Die Finanzcrash – wie konnte das passieren, wie geht’s weiter ?

Von Richard Beiderbeck, www.koinae.de Email: webmaster@koinae.de

 

 

Wie konnte das passieren ?

 

Wenn man so will, ist die aktuelle Finanzkrise eine Folge des 11. Sept. 2001 und – das ist schrecklich einzugestehen – ein später Triumph des Terroristen Osama bin Laden über die westliche Zivilisation.

 

Wie konnte das alles passieren ?

 

Am 11. Sept. 2001 stürzte das World Trade Center zusammen. Sieben Jahre später sieht es so aus, als würde unser Finanzsystem zusammenbrechen.

 

Die beiden Türme stürzten zusammen, weil etwas geschah, das Bin Laden nicht geplant und vorhergesehen hatte. Die Bolzen, welche die Böden der einzelnen Stockwerke an den Wänden verankerten, brachen in der Hitze des Feuers. Das führte zu einem Dominoeffekt. Eine Decke krachte herunter auf die darunterliegende, diese brach ebenfalls nach unten durch und beide fielen auf die darunterliegende. Und so rauschte das Innere der Türme in die Tiefe wie der Dow Jones am 9. Okt 2008. Die Türme waren hohl und stürzten in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

 

Dasselbe droht nun mit unserem Finanzsystem zu geschehen.

 

Wie konnte das passieren ?

 

Am 11. Sept. 2001 lagen schon schwere Zeiten hinter dem Dow Jones Index. Die Spekulationsblase des Neuen Marktes war geplatzt. Und jetzt der Schock des Terroranschlages. Die Wirtschaft drohe in eine Rezession zu rutschen.

 

Also beschloß Alan Greenspan, daß seine US-Notenbank den Leitzins senken sollte. In der Folge sank der Leitzins auf 1,5 %. Und nun nahm das Verhängnis seinen Lauf:

 

Schritt 1: Die Banken schwammen im Geld und wusste nicht, wohin damit. Auf einmal bekamen Leute, die es sich eigentlich nicht leisten konnten, billige Kredite und konnten sich Häuser kaufen, ohne einen Dollar angespart zu haben. Als Sicherheit für die Kredite dienten die Häuser, die sie mit dem billigen Geld kauften und mit Hypotheken belasteten. Da die Nachfrage nach Immobilien zunahm, stiegen die Immobilienpreise. Man konnte Geld damit verdienen, daß man sich Geld lieh, eine Immobilie kaufte, drei Jahre wartete und sie mit sagen wir mal, 30 % Gewinn verkaufte.

 

Schritt 2: Die US-Notenbank hob den Leitzins an, weil der Dollar gegenüber dem Euro immer mehr an Wert verlor. Die Leute mussten für ihre Hypotheken auf einmal viel mehr Geld bezahlten, als sie hatten. Die Häuser wurden zwangsversteigert. Auf dem Immobilienmarkt überwog plötzlich das Angebot und die Immobilienpreise gingen in den Keller. Die Banken saßen in der Klemme. Die Schuldner zahlten ihre Kredite nicht mehr ab und wenn die Banken die Häuser zwangsversteigerten, erzielten sie zu geringe Erlöse und verloren einen Teil des ausgeliehenen Geldes.

 

Schritt 3: Die Banken verfielen auf die Idee, die faulen Kredite, auf denen sie saßen, in Wertpapiere umzuwandeln und diese Schuldverschreibungen an alle Welt zu verkaufen. Daß diese Schulden, die sie an den Rest der Welt weiterreichten, zum Teil nicht mehr einzutreiben waren, verschleierten sie geschickt, indem sie die faulen Papiere mit vielen anderen in einen Topf warfen und sie als Zertifikate deklarierten. Auf diese Zertifikate zahlten sie hohe Zinsen, und deshalb fanden sie weltweit reißenden Absatz. Aber niemand machte sich klar, was eigentlich in diesen Zertifikaten enthalten war: lauter faule Kredite.

 

Schritt 4: Diese Zertifikate waren langfristige Schuldverschreibungen mit einem hohen Zinssatz. Da kam dann mancher Investment-Banker auf eine gloriose Idee. Er sagte sich: Ich leihe mir auf dem Geldmarkt Geld mit kurzer Laufzeit. Dafür zahle ich nur 3 % Zins. Mit diesem Geld kaufe ich die langfristigen Schuldverschreibungen und bekomme dafür 6 % Zins. Ohne einen Pfennig eigenes Kapital kann ich also 3 % Gewinn machen. Wenn meine kurzfristigen Kredite, die ich aufgenommen habe, fällig werden, muß ich einfach wieder neue kurzfristige Kredite aufnehmen und meine alten kurzfristigen Kredite damit zurückzahlen. Und so mache ich das immer weiter.

 

Schritt 5: Aber dann stiegen die Zinsen für die kurzfristigen Kredite an und sie waren immer schwerer zu bekommen. Die Investmentbanker mussten also immer neue und höhere Kredite aufnehmen, um ihre alten zu bezahlen. Von den langfristigen Krediten kamen aber die Zinsen nur einmal im Jahr rein. Und da ging es den Investmentbankern wie so manchen HartzIV-Empfänger: Er hatte keinen Pfennig mehr und der nächste Geldzufluß war noch weit entfernt. So mancher Investmentbanker mußte dann auch noch feststellen, daß seine langfristeigen Geldanlagen nichts mehr wert waren.

 

Schritt 6: Die Investmentbanken saßen ohne einen Pfennig Geld da. So wie der HartzIV-Empfänger, der mitten im Monat pleite ist und sich nichts mehr zum Essen kaufen kann und deshalb zum Sozialamt geht und darum bittet, daß man ihm ein paar Euro gibt, damit er nicht verhungern muß, so gingen die Pleite-Banken zum Staat und baten um ein paar Milliarden. Und der Staat gab sie ihm. Das war dann der „Bail-out“, der Staat bürgt für die Schulden der Banken. Konkret heißt das, er gibt ihnen schnell ein paar hundert Millionen, damit sie nicht „verhungern“. Dabei hofft er natürlich, daß die Banken am nächsten Ersten wieder selbst etwas einnehmen und aus eigener Kraft wieder zahlungsfähig werden. Denn alle bankrotten Banken und Konzerne kann der Staat nicht von ihren Schulden freikaufen. So schnell können die Notenbanken gar nicht das Geld aus dem Nichts produzieren und verteilen, wie die Kredite fällig werden.

 

Wie geht’s weiter ? Kommt noch dem Bail-out der Sell-out ? Letzteres ist an der Börse der Punkt, an dem fast alle Anleger sagen: „Es kann nur noch bergab gehen. Ich verkaufe meine Aktien, egal wie viel ich dabei verliere !“

 

Wo stehen wir heute ? Das Investment-Banken sind der erste Turm des World-Trade Center. Er steht in Flammen. Die Feuerwehr steht bereit, aber die Leiter ist zu kurz. Der obere Teil steht in Flammen und ist nicht mehr zu retten. Die Feuerwehrleute sind die Treppen hochgerannt und wollen verhindern, daß der noch unversehrte Teil des Gebäudes nicht in Brand gerät. Aber keiner rechnet damit, daß die Decken runterkommen und alle Sicherungsbolzen abreißen.

 

Dann gerät der zweite Turm in Brand: Die Börse. Auch hier hofft man, daß das Feuer nur begrenzten Schaden anrichten wird. Aber die Kurse sausen nach unten und durchschlagen alle Widerstandslinien. Dann steht nur noch ein hohler Turm, der in sich zusammenbricht.

 

Ich geneigt zu glauben, daß dieser Vergleich übertrieben ist und daß alles halb so schlimm ist. Aber ein anderer Vergleich stimmt mich auch nicht gerade hoffnungsfroh:

 

Die Wirtschaft ist wie ein menschlicher Körper, in welchem das Blut zirkuliert. Das Blut ist in der Wirtschaft das Geld. Die Wirtschaft ist schwer verletzt und verliert große Mengen an Blut, sprich Geld. Jetzt kommen die Notenbanken und geben eine Bluttransfusion, um zu verhindern, daß der Kreislauf des Patienten kollabiert und das Herz stillsteht. Was aber ist, wenn aus den Wunden das Blut schneller herausfließt, als durch Bluttransfusionen hineinfließen kann ?

 

Ein anderer Punkt ist, daß man gar nicht genug echte Blutkonserven, sprich echtes Geld hat, sondern nur physiologische Kochsalzlösung. Genau das ist nämlich das Geld, das die Notenbanken ausleihen. Es ist kein echtes Geld. Es ist nur Salzwasser.

 

Wie geht’s weiter ?

 

Heute ist der 20. Oktober 2008. Die USA und die EU haben ihr „Rettungspaket für die maroden Banken geschnürt“ – so formulieren das die Nachrichtensprecher. Man hofft, dass damit die Krise in den Griff zu bekommen ist und dass man nach ein paar Jahren, vielleicht schon Monaten, die Krise gemeistert hat – sofern man das „meistern“ nennen kann: Einfach zu versprechen: „Der Staat – sprich der Steuerzahler - kommt für alle Schäden auf.“

 

Insgeheim hoffen die Banken aber schon wieder, daß sie, wenn sich die Wogen geglättet haben, wieder so weiter machen können wie bisher. Und es ist zu befürchten, dass sie damit durchkommen.

 

Aber die Sache ist noch lange nicht ausgestanden. Vor uns liegt eine Rezession, vielleicht sogar eine Wirtschaftskrise. Die Eliten in Politik und Wirtschaft haben an Vertrauen und Ansehen verloren. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Es wird immer extremer gewählt werden und die Fundamentalisten und die Radikalen jeder Couleur werden Zulauf erhalten.

 

Die Energiereserven und die Rohstoffe jeder Art werden immer knapper. Ebenso die landwirtschaftlichen Produkte. Verteilungskämpfe sind zu erwarten.