Von
Es ist in der Politik,
besonders von Seiten der christlichen Parteien oft die Rede von einer
Rückbesinnung auf die christlichen Grundwerte und von einer moralischen
Erneuerung.
Da liegt es nahe, die
Grundlage der christlichen Lehre, also die Bibel, auf ihre moralischen Aussagen
hin zu untersuchen. Vor allem ist von Interesse, zu klären, ob die Bibel
geeignet ist, der Menschheit in der heutigen Zeit einen Weg zu weisen, ihre
großen Probleme, nämlich Krieg, Ungerechtigkeit, Verletzung der Menschenrechte,
Umweltzerstörung sowie Armut und Vertreibung, zu lösen.
In meinen Ausführungen
betrachte ich das alte Testament als Teil der christlichen Lehre, und wenn ich
von alttestamentlichen Aussagen spreche, nenne ich sie "christlich".
Meiner Meinung nach ist das korrekt.
Um es gleich
vorwegzunehmen: Gerade die bekanntesten Teile der Bibel sind kaum geeignet
kaum, in der heutigen Zeit eine Richtschnur unseres Handelns zu sein. Vieles im
Buch der Sprüche sind Allgemeinplätze. Vieles was Jesus sagt, ist in der Praxis
unbrauchbar. In den Bücher Mose stehen Aussagen von
monströser Unmoral.
Ich hatte gute
Religionslehrer, denen ich heute noch dankbar bin. Es gab auch eine Zeit in
meinem Leben, in der ich hoffte, die Lehre Christi könnte zur Lösung des
Friedensproblems beitragen. Ich bin also durchaus nicht in ablehnender Haltung
an die Bibel herangegangen. Aber je mehr ich die Bibel aus der Suche nach einer
brauchbaren Moral durchsuchte, die der Menschheit helfen kann, aus ihrer
verzweifelten Lage herauszukommen, umso klarer wurde mir, daß
die Bibel die Antworten nicht geben kann. Mehr noch: alle Welt glaubt, daß die Bibel eine ausreichende Grundlage für die
menschliche Moral ist. Und gerade das ist sie nicht. Aber weil jeder glaubt,
sie wäre es, merkt niemand, daß in Wirklichkeit ein
bitterer Mangel an zukunftsweisenden moralischen Grundbegriffen herrscht. Und
dieser Mangel kann in einer Zeit, da die Waffen so fürchterlich und die
Fähigkeit des Menschen so groß ist, Unheil anzurichten, fatal sein.
In 1.Mose 2,16 und 2,17
heißt es: "Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Von allen
Bäumen im Garten darfst du essen; nur von dem Baum der Erkenntnis des Guten und
Bösen, von dem darfst du nicht essen; denn sobald du davon issest,
musst du sterben."
Die Vorbedingung jeder
Moral ist, daß man gut und böse unterscheiden kann.
Die Bibel lehnt also die menschliche Moral ab.
Die erste Säule der
christlichen Moral ist, daß die menschliche Moral den
Willen Gottes widerspricht.
Nachdem Eva von der
verbotenen Frucht gegessen hatte, sprach Gott zum Weibe (1.Mose 3,16):
"Ich will dir viel Beschwerden machen in deiner Schwangerschaft; mit
Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Manne wirst du verlangen; er
aber soll dein Herr sein!"
Die zweite Säule der
christlichen Moral ist, daß die Frau dem Mann
untertan ist.
In 1.Mose 3,17 heißt es
dann: "Und zum Menschen sprach er: Weil du auf des Weibes Stimme gehört
und von dem Baume gegessen hast...so ist
um deinetwillen der Erdboden verflucht. Mit Mühsal sollst du dich ernähren dein
Leben lang."
Es fällt da die feine
Unterscheidung zwischen Weib und Mensch auf. Der Mensch ist der Mann - die Frau
ist also kein Mensch. Das ist also die dritte Säule der christlichen Moral.
Die nächste Bibelstelle,
die etwas mit Moral zu tun hat, ist die Ermordung Abels durch Kain. In 1.Mose
4,9 bis 4,16 heißt es(verkürzt): "Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein
Bruder Abel? Was hast Du getan? Und nun - verflucht bist du, verbannt vom
Ackerland. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag
nicht mehr geben; unstetig und flüchtig sollst du sein auf Erden". Da
sprach Kain zu dem Herrn: Meine Strafe ist größer, als ich sie tragen könnte.
So wird mich denn totschlagen, wer mich antrifft. Der Herr sprach zu ihm: Nicht
so! Wer immer Kain totschlägt, an dem wird es siebenfältig gerächt".
Kains Brudermord wird
also lediglich mit einer Art Vertreibung aus dem Heimatland bestraft. Das ist
ein unangemessen niederes Strafmaß. Der Rächer Abels wird mit einer viel schwerern Strafe bedroht.
Die vierte Säule der
christlichen Moral ist also die Ungleichheit bei der Bestrafung: Wer das
Wohlwollen Gottes hat, wird milde bestraft, wer sich an den Bevorzugten Gottes
rächen will, wird schwer bestraft. Vor Gott sind nicht alle Menschen gleich,
sondern er bevorzugt Israeliten, später auch Christen. Sie finden in ihm einen
gnädigen Richter, währden andere Völker oder Andersgläubige
mit aller Härte und Grausamkeit behandelt werden.
In 1.Mose 6,5 heißt es
(verkürzt): "Als aber der Herr sah, daß des
Menschen Bosheit groß war, da reute es den Herren, daß
er den Menschen geschaffen hatte und er sprach: Ich will die Menschen, die ich
geschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, die Menschen sowohl als das Vieh, auch
die kriechenden Tiere und die Vögel des Himmels; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe".
Also: Gott stellt fest, daß der Mensch einen Fabrikationsfehler hat: er ist böse.
Und das ärgert Gott so sehr, daß er den ganzen Spaß
an seiner Schöpfung verliert und sie vernichten will. Der Schöpfer will also
die Geschöpfe für die Fehler, die er gemacht hat, bestrafen.
Wenn eine Autofirma ein
Auto produziert, das einen gefährlichen Mangel hat, wer haftet dann - die
Autofabrik oder das Auto?
Die fünfte Säule der
christlichen Moral ist das fehlerhafte und unverantwortliche Handeln, das nicht
den Täter, sondern das Opfer zur Rechenschaft zieht.
Nachdem die Sintflut
vorüber ist, sagt Gott in 1.Mose 9 zu Noah und seinen Söhnen (mit den Frauen
spricht er ja nicht, denn das sind ja keine Menschen): Seid fruchtbar und
mehret euch und füllet die Erde! Furcht und Schrecken vor euch komme über alle
Tiere der Erde, über alle Vögel des Himmels, über alles, was auf der Erde
kriecht, und über alle Fische im Meer: in euere Hand sind sie gegeben".
Hier haben wir also die
sechste Säule der christlichen Moral: Die gesamte Schöpfung steht dem Menschen
zur freien Verfügung. Der Mensch soll sich ungehemmt vermehren und alle
Geschöpfe mit Furcht und Schrecken erfüllen.
In 1.Mose 9,6 heißt es
dann: "Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen
vergossen werden".
Die siebte Säule der
christlichen Moral ist also die Blutrache.
In 1.Mose 9,21 heißt es:
"Da Noah von dem Weine trank, ward er berauscht und lag entblösst im Innern seines Zeltes. Als nun Ham, der Vater
Kanaans, seines Vaters Blöße sah, sagte er es seinen beiden Brüdern draussen. Da nahmen Sem und Japhet das Gewand, legten es auf ihre Schultern und gingen
rückwärts hinzu und bedeckten ihres Vaters Blöße, indem ihr Angesicht rückwärts
gewendet war, sodaß sie ihres Vaters Blöße nicht
sahen. Als aber Noah von seinem Rausch erwachte und erfuhr, was ihm sein
jüngster Sohn getan, sprach er: "Verflucht sei Kanaan! Knecht der Knechte
sei er seinen Brüdern!"
Die moralische Aussage
dieser Bibelstelle ist: Wenn sich ein Vater so sehr betrinkt, daß von seinem Sohn nackt im Schlafzimmer angetroffen wird,
wird der Sohn und alle seine Nachkommen mit Knechtschaft bestraft. Grund der
Strafe: Er hat unbeabsichtigt seinen nackten Vater gesehen.
Nicht bestraft wird der
Vater, der durch alkoholische Exzesse seine väterliche Autorität so sehr
untergraben hat, daß er sie nur noch durch überzogene
Strafen glaubt wiederherstellen zu können.
Die achte Säule der
christlichen Moral ist also die Aussage: Väter, die sich falsch verhalten und
dabei von ihren Söhnen ertappt werden, haben das Recht, ihre Söhne dafür zu
bestrafen, daß sie dieses Fehlverhalten entdeckt
haben.
Ich will hier nur am
Rande auf das Thema "Der nackte menschliche Körper und das Christentum
" eingehen. Die Christenheit hat aus dieser Stelle wohl abgeleitet, daß es unmoralisch ist, den nackten Körper den Blicken
darzubieten bzw. ihn anzuschauen. Eher ist die Stelle so zu interpretieren, daß das Nacksein eine Schande
darstellt, weil es offenbart, daß der Mensch im
Grunde ein Tier ist. Wer sich nackt präsentiert, präsentiert sich also als
Tier. Das mag zu einer früheren Phase der Zivilistation
berechtigt gewesen sein. Der heutige Mensch bleibt auch ohne Kleider Mensch.
Trotzdem kommt man nicht
umhin, als neunte Säule der christlichen Moral die Prüderie zu nennen.
Über den Turmbau zu
Babel heißt es in 1.Mose 11,5 (verkürzt): "Da fuhr der Herr hernieder, um
die Stadt (Babel) und den Turm zu sehen, den die Menschenkinder gebaut hatten.
Und der Herr sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache. Und
dies ist der Anfang ihres Tuns; nunmehr wird ihnen nichts
unmöglich sein, was immer sie sich vornehmen. Wohlan, lasst uns hinabfahren und
daselbst ihre Sprache verwirren, daß keiner mehr des
andern Sprache verstehe. Also zerstreute sie der Herr von dort über die ganze
Erde, und sie ließen ab, die Stadt zu bauen".
Die Aussage dieser
Bibelstelle ist: Gott will nicht, daß die Menschen in
Großstädten zusammenleben und technische Spitzenleistungen vollbringen. Gott
will, daß die Menschen auf dem flachen Land, nach
ethnischen und sprachlichen Gruppen von einander getrennt leben.
Die neunte Säule der christlichen Moral ist
also die Ablehnung der großstädtischen Zivilisation und der Weiterentwicklung
der Technik. Das Christentum will die Vielsprachlichkeit
und die Vielzahl der Völkerschaften.
Diese Moral ist die
Moral eines halbsesshaften Stammes aus Viehzüchtern und Bauern, welcher die
städtische Zivilisation ablehnt, einfach weil sie nicht der eigenen Lebensform
entspricht.
In 1.Mose 17 heißt es
(verkürzt): "Gott sprach zu Abraham: Ich richte meinen Bund auf zwischen
mir und dir und deinen Nachkommen als einen ewigen Bund, daß
ich dein und deiner Nachkommen Gott sei. Und ich gebe dir und deinen Nachkommen
das Land, wo du jetzt als Fremdling weilst, das ganze Land Kanaan, zu ewigem
Besitz und ich will ihnen Gott sein".
Gott (oder wohl eher die
Pristerschaft) schließt also einen Vertrag mit dem
Patriarchen eines halbnomadischen Stammes. Er wird zum Stammesgott und gibt den
Israeliten ein Land, das anderen gehört und in dem sie Fremde sind. Gott nimmt
also den rechtmäßigen Besitzern das Land weg und tauscht es gegen den Anspruch
ein, Stammesgott zu werden.
Die zehnte Säule der
christlichen Moral ist also: Wer Gott auf seiner Seite hat, darf fremdes Land
in Besitz nehmen und es zu seinem Eigentum machen.
Der Vertrag zwischen
Gott und Abraham hat noch einen Zusatz. Erlautet (1. Mose
17): "An der Vorhaut sollt ihr beschnitten werden. Das soll ein Zeichen
des Bundes sein zwischen mir und euch. Ein Unbeschnittener aber soll aus seinen
Volksgenossen ausgerottet werden: meinen Bund hat er gebrochen."
Es wird also durch einen
körperlichen Eingriff eine neue Rasse geschaffen. Wer nicht dieser Rasse
angehört, soll "ausgerottet werden".
Die elfte Säule der
christlichen Moral ist also die Schaffung einer künstlichen Rasse und die
Ausrottung all derer, die der Rasse nicht angehören.
So stehts
in der Bibel, und jeder kann es nachlesen.
Die zehn Gebote stehen
in 2.Mose 20. Sie lauten verkürzt:
1. Du sollst keine
andern Götter neben Gott haben
2. Du sollst dir keine Götzenbilder
machen und sie nicht anbeten
3. Du sollst den Namen
des Herrn nicht mißbrauchen
4. Du sollst den Sabbat
als heiligen Tag feiern
5. Du sollst Vater und
Mutter ehren
6. Du sollst nicht töten
7. Du sollst nicht
ehebrechen
8. Du sollst nicht stehlen
9. Du sollst kein
falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten
10. Du sollst nicht
begehren nach dem Hause deines Nächsten, nicht nach seinem Weib, nicht nach
seinem Sklaven, nicht nach seinem Vieh noch nach irgend etwas, was der Nächste
hat.
Das erste, zweite und
dritte Gebot stellen keine moralische Aussage dar, sondern sie erheben nur den
Anspruch einer Pristerschaft auf das religiöse
Monopol. Da dieser Anspruch so nachhaltig betont wird und gleich ein erster
Stelle kommt, kann man schließen, daß es der Pristerschaft
weniger um Moral, als um die Festigung ihrer Herrschaft geht.
Vom moralischen
Standpunkt bedeuten die ersten zwei Gebote eine Festschreibung der religiösen
Intoleranz des Christentums.
Die zwölfte Säule der
christlichen Moral ist die religiöse Intoleranz.
Das vierte Gebot trägt
ebenfalls nichts dazu bei, moralische Grundsätze zu fördern, es schreibt
lediglich fest, daß ein Tag der Woche Gott und der
christlichen Religion gewidmet ist.
Das fünfte Gebot meint
im Grunde, daß die patriarchalische Autorität gewahrt
werden muß.
Das zehnte Gebot meint, daß das Privateigentum geschützt ist. Dabei ist
bemerkenswert, daß Sklaven als Privateigentum
betrachtet werden, ebenso wie die Haustiere.
Die dreizehnte Säule der
christlichen Moral ist also die Einbeziehung der Sklaverei in die zehn Gebote.
Die verbleibenden Gebote
stellen das absolute Minimum an moralischen Grundlagen dar, ohne die eine
Gesellschaft nicht funktionieren kann. Sie werden nur ganz kurz und
kommentarlos dargeboten, während der Anspruch der Priesterschaft auf das
religiöse Monopol wortreich dargelegt wird.
Die vierzehnte Säule der
christlichen Moral ist ein absolutes Minimum an moralischen Vorschriften.
In 2.Mose 21, 22 und
23 folgen nun die Gesetze der Isrealiten, die sich an erster Stelle mit der Skalverei befassen. Aber nicht in dem Sinne, daß Sklaverei unmoralisch wäre. Im Gegenteil! Es wird z.B.
festgelegt, daß die Kinder einer Sklavin ebenfalls
Sklaven sein sollen.
Die Todesstrafe wird in
diesem Kapitel für folgende Vergehen festgelegt: Vorsätzlicher Mord, Tötung von
Vater oder Mutter, Menschenraub, Verfluchung von Vater oder Mutter.
Dann kommt ein Satz, der
wieder sehr seltsam anmutet (2.Mose 21,18): "Wenn Männer miteinander
streiten und einer schlägt den andern mit einem Stein oder mit der Faust, sodaß er zwar nicht stirbt, aber doch bettlägerig wird, so
soll der Täter straflos bleiben, wenn jener wieder aufkommt und an seinem
Stocke draussen herumgehen kann; nur soll er ihm
vergüten, was er versäumt hat, und den Arzt bezahlen".
Körperverletzung unter
streitenden Männern bleibt also nach der christlichen Moral straffrei.
Weiter lesen wir:
"Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt und sie bleiben
noch ein oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht bestraft werden, denn es ist
sein Geld".
Der Rest der alten
israelischen Gesetze regelt das Strafmaß bei verschiedenen Arten der
Körperverletzung, bei Diebstahl und Raub, bei Verführung von Jungfrauen, das
Ausleihen von Geld, den Umgang mit Fremden, die Verbreitung falscher Gerüchte,
das Feiern von Festen usw.
Diese Gesetze regeln auf
pragmatische Weise das Zusammenleben in einer Gesellschaft von Viehzüchtern und
Bauern, die im Umfeld von Städten wohnen. Sie sind eng verbunden mit den
vorherrschenden religiösen Vorstellungen
und dem kulturellen und sozialen Umfeld. Auf unsere heutige Zeit sind sie nur
sehr bedingt anwendbar.
Die fünfzehnte Säule der
christlichen Moral ist eine Sammlung von Gesetzen, die auf eine antike
Gesellschaft von Viehzüchtern, Bauern und
Bewohnern von kleineren
Städten zugeschnitten ist.
Das gesamte dritte Buch Mose, der sogenannte Leviticus
beinhaltet religiöse Vorschriften. Sie beschäftigen sich in erster Linie mit
Heils- und Schuld- und Sühne-Opfern. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn
die Opfer waren die Einnahmequelle der Pristerschaft.
Es wird in dem Text das Schwergewicht auf das Opferritual und die Art des
Opfers gelegt. Als Verfehlung gelten hauptsächlich Mißachtung
der Religion und Beschädigung oder Raub von Eigentum.
Das hauptsächliche
moralische Anliegen in den Büchern Mose ist also die
Wahrung der Stellung der Pristerschaft und der Schutz
des Besitzes.
In 5.Mose 7 lesen wir
(verkürzt): "Wenn Gott dich in das Land bringt, es zu besetzen und viele
Völker vor dir her vertreibt, und sie Gott in deine Hand gibt, dann sollst du
an ihnen den Bann vollstrecken: du sollst keinen Vertrag mit ihnen schließen
und sie nicht verschonen, und du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern. Denn
sie werden machen, daß deine Söhne andern Göttern
dienen. Vielmehr sollt ihr so mit ihnen verfahren: ihre Altäre sollt ihr niederreissen, ihre Malsteine zerschlagen und ihre Göztenbilder verbrennen. Denn du (Isreal)
bist ein gottgeweihtes Volk, aus allen Völkern erwählt."
Nochmals finden wir
bestätigt, daß die Grundlage der christlichen Moral
ein religiöser Nationalismus ist, der Landraub, Völkermord, Vertreibung,
Zerstörung religiöser Heiligtümer und religiöser Intolernz
verlangt. Die Religion dient zur Rechtfertigung von moralisch verwerflichem
Handeln.
In 5.Mose 20 heißt es:
"Wenn du vor eine Stadt ziehst, um wider sie zu streiten, so solltst du ihr Frieden anbieten. Geht sie auf den Frieden
ein und tut sich dir auf, so soll alles Volk, das sich darin befindet,
fronpflichtig sein und soll dir dienen. Will sie aber nicht friedlich sich mit
dir vergleichen, sondern mit dir Krieg führen, so belagere sie. Und wenn der
Herr, dein Gott, sie dir preisgibt, so sollst du alles, was darin männlich ist,
mit der Schärfe des Schwertes schlagen (Anmerkung: also wohl: mit einem
scharfen Schwert den Kopf abschlagen). Die Frauen und Kinder aber, das Vieh und
alles, was sich in der Stadt als Beute findet, magst du als Raub für dich
behalten. So sollst du es mit allen Städten halten, die weit entfernt sind.
Doch in den Städten der Völker, die dir der Herr, dein Gott, zu eigen geben
wird, sollst du nichts am Leben lassen, was Atem hat, sondern den Bann sollst
du an ihnen vollstrecken".
Die sechzehnte Säule der
christlichen Moral ist also die Aufforderung, fremde Städte zur Kapitulation zu
zwingen, und falls sie sich nicht unterwerfen, die Bewohner zu ermorden oder zu
versklaven.
Wenn man in den Psalmen, in den Sprüchen, im
Prediger und im Hohelied nach moralischen Ausagen
sucht, findet man z.B. folgendes:
"Wie lange, ihr
Einfältigen liebt ihr die Einfalt?"
"Lass Liebe und
Treue nicht von dir weichen".
"Wen der Herr lieb
hat, den züchtigt er".
"Sprich nicht zum
Nächsten: 'Geh hin und komme morgen wieder; morgen will ich dir geben' - da
du's doch jetzt kannst.
"Ein Taugenichts
ist, wer im Herzen Hinterlist hegt und Böses schmiedet."
"Besser ein Armer,
der unsträflich wandelt, als ein Reicher, der krumme Wege geht".
Es handelt sich im
Aufforderungen, fromm, weise, mildtätig, gerecht und anständig zu sein. Das ist
die siebzehnte Säule der christlichen Moral.
Man merkt, daß die Isrealiten aus
landräuberischen Nomaden städtische Bürger geworden sind, die sich einen Kodex
des bürgerlichen Zusammenlebens gegeben haben. Dieser Kodex ergibt sich nicht
zwangsläufig aus der christlichen Religion, sondern ist einfach erforderlich,
um das Zusammenleben vieler Menschen auf engem Raum zu ermöglichen. Ähnliche
Verhaltensregeln findet man in Japan, China, Indien usw. Sie sind nicht
spezifisch christlich. Sie machen auch nicht den Kern des alten Testaments aus.
Der Kerngedanke ist, daß Isreal
das erwählte Volk Gottes ist.
Etwa im Jahr 930 vor
Chr. zerfiel das israelitische Reich in zwei Hälften, in das nördliche Reich
("Israel") und in das südliche Reich ("Juda").
Im Jahr 722 wurde das Nordreich Israel von den Assyrern vernichtet und die
Israeliten in verschiedene Teile des Assyrerreiches zwangsdeportiert. Im Jahr
586 v.Chr. eroberten die Babylonier unter
Nebukadnezar die Hauptstadt des Südreiches, Jerusalem, zerstörten den Tempel
und deportierten die jüdische Oberschicht nach Babylon.
Die Geschichte stellte
den Glauben, daß Israel das von Gott auserwählte und
bevorzugte Volk ist, in Frage. Wie konnte es passieren, daß
Israel die Beute fremder Völker wurde? Die Antwort der Priester: Die Israeliten
haben sich andern Götern zugewandt. Und dann setzt
das Wunschdenken ein: Man hofft, daß ein isrealitischer König kommen wird, der die fremden
Unterdrücker besiegen wird. Und man malt sich das in den schönsten Farben aus
und lässt der Phantasie seines Hasses freien Lauf.
Im Buch Jesaja lesen wir
folgende Passagen:
"Zerschmettern will
ich den Assyrer in meinem Land" (Jes. 14,24).
"...über Nacht ist Kir-Moab verwüstet, vertilgt" (Jes15,1).
"Und wie flüchtige
Vögel, wie ein aufgescheuchtes Nest werden die Töchter Moabs
sein" (Jes 16,2).
"Siehe, Damaskus
wird abgetan als Stadt und wird zum Trümmerhaufen. Verlassen sind für immer
seine Städte, den Herden werden sie zuteil; die lagern da und niemand scheucht
sie auf" Jes. 17,1 und 2).
"Das Wasser im Nil
wird versiegen und der Fluss bis auf den Grund austrocknen" (Jes 19,5)
In dieen
Rachephantasien erscheint ein großes Weltgericht, das die gesamte Erde
verwüsten wird. Als strahlender Sieger und als Rächer wird ein kommender König
Israels vorausgesagt. Das ist der Kerngedanke der prophetischen Bücher.
Die achtzehnte Säule der
christlichen Moral ist der Hass auf die
Völker, die Israel besiegt und unterdrückt haben. Hass und
Revanchedenken beherrschen weite Teile der prophetischen Bücher der Bibel.
Wenden wir uns nun dem
Neuen Testament zu, das im Zentrum der christlichen Lehre steht, und schauen
wir dort nach, welche moralischen Grundsätze wir dort entdecken können.
Die Bergpredigt ist eine
Sammlung von mündlich überlieferten Aussprüchen Jesu und ist wohl der Teil im
Neuen Testament, der uns noch am nächsten an die Gestalt Jesu heranbringt.
Wir lesen: "Selig
sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich im Himmel".
Die Bibel sagt nicht,
was mit dem Ausdruck "geistlich Armen" gemeint ist. Wenn aber eine
Aussage nicht eindeutig zu verstehen ist, kann man auch keine eindeutige Moral
davon ableiten.
"Selig sind die
Trauernden; denn sie werden getröstet werden". Keine moralische Aussage,
sondern eine Verheißung.
"Selig sind die Sanftmütigen,
denn 'sie werden das Land besitzen' ".
Moral: Die Sanftmut ist
eine Tugend, die belohnt werden wird. Immerhin etwas.
"Selig sind die
hungern und dürsten nach Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden".
Die Gerechtigkeit wird also als Tugend aufgeführt. Das ist doch auch schon was.
Ähnlich ist es mit den
"Barmherzigen, die Barmherzigkeit erlangen werden", mit denjenigen ,
"die reinen Herzens sind", mit den "Friedfertigen" und mit
denen, die "um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden".
Die moralische Aussage
des ersten Teils der Bergpredigt ist also: "Sanftmut,
Streben nach
Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit des Herzens und Friedfertigkeit sind
erstrebenswerte Tugenden".
Wer möchte dem
widersprechen?
Neunzehnte Säule der
christlichen Moral sind Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Sanftheit, Reinheit des
Herzens und Friedfertigkeit.
Weiter sagt Jesus dann:
"Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist:
'Du sollst nicht töten; wer aber tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich
aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen
sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: "Du Verächtlicher!" soll dem
Hohen Rat verfallen sein. Wer aber sagt: "Du Tor" soll der Hölle mit
ihrem Feuer verfalle sein...Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem
Bruder...damit dich nicht der Gegner dem Richter...übergibt und du ins
Gefängnis gesetzt wirst".
Jesus fordert also, daß bereits eine bloße Beschimpfung und Beleidigung mit
Gefängnisstrafe geahndet wird.
Meiner Meinung nach ist
dieses Strafmaß unverhältnismäßig hoch und daher ungerecht. Womit wollte man
dann Diebstahl bestrafen? Wohl mit der Todesstrafe. Und womit sollte man dann
Mord bestrafen - vielleicht durch Hinrichtung nicht nur der Mörders, sondern
auch seiner ganzen Familie?
Jesus stellt so hohe
moralische Forderungen, daß die Menschen sie
unmöglich erfüllen können. Eine Moral, die so hohe Maßstäbe setzt, macht jedermann zum Schuldigen. Dies führt
dazu, daß die Moral gehasst wird.
Weiter sagt Jesus dann:
"Ihr habt gehört, daß gesagt ist: 'Du sollst
nicht ehebrechen.' Ich aber sage euch: Jeder, der eine Ehefrau ansieht, um sie
zu begehren, hat ihr gegenüber im Herzen schon Ehebruch begangen. Wenn dich
aber dein rechtes Auge zur Sünde verführt, dann reiss
es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, daß
eins deiner Glieder verlorengeht und nicht dein ganzer Leib in die Hölle
geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zur Sünde verführt, so haue sie
ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, daß
eins deiner Glieder verlorengeht und nicht dein ganzer Leib in die Hölle
kommt".
Ich meine dazu: Wenn ein
Mann eine Frau sieht, Ehefrau oder nicht, und die Frau hat erotische
Ausstrahlung, dann sind seine Instinkte so programmiert, daß
er sie begehrt. Das ist ein Reflex, so wie z.B. der Kniesehnenreflex. Dieser
Reflex ist schon da, bevor das Gehirn die Situation richtig verarbeitet hat.
Wenn das Gehirn dann arbeitet, wird ein anständiger Mann sich sagen:
"Diese Frau gehört einem anderen, sie ist tabu".
Jesus aber verurteilt
schon den sexuellen Reflex des Menschen, und das ist einfach unfair. Denn man
kann niemanden dafür verurteilen, daß er mit
erotischen Instinkten ausgestattet ist. Jesus erzeugt also durch seine viel zu
hohen moralischen Ansprüche bei seinen Anhängern ein Schuldgefühl, und er quält
sie durch dieses Schuldgefühl.
Jesus geht sogar noch
weiter: Er fordert die Menschen zu Selbstverstümmelung auf, und droht ihnen
schon für relativ geringe Vergehen die ewige Verdammnis an. Wieviele
Mönche und Nonnen haben sich schwere Vorwürfe gemacht, weil sie ihrem
natürlichen Sexualtrieb nicht immer wiederstehen
konnten und durch Fasten, Schlaf-Entzug und Selbstauspeitschung gegen ihren
eigenen Körper Krieg geführt?
Die zwanzigste Säule der
christlichen Moral ist die Verdammung der normalen sexuellen Instinkte des
Menschen als schweres Vergehen, das mit ewiger Verdammnis in der Hölle bestraft
wird.
Jesus fährt fort:
"Es ist ferner gesagt: 'Wer seine Frau entläßt,
soll ihr einen Schiedebrief geben.' Ich aber sage
euch: Jeder, der seine Frau entläßt, außer wegen
Unzucht, gibt Anlass, daß ihr gegenüber Ehebruch
begangen wird; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch".
Jesus verbietet also
eine Scheidung, wenn die Ehepartner nicht miteinander auskommen. Er verbietet
den Menschen, den Versuch zu unternehmen, einen anderen passenden Partner zu
finden. Als einzigen Scheidungsgrund erkennt er "Unzucht" an. Dagegen
ist es kein Scheidungsgrund, wenn eine Frau von ihrem Mann ständig verprügelt wird.
Jesus sagt: "Ihr
habt gehört, daß gesagt ist: 'Auge um Auge, Zahn um
Zahn.' Ich aber sage euch, daß ihr dem Bösen nicht
widerstehen sollt; sondern wer dich auf den rechten Backen schlägt, dem biete
auch den andern dar, und dem, der gegen dich den Richter anruft und dir den
Rock nehmen will, dem lass auch noch den Mantel, und wer dich nötigt, eine
Meile weit zu gehen, mit dem gehe zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende
dich nicht von dem ab, der von dir borgen will".
Jesus fordert also, daß man dem Bösen nicht widerstehen soll. Das heißt aber
doch, daß man dem Bösen Gelegenheit gibt, immer
dreister und mächtiger zu werden. Das halte ich für unmoralisch. Jeder Mensch
hat das Recht zu Selbstbehauptung. Wer ihn dazu anstiftet, auf den Erhalt
seiner Ehre, seiner Rechte und seines Besitzes zu verzichten, wird diesen
Menschen ruinieren.
Jesus sagt: "Ihr
habt gehört, daß gesagt ist: 'Du sollst deinen
Nächsten lieben' und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure
Feinde und bittet für die, welche euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters
in den Himmeln seid! Denn er läßt seine Sonne
aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über
gerechte und ungerechte".
Da haben wir wieder
diesen moralischen Rigorismus Jesu. Er verlangt von den Menschen, daß sie vollkommen sind. Er fordert, daß
der Menschen seine Feinde lieben soll. Nun sind aber Gefühle etwas, das der
Mensch nicht steuern kann. Kann man einer Frau befehlen, daß,
sie einen bestimmten Mann lieben soll, den sie aus den verschiedensten Gründen
ablehnt. Man kann Gefühle nicht erzwingen. Wenn man das verlangt, überfordert
man die Menschen. Und man macht sie nur unglücklich.
Jesus hätte fordern
können: "Was du nichts willst, das dir man tu, das füg auch keinem andern
zu." Das wäre eine vernünftige und erfüllbare Forderung gewesen.
Die einundzwanzigste
Säule der christlichen Moral ist es, so hohe Anforderungen an den Menschen zu
stellen, daß sie der menschlichen Natur und dem
menschlichen Gefühlsleben zuwiderlaufen, und daher auf die Dauer unerfüllbar
sind. Dies erzeugt bei den Menschen Schuldgefühle und macht sie unglücklich.
Wie kommt Jesus auf
solche radikalen und überzogenen Forderungen? Die Antwort ist ganz einfach: Als
er diese Forderungen aufstellte, war er jung, vielleicht dreissig,
vielleicht sogar noch jünger. Das muß man sich vor
Augen halten: Jesus war ein junger Mann, der mit der Unbedenklichkeit und der
Radikalität der Jugend sprach. Hätte Jesus Gelegenheit gehabt, älter zu werden,
hätte er mit 50, 60 oder 70 seine Ansichten vielleicht revidiert. Jetzt sind
seine unreifen Ansichten als ewige Wahrheiten in der Bibel festgeschrieben.
Wir haben 21 Säulen der
christlichen Moral betrachtet. 19 davon waren unmoralisch, teilweise sogar
verwerflich. Zwei waren moralisch einwandfrei, aber in wie weit sind sie
tragfähig?
Ich glaube nicht, daß das Gebäude der christlichen Moral der Menschheit ein
sicheres Dach über dem Kopf bieten kann.