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War Brantome der Ort einer geheimen Kultstätte ?

Brantome, ein reizvolles Städtchen im Perigord vert (Westfrankreich), etwa auf halbem Weg zwischen Limoges und Bordeaux, 27 km nördlich von Périgueux, birgt manches Rätsel. Am Ufer der Dronne liegt eine uralte Abtei, die aus der Zeit Karls des Großen oder sogar aus Westgotischer Zeit stammt. An der Nordseite der Abteikirche steht ein freistehender Glockenturm aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Er trägt eine Steinpyramide als Dach. Er ist der älteste Glockenturm Frankreichs.

Hinter dieser Abtei liegt eine Felswand, in der sich Grotten befinden. Diese Grotten wurden von Menschenhand erweitert und dienten wohl als Höhlenwohnungen, vielleicht schon in der Steinzeit und später in frühchristlicher Zeit. In Brantome  soll es eine Merkur-Statue gegeben haben, die vom heiligen Front zerstört wurde. Dabei ist zu bemerken, dass der Name „Merkur“ nur der römische Name für den keltischen Gott Lugu ist. In einer hallenartigen Grotte, die heute für Theateraufführungen benutzt wird, befinden sich zwei große plastische Reliefs, die aber vom Zahn der Zeit oder von Menschenhand stark gelitten haben, so daß man nur schwer erkennt, um was es sich handelt: eine „Kreuzigungsgruppe“ aus dem 16. oder 17. Jahrhundert und ein „Jüngstes Gericht“ (oder auch als „Triumph des Todes“ bezeichnet) aus dem späten 15. Jahrhundert.  Letzteres  ist etwa 5 m hoch und zeigt eine sitzende Gestalt. Vor deren Thron  knien zwei Gestalten mit Blasinstrumenten, vielleicht Hörner oder Trompeten. Man vermutet wohl, dass es zwei Engel sind, die zum Jüngsten Gericht blasen. Zwischen den beiden Engeln ist eine kleine Gestalt, die vielleicht gerade von den Toten auferweckt wird. Unter der Gestalt ist möglicherweise das Höllenfeuer. Unter den Engeln sind Köpfe, möglicherweise die der Verdammten in der Hölle. Vom Rumpf getrennte  Köpfe könnte aber auch auf keltischen Einfluss hindeuten.

Vielleicht stellt das Relief auch etwas ganz anderes dar, z. B. eine Muttergottheit. Jedenfalls sieht die sitzende Figur eher wie eine Matrone aus als der thronende Christus beim Jüngsten Gericht. Für einen Fruchtbarkeitskult spricht auch, dass der Sicariusquelle, die ebenfalls hinter der Abteikirche ist, eine fruchtbarkeitssteigerde Kraft zugesprochen wird.

Wer die Skulpturen erschaffen hat, weiß man nicht. Vielleicht wurde das „Jüngste Gericht“  von dem Abt Pierre de Bourdeille, genannt Pierre de Brantome, der von 1538 bis 1614 lebte, in Auftrag gegeben. Das stimmt zwar nicht mit der Datierung des Reliefs überein, das schon etwa 50 Jahre eher entstanden sein soll. Aber wie kann man es so genau datieren ?

Pierre de Brantome war ein weitgereister Mann, der bis Marokko und Malta kam. Berühmt wurde er durch seine biographischen Erzählungen, vor allem durch die „Lebensläufe galanter Damen“. Vielleicht wurde er im Lauf seines ereignisreichen Lebens in Mysterienkulte eingeweiht.