Wann  wurde Jesus Christus gekreuzigt ?

Zusammengestellt von Richard Beiderbeck

 

Willibald Bösen: „Fazit: Im weiteren Verlauf unserer Untersuchungen gehen wir also davon aus, daß Jesus am Freitag, dem 14. Nisan, dem Rüsttag zum Paschafest, des Jahres 30 n. Chr. stirbt, nur drei bis vier Stunden vor dem festlichen Paschamahl am Abend. Von mehreren möglichen Daten scheint dieses uns das wahrscheinlichere. Stimmt es, daß Jesus zwischen 7 und 5 vor Chr. geboren wird, ist er bei seinem Tod am 7. April 30 n. Chr. 35 bis 37 Jahre alt.“

 

Die Amtszeit des römischen Präfekten Pontius Pilatus war von 26 bis 36 n. Chr.

Rudolf Augstein: „Wer die vagen Angaben in den Evangelien kombiniert, kommt nach Johannes auf das Jahr 31 oder 33, nach den Synoptikern  (Matthäus, Markus Lukas) auf das Jahr 31 bis 34.“

 

Wolfgang Klausnitzer: „Das sicherste Faktum im Leben Jesu ist die Kreuzigung. Wann ist Jesus hingerichtet worden ? Der zeitliche Rahmen ist abgesteckt durch die Amtzeit des Pontius Pilatus, der von 26-36 n. Chr. Präfekt war (gekreuzigt ‚unter Pontius Pilatus’). Der früheste Zeitpunkt, an dem das Wirken Jesu begonnen haben kann, ist das 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius (27-28). Der späteste mögliche Zeitpunkt, an dem Jesus in der Amtszeit des Pilatus hingerichtet werden konnte, ist das Jahr 36.

 

Jürgen Roloff: „Folgt man den Zeitangaben des synoptischen Passionsberichts, so ist Jesus am Sonntag vor dem Pessachfesttag in Jerusalem angekommen und am folgenden Freitag, der entweder der Pessachfesttag selbst oder der Pessachrüsttag war, hingerichtet worden. Demnach dauerte sein öffentliches Auftreten (in Jerusalem) etwa vier Tage.“

 

Zum Wochentag der Kreuzigung heißt es bei Markus 14, 42: „Und als es schon Abend geworden war (es war nämlich Rüsttag, das ist der Tag vor Sabbat), kam Joseph von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der ebenfalls auf das Reich Gottes wartete, und wagte es, ging zu Pilatus hinein und erbat sich den Leib Jesu“.

 

Der Sabbat entspricht unserem Samstag und der Rüsttag war demnach ein Freitag.

Man muß wissen, daß bei den Juden der Tag mit Sonnenuntergang endete, und daß nach Einbruch der Dunkelheit der neue Tag begann. Der Sabbat begann also zu dieser Jahreszeit in Israel etwa um 18 Uhr des Vortages.

 

Das Passahfest begann am Sabbat, den 15. Nisan. Der Nisan ist der erste Monat im jüdischen Festkalender, von Mitte März bis Mitte April. Israel feierte das Passahfest (das „Fest der ungesäuerten Brote“) acht Tage lang (vom 14. bis zum 21. Nisan) in Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft. Es wurde durch ein vielstündiges Mahl eingeleitet, das Passahmahl, das am Vorabend (also an einem Freitag nach unserer Zeiteinteilung) des 15. Nisan eingenommen wurde. Wenn aber Jesus am Rüsttag zum Sabbat (also Freitag vor 18 Uhr) gekreuzigt wurde, kann er nicht am Sabbat (also am Freitagabend nach 18 Uhr) mit seinen Jüngern ein Sabbatmahl eingenommen haben.

 

Willibald Bösen: „Den Synoptikern steht Johannes entgegen...Welcher der beiden Datierungen darf man folgen, der synoptischen oder der johanneischen? Die Diskussion ist zu einem exegetischen Dauerbrenner geworden, der immer wieder neu auflodert, den dauerhaft zu löschen, die Aussichten gering sind. Wie eine salomonische Lösung klingt der Vorschlag, den die französische Historikerin Annie Jaubert im Jahre 1957 macht. Im Zuge ihrer Quranstudienstößt sie auf die Beobachtung, daß um die Zeitenwende bei den Juden zwei verschiedenen Kalender in Gebrauch sind. In Jerusalem... ist der Mondkalender verbindlich, einem Sonnenkalender folgen die... Essener, die in Qumran am Toten Meer‚ eine ihrer Studien- und Ausbildungsstätten’ unterhalten...Nach dem offiziellen Jerusalemer Mondkalender zählt das Jahr insgesamt 354 Tage...Um die jährliche Differenz zum Sonnenjahr auszugleichen, wird alle zwei bis drei Jahre ein 13. Monat angehängt.“

 

Deshalb fallen die Fest auf verschiedene Wochentage. Das Passahfest wird immer am 15. Nisan gefeiert, aber es fällt auf verschiedene Wochentage. Nach dem Sonnenkalender wurde das Passahmahl an einem Dienstag gefeiert.

 

Millar Burrows schreibt 1958 auf Seite 71 in „Mehr Klarheit über die Schriftrollen“: „Die Schwierigkeit liegt darin, die Berichte der ersten drei Evangelien mit dem des Johannes in Einklang zu bringen. Das Passahmahl wird (gemäß der jüdischen Tradition) in der Nacht des 14. Nisan abgehalten, da man den Tag von Abend zu Abend rechnete. Nach den synoptischen Evangelien war das letzte Mahl von Jesus ein Passahmahl in der Nacht des 14. Nisan, und er wurde am 15. Nisan gekreuzigt. Nach dem Johannesevangelium wurde er am 14. Nisan gekreuzigt...“

Johannes Lehmann schreibt in „Jesus Report“: „Richtet man sich aber auf der anderen Seite nach der Chronologie von Matthäus, Markus und Lukas, kommt man mit den Terminen ins Gedränge, wie Schalom Ben-Chorin festgestellt hat:  ‚Sollte er nun in dieser Nacht, nach der Feier, durch jüdische Behörden verhaftet worden sein, so wäre es undenkbar, daß in dieser hochheiligen Nacht das Verhör im Hause des Hohenpriesters Kaiphas stattgefunden haben sollte, daß Jesus am Morgen des Festes dem Pilatus übergeben wurde und am ersten Tag des Passahfestes gekreuzigt worden sei. Dabei ist in dem Bericht immer wieder die Rede davon, daß wegen des herannahenden Sabbat besondere Eile geboten war, nie aber die Rede davon, daß der Feiertag selbst durch Gerichtsverhandlung, Hinrichtung und Begräbnis entweiht worden sei. Wer mit dem jüdischen Gesetz und Brauch vertraut ist, spürt sofort, daß all das eine bare Unmöglichkeit darstellt. Wäre Jesus in der Sedarnacht verhaftet worden, dann hätte man ihn bis nach den Feiertagen in Gewahrsam gelassen...der offensichtliche Widerspruch löst sich erst heute...Wir dürfen annehmen, daß Jesus, der durch...Johannes den Täufer vermutlich zur Sekte von Quran Fühlung hatte, den solaren Quran-Kalender benutzt hat, sodaß seine Sedarfeier einen Tag früher stattfand als die der offiziellen Kreise Jerusalems’.“

Johannes Lehmann: „Wenn man die Rechnung des vierten Evangelisten (Johannes) und damit die Zeitrechnung von Qumran zugrunde legt, konnte Jesus noch vor dem üblichen Passah-Termin der Israeliten verurteilt, gekreuzigt und begraben werden.“

Lehman schließt daraus: „Rabbi Jesus konnte also nicht in irgendeine Herberge gehen und das Sedarfest bestellen: noch war das Passahgeschirr nicht hervorgeholt und durfte nicht hervorgeholt sein, da man ja noch Gesäuertes aß -  eine Tatsache, die nur einem abendländischen Christen unwichtig vorkommen kann...Die Voraussetzung für ein vorverlegtes Sedarmahl nach dem Quran-Kalender war also, daß auch in Jerusalem Essener lebten, die bereits alles hergerichtet hatten, und die infolgedessen Rabbi Jesus und seine Anhänger zur Sedarfeier aufnehmen konnten.“

 

Wolfgang Klausnitzer: „Wann genau ist er gestorben ? Alle vier Evangelien stimmen darin überein, daß Jesus an einem Freitag hingerichtet worden ist. Unterschiedlich beschreiben sie die Stellung dieses Tages im jüdischen Festkalender. Nach den Synoptikern war dieser Freitag der erste Tag des Passahfestes. Das Johannesevangelium wird hier von den meisten Forschern jedoch als das historisch zuverlässigere angesehen. Für Joh. 18,18; 19,31 war dieser Freitag des Sterbens Jesu der „Rüsttag“ des eigentlichen Passahfestes, an dem die Passahlämmer geschlachtet wurden, bevor dann mit Einbrechen der Dunkelheit das Passahfest begann. Die synoptische Darstellung, Jesus sei am Passahfest hingerichtet worden, ist wegen der großen Bedeutung dieses Festes für die jüdische Frömmigkeit eher unwahrscheinlich. Markus 14,1 f berichtet ja selbst, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hätten die Hinrichtung am Festtag vermeiden wollen, um keinen Aufstand zu provozieren. Alle Evangelien stimmen darin überein, daß Jesus in der Nacht gefangen genommen und am darauf folgenden Tag gekreuzigt wurde. Das ist durchaus plausibel, wenn kein eigentliches formelles Gerichtsverfahren, sondern nur ein Informationsprozess vor den jüdischen Autoritäten stattgefunden und auch der römische Präfekt aufgrund der Anzeige nur eine Befragung durchgeführt hat. Wenn man in dem Zeitraum der Amtszeit des Pontius Pilatus nach den Jahren sucht, an denen der 14. Nisan, d. h. der Rüsttag für das Passahfest, auf einen Freitag fiel (und damit die johanneische Chronologie für historisch sicher hält), kommen die Jahre 30 und 33 in Frage. Die neueste, allerdings nicht ganz unumstrittene Berechnung von Walter Hinz kommt sehr detailliert auf den 30. März 28. Er rechnet alerding die drei Jahre der Mitregentschaft des Tiberius mit Augustus zu den Regierungsjahren des Kaisers. Das ist in den zeitgenössischen Quellen nicht belegt. Andere Autoren favorisieren das Jahr 30, ohne das andere Jahre endgültig ausgeschlossen  werden können“.

 

Verwendete Literatur:

 

Willibald Bösen: „Der letzte Tag des Jesus von Nazareth“, Herder Verlag Freiburg, Neuausgabe 1999

Johannes Lehmann: „Jesus Report“, 1970 Econ Verlag Düsseldorf, Taschenbuchausgabe: Knaur, München/Zürich 1973

Jürgen Roloff: „Jesus“, C.H. Beck Verlag, München 2000

Wolfgang Klausnitzer: „Jesus von Nazareth -  Lehrer – Messias –Gottessohn“, Pustet Verlag, Regensburg 2001

Rudolf Augstein: „Jesus -  Menschensohn“, 1999 Hofmann und Campe, Hamburg 1999,

Taschenbuchausgabe: DTV, München 2001