Warum intolerante
Religionen die Einheit der Menschheit verhindern
Von
1.1 Sokrates und
Jesus
„Ich weiß,
dass ich nichts weiß“, sagte Sokrates. Und er zeigte denjenigen, die zu wissen glaubten,
dass sie sehr schnell an die Grenzen ihres Wissens kamen. Sokrates wurde zum
Tode verurteilt, weil er „das in der Höhe Schwebende“, also die Welt der
Religion, kritisch hinterfragt hatte, und „die Jugend verdarb“. Sokrates musste
sterben, weil er ein Ungläubiger war, sich der „Asebeia“
(der „Unfrömmigkeit“) hingegeben und die Autorität der Herrschenden untergraben
hatte. Diese Autorität beruhte nämlich auf Religion und Tradition.
„Bin ich Jesus ?“ fragt man,
wenn man sagen will: „Ich bin doch nicht allwissend !“ Auch Jesus musste
sterben. Nicht weil er an allem zweifelte, sondern weil er alles besser wusste
- besser als die Pharisäer, Schriftgelehrten und die Hohepriester. Jesus
glaubte, mit göttlicher Autorität zu sprechen. Durch seine Wunder wollte er
dies beweisen. Auch er untergrub die Autorität der Herrschenden.
Das von Jesus
als unmittelbar bevorstehende Reich Gottes ist nicht gekommen. Jesus täuschte
sich. Er wusste nichts. Es ist nur konsequent, dass ihn die Juden nicht als
Messias anerkannten. Sie warten noch heute auf den Messias. Aber auch sie
werden sich täuschen. Der Messias und das Reich Gottes werden niemals kommen.
Nicht nur
Zweifel sind gefährlich. Glaubensgewissheiten sind es nicht minder.
1.2 Wir wissen nichts über das
Unerforschliche, und wer dennoch zu wissen glaubt, täuscht sich
Wir wissen
nichts über Gott, über das Leben nach dem Tode oder über die ferne Zukunft.
Kein Mensch auf der Welt kann etwas darüber wissen. Trotzdem gibt es viele
Gläubige, Priester und religiöse Führer, die behaupten, im Besitz der Wahrheit
und des Wissens zu sein. Aber sie wissen nichts. Sie täuschen sich und andere.
Wer ihnen nicht glaubt, wird als „Ungläubiger“ abqualifiziert und mit der
Strafe Gottes bedroht, von den Gläubigen ausgegrenzt, und, wie die Geschichte
lehrt, verfolgt, misshandelt und getötet. Aber nicht die Ungläubigen sind die
Gefahr, sondern die Gläubigen. Ihre Intoleranz, ihr Fanatismus, ihre
Selbstgerechtigkeit und ihre Überheblichkeit, und vor allem: ihr Machtanspruch
stellen eine Gefahr für den Frieden, die Sicherheit, den Fortschritt und das
Wohlergehen der Menschheit dar.
1.3 Die
Fragwürdigkeit religiöser „Erfahrungen“
Das religiöse
„Wissen“ stammt aus Träumen („Visionen“ genannt), Halluzinationen, Suggestionen
und Hysterie. Neben dem normalen Wachbewußtsein gibt
es eine Vielzahl von Zuständen unseres Gehirns, in denen die äußeren
Sinneseindrücke ausgeblendet werden und das Gehirn aus sich selbst heraus
Bilder, Tonwahrnehmungen und Empfindungen produziert. Diese besonderen Zustände
des Gehirns können durch Schlafentzug, Fasten, Drogen, psychische Störungen,
Autosuggestion, Erschöpfungszustände bei körperlicher oder seelischer
Überanstrengung, durch Tanzen und laute Musik, usw. usw. entstehen. Insofern
haben, nebenbei bemerkt, Techno-Diskos und Drogen eine durchaus eine Dimension
archaischer Religiösität.
Das Gehirn
kann nur richtig funktionieren, wenn sich Blutdruck, Sauerstoffgehalt,
Blutzuckerwert, Elektrolytgehalte und vieles andere innerhalb bestimmter
Grenzen bewegen. Menschen, die religiöse Erfahrungen machten, haben vorher oft
bewusst oder unbewusst ihr Gehirn aus dem Gleichgewicht gebracht. Diese
religiösen Erfahrungen können gewaltig und aufwühlend sein, und auf den
Menschen den Eindruck einer Offenbahrung machen. Nicht selten fühlen sich diese
Menschen dazu getrieben, den anderen diese Offenbarungen mitzuteilen, also zum
Verkündiger und Lehrer zu werden. In diese Kategorie sind Moses, Jesus und
Mohammed einzuordnen, die sich in die Wüste zum Fasten zurückgezogen haben und
als Verkünder einer neuen Lehre zurückgekehrt sind.
1.4. Religiöse Erfahrungen können auch „auf Bestellung“ produziert werden
Religiöse
Menschen führen diese außergewöhnlichen Zustände oft bewusst herbei. Eine gemäßigte
Form ist die Meditation und die mystische Versenkung. Dabei spielen oft
Atemtechniken eine Rolle, die den Blutsauerstoffgehalt absenken. Die Mystiker
wollen ihr Bewusstsein völlig von allen Gedanken leeren, damit Gott von ihnen
Besitz ergreift. Magier und Schamanen streben es an, Wachträume zu haben (oder
bei andern zu erzeugen) und sich in dieser Traumwelt zu bewegen und das
Traumgeschehen zu steuern bzw. zu
beeinflussen. Was früher unter Anleitung von erfahrenen Lehrmeistern erlernt
wurde, wird heute von unbedarften und ahnungslosen Laien praktiziert, die sich
nicht über die Gefahren dieses Tuns für ihre geistige
Gesundheit Rechenschaft ablegen.
Durch kreative
Wachträume sind viele Mythen der religiösen Literatur entstanden. Wie viele
erfundene Geschichten gehen sie aber von realen Dingen aus und können durchaus
auch tiefe Wahrheiten ausdrücken. Aber man darf sie nicht wörtlich nehmen und
man muß kritisch sehen, wo offensichtlicher Unsinn
produziert wird – manchmal auch gefährlicher Unsinn.
1.5 Die Kreativität des Menschen in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen
Es soll hier
nicht geleugnet werden, dass diese außergewöhnlichen Bewusstseinszustände dem
Menschen eine besondere Kreativität verleihen können. Während im normalem
Wachzustand sich das Gehirn sehr viel mit den äußeren Sinneseindrücken und
ihrer Einordnung und Verarbeitung beschäftigt, wobei das Denken oft in immer
wiederkehrenden Gedankenabläufen kreist, kann es im Schlaf, Halbschlaf, Trance,
Meditation, unter Drogeneinfluß oder anderen Bewußtseinszuständen zu einer Befreiung aus dem
alltäglichen Rahmen kommen, und es können ganz neue Ideen und ganz neue
Geschichten entstehen. Aber die Kritikfähigkeit des Menschen ist in diesem
Zustand stark herabgesetzt, und es werden ganz abstruse Dinge in die Welt
gesetzt; und wenn sie erste einmal in der Welt sind, können sie dann ein zähes
Eigenleben entwickeln, z. B. als fixe Idee.
1.6 Durch
Meditation zum Übermenschen – eine Illusion
Es wird von
einem „höheren Bewusstseinszustand“ geredet, der dem Menschen göttliche
Einsichten vermitteln kann. Man sollte aber nicht glauben, dass damit eine
überirdische Intelligenz erreicht werden kann. Immer wieder wird so getan, als
würden weite Teile des Gehirns brachliegen und als könnte man durch besondere Methoden
diese Bereiche aktivieren und zu einer übermenschlichen Intelligenz zu
gelangen. Wie die bisher recht kläglichen Versuche der Computerexperten zeigen,
den Robotern beizubringen, sich wie Menschen zu bewegen, sind selbst die
einfachsten Dinge, die der Mensch macht, z. B. einen Ball im Laufen
aufzufangen, ungeheuer komplexe und schwierige Vorgänge, die von einem
Computer, der das ganze Wissen der Welt hat, bisher nur sehr unvollkommen
geleistet werden können. Wer seinen Alltag meistert, beweist damit ungeheure
Fähigkeiten. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Gurus und religiösen
Führer im Berufsalltag nicht selten
versagt haben ? Daß sie, die sie manchmal wie
Halbgötter daher kommen, mit den einfachen Dingen des Lebens nicht klarkommen ?
Könnte dieses ganze Überlegenheitsgetue nicht eine Überkompensation von Mängeln
sein ?
2.1 Was Ideen sind
und was sie bewirken
Ideen sind
zunächst einmal nur Vorstellungen und Bilder - auch Bilder, die wir mit unseren
eigenen Augen gesehen haben, und die in uns nachwirken. Es können aber auch
Bilder sein, die der Vorstellungskraft entspringen. Da unsere Sinne uns nur
einen beschränkten Ausschnitt der Welt liefern, sind wir auf unsere
Vorstellungen und Ideen angewiesen, um uns ein umfassendes Bild von der Welt zu
machen. So können wir die Welt verstehen und begreifen, und wir können unter
den Wahlmöglichkeiten, wie wir handeln sollen, die Richtige herausfinden.
Dieses Verhalten ist intelligentes Verhalten. Ohne Ideen könnten wird die Welt
nicht begreifen und wären dumm.
Die Ideen
haben aber auch die Fähigkeit, unseren Körper und unser Verhalten zu steuern.
Ohne die Vorstellung: „Ich gehe“ könnte ich gar nicht gehen. Bevor ich eine
Handlung vollziehe, stelle ich sie mir erst vor und mein Körper führt sie aus.
Ideen steuern den Körper. Darauf beruhen viele suggestive Heilerfolge, auch
viele „Wunder“. „Nimm dein Bett und geh !“, sagt Jesus zu dem Gelähmten.
2.2 Das Eigenleben
der Ideen
Ideen neigen
dazu, sich selbst in die Tat umzusetzen, oft gegen den Willen des Menschen, von
dem die Idee Besitz ergriffen hat. Ideen sind wie Computerprogramme, die auf
verschiedenen Computern laufen können. So kann die gleiche Idee von vielen
Menschen Besitz ergreifen und sie in Bewegung setzen. Die Summe einer Vielzahl
von Ideen bilden einen „Geist“, z. B. den christlichen oder islamischen Geist.
Ideen können
also von Menschen Besitz ergreifen, so wie ein Gott oder ein Dämon von einem
Menschen Besitz ergreift. Aus der Voodoo-Religion kennen wir das Phänomen, dass
ein „Loa“, (das ist eine Voodoo-Gottheit) von einem der bei einer kultischen
Veranstaltung Anwesenden Besitz ergreift und durch ihn spricht. Schon immer
wurden Menschen von ihrem Gott ergriffen und gerieten in heiliger Ekstase.
So ist die Welt
der Götter, Geister und Dämonen im Grunde eine Welt der Ideen und
Vorstellungen. Für die Gläubigen ist diese Welt die eigentliche, die reale
Welt, die unserer alltäglichen Welt übergeordnet ist, und die immer wieder in
alltägliche Welt hineinwirkt.
2.3 Die Bedeutung
der Wunder für die Gläubigen
Wenn man davon
ausgeht, dass alle Vorgänge in der materiellen Welt gemäß den Naturgesetzen
ablaufen, dann bleibt kein Platz für das Eingreifen der übernatürlichen Mächte.
Wenn Gott sich stets an die Naturgesetze halten muß
(wie das Bolzano postuliert), wie kann Gott dann in
das Weltgeschehen eingreifen ?
Für die
Gläubigen ist eine Gottheit, die nicht in das Weltgeschehen eingreifen kann
(oder auch will) nicht akzeptierbar – denn dann hätte es keinen Sinn, zu beten
oder Opfer zu bringen. Ein solcher passiver Gott könnte die Wünsche der
Gläubigen nicht erfüllen. Ein Gott, der weder belohnen noch bestrafen kann, ist
für die Gläubigen uninteressant.
Der Beweis
dafür, daß Gott doch über den Naturgesetzen steht und
in das irdische Geschehen eingreift, ist für die Gläubigen das Wunder. Wer an
den Wundern zweifelt, der unterminiert das ganze Glaubensgebäude. Deshalb
werden die Wunder von den Gläubigen vehement verteidigt. Hinzukommt, daß die Fähigkeit, Wunder zu tun, die Wundertäter (Jesus,
Maria und die Heiligen) über die gewöhnlichen Menschen hinaushebt und den Kult
an ihnen fördert. Kult bedeutet kritiklose Bewunderung und Zustimmung. Die ist
natürlich von Seiten derer, die ihre Glaubensgewissheiten durchsetzten wollen,
hoch erwünscht.
2.4 Ohne Gläubige
keine Opfer, ohne Opfer keine Priester
Wenn es keine
Erhörung der Gebete gibt, dann braucht der Gläubige seinem Gott und seiner
Priesterschaft keine Opfer und Geldspenden darzubringen. Dann müssten die
Priester, Gurus, Sektenführer von ihrer Hände Arbeit leben. Also haben sie ein
existenzielles Interesse daran, den Wunderglauben in der Bevölkerung zu
fördern. Allerdings sind Wunder eine zweischneidige Sache für die etablierten
Glaubensgemeinschaften: Wenn herauskommt, dass die Wunder eine Fälschung sind,
ist das peinlich, denn man fragt sich, ob nicht alle Wunder Fälschungen und
Irrtümer sind.
Außerdem
stellen „freiberufliche“ Wundertäter immer ein Konkurrenz zu den etablierten
Priestern dar (siehe Leben und Leiden Christi), und außerdem leben wir in einem
Land, in dem die Kirchensteuer auch ohne Wunder fließt – was irgendwie
eigentlich doch allmählich zum Wunder wird.
„Das Wunder
ist des Glaubens liebstes Kind“, heißt es.
2.5 Der Kampf der
Ideen
Aber nicht nur
die Religionsgemeinschaften stehen untereinander in Konkurrenz um diejenigen,
die bereit sind zu glauben. Auch die Ideen selbst stehen in Konkurrenz
zueinander. Sie entfalten ein Eigenleben, so wie Computerviren und Computerprogramme
ihr Eigenleben entfalten und sich immer mehr ausbreiten wollen. So, wie die
Computer nur die „Wirtstiere“ für die Viren und Programme sind, so sind die
Menschen auch die „Wirtstiere“ für Ideen.
Die Ideen
helfen dem Menschen, die Welt zu verstehen und zu gestalten; Ideen können einem
Menschen bei anderen Menschen Einfluß, Macht und
Würde geben. Ideen können der beste Freund und der ärgste Feind eines Menschen
sein. Man kann jedem Menschen nur raten, zu den Ideen, die er in sich trägt,
kritische Distanz zu wahren. Oft ist das für Menschen mit einer „soliden
Halbbildung“ besonders schwierig. Meist haben sie ihr Wissen nicht durch
qualifizierte Lehrer und gründliches Studium, sondern durch Lesen zweifelhafter
Bücher oder durch zweifelhafte Autoritäten erlangt. Menschen ohne richtige
Bildung stehen dem Ideenschatz, den sie sich angeeignet haben, unkritisch
gegenüber – weil ihnen niemand die Skepsis beigebracht hat. Als Menschen mit so
einer gefährlichen Halbbildung würde ich z. B. Hitler ansehen, der sein
„Wissen“ aus Pamphleten wie die „Ostara-Hefte“ und von seinem Mentor Eckhart
bezog.
2.6 Hitler- ein
von Ideen Besessener
Wie konnte
diese halbgebildete, verkrachte Existenz Hitler so große Wirkungen auf seine
Umwelt entfalten ? Weil er Ideen verkörperte, die weithin verbreitet waren bzw.
sich auch recht gut verbreiten ließen, weil sie der menschlichen Psyche
entgegenkamen. Ohne seine Ideen wäre Hitler ein Arbeitsloser geblieben, der in
Wien sein Leben vom Verkauf von
Architekturbildern fristete und später in München als Spitzel für die
Reichswehr arbeitete. Die Ideen, die er in sich aufsog, gingen letzten Endes
auf die altorientalische Geisteswelt, vermittelt und ausgebaut durch die Juden,
zurück. Das ist das Paradoxe: Hitler war letztlich von jüdischen Ideen
besessen. Lange vor den Rassegesetzen der Nazis gab es die Rassengesetze der
Juden. Hitler sah sich als Messias des deutschen Volkes, das er für das
auserwählte Volk hielt.
2.7
Altorientalische Ur-Ideen
2.7.1 Die Idee
vom auserwählten Volk
Dies ist die
Idee, dass ein Volk dazu berufen ist, über alle anderen Völker zu herrschen,
weil es von Gott bevorzugt ist. Jedes Volk, dem es gelingt, andere Völker zu
unterwerfen, möchte seine Herrschaft legitimieren und ihr den Anstrich der
Rechtmäßigkeit zu geben. Die Herrschaft wird durch Überlegenheit begründet:
„Unser Gott ist überlegen, unsere Kultur ist überlegen, unsere Rasse ist
überlegen. Deshalb sind wir zu Herrschaft berufen.“ Dies sind in etwa die
Ideen, die sich in dem herrschenden Volk und in der herrschenden Klasse leicht
ausbreiten und festsetzen, denn diese Ideen sind angenehm und willkommen. „Du,
Römer, bist dazu berufen, über die Welt zu herrschen“ heißt es in etwa bei
Vergil.
2.7.2 Die Idee
von der „Vorsehung“
Dies ist die Idee,
dass die Götter oder ein Gott die Geschicke der Welt lenkt und dabei das
auserwählte Volk besonders bevorzugt. Im persischen Weltreich waren dies
selbstverständlich die Perser, für die Ägypter die Ägypter, für die Römer die
Römer. Die Juden brachten das Kunststück fertig, sich für das auserwählte Volk
zu halten, ohne dass sie ein großes Reich beherrschten.
2.7.3 Die Idee
vom Messias
Der Messias
ist ein von Gott erwählter Führer, der sein Volk aus Knechtschaft und
Demütigung befreit und es zu Ruhm, Macht und Ehre führt – vielleicht sogar bis
zur Weltherrschaft.
2.7.4. Die
Idee vom königlichen Blut
Der ägyptische
Pharao beanspruchte, von den Göttern abzustammen. Das königliche Blut
legitimierte seine Herrschaft. Die frühen Christen legten Wert darauf, dass
Jesus von König David abstammte und damit königliches Blut in seinen Adern
hatte. Königliches Blut legitimierte zur Herrschaft. Ein Gedanke, den das
europäische Mittelalter gerne aufnahm. Der Adel legitimierte sich ebenfalls
durch seine Abstammung und bei den Nationalsozialisten legitimierte das arische
Blut zur Herrschaft. Wir sehen, wie uralte Ideen unausrottbar sind und über
Jahrtausende hin wirken.
2.7.5 Die Idee
von der Reinhaltung der Rasse
Von der Idee,
das königliche Blut reinzuhalten (deshalb heiratete der Pharao seine
Schwester), bis zur Idee von der Reinhaltung der Rasse ist es nur ein kleiner
Schritt. Von der Idee der Reinhaltung der Rasse bis zu den Reinheitsgesetzen
der Juden war es auch nur ein kleiner Schritt. Und von der Rassegesetzen der
Juden war es auch nur ein Schritt zu den Rassegesetzen der Nazis. Die Menschen
wechseln, aber die Ideen bleiben immer dieselben.
Teil 3: Von
der Anmaßung und der Intoleranz der Gläubigen
3.1 Das Göttliche
bleibt unergründbar
Wer oder was
Gott ist, welche Eigenschaften, welche Pläne und welche Motive er hat, kann
niemand wissen. Wir wissen nicht einmal, ob das Göttliche eine Person ist. Die
drei monotheistischen Religionen behaupten, daß Gott
eine Person sei, mit der man in eine persönliche Beziehung treten kann. Aber
woher wissen sie das ? Woher kennen sie all die Eigenschaften und Pläne Gottes
?
Gott bleibt
unerforschlich. Alle religiöse Offenbarungen und alle Glaubensgewissheiten
beruhen auf Täuschung – sei es auf Selbsttäuschung oder auch auf bewusster
Täuschung anderer. „Frommen Betrug“ nennt man das.
Nicht der
Gauben eine die Tugend, sondern der Zweifel.
3.2 Warum es zwischen den monotheistischen Religionen keine Versöhnung geben kann
Seit
Jahrhunderten beobachten wir die Versuche, zwischen Katholiken und
Protestanten, zwischen katholischen und orthodoxen Christen, zwischen Christen,
Juden und Moslems eine Versöhnung und Wiederangleichung
herbeizuführen. Aber es werden nur mikroskopische Fortschritte gemacht. Warum
wohl ? Weil die Intoleranz und die Intransigenz ein ganz entscheidender
Charakterzug des Monotheismus ist.
Monotheismus
ist „Monopoltheismus“. Er ist das Ergebnis des erfolgreichen Versuchs der
jüdischen Jahweh-Priesterschaft zur Regierungszeit
des Königs Josia (639 bis 608 v. Chr), das
Tempelheiligtum in Jerusalem zur einzigen erlaubten Kultstätte des einzigen
erlaubten Gottes im gesamten Land zu machen. Durch dieses Monopol sollte
gewährleistet werden, daß alle Opfergaben und Spenden
an die Priesterschaft des Jerusalemer Tempels flossen.
Durch diesen
Akt wurden die Heiligtümer aller anderen Götter zur Plünderung und Zerstörung
und ihre Priesterschaft zur Abschlachtung bzw. Vertreibung freigegeben.
Wer im Besitz des
Heiligtums des einzigen Gottes auf der ganzen Welt ist, verwaltet den
Mittelpunkt der Welt. Wer den Willen des einzigen Gottes auf der ganzen Welt
kennt, kann natürlich der ganzen Welt sagen, was sie zu tun hat. Wer im Besitz
der göttlichen Weisheiten ist, braucht auf niemand anders mehr zu hören,
sondern der hat immer recht.
Hier liegt der
Grund für die unerbittliche Starrheit, welche die drei monotheistischen
Religionen auszeichnet.
Der Islam ist
im Grunde nur ein auf die arabischen Verhältnisse übertragenes Judentum. Die
Parallelen sind offensichtlich: In beiden Religionen gibt es eine Heilige
Stadt, die der zentrale Wallfahrtsort ist. Beide Religionen haben ein heiliges
Buch, das absolut verbindlich ist. Beide wollen eine Herrschaft Gottes, also eine
Herrschaft der Priester, die nicht demokratisch, sondern durch Gott legitimiert
ist. Beider Religionen legen großen Wert auf Reinigungsrituale. In beiden
Religionen gibt es die Beschneidung usw.
Auch zwischen
Christentum und Judentum gibt es natürlich zahlreiche Parallelen. Schließlich
haben beide das alte Testament als Heiliges Buch gemeinsam. Aber das Neue
Testament ist nicht nur vom jüdischen, sondern auch stark vom griechischen
Geist geprägt. Das macht das Christentum prinzipiell philosophischer und rationaler.
Aber im innersten Kern ist das Christentum altorientalisch.
Was spräche
also dagegen, die drei Religionen in einer einzigen Religion zu vereinen ? In
der Theorie nichts, in der Praxis alles. Denn die Praxis ist vom
Monopolanspruch der drei Religionen geprägt. Nur einer kann das Monopol haben.
Da ist kein Raum für Kompromisse.
3.3 Warum der
indische Kulturkreis toleranter ist
Der Hinduismus
kennt eine Vielzahl von Göttern. Die indischen Gläubigen haben kein Problem,
die verschiedenen Götter gleichzeitig zu verehren. „Leben und leben lassen“,
das ist die Devise im Polytheismus. Ebenso war es in der heidnischen Antike.
Dieses Paradies der Toleranz haben die monotheistischen Religionen zerstört.
Es ist kein
Zufall, daß aus Indien und Ostasien immer wieder
Ideen zu uns gelangen, daß alle Religionen doch im
Grunde dasselbe wollen und daß man alle Religionen in
einer einzigen, synkretistischen Religion vereinen
könne. Hier wirkt der Geist des indischen Kaisers Ashoka
nach. Aber die Intoleranz der monotheistischen Religionen wird alle Versuche,
die Spaltung der Religionen zu überwinden, scheitern lassen.
Teil 4: Kann der
Humanismus die Religion ersetzen ?
Die Religion
stellt Gott, seine Kirche, seine Propheten und ihre Lehren in den Mittelpunkt.
Das ganze Leben ist darauf ausgerichtet und die ganze Welt wird aus diesem
Blickwinkel erklärt. Der Mensch und sein irdisches Glück spielt in der Religion
eine Nebenrolle.
Beim
Humanismus wird der Mensch in den Mittelpunkt gerückt. Gut ist jetzt nicht
mehr, was der Kirche nützt, sondern das, was für den Menschen gut ist. Der
Mensch wird mündig, er befreit sich aus seiner „selbstgewählten
Unmündigkeit“ (Kant).
Durch den
Kontakt mit der Antike lernte man in der Renaissance, daß
es noch andere Religionen und andere Philosophien denkbar sind als die
christliche. Man lernte zu zweifeln und man lernte unvoreingenommen die
Wahrheit zu suchen und sie zu verbreiten. So folgte auf die Renaissance das
Zeitalter der Entdeckungen, der Aufklärung und der Vernunft.
Aber es
entstand eine neue Gefahr: Der Mensch, der nur sich selbst verantwortlich ist,
der nur sein Glück und die Befriedigung seiner Begierden sucht, der sich keiner
Religion und keiner Tradition beugt, sondern der schrankenlos seinem Streben
nach Macht und Lustgewinn nachgeht, kann zu einem Unmenschen werden. Es ist
kein Zufall, daß sich Joseph Goebbels als
„Renaissancemensch“ gesehen hat.
Die Religion
sozialisiert den Menschen; sie lehrt ihn, sich einer höheren Macht zu
unterwerfen und zu dienen. Wo keine höhere Gesittung ist, wird der Mensch trotz
aller Bildung zum Barbaren.
Für die
christliche Religion ist der Mensch zu seiner Errettung auf seinen Glauben und
auf die Gnade Gottes angewiesen. „Sola fide, sola gratia“, das war auch für
Luther klar. Für den Humanismus ist es der Mensch selbst, der sich befreit und
zum Glück führt. In diesem Punkt berührt er sich mit dem Buddhismus. Dort
befreit sich der Mensch von den Leiden der Welt selbst – allerdings mit Hilfe
eines Lehrers, letztlich Buddha. Aber dieser Lehrer ist Mensch, nicht Gott. Daß Buddha dann wieder zum Gott gemacht wurde, ist eine
andere Sache und von Buddha sicher nicht gewollt.
Der Humanismus
berührt sich auch mit der indischen und islamisch-persischen Mystik (dem Sufismus), indem er in dem Menschen etwas Göttliches sieht,
etwas, das ein Teil Gottes ist und damit, extrem formuliert, selbst Gott ist.
Aber Gott ist nicht nur im Menschen, sondern in der ganzen Welt. Das Göttliche
ist also nicht wie im Judentum in einem Gott konzentriert, der als Person
gesehen wird, sondern für den Mystiker ist Gott quasi über die ganze Schöpfung
verteilt, sodaß alles mit allem verbunden ist und
eine große Einheit bildet. Diesem Gedanken trägt das Christentum durch den
„heiligen Geist“ Rechnung. Das ist der griechische Einfluß,
letztendlich wohl indischer Einfluß, denn das Reich
Alexanders und seiner Diadochen reichte bis Indien.
Die Gefahr, daß der Mensch sich Gott gleichsetzt, kann zum Größenwahn
führen. Nietzsche, ein typischer Humanist, hielt sich am Schluß
seiner geistigen Umnachtung für Gott selbst.
Wenn sich der
Mensch auch nicht gleich zum Gott macht, so neigt er, aus den Fesseln der
Religion befreit, dazu, sich über alle Moral und alle Gesetze hinwegzusetzen.
Man glaubt nur noch an das Recht des Stärkeren und sieht in der christlichen
Moral mit Nietzsche nur eine Sklavenmoral. Jener unselige Satanist und „Magier“
Alleister Crowley sagte:
„Tue was du willst, das sei dein Gesetz.“
Da nun der
Mensch nicht selbstherrlich nur einem Egoismus leben darf, muß
er doch wieder einer höheren Instanz verpflichtet sein. Diese Instanz kann nur
die Menschheit als Ganzes sein. Nicht der Mensch als Individuum, sondern die
Menschheit als Ganzes muß in den Mittelpunkt gerückt
werden. Ob Gott die Dienste und die
Verehrung des Menschen braucht, wage ich zu bezweifeln. Aber die Menschheit
braucht die Dienste des einzelnen Menschen.
5. Schluß
Mit Recht
weisen Wissenschaftler darauf hin, daß die Religionen
nur der Vorwand sind, um handfeste materielle Konflikte mit einen ideologischen
Überbau zu versehen. Aus ihrer Sicht gab es keine Kriege, die wirklich um der
Religion willen geführt wurden. Es ging stets um Macht und materiellen Gewinn.
Diese Sichtweise ist zum großen Teil zutreffend. Aber es ist genauso zutreffend,
daß vor allem die monotheistischen Religionen dem
Geist der Gemeinschaft aller Menschen und der Versöhnung entgegenstehen.
Solange man sagt: „Vereinigung der Menschheit ? Da sind wir auch dafür. Aber
selbstverständlich Vereinigung des der Menschheit unter dem grünen Banner des
Propheten und Unterwerfung aller unter den Willen Allahs (oder Vereinigung
unter dem Kreuz unseres Herren Jesus Christus)“, wird es keine friedliche
Vereinigung aller Menschen geben.
Deshalb stehen
die monotheistischen Religionen der Einheit der Menschheit im Wege.