Noch ist Habsburg nicht verloren

Von Richard Beiderbeck, http://www.koinae.de/          

 

Seine Getreuen nennen ihn "kaiserliche Hoheit". Er hätte sicher einen guten Kaiser abgegeben. Aber sein Großonkel Erzherzog Franz Ferdinand wurde in Sarajewo von dem serbischen Studenten Gavrilo Princip ermordet. Und dann kam das Malheur mit dem Ersten Weltkrieg.

Heute ist er 83 Jahre alt, sein Gang ist etwas unsicher und sein Rücken von der Last der Jahre etwas gebeugt. Trotzdem ist er weit davon entfernt, ein Greis zu sein. Er ist geistig noch voll auf der Höhe, auf Fragen antwortet er geistesgegenwärtig und sicher. A bisserl leger ist er und a bisserl vornehm. Er spricht hochdeutsch, oder besser oberdeutsch, mit einem leichten Wiener-Hofburg-Akzent. So hätte der Karlheiz-Böhm eigentlich mit seiner Sissy reden müssen.

Im Jahr 1273 hat sein Ahnherr Rudolf I. drei seiner Töchter mit drei der sieben Kurfürsten verheiratet, die ihn dann zum Deutschen König wählten. Ein anderer Vorfahr von ihm, Karl der V., herrrschte über "ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht". Dessen Urgroßvater, Kaiser Friedrich III., hatte überall den Spruch eingravieren lassen: "AEIOU", "Alle Erde Ist Oestereich Unterthan". Wenn das kein Beweis für die Kraft des positiven Denkens ist!  1806 löste Franz II. das heilige Römische Reich auf, um zu verhindern, daß der Titel "Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" Napoleon in die Hände fiel. Der hatte zwar den Titel "Kaiser Napoleon", aber der war nur von einer ähnlichen Qualität wie "Kaiser Wilhem II." oder "Kaiser Bokassa".

Was mögen für Gedanken hinter seiner noch erstaunlich glatten Stirn kreisen?

Vielleicht besteht das Heilige Reich noch fort, war seine Auflösung nur eine erzwungene, und daher nichtige Formalität. Vielleicht können es Menschen garnicht auflösen, weil es von Gott kommt - genausowenig wie man das Sakrament der Ehe aufheben kann.  "Je maintiendrai" (ich werde weitermachen, ich werde nicht aufgeben) war der Wahlspruch Karls des Kühnen, Herzog von Burgund, eines anderen Vorfahren von Otto von Habsburg.

Wird nicht der wahre Kaisertitel durch die Gnade Gottes verliehen, und nicht vom Volk oder kraft eigener Macht? War nicht die französische Revolution ein Verbrechen und ein Irrtum, der korrigiert werden muß? Aus ihr entstand der laizistische, gottlose Staat. Sollte man nicht lieber mit einem moslemischen Fundamentalisten paktieren, als mit einem sozialistischen Atheisten, der die Abtreibung befürwortet und das Kruzifix aus dem Klassenzimmer verbannt?

Und gibt es da nicht die Prophezeihung, daß Deutschland wieder einen Kaiser haben wird? Und schreibt nicht Nostradamus, daß in jenen letzten Tagen der Heilige Geist am 48.-sten Breitengrad herniederkommen wird? Und liegt nicht Pöcking, der Wohnsitz seiner kaiserlichen Majestät, ausgerechnet am 48.-sten Breitengrad?

 

Er ist Abgeordneter im Europa-Parlament und Internationaler Präsident der Paneuropa-Union, und er kennt Gott und die Welt. Einmal hat er in die Weltgeschichte eingegriffen, als er mit Gyula Horn das Paneuropäische Picknick 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze organisierte. Da hat er der DDR den Stöpsel rausgezogen und sie ist ausgelaufen. Danach ist er rastlos durch die ehemalige Donaumonarchie gereist, hat alte Beziehungen erneuert und neue geknüpft, was für sein Alter eine erstaunliche Kraftleistung ist. Aber seine Mutter, Kaiserin Zita,  ist ja 97 geworden. In einem gewissen Sinn hat er die Donaumonarchie wieder in Besitz genommen. Als Vaclav Havel tschechischer Präsident wurde, ernannte er Dr. Karl Fürst Schwarzenberg zum Leiter seiner Staatskanzlei auf dem Hradschin. Fürst Schwarzenberg ist Chef der jüngeren Linie des Hauses Schwarzenberg und Autor des Buches "Adler und Drache - der Weltherrschaftsgedanke". Ein treuer Freund Habsburgs ist auch Bucar, der slowenische Parlamentspräsident.

 

Otto von Habsburg bastelt daran, Europa zu einem einzigen Staat zusammenwachsen zu lassen, damit es eine Weltmacht des Friedens werden kann. Sein neuestes Buch heißt: "Friedensmacht Europa". Deshalb muß das Europäische Parlament gestärkt und zum richtigen, voll entscheidungsbefugten Parlament werden. Er hat es geschafft, daß seine rechte Hand, der junge Bernd Posselt Europa-Abgeordneter wurde, andere Paneuropäer sitzen schon im Europa-Parlament: Siegbert Alber und Ursula Schleicher. Auch im bayerischen Kabinett waren bis vor kurzem die Paneuropäer mit 2 Ministern vertreten (Thomas Goppel und von Waldenfels).

"Alteri gerunt belli, tu felix Austria nubes" (andere mögen Kriege führen, du glückliches Österreich heiratest). Irgendwie gilt das heute noch. Ein Sohn Otto's von Habsburg, Karl, hat die Tochter des Industriebarons Thyssen-Bornemiza geheiratet. Noch ist Habsburg nicht verloren.

 

Hier nun einige Aussprüche Otto von Habsburgs, die er am 2.Dez. 95 auf einem Seminar der Paneuropa-Union in der Universität der Bundeswehr machte (um dann gleich wieder nach Salzburg zu enteilen, wo er die ÖVP unterstützte, den SPÖ-Kanzler Vranitzki zu stürzen):

 

"Wissen Sie, es wird nie zu einer Verurteilung von Karadzic und Mladic vor dem Internationalen Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag kommen. Das wurde zwar bei den Friedensverhandlungen in Dayton beschlossen. Aber man macht der Öffentlichkeit nur etwas vor. Der Oberste Richter, der Südafrikaner Goldstone, sagte mir in einem persönlichen Gespräch, daß er garnicht die Mittel habe, die Kriegsverbrecher zu verurteilen. Er habe nämlich kein Geld, um die Zeugen und die Anwälte zu bezahlen. Als dann von privaten Geldgebern das Geld dazu bereitgestellt worden sei, hätte Butros Ghali die Annahme untersagt."

Zur Entwicklungshilfe meinte er:

"Das meiste Geld aus der Entwicklungshilfe-Programm der Europäischen Gemeinschaft hat Mozambique erhalten. Dann sind einmal ein paar Europa-Abgeordnete hinuntergefahren und haben nachgeschaut, was mit dem Geld passiert. Da haben sie herausgefunden, daß nur 15 % des gelieferten Getreides des Bevölkerung zugute kam. 50 % wurde gestohlen und nach Rußland geliefert und Waffen dafür eingetauscht. Die restlichen 35 % fraßen die Ratten."

Zur UNO bemerkte Kaiserliche Hoheit: "Da gab es einmal einen UNO-Botschafter aus Venezuela, der sich eine sehr dunkle Geschichte hat zu Schulden kommen lassen. Er wurde entlassen und schaffte es, daß sich sieben Inselstaaten in der Karibik von ihm als UNO-Botschafter vertreten ließen. Er hatte damit sieben Stimmen in der UN-Vollversammlung, die er sich in lukrativer Weise abkaufen ließ".

Zu Saddam Hussein: "Die Amerikaner haben den Krieg 24 Stunden zu früh abgebrochen. Sie hätten Hussein entgültig besiegen müssen. Man darf nicht vergessen, daß der Irak ein völlig künstliches Gebilde  ist, das nach dem ersten Weltkrieg von den Siegern geschaffen wurde, mit dem Ziel eine Kolonie daraus zu machen und das Erdöl zu besitzen".

Über die neureichen Russen: "In Nizza sind in dem Hotel Negresco fast alle guten Zimmer von Russen belegt, die die Taschen dick voll Geld haben und damit nur so herumschmeißen. Das Geld stammt vom Verkauf des russischen Erdöls oder aus dunklem Geschäften".