Wir  brauchen eine Weltföderation der Metropolregionen !

Von Richard Beiderbeck  www.koinae.de   

 

 

In der Bundesrepublik Deutschland sollen die Bundesländer durch Metropolregionen ersetzt werden

 

Die Grenzen der Bundesländer gehen auf historische Entwicklungen zurück und entsprechen nicht mehr den heutigen wirtschaftlichen und verkehrtechnischen Gegebenheiten. Nehmen wir einmal die Doppelstädte Mannheim-Ludwigshafen oder Mainz-Wiesbaden. Diese Städtepaare gehören unterschiedlichen Bundesländern an. In Wirklichkeit sind sie Teil von Metropolregionen. Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Frankenthal, Speyer, Worms u.a. bilden die Metropolregion Rhein-Neckar. Dies spiegelt sich darin wieder, dass es einen Verkehrverbund Rhein-Neckar gibt, der von Zweibrücken, Kaiserlautern bis fast in die Gegend von Würzburg reicht. Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Hanau, Darmstadt, Gießen usw. bilden die Metropolregion Rhein-Main, und folglich verbindet der Rhein-Main-Verkehrsverbund diese Städte – ohne Rücksicht auf Landesgrenzen. Die Praktiker in den Stadtverwaltungen ignorieren die Ländergrenzen einfach und orientieren sich an den praktischen Gegebenheiten.

 

Es wäre sinnvoll eine Neugliederung des Bundesgebietes in der Weise vorzunehmen, dass die Bundesländer durch Metropolregionen ersetzt werden. Das würde z. B. die schon längst fällige Zusammenlegung des Landes Berlin mit dem Land Brandenburg bedeuten.

 

Die Metropolregionen sollen ohne Rücksicht auf die nationalen Grenzen gebildet werden

 

Wenn man sich in diese Sache weiter vertieft, stößt man auf Metropolregionen, welche die nationalen Grenzen überschreiten. In meiner Heimat Oberbayern reicht die Metropolregion Salzburg nach Oberbayern hinein. Die Region Saar-Lor-Lux (Saarbrücken, Lorraine, Luxemburg) liegt in Frankreich, Deutschland und Luxembourg.

 

Die Einteilung Deutschlands in Bundesländer (oder in Frankreich: in départements) macht nicht mehr viel Sinn. Besser wäre es, die Europäische Union in Metropolregionen zu untergliedern.

 

Die Randgemeinden sollen verwaltungsmäßig in die Metropolregionen integriert werden

 

Wenn ich meine Heimat-Metropole München betrachte, sehe ich eine Metropole, die von dem berühmten „Speckgürtel“ der selbständigen Nachbargemeinden umgeben ist. Weil im Umland die Steuern und die Grundstückpreise niedriger sind, haben sich die Betriebe in z. B. in Feldkirchen, Neufahrn usw. niedergelassen. Aber diese rasch gewachsenen Orte leben durch die Metropole München und die überwiegende Mehrzahl ihrer Bewohner profitieren von dem Arbeitsplatzangebot und dem kulturellen Angebot in München. Diese Randgemeinden sind faktisch ein Teil von München – auch wenn eine Eingliederung nur für die direkt an München grenzenden Gemeinden in Frage käme. Aber alles, was im Bereich des Münchner Verkehrsverbundes liegt, ist mit der Stadt eine Einheit, die auch eine gemeinsame Verwaltung haben sollte, eben die Metropolregion München.

 

Die Europäische Föderation der Metropolregionen

 

Ich glaube, in den Rathäusern der großen Metropolen ist man den tatsächlichen Gegebenheiten auf unserer globalisierten Welt wesentlich näher als in den nationalen Parlamenten und Regierungen. Deshalb fällt den Bürgermeistern der großen Städte, besonders natürlich der Weltstädte, eine besondere Rolle bei der Einigung unseres Planeten und der Abschaffung aller Kriege, aller Not und aller Verbrechen eine besondere Rolle zu. Sie sind nämlich von Amts wegen Pragmatiker, die mit den Folgen politischer Fehlentscheidungen, die auf nationaler Ebene getroffen werden, ständig konfrontiert sind, z. B. mit der Arbeitslosigkeit, der Migration, dem Drogenhandel und dem Verbrechen.

 

Die großen Metropolen sollen sich deshalb zu einer Föderation der Metropolregionen zusammenschließen und nach und nach die nationalen Regierungen zum erheblichen Teil überflüssig machen und so eine Art Weltregierung der Pragmatiker bilden. Dies wäre eine Antwort auf das Versagen und offenkundige Scheitern der UNO.

 

Das klingt kühn und aberwitzig, und die letzten, die dem zustimmen würden, wären die Bürgermeister in den großen Metropolen, weil sie das Gefühl haben, dass jetzt schon zu viele Lasten auf ihren Schultern abgeladen werden, und dass sie jetzt nicht auch noch die großen Probleme der Menschheit lösen können. Aber unsere Zivilisation ist durch eine zunehmende Urbanisierung geprägt, und die Metropolen werden immer wichtiger. Das schlägt sich aber bisher leider nicht in ihrem politischen Gewicht nieder.

 

Die Metropolen sind diejenigen, die am meisten Angst vor einem Krieg oder vor einem wirtschaftlichen oder gar zivilisatorischen Niedergang haben müssen. Nur wenn Frieden ist und dies ständige Zufuhr von Waren, Energie, Wasser und Nachrichten in die Metropolen funktioniert, können sie existieren. Sie sind überaus anfällig gegen Terroranschläge und Verbrechen. Sie sind aber auch besonders aufgeschlossen für alle sozialen Fragen und sie sind am wenigsten xenophob. Sie sind, ob ihnen das gefällt oder nicht, diejenigen, welche die Welt sanieren müssen. Ein Dorf kann sich notfalls aus den eigenen Ressourcen ernähren und die Stürme der Zeit überstehen. Aber eine Stadt muß stets befürchten, zu einer Ruinenstadt zu werden.

 

In diesem Sinne halte ich es für notwendig, dass (zunächst die europäischen Metropolregionen) einen transnationalen Verbund bilden. Das Ganze könnte damit beginnen, dass sich ein paar Bürgermeister deutscher Großstädte irgendwo privat miteinander austauschen. Dann wird man schnell darauf kommen, dass Bundesregierung eigentlich viel zu viel hineinregiert und dass die Art ihres Regierens uneffizient, ja sogar schädlich ist. Man wird übereinkommen, dass man für die gemeinsamen Probleme der Metropolen gemeinsame Lösungen ausarbeitet.

 

Das jüngste Beispiel ist der geplante Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Münchner Flughafen. Das Land Bayern und der Bund wollen der Stadt ein Verkehrssystem verpassen, daß diese gar nicht will und nicht braucht. Der pragmatisch denkende Münchner Oberbürgermeister Ude hat nämlich erkannt, daß die wenigen Minuten, die man durch den Transrapid gegenüber einem schnell fahrenden Zug einspart, beim Umsteigen auf ein anders Verkehrssystem wieder verloren gehen.

 

Der Deutsche Städtetag ist nur ein bescheidener Anfang von dem, was die Föderation der Metropolregionen werden soll. Der nächste Schritt könnte z. B. sein, dass auch die Bürgermeister von Salzburg, Innsbruck, Basel, Straßburg usw. einbezogen werden und dass man nach Wegen sucht, wie man den von den nationalen Regierungen produzierten Unsinn neutralisieren kann.  Schließlich wird man eine Reform zur Neuordnung der Verwaltungseinheiten auf nationaler Ebene durchsetzen, der an die Stelle der Bundesländer die Metropolregionen setzt – von Metropolregionen, die nationale Grenzen ignorieren und wenn man so will, eine eigene Außenpolitik betreiben.

Am Schluß soll es dann die Föderation der Europäischen Metropolregionen geben.

 

Das Fernziel soll der Ersatz der Bundesländer durch die Metropolregionen sein. Darüber hinaus sollen von der Bundesregierung viele Kompetenzen an die Metropolregionen abgegeben werden. Auf lange Sicht sollen die nationalen Regierungen den größten Teil ihrer heutigen Bedeutung verloren haben. Stattdessen sollen die Metropolregionen und ihre Föderation die maßgebende staatliche Instanz sein.

 

Warum die nationalen Regierungen an Macht verlieren und die Metropolregionen an Macht gewinnen sollen

 

Die nationalen Regierungen in ihrer Macht einzuschränken und die Metropolregionen aufzuwerten würde bedeuten, die großen Nationen in kleinere Teilstücke zu zerlegen, die wiederum zu einer übernationalen Einheit zusammenwachsen können. Die Weltgeschichte ist eine Geschichte der der Großreiche und Großmächte. Sie haben die Welt in Einflußsphären eingeteilt und ihre nationalen Interessen notfalls durch Kriege durchgesetzt. Zur Zeit gibt es nur noch eine wirkliche Großmacht: die USA. Sie ist es, die eine Weiterentwicklung der UNO verhindert und sie ist es, welche verhindert, dass die Welt eine Föderation von gleichberechtigten Staaten wird. Gleichberechtigung ist den USA nämlich zu wenig: für die USA kann es nur die Überlegenheit und die Führungsrolle geben. Aber im Hintergrund arbeitet schon China darauf hin, der USA aus dieser Rolle zu verdrängen.

 

Meine Idee ist es, all diese Imperien und großen Nationalstaaten in Metropolregionen zu zerlegen und zu einer weltweiten Föderation zusammenwachsen zu lassen. Das käme einer Entmachtung der Großmächte gleich.

 

Die Bildung einer Föderation der Metropolregionen ist innerhalb der Europäischen Union besonders günstig. Ihre Struktur erleichtert es, daß sich Metropolregionen über Staatsgrenzen hinweg erstrecken können.