Gedanken für eine
bessere Welt
von
Unsere Lage heute
Der Ost-West-Konflikt
ist angeblich überwunden. Aber weiterhin besteht eine Vielzahl von Kämpfen und
Konflikten fort. Letztlich geht es bei diesen Kämpfen immer darum, daß eine Konfliktpartei über Macht, Reichtum und
Privilegien verfügt (oder sie sich erwerben will), und daß
die andere Konfliktpartei sich dem widersetzt.
Das ist der Kern der
Sache, und alle religiösen, ideologischen oder nationalen Verbrämungen kann man
sich getrost wegdenken.
Das war immer so, und
man könnte geneigt sein, zu sagen: Na und? Was schert mich das?
Wenn da nicht eine Sache
wäre, die Grund zur Beunruhigung gibt: Die moderne Technik stellt den
Konfliktparteien so fürchterliche Waffen zur Verfügung, daß
unser ganzer Planet atomar, chemisch oder biologisch verseucht werden kann.
Immer wieder zeigen terroristische Anschläge auch, daß
der Nerv unserer Zivilisation leicht getroffen werden kann.
Früher gab es wenige
Atommächte, heute kann sich jeder größenwahnsinnige Diktator oder Warlord mit Massenvernichtungswaffen zu Discountpreisen
eindecken.
Es wäre ein fataler
Irrtum, zu glauben, daß mit der "Überwindung des
Ost-West-Konflikts" nun eine Zeit des Friedens und der Sicherheit
ausgebrochen wäre.
Konflikte und Kriege
bedrohen uns auch heute noch, und zwar viel mehr, als wir das wahrhaben wollen.
Und sie verseuchen selbst dann die Welt mit gefährlichem Atommüll, Giftstoffen
und Minen, wenn es garnicht zum offenen Kampf kommt.
Ein Planet, eine
Menschheit, eine Regierung
Jeder von uns kennt das
Foto von unserem Planeten, wie er sich blau mit weißen Wolkenwirbeln vor der
schwarzen Leere des Weltraums abhebt. Hier wird unmittelbar klar, daß wir alle in einem fragilen Raumschiff sitzen und daß die gesamte Menschheit eine Schicksalsgemeinschaft ist.
Ständig zirkulieren die
Luft und das Wasser um den Globus, und wenn die Biosphäre an einer Stelle
massiv verseucht wird, dann wird der gesamte Rest der Welt davon betroffen.
Weder Kriege noch Umweltverschmutzung sind die Privatsache eines Staates,
sondern Sache der gesamten Menschheit. Nur eine geeinte Menschheit kann das
Problem des Friedens und der Umweltzerstörung lösen.
Konsequent zu Ende
gedacht bedeutet dies, daß die Menschheit eine
Instanz bekommen muß, die für das Wohl des gesamten
Planeten verantwortlich ist, und welche die Interessen des Ganzen über die
Interessen einzelner
Gruppen oder Individuen stellt.
Es wurden erste,
unzureichende Versuche unternommen: Nach den napoleonischen Kriegen die Heilige
Allianz, nach dem Ersten Weltkrieg der Völkerbund und nach dem Zweiten
Weltkrieg die Vereinten Nationen. Bedauerlicherweise mußten
immer erst schreckliche Kriege geführt werden, bis man sich dazu bequemte, den
bisher gescheiterten Versuch zu unternehmen, der Menschheit so etwas wie eine
Regierung zu geben.
Ich bin sicher, daß man nach dem nächsten großen Krieg noch wirkungsvollere
und mit mehr Befugnissen ausgestattete Organe schaffen wird als die
UNO-Vollversammlung und den Weltsicherheitsrat. Aber vielleicht könnten wir das
schon vorher tun. Der Menschheit würde dadurch viel Leid erspart bleiben.
Gerade die klügsten und
weitsichtigsten Menschen haben sich für eine Stärkung und Reform des
Völkerbundes und der UNO ausgesprochen. Das Wort Völkerbund wurde übrigens von
Immanuel Kant geprägt, und Albert Einstein wollte eine oberste Welt-Instanz,
die weit mehr Einflußmöglichkeiten haben sollte als
die heutige UNO.
Viele selbständige
Regionen und Kantone
Kehren wir zurück zu
unserem Bild des Planeten Erde, der wie ein überirdisches Wunder durch die
trostlose Öde des Weltraums reist.
Wenn wir uns der Erde
nähern, erkennen wir Landschaften und Regionen. Jede hat ihre eigene Schönheit
und ihren Reiz. Und so ist es auch mit den Pflanzen und Tieren, die in diesen
Landschaften wohnen, und auch mit den Menschen, die dort ihre eigene Kultur und
ihre eigene Tradition hervorgebracht haben. Wie öde und langweilig wäre es,
wenn alle Landschaften und alle Menschen gleich wären. Gerade die Vielfalt ist
es, die unserem Planeten und der Menschheit ihren Reichtum geben.
Wenn wir eine bessere
und friedliche Welt schaffen wollen, dann brauchen wir die Einheit und die
Harmonie der Welt, aber wir dürfen die Vielfalt der Landschaften und Menschen,
der Rassen und Religionen nicht zerstören.
Das Ganze ist nicht so
schwierig, wie sich das anhört. Betrachten wir einige demokratische
Bundesstaaten, z.B. die USA, die Schweiz oder die BRD. Hier bei uns gibt es verschiedene politische Ebenen: Die
Gemeinden, die Landkreise, die Bezirke, die Bundesländer und den Nationalstaat.
Jede Ebene hat ihren Bereich, über den sie entscheiden darf. Um die Welt zur
politischen Harmonie und Einheit zu bringen, müßte
man die bereits bestehenden Ebenen nicht abschaffen. Vielmehr müßte man über der Ebene des Nationalstaates noch zwei
weitere Ebenen etablieren: Die kontinentale und die globale Ebene.
In der Europäischen
Union, die ja erst noch in der Entwicklung begriffen ist, kann man recht gut
sehen, wie in einem Weltteil ein Zusammenschluß von
Nationen funktionieren kann. Aber man kann auch gerade an der EU sehen, welche
Fehler vermieden werden müßen. Es ist z.B. nicht
einzusehen, warum die oberste Instanz bis in die kleinsten Details
hineinregieren soll und warum sie eine überentwickelte und überbezahlte
zentrale Bürokratie aufbauen soll. Vielmehr müßen
möglichst viele Entscheidungen möglichst nahe am Bürger gefällt werden, also in
den Gemeinden, Kreisen und Regionen.
Das richtige Vorgehen
bei der Schaffung der EU wäre gewesen, daß zunächst
eine gemeinsame europäische Armee gebildet wird, und daß
diese Armee weit weniger Soldaten und Waffen hat als die Summe der bestehenden
Armeen. Da dieser Weg aber wohl durch die Militärs, die Rüstungsindustrie und
die USA, die keine Konkurrenzmacht wollte, verhindert wurde, wich man auf das
Feld der Wirtschaft aus.
Früher oder später wird
es wohl eine EU-Regierung geben, die im Unterschied zum EU-Ministerrat und zu
den EU-Kommissaren demokratisch gewählt, demokratisch legitimiert und demokratisch
kontrolliert sein wird.
Und ebenso werden eines
Tages die Delegierten der UN-Vollversammlung und der Weltsicherheitsrat
demokratisch gewählt und kontrolliert sein müßen. Das
wäre ein wichtiger Teil der Reform der UNO. Der zweite Teil muß
sein, daß die UNO mehr tatsächliche Macht bekommt.
Wir brauchen auf der globalen Ebene eine Legislative, eine Judikative und eine
Exekutive. Die Legislative wäre ein ein demokratisch
gewähltes Parlament, das Gesetze erläßt, welche die Angelegenheiten der gesamten Menschheit
regeln. Die Judikative wäre eine Rechtsprechung, vor der sich jeder zu
verantworten hat, der gegen die Menschenrechte verstößt oder der der Menschheit
Schaden und Gefahr zufügt. Die Exekutive
schließlich, wäre eine Weltpolizei, die die Einhaltung der Gesetze überwacht
und eine Weltregierung, die die Gesetze des Weltparlaments in die Tat umsetzt
bzw. darüber wacht, daß die Nationen die Welt-Gesetze
in die Tat umsetzen.
Die zukünftige Rolle des
Nationalstaates
Wenn man zwei weitere
politische Ebenen über den Nationalstaat setzt, bedeutet dies nicht, daß er überflüssig sein wird. Er wird nur weniger Gewicht
und Bedeutung haben als bisher. Er wird Kompetzenzen
abgeben müßen, und zwar nach oben und nach unten.
Wie jede Organsiation ist der Nationalstaat bemüht, Macht an sich zu
ziehen. Wenn man z.B. beobachtet, wie die Schweizer Bundesregierung im Lauf der
letzten 150 Jahre immer mehr Macht auf Kosten der Kantone erhalten hat, oder
wer sieht, wie in der deutschen Bundesrepublik immer mehr Kompetenzen von den
Ländern auf den Bund verlagert wurden, der sieht, daß
dieser ungesunden Entwicklung entgegengearbeitet werden muß.
Auf der andern Seite
haben die Nationalstaaten, vor allem die Großmächte, es ängstlich vermieden,
Macht an übernationale Organisationen, z.B. UNO und EU abzugeben.
Das gleiche Spiel, das
der Nationalstaat in der Vergangenheit gespielt hat, werden natürlich auch die
EU und eines Tages auch der Weltstaat spielen: sie werden ihre Macht auf Kosten
der Nationalstaaten stärken.
Eine der großen Aufgaben
zukünftiger Politik wird sein, jeder Ebene soviel Macht zu gewähren, wie sie
wirklich benötigt - nicht mehr und nicht weniger.
Freie Entfaltung der
Kulturen und Religionen
Der Nationalstaat hat
die Tendenz, regionale und weltanschauliche Gruppen zu unterdrücken und ihnen
die nationale Kultur und Religion
überzustülpen. Das sehen
wir bei den Basken, Korsen, Wallisern, Kurden usw.
Diese Konflikte kann der
Staat, egal ob Nationalstaat oder Weltstaat, nur lösen, wenn er den
Minderheiten so viel Freiheit läßt, wie das möglich
ist, ohne den Gesamtzusammenhalt zu gefährden. Und er muß
Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Bürger gewähren. sonst werden unter dem
Vorwand religiöser oder ethnischer Unterschiede Verteilungs- und Machtkämpfe
ausgefochten werden.
Selbstverwirklichung des
Menschen
Noch wichtiger aber als
die Wahrung ethnischer oder religiöser Vielfalt ist die Selbstverwirklichung
des Menschen. Religion und Tradition können für den Menschen ein Weg sein, seine
Identität zu finden. Aber sie können ihm auch seine Individualität rauben und
zu einem Namenlosen werden lassen, der wie viele Tausend andere, sich nach
einer einheitlichen Norm kleidet, einheitliche Rituale und Gebete ausführt und
einheitlich denkt und fühlt.
Jeder Mensch soll frei
wählen dürfen, welchem Glauben und welcher Lebensart er anhängen will, und es muß ihm ohne Schwierigkeiten möglich sein, die angestammten Traditionen und Riten zu verlassen und einen
eigenen Weg zu gehen.
Schutz der Menschenrechte
Es wird immer wieder,
vor allem in Gesellschaften, die Liberalität und Toleranz ablehnen, der
Anspruch erhoben, daß die Staatsräson oder die
Religion es erforderlich machen, daß die
Menschenrechte mißachtet werden. Es wird gesagt, die
Menschenrechte seien Werte, die der europäisch-amerikanischen Kultur
entstammen, und daß sie deshalb nicht ohne weiteres
nach Asien oder Afrika übertragbar wären. Dem ist aber nicht so. Die
Menschenrechte haben universelle Gültigkeit.
Eine der großen Aufgaben
der Poliktik wird es sein, die Menschenrechte
weltweit und ohne Ausnahmen durchzusetzen. Dazu bedarf es einer globalen
Judikative und Exekutive.
Eine gerechte
Gesellschaft
Friede
kann nur entstehen und Bestand haben, wenn die Gerechtigkeit entsteht und Bestand
hat. Man könnte vielleicht durch einen weltweiten Polizeistaat den Frieden
aufrecht erhalten, aber solange dieser Friede nicht Freiheit und Gerechtigkeit
beinhalten würde, wäre es ein Friede, der weder wünschenswert noch dauerhaft
wäre.
Nun ist aber Gerechtigkeit
kein statischer Zustand, sondern es muß immer wieder
neu um sie gerungen werden. Dies kann man mit Waffen und Gewalt tun, man kann
es aber auch durch Gesetze und Gerichte tun. Um Frieden zu erlangen, muß der Weg der Gewalt und des Faustrechtes weltweit
ausgeschlossen werden, und zwar nicht nur zwischen Individuuen,
sondern auch zwischen Nationen und Bevölkerungsgruppen. Zur Gerechtigkeit und
zum Frieden kann man oft nur gelangen, wenn sich die Konfliktparteien einem
Richterspruch unterwefen, und wenn die Richter an
Gesetze gebunden sind, die vom Volk und seinen Vertretern erlassen wurden.
Noch besser als mit
Gesetzen und Polizei die Gerechtigkeit durchzusetzen, wäre es, die Gesellschaft
schon von vornherein
gerecht zu organisieren
und die Menschen zur Gerechtigkeit zu erziehen.
Eine friedlich organsisierte Gesellschaft
Man kann Frieden,
Gerechtigkeit und allgemeinen Wohlstand organisieren. Allerdings muß die Mehrheit der Bevölkerung
a) daran glauben, daß es möglich ist
b) es auch wollen und sich
dafür einsetzen
Wenn es von der Mehrheit
der Gesellschaft als anstößig empfunden würde, daß
Privilegierte weit mehr bekommen, als ihnen zusteht, dann wäre das der Anfang
vom Ende der Ungerechtigkeit. Das gilt vor allem dann, wenn großer Reichtum
nicht durch Leistung erworben wurde.
Der Anfang vom Ende
aller Kriege wäre erreicht, wenn die Mehrhheit der
Bevölkerung es als kriminell empfinden würde, daß
Konflikte mit Armeen und Massenvernichtungswaffen ausgefochten werden, weil es
die Politiker bisher nicht geschafft haben, zwischen und über den Staaten eine
Rechtsordnung einzuführen und durchzusetzen.
Friede und Gerechtigkeit
können organisiert werden durch gerechte Gesetze und wirkungsvolle
Institutionen. Weder Not, noch Armut noch Kriege sind ein unabwendbares
Schicksal der Menschheit.
Leider ist es bisher so,
daß die meisten Menschen und Gruppen die Dinge (meist
ganz unbewußt) unter dem Gesichtspunkt beurteilen:
Was nützt mir das, was schadet mir das? Sie müßten
aber zuerst fragen: Was bedeutet dies für unseren Planeten und für die
Menschheit?
Ein echter Patriot fragt
sich: "Was nützt das meinem Land?" Verglichen mit der Frage:
"Was nützt das mir?" ist der Patriotismus ein gewaltiger Fortschritt
in der Bewußtseinsentwicklung. Aber der nationale
Patriotismus ist nur ein unvollständiger Zwischenschritt zu den Fragen:
"Was nützt das der Menschheit?" und "Dient es der Gerechtigkeit
und dem Frieden? Ist der kleine Nachteil, den ich auf mich nehme nicht ein
großer Vorteil für alle?"
Wie kann man die hehren
Ideen verwirklichen ?
Es gibt viele Menschen,
vor allem auch Frauen, die in ihrem eigenen Lebenskreis unendlich viel Gutes
vollbringen. Und es gibt viele Weltverbesserer, die zwar hehre Theorien entwickeln,
wie man der Menschheit helfen könnte, aber in ihrem eigenen Umfeld nichts tun.
Ich glaube, beide
Gruppen können zum Nutzen aller voneinander lernen.
Die Weltverbesserer
könnten durch konkrete Konfrontation mit dem Alltag mehr Sinn für die Machbarkeit
ihrer Utopien entwickeln.
Diejenigen, die sagen:
"Bevor man die Welt in Ordnung bringt, muß man
erst die eigene Umgebung in Ordnung bringen", müßen
einsehen, daß es ihnen nie gelingen wird, ihre
eigenen kleine Welt in Ordnung zu bringen, wenn draußen die große Welt voll
Krieg, Verschwendung und Ungerechtigkeit ist.
Es ist nicht jedermanns
Sache, an politischen Fragen Anteil zu nehmen und seine eigene Meinung durch
Diskussionen, Schriften oder Veranstaltungen zu vertreten. Aber es macht
vielleicht mehr Spaß als man vermutet, denn Politik bedeutet Umgang mit
Menschen. Wer Politik macht, ist nie allein, und er hat immer etwas
Interessantes, worüber
er reden und nachdenken
kann. Politik ist eine Form der Geselligkeit, und noch nicht einmal die
schlechteste. Politiker sind auch keine so üble
Menschen, wie man ihnen nachsagt. Nur werden ihre Fehler und Mängel von der
Öffentlichkeit wie mit dem Vergrößerungsglas betrachtet.
Politik ist natürlich
auch eine Form der Selbstverwirklichung und Selbstbestätigung, genau wie z.B.
die Kunst. Politik kann uns reifer und klüger machen, denn man hat viel mit
anderen Menschen zu tun, und jeder kann von anderen Menschen etwas lernen.
Mischen Sie ein bißchen ein in die Politik. Verbessern sie die Welt ein bißchen. Oder wollen Sie die Welt allein den Weltverschlechterern überlassen?
Wie kann man die hehren
Ideen verwirklichen? Ganz einfach: Man macht ein bißchen
Propaganda. Man macht Flugblätter und Plakate, schreibt Leserbriefe und Programme,
macht Veranstaltungen und lädt die Presse ein. Wenn genug Menschen mitmachen,
dann dringt das, was wir wollen, allmählich ins Bewußtsein
der schweigenden Mehrheit.
Und eines Tages werden
aus den Gedanken dann Taten, und aus den Taten wird Wirklichkeit.
Aus guten Gedanken
werden gute Taten, und aus guten Taten wird eine bessere Welt. Und aus
schlechten Gedanken wird eine schlechte Welt. Deswegen sind die guten und
richtigen Gedanken so wichtig.