War Gaius Julius Caesar ein Übermensch ?

Von Richard Beiderbeck, http://www.koinae.de      

 

Quelle: „Roms Caesaren“ von Michael Grant im dtv-Verlag 1983

Titel des Englischen Originals: „The Twelve Caesars“

Antike Original-Autoren: Sueton: „Caesar”

Lukan: “Pharsilia

Plinius der Ältere

Cicero: “Philippica

Sueton schreibt über ihn: Caesar führte die Waffen mit großem Geschick, war ein ausgezeichneter Reiter und erstaunlich ausdauernd. Bei Märschen zog er manchmal zu Pferd, öfters zu Fuß voran, barhaupt bei Sonnenschein oder Regen . . . Flussläufe hielten ihn nicht auf, er durchquerte sie schwimmend oder von aufgeblasenen Schläuchen getragen, sodaß er sehr oft schneller ankam als die Nachrichten über seine Bewegungen“.

 

In leichten vierrädrigen Wagen konnte Caesar am Tag 160 Kilometer zurücklegen – ein normaler Reisender schaffte nur die Hälfte. Das Holpern und Schütteln hinderte ihn nicht daran, während der Reise hart zu arbeiten. Während einer Alpenüberquerung verfasste er das zweibändige Werk ‚De Analogia’, und auf einer anstrengenden siebenundzwanzigtägigen Reise nach Südspanien entstand das Reisegedicht „Iter“ („der Weg“).

 

Caesar konnte mehrere Dinge gleichzeitig tun: Er konnte gleichzeitig schreiben oder lesen und nebenher noch diktieren oder zuhören. Er konnte seinen Sekretären gleichzeitig bis zu sieben Briefe diktieren.

Er konnte alles außerordentlich rasch tun. Michael Grant schreibt: „Caesar lebte in schnellerem Tempo als die Menschen, die sich mit ihm messen mussten, und das verschaffte ihm einen ungeheueren Vorteil, da es jener Fähigkeiten des unerwarteten, unvorhergesehenen handelns weitesten Spielraum bot...“

Caesar besaß eine außerordentlich klare Erkenntnisfähigkeit, einen stählernen Willen und außergewöhnliche Geisteskraft.

Sueton schreibt: „Sein Charakter war eine Mischung aus Genie, Methode, Gedächtnis, Bildung, Gründlichkeit, Intelligenz und Fleiß“.

Die Kehrseite der Medaille: Caesar führt den Krieg gegen Gallien mit nie dagewesener Grausamkeit und Hinterlist und ließ viele Tausende Gegner hinschlachten. Er war ein leidenschaftlicher Vabanque-Spieler. Er hatte auch deshalb Erfolg, weil sein Heer das stärkste und elastischste Kriegsinstrument seiner Zeit war. Er bereicherte die Kriegsführung durch zahlreiche Neuerungen. Caesar Erfolge waren zum großen Teil seinem persönlichen Verhältnis zu seinen Soldaten zuzuschreiben.

 

War Caesar ein Übermensch ?

 

Er war ein hochtrainierter, körperlich und geistig außerordentlich leistungsfähiger Hochbegabter, der Genie und Fleiß vereinte. Er profitierte davon, dass die römische Kriegs- und Organisationskunst ein so hohes Niveau erreicht hatte. Seine Gegner waren tapfere, aber in der Kriegskunst unwissende Barbaren oder (die Ägypter) dekadente Machthaber, deren Volk nicht hinter ihnen stand. Die Schwäche seiner Gegner relativiert seine Erfolge.