt und die Erhaltung der Natur bedeutet
Verantwortung, daß niemand nach Belieben Energie
verschwenden oder die Natur zerstören oder die Rohstoffe verschleudern darf.
Verantwortung bedeutet auch: Nationen dürfen keinen Angriffskrieg
führen, sondern jeder derartige Versuch muß schon im
Keim erstickt werden.
Keine Nation und keine Gruppe darf im Besitz von
Massenvernichtungswaffen sein, denn dieser Besitz ist unverantwortlich.
4. Freiheit: Die in der Charta der Vereinten
Nationen und die im Grundgesetz niedergelegten Freiheiten gelten für alle
Menschen der Welt.
Freiheit bedeutet auch Freiheit von Krankheit, Angst und Not.
Natürlich wird es die große, vollkommene Freiheit niemals geben. Aber noch
vieles kann getan werden, denn ein großer Teil der Not und der Angst ist durch
Menschen verschuldet und kann durch Menschen verhindert werden.
5. Toleranz: Auch wenn wir glauben, im festen
Besitz der Wahrheit und des Rechtes zu sein, sollten wir nie vergessen, daß wir uns irren könnten und daß
die anderen Recht haben könnten.
Nur in relativ wenigen Punkten darf es keine Toleranz geben:
Gegenüber Verbrechen, insbesondere Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder
einem Anschlag auf unsere zukünftigen Lebensgrundlagen.
Aber für alles andere, z.B. religiöse Glaubenshaltungen,
politische Meinungen oder kulturelle
Traditionen muß es unbedingte Toleranz geben.
Nicht toleriert werden darf
aber, daß eine Religion sich im alleinigen Besitz der
Wahrheit wähnt und ausgehend davon alle "Ungläubigen" bekämpft oder
verfolgt.
Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, eine eigene Identität zu
haben. Diese Identität macht sich an bestimmten Eigenarten fest, die einen
Einzelnen oder eine Gruppe von andern deutlich unterscheiden. Diese identitätstiftenden Eigenarten, z.B. eine eigene Sprache,
eigene Rituale, eigene Kleidung usw. müßen toleriert
werden, sofern dadurch nicht ein höheres Gut, z.B. die Menschenrechte, verletzt
werden.
6. Föderalismus: Die
Vielfalt der Kulturen und Völker stellen einen großen Reichtum dar, der
erhalten werden muß. Wenn man viele Millionen von
Menschen, vielleicht sogar eines Tages die gesamte Menschheit, in einem Staat
vereinen will, so kann dies nur mit Hilfe des Föderalismus geschehen. Jede
Region, jedes Volk soll in dem größeren Ganzen angemessen vertreten sein und
seine Normen und Gesetze selbst machen, sofern diese im Einklang mit der Chara der UNO stehen. Ein politisches System, in welchem
Föderalismus und Zentralismus in einem gesunden, ausgewogenen Verhältnis
stehen, ist weit stabilier und dem allgemeinen Wohl
zuträglicher als ein reiner Zentralstaat.
7. Brüderlichkeit: Trotz aller Verschiedenheit der
Kulturen und Interessen, die es angeraten erscheinen lassen, daß Menschen verschiedener Herkunft sich weder in Feundschaft noch in Feindschaft allzusehr
verbinden, sondern einen kleinen Sicherheitsabstand wahren, sind alle Menschen
im Grunde gleich. Das zeigt schon die genetische Analyse: das Erbgut der
Menschen stimmt zu 98 % überein, so verschieden auch die Hautfarbe und die
Rasse sein mag.
Was die Menschen immer wieder trennt, ist die Versuchung, andere
zu berauben, zu unterdrücken und für sich arbeiten zu lassen. Hier wird dann
das Anderssein und die Minderwertigkeit des anderen besonders hervorgehoben, um
die eigenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verbrämen nach dem Motto:
"Eigentlich ist der andere gar kein richtiger Mensch."
8. Menschlichkeit: Menschlichkeit bedeutet, auch in
dem Gegner und Konkurrenten nicht den Feind zu sehen, der mit allen Mitteln und
ohne Rücksicht vernichtet oder ausgeschaltet werden muß,
sondern einen Menschen, der Wertschätzung, Respekt und Hilfe verdient.
Trotz aller Gegensätze haben alle Menschen ein gemeinsames
Interesse, und das ist das Überleben, das Wohlergehen und der Fortschritt der
Spezies Mensch. Natürlich stehen auch die Menschen miteinander in Konkurrenz um
Reichtümer und Privilegien, und jeder muß sehen, daß er von andern nicht überrundet oder übervorteilt wird.
Aber im Unterschied zu den Tieren kann der Mensch durch die Sprache zu einem
Ausgleich der Interessen kommen und Regeln aufstellen, wie Konflikte bewältigt
werden können.
9. Mäßigkeit, Verhältnismäßigkeit und Vernunft: Jede
Regierung sollte in dem, was sie für sich braucht und verbraucht, maßvoll sein.
Sie sollte ihre Ziele so einfach und mit so wenig Aufwand wie möglich
erreichen.
Dies gilt ebenso für die Zahl der Gesetze wie für die Zahl der
Beamten.
Ein Politiker sollte sich nicht von Hass, Eitelkeit, Zu- oder
Abneigung, sondern nur von den sachlichen Erfordernissen und der Liebe zu den
Menschen leiten lassen.
10. Liebe: Die Liebe eines Politikers muß
zuerst der eigenen Heimat und dem eigenen Volk gehören. Er sollte niemals Politik gegen das
eigene Volk machen.
Dort aber, wo der Patriotismus in Chauvinismus umschlägt, ist das
Wohl des eigenen Volkes schwer bedroht.
Deshalb muß die Liebe des Politikers
nicht nur dem eigenen Volk gehören, sondern seinem gesamten Kulturkreis und der
gesamten Menschheit. Stets sollte er im Hinterkopf haben, daß
es in der Politik um das möglichst große Glück der möglichst großen Zahl geht.
Die größte Zahl ist aber die Zahl aller Menschen - sowohl derjenigen, die heute
leben als auch der, die in der Zukunft geboren werden. Die Liebe zu einer
kleineren Zahl von Menschen darf nicht dazu führen, über eine größere Zahl
Unglück und Leid zu bringen.
11. Wahrheit und Klarheit: Jeder Politiker sollte mit
einfachen, klaren und wahren Worten sagen, was er denkt und was er will.
12. Religion: Der Mensch hat sich durch sein
Wissen und seine Technik über alle anderen Lebewesen erhoben. Dadurch hat er es
in der Hand, in die Schöpfung weit mehr einzugreifen als jedes andere
Lebewesen.
Aber der Mensch hat die Natur nur scheinbar überwunden, denn in Wirklichkeit
bleibt er Teil der Schöpfung. Die Religion muß den
Menschen lehren, daß er Demut vor dem haben muß, das ihn erschaffen hat. Die Religion muß den Menschen lehren, daß er
sich Beschränkungen auferlegen und sich in das große Ganze einfügen muß.