Der Club of Munich

von Richard Beiderbeck   http://www.koinae.de     

Die Mitglieder des Club of Munich widmen sich der Entwicklung und Verbreitung von Ideen, die mithelfen sollen, die Zukunft unseres Planeten friedlicher, humaner, freier, sicherer und gerechter zu gestalten. Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig bei der Gründung von Vereinen und bei Initiativen und Aktionen. Sie suchen gemeinsam Wege, wie ihre Anliegen besser formuliert, dargestellt und an die Öffentlichkeit getragen werden können.

Trotzdem ist die Durchführung und Finanzierung seiner Vorschläge und Ideen in erster Linie Aufgabe des Mitgliedes, das diese Ideen und Vorschläge entwickelt. Es ist auch für diese Ideen und Aktionen allein verantwortlich.

Alle Mitglieder des Club of Munich sind gleichberechtigt, keines ist einem anderen über- oder untergeordnet. Der Club of Munich hat keinen Vorstand. Keines der Mitglieder ist befugt, im Namen des Club of Munich zu sprechen, zu schreiben oder zu handeln, außer er gibt Texte und Beschlüsse wieder, denen mindestens zwei Drittel der Mitglieder zugestimmt haben.Jedes der Mitglieder ist befugt und aufgefordert, diese Texte und Beschlüsse an die Öffentlichkeit zu tragen.

Jedes Mitglied hat das Recht und die Aufgabe, dem Club of Munich Vorschläge und Ideen zu unterbreiten. Der Club of Munich kann (muß aber nicht) diese Ideen verbreiten. Die Vorschläge tragen dann die Bezeichnung: "Vorschlag an den Club of Munich". Für diese Vorschläge ist derjenige, der sie einreicht, selbst verantwortlich, nicht der Club of Munich.

Der Club of Munich kann aber mit Zweidrittelmehrheit Vorschläge annehmen und sie als "Vorschlag des Club of Munich" an die Öffentlichkeit bringen.

Die Mitglieder des Club of Munich sollen mit anderen Mitgliedern in Kontakt treten und sich in gemeinsamen Aktionen zusammenfinden. Jedes Mitglied soll die Adressen aller anderen Mitglieder kennen.

Der Club of Munich ist kein Verein, sondern ein Netzwerk. Er erhebt keine Mitgliedsbeiträge, nimmt keine Spenden oder Kredite an und hat folglich auch kein Geld zu verteilen oder auszugeben. Er führt also auch kein Kassenbuch.

Die Aktivitäten des Club of Munich werden durch Sachspenden und die Arbeitsleistung seiner Mitglieder getragen. Der Club of Munich unterhält kein Büro und keine Räumlichkeiten. Der Club of Munich besitzt nichts und mietet nichts. Der Club of Munich ist von keiner Organisation, keiner Gemeinschaft und keiner Einzelperson abhängig.

Der Club of Munich tut nichts, was ihn irgendwie mit den Gesetzen oder en Regeln von Anstand und Sitte in Konflikt bringen würde oder könnte

Mitglied des Club of Munich kann jeder werden, der sich aktiv für eine bessere Welt einsetzt. Eine Mitgliedschaft kann abgelehnt werden, wenn eines der Mitglieder Einwände erhebt, und wenn diese Einwände nicht von zwei Dritteln der Mitglieder als nicht stichhaltig abgelehnt wurden.

Der Club of Munich kann mit zwei Dritteln Mehrheit verdienstvollen Persönlichkeiten eine Ehrenmitgliedschaft antragen.

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Das Netzwerk der zielbewußten Weltbürger

von Richard Maxheim

Herausgeber der Zeitschrift PAN GAIA

(ISSN 1432-3249), Beiträge für ein neues Weltbürger-Bewußtsein

Soterstr. 35, D-54295 Trier, Tel.: 0651 13 906

Email: Maxheim@t-online.de

Über bestehende, entstehende und geplante Netzwerke wurde in PanGaia schon mehrfach berichtet. Das Spektrum reicht von ganz lockeren Vernetzungen bis hin zu organisationsartigen Gebilden mit festen Netzstrukturen. Es gibt aber auch Vereinigungen, die sich zwar Netzwerke nennen, deren Kummunikationslinien allerdings mehr sternförmig verlaufen als netzförmig. Deshalb erscheint es mir wichtig, hier vier Kriterien aufzuzeigen, die m.E. echte Netzwerke kennzeichnen:

1. Vernetzungen sollen frei von Hierarchien bleiben, ja diese von Anfang an ausschließen, sonst entstehen automatisch althergebrachte Vereinsstrukturen mit mehr oder weniger funktionierenden Querverbindungen in der Mitgliedschaft. Vernetzungen brauchen aktive Leute, aber keine Führungspersönlichkeiten, was aber nicht heißen soll, daß damit Koordination und demokratische Entscheidungsfindung unterbleiben müssen.

2. Netzknoten können nur von Menschen gebildet werden. Selbst bei der Vernetzung von Gruppen und Organisationen - bei der regelmäßig die Gefahr der Umwandlung in einen Dachverband aufkommt - bestehen die Netzknoten aus einzelnen Menschen. Eigentlich lassen sich Gruppen auf die Dauer garnicht vernetzen, weil sie selbst geschlossene netze darstellen und dadurch demokratische Entscheidungsprozesse in der größeren Vernetzung ungemein erschwert werden.

3. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Netzknoten dürfen keine Einbahnstraßen sein. Es geht bei Vernetzungen nicht um möglichst viele Verbindungen - also Quantität - , die die vernetzten Menschen schnell überfordern würden, sondern um sachbezogenen gegenseitige Kommunikation - also Qualität -, von der Resultate erwartet werden können, die etwas bewirken.

4. Netzwerke sind in ihrer Grundkonzeption so geartet, daß sie sich gegenseitig kaum Konkurrenz machen. Aktivitäten Einzelner sind gleichzeitig in mehreren Netzen möglich, ohne daß dadurch automatisch eine wesentliche Mehrarbeit anfallen muß. Durch das weitgehende Einsparen von organisatorischen Regularien verbleibt mehr Zeit und Kraft für die eigentliche Sache.

Mit diesen Feststellungen möchte ich aber in keiner Weise andere Organisationsformen herabwürdigen. Es kommt bei der Wahl darauf an, welche Arbeit zu tun ist. Die Art und Weise eines Zusammenschlusses von Menschen, die sich für die gleiche Sache einsetzen, sollte sich nach der Sache richten und nicht umgekehrt. Es gibt aber auch wirklich antiquierte Strukturen, die auf den Schrottplatz der Vergangenheit gehören. Auch in ganz normalen Vereinen sollten Hierarchien abgebaut werden. Teamwork und Eigenverantwortlichkeit in der Kooperation ist auf jeden Fall besser.

Seit nunmehr 27 Jahren beschäftigt mich die Weltbürger-Idee, zunächst beschränkt auf die Schaffung und Sicherung des Weltfriedens durch einen Weltbundesstaat, auch Weltföderation genannt. Ich sah in dieser Beziehung eine ganze Reihe Vereine kommen und gehen. Sie wurden of geboren aus dem Wunschdenken einzelner Enthusiasten, daß ihnen der große Durchbruch gelänge, und waren nach kurzer Zeit wieder im Nebel der Einsamkeit und Resignation verschwunden. Dies setzt sich bis in die Gegenwart fort.; so hat z.B. nach neuesten Informationen der Verein zur Förderung des Weltbürgertums (Siehe PanGaia Heft 4, Seite 8), kaum gegründet, schon seine Auflösung angekündigt.

In einigen Fällen waren es sehr egozentrische Persönlichkeiten, die sich mit missionarischer Vehemenz berufen fühlten, der Menschheit ihren Weg ins irdische Paradies zu weisen. Nur so war es ihrer Überzeugung nach möglich, die Welt zu retten. Sicher, sie meinten es gut, aber ihre simplen, linear gedachten Vorstellungen waren wenig dazu geeignet, die Kompexität der Wirklichkeit zu erfassen und den Boden für brauchbare Lösungsvorschläge zu bereiten. Es gibt inzwischen hundert verschiedene Entwürfe für eine Weltverfassung: größtenteils Muster ohne Wert. Das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen schien und scheint eine weitverbreitete Krankheit in der Weltbürgerbewegung zu sein.

Ich schlage vor, unter der Berücksichtigung der vier obigen Kriterien, ein Netzwerk zu schaffen, in dem sich alle aktiven Weltbürger miteinander verbinden können, ein Netzwerk der zielbewußten Weltbürger, wie es Lutz von Grünhagen aus Cottbus so wunderbar treffend formuliert hat. "Das Netz der Weltprobleme scheint unauflösbar: Die Tradition, Gesellschaften mit Vorschriften beherrschen zu wollen, scheitert heute an der Komplexität des Objekts. Das Netzwerk der Zielbewußten Weltbürger kann als handelndes Subjekt diese seine eigenen Probleme lösen."

Es liegt mir fern zu behaupten, dies sei der Stein der Weisen, oder daß die Weltprobleme nur so zu bewältigen seinen. Ich finde, es wäre aber ein wichtiges und interessantes Experiment. Mein Optimismus stützt sich diesbezüglich auf die Überlegungen und Erfahrungen, die innerhalb der Netzkraftbewegung (siehe Artikel in PanGaia Heft 2, Seite 31) gemacht wurden. So kann es möglich werden, daß ein Beziehungsgeflecht der Weltbürger entsteht, in dem spirituelle und politische Einsamkeit ein Ende haben, ohne daß der Einzelne in einer undefinierbaren Masse untergeht, ein System, in dem er seine Möglichkeiten multiplizieren kann, ohne vereinnahmt zu werden. Hier gilt: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile; aber auch: Ohne seine Teile ist das Ganze nicht existent.

Natürlich sollten die Teilnehmer an einem solchen Netzwerk einen gewissen Konsens anerkennen. Zielbewußte Weltbürger müssen ihre gemeinsamen Ziele auch aufzeigen können. Hierzu wäre m.E. ein Dokument dienlich, welches ich schon mehrfach in er PanGaia unter der Bezeichnung "Weltbürger-Manifest" angekündigt habe. Ein erster Textentwurf ist diesbezüglich in Arbeit und wird wohl bis Dezember 1996 vorliegen. Wer an der weiteren Gestaltung des Textes mitwirken möchte, der möge es mir bitte schriftlich oder telefonisch mitteilen (Redaktionsadresse PanGaia). Ein Exemplar des Textentwurfes kommt dann so bald wie möglich. In der zweiten Phase solle der Text in der nächsten PanGaia (erscheint im Februar 97) veröffentlicht und zur allgemeinen Diskussion gestellt werden.

Bei diesen Überlegungen kommt Selbstverständlich auch die Frage auf, in wie weit nicht doch die Gefahr besteht, daß innerhalb eines solchen Netzwerkes eine gewisse "Führungsschicht" entsteht. Schließlich gibt es Vordenker und Leute, die das alles organisieren. Meistens sind ja die Macher auch die Bestimmer. Da Netzwerke keine Hierarchie haben sollen, gilt hier mehr als anderswo: Wer mitmacht, bestimmt auch mit. Die wirklich Aktiven haben das Sagen und nicht diejenigen, die nur gut und viel reden können. Um dies zu gewährleisten, sollte für das Netzwerk eine demokratische Struktur entwickelt werden, über deren Gestaltung wir uns noch ausführlich unterhalten müßten. Ich danke dabei an eine Art Weltbürger-Parlament.

Aber bei allen Gedanken über eine möglichst breite Partizipation innerhalb des Netzwerkes bleibt es nicht aus, daß sich ein "harter Kern" besonders aktiver Leute bildet - eine Kerngruppe -, und je dicker dieser Kern, um so lieber. Hierfür sollten wir auf den guten alten Verein zurückgreifen, den der Verein ist nach deutschem Recht die einfachste gesellschaftliche Rechtsform. Ich schlage deshalb vor, daß die Weltbürgerinnen und Weltbürger, die dies möchten, einen Verein gründen, der zwar dem Vereinsrecht unterliegt, aber in seiner Struktur in das Netzwerk der zielbewußten Weltbürger passen muß wie hineingegossen.

Ziel und Zweck dieses Vereins müßte sein, das Netzwerk tatkräftig durch mannigfache Dienstleistungen zu unterstützen, ohne es zu dominieren. Mögliche Aufgaben wären u.a.:

1. Die Verbindungen innerhalb des Netzwerkes durch geeignete Maßnahmen zu erleichtern. Hierzu könnte ein Reader herausgegeben werden, in dem sich alle Netzwerkteilnehmer, wenn sie es möchten, sich, ihre Interessensgebiete und Aktivitäten vorstellen. Die regelmäßige Aktualisierung des Readers als Loseblattsammlung wäre problemlos.

2. Eine Zeitschrift herauszugeben, die das Netzwerk und alle damit verbundenen Aktivitäten nach innen und außen repräsentiert. In diesem Falle würde ich die PanGaia freundlichst empfehlen.

3. Organisation von internen und externen Veranstaltungen des Netzwerkes.

4. Für die erforderlichen Finanzmittel zu sorgen. Hier wäre es vorteilhaft, die steuerliche Gemeinnützigkeit des Vereins anzustreben, was ich allerdings nicht für zwingend notwendig halte. Nach meinen Erfahrungen kommen auch Spenden, wenn sie nicht steuerlich absetzbar sind. Eine möglichst überzeugende Öffentlichkeitsarbeit kann ein solches Manko durchaus ausgleichen.

Allerdings, das muß hier ausdrücklich betont werden, könnte diese Aufgaben auch eine bereits bestehende Vereinigung übernehmen, sofern diese Willens und in der Lage ist, sich in die Strukturen eines Netzwerkes der zielbewußten Weltbürger einzupassen.

Voraussichtlich im Frühjahr 1997 soll es ein Treffen - vielleicht an einem verlängerten Wochenende - möglichst an einem aus allen Richtungen gleich gut zu erreichenden Ort in der BRD geben, sofern sich nennenswertes Interesse an der Bildung eines Weltbürger-netzwerkes bis dahin abzeichnet. Dann wollen wir gemeinsam über all dies in Ruhe beraten und dabei vielleicht den Weg finden, den wir zusammen weitergehen können.

Also, laßt mal hören, was Ihr dazu meint, liebe Leserinnen und Leser!

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Das Schimak-Konzept

von Richard Schimak

Hauptstr. 88, 82223 Eichenau, Tel.: 08141 86 95

Bearbeitung: Richard Beiderbeck

Im Juli 1996 legte mir Herr Richard Schimak sein Konzept einer Weltfriedenskontrollorganisation (World Peace Control Oranization, WPCO) vor und regte die Gründung der "Globalen Sozialen Union" an.

Motiv für die Ausarbeitung eines solchen Konzepts waren wohl die persönlichen Erfahrungen, die Herr Schimak als sudetendeutscher Heimatvertriebener machen mußte: ein Opfer nationaler Regierungen geworden zu sein, die durch Ihre sinnlosen Kriege, durch Ihre Besatzungs- und Vertreibungspolitik, letztlich also durch ihre moralische Verwerflichkeit und durch ihre Unfähigkeit, Politik menschenfreundlich zu gestalten, in großem Stil versagt haben.

Vor diesem Hintergrund mußte sich Herr Schimak fragen: Ist nicht auch eine Politik möglich, in der die Menschen über ihr Schicksal selbst mitbestimmen können? Ist nicht eine Politik möglich, in der Deutsche und Tschechen, Serben und Bosnier, friedlich nebeneinander leben, statt von gewissenlosen Chauvinisten gegeneinander aufgehetzt zu werden?

Als Angehöriger einer vertriebenen Minderheit sieht Richard Schimak mit einer Teilnahme, die aus der eigenen Erfahrung erwachsen ist, wie Eskimos, Maoris, Tibetaner, Kurden usw. die Opfer von Unterdrückung und der Zerstörung ihres Lebensraumes werden.

Richard Schimak prägt den Begriff "konsequente gegenseitige Öffnung", die weltweit durchzuführen sei. Er meint damit, daß sich die Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft und unterschiedlicher Religion gegenseitig öffnen und verstehen sollen, um so zu einem gerechten Ausgleich der Interessengegensätze zu kommen. Darüber hinaus sollten sich die Machthaber den berechtigten Anliegen der Bürger öffnen: "Noch nie in der Menschheitsgeschichte konnte die ortsansässige Bevölkerung bestimmen, was wann, wo und wie geschehen soll".

Das Schimak-Konzept sieht nun vor, daß neben die Vereinten Nationen eine zweite Organisation gestellt wird: Die WPCO, die gewährleisten soll, daß Kriege und Vertreibungen in Zukunft nicht mehr möglich sind.

Die UNO hat diese Aufgabe ja leider nicht erfüllt. Schimak zählt folgende Unzulänglichkeiten der UNO auf:

- Die privilegierte Stellung der ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates

- Der Mißbrauch der UNO für die nationalen Zwecke der Großmächte

- Die Gleichgültigkeit und Untätigkeit der Großmächte (selbst USA und Englands) gegenüber der weltweite Verletzung von Menschenrechten durch diktatorische Regime. Er mahnt die Regierungen: "Nicht reden, sondern handeln!"

Die WPCO soll eine Organisation von Staaten sein, die folgende Bedingungen erfüllen:

1. Sie müssen Mitglieder der UNO sein

2. Sie müssen demokratisch regiert sein

3. Sie müssen bereit sein, ihre Streitkräfte der WPCO zur Verfügung zu stellen, wobei sie auf eigene Streitkräfte ganz verzichten.

4. Sie müssen bereit sein, auf Verlangen den einzelnen Volksgruppen, die in einem geschlossenen Siedlungsraum leben, Autonomie zu gewähren

5. Sie müssen die volle politische und religiöse Gewissensfreiheit garantieren

6. Sie müssen sich strengen Umweltschutzregelungen unterwerfen und auch auf Umweltzerstörung in anderen Ländern verzichten

Wenn eines der Mitglieder der WPCO in schwerwiegender Weise gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte verstößt, soll seine Regierung erst auf diplomatischem Wege, dann durch militärische Mittel wieder auf den rechten Weg gezwungen werden.

Die Entscheidungsfindung in der WPCO soll durch Mehrheitsbeschluss geschehen. Es soll kein Vetorecht geben.

Richard Schimak hofft, daß immer mehr Länder fähig und willens werden, der WPCO beizutreten, so daß schließlich alle Staaten der Erde Mitglied sind.

Amnesty International soll der WPCO direkt unterstellt werden. Einzelne Personen sollen ein Klagerecht beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag und am europäischen Gerichtshof bekommen.

Und hier mein Kommentar zum Konzept von Richard Schimak:

Sein Konzept sieht vor, daß sich die nationalen Regierungen einer ganzen Reihe von schwerwiegenden Eingriffen in ihre bisherige politische Praxis unterwerfen sollen. Freiwillig werden sie das kaum tun, sondern sie müssen dazu gezwungen werden. Ich glaube nicht, daß dazu der öffentliche Druck, ausgeübt durch NGO's und Presse, ausreicht. Es ist auch nicht zu hoffen, daß ein Bewußtseins- und Sinneswandel die Machthaber ergreift, sodaß sie von sich aus das Schimak-Konzept verwirklichen.

Deshalb ist es folgerichtig, wenn Herr Schimak eine Partei gründen will, die "Globale Soziale Union (GSU)". Auch ich bin der Ansicht, daß das geeigneteste Instrument, um politische Veränderungen herbeizuführen, immer noch eine Partei ist.

Auch wenn kaum zu hoffen ist, daß die "GSU" in absehbarer Zeit die Mehrheit im Bundestag und in den Parlamenten anderer Länder erringt, so kann auch eine kleine Partei mit wenigen Prozenten der Wählerstimmen einen "Hebeleffekt" bewirken, indem sie die großen Parteien zwingt, vorsichtig auf die Linie dieser Partei einzuschwenken, um nicht weitere Wähler zu verlieren. Ein typisches Beispiel für diesen Hebeleffekt sind die Grünen.

Der Kern des Schimak-Konzeptes ist der Vorschlag, neben die UNO eine Art "Vertiefte UNO" zu stellen, die all das ist, was die UNO nie sein konnte, weil die Großmächte dies nicht zuließen. Aber wer garantiert, daß die WPCO nicht genauso von den Großmächten daran gehindert wird, ihre Aufgaben zu erfüllen, wie dies heute mit der UNO geschieht? Diese Garantie könnte nur eine in möglichst vielen Nationen möglichst starke Weltbürgerpartei tun.

Wenn diese Weltbürgerpartei aber so stark wäre, dann könnte sie auch durchsetzen, daß die UNO reformiert wird (wie das die Weltföderalisten wollen) oder daß ein über den nationalen Regierungen unabhängiges und ihnen übergeordnetes Weltparlament geschaffen wird, gegründet auf eine Weltverfassung und gewählt durch alle Bürger der Erde (wie dies die World Constitution and Parliament Association will).

Trotz dieser Einwände halte ich das Schimak-Konzept für eine nützliche Diskussionsgrundlage. Das Schimak-Konzept sieht vor, daß sich einzelne Staaten zu einem sehr engen militärischen Schutzbündnis zusammenschließen, quasi ihre Armeen zu einer gemeinsamen Verteidigungsarmee fusionieren. Das halte ich für einen besseren Weg, den Frieden zu garantieren, als die Volkswirtschaften zu fusionieren, wie das jetzt durch die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion geschehen soll (die ich durchaus befürworte).

Nun stellt die NATO schon eine weitgehende Fusion der Armeen der westlichen Demokratien dar. Deutschland ist so sehr in die NATO eingebettet, daß es von sich aus kaum einen andern Staat angreifen kann. Und das ist auch gut so.

Die NATO-Staaten erfüllen auch einen großen Teil der Bedingungen, die Richard Schimak für die Mitgliedschaft in der WPCO aufstellt.

Hier liegt nun einer der Verdienste, die das Schimak-Konzept hat: Es lenkt unser Augenmerk auf die NATO. Die NATO (und nicht die UNO oder die EU) war es, welche in Bosnien die Einhaltung des Waffenstillstandes bewirkt hat.

Wäre hier nicht vielleicht ein Ansatzpunkt, der sehr vielversprechend ist?

Richard Schimak spricht von einer konsequenten gegenseitigen Öffnung. Das könnte auf die NATO angewendet doch heißen, daß sich die NATO für alle Staaten öffnet, die Demokratie und Freiheit als verbindliches Ideal anerkennen. Wohlgemerkt: Ideal, nicht Wirklichkeit. Russland z.B. erkennt die Demokratie und das Selbstbestimmungsrecht der Völker als Ideal an, wenn auch die Realität oft ganz anders ist. Trotzdem halte ich es für eine gute Idee, nicht nur die ehemaligen Satellitenstaaten, sondern auch Rußland selbst zum Mitglied der NATO werden zu lassen.

Das wäre ein ungeheurer Fortschritt in Richtung dauerhaften und stabilen Frieden. Man stelle sich vor, USA, Russland, Deutschland, Frankreich, England und die anderen europäischen Staaten USA fusionieren in einem gemeinsamen Militärbündnis ihre Armeen und unterstellen sie einem gemeinsamen Oberkommando! Dann wäre die Kriegsgefahr ein einem großen Teil der Welt für lange Zeit gebannt.

Diese Möglichkeit lag eigentlich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in der Luft. Aber unsere Politiker haben geflissentlich darüber hinweggesehen, weil die Militärs und die Waffenindustrie fürchteten, mangels Feindbild überflüssig zu werden. Aber wir Weltföderalisten und Weltbürger wollen doch genau das. Und deswegen sollten wir es auch fordern!

Allerdings müßte die NATO nach dem Beitritt aller osteuropäischen Staaten (einschließlich Rußland) reformiert werden. Die absolut dominierende Rolle der USA muß zu einem gleichberechtigten Nebeneinander von Amerikanern, Russen und Europäern werden. Die NATO müßte sich auch mehr in Richtung politische und wirtschaftliche Gemeinschaft bewegen. Sie müßte auch darauf achten, daß Demokratie und Selbstbestimmungsrecht der Völker überall als verbindlich anerkannt werden.

Ein zweiter wertvoller Beitrag des Schimak-Konzepts ist die Einsicht, daß die Weltbürger-Bewegung als politischen Arm eine Partei braucht. Der Ansatz, sich programmatisch an eine große Volkspartei anzulehnen, macht Sinn. Denn wenn man etwas verändern will, braucht man Mehrheiten. Und die kann man in halbwegs normalen Zeiten nur als Volkspartei bekommen. In extremen Zeiten, die vielleicht schneller kommen als uns lieb ist, braucht man auch ein extremes Programm. Wir Weltföderalisten sollte uns auf beide Möglichkeiten einstellen.

Jawohl, die Weltbürgerszene braucht eine Partei!

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Einheit in Vielfalt

Programm 1996 des Vereins zur Förderung des Weltbürgertums

Otfried Schrot Emil-von-Behring-Str. 44,

D-30952 Ronnenberg-Empelde, Tel/Fax: 0511 43 51 12

Thomas Engelke, Grossburgwedeler Str. 14

D-30938 Burgwedel-Thönse, Tel/Fax: 05139 89 61 60

I. Sinn und Zweck des Weltbürgertums:

- Gleichberechtigung und der Schutz aller Menschen, Völker und Kulturen unter Berücksichtigung der Minderheitenrechte und unveräußerlichen Menschenrechte im Einklang mit den Normen eines reformierten Völkerrechts. Der Weltbürger ist der Mensch, der die Gesamtheit der Welt und die Gesamtheit der Gesellschaft vor ihren Teilen sieht, ohne daß er will, daß die Individualität in der Gesamtheit untergeht, sondern jenseits der bestehenden nationalstaatlichen sozialen Normen durch die Überwindung des bestehenden mikropolitschen Anpassungsdrucks erst in ihrer ganzen Vielfalt erblüht zum Nutzen jedes Einzelnen und der Gemeinschaft.

- Kooperation zum Nutzen der Gesamtheit der Welt, der Staaten und der Bürger der Welt zur Lösung der globalen Probleme der Menschheit mit Hilfe global geltender Normen und Mechanismen, die auf dem freien Dialog und Konsens aller Menschen und Völker der Welt beruhen.

II. Zielsetzungen weltbürgerlichen Handelns:

- Schaffung und Inkraftsetzung einer Weltverfassung und einer Weltföderation zur Verwirklichung der Ziele des Weltbürgertums unter Wahrung der nationalen und kulturellen Identität.

Charakteristika der Weltverfassung

a) Teilung der Gewalten im Sinne Montesquieus, die Machtmißbrauch, Korruption, Vetternwirtschaft und die oft beschworene Gefahr eines diktatorischen Weltstaatregime konzeptionell schon im Ansatz ausschließen.

b) Völkerrechtlicher Rahmen für die Verfassung der Nationalstaaten, die verfassungsrechtlich bindend die global akzeptierten menschen- und Minderheitenrechte, Grundfreiheiten und völkerrechtlichen Normen anerkennen.

c) Festgelegte Menschenrechte- und Menschenpflichten, die global von jedem Staat der Erde als verpflichtend anerkannt werden.

d) Demokratischer Aufbau und Kontrolle der Gewalten durch die Regierungen der Nationalstaaten und die NGO's.

e) Wahrung des Subsidiaritätsprinzips, das jedem Staat den größtmöglichen politischen Entwicklungsspielraum für die Entwicklung seiner spezifischen Eigeninteressen und Wahrung seiner Identität einräumt, global zwingend notwendige Lösungsansätze aber nicht an den Eigeninteressen einzelner Nationalstaaten scheitern läßt.

f) Ausgestaltung einer völkerrechtlich sanktionierten Weltbürgerschaft als Ergänzung des nationalstaatlichen Status.

Aufgaben der Weltföderation:

a) Sinnvolle Begrenzung des Wachstums der Bevölkerung in Verbindung mit einer maßvollen Ausnutzung der weltweiten Ressourcen und Schutz des natürlichen Lebensraumes.

b) Weiterentwicklung des Internationalen Rechts. Schaffung eines Internationalen Weltstrafrechts und Weltstrafgerichtshofes, dessen Entscheidungen sich die einzelnen Regierungen und Regierungsvertreter bei Verstößen gegen das Internationale Recht zu unterwerfen haben.

c) Sicherung des Lebens in seinem Raum sowie des Raumes selbst in Einklang mit der Natur, wobei Ökologie Vorrang vor den Belangen der Ökonomie einzuräumen ist.

d) Gerechte Verteilung des weltweiten Ressourcen und Herstellung einer ausgewogenen Weltwirtschaftsordnung durch Ressourcen-Sharing und Betonung der sozialen Verpflichtung von Eigentum und Besitz.

e) Friedliche Beilegung von Konflikten nach völkerrechtlich verbindlichen Verfahren im Einklang mit dem Internationalen Recht. Beendigung des Mißbrauchs der UN-Charta als völkerrechtliches Instrument für die Aufrechterhaltung postimperialer Einflußsphären. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker darf nicht länger dem Prinzip der Wahrung der Integrität eines Nationalstaates in der Hinsicht untergeordnet werden, daß homogene ethnische Völkerschaften als Minderheit in einem Nationalstaat unter Verweis auf dieses Prinzip von ethnozentristischen und -kratischen Regierungen einer Titularnation unterdrückt und entrechtet werden.

f) Konsequenter Abbau der Waffenpotentiale und Nutzung der Friedensdividende für die Lösung der nationalstaatlichen und globalen Probleme.

III. Vom Weltbürgertum zur Weltverfassung

Der Übergang von der 'Weltordnung der Charta der Vereinten Nationen' zur 'Weltordnung der Verfassung der Menschheit':

a) Stufe 1 : Reform der Charta der Vereinten Nationen im Sinne und Geiste des Weltbürgertums: Neufassung der Struktur und der Befugnisse des UN-Sicherheitsrates in Verbindung mit der Neufassung von Kapitel VI und VII der UN-Charta.

Eingang der unveräußerlichen Menschen- und Minderheitenrechte sowie des Umweltschutzes in Kapitel I der UN-Charta.

Reform und Umstrukturierung der UN-Organsationen und deren Programme durch Straffung des Verwaltungsaufbaus und Konzentrierung der Organisationsstrukturen und -programme auf die relevanten Aufgabenbereiche.

Erstellung einer UN-Charta der Weltkulturen.

Stufe2 : Auflösung der Organisation der Vereinten Nationen und Inkraftsetzung der Verfassung der Menschheit (Verfassung der Föderation der Erde) und dessen Ratifizierung durch die Parlamente der einzelnen Nationalstaaten.

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Aktion Ethos gegen das Böse, ehe es zur Tat wird

von Bruno Kryczun

54487 Wintrich-Kasholz, Tel.: 06507 22 78, Fax: 06507 26 03

Text: siehe Koinae-Hompage !

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Demokratischer Weltstaat für alle Menschen der Erde

von Ernst Heinrichsohn

(leitender Regierungsdirektor i.R.)

Vorsitzender der Weltbürgervereinigung e.V.

Max-Beckmann-Str. 44, D-26133 Oldenburg, Tel.: 0441 45 062

Text: Siehe Koinae-Homepage

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In brennender Sorge

von E. Field Horine

M.P.H., Fachpsychologe für Psychoanalytische Therapie (DGPT)

Vorstandsmitglied der Weltbürgervereinigung e.V.

 

Welcher Papst eine Enzyklika mit der Überschrift "In brennender Sorge" verkündete oder um was für Sorgen es sich bei jenem Papst handelte, weiß ich nicht mehr. Aber diese drei Worte, "In brennender Sorge", treiben mich ununterbrochen um. Die nagende Sorge, die mich seit langem plagt, gilt zahllosen schon geborenen jungen Menschen in der ganzen Welt. Auch und vor allem gilt sie noch zahlloseren Ungeborenen, die möglicherweise nie geboren werden. Wieso? Weil wir ihnen ein äußerst belastendes Erbe hinterlassen - außer es gelingt, den gegenwärtigen Gang der Dinge umzukehren. Und dies ist möglich! Ich betone: Noch ist es möglich...

E I N E Welt oder: KEINE !

"Sein oder Nichtsein?" Auf diese Frage müssen und können wir eine Antwort finden, die den Weg ebnet zu einer vereinten Welt. Sollten wir die Welt zu einigen verfehlen, so wird die Erde -- unsere einzige Heimat -- keine Welt mehr sein, die uns und unzähligen anderen Lebewesen die minimal notwendigen Existenzgrundlagen gewähren würde auf diesem nur von unserer Gattung geschundenen Planeten. Jetzt sind wir alle miteinander -- ob bewußt, halb bewußt oder unbewußt -- noch Reisende in einem Hochgeschwindigkeitszug, der ohne Lokführer und ohne Bremsen ständig beschleunigend auf einen Felsen zurast, unter dem ein von Sturmwinden hochgepeitschtes Meer wogt. Ob wir den Absturz überleben könnten? Würde irgend ein nachdenklicher Mensch die tollkühne Behauptung wagen, daß dies vorstellbar wäre?

Wie könnte also eine sinnvolle Antwort auf die Frage "Sein oder Nichtsein" lauten? Neu ist diese Antwort nicht. Um nur einen berühmten Vordenker zu nennen: Schon Immanuel Kant schwebte Ähnliches vor wie das, was nach Ende des ersten Weltkrieges als "Völkerbund" entstand und nach dem zweiten Weltkrieg erneut Gestalt annahm unter der Bezeichnung "UNO". Sowohl der Völkerbund als auch die Organisation der Vereinten Nationen wurden jedoch mit zu wenig weitreichenden Befugnissen ausgestattet, als daß sie ihre vornehmlichsten Aufgaben hätten lösen und ihre Hauptziele hätten erreichen können.

Die UNO bedarf dringend einiger weitreichender Reformen. Aber sie werden erst dann zustande kommen, wenn eine rasch zunehmende Anzahl verantwortungsbewußter Menschen sich in der allernächsten Zukunft zusammenschließt und daraus eine weltumfassende Bürgerinitiative wird. Ein weiterer, obwohl lange nicht der erste, Schritt auf diesem Weg ist Anfang August 1996 in Deutschland getan worden. Eine kleine Gruppe von Menschen kam in Oldenburg zur Gründung einer Arbeitsgemeisnchaft zusammen. Formal ist sie ein eingetragener Verein, der als "Weltbürgervereinigung" möglichst bald nicht nur in Deutschland weithin bekannt werden will und dies, von der Sache her gesehen, wohl auch verdienen würde. Sie hat mit bestehenden ähnlichen Gruppierungen in anderen Teilen dieses Landes und in andern Ländern Kontakt schon augenommen, um so möglichst bald -- mittels einer neugeordneten UNO als Weltstaat -- neue Verhältnisse im Umgang der Nationalstaaten miteinander schaffen zu helfen und diese neue UNO tatkräftig zu unterstützen.

Weltbürger-Internet

Doch dies wird nur zustande kommen durch den unnachgiebigen Druck eines Globalen Weltbürgernetzwerkes für Frieden, Naturschutz und Gerechtigkeit gegenüber den seit Anfang des 16. Jahrhunderts vom Westen ausgenutzten Völkern anderer Regionen. Der Grundgedanke und die primäre Zielsetzung der neuen Organisation sind schon fast aus ihrem Namen ersichtlich. Sie will zur Vertiefung der Erkenntnis beitragen, daß wir Menschen -- ob wir es wollen oder auch nicht -- heute alle Weltbürger sind. Die Weltbürgervereinigung will deshalb ferner die Verbreitung einer zündend erleuchtenden Idee fördern -- nämlich, daß die bislang souveränen Nationalstaaten gezwungen werden müßen, einige ihrer Kompetenzen an einen demokratischen Weltstaat abzutreten, wenn in beinahe schon absehbaren Zeiträumen uns nicht das Schicksal der Saurier ereilen soll: (1) wegen der galoppierenden Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen; (2) wegen der schier unbegrenzten Vernichtungspotentiale aller modernen Kriege; und (3) wegen der Gewißheit, daß das, was passieren kann, früher oder später immer passiert -- beispielsweise nur ein neues Tschernobyl oder ein ähnlich verheerender Unfall.

Hauptschlußfolgerung aus diesem Tatbestand: Den Politikern der bestehenden Nationalstaaten muß durch unbeugsamen, unüberwindlichen, aber gewaltfreien Druck der Weltöffentlichkeit zur Einsicht verholfen werden, daß zum Mindesten in den drei vorhin genannten Bereichen sie keine andere Wahl haben, als die von einem den einzelnen Regierungen übergeordneten Weltstaat demokratisch verabschiedeten Beschlüsse in Taten umzusetzen. Die Konversion aller nationalen Rüstungsbetriebe auf die Produktion sinnvoller und nützlicher Güter wird als eine der vordringlichsten Aufgaben der neuen Behörde unabdingbar notwendig sein. Für die Wahrung des Friedens sollte und muß eine einzige Weltarmee als Polizei unter einheitlichem Kommando geschaffen werden. Nicht weniger dringend wichtig ist die Verabschiedung von für alle Staaten verbindlichen Gesetzen zum Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Kernenergie sowie zum Schutz der Meere, der Ozonschicht, des Grundwassers, der bebaubaren Ackerböden, der noch verbleibenden Wald- und Urwaldbestände usw.

Würde der Weltstaat den Verlust unserer Identität bedeuten?

Wohl bemerkt: Dies alles sollte und muß vollzogen werden ohne Beeinträchtigung und bei voller Wahrung der kulturellen Errungenschaften, Sitten, Bräuche, Sprachen und Glaubensrichtungen der Weltvölker. Gleichberechtigung bei allen Pflichten für alle zur Einhaltung der im Weltparlament mit einfacher Mehrheit Gefaßten Beschlüsse und Verordnungen wird zunächst keinesfalls einfach durchzusetzen sein. Doch wäre dieser Grundsatz in der Weltstaatverfassung unmißverständlich verankert. So wird er -- notfalls unter Mitwirkung der Weltpolizei -- ganz allmählich zur Norm werden im Umgang der Staaten miteinander. Im Endeffekt wäre ein Zustand der kollektiven und individuellen Sicherheit, eines zunehmenden wirtschaftlichen Wohlstands (auch in den bisher armen Ländern) und des friedlichen Zusammenlebens erreicht, der bis vor rund fünf Jahrtausenden verschiedene Hochkulturen kennzeichnete, in denen Kriege nachweislich unbekannt waren. In diesem Zusammenhang sei auf das erst vor wenigen Jahren erschienene Buch von Riane Eisler, Der Kelch und das Schwert", sowie auf verschiedene einschlägige Werke von Marija Gimbutas und anderen namhaften Archäologen verwiesen.

Die Zeit ist mehr als reif, um die hier in kurzen Zügen erläuterten langfristigen Ziele beharrlich verfolgen. Keines der Mitglieder der Weltbürgervereinigung in Oldenburg oder der schon lange bestehenden World Federalist Movement ist so blauäugig, als würde sie oder er sich vorgaukeln, solche Ziele ließen sich bald erreichen. Wir wollen -- wohl wissend, daß zu unseren Lebzeiten mehr nicht erreicht werden kann -- lediglich einen Stein ins Rollen bringen, der im weiteren Verlauf eine Lawine auslösen kann, die die Politiker zu unumgänglich nötigen Handlungen bewegen wird, wenn sie politisch überleben wollen; wenn wir viel Glück haben; und wenn die verbleibende (ohnehin sehr knapp bemessene) Zeit uns nicht vorher abläuft.

Bürger der Welt, vereinigt euch! Idealistisch ist unsere Sache schon. Aber sie stellt realistische Möglichkeiten dar. Utopie ist sie keinesfalls.

"Sein oder Nichtsein?" Das ist hier die Frage. Deshalb lautet unsere Devise: "Mitglieder werben Mitglieder!" Sie wird höchst wahrscheinlich noch einige Jahre lang die Losung bleiben müssen, bis aus den ersten Tausenden zehntausende werden; bis die Zehntausende sich zu Hunderttausenden vermehren und viele Millionen gewonnen werden, die dringendst gebraucht werden, um zu retten, was noch zu retten ist und gerettet werden kann.

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Zur Person des Autor lediglich ein paar Daten: Im US-Bundesstaat Kentucky aufgewachsen; 1933-37 Studium der Psychologie und Germanistik; 1937-45, als Leiter der deutschsprachigen Kurzwellenabteilung des CBS in New York, verantwortlich für Sendungen diverser Art, die dem Kampf gegen das Hitler-Regime dienen sollten; Mai 1945 bis März 1947, Offizier der US-Militärregierung, Intendant des im Wiederaufbau befindlichen Bayerischen Rundfunks; 1948-67 für die UNO (WHO und FAO) als Fachberater in Europa, Südostasien, Afrika und Latein-Amerika; 1967-71 Weiterbildung am C.-G.-Jung-Institut, Zürich, Abschluß mit Diplom; 1971-88 Psychotherapeut mit Privatpraxis im Bodenseeraum und freier Mitarbeiter in zwei psychiatrischen Privatkliniken sowie im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Reichenau bei Konstanz; 1988 bis dato im aktiven Ruhestand als freier Schriftsteller, Übersetzer und -- wie während der ganzen Blütejahre der internationalen Friedensbewegung -- Mitstreiter für Menschenrechte, Völkerverständigung und Frieden; gegen den Trend in Richtung "Ost-versus-West" zu "West-versus-Rest."

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Die Idee vom goldenen Kreuz

von Richard Maxheim

Herausgeber der Zeitschrift PAN GAIA

(ISBN 1432-3249), Beiträge für ein neues Weltbürger-Bewußtsein

Soterstr. 35, D-54295 Trier, Tel.: 0651 13 906

Email: Maxheim@t-online.de

Die Idee vom Goldenen Kreuz stammt von Theo Feucht, einem Idealisten, der heute in der Schweiz lebt. Theo Feucht wurde zu dieser Idee durch eigene Beobachtungen bei einer Überschwemmungs-Katastrophe 1951 in der Po-Ebene inspiriert, als dort zur Rettung von Menschen Militär eingesetzt wurde. Er erkannte, wie in solchen Fällen militärische Organisation und Führungskunst zum Wohle der Menschen genutzt werden kann.

"Militärische Einsätze" für friedliche Zwecke

Wir sind hervorragend ausgerüstet um Menschen zu vernichten. Dieser Perfektion gegenüber nehmen sich aber die Mittel, die wir besitzend, um

Menschen zu retten, geradezu kläglich aus. Diese merkwürdige Situation in ein umgekehrtes Verhältnis zu entwickeln, ist das Kernstück der Idee vom Goldenen Kreuz. Dabei beschränkt sich die Idee nicht nur auf den Aufbau einer Streitmacht gegen die Folgen von Naturkatastrophen. Denkbar sind auch "militärische Einsätze" für den Umweltschutz, bei der Entwicklungshilfe, bei der Verteilung überschüssiger Nahrungsmittel-Produktionen, beim Bau lebenswichtiger Einrichtungen in den Ländern der Dritten Welt wie Bewässerung und Energieversorgung und vielen anderen Aufgabengebieten mehr. Es gibt auf der Erde heute so viele Probleme, daß es an Arbeit für solche Truppen kaum fehlen dürfte.

Durch eine Reduzierung des Waffenpotentials kann eine große Anzahl von Materialien zur Umrüstung für friedliche zwecke frei weden. Sicherlich lassen sich viele Dinge nicht mehr verwerten. Was soll man schon mit einem Maschinengewehr anfangen können? Aber so einfach, wie man einen Jeep nur knallgelb oder rot lackieren braucht, geht es wohl in den seltensten Fällen. Hier wird der menschliche Erfindergeist gefordert, und das auch bei der Entwicklung völlig neuer Geräte.

Wo sollen die bei Truppenreduzierungen entlassenen Soldaten hin? Diese enormen Kräfte müssen unbedingt gebunden werden. Aber es würden sich sicherlich viele ehemalige Soldaten für den Dienst in einer internationalen Hilfstruppe begeistern und bei der Ausbildung neuer Kräfte ihr Bestes tun. Dabei darf nicht übersehen werden, daß eine solche Hilfsorganisation eine vorteilhafte Ausbildungsstätte für junge Menschen werden könnte, was allen Nationen von großem Nutzen wäre.

Der heutige Militarismus müßte sich zwangsläufig in eine menschenfreundlichere Geisteshaltung wandeln, ohne daß auf Traditionen unbedingt verzichtet werden muß. Wie gut würde sich doch eine öffentliche Vereidigung machen, mit großem Zapfenstreich und allem Pi-Pa-Po, und die Rekruten der ganze neuen "Soldatengeneration" das früher so unpassende Lied "Ich bete an die Macht der Liebe" singen würden. Da man diese Soldaten nicht mehr zur Bereitschaft zum Töten erziehen müßte, würden sich die meisten negativen Erscheinungen im Militarismus von selbst auflösen.

Für die Leser, die sich fragen, warum Theo Feucht seine Idee "Goldenes Kreuz" nannte, sei hier geantwortet, daß das Goldenen Kreuz die logische Fortsetzung des Roten Kreuzes sein soll. Das Rote Kreuz wurde ins Leben gerufen, um die Leiden des Krieges zu indern. Das Goldene Kreuz will zu einer Entwicklung hinführen, die den Krieg abschafft. Die Idee vom Goldenen Kreuz wurde übrigens in der selben Gegend inspiriert, in der 92 Jahre zuvor Henry Dunant seinen heute weltbekannten Entschluß faßte.

Der Verfasser dieses Artikels möchte alle Leser herzlich bitten, die Idee vom Goldenen Kreuz gedanklich zu verarbeiten und bei der Entwicklung eines entsprechenden politischen Konzeptes Anteil zu Nehmen. Er für jede Anregung und konstruktive Kritik.

Der Friedensforscher Alfred Mechtersheimer griff diese Idee auf und forderte als grüner Bundestagsabgeordneter 1988 die Bundesregierung zur Aufstellung einer "Erdbebenbrigade" aus Kräften der Bundeswehr auf. Die Katastrophe in Armenien habe erneut gezeigt, daß es an qualifiziertem Personal und Material für die Soforthilfe mangele. Die Brigade solle aus Teilen der 1.Gebirgsdivision gebildet werden, die ohnehin keine festen militärischen Aufgaben habe.

1993 setzte sich der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Hans Wallow für die Gründung eines weltweit für humanitäre Aufgaben einsetzbaren Umwelt- und Katastrophen-Hilfswerkes ein. Ein nicht militärisches "Deutsches Hilfskorps" mit Spezialisten verschiedener Fachrichtungen - darunter Ärzte, Feuerwehrleute, Umwelt- und Chemie-Experten sowie Pioniere und Sanitäter der Bundeswehr - sollte geschaffen werden, um auf Anforderung eines Landes oder der UNO binnen zwölf Stunden einsatzbereit zu sein. Der Wortlaut dieses im Deutschen Bundestag eingebrachten Antrages - Stichwort "Deutsches Hilfskorps" - können Interessierte bei der Bundestagsfraktion der SPD in Bonn anfordern.

Wer die Idee des Goldenen Kreuzes unterstützen möchte,, kann diesen Artikel fotokopieren und mit einem persönlichen Brief an die oder den Bundestagsabgeordnete/n ihres/seines Wahlkreises und/oder an andere einflußreiche Persönlichkeiten schicken. Ich denke, daß die Chancen für eine solche politischen Initiative nicht schlecht stehen und die Zeit dafür wäre wirklich reif.

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Weltföderation - durch Reform der UNO zum Weltfrieden

von Dr. Maja Brauer

Vorstandsmitglied von World Federalist Movement Germany

St. Wendelinstr. 22, D-85276 Pfaffenhofen, Tel. 08441/84339

Der folgende Text (hier verkürzt wiedergegeben) basiert auf einem Beitrag, der 1995 in der Reihe "Denkanstöße" der Studiengemeinschaft für Friedensforschung München (Aldringenstr. 10, D-80639 München) erschien. Der Denkanstoß "Weltföderalismus" kann dort gegen einen Unkostenbeitrag von 2,40 pro 10 Stück bestellt werden und enthält den vollständigen Wortlaut.

Auf den folgenden Seiten stellt die World Federalist Movement Deutschland das weltföderalistische Modell für Reformen der Vereinten Nationen und die Schaffung einer friedlichen, freiheitlichen, sozial gerechten und ökologisch tragfähigen Weltgemeinschaft vor.

Ausgangspunkt des weltföderalistischen Reformgedankens ist die Überzeugung, daß die gegenwärtige Bedrohung der planetarischen Lebensgemeinschaft beendet und ein lebenswertes Umfeld für alle Erdenbürger gesichert werden kann, wenn auch auf Weltebene die Methoden zur Anwendung kommen, die den Frieden im Inneren eines Rechtsstaats sichern: demokratisch kontrollierte Regierung und freiheitliches Recht. Dieses Instrumentarium des Friedens hat sich seit Jahrhunderten bewährt - es ist keine Utopie.

Es liegt daher nahe, für eine subsidiär aufgebauten Weltrechtsordnung (Weltföderation) einzutreten, in der der Friede und die Grundrechte jedesn einzelnen Menschen über eine internationale Polizei gesichert sind und die von den Nationen allein nicht mehr lösbaren globalen Krisenentwicklungen über geeignete Weltinstitutionen bewältigt werden können.

Die internationale World Federalist Movement (Weltföderalistische Bewegung) arbeitet seit ihrer Gründung im Jahr 1947 daran, daß diese Vision des Friedens Wirklichkeit wird, bevor vielleicht eine Kette nicht mehr kontrollierbarer Katastrophen über den Planeten hereinbricht. Der überparteilichen, nichtkonfessionellen und gemein-nützigen Organisation gehören heute bereits über 35000 Menschen in mehr als 20 Ländern an. Präsident ist Sir Peter Ustinow, Vizepräsident war Sir Yehudi Menuhin.

Eine Weltföderation ist ein großes Ziel. Es nicht wahrscheinlich, daß sie in einer Art globaler Revolution verwirklicht werden kann. Doch wir können von der Politik mutige Reforminitiativen in dieser Richtung fordern. Die UNO - geschaffen, um die Völker von der Geißel des Krieges zu befreien - muß schrittweise gestärkt und demokratisiert werden, um diese Aufgabe zu erfüllen. Und es müssen handlungsfähige übernationale Institutionen geschaffen werden, um das soziale Elend auf der Welt zu bekämpfen und der fortschreitenden Zerstörung unserer Lebensgrundlagen auf dem Planeten Erde entgegenzutreten.

Die neue Weltunordnung: Nach dem Ende des Kalten Krieges haben wir geglaubt, daß die Welt nun sicherer würde. Doch stattdessen erleben wir eine Vielzahl neuer Krisen und Kriege. Die grausamen ethnischen Säuberungen in Bosnien-Herzegowina und der Völkermord in Ruanda erscheinen wie ein blutiges Menetekel einer neuen Weltunordnung - die Drohung fortschreitender politischer Zersplitterung in irrationalen ethnischen Konflikten symbolisierend.

Soziales Elend und Unterdrückung in der globalen Zwei-Klassengesellschaft reicher und armer Nationen erweisen sich als fruchtbarer Nährboden für fundamentalistische Ideologien und Flächenbrände der Gewalt. Und dieser explosiven Situation drohen sich Massenvernichtungswaffen immer weiter zu verbreiten und in die Hände von unberechenbaren Diktatoren, Bürgerkriegsparteien und Terroristen zu gelangen.

Gleichzeitig beschleunigt sich mehr und mehr die Maschinerie ökologischer Weltvernichtung im Wettstreit der bedrohlich anwachsenden Weltbevölkerung um den Profit des Raubbaus.

Das System souveräner Staaten treibt die Krise voran: Doch wie hätten die Vereinten Nationen in ihrer jetzigen Struktur - als loser Bund souveräner Staaten unter Oberherrschaft von fünf Großmächten - überhaupt in der Lage sein können, die in sie gesetzten Hoffnungen zu erfüllen?

Das Fundament, auf dem sich eine sicherere und gerechtere Weltordnung erbauen ließe, wurde bislang nicht gelegt. Zu selbstverständlich scheint die anarchische Freiheit nationaler Souveränität geworden sein. Zu kostbar scheint das okkupierte "Recht", Kollektivinteressen nötigenfalls auf dem Weg ökonomischer oder militärischer Machtausübung durchsetzen zu können.

Und zu sehr scheint der ungeheure Preis verdrängt worden zu sein, den die Menschheit für die wilde Freiheit der Staatensouveränität seit langem zahlt.

Die Handlungsmöglichkeiten der Staatsführungen werden so reduziert auf Krisenmanagement, das nur an Symptomen kuriert, während sich das Konglomerat grenzüberschreitender, zerstörerischer Prozesse weiterentwickelt und in Zukunft gänzlich unkontrollierbar zu werden droht. Paralysiert in einem System struktureller Verantwortungslosigkeit wird die Menschheit mit immer größerer Macht einer katastrophalen Zukunft entgegengetrieben.

Die weltföderalistische Friedenskonzeption:

Uns Weltföderalisten erscheint es am sinnvollsten, einem Instrumentarium zu vertrauen, daß sich seit Jahrhunderten bewährt hat: Freiheitliches Recht und eine demokratisch kontrollierte Regierung. Dementsprechend fordern wir die Schaffung von Regierungs-Einrichtungen für alle Ebenen menschlichen Zusammenlebens: Internationale Probleme müssen durch die Errichtung geeigneter globaler Regierungsinstitutionen ebenso auf geregelte Weise bewältigbar werden wie nationale Probleme durch nationale Institutionen und lokale Probleme durch lokale Institutionen. Das Modell einer solchen nach dem Subsidiaritätsprinzip aufgebauten globale Rechtsordnung bezeichnen wir als Weltföderation.

In einer solchen Weltföderation würde das Prinzip der Macht als Garant für Freiheit ersetzt durch das Prinzip des Rechts. Eine Weltgesellschaft würde entstehen, in der jedem Individuum, jeder Gruppe und jeder Nation größtmöglichster Entfaltungsspielraum eingeräumt werden könnte. Vielfalt in Einheit wäre das leitende Prinzip für das Zusammenleben der Individuen ebenso wie das der Völker.

Wir sind uns bewußt, daß eine solche Weltföderation ein großes Ziel ist. Doch sie ist keine Utopie. Sie ist die realistische Antwort auf die Krisen unser Zeit. Wer von uns würde ernstgenommen, wenn er die Abschaffung von Rechtsordnung und Regierung in der Bundesrepublik Deutschland forderte - darauf vertrauend, daß die gesellschaftlichen Probleme unsere Gesellschaft allein auf dem Wege freiwilliger Abmachungen gelöst werden könnten? Im Bereich der hochgradig vernetzten internationalen Gesellschaft aber hält so mancher Zeitgenosse dies für den realistischen Weg. Die jahrtausendealte Ära der Kriege und die neuen lebensbedrohlichen Krisen unseres technischen Zeitalters zeigen jedoch, wer die Utopisten sind.

Als wichtigen Rahmen für erste Reformschritte betrachten wir die UNO, die die Nationen bereits lose in universalen Organisationsstrukturen

verbindet und rudimentäre Ordungsfunktionen im globalen Bereich ausübt.

Supranationale Reformen des internationalen Systems: Die World Federalist Movement (WFM) befürwortet u. a. folgende Strategien für eine Stärkung und Demokratisierung der Vereinten Nationen:

1) Eine parlamentarische UNO-Versammlung

Als erster Schritt zur Demokratisierung der UNO befürworten wir die Schaffung einer parlamentarischen Versammlung, so daß die Bürger der Erde wenigstens ansatzweise bei der Regelung der für sie so lebenswichtigen globalen Angelegenheiten mitwirken können. Diese Versammlung kann nach Art. 22 als beratendes Nebenorgan der Generalversammlung gebildet werden, so daß das schwierige Verfahren einer Satzungsrevision nach Art. 108 und 109 der Charta nicht erforderlich wäre.

Die Mitglieder dieses Gremiums wären keine Repräsentanten von Regierungen, sondern durch die nationalen Parlamente gewählte Volksvertreter mit der Aufgabe, globale Probleme zu erwägen. Sie würden der gesamten Menschheit, nicht Nationalinteressen verantwortlich gelten.

Damit würde zwar noch kein "Weltparlament" begründet, denn die Entscheidungsgewalt verbliebe nach wie vor bei Generalversammlung und Sicherheitsrat. Sie könnte dennoch bedeutsame Funktionen ausüben. Es würde ein permanentes Forum begründet, auf dem Lösungsmöglichkeiten gegenwärtiger Weltprobleme öffentlich gemacht und international diskutiert werden könnten. So könnte der Druck zugunsten einer global verantwortlichen Politik deutlich erhöht werden.

Das seinem Auftrag nach der gesamten Menschheit verpflichtete Gremium wäre ein mächtiges Symbol der Idee, daß die Menschen der Erde das unveräußerliche Recht besitzen, gemeinsam über die Regelung von Weltangelegenheiten zu beschließen. Die undemokratische staatenzentrische Ideologie nationaler Souveränität, die dieses Recht verneint, würde herausgefordert und ein "weltbürgerliches" Ethos gefördert, das auf dem Paradigma der Mitverantwortlichkeit jedes Erdenbürgers für die ganze planetarische Lebensgemeinschaft fußt.

Eine besonders wichtige Funktion könnte das Plenum schließlich als Motor für die fortschreitende Stärkung und Demokratisierung der Weltorganisation erfüllen. Reformideen könnten auf die Tagesordnung der Weltorganisation gesetzt und ihre öffentliche Diskussion befördert werden. Auf diesem Wege könnte die Versammlung auch für die Übertragung weiterer Befugnisse an sie selbst wirken - bis hin zu wirklichen gesetzgebenden Kompetenzen. Die Stärkung und Demokratisierung des Europäischen Parlaments seit seiner Begründung durch die römischen Verträge bietet für einen solchen möglichen Prozess eine interessante Analogie.

2) UNO-Sicherheitskräfte mit vielfältigen Aufgaben

Als einen anderen vordringlichen Reformschritt sehen wir die Weiterentwicklung des traditionellen Peacekeeping zu einem wirksameren Instrumentarium der Krisenbewältigung und Friedensicherung. Dabei soll das Schwergewicht auf Kriegsverhütung und Vermittlung in entstehenden Konflikten gelegt werden. Als letztes Mittel soll aber auch die Möglichkeit der Friedenserzwingung mit militärischen Mitteln gemäß Art 43 der Charta nicht ausgeschlossen sein.

Ein Einsatz internationaler Truppen würde insbesondere dann erfolgen, wenn Menschen unmittelbar von Tod, schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen oder Vertreibung bedroht sind, wenn ein gerechter Friede über nichtmilitärische Konfliktlösungsverfahren nicht erreichbar scheint oder wenn erst ein ausreichend stabiler Ordnungsrahmen etabliert werden muß, damit Aussöhnung und Friedens-konsolidierung überhaupt möglich werden können.

Allgemeine Grundlage für solche Einsätze müssen klare internationale Regelungen sein.

Solange das Vetorecht im Sicherheitsrat weiterbesteht, ist freilich der Einsatz von UNO-Einheiten nur mit Zustimmung der fünf ständigen Mitglieder dieses Gremiums möglich. Deshalb muß das Vetorecht abgeschafft und durch Abstimmungen mit hoher Mehrheit, z.B. Dreiviertelmehrheit ersetzt werden. Nur dann ist es auch sinnvoll, neue ständige Mitglieder in den Sicherheitsrat aufzunehmen. Ansonsten würden nur neue Vetomächte geboren und es müßten noch mehr nationale Interessen in Einklang gebracht werden als heute, um Entscheidungen zu ermöglichen.

Die neuen UNO-Sicherheitskräfte übernehmen - entsprechend unseren Vorstellungen - vielfältige Ordnungsfunktionen in der Welt. Sie können - notfalls auch gegen den Willen von Staatsführungen oder Bürgerkriegsparteien - bereits vorbeugend in Gebieten stationiert werden, in denen ein militärischer Angriff, Bürgerkrieg oder Völkermord droht. Beim Ausbruch gewaltsamer Konflikte stellen sie als unparteiische Ordnungsmacht die öffentliche Sicherheit wieder her.

Darüberhinaus können sie die bisherigen Funktionen von Blauhelmsoldaten mit übernehmen oder aber absichern - wie z.B. die Überwachung von Hilfstransporten, Wahlen, Waffenstillständen und gesellschaftlichen Konsolidierungs-prozesssen. Sie lassen sich auch einsetzen, um Verantwortliche für Kriegsverbrechen in Haft zu nehmen und einem internationalen Gerichtshof vorzuführen.

Weitere mögliche Aufgabengebiete sind die Bekämpfung internationaler Verbrechen wie Drogenhandel, Plutoniumschmuggel oder Terrorismus, die Organisation von Katastrophenhilfe oder die Durchführung von Maßnahmen zum Schutz der Ökosysteme.

Die Mitglieder der UNO-Sicherheitskräfte wären also keine Soldaten im herkömmlichen Sinn, sondern Ordnungskräfte, die je nach der zu erfüllenden Aufgabe verschieden spezialisiert wären.

4) Ein supranationales System der Weltentwicklung

Damit der Friede ein gesichertes Fundament erhält, fordern wir nicht nur den Ausbau der ordnenden, sondern auch der gestaltenden Funktionen der UNO. Die Weltorganisation muß in deutlich verstärktem Maße für die Entwicklung der armen Regionen der Erde verantwortlich werden, so daß die Kluft zwischen Norden und Süden überwunden werden kann.

Als ein Mittel dazu sehen wir u.a. die Schaffung einer handlungsfähigen UNO-Wirtschafts- und Sozialorganisation an, durch die der Welthandel verläßlich gesteuert werden kann und die Handelsbedingungen für den Süden deutlich verbessert werden können.

5) Ein UNO-System zum Schutz der planetarischen Ökosysteme: Wir setzen uns dafür ein, daß als "Erbe der Menschheit" auch die Erdatmosphäre und wichtige Ökosysteme, wie z.B. die Regenwälder angesehen werden, womit die Verpflichtung verbunden sein muß, globale Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

In diesem Zusammenhang fordern wir die Schaffung eines neuen UNO-Systems zum Schutz der planetarischen Lebensgrundlagen, wie es in den letzten Jahren u.a. auch vom Club of Rome angeregt wurde.

Eine neue UNO-Umweltbehörde soll den Zustand der Ökosysteme überwachen, allgemeine internationale Umweltschutzgesetze erlassen und durch allgemeine Auflagen verhindern, daß internationale Wettbewerbsvorteile über ökologischen Raubbau erlangt werden. Darüberhinaus soll sie die adäquate Bewältigung staatenübergreifender Umweltgefahren organisieren.

Eine Weltföderation als Fernziel: Ein effektives Sicherheitssystem mit Institutionen für unparteiische Streitschlichtung und einer internationalen Polizeiarmee könnte den Verzicht auf nationale Rüstung verantwortbar erscheinen lassen und gleichzeitig die nichtmilitärische Durchsetzung von Rechtsnormen gegen Einzelpersonen ermöglichen.

Das Grundilemma internationaler Politik, daß Rechtsnormen gegen Staaten undurchsetzbar sind - es sei denn durch das extreme Mittel des Krieges - würde damit aufgehoben zugunsten der kontinuierlichen Regelung des transnationalen Zusammenlebens nach dem Muster innerstaatlicher Ordnung. Gleichzeitig würde das globale System auch Regelungen für den wirksamen Schutz der Menschenrechte einschließen und für eine Weltinnenpolitik, die den langfristigen Lebensinteressen aller Völker gerecht wird.

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Ein ständiges internationales Strafgericht

von Jospeh Peschon

Herausgeber der Zeitschrift Flashes-Contacts-Echanges

B.P. 208, L-2012 Luxemburg, Tel.: (+352) 478-6714 Fax: 40 89 40

Der anfängliche Skeptizismus der Öffentlichkeit gegen das bereits bestehende Kriegsverbrecher-Tribunal für Ex-Jugoslawien verblasst allmählich vor der selbstbewußten Entschlossenheit und überzeugenden Motivation des Tribunals.

Sein offizielles Budget für 1996 wurde auf 35 Millionen Dollar festgeschrieben. Damit ist das Überleben fürs erste mehr als gesichert. Es ist aber abzusehen, daß das Tribunal für 1997 noch sehr viel mehr Geld benötigt. Über 320 Mitarbeiter (aus 40 Ländern) sorgen für eine absolut professionelle und unparteiliche Abwicklung der Aufgaben. So sind z.Z. insgesamt 74 Personen (in 20 Ermittlungsverfahren) schwerwiegender Missetaten gegen die Menschlichkeit verdächtigt (es bestehen internationale Haftbefehle). 8 sind bereits inhaftiert. Eine Verurteilung ist in Kürze zu erwarten. Ab 16. Okt. 1996 verfügt das Strafgericht über die technische Infrastruktur der Fern-Anhörung von Zeugen per Satellit (Banja Luca -Den Haag: 1700 km). Ein weiteres wichtiges Mittel der Beweisführung besteht in der systematischen Aushebung der Massengräber.

Das Strafgericht verfügt selbst über keine polizeiliche Gewalt (außer den in Ex-Jugoslawien tätigen Ermittlern), die Angeklagten zu verhaften. Es ist diesbezüglich auf die Nationalstaaten angewiesen. Die IFOR-Truppen sind lediglich dazu angewiesen, zufällig getroffene Verdächtige festzunehmen und auszuliefern. Im zur Zeit ausgehandelten IFOR-II-Abkommen müßte erlaubt werden, die gesuchten Personen auch wirklich zu verfolgen.

Das Haager Strafgericht sieht sich selbst als Etappe auf dem Weg zu einem permanenten Internationalen Strafgericht, mit präventivem Charkter. Die Verantwortlichen des Tribunals weisen sogar selbstkritisch darauf hin, daß eine Ungerechtigkeit darin besteht, Strafgerichte dieser Art nur ad hoc einzuberufen. Im Sicherheitsrat der UNO vertretene Großmächte können sich so selbst vor Einmischungen und Verurteilungen retten. Klar: hier geht es um das immer noch hochverehrte Tabu der nationalen Souveränität. Und spätestens hier sind alle Weltbürger gefordert, mitzuhelfen diese Barrieren niederzureißen. Die internationalen Strafgerichte für Ex-Jugoslawien und Ruanda sind Schritte in die richtige Richtung. Sie bieten von ihren konsequenten Ansätzen her eine wirklich historische Chance zur definitiven Ächtung des Völkermords und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ihr Scheitern wäre umso schlimmer als Hoffnung bei vielen Opfern geweckt wurde. Für die Strafgerichte selbst gibt es kein Zurück mehr. Sie brauchen die Hilfe weltbewußter, aktiver Bürger. Nehmen sie die Chance also umso mehr wahr, als die Tribunale zum Erfolg verurteilt sind.

Konto-Nummer für die finanzielle Unterstützung des internationalen Strafgerichts für das ehemalige Jugoslawien:

Fond des Contributions Volontaires des Nations Unies (VP 0620456),

Chemical Bank, no 015-004473

Bureau des Nations Unies, N.Y. 10017, USA