Die Bundeslade: Sarkophag eines ägyptischen Pharao

Von Richard Beiderbeck   www.koinae.de     

 

Seth, der Gott in der Bundeslade

 

Moses führte also die Gebeine von Pharao Sethos I. alias Joseph mit sich. Er hielt in Einklang mit den ägyptischen Glaubensvorstellungen Sethos I. für eine Inkarnation des Gottes Seth. Mit Hilfe dieses Gottes gelang es den Israeliten, so glaubten sie, dem Pharao zu entkommen und in der Wüste der Halbinsel Sinai zu überleben.

 

Der Gott aus der Bundeslade offenbart sich am Berg Sinai

 

Die erste Erwähnung findet die Bundeslade im 2. Buche Moses, Kapitel 25. Moses steigt auf den Berg Sinai und nimmt die zehn Gebote in Empfang. Gott sagt ihm: „Mache eine Lade aus Akazienholz, zwei und eine halbe Elle lang, anderthalb Ellen breit und anderthalb Ellen hoch; die sollst du mit reinem Gold überziehen, inwendig und auswendig sollst du sie überziehen, und oben ringsum sollst du einen goldenen Kranz anbringen...In die Lade lege das Gesetz, das ich dir geben werde...Dann sollst du eine Deckplatte aus reinem Gold machen...Und du sollst zwei Cherube (Engel) aus Gold machen...an den beiden Ecken der Deckplatte...Und die Cherube sollen die Flügel nach oben ausbreiten, indem sie mit ihren Flügeln die Deckplatte bedecken, während eines jeden Angesicht dem anderen zugekehrt ist...Daselbst will ich mit dir zusammenkommen, und von der Deckplatte aus, zwischen den beiden Cheruben hervor, will ich alles kundtun, was ich dir und den Israeliten befehlen will. Du sollst auch einen Altartisch aus Akazienholz machen, den sollst du mit reinem Gold überziehen...Du sollst auch die dazugehörigen Schüsseln und Schalen und Becher machen, mit denen man das Trankopfer spendet. Und den Tisch sollst du allezeit Schaubrote vor mir hinlegen. Sodann sollst du einen reinen Leuchter aus reinem Gold machen.“

Für die Bundeslade sollte Moses ein kostbar ausgestattetes Zelt machen, mit Teppichen ausgelegt, das Bundeszelt. In dem Zelt sollte es eine heilige „Wohnung“ Jahwes  hergestellt werden, ein Wohnzimmer aus Akazienbrettern, zehn Ellen hoch, 30 Ellen lang und neun Ellen breit. Ein Vorhang sollte das Heilige vom Allerheiligsten trennen. Im Allerheiligsten, durch den Vorhand verborgen, sollte die Bundeslade stehen, im heiligen Vorraum der Altar.

 

Die Bundeslade war ein Sarkophag

 

Warum dieser Aufwand um eine Kiste aufzustellen, die angeblich nur die Gesetzestafeln enthielt ? Aber die Bundeslade enthielt in Wirklichkeit die Mumie des Pharao Sethos I., der als Inkarnation des Gottes Seth galt und der jetzt zu Jahwe geworden war. Die Bundeslade war der Sarkophag des Pharao Sethos I. Aber aus diesem Sarkophag konnte der Gottkönig jederzeit auferstehen und in den Himmel fliegen, begleitet von den beiden geflügelten Engelwesen, die auf dem Sargdeckel saßen. Oder der Gott Seht konnte aus dem Himmel in seinen Körper herabsteigen und die Mumie des Pharaos zu neuem Leben erwecken, um zu seinem Volk, repräsentiert durch Moses oder den Hohen Priester, sprechen.

Oder er konnte sich an den Speisen und Getränken laben, die ihm auf dem Altar serviert wurden. Der Leuchter, genannt Menora, war ein Totenleuchter, auf dem die Totenlichter brannten, der aber auch als Tischleuchter diente für Jahwe diente.

 

Das Bundeszelt war ein transportabler Grabtempel  für einen ägyptischen Gottkönig Sethos I. Die Brote, die Speisen und Getränke in den Schüsseln und Schalen wurden auf den Tisch gestellt, damit der Gott, wenn er aus den himmlischen Sphären in seine Körper zurückkehrte, etwas zu essen und Trinken vorfand, und der Leuchter brannte, damit er nicht im Dunklen sitzen musste.

Wenn er dem Hohen Priester erschien, thronte er auf dem Deckel des Sarkophags zwischen den zwei geflügelten Wesen.

 

Der Hohe Priester ruft Jahwe/Seth herbei

 

Der Hohepriester hatte die magische Kraft, Jahwe aus dem Jenseits herbeizurufen und ihn um Anweisungen zu bitten, wie das Volk zu regieren sei und Vorhersagen über die Zukunft zu machen. Der eigentliche Herrscher von Israel war nicht Moses oder der Hohe Priester, sondern Jahwe/Seth in der Bundeslade. Deswegen hatten die Israeliten auch bis zu Saul auch keinen König. Sie brauchten ihn nicht, Jahwe war ihr König. Seine Stellvertreter und Mittler waren die Hohen Priester.

Nach dem Tod des Moses sprach der Hohen Priester mit Jahwe. In der Praxis wird es wohl so gewesen sein, dass er neben der Bundeslade schlief und Jahwe ihm im Traum erschien oder sich der Hohe Priester sich durch Drogen, Fasten oder wie auch immer in einen Zustand der Trance oder der religiösen Ekstase versetzt hatte.

 

Mit welcher Recht konnte nun der Pharao und Gott Sethos I.,  in einer „Bundeslade“ genannten Holzkiste unterwegs in der Wüste zwischen Ägypten und Kanaan, seinem Volk das Gelobte Land übergeben ? Nun, ganz einfach, es war Teil des Herrschaftsgebietes des Ägyptischen Reiches. Der Sohn des Pharao Amose, Amenophis I. (er herrschte 1536 bis1517 vor Chr.), hatte das Reich bis zum Euphrat ausgedehnt – mit Hilfe von Streitwagen, die von Pferden gezogen wurden, die von den Pferden der Hyksos abstammten.

 

Die Verbrechen Jahwes

 

Aus dem Gott Seth, dem bösen, teuflischen Gott soll Jahwe entstanden sein ? Das ist sicher schwer zu akzeptieren. Jahwe gibt nichts über sich preis – noch nicht einmal seinen Namen. Auf die Frage von Moses nach seinem Namen antwortet er : „Ich bin der ich bin.“ Standbilder dürfen von ihm nicht angefertigt werden. Könnte es sein, daß Seth einfach nicht vorzeigbar ist, weil er ein blutrünstiger, böser Gott ist ?

 

Wer Jahwe ist, das könne wir nur aus seinen Taten, seinen Worten und aus seinen Befehlen erschließen. Und die sprechen allerdings eine deutliche Sprache.

 

Jahwe vernichtet Mensch und Tier durch die Sintflut

 

In 1.Mose, Kapitel 6, ab Vers 7 heißt es: „Und der Herr sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, die Menschen sowohl als das Vieh, auch die kriechenden Tiere und die Vögel des Himmels; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe.“

 

Und Gott machte eine Sintflut und vernichtete Mensch und Tier fast restlos.

 

Ist das Werk eines liebenden, gnädigen Gottes, oder ist das das Werk eines bösen, satanischen Gottes ?

 

Jahwe vernichtet Sodom und Gomorrha

 

„Der Herr ließ Schwefel und Feuer auf Sodom und Gomorrha regnen, von dem Herrn vom Himmel herab, und vernichtete so die Städte und den ganzen Umkreis und alle Bewohner der Städte und was auf dem Land gewachsen war.“ (1. Mose, 20, Vers 24 und 25)

 

Jeder Bibelgläubige sagt dazu im Brustton der Überzeugung: „Sodom und Gomorrha ! Recht geschieht ihnen !“  Warum dies: Weil dieser Geschichte ein Vorspann vorangeht, der suggeriert: Es gab in diesen Städten noch nicht einmal zehn Gerechte. Was heißt gerecht ? Gerecht ist, wer den Vorstellungen Jahwes über Sexualmoral gerecht wird. Aber gesunde Menschenverstand sagt, daß in den Städte ja eine Vielzahl von Kindern gelebt haben müssen die keine Perversionen begangen haben können, sondern höchstens Opfer von Perversionen wurden. Im Übrigen ist es völlig ausgeschlossen, daß eine Bevölkerungsmehrheit sich sexuell abartig verhält. In Sodom und Gomorrha hat die Mehrheit, wie überall auf der Welt, den guten alten Sex zwischen Mann und Frau sicher als das angenehmste und beste empfunden.

 

Jahwe sendet den Ägyptern Katastrophen

 

In 2. Mose 7 heißt es: „...und alles Wasser im Nil verwandelte sich in Blut; die Fische im Nil starben, und der Nil ward stinkend, sodaß die Ägypter kein Wasser mehr aus dem Nil trinken konnten...da kamen die Frösche herauf und bedeckten das Land Ägypten...die Frösche starben in den Häusern, in den Höfen und auf den Feldern. Und man schüttete sie haufenweise zusammen, daß das Land davon stank...da kamen die Mücken über die Menschen und das Vieh...eine Menge Bremsen kam in das Haus des Pharao und in die Häuser der Leute...alles Vieh der Ägypter starb...da entstanden an den Menschen und am Vieh Geschwürbeulen, die aufbrachen...und der Herr ließ donnern und Hageln, und Feuer fuhren auf die Erde hernieder...es war ein Hagel und einunaufhörliches Feuer unter dem Hagel...und der Hagel erschlug im ganzen Lande Ägypten alles, was auf dem Feld war, Menschen sowohl als Vieh.“

 

Jahwe befiehlt ein Massaker an den Verehrern des goldenen Kalbes

 

Moses sprach zu den Leviten (das sind die Priester Jahwes): „So spricht der Herr, der Gott Israels: Gürte ein jeder sein Schwert an die Hüfte ! Geht im Lager hin und her, von einem Tor zum andern und tötet alles, Brüder, Freunde und Verwandte !  ... So fielen an einem Tage dreitausend Mann.“

 

Jahwe tötet die zwei Söhne Aarons

 

Grund: sie brachten ihm ein „ungehöriges Feueropfer dar“ (3. Mose 10)

 

Jahwe befiehlt einen Mann zu töten, der am Sabbat gearbeitet hat

 

„...traf man einen Mann, der am Sabbat Holz gesammelt hatte...Der Herr aber sprach zu Mose: Der Mann muß getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn außerhalb des Lagers steinigen“.

 

Jahwe befiehlt, Frauen und Kinder der Midianiter zu töten

 

(4. Mose 31): „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Räche die Israeliten an den Midianitern ! ... Und die Israeliten führten die Frauen und Kinder der Midianiter gefangen hinweg, und alle ihre Lasttiere, alle ihre Herden und ihre ganze Habe machten sie zur Beute....und Moses sprach zu ihnen: Wie ? ihr habt alle Frauen am leben gelassen ? ...So tötet nun alles was männlich ist unter den Kindern; auch alle Frauen, denen schon ein Mann beigewohnt hat, sollt ihr  töten.“

 

Jahwe befiehlt den Angriff auf Kanaan

 

In Josua 1 heißt es: „Der Herr sprach zu Josua: ...ziehe über den Jordan hier, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten gebe. Jeden Ort, darauf eure Fußsohle treten wird, gebe ich euch wie ich Mose versprochen habe. Von der Wüste an und dem Libanon dort bis an den großen Strom, den Euphratstrom, das ganze Land der Hethiter, und bis an das große Meer im Westen soll euer Gebiet reichen.“

 

Jahwe befiehl also einen Angriffskrieg und gibt den Israeliten ein Land, das anderen Völkern gehört.

 

Jahwe lässt zwölftausend Bewohner der Stadt Ai töten

 

(Josua 8.)„Und als die Israeliten alle Bewohner von Ai auf freiem Felde, am Abhang niedergemacht hatten, und alle bis auf den letzten Man durch die Schärfe des Schwertes gefallen waren...Joshua äscherte Ai ein und machte es zu einem Trümmerhaufen für ewige Zeiten:“

 

Dasselbe lässt Jahwe mit Jericho und seinen Bewohnern und mit anderen Städten machen.

 

Jahwe befiehlt Elia ein Massaker an den Baalspropheten

 

(Könige 19, Vers 40): „Elia aber sprach zu ihnen (dem Volk Israel): Greift die Baalspropheten ! Keiner von ihnen soll entrinnen !Man ergriff sie, und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und schlachtete sie daselbst“

 

 

Jahwe ist ein Gott der Massaker und des Krieges

 

Die angeführten Zitate belegen, daß Jahwe kein Gott der Liebe und Gnade ist, sondern ein Gott des Krieges, der Massaker. Er bevorzugt blutige Opfer, ist grausam und intolerant.

 

Jahwe ist der Gott Seth

 

Jahwe ist der Gott Seth, als dessen Sohn und Inkarnation sich Pharao Sethos I. betrachtete. Sethos I. ist ein zum General und Pharao aufgestiegener semitischer Nomade. Sein Gott Seth ist vermutlich kein ägyptischer, sondern ein semitischer Gott.

 

Moses raubte die Mumie von Sethos I. aus seiner Grabkammer und ließ sie in der Bundeslade mitführen. Er machte Seth zu Jahwe, seinem höchsten und persönlichen Gott. Darüber ließ er aber sein Volk im unklaren. Aber an Hand der Befehle und Anweisungen, die Jahwe/Seth gibt, kann man klar erkennen, daß Seth ein Gott des Krieges, der Massaker, des Völkermordes und der Zerstörung ist. Da gibt es nichts zu beschönigen und wegzudeuten.

 

Jahwe ist nach unseren heutigen Maßstäben von Menschlichkeit und Gerechtigkeit nicht akzeptabel.

 

Die Landnahme durch Josua und wie die israelische Nation entstand

 

Ich habe schon erwähnt: Die Landnahme war keineswegs eine glanzvolle und heldenhafte Eroberung, wie sie in der Bibel beschrieben wurde. Es war viel eher ein Einsickern von Nomaden (nicht nur aus Ägypten) in ein Land, das bereits lange besiedelt war und eine hochentwickelte bäuerliche und städtische Zivilisation aufzuweisen hatte. Man vermutet sogar, daß ein erheblicher Teil der späteren Israeliten einheimische Bewohner des Landes Kanaan waren.

 

Die kanaäischen Städte waren um 1200 v. Chr. in einer Phase des Niedergangs und sicher auch des wirtschaftlichen Abschwungs begriffen. Vom Meer her kamen die Philister und andere „Seevölker“ und drangen ins Landesinnere vor. Von Norden drangen die Hethiter vor, vom Süden die Ägypter unter Ramses II., der „Große“ genannt. Folge der kriegerischen Zerstörungen war ein wirtschaftlicher Niedergang, der immer mehr kanaäischen Handwerkern und Bauern die Existenzgrundlage entzog. Sie mussten sich verschulden, verloren ihr Land und wurden aus den Städten und von den fruchtbaren Böden in die Berge und in die Halbwüste vertrieben, wo sie als Kleinbauern, bescheidene Viehzüchter und wohl auch als Räuber und Händler von gestohlen Dingen ihr Leben fristeten. Dort trafen sie auf wandernde Beduinenstämme, wie sie überall am Rande des fruchtbaren Halbmondes, der  von Mesopotamien über die Küstenregion am östlichen Mittelmeer bis nach Ägypten reichte, unterwegs waren. Möglicherweise verbanden sich aus Ägypten vertriebene Nomadenstämme mit den einheimischen Brachlandbewohnern.

 

In einem etwa 150 bis 200 Jahre dauernden Prozess fanden sie eine eher lockere Organisation, die ihren Mittelpunkt in der Verehrung eines Gottes, eben diesen aus Ägypten mitgebrachten Jahwe, hatte.  Daraus entstand allmählich das Volk der Israeliten, denen es dann unter ihren Königen Saul, David und Salomo gelang, die durch den Ansturm der „Seevölker“, der indogermanischen Philister, geschwächten kanaäischeh Stadtstaaten zu erobern.

 

David sieht sich als Nachfahre des göttlichen Pharao Sethos I.

 

Die erste Erwähnung fand Jerusalem um etwa 2400 v. Chr. in dern Tontafelarchiven von Ebla, Nordsyrien. Hier wird in sumerischer Keilschrift die „Urusalim“, von „uru“ (Stadt) und selem (Heil, Frieden). Sie heißt also „Stadt des Heils“.

Im 20. oder 19. Jahrhundert vor Christus eroberten die Kanaaniter, von Mesopotamien kommend, die Stadt. Im Jahr 998 v. Chr. nahm König David die Stadt ein, die „Jebus“ hieß und die Hauptstadt der Jebusiter oder Jebusiten war und machte sie zu seiner eigenen Hauptstadt.

 

Die Tunnel unter dem Tempelberg

 

David eroberte die Stadt, indem der seine Soldaten durch einen Tunnel und einen nach oben führenden Schacht nach steigen ließ. Diese Anlage diente dazu, das Wasser von der die Gihon-Quelle, die südlich des Tempelberges im Tal des Kidron-Baches liegt, in die Stadt zu bringen. So konnten die Belagerer hinter die Befestigungsmauern der Stadt gelangen und die Stadt von innen für die Belagerer öffnen. Der Schacht und die Kanäle wurden im Jahr 1867 von dem englischen Pionier-Offizier Charles Warren entdeckt. Auf Grund seiner Aufzeichnungen führte der französische Dominikaner-Pater Vincent von der „École Biblique et Archeologique de Saint-Etienne im Jahr 1911 eine gründliche Erforschung des Wasserversorgungs-Systems der Jebusiter durch.

 

Die Burg Zion

 

Ein Berg der Stadt trug wohl einen Tempel ihres Gottes Zion. Dieser Name ist mit „Zeus“ und „Ziu“ oder „Tiu“ verwandt, einem indogermanischen Gott. Von „Tiu“ leitet sich „Theos“ (griechisch) oder „Deus“ (lateinisch), das Wort für Gott ab. Der Berg Zion trug auch eine Burg der Jebusiter, deshalb heißt es in der Bibel (2. Samuel 5, Vers. 6): „Aber David nahm die Burg Zion ein“. So kommt es, dass die jüdischen Zionisten sich nach einem blitzeschleudernden Himmels- und Wettergott der Indogermanen nannten.

 

Das Aufkommen des Königtums

 

Als zweite Gewalt neben Jahwe und seinen Priestern etablierten sich dann die israelitischen Könige. In  Kriegszeiten war eine Herrschaft Jahwe’s und seiner Priester nicht praktikabel. Man war auf häufige und rasche Entscheidungen angewiesen. Diese konnte nur ein Kriegherr aus Fleisch und Blut treffen, zumal die Entscheidungen draußen in den Kampfgebieten zu treffen waren.

 

König David bringt die Bundeslade nach Jerusalem

 

König David, der seinen Aufstieg als Guerilla-Führer begonnen hatte, wollte sich als König legitimieren. Er, so vermute ich, sah in Sethos I. seinen Stammvater und den eigentlichen Gründer der seiner Dynastie. Er holte die Bundeslade in seine neue Hauptstadt. In Kapitel 6 des 2. Buches Samuel lesen wir: „Dann machte sich David auf und zog mit allem Volk, das bei ihm war, nach Baala in Juda, um von dort die Lade Gottes heraufzuholen, die nach dem Herren der Heerscharen (d.h. des Kriegsgottes Seth) benannt ist, der über den Cheruben thront. Und sie setzten die Lade Gottes auf einen neuen Wagen...David aber und das ganze Haus Israel tanzten mit aller Macht vor dem Herren her, unter Gesängen und mit Lauten, Harfen und Handpauken, mit Schellen und Zimbeln.“

 

Die Bundeslade ist mit der göttlichen Kraft aufgeladen

 

Einer der Transporteure, Ussa, griff nach der Lade um zu verhindern, dass die Ochsen dabei waren, sie umzuwerfen. Da die Lade tabu und mit der Kraft Jehos aufgeladen war, „schlug ihn Gott, weil er mit der Hand nach der Lade gegriffen hatte, sodaß er neben der Lade Gottes starb...“ Die Lade durfte nämlich nicht berührt werden, sondern wurde an Tragestangen oder auf dem Wagen transportiert. „Und David fürchtete sich vor dem Herren an jenem Tag und er sprach: Wie soll die Lade des Herren zu mir kommen ? Und David wollte die Lade des Herren nicht zu sich in die Stadt Davids bringen lassen, sondern hieß sie beiseite führen in das Haus Obed-Edoms aus Gath. So verblieb die Lade des Herren drei Monate im Hause Obed-Edoms aus Gath.“

 

Die Bundeslade und das Bundeszelt werden renoviert bevor sie nach Jerusalem kommen

 

Erst drei Monate später holte David die Lade in seine Hauptstadt. „Nachdem man aber die Lade des Herren hereingebracht, stellte man sie an ihren Platz, in das Zelt, das David für sie aufgeschlagen hatte.“

 

Ich vermute, dass das prächtige Bundeszelt und die vergoldete Gotteslade, die im zweiten Buch Moses geschildert werden, damals noch eine bescheidene Holzkiste und ein bescheidenes Nomadenzelt waren. Wie sollten die Hebräer, die in der Wüste kaum etwas zu essen hatten, eine solche Pracht entfalten können ? Die Lade Gottes, wie im 2. Buch Mose geschildert wird, ist die Lade und das Zelt, wie sie nach der drei Monaten (Renovierungs-)Zeit schließlich in der Stadt Davids aufgestellt wurden.

 

David will durch die Bundeslade seine Herrschaft legitimieren

 

David verehrte die Bundeslade besonders, denn er betrachtete den mumifizierten Sethos I. als Stammvater seiner Dynastie. Er sah sich als Nachfahre Sethos I. und legitimierte damit seine Herrschaft. Schließlich war er ja nur ein Guerillaführer. Damit ging von der Göttlichkeit des Pharao Sethos I., (der sich als Sohn des Gottes Seth sah) auch etwas auf ihn über. Es ist kein Zufall, dass das neue Testament großen Wert darauf  legt, dass Jesus von David (und damit von einem Pharao) abstammt. Jesus ist damit zwar nicht der Sohn eines Gottes, aber ein Nachkomme eines Gottes; damit sollte sein Anspruch, König der Juden zu sein, begründet werden. Daß eine Königs- oder Kaiserdynastie von Gott abstammt, kennen wir aus China, wo der Kaiser der Sohn des Himmels war, und aus Japan, wo der Tenno von der Sonne abstammte.

 

Weil Seth so zum also der Stammvater des israelitischen Königshauses geworden war, der im Zuge des Ahnenkultes schon von den Ägyptern zum Gott erhoben wurde, war Jahwe/Seth in ganz besonderer Weise mit Israel verbunden. Israel war sein Volk und Jahwe/Seth war der Gott Israels.

 

In der Logik des ägyptischen Glaubens an einen Gottkönig konnte Jahwe/Seth jederzeit in die Mumie, also den toten Körper von Pharao Sethos I. zurückkehren bzw. durch den Hohen Priester zurückgerufen werden. Die Mumie war also ein Teil des Gottes Jahwe/Seth, in der Mumie und damit in der Bundeslade war Jahwe/Seth gegenwärtig. Damit war die Bundeslade mit der göttlichen Kraft aufgeladen und garantierte die stände Präsenz Jahwes. Jahwe war zum tragbaren Gott geworden, der bei Bedarf jederzeit um Rat und Hilfe gebeten werden konnte.

 

Jerusalem wird zur Stadt des Gottesfriedens

 

Durch die Aufstellung der Bundeslade wurde die Stadt zu „Yerushalayim“, was „Haus des Friedens“ oder „Haus des Wohlbefindes“ oder „Haus des Heiles“ heißt. So wie Delphi der sakrale Mittelpunkt der griechischen Stämme wurde, so wurde „Yerushalayim  zum Delphi der jüdischen Stämme. Und wie in Delphi herrschte wohl auch innerhalb der Mauern der Stadt ein Gottesfrieden, eben der Frieden Jahwes.

Im der (griechisch geschrieben) Neuen Testament heißt JersusalemHierosalyma“, die „Stadt des heiligen (hieros) Friedens“ (salyma).

 

Jahwe wünscht sich ein eigenes Haus

 

Als David in seinem Palast saß, kam der Prophet Nathan, der ihm die Botschaft Jahwes überbrachte: „Solltest du mir nicht ein Haus bauen, dass ich darin wohne ? Habe ich doch in keinem Hause gewohnt von dem Tage an, da ich Israel aus Ägypten heraufführte, bis auf diesen Tag, sondern in einer Zeltwohnung bin ich umhergezogen.“

 

David kann aber den Wunsch Jahwes nicht erfüllen. Er muß mit den Nachbarvölkern Krieg führen und hat kein Geld für einen prachtvollen Tempel.

 

Salomo baut für Jahwe einen Tempel

 

Erst sein Nachfolger, König Salomon (er regierte von 968 bis 928 vor Chr.) baute einen Tempel für Jahwe. In der Bibel heißt es: „480 Jahre nach dem Auszug Israels aus dem Land Ägypten begann Salomon den Tempel für den Herren zu bauen“ (1. Buch Könige, 6,1), „im vierten Jahr seiner Regierung“ (2. Chronik 3,2). Damit wurde im Jahr 964 mit dem Bau des Tempels begonnen. Aus diesen Angaben kann man berechnen, dass der Auszug aus Ägypten war im Jahr 1444 v. Chr. war, das war zur Zeit von König Tutmosis III., der von 1491 bis 1436 v. Chr. regierte.

 

Die Cherubime waren keine Engel

 

Solomon ließ zwei zehn Ellen große Engel (Cherube) aus Ölbaumholz machen. Ein einzelner Flügel der Engel war fünf Ellen lang. Salomo stellte die Engel mitten in Allerheiligste des Tempels auf, „und sie breiteten ihre Flügel aus, sodaß der Flügel des einen Cherubs die eine Wand und der Flügel des anderen die andere Wand berührte, während in der Mitte des Raumes  Flügel an Flügel stieß.“

Diese Cherubime waren keine Engel, sondern geflügelte Wesen aus der Mythenwelt der Babylonier. Sie hatten einen Stierleib und Flügel. Im britischen Museum kann man in der Abteilung der Babylonier und Assyrer riesige Exemplare dieser Spezies sehen. Jahwe benutzte einen Cherubim als Reittier. In Davids Dank- und Siegeslied (2. Samuel 22, Vers 11) heißt es: „Er (Jahwe) fuhr auf dem Cherub und flog daher und schwebte auf den Flügeln des Windes“.

Die Cherubime hatten, ähnlich wie die Sphinx, die Rolle von Grabwächtern.

 

Nicht nur die Cherubime, sondern auch der ganze Tempel war im babylonischen Stil gehalten. Das Allerheiligste war also zwanzig Ellen breit (und zwanzig Ellen tief). „Und er überzog die Cheruben mit Gold. An allen Wänden des Tempels aber ließ er rundum Schnitzwerk von Cheruben, Palmen du Blumengewinden schneiden im inneren und äußeren Raum. Und als Eingang des Allerheiligsten ließ er Türflügel von Ölbaumholz machen.“

 

Vor dem Allerheiligsten war Jahwes Speisezimmer

 

Im Heiligen Raum vor dem Allerheiligsten stellte Salomon einen goldenen Altar auf und goldene Tisches, auf dem die Schaubrote und die Messer, Schüsseln, Schalen usw. lagen. Offensichtlich stellte man sich vor, dass der Pharao Sethos I. aus dem Allerheiligsten kommen würde und am Altar Platz nehmen würde, um sich die auf den Nebentischen bereitgestellten Speise und Getränke servieren zu lassen. An den Wänden waren 10 goldene Leuchter angebracht, die das Göttermahl beleuchten sollten.

 

Die Einweihung von Salomos Tempel

 

(1.Könige, Kapitel 8, Vers 3 bis 9): „Als nun alle Ältesten Israels gekommen waren, hoben die Priester die Lade des Herren auf und brachten sie hinauf, dazu das heilige Zelt und die heiligen Geräte, die in dem Zelt waren...Dann brachten die Priester die Bundeslade des Herren an ihren Ort, in den Hinterraum des Tempels, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherube; die Cherube nämlich breiteten die Flügel über den Ort, wo die Lade stand, und bedeckten so die Lade und ihre Stangen von oben her. Die Stangen aber waren so lang, daß man ihre Enden vom Heiligen aus, gerade vor dem Hinterraum, sehen konnte; aber draußen waren sie nicht sichtbar. Dort sind sie geblieben bis auf diesen Tag. Es war nichts in der Lade als die zwei steinerne Tafeln, die Moses am Horeb dareingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit Israel schloß, als sie aus dem Lande Ägypten zogen.“

 

Was geschah dann mit der Bundeslade ?

 

Dies ist die letzte Erwähnung der Bundeslade in der Bibel. Dieser mächtige heilige Gegenstand, der mit göttlicher Energie aufgeladen war, der mit in die Schlacht getragen wurde und durch seine magische Kraft den Israeliten zum Sieg verholfen hatte, wird ab nun einfach nicht mehr erwähnt.

Er steht in hintersten, allerheiligsten Raum des Tempels, und man kann von ihm nichts sehen als die Tragestangen. Aber es wird versichert, daß er bis heute dort steht. Bis heute, das heißt, als das Buch der Könige fertiggestellt wurde. Das war zwischen 620 und 538 v. Chr. Da der erste Tempel im Jahr 586 v. Chr. zerstört wurde, müsste dieser Satz als vor 586 v. Chr. geschrieben worden sein, vermutlich unter König Josia.

 

Wurde die Bundeslade gestohlen ?

 

Laut dem Kebra Nagast, dem um 1200 n. Chr. entstandenen Nationalepos der Äthiopier, soll der Sohn von König Solomo und der Königin von Saba, Menelik I., die Bundeslade gestohlen und nach Äthiopien gebracht haben.

 

Waren in der Bundeslade wirklich nur die beiden Gesetzestafeln ?

 

Wir kennen das ja aus der Politik: Wenn etwas dementiert wird, ist gerade das, was dementiert wird, wahr. „Es war nichts in der Lade als die zwei steinernen Tafeln“ heißt es in der Bibel. Das klingt wie ein Dementi. Also war doch noch etwas anderes in der Bundeslade. Nur so ist es zu erklären, daß die Bundeslade quasi als Sitz Gottes betrachtet wurde.

 

Weiter: Viertes Kapitel: Das Pharaonengrab unter dem Tempel von Jerusalem