Gedanken für eine bessere Welt

 

von Richard Beiderbeck, www.koinae.de     

 

Unsere Lage heute

 

Der Ost-West-Konflikt ist angeblich überwunden. Aber weiterhin besteht eine Vielzahl von Kämpfen und Konflikten fort. Letztlich geht es bei diesen Kämpfen immer darum, daß eine Konfliktpartei über Macht, Reichtum und Privilegien verfügt (oder sie sich erwerben will), und daß die andere Konfliktpartei sich dem widersetzt.

Das ist der Kern der Sache, und alle religiösen, ideologischen oder nationalen Verbrämungen kann man sich getrost wegdenken.

 

Das war immer so, und man könnte geneigt sein, zu sagen: Na und? Was schert mich das?

Wenn da nicht eine Sache wäre, die Grund zur Beunruhigung gibt: Die moderne Technik stellt den Konfliktparteien so fürchterliche Waffen zur Verfügung, daß unser ganzer Planet atomar, chemisch oder biologisch verseucht werden kann. Immer wieder zeigen terroristische Anschläge auch, daß der Nerv unserer Zivilisation leicht getroffen werden kann.

 

Früher gab es wenige Atommächte, heute kann sich jeder größenwahnsinnige Diktator oder Warlord mit Massenvernichtungswaffen zu Discountpreisen eindecken.

 

Es wäre ein fataler Irrtum, zu glauben, daß mit der "Überwindung des Ost-West-Konflikts" nun eine Zeit des Friedens und der Sicherheit ausgebrochen wäre.

 

Konflikte und Kriege bedrohen uns auch heute noch, und zwar viel mehr, als wir das wahrhaben wollen. Und sie verseuchen selbst dann die Welt mit gefährlichem Atommüll, Giftstoffen und Minen, wenn es garnicht zum offenen Kampf kommt.

 

 

Ein Planet, eine Menschheit, eine Regierung

 

Jeder von uns kennt das Foto von unserem Planeten, wie er sich blau mit weißen Wolkenwirbeln vor der schwarzen Leere des Weltraums abhebt. Hier wird unmittelbar klar, daß wir alle in einem fragilen Raumschiff sitzen und daß die gesamte Menschheit eine Schicksalsgemeinschaft ist.

 

Ständig zirkulieren die Luft und das Wasser um den Globus, und wenn die Biosphäre an einer Stelle massiv verseucht wird, dann wird der gesamte Rest der Welt davon betroffen. Weder Kriege noch Umweltverschmutzung sind die Privatsache eines Staates, sondern Sache der gesamten Menschheit. Nur eine geeinte Menschheit kann das Problem des Friedens und der Umweltzerstörung lösen.

 

Konsequent zu Ende gedacht bedeutet dies, daß die Menschheit eine Instanz bekommen muß, die für das Wohl des gesamten Planeten verantwortlich ist, und welche die Interessen des Ganzen über die

 

Interessen einzelner Gruppen oder Individuen stellt.

 

Es wurden erste, unzureichende Versuche unternommen: Nach den napoleonischen Kriegen die Heilige Allianz, nach dem Ersten Weltkrieg der Völkerbund und nach dem Zweiten Weltkrieg die Vereinten Nationen. Bedauerlicherweise mußten immer erst schreckliche Kriege geführt werden, bis man sich dazu bequemte, den bisher gescheiterten Versuch zu unternehmen, der Menschheit so etwas wie eine Regierung zu geben.

Ich bin sicher, daß man nach dem nächsten großen Krieg noch wirkungsvollere und mit mehr Befugnissen ausgestattete Organe schaffen wird als die UNO-Vollversammlung und den Weltsicherheitsrat. Aber vielleicht könnten wir das schon vorher tun. Der Menschheit würde dadurch viel Leid erspart bleiben.

 

Gerade die klügsten und weitsichtigsten Menschen haben sich für eine Stärkung und Reform des Völkerbundes und der UNO ausgesprochen. Das Wort Völkerbund wurde übrigens von Immanuel Kant geprägt, und Albert Einstein wollte eine oberste Welt-Instanz, die weit mehr Einflußmöglichkeiten haben sollte als die heutige UNO.

 

 

Viele selbständige Regionen und Kantone

 

Kehren wir zurück zu unserem Bild des Planeten Erde, der wie ein überirdisches Wunder durch die trostlose Öde des Weltraums reist.

Wenn wir uns der Erde nähern, erkennen wir Landschaften und Regionen. Jede hat ihre eigene Schönheit und ihren Reiz. Und so ist es auch mit den Pflanzen und Tieren, die in diesen Landschaften wohnen, und auch mit den Menschen, die dort ihre eigene Kultur und ihre eigene Tradition hervorgebracht haben. Wie öde und langweilig wäre es, wenn alle Landschaften und alle Menschen gleich wären. Gerade die Vielfalt ist es, die unserem Planeten und der Menschheit ihren Reichtum geben.

 

Wenn wir eine bessere und friedliche Welt schaffen wollen, dann brauchen wir die Einheit und die Harmonie der Welt, aber wir dürfen die Vielfalt der Landschaften und Menschen, der Rassen und Religionen nicht zerstören.

 

Das Ganze ist nicht so schwierig, wie sich das anhört. Betrachten wir einige demokratische Bundesstaaten, z.B. die USA, die Schweiz oder die BRD. Hier bei uns  gibt es verschiedene politische Ebenen: Die Gemeinden, die Landkreise, die Bezirke, die Bundesländer und den Nationalstaat. Jede Ebene hat ihren Bereich, über den sie entscheiden darf. Um die Welt zur politischen Harmonie und Einheit zu bringen, müßte man die bereits bestehenden Ebenen nicht abschaffen. Vielmehr müßte man über der Ebene des Nationalstaates noch zwei weitere Ebenen etablieren: Die kontinentale und die globale Ebene.

 

In der Europäischen Union, die ja erst noch in der Entwicklung begriffen ist, kann man recht gut sehen, wie in einem Weltteil ein Zusammenschluß von Nationen funktionieren kann. Aber man kann auch gerade an der EU sehen, welche Fehler vermieden werden müßen. Es ist z.B. nicht einzusehen, warum die oberste Instanz bis in die kleinsten Details hineinregieren soll und warum sie eine überentwickelte und überbezahlte zentrale Bürokratie aufbauen soll. Vielmehr müßen möglichst viele Entscheidungen möglichst nahe am Bürger gefällt werden, also in den Gemeinden, Kreisen und Regionen.

 

Das richtige Vorgehen bei der Schaffung der EU wäre gewesen, daß zunächst eine gemeinsame europäische Armee gebildet wird, und daß diese Armee weit weniger Soldaten und Waffen hat als die Summe der bestehenden Armeen. Da dieser Weg aber wohl durch die Militärs, die Rüstungsindustrie und die USA, die keine Konkurrenzmacht wollte, verhindert wurde, wich man auf das Feld der Wirtschaft aus.

 

Früher oder später wird es wohl eine EU-Regierung geben, die im Unterschied zum EU-Ministerrat und zu den EU-Kommissaren demokratisch gewählt, demokratisch legitimiert und demokratisch kontrolliert sein wird.

 

Und ebenso werden eines Tages die Delegierten der UN-Vollversammlung und der Weltsicherheitsrat demokratisch gewählt und kontrolliert sein müßen. Das wäre ein wichtiger Teil der Reform der UNO. Der zweite Teil muß sein, daß die UNO mehr tatsächliche Macht bekommt. Wir brauchen auf der globalen Ebene eine Legislative, eine Judikative und eine Exekutive. Die Legislative wäre ein ein demokratisch gewähltes Parlament, das Gesetze erläßt, welche  die Angelegenheiten der gesamten Menschheit regeln. Die Judikative wäre eine Rechtsprechung, vor der sich jeder zu verantworten hat, der gegen die Menschenrechte verstößt oder der der Menschheit Schaden und Gefahr zufügt.  Die Exekutive schließlich, wäre eine Weltpolizei, die die Einhaltung der Gesetze überwacht und eine Weltregierung, die die Gesetze des Weltparlaments in die Tat umsetzt bzw. darüber wacht, daß die Nationen die Welt-Gesetze in die Tat umsetzen.

 

 

Die zukünftige Rolle des Nationalstaates

 

Wenn man zwei weitere politische Ebenen über den Nationalstaat setzt, bedeutet dies nicht, daß er überflüssig sein wird. Er wird nur weniger Gewicht und Bedeutung haben als bisher. Er wird Kompetzenzen abgeben müßen, und zwar nach oben und nach unten.

 

Wie jede Organsiation ist der Nationalstaat bemüht, Macht an sich zu ziehen. Wenn man z.B. beobachtet, wie die Schweizer Bundesregierung im Lauf der letzten 150 Jahre immer mehr Macht auf Kosten der Kantone erhalten hat, oder wer sieht, wie in der deutschen Bundesrepublik immer mehr Kompetenzen von den Ländern auf den Bund verlagert wurden, der sieht, daß dieser ungesunden Entwicklung entgegengearbeitet werden muß.

Auf der andern Seite haben die Nationalstaaten, vor allem die Großmächte, es ängstlich vermieden, Macht an übernationale Organisationen, z.B. UNO und EU abzugeben.

 

Das gleiche Spiel, das der Nationalstaat in der Vergangenheit gespielt hat, werden natürlich auch die EU und eines Tages auch der Weltstaat spielen: sie werden ihre Macht auf Kosten der Nationalstaaten stärken.

Eine der großen Aufgaben zukünftiger Politik wird sein, jeder Ebene soviel Macht zu gewähren, wie sie wirklich benötigt - nicht mehr und nicht weniger.

 

 

Freie Entfaltung der Kulturen und Religionen

 

Der Nationalstaat hat die Tendenz, regionale und weltanschauliche Gruppen zu unterdrücken und ihnen die nationale Kultur und Religion

 

überzustülpen. Das sehen wir bei den Basken, Korsen, Wallisern, Kurden usw.

 

Diese Konflikte kann der Staat, egal ob Nationalstaat oder Weltstaat, nur lösen, wenn er den Minderheiten so viel Freiheit läßt, wie das möglich ist, ohne den Gesamtzusammenhalt zu gefährden. Und er muß Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Bürger gewähren. sonst werden unter dem Vorwand religiöser oder ethnischer Unterschiede Verteilungs- und Machtkämpfe ausgefochten werden.

 

Selbstverwirklichung des Menschen

 

Noch wichtiger aber als die Wahrung ethnischer oder religiöser Vielfalt ist die Selbstverwirklichung des Menschen. Religion und Tradition können für den Menschen ein Weg sein, seine Identität zu finden. Aber sie können ihm auch seine Individualität rauben und zu einem Namenlosen werden lassen, der wie viele Tausend andere, sich nach einer einheitlichen Norm kleidet, einheitliche Rituale und Gebete ausführt und einheitlich denkt und fühlt.

 

Jeder Mensch soll frei wählen dürfen, welchem Glauben und welcher Lebensart er anhängen will, und es muß ihm ohne Schwierigkeiten möglich sein, die angestammten Traditionen und Riten zu verlassen und einen eigenen Weg zu gehen.

 

Schutz der Menschenrechte

 

Es wird immer wieder, vor allem in Gesellschaften, die Liberalität und Toleranz ablehnen, der Anspruch erhoben, daß die Staatsräson oder die Religion es erforderlich machen, daß die Menschenrechte mißachtet werden. Es wird gesagt, die Menschenrechte seien Werte, die der europäisch-amerikanischen Kultur entstammen, und daß sie deshalb nicht ohne weiteres nach Asien oder Afrika übertragbar wären. Dem ist aber nicht so. Die Menschenrechte haben universelle Gültigkeit.

Eine der großen Aufgaben der Poliktik wird es sein, die Menschenrechte weltweit und ohne Ausnahmen durchzusetzen. Dazu bedarf es einer globalen Judikative und Exekutive.

 

 

Eine gerechte Gesellschaft

 

Friede kann nur entstehen und Bestand haben, wenn die Gerechtigkeit entsteht und Bestand hat. Man könnte vielleicht durch einen weltweiten Polizeistaat den Frieden aufrecht erhalten, aber solange dieser Friede nicht Freiheit und Gerechtigkeit beinhalten würde, wäre es ein Friede, der weder wünschenswert noch dauerhaft wäre.

 

Nun ist aber Gerechtigkeit kein statischer Zustand, sondern es muß immer wieder neu um sie gerungen werden. Dies kann man mit Waffen und Gewalt tun, man kann es aber auch durch Gesetze und Gerichte tun. Um Frieden zu erlangen, muß der Weg der Gewalt und des Faustrechtes weltweit ausgeschlossen werden, und zwar nicht nur zwischen Individuuen, sondern auch zwischen Nationen und Bevölkerungsgruppen. Zur Gerechtigkeit und zum Frieden kann man oft nur gelangen, wenn sich die Konfliktparteien einem Richterspruch unterwefen, und wenn die Richter an Gesetze gebunden sind, die vom Volk und seinen Vertretern erlassen wurden.

 

Noch besser als mit Gesetzen und Polizei die Gerechtigkeit durchzusetzen, wäre es, die Gesellschaft schon von vornherein

 

gerecht zu organisieren und die Menschen zur Gerechtigkeit zu erziehen.

 

 

Eine friedlich organsisierte Gesellschaft

 

Man kann Frieden, Gerechtigkeit und allgemeinen Wohlstand organisieren. Allerdings muß die Mehrheit der Bevölkerung

a) daran glauben, daß es möglich ist

b) es auch wollen und sich dafür einsetzen

 

Wenn es von der Mehrheit der Gesellschaft als anstößig empfunden würde, daß Privilegierte weit mehr bekommen, als ihnen zusteht, dann wäre das der Anfang vom Ende der Ungerechtigkeit. Das gilt vor allem dann, wenn großer Reichtum nicht durch Leistung erworben wurde.

Der Anfang vom Ende aller Kriege wäre erreicht, wenn die Mehrhheit der Bevölkerung es als kriminell empfinden würde, daß Konflikte mit Armeen und Massenvernichtungswaffen ausgefochten werden, weil es die Politiker bisher nicht geschafft haben, zwischen und über den Staaten eine Rechtsordnung einzuführen und durchzusetzen.

 

Friede und Gerechtigkeit können organisiert werden durch gerechte Gesetze und wirkungsvolle Institutionen. Weder Not, noch Armut noch Kriege sind ein unabwendbares Schicksal der Menschheit.

 

Leider ist es bisher so, daß die meisten Menschen und Gruppen die Dinge (meist ganz unbewußt) unter dem Gesichtspunkt beurteilen: Was nützt mir das, was schadet mir das? Sie müßten aber zuerst fragen: Was bedeutet dies für unseren Planeten und für die Menschheit?

 

Ein echter Patriot fragt sich: "Was nützt das meinem Land?" Verglichen mit der Frage: "Was nützt das mir?" ist der Patriotismus ein gewaltiger Fortschritt in der Bewußtseinsentwicklung. Aber der nationale Patriotismus ist nur ein unvollständiger Zwischenschritt zu den Fragen: "Was nützt das der Menschheit?" und "Dient es der Gerechtigkeit und dem Frieden? Ist der kleine Nachteil, den ich auf mich nehme nicht ein großer Vorteil für alle?"

 

Wie kann man die hehren Ideen verwirklichen ?

 

Es gibt viele Menschen, vor allem auch Frauen, die in ihrem eigenen Lebenskreis unendlich viel Gutes vollbringen. Und es gibt viele Weltverbesserer, die zwar hehre Theorien entwickeln, wie man der Menschheit helfen könnte, aber in ihrem eigenen Umfeld nichts tun.

 

Ich glaube, beide Gruppen können zum Nutzen aller voneinander lernen.

Die Weltverbesserer könnten durch konkrete Konfrontation mit dem Alltag mehr Sinn für die Machbarkeit ihrer Utopien entwickeln.

Diejenigen, die sagen: "Bevor man die Welt in Ordnung bringt, muß man erst die eigene Umgebung in Ordnung bringen", müßen einsehen, daß es ihnen nie gelingen wird, ihre eigenen kleine Welt in Ordnung zu bringen, wenn draußen die große Welt voll Krieg, Verschwendung und Ungerechtigkeit ist.

 

Es ist nicht jedermanns Sache, an politischen Fragen Anteil zu nehmen und seine eigene Meinung durch Diskussionen, Schriften oder Veranstaltungen zu vertreten. Aber es macht vielleicht mehr Spaß als man vermutet, denn Politik bedeutet Umgang mit Menschen. Wer Politik macht, ist nie allein, und er hat immer etwas Interessantes, worüber

 

er reden und nachdenken kann. Politik ist eine Form der Geselligkeit, und noch nicht einmal die schlechteste. Politiker sind auch keine so üble Menschen, wie man ihnen nachsagt. Nur werden ihre Fehler und Mängel von der Öffentlichkeit wie mit dem Vergrößerungsglas betrachtet.

 

Politik ist natürlich auch eine Form der Selbstverwirklichung und Selbstbestätigung, genau wie z.B. die Kunst. Politik kann uns reifer und klüger machen, denn man hat viel mit anderen Menschen zu tun, und jeder kann von anderen Menschen etwas lernen.

 

Mischen Sie ein bißchen ein in die Politik. Verbessern sie die Welt ein bißchen. Oder wollen Sie die Welt allein den Weltverschlechterern überlassen?

 

Wie kann man die hehren Ideen verwirklichen? Ganz einfach: Man macht ein bißchen Propaganda. Man macht Flugblätter und Plakate, schreibt Leserbriefe und Programme, macht Veranstaltungen und lädt die Presse ein. Wenn genug Menschen mitmachen, dann dringt das, was wir wollen, allmählich ins Bewußtsein der schweigenden Mehrheit.

Und eines Tages werden aus den Gedanken dann Taten, und aus den Taten wird Wirklichkeit.

 

Aus guten Gedanken werden gute Taten, und aus guten Taten wird eine bessere Welt. Und aus schlechten Gedanken wird eine schlechte Welt. Deswegen sind die guten und richtigen Gedanken so wichtig.