Wollte Lebensborn e. V. den Übermenschen züchten ?

 

Von Richard Beiderbeck, www.koinae.de        

 

 

Fakten über Lebensborn e. V.

(Amt 1b des SS-Hauptamtes, ein Amt im persönlichen Stab des Reichsführers-SS Heinrich Himmler)

 

Eine Internetrecherche ergab:

Die Organisation „Lebensborn e.V. wurde auf Veranlassung von Heinrich Himmler von zehn namentlich nicht bekannten SS-Führern am 12. Dez. 1935 in Berlin gegründet. Insgesamt gab es auf dem Gebiet des deutschen Reiches neun Heime der Organisation. In den eroberten Ländern Norwegen, Belgien und Frankreich entstanden dreizehn weitere Lebensborn-Heime, davon allein acht in Norwegen. Organisatorisch war Lebensborn e.V. zunächst dem Rasse- und Siedlungsamt der SS und dem SS-Wirtschafts-Verwaltungs-Hauptamt unterstellt, wurde dann aber 1938 als das „Amt 1b des SS-Hauptamtes“ dem persönlichen Stab des Reichsführer-SS Heinrich Himmler eingegliedert. (Amt 1a war das „Amt Ahnenerbe“).

Zielsetzung des Vereins war der Kampf gegen die Abtreibung und die Erhöhung der Geburtenrate.

 

Ein Leser dieses Artikels hat mir in dankenswerter Weise folgendes Zitat zugesandt:

Heinrich Himmler: SS-Befehl für die gesamte SS und Polizei

Faksimile
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Der Reichsführer SS                 Berlin, den 28. Oktober 1939
        und
Chef der Deutschen Polizei
im Reichsministerium des Innern
 
 
SS-Befehl
für die gesamte SS und Polizei
 
 
Jeder Krieg ist ein Aderlaß des besten Blutes. Mancher Sieg der
Waffen war für ein Volk zugleich eine vernichtende Niederlage
seiner Lebenskraft und seines Blutes. Hierbei ist der leider
notwendige Tod der besten Männer, so betrauernswert er ist, noch
nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist das Fehlen der während
des Krieges von den Lebenen und der nach dem Krieg von den Toten
nicht gezeugten Kinder.
 
   Die alte Weisheit, daß nur der ruhig leben kann, der Söhne und
Kinder hat, muß in diesem Kriege gerade für die Schtzstaffel wieder
zur Wahrheit werden. Ruhig kann der sterben, der weiß, daß seine
Sippe, daß all das, was seine Ahnen und er selbst gewollt und
erstrebt hat, in den Kindern seine Fortsetzung findet. Das größte
Geschenk für die Witwe eines Gefallenen ist immer das Kind des
Mannes, den sie geliebt hat.
 
   Über die Grenzen vielleicht sonst notwendiger bürgerlicher
Gesetze und Gewohnheiten hinaus wird es auch außerhalb der Ehe
für deutsche Frauen und Mädel guten Blutes eine hohe Aufgabe
sein können, nicht aus Leichtsinn, sondern in tiefstem sittlichem
Ernst Mütter der Kinder ins Feld ziehender Soldaten zu werden, von
denen das Schicksal allein weiß, ob sie heimkehren oder für
Deutschland fallen.
 
   Auch für die Männer und Frauen, deren Platz durch den Befehl
des Staates in der Heimat ist, gilt gerade in dieser Zeit die
heilige Verpflichtung, wiederum Väter und Mütter von Kindern zu
werden.
 
   Niemals wollen wir vergessen, daß der Sieg des Schwertes und das
vergossene Blut unserer Soldaten ohne Sinn wären, wenn nicht der
Sieg des Kindes und das Besiedeln des neuen Bodens folgen würden.
 
   Im vergangenen Krieg hat mancher Soldat aus Verantwortungs-
bewußtsein, um seine Frau, wenn sie wieder ein Kind mehr hatte,
nicht nach seinem Tode in Sorge und Not zurücklassen zu müssen,
sich entschlossen, während des Krieges keine weiteren Kinder zu
erzeugen. Diese Bedenken und Besorgnisse braucht Ihr SS-Männer
nicht zu haben; sie sind durch folgende Regelung beseitigt:
 
  1. Für alle ehelichen und unehelichen Kinder guten Blutes, deren
     Väter im Kriege gefallen sind, übernehmen besondere, von mir
     persönlich Beauftragte im Namen des Reichsführers SS die
     Vormundschaft. Wir stellen uns zu diesen Müttern und werden
     menschlich die Erziehung und materiell die Sorge für das
     Großwerden dieser Kinder bis zu ihrer Volljährigkeit über
     nehmen, so daß keine Mutter und Witwe aus Not Kümmernisse
     haben muß.
  2. Für alle während des Krieges erzeugten Kinder ehelicher und
     unehelicher Art wird die Schutzstaffel während des Krieges
     für die werdenden Mütter und für die Kinder, wenn Not oder
     Bedrängnis vorhanden ist, sorgen. Nach dem Kriege wird die
     Schutzstaffel, wenn die Väter zurückkehren, auf begründeten
     Antrag des einzelnen wirtschaftlich zusätzliche Hilfe in
     großzügiger Form gewähren.
 
SS-Männer
und Ihr Mütter dieser von Deutschland erhofften Kinder
     zeigt, daß Ihr im Glauben an den Führer und im Willen zum
     ewigen Leben unseres Blutes und Volkes ebenso tapfer, wie
     Ihr für Deutschland zu kämpfen und zu sterben versteht,
     das Leben für Deutschland weiterzugeben willens seid!
 
                                           Der Reichsführer SS
                                           [Unterschrift]
                                           H. Himmler

 


 

Quelle:

  1. Norbert Westenrieder
    "Deutsche Frauen und Mädchen!"
    Düsseldorf 1984, S. 42

 

 

Irene Bazinger schreibt in einer Rezension zu dem Buch von Dorothee Schmitz-Köster „Deutsche Mutter, bist du bereit...Alltag im Lebensborn“, Aufbau-Verlag Berlin 1997: „Frauen und Männer ‚guten Blutes’ sollten sich zum Wohle der ‚nordischen Rasse’ und des deutschen ‚Übermenschen’ rege vermehren und eine ‚erbgesunde’, ‚arisch’ einwandfreie Nachkommenschaft bzw. SS-Elite heranzüchten.

Mit Realitäten...haben all die schlüpfrigen Legenden nichts zu tun, die aus den Lebensborn-Heimen pervers schicke ‚Edelbordelle’ machen, in denen stramme „Zuchtbullen der SS’ – übrigens zeitgenössische Ausdrücke – mit ausgesuchten deutschen Mädels Nachwuchs für den ‚arischen Adel’ zeugten. ‚Daß der Lebensborn keine derartige Praxis betrieben hat, ist längst nachgewiesen’, konstatiert Schmitz-Köster.

 

Gefördert wurde dieses falsche Bild von den Lebensborn-Heimen als Sexfarmen durch den deutschen Film „Lebensborn e. V.“ von Arthur Brauner, der Ende der 50-er Jahre weltweites Interesse fand und wohl auch ein Kassenerfolg wurde. Hier wurde „Lebensborn“ Sexpark und Brutfarm für die Herrenrasse dargestellt.

 

Auf der ZDF-Infoline (http://www.zdf.de/wissen/37grad/36161/index.html) lesen wir: „Die (Lebensborn-)Kinder galten als ‚arische Elite’, denn ihre Väter waren meist hohe SS-Offiziere oder hohe Polizeiführer. Alle Lebensborn-Heime hatten eine gemeinsame Aufgabe. Sie sollten die sogenannte Auslese fördern, den Grundstein für eine neue Rasse legen. Die Kinder sollten blond und blauäugig sein und galten nach den Vorstellungen im Dritten Reich als ‚arisches’ Ideal. Aber auf viele Kinder wartete ein trauriges Schicksal. Wurzellos wuchsen Jungen und Mädchen in Pflegefamilien und Waisenheimen auf, ohne je etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Mindestens 5.000 von ihnen sind heute noch auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern oder nahen Verwandten. Manche haben nur durch Zufall etwas über ihre wahre Identität herausgefunden. Die SS entwickelte ein spezielles System, um die Herkunft der Kinder zu verschleiern. Alle Lebensborn-Geburten wurden in eigenen Standesämtern registriert. Niemand von außen sollte Einblick erhalten. Bei Kriegsende wurden angeblich fast alle Unterlagen durch die SS oder die Allierten vernichtet.“ Soweit die ZDF-Infoline.

 

Im Internet schreibt Irene Depner in ihrem Artikel „Der ‚Lebensborn e.V.’ – Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik“:

„...Kinder für den Führer- aber die Rasse muß rein sein. Für die Verwirklichung seiner Pläne benötigte Hitler eine umfangreiche Nachkommenschaft des Deutschen Volkes. Das Reinheitskriterium der arischen Rasse stand dabei im Vordergrund...

Die Idee des ‚Lebensborn e.V.’ bestand darin, die bevölkerungspolitische Sorge um die ledige Mutter zu mildern...Um diesen Zweck zu erfüllen, war es erstrebenswert, die Lebensbedingungen der ledigen Mutter und ihres Kindes weitgehend dem ehelichen Status anzugleichen. Dahinter lag einzig und allein die Intention, der unverheirateten Frau die Angst vor der Schwangerschaft zu mildern und die soziale Benachteiligung der unehelich geborenen abzubauen. Schließlich waren sie die Menschen, die Hitler für die Verwirklichung seiner Zukunftsutopien benötigte...

Der Lebensborn e.V. bediente sich vorwiegend fürsorglicher Maßnahmen; Mutter und Kind standen während ihres Heimaufenthaltes unter ständiger ärztlicher Kontrolle. Außerdem wurde ihnen der Unterhalt gezahlt und sie bekamen Arbeitsplätze vermittelt...Die ledige Mutter und ihr Kind sollten vor Diffamierungen durch die Gesellschaft geschützt werden. Man wollte mit dem Verein dazu beitragen, das Deutsche Volk biologisch zu stärken, um Hitlers Plan der Eroberung neuen Lebensraums nicht nur militärisch, sondern auch bevölkerungspolitisch durchzuführen.

 

Auf der englischsprachigen Webseite http://www.hyperbooks.com/terrorist/adopt17html lesen wir:

„Die Lebensborn Bruthäuser zogen die Kinder auf, die sorgfältig ausgelesene unverheiratete junge arische Mädchen mit sorgfältig ausgelesenen jungen ‚arischen’ SS-Männern hatten. Die Babies wurden der Mutter bei der Geburt weggenommen und ärztlich untersucht durch die Lebensborn-Doktoren; Kinder mit Defekten wurden getötet und die gesunden an „gute Nazis“ als Pflegeeltern weitergegeben. Nach dem Krieg begann eine geheime Organisation von Ex-SS-Männern und Lebensborn-Brutmüttern nach den Kindern zu suchen, die sie gezeugt hatten.

Lebensborn nahm jedes Kind von jedem Juden, Partisan und jedes blonde, blauäugige Kind, das sie schnappen konnten in den eroberten Ländern. Das ist der Grund, warum man so wenige junge Kinder auf den Holokaust-Photos sehen kann.

Diejenigen, die den „Arier“-Kriterien entsprachen, wurden „guten Nazis“ zur Adoption gegeben. Der Rest wurde getötet, oder, wenn sie alt genug waren, sterilisiert und zur Sklaven-Arbeit verwendet.“

 

Nach Ende des Krieges wurde der Fall "Lebensborn" zwischen Oktober 1947 und März 1948 vor dem Amerikanischen Militärgerichtshof 1 in Nürnberg verhandelt. 14 Funktionäre des Rassen- und Siedlungshauptamts wurden angeklagt und nach einem sechs Monate dauernden Prozess freigesprochen. Das Urteil wurde wie folgt begründet: "Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, dass der Verein Lebensborn, der bereits lange vor dem Krieg bestand, eine Wohlfahrtseinrichtung und in erster Linie ein Entbindungsheim war. Von Anfang an galt seine Fürsorge den Müttern, den verheirateten sowohl wie den unverheirateten, sowie den ehelichen und unehelichen Kindern. Der Anklagevertretung ist es nicht gelungen, mit der erforderlichen Gewissheit die Teilnahme des Lebensborn und der mit ihm in Verbindung stehenden Angeklagten an dem von den Nationalsozialisten durchgeführten Programm der Entführung zu beweisen. Der Lebensborn hat im allgemeinen keine ausländischen Kinder ausgewählt und überprüft. In allen Fällen, in denen ausländische Kinder von anderen Organisationen nach einer Auswahl und Überprüfung an den Lebensborn überstellt worden waren, wurden die Kinder bestens versorgt und niemals in irgendeiner Weise schlecht behandelt. Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, dass der Lebensborn unter den zahlreichen Organisationen in Deutschland, die sich mit ausländischen nach Deutschland verbrachten Kindern befassten, die einzige Stelle war, die alles tat, was in ihrer Macht stand, um den Kindern eine angemessene Fürsorge zuteil werden zu lassen und die rechtlichen Interessen der unter seine Obhut gestellten Kinder zu wahren."

 

Wollte Lebensborn e. V.den Übermenschen züchten ?

 

Himmler wollte aus dem „Menschenreservoir“ der SS einen neuen Adel züchten. Er wollte aber nicht den Übermenschen züchten. Für die Nazis war der Arier der Herrenmensch, aber nicht der Übermensch in dem Sinne, dass er übermenschliche Fähigkeiten hatte. Mit Übermenschen hatten die Nazis wenig oder nichts am Hut.

 

Nach ihrer Rassenideolgie gab es in grauer Vorzeit einmal die Rasse der Arier. Aber diese reine Rasse (ohnehin ein Fiktion) sei durch Kreuzung mit „unreinem Blut“ quasi immer mehr verwässert worden. Die Nazi wollte also eine Art Rückkreuzung. Sie suchten Menschen, die das „Arierblut“ in möglichst unverdünnter Form enthielt. Diese wollten sie miteinander paaren, um das „Arierblut“ in immer reinerer Form zu bekommen. Sie wollten also nicht eine neue Rasse züchten, sondern eine alte Rasse zu neuem Leben erwecken.

Sie dachten vielleicht auch daran, aus dieser Arier-Rasse eine Elite, einen Adel unter den Ariern zu züchten.