Von
Wie viele Juden
kann Jesus nicht begreifen, dass Gott sein Land in die Hände der Römer gegeben
hat und es den Caesaren und ihren Vasallen überlässt.
Warum hat sich Gott zurückgezogen ? Weil das Volk gesündigt hat, sich der
fremden, griechisch-römischen Kultur ergibt und zu fremden Götter betet. Also muß das Volk umkehren und Buße tun, so wie es Johannes der
Täufer gelehrt hat. Aber Jesus wendet sich von dieser Büßer- und Asketenmoral
ab. Wichtiger als die Buße ist der feste Glaube an die schon bald kommende
Herrschaft Gottes; und Jesus sieht sich und seine Wundertaten als Vorbote der
kommenden Gottesreiches an. Wenn Blinde sehend werden und Gelähmte wieder
laufen können, dann ist auch das Reich Gottes möglich – das ist die Botschaft
seiner Wunder. Aber das Reich bleibt aus. Deshalb ein letzter, verzweifelter
Schritt, aus der galiläischen Provinz hinaufziehen nach Jerusalem und das Reich
Gottes vor Hunderttausend Pilgern verkünden, die zum Passahfest, das
alljährlich zur Erinnerung aus der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei
gefeiert wird, in die heilige Stadt der jüdischen Könige gekommen sind.
Der Marsch auf
die Tempelhalle
Die Botschaft
der Tempelreinigung ist klar: „Dieser Tempel gehört meinem Vater im Himmel. Ich
bin sein legitimer Nachfahre und König von Gottes Gnaden.“ So wie Hitler mit
dem Marsch auf die Feldherrnhalle durch einen Putsch die Regierung absetzten
wollte, die das Volk verraten hatte (so sah er das), so wollte Jesus die
korrupte Führung des Tempels, die zugleich die Zivilgewalt im Lande hatte,
absetzen.
Wäre Jesus mit
seinem Putschversuch, der allerdings nicht gegen die Römer (das wäre
selbstmörderisch gewesen) sondern gegen die Priesterelite im Tempel gerichtet
war, durchgekommen, dann hätte dies aber doch zu einem Aufstand gegen die Römer
führen können. Also handelten der Hohe Priester Kaiphas
richtig, als er Jesus wegen Gotteslästerung verurteilte und ihn dem römischen
Statthalter Pontius Pilatus zur Hinrichtung übergab. Hätte Jesus einen Volksaufstand
gegen die Römer ausgelöst, hätte der Jüdische Krieg nicht erst 66 n. Chr.
sondern schon 30 v. Chr. begonnen. War sich Jesus der Tragweite seiner
Predigten und Wunder bewusst ? Bedachte er die Folgen für sein Volk ? Nein, er
war auf das Reich Gottes fixiert, an das er unerschütterlich glaubte und das er
herbeiführen wollte. Er griff deshalb zum letzen Mittel – er opferte sich
selbst. Hoffte er, dass sein Märtyrertod seiner Botschaft die nötige
Aufmerksamkeit und ein seinem Volk die nötige Emotionalisierung geben würde,
die nötig war, um einen Aufstand auszulösen ? Das glaube ich nicht. In seiner
Logik wollte er nicht das Volk und seine Anhänger mobilisieren, sondern seinen
himmlischen Vater. Der sollte endlich aktiv werden und die Römer aus dem Land schmeißen
und die Kollaborateure im Tempel gleich mit dazu. Wieder ging es um das alte
jüdische Thema: Das eigene Land zu besitzen.
Hoffte Jesus,
sich selbst opfernd, dass Gott im letzten Moment dem Schicksal Einhalt gebieten
würde und ihn vor der Kreuzigung retten würde, so wie Gott im letzten Moment
Isaak vom Scheiterhaufen gerettet hatte ?
Nun, Gott war
ihm gnädig. Jesus hat die Kreuzigung überlebt – ob als Toter oder als
Scheintoter, das werden wir nicht ergründen können, weil wir nicht mit letzter
Sicherheit wissen, ob das Grabtuch von Turin echt ist. Jedenfalls, Jesus
überlebte, und das zeigte ihm und seinen Jüngern, dass alles möglich war, also
auch das Reich Gottes. Aber die Jahre gingen ins Land, der Tempel wurde im Jahr
70. nach Chr. zerstört, ein Teil der Juden aus dem Land vertrieben. Aus der
Traum vom eigenen Land !
Aber Träume
sind hartnäckig. 132 bis 135 n. Chr. kam ein erneuter Aufstand der Juden unter
einem neuen Messias: Der Aufstand des Bar Kochba, der
blutig unterdrückt wird und zur endgültigen Vertreibung der Juden führt.
Wie schön
hatten sie es unter Herodes dem Großen gehabt ! Der war aber kein Jude, sondern
Idumäer. Hatte er ihnen nicht den Tempel viel größer
und prächtiger als Salomo ausgebaut ? Hatte bei ihm nicht jeder nach seiner Facon
leben können: entweder als strenggläubiger Jude, oder als einer, der sich die
griechisch-römische Kultur zu eigen
gemacht hat und die Vorteile dieser neuen Identität genießen kann ? Warum
sollte ein Vasallenkönig der Römer schlechter sein als ein König David und
Salomo ? War David nicht einer, der ständig Krieg führte, einen treuen Soldaten
in den Tod schickte, damit er mit seiner Frau ins Bett gehen konnte ? War
Salomo nicht einer, der den Baalskult wieder
eingeführt hatte ? Einer, der die Reichtümer des Volkes für seine Feste
verschwendete ? Was war also der Unterschied zu Herodes ? David und Salomo
waren Schweine, aber sie waren jüdische Schweine. Mit ihnen konnten sich die
Juden identifizieren – mit Herodes und dem Kaiser Augustus nicht. Auch hier wieder
die große jüdische Frage: Wer sind wir? Zu sein, wer man ist, und zu wissen wer
man ist: das ist nicht nur ein jüdisches Grundbedürfnis. Es ist das
Grundbedürfnis jedes Mensche, besonders aber eines heimatlosen Wanderers
zwischen den Welten. Wer eine Heimat hat, kann sich mit seinem Land
identifizieren: mit seiner Landschaft, mit seinem weißblauen Himmel, mit seinen
Städten und Bauwerken, mit seiner Geschichte. Was bleibt einem Juden in der
Diaspora ? Sein Gott, seine Geschichte und das gelobte Land. Wenn man ein Land
und eine Stadt hat, braucht man vielleicht keine Gott mehr und keine
Geschichte, um eine Identität zu haben. „Ich bin Jerusalemer (oder gar einer
aus Tel Aviv)“ - das ist das Ende des Judentums. Die Juden werden erst wieder
Juden sein, wenn sie ihr Land verloren haben. Und der Verlust ihres Landes und
die Sehnsucht nach ihrem Land ist ein ständig wiederkehrendes Grundmuster ihrer
Geschichte, seit sie vor fast 6000 Jahren aus dem Paradies vertrieben wurden,
als die Welt geschaffen wurde. Nicht die Welt an sich, sondern ihre Welt, die
sich in einem ewigen Kreislauf von kurzem Glück und langem Unglück dreht.
Und doch ist
das Reich Jahwes gekommen. Aber es ist nicht von dieser Welt. Aus „El“, dem
Gott Abrahams wurde Allah, der Gott Mohammeds.
Die Beschneidung der Neugeborenen, der Fastenmonat, das Verbot,
Schweinefleisch zu essen, die Pilgerreise in die heilige Stadt wurden
beibehalten. Aus Jahwe wurde der Gott der Christen und der lang ersehnte Messias
war Jesus. Wurden die Juden auch ihrem Gott immer wieder untreu, die Christen
und die Moslems hielten in unverbrüchlicher Treue zum Gott der Juden und wurden
des Volk Jahwes. Sie gaben ihre alte Identität auf und nahmen eine neue an:
„Wir sind Christen, wir sind Moslems.“ Durch die Vermittlung der Juden konnten
sich Christen und Moslems zurückbinden an
babylonischen und ägyptischen Wurzeln und wurden fest im alten Orient der
Antike verwurzelt.
So wie die
Kultur der Schwarzen in der Karibik und in den Schwarzenghettos
der US-Amerikanischen Großstädte zur dominierenden musikalischen Kultur der
Welt wurde, so wurde die Religion eines kleinen, unterdrücken Volkes zur
dominierenden Religion auf unserem Planeten.
Litt Jesus an einer Messiaspsychose ?
Auch in heutiger
Zeit beobachtet man in Jerusalem unter den christlichen Pilgern ein hin und
wieder folgendes: Ganz normale Alltagsmenschen, die nie besonders auffällig
wurden, identifizieren sich nach dem Besuch der heiligen Stätten so sehr mit
Jesus, dass sie sich für den Messias halten. Sie werden in eine Klinik
eingewiesen, wo man diese Symptome schon von früheren Fällen her kennt.
Meistens können die Patienten nach einiger Zeit entlassen werden.
Jesus war
Mitglied der Sekte Johannes des Täufers, der das baldige Kommen des Messias
vorhersagte. Schließlich wurde er von dieser Idee so mächtig ergriffen, dass
er, nachdem Johannes auf Befehl von Herodes Antipas
enthauptet worden war, die Verkündigung des nahen Gottesreiches in Galiläa
betrieb. Hier war er relativ sicher, aber er erkannte, dass er, wenn er die
Dinge in Bewegung bringen wollte, nach Jerusalem gehen musste. Die Risken waren
ihm wohl bewusst, aber wie jede Religion nährte bei ihm auch sein Judentum eine
Sehnsucht nach dem Tode und auch die Bereitschaft, sein Leben zu opfern, um so
das Reich Gottes herbeizuzwingen und die Menschheit zu erlösen. Wie wir heute
sehen können, war das Opfer vergeblich. Morden und Leiden gehen weiter, das
Reich Gottes scheint ferner als je.
Jahwe wird der Gott aller Menschen
Aber die Karriere
Jahwes ging weiter. Jahwe wurde zum Gott der ganzen Welt. Dies verdankte Jahwe
dem Apostel Paulus. Die Tat des Paulus bestand darin, zu erklären, dass Jahwe
nicht nur der Gott Israels sei, sondern der Gott aller Menschen. In einem
gewissen Sinne nahm er damit Jahwe den Israeliten weg. Jahwe konnte eigentlich
nur verehren, wer von einer jüdischen
Mutter abstammte, also als Jude geboren war. Das zeigt, dass die Verehrung
Jahwes ursprünglich ein Ahnenkult war. Nur die Nachfahren verehren die Ahnen.
Andere Familien und andere Völker müssen ihre eigenen Ahnen und Götter
verehren. Jahwe war nur der Gott der Juden und nur ein Jude und hatte das
Recht, Jahwe um größere oder kleinere Gefälligkeiten zu bitten und ihn durch
Opfer und Gebete zu manipulieren. Wo wären die Israeliten hingekommen, wenn
jeder Dahergelaufene den israelischen Nationalgott hätte manipulieren dürfen !
Das hätte der sich auch nie gefallen gelassen. Deswegen war es in den Augen der
strenggläubigen Juden sicher auch absurd, dass Nichtjuden zu Jahwe beteten.
Wenn man das vor Augen hat, wird einem klar, wie erbittert die Kontroversen
zwischen den frühchristlichen Anhängern des Paulus und den Juden war. Als dann
allerdings nach dem jüdischen Krieg von 66 bis 70 n. Chr. die Juden in alle
Welt zerstreut wurden, betrieben sie sehr wohl Mission und ganze Völker traten
zum Judentum über. In Konkurrenz zum Christentum und in der Fremde war Mission
zur Überlebensfrage für das Judentum geworden und der Pragmatismus setzte sich
durch. Aber die Juden missionierten niemals so energisch und aggressiv wie
Christen und Moslems.
Aus Jahwe, dem
Herren Israels wurde der Herr der Welt. Er war nicht mehr nur in seiner
Grabkammer auf dem Tempelberg, sondern er war überall da, wo Juden waren,
später dann überall wo Christen und Moslems waren. Und so wurde aus dem
Stammesgott der Israelis der Gott der Christen und der Gott der Moslems.
Allerdings wurde er vorher noch von Paulus und den Kirchenvätern durch die
Mühle der griechischen Philosophie gedreht. Er wurde zum „ersten Beweger“ des Aristoteles und zur höchsten, alle anderen
Ideen in sich vereinenden Idee Platons. Bei Johannes hieß das dann: „Am Anfang
war das Wort“. Jahwe war also auf einmal Heiliger Geist, transzendent und
immanent, die Weltseele, welche die Schöpfung ausgeatmet hatte und gleichzeitig
bis in den letzten Winkel durchdrang. Die Summe aller Ideen, vor allem aber die
schönste Idee von allen: die Liebe.
Und wer war jetzt
für das Böse und Negative zuständig ? Das war jetzt ein anderer: Der Satan.
Schon in der babylonischen Gefangenschaft der Juden, unter dem Eindruck der
damals noch dualistischen Zarathustrareligion wurde Jahwe gesplittet.
Während der Jahwe des alten Testaments seine Mordbefehle noch selbst gab, wusch
sich der Gott des Paulus die Hände in Unschuld. Alles Übel kam jetzt vom Satan.
Und an den Satan glaubte auch Christus, und weil Christus an den Satan glaubte,
mussten auch die Päpste an den Satan glauben, und auch die Imame der Moslems.
Und so entstand ein ganzes Weltreich der Satansgläubigen. Glauben heißt sich
unterwerfen. Aber die Christen und die Moslems unterwerfen sich doch nicht dem
Satan ! Nein, das nicht. Sie fürchten ihn nur. Und manchmal tun sie auch seine
Werke. Natürlich im Namen Gottes.
Nach dem Glauben
der Christen (und die Moslems glauben ähnliches) wird am Tag des jüngsten
Gerichtes der Gott, der die Liebe ist, den sieben Posaunenengeln den Befehl
geben, den Weltuntergang zu entfesseln und die sieben Zornesschalen auszugießen: Krankheit, Hunger, Hitze,
Finsternis, Seuchen, Krieg und Tod werden über die Menschen kopmmen.
Denn nur so kann das tausendjährige Friedensreich entstehen und nach dem
letzten Ansturm des Satans und seiner Vernichtung wird das himmlische Jerusalem
aus dem Himmel herabkommen wie ein Raumschiff und die letzten Überlebenden
aufnehmen.
Vielleicht wird
ja die Erde wirklich einmal durch einen atomaren Holokaust
zerstört, damit die letzten Überlebenden in einer friedlichen Welt jenseits der
Erde leben können. Aber hätte dann dieser Gott der Liebe nicht sein
Friedensreich etwas schonender und menschenfreundlicher etablieren können ?
Jesus der Gottkönig – Cheops der Gottkönig
Der christliche
Glauben ist weit mehr von den religiösen Ideen der Ägypter beeinflusst, als das
allgemein bewusst ist. Der Mythos von Jesus, der drei Tage in einer Grabkammer
liegt, in die Hölle hinabsteigt und schließlich in den Himmel erhoben wird, ist
ein ägyptischer Mythos.
Der ägyptische
Pharao war nicht nur ein Mensch, sondern der Sohn eines Gottes, nämlich des
Gottes der Sonne und des Lichtes. Wenn er gestorben war, lag seine Mumie in der
Grabkammer seiner Pyramide. Aber das war nur der sterbliche Teil seines Wesens.
Der göttliche Teil seines Selbst war der Sonnengott, der seine Bahn am Himmel
zog. Der Pharao war einbalsamiert, weil er eines Tages die „Wiederauferstehung
im Fleische“ erleben würde. Sein Leichnam würde wieder lebendig sein und vom
Grab auferstehen. All das klingt jedem, der in einer christlichen Kultur
aufgewachsen ist, so vertraut.
Vertraut ist uns
auch der Personenkult, der um Jesus getrieben wird. So wie der Pharao als
göttliches Wesen verehrt wurde, so wird Jesus von seinen Anhängern kritiklos
verehrt. Jesus – ecce homo („seht, was für ein Mensch
!“) - ist ein Mensch ohne Fehler und Schwächen. Nur in seinen letzten Stunden
wird er schwach (im Garten Gethsemane und am Kreuz),
aber das schreibt das Drehbuch so vor, damit man sieht, dass dieser Gott auf
Erden wirklich einer von uns geworden ist.
Jesus ist also
der Gottkönig, der Pharao, der menschgewordene Gott,
der nach seiner irdischen Fleischwerdung wieder in den Himmel zurückkehrt. Wie
ägyptisch ist das doch alles ! Der Nachfolger Christi ist Petrus, und der
Nachfolger Petri ist der Papst. Seine Tiara ist der Doppelkrone (der
vereinigten Reiche von Ober- und Unterägypten) des ägyptischen Pharao
nachgebildet.
Hat sich Jesus im
Laufe seines Lebens als Wanderprediger immer mehr mit der Rolle des Gottkönigs
und Weltenrichters identifiziert, dass diese Idee übermächtig wurde und von
seinem Ich völlig Besitz ergriff ? Oder ging es ihm wie den Mystikern, die ihr
Ich so weit abtöten, dass Gott von dieser leeren Hülle Besitz ergreift und sie
in heiliger Raserei in die Welt hinausschreien: „Ich bin Gott !“ ? Immerhin war
Jesus angeblich vierzig Tage in der Wüste. Hat hier diese mystische Wandlung in
seinem Ich stattgefunden ? Und war nicht auch Mohammed in der Wüste, und kehrte
er dort nicht mit dem festen Glauben zurück, dass ihm der Engel Gabriel die
Wahrheit offenbart hätte, die er zu verkünden habe. Wird nicht in vielen
afrikanische Religionen versucht, von einem Gott besessen zu sein ?
Wie konnte ein
ägyptischer Pharao als Mumie in seiner Grabkammer liegen, während er
gleichzeitig im Himmel als Gott herrschte ? Wie konnte Jesus gleichzeitig in
seinem Grab liegen und bei Gott sein ? Für den Gläubigen ist die Antwort klar:
Weil Jesus und Gott zwei verschiedene Möglichkeiten ein und desselben Gottes
sind, zu existieren. Die Nacht ist genauso ein Ort, in welchem Gott gegenwärtig
ist wie der Tag. Die Hölle ist genauso ein Ort, in welchem Gott gegenwärtig ist
wie der Himmel. Und die Schnittscheibe (um im antiken Weltbild von der
Erdscheibe zu bleiben) ist natürlich ein Ort, an dem Himmel und Hölle in
gleicher Weisen gegenwärtig sind.
Stellen wir
uns vor, König Snofru ist, auf dem Thron sitzend,
während der Ratsversammlung gestorben. Das Herz hat einfach aufgehört zu
schlagen und er ist mit einem Lächeln eingeschlafen. In diesem Moment hat die
göttliche Kraft den Raum betreten und jeder konnte ihre Wirkung sehen. Der
mächtige Pharao, vor dem die Welt gezittert hat, ist auf einmal stumm und
unbeweglich geworden. Ein noch viel Mächtiger hat seine Macht gezeigt.
Aber ist Snofru wirklich tot ? Er sieht so aus, als könnte er jeden
Moment den Mund auftun und etwas sagen. Es besteht also die Möglichkeit, dass
er wieder zum Leben erwacht. Das kann er aber nur, solange sein Körper intakt
ist. Wenn er in Verwesung übergeht oder gar verbrannt wird, dann besteht keine
Hoffnung mehr, dass Snofru jemals wieder sein Land
regieren kann. Es muß also die Möglichkeit offen
gehalten werden, dass Snofru wieder zum Leben
erwacht. Zu diesem Zweck muß sein Körper vor
Zerstörung geschützt werden. Er könnte ja zurückkehren und den Körper dann
wieder brauchen.
Die Stunden
vergehen, die Sonne geht unter. Die großen des Reiches haben den Palast
verlassen, zurück bleibt Cheops, der Sohn des Snofru,
der an seines Vaters Totenwache hält. Es wird Mitternacht, der Sohn schläft ein
und träumt. Er träumt, dass Snofru von seinem
Thronsessel aufsteht und in den angrenzenden Speisesaal geht, um sich am Mahl
zu laben. Sein Sohn geht mit und setzt sich ihm gegenüber an den Tisch, und
gemeinsam beginnen sie das Mahl.
Snofru sagt: „Ich bin noch hier, bei dir, mein
Sohn. Du kannst mit mir sprechen, und ich werde dir Ratschläge erteilen, wie du
handeln sollst. Ich werde dir die Zukunft vorhersagen, und durch dich werde ich
das Reich mit Weitsicht und Erfolg regieren. Eine glückliche Zeit wird kommen.
Ich bin bei dir. Ich werde dich stets beobachten, schützen und leiten. Aber ich
bin jetzt ein Gott. Ich bin in den Himmel zu den Göttern aufgestiegen und bin
der größte und mächtigste Gott geworden. Ich bin die Sonne, die den Himmel
beherrscht. Ich gebiete über den Wind und den Blitz. Ich lasse die Pflanzen und
Tiere wachsen. Ich bringe Tod und Leben. Natürlich kann ich mich nicht selbst
um alles kümmern; meine Götter, Engel, Dämonen und Geister werden meine Willen
ausführen. Ich selber werde fernab von der Erde in ewiger Seeligkeit und
Herrlichkeit schweben. Aber ich bin immer für dich da. Du musst nur hier an
meinem sterblichen Körper Nachtwache halten, dann werde ich dir erscheinen und
in meinen Körper zurückkehren.
Geh also hin und baue eine
große Pyramide für mich, die eine Wohnung für mich enthält. Balsamiere meinen
Körper ein, sodaß ihm die Zeit nichts anhaben kann.
Lege mich in den Sarkophag, aber richte die Wohnung so her, dass ich jederzeit
aus dem Sarkophag heraussteigen kann und mein
gewohntes Leben wieder aufnehmen kann. Stell Essen und Trinken bereit, sorge
für Beleuchtung und für Bedienung. Dann können wir gemeinsam ein abendliches
Mahl feiern.
Sorge dafür, dass
dein Sohn und Nachfolger auch für dich alles bereitet: Einbalsamierung,
Pyramide, nächtliche Rückkehr zum gemeinsamen Abendmahl. Denn auch du wirst
unsterblich sein und mit mir im Himmel regieren.“
Und so baute
Cheops eine Pyramide für sich.
Das Reich
zerfällt
Aber die Menschen
wandten sich von den Pharaonen ab und die göttliche Ordnung löste sich auf. Das
Reich wurde in rivalisierende Fürstentümer und rivalisierende Könige gespalten.
Die Menschen beteten zu neuen Göttern, und Fremde drangen in das Reich ein und
übernahmen die Herrschaft. Aber es entstand ein Retter, der das Reich neu errichtete.
Das Reich ersteht
neu und fällt schließlich in die Hände fremder Eroberer
Als das Reich
wieder schwach geworden war, weil das Volk nicht mehr die Gesetze des
göttlichen Pharao nicht mehr befolgte, da kamen Fremde in das land und rissen
die Herrschaft an sich.
Cheops soll
wiederkehren und das Volk befreien
Aber es gab
welche, die sagten: „Ein zum Pharao gesalbter König wird wiederkehren. Er wird
aus seinem Grab in der großen Pyramide auferstehen und die Macht der fremden Teufel
beenden.“ Und so hofften sie, dass König Cheops von neuen wiederkehren würde.
In dieser von
mir erfundenen Geschichte treten eine Reihe von religiösen Ideen auf. Die
Geschichte ist auch nur zum kleinen Teil
selbst erfunden. Die Bausteine, die Ideen, waren schon längst bekannt. Ich habe
sie nur etwas anders zusammengesetzt. Die religiösen Ideen entstanden durch
bestimmte Erfahrungen, die die Menschen mit dem Tod, mit der Geschichte, mit
den Naturgewalten machten. Aus diesen Erfahrungen entstanden Ideen, die ganz
nah liegen. Der frisch Verstorbene liegt da, also würde er jeden Moment wieder
aufwachen. Daraus wurde die Idee der Auferstehung. Von den Bergen zucken
Blitze. Da liegt es nahe zu denken: Da oben wohnt der Gott des Wetters. Der
Ahne erscheint dem Sohn im Traum: Da liegt es nahe zu denken: Die Seele des
Toten lebt weiter und erscheint in der nacht dem
Sohn.
Diese religiösen
Ideen gewinnen in den Religionen eigene Macht und Dynamik und veranlassen die
Menschen zu handeln und sich der Religion zu unterwerfen.
Im Zentrum aller
Religion und Magie steht die Notwendigkeit, den Göttern Opfer darzubringen. Das
oberste magische Prinzip ist: „Ich gebe, damit du gibst („Do ut des“). Der Pharao war Staatsoberhaupt und das
öffentliche Opfer war staatstragend, es war staatlich vorgeschriebene Magie.
Durch das Opfer wurde gewährleistet, daß die
Überschwemmungen des Nils zur rechten Zeit und im rechten Umfang eintraten, daß es keine Unwetter gab, daß
Pflanzen und Tiere fruchtbar waren und gediehen und daß
das Volk ruhig und zufrieden seiner Arbeit nachging. Die ganze Natur sollte in
universeller Harmonie („maat“) bleiben. Man glaubte
sogar, daß die
Sonne und der Sterne nur dann auf ihrer richtigen Bahn blieben, wenn das
Opfer vorschriftsmäßig gemacht wurde. Wenn das Oper ausblieb oder nicht
sachgemäß durchgeführt wurde, dann drohte das Chaos.
Die Papstkrone,
die Tiara, offenbart: Der Papst ist wie der Pharao ein Gottkönig. Die
Papstkrone ist eine Nachbildung der ägyptischen Doppelkrone des vereinten Ober-
und Unterägypten. Wenn der Papst an Ostern „urbi et orbi“ (der Stadt Rom und dem Erdenkreis“) den Segen
erteilt, dann sendet er die göttliche Kraft über die ganze Welt aus und sorgt
dafür, daß sie in Harmonie und Ordnung bleibt. Es
handelt sich um einen Frühjahrsegen, der dafür sorgt, daß
alles wächst und gedeiht. Das Weihwasser, das von den katholischen Priestern
verspritzt wird, ist ein Symbol für Regen und für die göttliche Lebenskraft,
die Fruchtbarkeit und Segen bringen.
Wenn ein Papst
stirbt, ruht sein einbalsamierter Körper in der Krypta des Petersdoms wie die
Mumie eines Pharaos in seiner Grabkammer. In dem neuen Papst inkarniert sich der Heilige Geist und die göttliche Kraft
von Petrus, Jesus und Gott. In seiner Person ist Christus auf die Erde
zurückgekehrt. Die katholische Kirche sagt verschämt: „Die Kirche ist der Leib
Christi“. Aber da der Papst die Kirche ist, ist er der wiederauferstandene
Christus. Wenn aber Christus auferstanden ist, dann ist ja auch das Reich
Gottes schon da. Das Reich Gottes ist die Herrschaft der Kirche. So die
unterschwellige Logik, die ich hier zu erkennen glaube.
Da aber diese Welt
doch zu viele Mängel hat und die Menschen nach wie vor so viel leiden müssen,
kann dieses Reich der Kirche doch nicht das letzte und endgültige sein. Das
sieht auch die Kirche ein. Aber bevor das Reich Gottes kommt, muß ja erst die apokalyptische Katastrophe kommen. Auf
deren Eintreten wartet aber die katholische Kirche durchaus nicht - im Unterschied zu vielen protestantischen
Sekten. Denn aus der Sicht der katholischen Kirche ist die Welt, so wie sie
ist, mit ihren vielen Kirchen, Klöstern und Priestern durchaus eine Welt, die
in Ordnung ist und so bleiben sollte, wie sie ist. „Perseverare
stabilitatem“, „die Stabilität beharrlich verfolgen
und bewahren“, ist das Motto. Ein Christus, der zurückkehren und die sieben
Zornesschalen über die Welt ausgießen würde, wäre der katholischen Kirche
eigentlich nicht willkommen. Aber solange die Katholische Kirche besteht und
solange es einen mächtigen Papst gibt, kann die Apokalypse sicher verhindert
werden. Deswegen muß die Kirche weiterbestehen und wachsen. Wenn erst alle
Christen sind und sich an die Gebote Gottes halten, dann ist ein Weltuntergang
auch gar nicht nötig, sondern das Reich Gottes kann auch so kommen. Wenn es
aber keine katholische Kirche und den Papst nicht mehr gibt, dann ist der
Weltuntergang nicht mehr weit.
Dies, so glaube
ich, ist das, was der soeben verstorbene Papst Johannes Paul II. gedacht und
geglaubt hat.
Der ägyptische
Pharao war der große Magier, der die Kraft des Lebens, das Heil spendete. Er
war der Her aller übernatürlichen Kräfte. Sie wohnten ihm inne, denn während
eines besonderen Festmahls hatte er die magischen Kräfte verspeist. Christian Jacq („Das verborgene Wissen der Magier“, Knaur 1999) weist
auf die „Kannibalenhymne“ hin, einem Text, der auf sehr altertümliche Rituale
anspielt. Es wird darin geschildert, wie der Pharao Götter und Menschen
verschlingt. Es soll damit gesagt werden, daß der
Pharao die Kraft der Götter und Menschen in sich aufnimmt. In metaphysischem
Sinn ernährt er sich auch die Kraft seiner Eltern und Vorfahren. Das Ganze ist
sehr bedenklich, weil hier der Pharao zu einem gottgleichen Wesen wird, das an
keinerlei menschliche Regeln mehr gebunden ist. Unverkennbar ist hier der
Wunsch nach Allmacht. Die Ideen von der Gottgleichheit des Pharao fördern
seinen Größenwahn.
Gemäß diesen alten
religiösen Ideen ist der Pharao unverwundbar und unvergiftbar
und er besitzt einen göttlichen Leib. Der Pharao kann den Göttern Befehle
erteilen, z. B. kann er sich von ihnen eine Treppe bauen lassen, auf der er in
den Himmel steigen kann. Wir finden dieses Motiv in der Geschichte von Jakob
auf der Himmelsleiter wieder.
All dies kann der
Pharao tun, weil in ihm die göttliche Kraft ist, in deren Besitz und Kontrolle
er sich durch das Mittel der Magie gesetzt hat. Die göttliche Kraft ist in
seinem Körper, in seiner Person und in seinem Namen. Auch die Gegenstände, die er
trägt oder berührt, sind mit magischer Kraft aufgeladen, vor allem die
Reichskrone. Nur der Pharao kann sie tragen und von ihrer magischen Kraft
Gebrauch machen.
Wie jeder Gott hat der
Pharao einen geheimen Namen, den niemand wissen darf. Dieser Name offenbart den
innersten Kern seines Wesens. Er darf nicht preisgegeben werden, weil durch der
Name magische Kraft hat, die dann benutzt werden kann, um dem Pharao zu schaden
und seine Kraft zu usurpieren. Deshalb gibt Jahwe Moses seinen Namen nicht
preis. Auch hier wieder altägyptisches Gedankengut in der Bibel.
Indem Adam und Eva
den Tieren Namen geben, machen sie sich die Tiere untertan. ^
In Homers Odyssee lesen
wir, wie Odysseus die Geister der Toten herbeiruft, um von ihnen zu erfahren,
wie und wann er heimkehren wird und was inzwischen zu Hause passiert ist. Er
gräbt in den Boden ein Loch, tötet zwei Schafe und schüttet ihr Blut in die
Grube. Da strömen die Toten aus dem tiefen Dunkel heran und drängen sich um die
Grube, um von dem Blut zu trinken. Sie sind nämlich blutleere und körperlose
Schatten, die aber durch die in dem Blut enthaltene Lebenskraft ein Stück Leben
wiedergewinnen können und dann auch bereit sind, auf die Fragen von Odysseus zu
antworten.
Hier haben wir
schon alles, was zu einem Totenorakel und einer
Geisterbeschwörung gehört.
Die Menschen der
steinzeitlichen Kultur glaubten, daß bestimmte
Personen und Dinge mit einer besonderen Kraft aufgeladen sein könnten. Die
Melanesier in der Südsee nennen diese Kraft „Mana“. „Mana kann alles sein oder haben, was das normale
menschliche Vermögen oder den
natürlichen Ablauf der Dinge überschreitet.“ (Hans-Joachim Schoeps
in „Religionen – Wesen und Geschichte“, Bertelsmann 1961). Man könnte Mana mit „Wunderkraft“ übersetzen. „Bei den
nordamerikanischen Sioux heißt alles, was irgendwie besonders mächtig, alt,
groß oder auffallend ist, ‚wakanda’, und man wendet das Wort auf so verschiedene Dinge
an wie die Sonne und den Mond, auf Bäume und Plätze (Kraftorte),
aber auch auf den ‚Großen Geist’ (Manitou)“ schreibt
Hansferdinand Döbler in „Magie, Mythos, Religion“ (Orbis Verlag, 2000).
Es gibt aber auch
eine negative, zerstörerische und schädliche Kraft. Die Papuas auf Neuguinea
nennen sie „bowèz“. Das ist die Schadenskraft. Das
Menschen vor ihrem Tot angefasst oder ausgespukt haben, das gilt mit dieser
negativen Kraft aufgeladen.
Je höher und
bedeutsamer aber ein Toter ist, umso mehr gilt sein Körper aber mit positiver „Mana“-Kraft aufgeladen. Besonders konzentriert war diese
Kraft im Schädel. Deshalb schnitt man den toten Feinden den Schädel ab und aß
wohl auch ihr Gehirn, um sich so ihre Seelensubstanz einzuverleiben. Aus dem
Schädel toter Ahnen wurden Trinkgefäße hergestellt; wer daraus trank, konnte
sich ebenfalls göttliche Kraft und göttliches Wissen einverleiben.
Alles, was mit Mana oder bowèz aufgeladen ist,
ist tabu und darf nicht berührt werden. „Tabu“ ist alles, was mit positiver
oder negativer Kraft aufgeladen und damit gefährlich ist. Alles, was tabu ist,
ist gefährlich und darf nicht berührt werden. Das Wort stammt von den
Tonga-Dialekt, der auf den Freundschaftsinseln in der Südsee gesprochen wird.
Bei vielen Völkern
ist alles, was unrein ist, tabu, insbesondere Aas und tote Tiere. Wer eine
Sache berührt, die tabu ist, wird dadurch selbst unrein und macht sich
schuldig. Hier hat der Instinkt der Menschen die Erkenntnisse der Hygiene
vorweggenommen.
Tabu können auch
heilige oder mit einer bösen kraft aufgeladene orte sein, vor alem Friedhöfe.
Die Gottkönige
galten als tabu, weil sie mit Mana aufgeladen waren.
Sie durften aber auch deshalb nicht berührt werden, damit sie nicht
verunreinigt wurden. Tabu waren auch die Gegenstände der Gottkönige: Ihre
Krone, ihr Thron, ihr Szepter. Der Gottkönig durfte nicht den Boden berühren,
sondern musste in einer Sänfte getragen werden. Wenn der Gottkönig den Boden
berührte, hatte dies zweierlei Effekt. Der König konnte durch den Staub unrein
werden und der Boden wurde durch seine Berührung heilig. Da der Boden heilig
wurde, wurde er tabu und durfte er nicht mehr betreten werden. Inmitten einer
Stadt konnten Zonen, die nicht mehr betreten werden durften, sehr störend für
den öffentlichen Verkehr werden. Eine Erinnerung daran sind noch die roten
Teppiche, die für Staatsoberhäupter ausgerollt werden.
Der Gottkönig war
mit einer geheimnisvollen Kraft begabt, dem „Charisma“. Dieses Wort kommt von
dem altgriechischen „charisma“ und bedeutet „Geschenk
der Gnade“. Wer Charisma hat, ist durch die Gnade und mit der Gnade Gottes
beschenkt worden - von Gott mit einer besonderen Anmut, einer besonderen
Begabung, einer besonderen, zauberhaften Macht ausgezeichnet, über die Menschen
und die Dinge Macht zu haben. Er ist ein von Gott Auserwählter.
In der persischen
Avesta (ein heiliges Buch der Zarathustra-Religion) wird dies „Hvarena“ genannt („Glücksglanz“). Dieser Glücksglanz
zeichnet den von Gott zum König bestimmten Menschen aus.
Schon in der
Steinzeit trieb man einen Totenkult. Man glaubte, daß
der Leichnam des toten in irgend einer Weise weiterleben würde. Dies war für
die Lebenden eine Verheißung und Hoffnung, aber auch ein Grund zur Furcht. Der
Tote konnte ja zurückkehren und sich rächen – insbesondere, wenn er ermordet
oder misshandelt wurde.
Bei vielen Völkern
fand man deshalb Maßnahmen, die verhindern sollten, daß
die Toten zurückkehren. Man fesselte den Leichnam, band ihn im Sarg fest,
durchbohrte ihn mit einem Pfahl, amputierte ihm das Bein oder durchschnitt ihm
die Sehen.
Andererseits
wollte man für die verstorbenen Angehörigen das weiterleben als Leichnam
möglichst angenehm und dauerhaft machen. Man bestattete die Toten in großen
Vasen oder Särgen, die verhindern sollten, daß der
Körper von der Erde erdrückt oder von den Würmern zernagt wurde. Man gab dem
Toten Grabbeigaben, z. B. Essen und Geld, damit sie den Fährmann ins Jenseits
bezahlen konnten. Dies war sicher auch durch die Furcht motiviert, die Leichen
könnten bei schlechter Behandlung ins Diesseits zurückkehren. Außerdem muß durch lautes Klagen gezeigt werden, wie sehr man den
Toten geliebt hat und wie sehr man ihn vermisst.
Man versuchte
auch, den Körper des toten vor dem zerfall zu bewahren und ihn zu konservieren.
Man trocknete den Leichnam am Feuer aus. So entsteht nach etwa 10 Wochen eine
Mumie, die nur noch die Hälfte des ursprünglichen Gewichtes hat. Dann wird die
Mumie in eine auf einen Berg gebracht und in eine Höhle mit Blick ins Tal
gesetzt.
Im Hochland von Neuguina gab es Stämme, die Mumien ihrer Toten auf einer
Art Tragstuhl mit sich führten. Der Leichnam, so glaubte man, war auf eine
gewisse Weise immer noch lebendig und nahm am normalen Leben Anteil.
Man kann sich
vorstellen, daß sich die Menschen mit ihren Toten
umso mehr Mühe gaben, je höher ihre Stellung im Leben war. Insbesondere
mächtige Häuptlinge und Könige wurden auch nach ihrem Tod noch in irgend einer
Weise als lebendig und präsent angesehen.
So kam es wohl
auch zu den Glaubensvorstellungen der Ägypter in Bezug aus ihre Gottkönige. Sie
entwickelten, wie allgemein bekannt, die Mumifizierung und den Kult an den
toten Pharaonen zur Perfektion. Aber überall auf der Welt findet man die
Mumifizierung und den Totenkult.
Im Traum kann die
Seele den Körper verlassen und auf Reisen gehen.
Jesus hat
verschiedene Namen: Jesus, Messias (der Gesalbte, auf griechisch Christos), Sohn
Gottes, Menschensohn.
Das Wort
Menschensohn kann bedeuten, daß Jesus sich als freier
Mensch sieht, denn Sklaven wurden ihren Eltern nicht gehörten. Ein Sklave hatte
keine Söhne.
Menschensohn
könnte also bedeuten, daß sich Jesus als freier Mann
sah, als ein freier Jude, der sich der Unterdrückung durch die Römer wiedersetzt und beansprucht ein Freier, d.h. adeliger
Abstammung zu sein. Das würde dann auf seine Abstammung von König David
anspielen.
Das Wort
Menschensohn kann aber auch bedeuten, daß sein Gott
ein menschlicher Gott ist, im Gegensatz zum Gott Abrahams und der Juden. Auch
die Griechen dichteten ihren Götter menschliche du allzumenschliche Züge an.
Jesus könnte dieses menschliche Gottesbild von den Griechen übernommen haben.
Im biblischen Heldenepos
wird Jesus aber als Sohn Gottes gesehen.
Jesus und Cheops
Und von hier aus
will ich einen kühnen, vielleicht allzu kühnen Bogen von Jesus zu Pharao Cheops
schlagen.
Cheops ist das
Urbild eines Gottessohnes (der Sohn des Sonnengottes), der ein Mensch ist und
nach seinem Tode wider zum Gott wurde. Cheops ist ein Beispiel für die
Gottkönigsreligion, die weltweit in allen Hochkulturen anzutreffen ist: In
China, Japan, bei den südamerikanischen Indianerkulturen, in Indien. Die
Gottkönigsreligion ist eng verbunden mit der bäuerlichen Hochkultur und den
Königsstädten, von welchen aus das Land regiert wurde.
Vor der
Gottkönigsreligion wurden Tiere und Menschen als Ahnen verehrt. Die Priester
dieser religiösen Stufe waren Schamanen und Geisterbeschwörer. Die
Gottkönigsreligion bestand bis Ende des Neunzehnten Jahrhunderts auch bei uns
im christlichen Abendland fort, eben im Glauben an Christus, den Gottkönig.
Auch Hitler glaubte an einen Gottkönig – sich selbst.
Als die
Gottkönigsreligion ihre Dominanz verlor, suchte man etwa ab der Mitte des
19.-ten Jahrhunderts immer mehr nach eigenen, neuen Göttern, die aber meist die
alten waren, nämliche Geister, Dämonen (Spiritismus, Okkultismus) oder bei den
Religionen Asiens neue Götter.
Der Mensch glaubt
immer an das, das größer und mächtiger ist als er. Erst war es die Natur.
Deshalb wurden Tiere zu Naturgottheiten und die Götter trugen Tierköpfe. Dann
war der König und der Stadt mächtiger als der einzelne Mensch und der König und
der in ihm verkörperte Staat wurde vergöttert. Mit weiteren Fortschreiten der
Philosophie wurde aus dem Gottkönig eine abstrakte Macht, der Heilige Geist
oder das Schicksal oder die göttliche Kraft oder die „Vorsehung“. Oder aber man
schaffte Gott ganz ab, wie in der säkularen Religion des Marxismus-Leninismus.
Welchen Gott wird
uns nun das High-Tech-Zeitalter bringen ?
Wahrscheinlich einen High-Tech-Gott. Wir geraten in immer größere
Abhängigkeit von Computern und Computernetzen. Die Technik wird immer
undurchschaubar, und wer mit ihr umgehen kann wird zum Magier. Eines Tages wird
man Gott vielleicht in weltweiten Netz der Computer finden.
Jesus und Cheops
– ein Vergleich der Namen
Aber zurück zu
Jesus und Cheops. Beginnen wir mit dem Vergleich der Namen. Beide Namen enthalten
die heilige Silbe, die göttliche Kraft benennt und die mit „Herr“ umschrieben
wird, in ihrem Namen: „Jo“ oder „JH“ in „Joshua“ und „Che“ in „Cheops“. Das
„JH“ und das „Che“ sind identisch, und sie bedeuten „Herr“.
„Joshua“
bedeutet: „der Herr rettet“. „Cheops“ bedeutet: „der Herr schützt“. Retten und
schützen sind ähnliche Begriffe, und beide Namen haben eine ähnliche Bedeutung:
Der Herr (oder die göttliche Kraft) schützen oder retten den Namensträger.
Schützen bedeutet auch: jemanden im Auge behalten, mit ihm in Verbindung sein.
Der Namensträger hatte also eine besondere Beziehung zur göttlichen Kraft, war
von ihr auserwählt; sie leitete ihn und durch
sie konnte er besondere Taten vollbringen. Er stand Gott nahe, so wie
ein Sohn seinem Vater nahe steht.
Bevor wie in
dieser Betrachtung fortschreiten, gilt es aber noch kurz zu erwähnen, dass
„Cheops“ eigentlich die griechische Version des ägyptischen Namens „Chufu“ („der Herr schützt“) ist, so wie „Chesous“ die griechische Version von „Joshua“ ist, aus der
dann das lateinische „Jesus“ wurde.
Aber kommen wir
nun von der Ähnlichkeit der Namen und ihrer Bedeutung zur Ähnlichkeit der
beiden Personen und ihrer Schicksale.
Pharaonen waren
Gottkönige. Sie waren Menschen, die einen Gott zum Vater hatten (den alten
Pharao) und nach ihrem Tod in den Himmel erhoben und zu Göttern wurden. Und
während sie auf der Erde regierten, waren sie Menschen, die von Gott geleitet
waren.
So auch Jesus.
In beider Leben,
bei Cheops wie bei Jesus, spielte das Grab und die Auferstehung eine besondere
Rolle. Und damit hat wieder die „Salbung“ zu tun.
Die Salbung
Die toten und
präparierten Körper der Pharaonen wurden eingesalbt und mit Binden umwickelt:
sie wurden zu Mumien. Die Salbung war die Handlung, durch die die Pharaonen zur
Unsterblichkeit des Leibes kamen. Diese Unsterblichkeit war ursprünglich nur
den Gottkönigen vorbehalten. Die Salbung besagte also zweierlei: Du wirst zum
Gottkönig und du wirst unsterblich. Cheops war ein Gesalbter und Jesus war ein
Gesalbter.
Im Neuen
Testament wird Jesus von einer Sünderin in Bethanien
zum König gesalbt. Dies geschieht kurz bevor ihn Judas verrät und damit seine
Leidensgeschichte in Gang bringt. Die Salbung bedeutet: „Du bist König, du bist
Gott, du bist unsterblich und dein Leib wird wieder auferstehen“. Die Sünderin
steht für das Volk, das ihn zu all dem macht.
Die Salbung ist
eine symbolische Einbalsamierung. So auch die letzte Ölung der Christen, die
kurz vor dem Sterben verabreicht wird. Sie bedeutet: Du wirst überleben und im
Fleische wiederauferstehen. Sie bedeutet auch: Du bist zur Herrschaft
auserwählt, du bist ein Auserwählter Gottes.
Die Salbung
bedeutet, dass der Gesalbte in das Buch der Lebenden eingetragen wird. Dieses
Buch, eigentlich eine Liste, entspricht den Königslisten der ägyptischen
Dynastien. Wer auf den Königslisten eingetragen war, der war unsterblich.
Auf der
christlichen Liste der unsterblichen Herrscher stehen 144 000 Namen. Diese Zahl
kommt vielleicht so zustande: Israel hatte zwölf Stämme und somit zwölf
Unterkönige. Diese Unterkönige ihrerseits hatten je zwölf Unterkönige – macht 144. Und jeder von
diesen Unterkönige hatte je tausend Untergebende, durch die er das Land
beherrschte – wobei tausend einfach für „sehr viele“ steht. Wer gesalbt ist, so
die christliche Lehre, wird unsterblich und zum Mitherrscher des Gottkönigs und
Teil der göttlichen Hierarchie.
Weiter: Anhang:
Die drei Namen Gottes in den Büchern Moses