Die Bibel lügt

Die Spiegel-Titelgeschichte vom 21. Dez. 02: „Die Erfindung Gottes“ (stark verkürzt)

Von Richard Beiderbeck,   www.koinae.de     

 

Im 21. Dez. 02 stand auf dem Deckblatt des Spiegels: „Die Erfindung Gottes – Archäologen auf den Spuren der Heiligen Schrift“. Auf Seite 136 fand man unter der Überschrift „Der leere Thron“ einen Artikel von Matthias Schulz. Dieser Artikel befasst sich unter anderem mit den Thesen und Erkenntnissen von Israel Finkelstein und Neil A. Silberman, welche diese in dem Buch „Keine Posaunen vor Jericho“ niedergelegt haben. Das Buch erscheint im Beck Verlag München und kostet 26,90 Euro.

 

Matthias Schulz schreibt: Die historische Basis der Bibel wankt. Die Kerntexte der Bibel sind unwahr. Ein Auszug der jüdischen Stämme aus Israel fand nie statt. Kanaan wurde nicht gewaltsam erobert. Die Ur-Reiche von David und Salomo sind Lug und Trug. Diese isrealistische Könige herrschten nur über unbedeutende Teile von Randregionen. Als Märchen und monumentale Camouflage – so steht das Wort Gottes mittlerweile da. Wo die Forscher geschichtliche Fakten vermuteten, sehen sie nun politische Propaganda. Die Forschung sieht immer klarer die metaphysische Baustelle. Immer deutlicher wird, daß Gottes Wort voller Mogeleien steckt. Eine Gruppe von Fälschern bürstete Realgeschichte um; sie verzerrten die Wirklichkeit, schafften unbequeme Fakten beiseite und erfanden, nach Art eines Hollywoodd-Drehbuches, die Geschichte vom gelobten Land. Die biblische Zensurbehörde ging geschickt vor. Im Prinzip arbeitete sie wie das Wahrheitsministerium von George Orwell. Nur der Tatort steht fest: Es war der Tempel von Jerusalem, in dem alle Fäden zusammenliefen. Sogar vor Betrug und Dokumentenfälschung scheuten die Zion-Priester nicht zurück.

 

Anfangs war Jahwe nur ein Wettergott gewesen. Er war ein Garant der Fruchtbarkeit, dessen sexuelle Darstellung erst langsam zurückgedrängt wurde. Gott besaß ursprünglich eine nackte Begleiterin. Die Einsicht, daß sich der Herr aus einem heidnischen Götzen entwickelt hat, mag schmerzen, ist aber längst überfällig.

Mit Blitz und Speer wurde der Hauptgott anfangs dargestellt. Er hatte eine Frau, die Liebesgöttin Aschera. Völlig nackt und mit einer merkwürdigen Krone – so wurde diese Ikone der Fruchtbarkeit von den Menschen angebetet. Sogar im Tempel von Jerusalem muß damals ein Kultbaum der Aschera gestanden haben. Keine zehn Kilometer von Jerusalem entfernt wurden selbst in hellenistischer Zeit noch heidnische Regentänze aufgeführt.

 

Fast alle Bibelkundler hegen den Verdacht, daß das 5. Buch Mose das Ergebnis von König Josia (639 bis 609 v. Chr.) widerspiegelt. Das „Deuteronomium“ verurteilt die Anbetung anderer Götter und droht bei Zuwiderhandlung furchtbare Strafgerichte an. Gott wird als völlig entrückt und transzendent dargestellt. Der Opferdienst für Jahweh darf nur im Tempel von Jerusalem durchgeführt werden. Mit diesen Dekreten strebten die Zion-Priester das Glaubensmonopol an. Vor allem wollten sie ihre Kolegen im assyrisch unterjochten Bruderstaat Israel aushebeln.