War Gaius Julius Caesar ein Übermensch ?
Von
Quelle: „Roms Caesaren“
von Michael Grant im dtv-Verlag 1983
Titel des Englischen Originals: „The Twelve Caesars“
Antike Original-Autoren: Sueton:
„Caesar”
Lukan: “Pharsilia”
Plinius
der Ältere
Cicero: “Philippica”
Sueton
schreibt über ihn: Caesar führte die Waffen mit großem Geschick, war ein
ausgezeichneter Reiter und erstaunlich ausdauernd. Bei Märschen zog er manchmal
zu Pferd, öfters zu Fuß voran, barhaupt bei Sonnenschein oder Regen . . . Flussläufe
hielten ihn nicht auf, er durchquerte sie schwimmend oder von aufgeblasenen
Schläuchen getragen, sodaß er sehr oft schneller
ankam als die Nachrichten über seine Bewegungen“.
In leichten vierrädrigen Wagen konnte Caesar
am Tag 160 Kilometer zurücklegen – ein normaler Reisender schaffte nur die
Hälfte. Das Holpern und Schütteln hinderte ihn nicht daran, während der Reise
hart zu arbeiten. Während einer Alpenüberquerung verfasste er das zweibändige
Werk ‚De Analogia’, und auf einer anstrengenden siebenundzwanzigtägigen
Reise nach Südspanien entstand das Reisegedicht „Iter“
(„der Weg“).
Caesar konnte mehrere Dinge gleichzeitig tun:
Er konnte gleichzeitig schreiben oder lesen und nebenher noch diktieren oder
zuhören. Er konnte seinen Sekretären gleichzeitig bis zu sieben Briefe
diktieren.
Er konnte alles außerordentlich rasch tun.
Michael Grant schreibt: „Caesar lebte in schnellerem Tempo als die Menschen,
die sich mit ihm messen mussten, und das verschaffte ihm einen ungeheueren
Vorteil, da es jener Fähigkeiten des unerwarteten, unvorhergesehenen handelns weitesten Spielraum bot...“
Caesar besaß eine außerordentlich klare
Erkenntnisfähigkeit, einen stählernen Willen und außergewöhnliche Geisteskraft.
Sueton
schreibt: „Sein Charakter war eine Mischung aus Genie, Methode, Gedächtnis,
Bildung, Gründlichkeit, Intelligenz und Fleiß“.
Die Kehrseite der Medaille: Caesar führt den
Krieg gegen Gallien mit nie dagewesener Grausamkeit und Hinterlist und ließ
viele Tausende Gegner hinschlachten. Er war ein leidenschaftlicher Vabanque-Spieler. Er hatte auch deshalb Erfolg, weil sein
Heer das stärkste und elastischste Kriegsinstrument seiner Zeit war. Er
bereicherte die Kriegsführung durch zahlreiche Neuerungen. Caesar Erfolge waren
zum großen Teil seinem persönlichen Verhältnis zu seinen Soldaten
zuzuschreiben.
War Caesar ein Übermensch ?
Er war ein hochtrainierter,
körperlich und geistig außerordentlich leistungsfähiger Hochbegabter, der Genie
und Fleiß vereinte. Er profitierte davon, dass die römische Kriegs- und
Organisationskunst ein so hohes Niveau erreicht hatte. Seine Gegner waren
tapfere, aber in der Kriegskunst unwissende Barbaren oder (die Ägypter)
dekadente Machthaber, deren Volk nicht hinter ihnen stand. Die Schwäche seiner
Gegner relativiert seine Erfolge.