Die Bibel lügt
Im
21. Dez. 02 stand auf dem Deckblatt des Spiegels: „Die Erfindung Gottes –
Archäologen auf den Spuren der Heiligen Schrift“. Auf Seite 136 fand man unter
der Überschrift „Der leere Thron“ einen Artikel von Matthias Schulz. Dieser
Artikel befasst sich unter anderem mit den Thesen und Erkenntnissen von Israel Finkelstein und Neil A. Silberman,
welche diese in dem Buch „Keine Posaunen vor Jericho“ niedergelegt haben. Das
Buch erscheint im Beck Verlag München und kostet 26,90 Euro.
Matthias
Schulz schreibt: Die historische Basis der Bibel wankt. Die Kerntexte der Bibel
sind unwahr. Ein Auszug der jüdischen Stämme aus Israel fand nie statt. Kanaan
wurde nicht gewaltsam erobert. Die Ur-Reiche von David und Salomo sind Lug und
Trug. Diese isrealistische Könige herrschten nur über
unbedeutende Teile von Randregionen. Als Märchen und monumentale Camouflage –
so steht das Wort Gottes mittlerweile da. Wo die Forscher geschichtliche Fakten
vermuteten, sehen sie nun politische Propaganda. Die Forschung sieht immer
klarer die metaphysische Baustelle. Immer deutlicher wird, daß
Gottes Wort voller Mogeleien steckt. Eine Gruppe von Fälschern bürstete
Realgeschichte um; sie verzerrten die Wirklichkeit, schafften unbequeme Fakten
beiseite und erfanden, nach Art eines Hollywoodd-Drehbuches,
die Geschichte vom gelobten Land. Die biblische Zensurbehörde ging geschickt
vor. Im Prinzip arbeitete sie wie das Wahrheitsministerium von George Orwell.
Nur der Tatort steht fest: Es war der Tempel von Jerusalem, in dem alle Fäden
zusammenliefen. Sogar vor Betrug und Dokumentenfälschung scheuten die Zion-Priester nicht zurück.
Anfangs
war Jahwe nur ein Wettergott gewesen. Er war ein Garant der Fruchtbarkeit,
dessen sexuelle Darstellung erst langsam zurückgedrängt wurde. Gott besaß
ursprünglich eine nackte Begleiterin. Die Einsicht, daß
sich der Herr aus einem heidnischen Götzen entwickelt hat, mag schmerzen, ist
aber längst überfällig.
Mit
Blitz und Speer wurde der Hauptgott anfangs dargestellt. Er hatte eine Frau,
die Liebesgöttin Aschera. Völlig nackt und mit einer
merkwürdigen Krone – so wurde diese Ikone der Fruchtbarkeit von den Menschen
angebetet. Sogar im Tempel von Jerusalem muß damals
ein Kultbaum der Aschera gestanden haben. Keine zehn
Kilometer von Jerusalem entfernt wurden selbst in hellenistischer Zeit noch
heidnische Regentänze aufgeführt.
Fast
alle Bibelkundler hegen den Verdacht, daß das 5. Buch
Mose das Ergebnis von König Josia (639 bis 609 v.
Chr.) widerspiegelt. Das „Deuteronomium“ verurteilt
die Anbetung anderer Götter und droht bei Zuwiderhandlung furchtbare
Strafgerichte an. Gott wird als völlig entrückt und transzendent dargestellt.
Der Opferdienst für Jahweh darf nur im Tempel von
Jerusalem durchgeführt werden. Mit diesen Dekreten strebten die Zion-Priester das Glaubensmonopol an. Vor allem wollten sie
ihre Kolegen im assyrisch unterjochten Bruderstaat
Israel aushebeln.