Jesus Christus erscheint 1947 Hans Kurt Naber

und offenbart ihm, dass er die Kreuzigung überlebt hat

Von Richard Beiderbeck, www.koinae.de

 

 

Quellen: John Reban (alias Hans Naber alias Kurt Berna): „Christus wurde lebendig begraben – Jesus –Nicht am Kreuz gestorben“ Inter-Found-Publisher, Zürich und London 1976

Holger Kersten und Elmar R. Gruber:  „Das Jesus Komplott – Die Wahrheit über die Auferstehung“, Verlag Langen-Müller, München 1992

Holger Kersten und Elmar R. Gruber:  „Jesus starb nicht am Kreuz – Die Botschaft des Turiner Grabtuches“, Heyne Verlag München, 1998

 

1.     Jesus erschient Hans Naber:

In seinem Buch „Christus wurde lebendig begraben“ schreibt „John Reban“ alias Hans Naber (von mir verkürzt wiedergegeben):

„Absolut unerwartet begannen in den frühen Morgenstunden des 16. Feb. 1947 vor meinen Augen die Ereignisse (der Kreuzigung, des Begräbnisses, der Auferstehung und der Himmelfahrt) vor meinen Augen abzurollen. Ich sah, wie die Lanze (des römischen Soldaten) von rechts nach links oben durch die Brust (Jesu Christi) stach. Dies sah ich sozusagen in Großaufnahme, ich war so nahe an der Brust, dass ich nur die Lanzenklinge und einen Teil vom Lanzenschaft in die Brust eindringen sah und oben wieder die Lanzenspitze heraustreten sah.

All diese Umstände (er meinst wohl Zustände) dauerten bis zum 23. Februar 1947, also rund sieben Tage. Alles war in ganz wachem Zustand und jeder Schlaf während dieser Zeit einfach unmöglich.

Für mich war natürlich das bedeutendste Ereignis, dass der Herr Jesus Christus persönlich vor mir stand und mit mir gesprochen hat. Ich habe von Angesicht zu Angesicht mit ihm gesprochen.

Anderthalb Jahre später, 1948, sah ich auf dem Grabtuch von Turin das Gesicht von Jesus Christus. Da wusste ich mit absoluter Sicherheit, dass es Jesus war, der mit mir gesprochen hat. Ich wusste aber auch sofort genau, dass das Grabtuch echt ist, denn die Gesichtszüge stimmten genau überein.“

 

Naber hielt die Botschaft Christi schriftlich fest. Hier der gekürzte Wortlaut:

„Ich habe euch die Wahrheit gelehrt. Ihr wolltet nicht glauben. Ihr habt mich ans Kreuz geschlagen. Höret mein Geheimnis. Ich bin nicht am Kreuz gestorben. Seine Lanze stieß von unten in meine Brust. Mein Herz hat sie nicht getroffen. Mein Körper war wie leblos, aber nicht tot. Das Herz hat noch geschlagen. Meine Wunden wurden mit Balsam bestrichen. Mein Körper mit Tüchern umhüllt. Joseph von Arimathäa legte mich in ein Felsengrab. Mein Körper konnte ruhen. Mein Herz wurde stärker. Am dritten Tag kam mein Geist zurück. Dann bin ich auferstanden. Sie haben mich nicht erkannt. Ich habe meinen Auftrag beendet. Mein Reich wurde errichtet. Es gibt nur noch einen Herrscher. Ich hebe alle Grenzen der Welt auf. In meinem Reich gibt es keine Grenzen. In meinem Reich gibt es keine Parteien. Alle Regierungen sind ohne Amt. In meinem Reich gibt es nur Diener. Aller Besitz ist mein Eigentum. In meinem Reich gibt es keinen Besitz. Alles Gold und Geld ist ohne Wert. Alle Gesetze sind außer Kraft. In meinem Reich gilt nur mein Gesetz. Wehe dem Ungläubigen, der mehr hat, als er braucht. Mein Engel ist unter euch. Arbeitet und betet. Die Wahrheit hat euch frei gemacht.“

 

Sachlich betrachtet, enthält der Wachtraum Nabers nichts, was er nicht schon vorher hätte wissen können. Am Kreuzestod Jesu wurde spätestens seit dem Beginn der Aufklärung gezweifelt. Nabers Reich Gottes ist eine Mischung aus Theokratie, sozialistischem Arbeiterparadies und Benediktinerkloster (Arbeitet und betet“). Faktisch wird diese Reich Gottes von einem Sonnekönig in Hitlers Manier regiert. Pate gestanden für Nabers Formulierungen haben auch Kaiser Karl der Fünfte („In seinem Reich geht die Sonne nicht unter“) und Kaiser Wilhelm II. („Ich kenne keine Parteien, ich kenne nur noch Deutsche“) und der KZ-Spruch: „Arbeit macht frei“.

Man erkennt, dass das Unterbewusstsein Nabers aus verschiedenen Ideen und Schlagworten, die Allgemeingut sind, und aus Bibeltexten eine Botschaft Christi zusammengebastelt hat. Da ist keine göttliche Offenbarung zu erkennen – Gott sei Dank, denn dieses Gottesreich wäre zum Fürchten.

 

Eins aber ist bemerkenswert an dieser Neuoffenbarung: Die Behauptung, dass Jesus die Kreuzigung überlebt haben könnte. Da könnte Naber nämlich Recht haben.

 

2.     Nabers Rekonstruktion der Auferstehung:

Nachdem also Jesus die Kreuzigung überlebt hatte, stand er vor dem Problem, dass er keine Kleider hatte, denn gemäß den Berichten der Evangelien wurden ihm vor der Kreuzigung alle Kleider abgenommen und die Soldaten würfelten darum. Naber vermutet, dass Jesus in der Nähe die Kleidung eines Gärtner fand. Naber schreibt: „Die borgte er sich aus ging damit zur Stadt und beschaffte sich dort geeignete Kleidung“. Vorher begegnete er aber noch den Frauen, die in der Gruft nach seinem Leichnam suchten. Wieso Gärtnerkleidung ?  In Johannes 20, ab Vers heißt es, dass Jesus Maria Magdalena in der Gruft des Grabes gegenübertritt: „Jesus sagt zu ihr: ‚ Weib, was weinst du ? Wen suchst du ?’ Jene, in der Meinung, der sei der Gärtner, sagt zu ihm: ‚Hast du ihn (den Leichnam Jesu) weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich will ihn holen’. Jesus sagte zu ihr: ‚Maria !’. Da wendet sich diese um und sagt zu ihm: ‚Rabbi !’ (Meister). Jesus sagt zu ihr: ‚Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren.’“

Nabers Version, dass Jesus einfach mal in die Stadt Jerusalem gegangen sei, um sich mit Kleidern zu versorgen, ist natürlich völlig abwegig.

 

Aber auch die Geschichte, welche die Bibel auftischt, ist unglaubwürdig. Wenn wir annehmen, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat, was sogar wahrscheinlich ist, dann muß er in einem sehr geschwächten Zustand gewesen sein, dem Tode näher als dem Leben. Immerhin hat er einen Lanzenstich erhalten, der das Herz nur knapp verfehlte. Jesus konnte nur mit Hilfe von einer fachkundigen Pflege überlebt haben und es muß Wochen gedauert haben, bis Jesus einigermaßen wiederhergestellt war. In der Grabesgruft kann er nur etwa zwei Tage geblieben sein, wo man ihn soweit wiederherstellte, dass er transportfähig war. Seine Freunde, wahrscheinlich Joseph von Arimathäa und Nikodemus haben ihn vermutlich in der Nacht bevor das Grab leer gefunden wurde, heimlich aus der Gruft weggebracht und irgendwo in der Nähe gesundgepflegt. Maria Magdalena und die anderen Frauen nahmen wohl von Anfang an der Pflege Jesu teil. Sie besorgten die Binden und Salben. Die Jünger waren wohl nicht eingeweiht, sondern Maria Magdalena erzählte ihnen nur, dass Jesus am Dritten Tage auferstanden sei (so wie es bei den Propheten prophezeit war) und das Grab verlassen habe. Das Denkmuster Jesu und seiner Umgebung (bis hin zu den Evangelisten) war von der jüdischen Religion geprägt. Ein zentraler Punkt dieser Religion war, dass die biblischen Prophezeiungen erfüllt würden.  Nach diesem Denkmuster musste Jesus am Dritten Tag als der Auferstandene erscheinen. In Wirklichkeit war er aber viel zu schwach und musste in einem Versteck in der Nähe gesundgepflegt werden.

 

Jesus kann auch nicht den an dem dritten Tage nach der Kreuzigung zwei Anhängern, in dem Dorf Emmaus, nahe bei Jerusalem, erschienen sein, wie das Naber in Anlehnung an die Bibel annimmt.

Wochen später allerdings zeigte sich Jesus den Jüngern, und sie konnten sich persönlich überzeugen, dass er kein Geist war. In Lukas 24, ab Vers 36 heißt es: „Während sie aber redeten, trat er selbst mitten unter sie. Da gerieten sie in Bestürzung und Furcht und meinten, einen Geist zu sehen. Und er sprach zu ihnen: ‚Was seid ihr erschrocken, und warum steigen Bedenken in euerem Herzen auf ? Sehet meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin ! Rühret mich an und sehet !, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, dass ich es habe’. Da sie aber in ihrer Freude noch nicht glaubten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: ‚Habt ihr etwas zu essen hier ?’ Da reichten sie ihm ein Stück von einem gebratenem Fisch. Und er nahm es und aß es vor ihren Augen.“

 

In dieser Bibelstelle sieht Naber, wohl nicht zu Unrecht, einen Beweis dafür, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat.

 

3. Nabers theologische Deutung der Kreuzigung:

Naber ist gläubiger Christ, und er glaubt an die Himmelfahrt Christi. Wie kann er das aber mit seiner Erkenntnis in Einklang bringen, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat ? Ganz einfach: Er schreibt, dass der Leib Jesu erst später, eben vor der Himmelfahrt, in den Auferstehungsleib umgewandelt wurde. Diesen Auferstehungsleib der gläubigen Christen muß man sich als eine Art „Astralleib“ oder „feinstofflichen Leib“ im Sinne von Rudolf Steiner oder anderer Esoteriker vorstellen – wobei ich selbst das nicht nachvollziehen kann.

 

Naber kommt zu dem Schluß, dass Paulus einem Irrtum unterliegt. Paulus geht aus der Sicht Nabers davon aus, dass Jesus am dritten Tag nach der Kreuzigung seinen Auferstehungsleib angenommen hätte. Ähnliches nehmen christliche Theologen und auch Esoteriker an, die glauben, dass der materielle Körper Christi sich im Grab in einen feinstofflichen „Auferstehungsleib“ verwandelt habe. Bei dieser Umwandlung sei ein Energieblitz entstanden, der das Abbild Christi in des Turiner Grabtuch gebrannt habe.

Der Irrtum des Paulus besteht nach Naber darin, dass er davon ausgeht, dass Christus in den vierzig Tagen nach seiner Auferstehung schon im Auferstehungsleib den Frauen und den Jüngern erschienen sei und er diese Christuserscheinungen mit der Christuserscheinung gleichsetzte, die er (Paulus) auf dem Weg nach Damaskus erlebt habe.

 

Warum es Naber eigentlich geht, ist ein anderes Dilemma für jeden Christen, der an die Theologie des Paulus glaubt: Wenn Jesus nicht am Kreuz gestorben ist, dann hat Jesus auch nicht die Sünden der Menschheit quasi als Opferlamm auf sich genommen und damit die Menschheit erlöst. Ohne Kreuzestod also keine Erlösung.

Um dieses Dilemma zu umgehen, sagt Naber: Entscheidend ist nicht der Tod am Kreuz, sondern dass Jesus für die Menschheit gelitten hat und für sie sein Blut vergossen hat. Dabei spielt das Blut Christi für Naber eine ganz besondere Rolle. Er beruft sich dabei auf eine apostolisches Schreiben von Papst Johannes dem 23., der am 2. Juli 1960 an die Bischöfe schrieb (laut Naber): „Die Verehrung des Blutes Christi, des Kaufpreises unserer Erlösung... ein einziger Tropfen schafft die ganze Erde neu, wäscht alle Sünden rein, macht alle schudlfrei...“

Daraus folgert Naber: „Die vollkommene Erlösung der Menschen ist durch das Blut Christi erfolgt ! (Sein) Sterben war nicht erforderlich...wer in diesen Fragen auf Paulus baut, der hat auf Sand gebaut.“

 

4.     Nabers Deutung, warum ihm Jesus erschien:

Aus der Sicht Nabers erschien ihm Jesus, damit er der Welt verkünde, dass er die Kreuzigung überlebt habe. Damit sei der Beweis erbracht, dass Jesus der wahre Messias und König der Juden sei.

Wie ist das zu verstehen ?

Im Matthäus-Evangelium wird geschildert, wie die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Mitglieder des Ältestenrates über den am Kreuz hängenden Jesus spotten: „Andere hat er gerettet, sich selbst kann er aber nicht retten. Wenn er der König Israels ist, dann steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben.“

Für Naber ist dies nicht nur Spott, sondern diejenigen, die Jesus verurteilt hatten, waren sich nicht sicher, ob Jesus nicht doch der Messias sei, und hätten ihn deshalb einem Gottesgericht unterzogen, einer „Gottesprobe“, wie es Naber nennt.

Auch Jesus habe in der Kreuzigung eine „Gottesprobe“ gesehen, die er hoffte, zu bestehen. Er habe damit gerechnet, dass Gott ihm am Kreuz zu Hilfe eilen werde, und sei tief enttäuscht gewesen, als dies nicht geschah. Deshalb auch der Ausspruch Jesu: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen ?“

Da aber Jesus die Kreuzigung überlebt habe, sei dies ein Beweis dafür, dass er der wahre Messias sei. Diese Botschaft wollte aus der Sicht Nabers Jesus durch ihn der Welt mitteilen.

Auf einen anderen Aspekt legt Naber noch Wert: Da Jesus nicht am Kreuz starb, waren die Juden auch nicht die Mörder Christi.

Da Jesus also die Gottesprobe bestanden habe, stehe für die Juden nichts mehr im Weg, auch an Jesus Christus als den Messias zu glauben. Die Juden könnten sich damit also zum Christentum bekehren und in der Christenheit aufgehen. So würde dann auch die Christenheit endlich vollkommen.

 

Leider übersieht Naber dabei, dass, obwohl sich Christus in der „Gottesprobe“ als der wahre Messias erwiesen hat (und er über den Tod und die Hölle triumphierte), das Reich Gottes nicht gekommen ist. Vielmehr wurde im Jahr 70 der Tempel in Jerusalem zerstört und das jüdische Volk erlitt immer neue Verfolgungen und Katastrophen.

 

5. Kritische Betrachtung der Naberschen Thesen:

Naber war einer der ersten, der erkannt hat, dass das Grabtuch von Turin zeigt, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat. Er ging aber nicht konsequent weiter und folgerte daraus, dass Jesus ein Mensch war, der keinerlei göttlichen Status hatte. Wenn das Grabtuch echt ist (wer könnte das allerdings mit Sicherheit sagen ?), dann hätten wir ein Mittel in der Hand, die Wahrheit um das Mysterium Jesus zu erforschen. Aber auch wenn das Grabtuch nicht echt ist, so spricht doch einiges dafür, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat und – nachdem er sich erholt hatte, sich seinen Jüngern zeigte.

Die Himmelfahrt ist eine Legende. Wenn römische Kaiser beanspruchten, Götter zu sein, warum sollten die Christen nicht auch gleiches für ihren Heros beanspruchen ? Wurde Alexander der Große nicht 332 v. Chr. in der Oase Siwa von den Priestern als Sohn des Gottes Ammon begrüßt ? War Herakles nicht der Sohn des Zeus ? Warum sollte da Jesus nicht der Sohn Jaweh’s sein ? Man sollte Legenden nicht für bare Münze nehmen.

 

6. Der Kampf des Hans Naber um öffentliche Anerkennung seiner Thesen:

 

Wer ist dieser Hans Naber ? Er wurde Ende November 1921 in Stuttgart geboren. Sein Vater, ein kaufmännischer Angestellter, stammte aus Friedenfels in der Oberpfalz und seine Mutter aus Altenstadt bei Wissembourg im Elsass. Seine Eltern waren katholisch, und er wuchs als Katholik auf. Er besuchte von 1928 bis 1936 die Volksschule. Er machte eine Hotelfach-Lehre und er arbeite im Rahmen eines internationalen Austausches vom Frühjahr 1939 bis zum Kriegsausbruch in einem Hotel in London, musste vorzeitig zurück und wurde 1941 Soldat in der deutschen Wehrmacht. Bei Kriegsende war er in den Alpen, wo seine Kompanie eine Woche vor Kriegsende aufgelöst wurde. Er entging der Gefangenschaft und kehrte im Juni 1945 zurück. Bis zu seiner Jesus-Erscheinung im Februar 1947 lebte er vom Schwarzhandel. Nach diesem religiösen Erlebnis stellte er seine illegale Tätigkeit ein.

 

Über die Umstände seiner Jesusoffenbarung schreibt er: „Besonders möchte ich betonen, dass das persönliche Sprechen mit Jesus Christus vor dem 23. Februar 1947 war und mit dieser Offenbarung nur indirekt zu tun hat, denn diese war eine reine diktierte Geistesoffenbarung. Sie wurde am 23. Feb. 1947 in den Morgenstunden ganz überraschend nach sieben vollkommen schlaflosen Nächten und Tagen, in wachem Zustand, nach tagelangen Versuchungen durch alle möglichen Mächte, nach tagelangem Beten und Bitten um Erlösung aus diesem Zustand der Schlaflosigkeit, dadurch körperlich restlos fertigen, an der Grenze des Irreseins liegenden Vorgänge und Zustände -  ganz langsam mit steigendem und sinkendem Tonfall in meinem Gehirn gesprochen und gleichzeitig auf meinen Körper übertragen, dass ich zu einem Stück Papier greifen und mitschreiben musste...ich war total willenlos und zu einem normalen Denk- und Kontrollvermögen durch alle Vorgänge und meinen körperlichen Zustand überhaupt nicht mehr fähig...

...diese tagelange, bei mir erzwungene Schlaflosigkeit sollte mich sozusagen mürbe und willenlos machen, damit ich zu einem körperlichen Empfänger und Vermittler werden konnte...im normalen und geistig freien Zustand hätte ich mich ganz bestimmt geweigert, derartiges niederzuschreiben.

Ich betone nochmals, dass dies weder eine Vision oder Schauung war, sondern eine reine, diktierte Geistesoffenbarung. Sie stammt direkt von Jesus Christus“.

 

Am 1. April 1848 schickte Naber ein an die katholische Kirche gerichtetes Schreiben an den Bischoff Dr. Sproll von Rottenburg. Das Schreiben enthielt seine Offenbarung. Ebenso schrieb er an einen evangelischen Bischof und an einen Probst der orthodoxen Kirche.

 

Im Juli 1948 stieß Naber auf einen Zeitungsartikel über das Turiner Grabtuch. Vorher wusste er nichts von dessen Existenz. Am 24. 11. 1948 sah er erstmals ein Foto, welches das gesamte Grabtuch zeigte; das Kopfbild hatte er schon einige Wochen vorher gesehen. Von dieser Zeit an befasste sich Naber intensiv mit dem Grabtuch, und nach und nach kam er dahinter, dass das Grabtuch beweist, dass Jesus nach der Kreuzigung noch lebte und das sein Herz noch schlug. Nur so war es erklärlich, dass aus den Wunden Jesu noch so viel Blut austrat, während er in das Linnen gehüllt war.

1954 veröffentlichte Naber das kleine Buch „Das 5. Evangelium – Der Tatsachenbericht nach zwei Jahrtausenden“, das vom Carlo Moesta Verlag in Mainz veröffentlicht wurde.

1955 las ein deutscher Professor diese Buch. Er wurde 1956 Gründungsmitglied und Vorsitzender des „Deutschland Konvent für das Linnen“. Es bestand bis 1963, dem Todesjahr seines Vorsitzenden. In diesem Arbeitskreis arbeiteten einige Wissenschaftler lose zusammen.

Ab 1954 bis 1971 schickte Naber jährlich fünf bis zehn Berichte über seine neusten Erkenntnisse in Bezug auf das Turiner Grabtuch an den das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.  Der Spiegel berichtete aber niemals über Naber und seine Erkenntnisse. 1956 hätte der Spiegel beinahe einen Bericht seines Korrespondenten Waldemar Schweitzer veröffentlicht, dann aber doch zurückgehalten. Hier einige Auszüge aus dem Artikel von Schweitzer:

„Fast allabendlich, wenn Hans Naber von seinen zahlreichen Reisen in die nähere und weitere Umgebung Stuttgarts am Hauptbahnhof aussteigt, wendet er seine Schritte zunächst der nahegelegenen Post zu. Dort öffnet er dann das Schließfach 183 um zu erkunden, was die Mitwelt dem Schriftsteller und Filmproduzenten Kurt Berna mitzuteilen hat. Wenn überhaupt, so sind es Dinge, die sich ausschließlich um ein abwegiges Objekt drehen: Um das sogenannte Turiner Grabtuch, in das Jesus Christus nach der Abnahme vom Kreuz auf dem Berge Golgatha gelegt worden sein soll.

Die Erklärung für dieses anscheinend unzusammenhängende Tun des Industrie-Vertreters Hans Naber, 34, ist recht kompliziert. Der Schriftsteller Kurt Berna -  es ist ein und dieselbe Person – braucht dafür schon nahezu zehn Jahre, und zwar mit dem bisher einzigen Erfolg, von der katholischen Kirche boykottiert zu werden. Naber-Berna ist nach seinen eigenen Worten ein katholisch erzogener, streng-gläubiger Katholik...“

(Es wird dann über das Grabtuch berichtet und über die Photographien des Tuches, die 1931 von Guiseppe Enrie gemacht wurden). „Naber stürzte sich auf die Photographien. Gerade das, was die französischen Ärzte als Beweis für die Richtigkeit der bisher bekannten Version vom Tod Christi und von der Kreuzabnahme angesehen haben, deutete er in den folgenden Jahren als das Gegenteil. Seine Argumentation ist ebenso einfach wie einleuchtend: wer tot ist, sagt Naber-Berna, kann nicht mehr bluten. Besonders aber die geringen Blutspuren in der Höhe des Kopfes beweisen, dass der Gekreuzigte nicht tot war, als man ihn auf das Linnen legte.

Von diesem Gedanken ausgehend unterzog Naber, der sich vom Amt für Öffentliche Ordnung in Stuttgart die Genehmigung geben ließ, einen zweiten Namen zu tragen, jeden Millimeter der italienischen Photographien einer genauen Untersuchung. Diese Untersuchung legte er in einem Buch nieder, das unter dem in Anlehnung an Paul Claudel entstandenen Titel „Das fünfte Evangelium“ 1954 im Carlo Moesta Verlag in Mainz erschien. ‚Tatsachenbericht nach zwei Jahrtausenden’ unterschreibt Berna das Büchlein etwas marktschreierisch, was ihm auch eine Rüge des Ordinarius für historische Theologie an der Universität Heidelberg, Professor Dr. Freiherr von Campenhausen einbringt: ‚Die Bezeichnung ist, am biblischen Sprachgebrauch gemessen, nicht sehr geschmackvoll’.

Sonst äußert sich der Heidelberger Professor sehr angetan: ‚Man merkt dem Buche an, dass er (Berna) weder Historiker noch Mediziner, sondern ein katholischer Laie ist, der sich mit Liebe in die Fragen eingearbeitet hat. Aber das ist kein Grund, seine Thesen nicht ernsthaft zu erwägen und zu prüfen’.“

Soweit der nie erschienene Spiegel-Artikel.

 

Naber war fest davon überzeugt, dass nicht nur der Spiegel, sondern fast alle Zeitungen in Deutschland seine Berichte über den Scheintod Christi unterdrücken würden – aus Angst vor der christlichen Regierung Adenauers und vor dem Vatikan.

 

1962 veröffentlichte Naber ein zweites Buch: „Jesus ist nicht am Kreuz gestorben“. Für dieses Buch versuchte er mit einer Anzeigen-Kampagne in deutschen Tageszeitungen zu werben; aber 95 % der Zeitungen lehnten es ab, die Anzeigen zu drucken.

 

1963/1964 gründete Naber Naber in Zürich die „Internationale Stiftung für das Grablinnen Jesu“ und ließ sie in den USA als Foundation Holding amtlich eintragen (warum nicht in Zürich oder Stuttgart ?). Über die Stiftung schreibt Naber in seinem Buch: „Die Foundation-Stiftung arbeitet weltweit...Von Mitarbeitern der Stiftung wurde der Autor im Jahre 1964 als Präsident der Stiftung vorgeschlagen, nachdem bei der Gründung im Jahre 1963 die Leitung der Stiftung noch in anderen Händen gelegen war. Und seit 1964 steht er immer in vorderster Front, mit allen damit zusammenhängenden Risiken -  die manchmal erheblich sind -, diese Entdeckung der Menschheit bekanntzumachen.“

Bei Holger Kersten und Elmar R. Gruber (Das Jesus Komplott“) liest sich das aber anders: „Dazu schmückte er sich mit imposanten Berufsbezeichnungen, etwa mit ‚Präsident der Internationalen Stiftung für das Grablinnen Jesu’, deren einziges Mitglied er war.“

 

Dort lesen wir auch: „Seit 1957 veröffentlichte Naber immer wieder neue Traktate, Aufsätze, Bücher und illustrierte Zeitungen („Sondernachrichten“), in denen er seine Mission darstellte. 1963 erschien in (angeblich) fünfter Auflage sein Buch „Auferstanden in Fleisch und Bein“ bei einem bis dahin unbekannten Verlag im Fürstentum Liechtenstein. In einer seiner ‚Sondernachrichten’ mit vielen protzigen Titeln verkündete Naber in roten Balkenlettern wie eine billige Gazette der Sensationspresse seine ‚Weltentdeckung’: ‚Christus wurde lebendig begraben.’ Als Verlag firmierte eine obskure Gesellschaft, ‚Interfound Publishers’, in Zürich und London, wahrscheinlich auch eine der zahlreichen Gründungen und Unternehmungen des Hans Naber. Seine ‚Sondernachrichten’, in denen Jesu Überleben der Kreuzigung berichtet wurde, konnte man 1980 drei Monate lang an Kiosken in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaufen...Die Pseudonyme und die erfundenen Gesellschaften trugen das Ihre dazu bei, dass Nabers Thesen sowohl von den Vertretern der dogmatischen Kirchenlehre als auch von weltlichen Wissenschaftlern mitleidig belächelt wurden und wenig Beachtung fanden...Enttäuscht musste er feststellen, dass kaum jemand an „seiner Wahrheit“ interessiert war. Schließlich wurde er 1972 vom Landgericht Stuttgart wegen fortgesetzten Betruges zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. In jeder Aktion gegen ihn wähnte er Machenschaften des Vatikans, der ihn mit allen Mitteln zum Schweigen bringen wolle. Als er mich (Holger Kersten) 1983 aufsuchte, war er ein gebrochener Mann, der physisch, körperlich und finanziell ruiniert war.“

 

Aber noch sind wir im Jahr 1969, und da hatte Naber einen großen Erfolg zu verbuchen, den er vielleicht als Durchbruch ansah.

Am 16. Juni 1969 berief der Turiner Kardinal Pellegrino eine Expertenkommission zusammen, die (unbemerkt von der Öffentlichkeit) das Tuch genau begutachten sollte, was sie dann auch bis zum 18. Juni tat. Irgendwie muß die Presse aber doch etwas von der Tätigkeit der Kommission erfahren haben. Vielleicht gab Naber den Journalisten den Hinweis. Er behauptet, Anfang Mai 1969 von einem „Informanten in hoher Position, der Zugang zum Vatikan hat, aber dort nicht angestellt ist“, darüber unterrichtet worden zu sein, dass etwas Wichtiges im Gange sei im Hinblick auf das Grabtuch. Am 16. Juni ließ Naber in Rom und Turin seine Broschüre verteilen (wohl an die Presse). Dieser ganzen Konstellation, an deren Herbeiführung Naber fleißig mitgewirkt hatte, hatte es Naber wohl zu verdanken, dass die Presseagenturen sich mit seinem Thema befassten und daß er endlich die lang ersehnte Aufmerksamkeit der Weltpresse erlangte. Jetzt konnte ihn der Vatikan und die Presse nicht mehr einfach totschweigen. Sein  enormer Einsatz an Zeit, Geld und Arbeit trug Früchte. Dazu beigetragen hatte wohl von 1956 an wesentlich der Vorsitzende des „Deutschland Konvents für das Linnen“, weil er die Argumente Nabers ernst nahm und mit der Autorität eines Fachgelehrten und Professors sprach. Irgend etwas musste an Nabers Thesen wohl dran sein. Langsam war da eine Sache herangewachsen, auf die der Vatikan reagieren musste.

Eine der Reaktionen war die oben erwähnte Einberufung der Expertenkommission durch den Turiner Kardinal. Die Untersuchungsmethoden und  -ergebnisse dieser Kommission konnte aber wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten, denn die Untersuchungszeit war viel zu kurz, die Untersuchung erfolgte ohne Planung und es wurden zu wenig Untersuchungsmethoden angewendet. Es war ja auch nur eine genau Begutachtung. Unter den elf Gutachtern waren nur sechs Wissenschaftler, fast alles nur Mediziner, vor allem Gerichtsmediziner. Die Zusammensetzung der Kommission beweist, dass es um eine medizinische Frage ging, nämlich die Bestätigung oder Widerlegung der These Nabers, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat. Die Expertenrunde kam zu dem Schluß, dass Nabers These nicht zutraf, und ein Sprecher des Vatikan tat dies der Presse am 20. Juni kund.

Naber reiste nach Rom und übergab am 28. Juli 1961 dem Vatikan seinen formellen Protest (mit umfangreicher Dokumentation) gegen die Aussage des Vatikansprechers, dass Nabers Thesen falsch seinen. Bei Kersten und Gruber („Das Jesus-Komplott“) steht: „Am 28. Juni 1969...klopfte Hans Naber an die Pforten des Vatikans. Er hatte eine Tasche mit Dokumenten bei sich und einen Fotografen. Wider Erwarten wurde er vom Untersekretär der Glaubenskongregation, Monsignore Charles Moeller, empfangen. Mit saurer Miene nahm der Sekretär die Mappe mit der Dokumentation entgegen, als der Fotograf, der Naber begleitete, auf den Auslöser drückte. Damit hatte Naber praktisch schon sein Ziel erreicht. Das Foto ging um die Welt“.

Auf die Protestnote Nabers reagierte der Vatikan nicht. Es wäre unter der Würde des Vatikan gewesen, sich auf einen Streit mit einem ungebildeten Kellner einzulassen, der versuchte, der katholischen Kirche zu sagen, wie sie die Kreuzigung und Auferstehung Christi zu interpretieren habe. Außerdem hätte man damit in dieser peinlichen Sache noch mehr Staub aufgewirbelt. Dummerweise war aber da noch das Grabtuch, das von einer höchst nützlichen und glaubensstärkenden Reliquie plötzlich zu einer gefährlichen Bedrohung für die Autorität der Kirche geworden war und zur Verunsicherung der Gläubigen beizutragen konnte.

Naber behauptet in seinem Buch, im Dezember 1969 hätte ihn ein „Informant in hoher Position“ angeschrieben und ihm mitgeteilt, dass ein Mitglied der römischen Kurie wörtlich gesagt habe: „Die heilige Kirche kann sich nicht entzweien lassen und lehren, Jesus Christus sei am Kreuz gestorben, um uns von den Sünden zu befreien und zur gleichen Zeit ein Grablinnen verehren, in dem niemals ein Leichnam lag. Eine grundlegende, radikale Lösung muß hier gefunden werden.“ Das berichtete Naber an die Presseagenturen, und Reuters und UPI meldeten am 3. bzw. 4. Jan. 1970, dass Nabers Stiftung Informationen vorlägen, wonach eine Gruppe im Vatikan die Zerstörung des Grabtuches durchsetzen wolle.

Der Vatikan erklärte am 5. Jan. 1970 durch Giulio Ricci, Mitglied der Bischofs-Kongregation, daß das Grabtuch die ‘heiligste Reliquie der Passion Christi’ sei und bleiben würde.

Allmählich nahm das Interesse der Öffentlichkeit am Grabtuch immer mehr zu. Zeitungen, vor allem in der englisch-sprachigen Welt, aber auch in Italien und Deutschland, u. a. auch die Bild-Zeitung, befassten sich mit dem Grabtuch und Nabers Thesen.

Die offizielle Vatikan-Zeitschrift Osservatore della Domenica“ veröffentlichte ein sehr undeutliches Bild von Blutflecken auf dem Grabtuch und behauptete, dass Naber seine Schlüsse aufgrund dieser mangelhaften Photos gezogen hätte. Dem widersprach wiederum Naber. So blieb die Sache am Kochen.

Am 14. Januar 1971 schlug Papst Paul VI. vor, dass das Grabtuch eingehend untersucht werde.

Am 2. Okt. 1972 meldete Associated Press, daß am Wochende ein Einbrecher in die Kathedrale von Turin eingedrungen sei und versucht habe, das Grabtuch zu stehlen oder zu zerstören. Er habe ein in der Nähe befindliches Altartuch in Brand gesetzt und vergeblich versucht, die silberne Truhe, in der das Grabtuch aufbewahrt wurde, aufzubrechen.

Am 23. Nov. 1973 wurde das Grabtuch der Öffentlichkeit gezeigt. Eine 30-minütige Fernsehsendung über das Tuch wurde in Italien ausgestrahlt.

Am 24. November wurden vom rechten unteren Rand des Grabtuches ein schmaler Streifen von 40 mal 13 mm Länge abgeschnitten und ein weiteres, 40 mal 10 mm breites Stück von dem an das Grabtuch angenähten, etwa handbreiten Längsstreifen. Diese Stücke wurde dem Textilexperten Prof. Gilbert Raes vom Institut für Textil-Technologie in Gent übergeben. Außerdem wurden weitere „Minimalproben“, meist Fäden aus verschiedenen Tuchregionen, entnommen. Insgesamt waren es 17 Proben, davon erhielt Prof. Raes vier. Dem Züricher Naturwissenschaftler, Kriminologen, Kriminalisten und Mikrospurenforscher Dr. Max Frei wurde es gestattet, auf verschiedene Stellen des Tuches Tesafilmstreifen zu drücken und die daran anhaftenden Pollen von Gräsern und Blütenpflanzen zu untersuchen. Die Ergebnisse der Untersuchungen an den 1973 entnommen Proben deuteten sehr stark darauf hin, dass das Grabtuch echt ist.

Am Abend des 8. Aug. 1978 begann eine weitere, groß angelegte wissenschaftliche Untersuchung des Grabtuches durch zwei Teams von Wissenschaftlern und Technikern. Die Amerikaner hatte die Sache in die Hand genommen, und sie taten es auf  amerikanische Weise: alles genau geplant und mit einem enormen Aufwand an Technik und Experten. Man wandte alle zu der damaligen Zeit bekannten Analysenverfahren auf das Grabtuch an – außer der Altersbestimmung durch das Kohlenstoff-Isotop C14. Dazu hätte man eine zu große Menge des Tuches vernichten müssen. Die Radiocarbondatierung  wurde erst 1988 gemacht, und damals waren wesentlich geringere Mengen erforderlich. Das Ergebnis war, dass das Grabtuch etwa aus dem Jahr 1300 n. chr. stammt. Aber schon bald wurden dieses Ergebnis angezweifelt.

 

All diese Untersuchungen lenkten das öffentliche Interesse von Naber und seinen Thesen weg auf andere Fragen, nämlich: War das Grabtuch echt oder war es eine Fälschung ? Wie war es möglich, dass auf dem Leinen eine Art fotographisches Negativ entstand ? Wo war das Grabtuch in der Zeit zwischen dem Tod Christi und dem Jahr 1355, wo es in der Stiftskirche Notre Dame der kleinen französischen Stadt Lirey  (19 km südlich von Troyes in der Champgne) von dem französischen Edelmann Geoffrey de Charney ausgestellt wurde ?

 

So wurde es wohl immer stiller um Hans Naber. Andere griffen sein Thema auf (vor allem Holger Kersten 1983 mit seinem Buch „Jesus lebte in Indien“). Dieses Buch und die anderen, die zu diesem Thema erschienen, waren für ein breites Publikum weit leichter und unterhaltsamer zu lesen, als die laienhaft gemachten und wohl im Selbstverlag mit hohen Eigenkosten gemachten Bücher, Broschüren und Zeitschriften von Naber, die sicher alles andere als Bestseller und finanzielle Erfolge waren.

 

Naber war von der Idee besessen, der Welt seine Botschaft zu bringen. Er tat dies mit einer bemerkenswerten Energie.

 

Natürlich wurde Naber in Deutschland von der Presse ignoriert, weil Journalisten und Fachleute Angst hatten, sich die Adenauer-Regierung, die Kirchen und die konservativen Kreise zum Feind zu machen. Aber das ist nur ein Grund. Ein anderer Grund war, dass sich für die Frage, ob Christus die Kreuzigung überlebt hat, nur ein geringer Teil der Menschen in Deutschland interessierte. Ihnen war das schlicht egal, weil ihnen die Kirche und die Religion egal war. Wenn da wirklich ein echtes Interesse gewesen wären und hohe Auflagenzahlen zu erzielen gewesen wären, dann hätten sich die Medien über die Angst vor Ungemach leichten Herzens hinweggesetzt. Daß Naber so wenig öffentliches Interesse fand, lag nicht nur an der mangelhaften Art, wie er sein Thema präsentierte, es lag auch daran, dass das Christentum nur noch eine Minderheit wirklich interessierte – noch nicht einmal die regelmäßigen Kirchgänger. Das Christentum ist einfach da, man hat sich an es gewöhnt, man braucht es für Hochzeiten und Beerdigungen. Um es überspitzt zu sagen: Daß Naber keine Massen mobilisieren konnte (weder gegen sich noch für sich) lag nicht daran, dass es eine vom Vatikan gegen ihn gesteuerte Verschwörung gab, sondern es lag an der Schwäche des Christentums in unserem Land.