Das romanische Portal der ehemaligen Klosterkirche von Biburg

(Bilder am Ende des Textes)

Text und Bilder: Richard Beiderbeck

 

 

Biburg liegt bei Abensberg im Landkreis Kehlheim (ca. 25 km westlich von Regensburg, Bayern). Die Kirche stammt aus der Zeit von 1125 bis 1150.

Was die symbolische Bedeutung der Skulpturen unter dem segnenden Christus am Hauptportal betrifft, sie vieles unklar.

Nach einer Deutung des Heimatpflegers von Niederbayern, Hans Bleibrunner, (erwähnt in Peter Leuschners Buch „Romanische Kirchen in Bayern, Gondrom-Verlag 1987, W. Ludwig-Verlag 1981) stellen die Figuren die sieben Sünden dar: Der Schütze stellt den Hochmut dar, die Vögel mit der Traube den Neid, die Nixe die Sinnenlust, die beiden Hunde die Schadenfreude, die Gestalt mit den drei Tierkörpern und dem Menschenkopf die Völlerei, der Mann, der die Zunge herausstreckt den Zorn, die kauernde Männerfigur die Trägheit.

 

Mir scheint das Portal folgendes zu zeigen:

Rechts von Christus (vom Betrachter aus gesehen links) wird an den romanischen Portalen das Gute (Positive) dargestellt, links das Böse (Negative), bzw. rechts der Himmel und die links die Hölle.

Die Tauben, die an den Weintrauben picken, sind die Christen, die in den Himmel gekommen sind und sich an den Früchten des Paradieses laben. Die Tauben sind das Symbol der Friedfertigkeit: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen“ (Bergpredigt). Der Schütze ist der Gerechte, dessen Lebenswandel nach dem Himmel zielt.

Die Nixe ist, das sieht Hans Bleibrunner ganz richtig, das Symbol der Sinnenlust. Es ist bemerkenswert, dass in Biburg die Nixe in den Himmel aufgenommen wurde. Das kann manches bedeuten. Vielleicht ist damit die Ehebrecherin gemeint, die in den Augen Jesu Gnade und Sympathie fand („Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“). Es kann aber auch bedeuten, dass es im Himmel auch schöne Frauen und „Sinnenlust“ gibt. Das würde allerdings nicht ganz ins katholische Weltbild passen.

Rechts von der Nixe ist (nur teilweise sichtbar) ist ein Vogel im Paradies.

 

Links unter Christus sieht man das Böse. Links ist ein Mann, der von zwei Händen um die Taille gefasst wird. Die Hände gehören einem Dämon, der hinter ihm steht. Ein weiterer Dämon schaut unter dem Arm des Mannes hervor. Daß der Mann drei Leiber und einen Kopf haben soll, ist für mich nicht erkennbar. Nach dem Schnurbart und dem Aussehen des Mannes kann man vermuten, dass er ein Kelte ist (Bayern war von Kelten bewohnt). Es handelt sich vielleicht um einen Heiden, der Anhänger einer vorchristlichen Religion ist. In den Händen hat er Blumen: das würde auf eine die Natur verehrende Religion  hindeuten. Die Figur in der Mitte ist ein Dämon. Die herausgestreckte Zunge kann bedeuten, dass er die christliche Religion verspottet. Die herausgestreckte Zunge findet man auch bei mediterranen und orientalischen Göttern und Dämonen, z. B. bei den Gorgonen. Der Mann rechts wartet vielleicht im Fegefeuer auf seine Erlösung. Es kann aber durchaus auch ein Müßiggänger sein. Er ähnelt einem „Mauerhocker“, wie man sie häufig Rückseite von romanischen Kirchen in Frankreich sieht.

 

 

                              Figuren rechts unter Christus

 

 

                              Figuren links unter Christus