Die Grabkammer eines Pharaos unter dem Tempel von Jerusalem

Von Richard Beiderbeck   www.koinae.de     

 

 

Die Pyramiden sind von ihrer Funktion her Grabkammern. Diese konnte man über oder unter die Erde bauen. Sie unter die Erde zu bauen, war sogar viel naheliegender und natürlicher. So geschah es ja auch im ägyptischen Tal des Todes.

Ich vermute, dass man unter dem Tempel von Jerusalem eine Grabkammer gebaut hatte, in welche man die Bundeslade, also die Mumie von Sethos I., brachte. Der Hohepriester gelangte durch eine verborgene Tür im Allerheiligsten durch eine Labyrinth Gängen tief hinab in die unterirdische Grabkammer. Wenn man so will, war der oberirdische Teil des Tempels von Jerusalem nur die Spitze des Eisberges. Darunter befand sich das eigentliche Heiligtum, eine in den Fels gehauene Pyramide für den Gottkönig Jahwe. In der Grabkammer, dem wahren Allerheiligsten, wurde in Rahmen eines geheimen Kultes Jahwe/Seth verehrt, der dem hohen Priester erschien. Die Gegenwart Jahwes im oberirdischen Allerheiligsten und sein Göttermahl am Altar war nur noch symbolisch und zeremoniell. In persona erschien er nur dem Hohe Priester, der sich aber in Traum oder Trance oder Ekstase versetzen musste.

 

Der Mysterienkult unter dem Tempel

 

Während oben im Tempel die himmlischen Engel, die Elohim, das Allerheiligste beherrschten, ließ Salomo Jahwe/Seth quasi in der Versenkung verschwinden und zum Gegenstand eines Mysterienkultes werden, zu einem Gott der Unterwelt.

 

Der Geist von Jahwe/Seth konnte vom Hohen Priester in einer Art Geisterbeschwörungszeremonie herbeigerufen werden und sich über seinem Sarkophag, der Bundeslade materialisieren.

Wenn ein Pharao gestorben war, lebte seine Seele noch weiter als Gott unter Göttern, war selbst ein Gott geworden. Aber wie in Ahnenkulten üblich, konnte sein Geist durch die magische Kraft der Religion herbeizitiert werden, um seinem Volk Rat und Hilfe zu gewähren. Deshalb war es wichtig, dass die sterbliche Übereste Jahwes im Tempel waren. Und noch aus einem anderen Grund war es wichtig. Wie die Pharaonen konnte Jahwe das Bedürfnis haben, das körperlose Dasein zu beenden und wieder aufzuerstehen, um sich den Freuden des Daseins zu ergeben, aber auch um wieder die Herrschaft über sein Volk persönlich auszuüben, sein Reich neu zu errichten.

 

Jahwe im Tempelberg wie Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser

 

Wie Barbarossa im Kyffhäuser wartete Jahwe im Allerheiligsten auf dem Felsen des Tempelberges darauf, wiederzukehren und das Reich Gottes zu bringen. Deshalb glauben die Moslems (in Anlehnung an Erzählungen aus dem Talmud), daß sich der Thron Allahs direkt über dem Heiligen Tempelfelsen befindet, da wo der Felsendom steht.

 

König Josia ließ dann Bundeslade und Mumie des Pharao Sethos I. verschwinden

 

Salomon hatte Jahwe unter dem Tempelberg in der Versenkung verschwinden lassen und die Mumie und der Kult an ihr geriet wohl im Laufe der nächsten Jahrhunderte in Vergessenheit.

 

Aus dieser Versenkung holte ihn erst um 600 v. Chr. König Josia wieder hervor, aber nicht als Mumie in der Bundeslade, sondern als den unsichtbaren und alleinigen, allmächtigen Gott. Er trennte Jahwe von seiner leiblichen Existenz. Übrig blieb nur der Geist Jahwes, die zum Allmächtigen Gott erhobene Seele des Pharao.

Josia ließ das Allerheiligste leer räumen, warf alle Götterstatuen aus dem Tempel (in ihm wurde nicht nur Jahwe verehrt) und aus dem ganzen Land Juda hinaus und zerstörte die Kultstätten aller andern Götter außer Jahwe. Der einzige Ort, an dem Jahwe verehrt werden durfte, war der Tempel zu Jerusalem. Daraus könnte man sogar schließen, dass auch alle anderen Jahwe-Kultstätten im Lande zerstört wurden. Der einzige Gott, der im ganzen Land verehrt werden durfte, war Jahwe. Somit hatte die Priesterschaft vom Tempel in Jerusalem das absolute religiöse Monopol.

 

Das Allerheiligste als schwarzes Loch für die anderen Götter

 

Das Allerheiligste im Tempel, in welchem jetzt Jahwe wohnte, war völlig abgedunkelt. Nur der Hohe Priester durfte es ein paar Mal im Jahr an Festtagen oder zu besonderen Anlässen betreten. Das Allerheiligste war ein schwarzes Loch. Und dieses Schwarze Loch saugte alle anderen Götter des Landes Kanaan in sich auf. Und so wurde aus Jahwe, dem Urahn der Israeliten, Jahwe der Kriegsgott, der Wettergott, der Fruchtbarkeitsgott, der Gott der Berge und Höhen, und schließlich der größte und mächtigste aller Götter, sogar der einzige. Und in dem Schwarzen Loch verschwanden im Laufe der kommenden drei Jahrtausende, als aus Jahwe der Gott der Juden, Christen und Moslems geworden war, Isis und Orsiris, Wotan und Freya, Mitras und Zeus, Hermes und Aphrodite, Quezocoatl und die Pferdegöttin Epona. Ja und sogar Aschera, die Gefährtin Jahwes, deren Statue bis zur Zeit Josias im Jahwe-Tempel stand.

 

Aber die Finsternis im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels verbarg ein furchtbares Geheimnis: Jahwe war tot, und seine Mumie war im Kidrontal heimlich verbrannt worden.

 

König Josia „findet“ im die vier Bücher Mose

 

Josia war von 639 bis 609 v. Chr. König von Juda. Um das Jahr 620 v. Chr. herum erklärte er, bei Aufräumarbeiten in oder unter dem Tempel zu Jerusalem sei eine „uralte“ Schriftrolle gefunden worden. Es handelte sich um das „alte Gesetz“, also der Kern dessen, was später zu den ersten vier Büchern Mose wurde. Das fünfte Buch Mose, das Deuteronomium entstand erst später.

 

Dieses Auffinden der alten Schriftrolle leitete eine religiöse Reform ein, die zum Ziel hatte, ale anderen Kulte aus dem Tempel und aus dem ganzen Land zu verbannen. „Den Bann vollstrecken“, das heißt, so wissen wir aus dem Buch Josua: „umbringen“. Josia ließ die Priester anderer Kulte, vor allem des Baalskultes, umbringen.

 

Bei seinen Aufräumungsarbeiten ließ aber Josia auch etwas verschwinden: Die Bundeslade mit der Mumie von Jahwe/Seth. Sie befand sich ja schon lange nicht mehr im oberirdischen Allerheiligsten, sondern tief unten im Berg in einer versteckten Grabkammer. Aber auch dort konnte sie gefunden werden. Eine Mumie in der Bundeslade wäre doch zu kompromittierend geworden und passte nicht mehr zu der neuen Religion. Er hatte also eine Leiche im Keller. Es war der mumifizierte Jahwe/Seth. Vermutlich ließ Josia die Mumie und die Bundeslade durch geheime Gänge ins Kidrontal bringen und sie dort verbrennen. Seither ward die Bundeslade nie mehr gesehen.

 

Vielleicht war die Bundeslade auch schon lange nicht mehr da

 

Im Nationalepos der Äthiopier, dem „Kebra Negest“ wird erzählt, daß die Königin von Saba dem König Salomo einen Sohn geboren hätte. Dieser, sein Name ist Menelik I., wäre im Alter von 22 Jahren nach Jerusalem gereist, um seinen Vater zu besuchen. Er hätte Salomo gebeten, ihm die Bundeslade zu geben. Daraufhin habe man eine genaue Kopie der Lade gemacht, Kopie und Original vertauscht und das Original ins Reich der Königin gebracht. Diese Reich soll in Äthiopien gewesen sein, andere sagen im Jemen.

Die koptischen Christen glauben, die Bundeslade sei identisch mit ihrer streng bewachten  „Bundeslade“ in der burgartigen, 1527 von den Portugiesen erbauten Wehrkirche „Maria Zion“ in der heiligen Stadt Aksum (oder Axum). Aksum liegt in der äthiopischen Provinz Tigré und war im 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Hauptstadt des „aksumitischen Reiches“, das bis 1530 n. Chr. bestand. Möglicherweise ist dieses aksumitische Reich das Reich des legendären „Priesterkönig Johannes“. Aksum war auch später noch religiöser Mittelpunkt Abessiniens (alter Name für Äthiopien).

 

Der britische Journalist Graham Hancock suchte die Bundeslade

 

In seinem Buch „Wächter des heiligen Siegels“,Lübbe 1992, (Originaltitel: „The Sign and the Seal“) ist der britische Journalist Graham Hancock der Ansicht, dass Menelik nicht die Bundeslade nach Äthiopien brachte, sondern daß diese bis ungefähr 650 v. Chr. im ersten Tempel zu Jerusalem blieb, dann aber von Tempelpriestern aus Frucht, der judäische König Manasse, der ein Götzen verehrender Heide war, könnte sie zerstören, in den neuen jüdischen Tempel von Elephatine (in Ägypten) gebracht worden sei. Hier wurde sie bis 410 v. Chr. aufbewahrt. Als die Plünderung des Tempels bevorstand, sei die Bundeslade von Trägern zum See Tana in Äthiopien gebracht worden. Von dort habe sie 350 n. Chr. König Ezana nach Aksum gebracht. Dort wurde ein spezieller Aufbewahrungsort für die Reliquie gebaut, die Kirche der „Heiligen Maria von Zion“.

Vor den anrückenden islamischen Armeen wurde die „Bundeslade“ vermutlich in einer der ca. 160 aus dem Felsen herausgehauenen „Steinkirchen“ in Lalibela, einem Ort im äthiopischen Hochland, 230 km nördlich von Aksum, versteckt. Dort befindet sich die Kirche „Beta Medhane Alem“ („Haus des Welterlösers“). Wie im Tempel zu Jerusalem ist der Kirchenraum durch einen Vorhänge geteilt. Im Allerheiligsten („magda“) wird der „Tabot“, die „Bundeslade“ (eine Kopie der Bundeslade in Axum)  aufbewahrt. Die „originale Bundeslade“ sei aber wieder nach Aksum zurückgebracht worden.

 

Die auf der jährlichen Prozession am Timkatfest durch die Stadt getragene, mit wertvollen Tüchern bedeckte „Bundeslade“ sei eine Kopie. Ebenso Kopien seien die „Bundesladen“, die in äthiopischen Kirchen, z. B. in Gondar, aufbewahrt werden.

 

Graham gelang es 1991 nicht, in Aksum das „Original der Bundeslade“ gezeigt zu bekommen, geschweige denn es untersuchen zu dürfen. Die „Bundeslade“ wurde von einem Mönch mit Namen Gebra Mikhail bewacht. Dieser Mönch verwehrte jedermann den Zutritt, selbst dem Regierungschef von Äthiopien. Auf seinem Totenbett bestimmt der Mönche seinen Nachfolger. Als Hancock den Mönch bat, ihm die Bundeslade zu zeigen, sagte ihm dieser, daß er in der Bibel genau nachlesen könne, wie die Bundeslade aussieht.

 

Wird die Bundeslade in der Kupferrolle aus Qumran erwähnt ?

 

Die Kupferrolle ist eine Schriftrolle aus Kupfer, auf der die Wertgegenstände der Essener verzeichnet sind, sowie die Stellen, wo sie versteckt sind. Die Kupferrolle wurde 1947 zusammen mit den berühmten „Schriftrollen vom Toten Meer“ in einer der Höhlen von Qumran gefunden. Auch die Bundeslade wird angeblich in der Kupferrolle erwähnt. Dies jedenfalls glaubt Vendyl Jones, der 1992 als Direktor das Institute for Judaic Christian Research in Texas leitet.

Vendyl Jones aber musste seine Grabungen in der Westbank nach 14 Tagen abbrechen, weil die Israelische Altertumsbehörde sie verbot.

 

Haben die Tempelritter die Bundeslade unter dem Tempel zu Jersusalem gefunden ?

 

Dies jedenfalls vermuten verschiedene Autoren.

 

Wie die „uralte Schriftrolle“ entstand

 

Doch zurück zu König Josia und zu der „uralten Schriftrolle“, die er im Tempel fand. Die „uralte“ Schriftrolle war wohl so entstanden, daß die Priester im Auftrag von Josia eine Sammlung von religiösen Gesetzestexten und historischen Texten anlegten, indem sie bereits vorhandene Texte durch neue Texte und Geschichten miteinander verknüpften, um so ein einigermaßen geschlossenes Werk zu erhalten. Diese Schriften verfolgten auch den Zweck, das Königreich Juda im besten Licht erscheinen zu lassen, während das untergegangene Nordreich Israel als zweitrangig abgetan wurde.

 

In der Überarbeitung und Neugestaltung der alten Texte kam es Josia ganz entscheidend darauf an, alle Spuren des in Juda und Israel weit verbreiteten Polytheismus aus den Texten zu eliminieren. Ursprünglich hatte man wohl zwei Götter: den babylonischen Himmelsgott El und den semitisch-ägyptischen Kriegsgott Jahwe/Seth, der einer seiner Söhne war und dem das Land Israel zugesprochen wurde. El war der Vater und Jahwe/Seth der Sohn. Beide wurden nun in einem Gott, einfach „der Herr“ genannt, verschmolzen. Mit verschmolzen wurden auch die vielen lokalen Gottheiten, die von den Kanaäern und den anderen im Lande wohnenden Völkern verehrt wurden, allen voran der Gott Baal und die Göttin Aschera.

Im Jahr 1929 fand man in Ugarit, einer ursprünglich uralten phönizischen, später kanaäischen Stadt, eine Fülle von religiösen Texten der Kanaäer, die zeigen, daß Baal doch erhebliche Ähnlichkeiten mit Jahwe hatte.

 

Jahwe reagiert auf das Verschwinden seiner Mumie sehr ungnädig

 

Nachdem Josia die Mumie verschwinden ließ, folgte die Rache Jahwes. Der Tempel wurde von den Assyrern zerstört, die Juden nach Babylon deportiert.

 

Weiter: Fünftes Kapitel: Die babylonische Gefangenschaft