Die Finanzcrash – wie konnte das passieren,
wie geht’s weiter ?
Von
Wie konnte das
passieren ?
Wenn man so
will, ist die aktuelle Finanzkrise eine Folge des 11. Sept. 2001 und – das ist
schrecklich einzugestehen – ein später Triumph des Terroristen Osama bin Laden
über die westliche Zivilisation.
Wie konnte das
alles passieren ?
Am 11. Sept.
2001 stürzte das World Trade Center zusammen. Sieben Jahre später sieht es so
aus, als würde unser Finanzsystem zusammenbrechen.
Die beiden
Türme stürzten zusammen, weil etwas geschah, das Bin Laden nicht geplant und
vorhergesehen hatte. Die Bolzen, welche die Böden der einzelnen Stockwerke an
den Wänden verankerten, brachen in der Hitze des Feuers. Das führte zu einem
Dominoeffekt. Eine Decke krachte herunter auf die darunterliegende, diese brach
ebenfalls nach unten durch und beide fielen auf die darunterliegende. Und so rauschte
das Innere der Türme in die Tiefe wie der Dow Jones am 9. Okt 2008. Die Türme
waren hohl und stürzten in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
Dasselbe droht
nun mit unserem Finanzsystem zu geschehen.
Wie konnte das
passieren ?
Am 11. Sept.
2001 lagen schon schwere Zeiten hinter dem Dow Jones Index. Die
Spekulationsblase des Neuen Marktes war geplatzt. Und jetzt der Schock des
Terroranschlages. Die Wirtschaft drohe in eine Rezession zu rutschen.
Also beschloß Alan Greenspan, daß
seine US-Notenbank den Leitzins senken sollte. In der Folge sank der Leitzins
auf 1,5 %. Und nun nahm das Verhängnis seinen Lauf:
Schritt 1: Die
Banken schwammen im Geld und wusste nicht, wohin damit. Auf einmal bekamen
Leute, die es sich eigentlich nicht leisten konnten, billige Kredite und
konnten sich Häuser kaufen, ohne einen Dollar angespart zu haben. Als
Sicherheit für die Kredite dienten die Häuser, die sie mit dem billigen Geld
kauften und mit Hypotheken belasteten. Da die Nachfrage nach Immobilien zunahm,
stiegen die Immobilienpreise. Man konnte Geld damit verdienen, daß man sich Geld lieh, eine Immobilie kaufte, drei Jahre
wartete und sie mit sagen wir mal, 30 % Gewinn verkaufte.
Schritt 2: Die
US-Notenbank hob den Leitzins an, weil der Dollar gegenüber dem Euro immer mehr
an Wert verlor. Die Leute mussten für ihre Hypotheken auf einmal viel mehr Geld
bezahlten, als sie hatten. Die Häuser wurden zwangsversteigert. Auf dem
Immobilienmarkt überwog plötzlich das Angebot und die Immobilienpreise gingen
in den Keller. Die Banken saßen in der Klemme. Die Schuldner zahlten ihre
Kredite nicht mehr ab und wenn die Banken die Häuser zwangsversteigerten,
erzielten sie zu geringe Erlöse und verloren einen Teil des ausgeliehenen
Geldes.
Schritt 3: Die
Banken verfielen auf die Idee, die faulen Kredite, auf denen sie saßen, in
Wertpapiere umzuwandeln und diese Schuldverschreibungen an alle Welt zu
verkaufen. Daß diese Schulden, die sie an den Rest
der Welt weiterreichten, zum Teil nicht mehr einzutreiben waren, verschleierten
sie geschickt, indem sie die faulen Papiere mit vielen anderen in einen Topf
warfen und sie als Zertifikate deklarierten. Auf diese Zertifikate zahlten sie
hohe Zinsen, und deshalb fanden sie weltweit reißenden Absatz. Aber niemand
machte sich klar, was eigentlich in diesen Zertifikaten enthalten war: lauter
faule Kredite.
Schritt 4:
Diese Zertifikate waren langfristige Schuldverschreibungen mit einem hohen
Zinssatz. Da kam dann mancher Investment-Banker auf eine gloriose Idee. Er
sagte sich: Ich leihe mir auf dem Geldmarkt Geld mit kurzer Laufzeit. Dafür
zahle ich nur 3 % Zins. Mit diesem Geld kaufe ich die langfristigen
Schuldverschreibungen und bekomme dafür 6 % Zins. Ohne einen Pfennig eigenes
Kapital kann ich also 3 % Gewinn machen. Wenn meine kurzfristigen Kredite, die
ich aufgenommen habe, fällig werden, muß ich einfach
wieder neue kurzfristige Kredite aufnehmen und meine alten kurzfristigen
Kredite damit zurückzahlen. Und so mache ich das immer weiter.
Schritt 5: Aber
dann stiegen die Zinsen für die kurzfristigen Kredite an und sie waren immer
schwerer zu bekommen. Die Investmentbanker mussten also immer neue und höhere
Kredite aufnehmen, um ihre alten zu bezahlen. Von den langfristigen Krediten
kamen aber die Zinsen nur einmal im Jahr rein. Und da ging es den
Investmentbankern wie so manchen HartzIV-Empfänger:
Er hatte keinen Pfennig mehr und der nächste Geldzufluß
war noch weit entfernt. So mancher Investmentbanker mußte
dann auch noch feststellen, daß seine langfristeigen
Geldanlagen nichts mehr wert waren.
Schritt 6: Die
Investmentbanken saßen ohne einen Pfennig Geld da. So wie der HartzIV-Empfänger, der mitten im Monat pleite ist und sich
nichts mehr zum Essen kaufen kann und deshalb zum Sozialamt geht und darum
bittet, daß man ihm ein paar Euro gibt, damit er
nicht verhungern muß, so gingen die Pleite-Banken zum
Staat und baten um ein paar Milliarden. Und der Staat gab sie ihm. Das war dann
der „Bail-out“, der Staat bürgt für die Schulden der
Banken. Konkret heißt das, er gibt ihnen schnell ein paar hundert Millionen,
damit sie nicht „verhungern“. Dabei hofft er natürlich, daß
die Banken am nächsten Ersten wieder selbst etwas einnehmen und aus eigener
Kraft wieder zahlungsfähig werden. Denn alle bankrotten Banken und Konzerne
kann der Staat nicht von ihren Schulden freikaufen. So schnell können die
Notenbanken gar nicht das Geld aus dem Nichts produzieren und verteilen, wie
die Kredite fällig werden.
Wie geht’s
weiter ? Kommt noch dem Bail-out der Sell-out ? Letzteres ist an der Börse der Punkt, an dem
fast alle Anleger sagen: „Es kann nur noch bergab gehen. Ich verkaufe meine
Aktien, egal wie viel ich dabei verliere !“
Wo stehen wir
heute ? Das Investment-Banken sind der erste Turm des World-Trade
Center. Er steht in Flammen. Die Feuerwehr steht bereit, aber die Leiter ist zu
kurz. Der obere Teil steht in Flammen und ist nicht mehr zu retten. Die
Feuerwehrleute sind die Treppen hochgerannt und
wollen verhindern, daß der noch unversehrte Teil des
Gebäudes nicht in Brand gerät. Aber keiner rechnet damit, daß
die Decken runterkommen und alle Sicherungsbolzen abreißen.
Dann gerät der
zweite Turm in Brand: Die Börse. Auch hier hofft man, daß
das Feuer nur begrenzten Schaden anrichten wird. Aber die Kurse sausen nach
unten und durchschlagen alle Widerstandslinien. Dann steht nur noch ein hohler
Turm, der in sich zusammenbricht.
Ich geneigt zu
glauben, daß dieser Vergleich übertrieben ist und daß alles halb so schlimm ist. Aber ein anderer Vergleich
stimmt mich auch nicht gerade hoffnungsfroh:
Die Wirtschaft
ist wie ein menschlicher Körper, in welchem das Blut zirkuliert. Das Blut ist
in der Wirtschaft das Geld. Die Wirtschaft ist schwer verletzt und verliert
große Mengen an Blut, sprich Geld. Jetzt kommen die Notenbanken und geben eine
Bluttransfusion, um zu verhindern, daß der Kreislauf
des Patienten kollabiert und das Herz stillsteht. Was aber ist, wenn aus den
Wunden das Blut schneller herausfließt, als durch
Bluttransfusionen hineinfließen kann ?
Ein anderer Punkt
ist, daß man gar nicht genug echte Blutkonserven,
sprich echtes Geld hat, sondern nur physiologische Kochsalzlösung. Genau das
ist nämlich das Geld, das die Notenbanken ausleihen. Es ist kein echtes Geld.
Es ist nur Salzwasser.
Wie geht’s
weiter ?
Heute ist der
20. Oktober 2008. Die USA und die EU haben ihr „Rettungspaket für die maroden
Banken geschnürt“ – so formulieren das die Nachrichtensprecher. Man hofft, dass
damit die Krise in den Griff zu bekommen ist und dass man nach ein paar Jahren,
vielleicht schon Monaten, die Krise gemeistert hat – sofern man das „meistern“
nennen kann: Einfach zu versprechen: „Der Staat – sprich der Steuerzahler - kommt
für alle Schäden auf.“
Insgeheim
hoffen die Banken aber schon wieder, daß sie, wenn
sich die Wogen geglättet haben, wieder so weiter machen können wie bisher. Und
es ist zu befürchten, dass sie damit durchkommen.
Aber die Sache
ist noch lange nicht ausgestanden. Vor uns liegt eine Rezession, vielleicht
sogar eine Wirtschaftskrise. Die Eliten in Politik und Wirtschaft haben an
Vertrauen und Ansehen verloren. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Es wird
immer extremer gewählt werden und die Fundamentalisten und die Radikalen jeder
Couleur werden Zulauf erhalten.
Die
Energiereserven und die Rohstoffe jeder Art werden immer knapper. Ebenso die
landwirtschaftlichen Produkte. Verteilungskämpfe sind zu erwarten.