Von Neuguinea nach New York
Von
Quelle über Neuguinea:
Jared Diamond „Der dritte Schimpanse – Evolution und Zukunft des Menschen“
ISBN 3-596-14092-7
Erschienen 1998 im S. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main,
Titel der
amerikanischen Originalausgabe: „The Third Chimpanzee, The Evolution and Future
of the Human Animal“ by Harper Collins Publisher,
Bis
zum 4. August 1938 hatte die Welt geglaubt, das westliche Innere von Neuguinea
sei unbewohnt. Doch an diesem Tag stieß die Vorhut der dritten
Archbold-Expedion, ausgeschickt vom American Museum of Natural History, auf eine
unentdeckte menschliche Gesellschaft. Das Grand Valley des Balim-Flusses war
dicht besiedelt – von 50 000 in der Steinzeit lebenden Papuas. Einer der Papuas
schilderte sein Leben vor der Entdeckung durch die Fremden: „Wir kannten nur
das Gebiet diesseits der Berge: Und wir glaubten, wir seien die einzigen
Menschen“.
Diese
Isolation war der Nährboden einer großen genetischen und kulturellen Vielfalt.
Jedes Tal in Neuguinea besitzt nicht nur seine eigene Sprache und Kultur,
sondern auch spezifische genetische Anomalien und Krankheiten.
Obwohl
Neuguinea nur ein Zehntel der Fläche Europas einnimmt, und weniger als ein
Hunderstel der europäischen Bevölkerung hat, wurden etwa 1000 Sprachen
registriert, von denen viele mit keiner anderen bekannten Sprache Neuguineas
oder anderer Länder verwandt sind. Neuguineische Sprachen haben im Durchschnitt
nur wenige tausend Sprecher, die jeweils in einem Gebiet von rund 10 Kilometer
Durchmesser leben.
Neuguinea
zeigt uns, wie es früher überall auf der Welt war, als noch jeder isoliert
lebende Stamm seine eigene Sprache hatte.
Auch
in Europa war es so. Erst vor rund 6000 Jahren begann die indogermanische
Expansion, die zur Auslöschung aller früheren westeuropäischen Sprachen mit
Ausnahme des Baskischen führte. Damit vergleichbar ist das Vorrücken der
Bantusprachen innerhalb der letzten Jahrtausende, das die meisten sonstigen
Sprachen Afrikas südlich der Sahara verschwinden ließ.
Auch
die Vielfalt kultureller Bräuche war in Neuguinea ungeheuer groß. Viele
sozialen Verhaltensweisen waren für die Europäer zutiefst unakzeptabel, z. B.
die verschiedenen Formen von Kannibalismus und Selbstverstümmelung. Zur Zeit
des Erstkontakts gingen die Angehörigen vieler Stämme nackt, andere verbargen
die Geschlechtsorgane und waren extrem prüde, andere brachten Penis und Hoden
mit diversen Requisiten besonders stark zur Geltung. Praktiken der
Kindererziehung reichten von extremer Toleranz bis hin zu maßloser
Unterdrückung, welche die Kinder in den Selbstmord trieb.
Zwischen
den Stämmen wurde abwechselnd Krieg geführt und paktiert. Diamond schreibt:
„Man begab sich wohl gelegentlich ins Nachbartal zu einem Besuch in
Freundschaft (was nie ganz ohne Gefahr war) oder in kriegerischer Absicht, doch
die Aussicht, mehrere Täler nacheinander friedlich durchqueren zu können, war
fast gleich Null. Die strengen Verhaltensregeln für die eigene Gruppe galten
nicht für die anderen, jene Feinde von nebenan, von denen man kaum mehr als nur
eine blasse Vorstellung hatte“.
An
anderer Stelle heißt es: „Bis vor relativ kurzer Zeit verbrachten die meisten
Menschen ihr ganzes Leben im Umkreis weniger Dutzend Kilometer um ihren
Geburtsort. Die Beziehungen zwischen benachbarten Stämmen kennzeichnete eine
gespannte Balance zwischen Interesse am Handel und Feindseligkeiten gegenüber
Artgenossen. Verstärkt wurde diese Zersplitterung noch durch den Hang jeder
menschlichen Bevölkerung zur Ausbildung eigener Sprache und Kultur.“
Seit
es zentralistische Großreiche gibt, also etwa seit 3000 v. Christus, begann das
Verschwinden der kulturellen und sprachlichen Vielfalt. Es setzte eine
allgemeine Angleichung an.
Der
vorläufige Schlusspunkt dieser Entwicklung ist die urbane Kultur Amerikas. Im
19. Jahrhundert nahm New York drei Viertel aller Einwanderer in die USA auf.
Holländer, Deutsche, Briten und Iren bildeten die erste Einwanderungswelle,
dicht gefolgt von Osteuropäern und Süditalienern. Im 20. Jahrhundert kamen vor
allem Schwarze und Puertoricaner. Während der Naziherrschaft kamen viele Juden;
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kamen weitere Juden. Es kommen
Chinesen und Koreaner und viele Menschen
aus Lateinamerika.
Jeder
dritte New Yorker ist in einem nichtamerikanischen Land geboren, und jedes Jahr
werden 90 000 neue Einwanderer registriert. Hinzu kommen die illegalen
Einwanderer. In New York leben fast sämtliche Nationen, Rassen und Religionen
der Erde. Unterteilt nach Muttersprachen ergab sich im Jahr 1980: 4 Millionen
New Yorker sprechen Englisch als Muttersprache, 1,2 Millionen Spanisch, 650 000
Italienisch, 540 000 Jiddisch, 260 000 Deutsch, 100 000 Polnisch und 20 000
(inzwischen 100 000) koreanisch.
All
diese Sprachen und Nationen werden in dem großen Schmelztiegel New York
eingeschmolzen. Die Einwanderergeneration spricht oft nur gebrochen oder gar
nicht Englisch. Die Kinder sind zweisprachig und sprechen perfekt Englisch.
Deren Kinder können nur noch ein paar Brocken der Muttersprache der Großeltern
und sind waschechte Amerikaner. Es gibt natürlich auch Gruppen, die zäh an der
Kultur ihrer Vorfahren festhalten oder die, wie die Latinos, allein schon wegen
ihrer großen Zahl keine echte Minderheit mehr sind, sondern dafür sorgen, dass
sich die USA allmählich in Richtung Zweisprachigkeit bewegt.
Natürlich
hat der Bewohner einer Metropole seine steinzeitlichen Instinkte und
Verhaltensweisen nicht abgelegt. Der Mensch ist ein territoriales Lebewesen. Martin
Betz schreibt in: „Die Berliner pauschal“: Wie fremd dem Berliner Berlin ist,
kann jeder Besucher erleben, wenn ihm ein Urberliner auf die Frage nach einer
gerade zwei Ecken weiter gelegenen Straße antwortet: Nee, als dette könne er
nicht wissen. Selbst wenn der Befragte Zeit seines Lebens in dieser Gegend
gewohnt hat – falls die gesuchte Straße übern Damm, das meint: jenseits der
Hauptstraße, gelegen ist, wird er sie nicht kennen. Seine täglichen Wege haben
ihn stets zur Hauptstraße und dann auf ihr weiter geführt; und Spaziergänge,
auf denen er seine nächste Umgebung etwa in Gestalt eines Rundweges erkunden
könnte, finden nicht statt. Auch mit dem Hund nicht. „Bin ick Amundsen ? Is det
hier ein Expeditionshund ?“ würde der Berliner argumentieren.
Der
Großstadtbewohner bleibt in seinem Kietz, und mitten in der riesigen Metropole
lebt er wie auf einem Dorf, zumal ja sein näheres Umfeld vor hundert Jahren ja
auch tatsächlich ein Dorf war. Wenn man z. B. nach München-Moosach kommt, kann
man die alte Dorfkirche noch sehen und das urbayrische Dorfwirtshaus. Jede
große Metropole ist ein Konglomerat von vielen Dörfern und Kleinstädten. Wenn
der Großstadtbewohner seinen Kietz verlässt, steigt er in die U-Bahn oder den
Bus und fährt ins Zentrum oder in einen bestimmten Stadtteil oder Vorort. Dort
arbeitet er oder kauft ein. Was jenseits des Zentrums liegt, interessiert ihn
nicht. Was soll der Münchner aus Ramersdorf in Obermenzing ? Da muß er schon
einen triftigen Grund haben, um dort hinzufahren. Genausowenig geht der Pariser
vom Rive gauche kaum ins Rive droite, und in London fährt der Mann aus
Kensington nicht über den Piccadilly circus hinaus.
Noch
stärker ausgeprägt ist das in den Metropolen, wo die verschiedenen Nationen in
ihren neighbourhoods leben und meist unter ihresgleichen bleiben.
So
gesehen ist Neuguinea auch heute noch lebendig.
Nichtsdestotrotz:
Der Verschmelzungsvorgang der Menschheit ist in vollem Gang, und die Steinzeit
liefert nur Rückzugsgefechte. Eine neue Einheitsrasse bildet sich allmählich
heraus: es sind die Hellbraunen. Sie sind eine Mischung aus Europäern,
Afrikanern und Asiaten. Im Idealfall sind es besonders schöne und intelligente
Menschen und vereinen die Vorzüge ihrer Vorfahren. Die Weißen sind zu blass,
die Schwarzen sind zu schwarz und zu kräftig, die Asiaten zu dünn und zu
schmächtig. Die Weißen haben zu große Nasen, die Chinesen zu kleine. Die
Hellbraunen sind gerade richtig. Sie sind weit entfernt von der Inzucht der
Reinrassigen und wie viele Mischlinge besonders intelligent und vital.
Die
Menschheit wird zu einer Rasse und einer Nation verschmolzen. Das ist keine
Utopie und kein Wunschtraum. Es ist die alltägliche Realität für jeden, der
Augen hat um zusehen. Und es ist gut und notwendig.
Das Ende der Zweiteilung in „Wir“ und „die andern: Nie mehr Völkermord
Jede
menschliche Gruppierung hat die Tendenz, die Welt in zwei Gruppen einzuteilen:
Hier: wir, die wahren Menschen, die Träger von Licht und Kultur. Dort: die
anderen, die Barbaren, die Halbaffen, die wilden Tiere, die auszurotten nicht
nur kein Verbrechen, sondern sogar eine löbliche Tat ist.
Die
Natur hat den Menschen auf Völkermord programmiert. Eine erschreckende, aber
unausweichliche Erkenntnis, der wir uns alle stellen müssen. Was folgt daraus ?
Jeder Mensch muss lernen und im tiefsten Inneren fühlen, dass wir alle der
gleichen Gruppe, dem gleichen Stamm, der gleichen Nation angehören.
Konsequenterweise müssen auch alle Grenzen fallen und alle grundlegenden
Unterschiede der Normen und Verhaltenskodizes verschwinden und es darf nur
einen verbindlichen Verhaltenskodex für alle Menschen geben: Die
Menschenrechtsdeklaration der UNO.
Wenn
alle Grenzen fallen, wenn jeder Mensch mit jedem Menschen auf der Welt
kommunizieren kann, wenn jeder Punkt der Erde innerhalb von wenigen Tagen
erreichbar ist, dann wird es in einer nicht allzu fernen Zukunft keine
isolierte Kulturen geben, sondern nur eine einzige Menschheitskultur.
Ob
dies wünschenswert ist oder nicht, darüber streiten sich die Geister. Die
kulturelle und sprachliche Vielfalt ist ein hohes Gut. Mit jeder Sprache und jeder
Kultur geht ein unersetzliches Stück Reichtum verloren.
Vielfalt
der Kulturen bedeutet aber Krieg und Mord. Wenn Kriege mit
Massenvernichtungswaffen geführt werden, bedeutet Krieg den Untergang ganzer
Völker, ja sogar der Menschheit.
Also
müssen wir einen Ausgleich, eine Lösung finden zwischen der an sich
wünschenswerten Vielfalt der Kulturen und Sprachen und den ganz pragmatischen
und existenziellen Erwägungen, die es uns ratsam erscheinen lassen, eine
einheitliche Menschheitskultur anzustreben.
Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden, aber keinen andern unglücklich machen
Die
Lösung kann nur sein, dass es einen für alle Menschen verbindlichen Kodex von
Normen und Menschrechten gibt. Was darüber hinausgeht, soll weiterhin
vielfältig und bunt bleiben. Es soll jede Kultur singen und tanzen, dichten und
malen, bauen und gestalten wie sie will. Es soll jeder an den Gott oder die
Götter glauben, die er für wahr hält, nur soll keiner versuchen, andere mit
Gewalt zu einer bestimmten Kultur und zu einem bestimmten Glauben zu bewegen.
Es
soll auch jeder mit seinesgleichen die Sprache sprechen, die er will. Aber er
soll gleichzeitig auch einer der großen Weltsprachen mächtig sein. Letztlich wird
sich als Lingua franca eine Sprache durchsetzen, die alle verstehen. Diese
Sprache wird das Englische sein.
Im
Dschungel der Großstädte entstehen neue Subkulturen. Die einen tragen Glatzen,
die anderen bohren sich Ringe durch die Nase oder die Zunge. Man will nicht
mehr ein anonymer Niemand sein, sondern man will einem Stamm angehören und eine
auch nach außen hin eine sichtbare Identität und eine Gruppe haben, zu der man
gehört. Das ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Dieses Bedürfnis darf
aber nicht dazu führen, dass die unterschiedlichen „Stämme“ übereinander
herfallen und sich totschlagen. Man braucht nicht nur gemeinsame Normen,
sondern es muss auch eine Polizei da sein, welche die Einhaltung der Normen durchsetzt.
Um
nochmals auf den Mann aus London-Kensington zurückzukommen, der nie über den
Piccadilly hinauskommt: Dieser Londoner ist möglicherweise ein NyLoner. Er ist
öfters in Manhattan als in Greenwich. Das ist ein Mensch, der gleichzeitig in
New York und London zu Hause ist – vielleicht ein Börsenmakler oder ein
Journalist. Er pendelt zwischen den Städten hin und her, hat eine Wohnung in
beiden Städten. Ich möchte das nicht als leuchtendes Vorbild hinstellen, denn
gegen diese Lebensweise spricht die enorme Energieverschwendung für die
ständigen Transatlantikflüge. Aber ein Gesichtspunkt ist interessant: Der
NyLoner könnte das Gefühl entwickeln, dass die ganze Welt eine riesige Stadt
ist. „Ein Alptraum !“ wird der „Naturliebhaber“ sagen. Aber der Natur ist
sicher lieber, die Leute bleiben im Central-Park und Hyde-Park, als dass sie in
die entlegendsten Täler Tibets vordringen und dann zu Hause erzählen, dass man
da unbedingt hinfahren muß.
Denkbar
wäre auch ParLyoner, ein Pariser, für den Lyon nur ein ganz weit draußen
liegender Vorort ist, der mit einer besonderen S-Bahn, dem TGV, in drei Stunden
erreichbar ist. Was heute noch ein Hype, eine Übertreibung ist, das kann dann
Wirklichkeit werden, wenn es möglich wird, schnell, energiesparend und
kostengünstig zwischen den großen Metropolen hin- und herzureisen.
Unsere
Welt tendiert dorthin, zu einer einzigen großen Stadt zu werden. Das Wort
Global Village trifft nicht zu; man müsste von einer Global City reden.
Was
wäre aber gewonnen, wenn die Grenzen zwischen den Nationen fallen, aber die
Grenzen zwischen arm und reich immer höher werden ? Das ist ja gerade der
Kritikpunkt, der viele Menschen die Globalisierung ablehnen lässt. Die
Unterschiede innerhalb einer Metropole werden immer größer und die Gräben
zwischen armen und reichen Nationen werden immer tiefer. Was nützt es, wenn im
Bewusstsein mancher Leute New York und London zu einer Megacity verschwimmen,
wenn gleichzeitig der Unterschied zwischen Queens und Greenwich Village immer
größer wird ?
Die
beiden Städte New York und London, die in mancher Hinsicht zu einer einzigen
Metropole verschmelzen, soll im folgenden das Symbol für unsere westliche
Zivilisation sein. NyLon, das heißt auch Paris, Frankfurt, Mailand und
Barcelona. NyLon, da heißt auch L.A., Chicago und Montreal.
Besteht
nicht die Gefahr, dass aus „NyLon“ nicht Babylon wird, die große Hure aus der
Apokalypse, von der es heißt: „Denn sie sagt in ihrem Herzen: Ich throne als
Königin und bin nicht Witwe, und Trauer werde ich nicht sehen. Deshalb werden
an einem Tag ihre Plagen kommen, Pest und Trauer und Hunger, und sie wird mit
Feuer verbrannt werden...Wehe, wehe du mächtige Stadt Babylon ! denn in e i n e
r Stunde ist dein Gericht gekommen“.
War
der 11. Sept. 2001 nicht ein Menetekel, als die beiden babylonischen Türme New
Yorks zum Einsturz gebracht wurden ? Waren diese Türme nicht eine
Herausforderung an die Welt, sie zu zerstören ? Waren diese Phallussymbole
nicht eine Aufforderung zur Kastration ? Der spektakuläre Reichtum und die
spektakulären Erfolge mussten bei anderen Völkern Minderwertigkeitsgefühle und Hass schüren.
Dabei
sind die Amerikaner eigentlich nette und liebenswerte Leute, die dieses
Desaster vom 11. September nicht verdient haben. Dennoch, die Verherrlichung
des Reichtums und die übermäßige Bewunderung und zur Schaustellung von Geld und
Macht ist für „NyLon-City“ zum Problem geworden; gefährlich ist der Geist
dieser Finanzmetropolen, der nur noch auf kurzfristigen Gewinn aus ist.
Jede
Entwicklung in eine Richtung ruft gleichzeitig eine Entwicklung in die
Gegenrichtung hervor: Macht und Reichtum auf der einen Seite produzieren
Ohnmacht und Armut auf der anderen Seite. Und die Seite der Unterlegenen sucht Mittel und Wege, „NyLon-City“ zu Grunde
zu richten. Das ist die Botschaft vom 11. September, die aber schon nach
einigen Monaten aus dem Bewußtsein der NyLoner verdrängt wurde.
Wie
kann „Nylon-City“ mit dieser Gefahr fertig werden ? „War against terrorism” war
die Antwort von Präsident Bush und der amerikanischen Rüstungsindustrie. Aber
es war hauptsächlich ein Krieg von NyLon-City gegen Kabul, so wie der
Tschetschenien-Krieg ein Krieg Moskau’s gegen Grosny war.
Eine Metropole kann das flache Land ausbeuten und kontrollieren, es aber niemals besiegen
Eine
Metropole kann das flache Land, schon gar nicht das Gebirge oder den Dschungel
besiegen. Eine große Metropole kann nur eine andere, schwächere Metropole
überwinden. Wenn diese schwächere Metropole besiegt ist, dann gibt es nichts
mehr zu siegen und der Sieg löst sich in Nichts auf. Deshalb muß die schwächere
Metropole schnell wieder aufgebaut und in den Einflussbereich der großen
Metropole einbezogen werden, sie muß zur abhängigen Provinzmetropole werden. So
wurden Berlin und München, jetzt Moskau und Petersburg zu Provinzmetropolen von
NyLon-City.
Es
muß in jeder Stadt ein Zentrum geben, das sich durch die Pracht, den
Reichtum und die Schönheit seiner
Architektur aus den übrigen Stadtteilen heraushebt. Es muß eine Metropole
geben, die an Glanz und Bedeutung alle anderen Städte der Welt überstrahlt.
Sonst wäre die Stadt und die Welt eine öde und endlose Aneinanderreihung von
Vororten. Aber dieses Zentrum muß allen gehören und alle müssen sich in diesem
Zentrum wiederfinden können und sagen können: das ist meine Stadt. Wenn der
Glanz und der Reichtum der Metropole nur wenigen gehört, wird dies die Rache
der zu kurz Gekommenen unweigerlich anziehen.
Es
gibt nicht nur London und New York auf der Welt, sondern auch Moskau, Chicago
und Los Angeles, Paris, Rom, Rio und Sao Paulo, Peking und Tokio. Längst sind
sie alle miteinander vernetzt und werden zu einer virtuellen Mega-City. Seit es
Metropolen gibt, haben sie darum gewetteifert, welche die prächtigste und
mächtigste ist. Das ist gut so, solange der Wettstreit mit friedlichen und
fairen Mitteln ausgetragen wird. Eine MegaCity hat mehrere Stellen, an denen
Macht und Pracht besonders konzentriert sind.
Eine MegaCity reicht so weit wie die billigen und schnellen Verkehrsverbindungen reichen
Die
alten territorialen Strukturen verlieren zunehmend ihre Bedeutung. Es entstehen
Ballungsräume, die oft die Grenzen der Bundesländer und der Nationen
überschreiten. Die SaarLorLux-Region umfasst das Saarland, die Lorraine und
Luxemburg. Die Oberrhein- Region umfasst Basel, Freiburg, Colmar und
Mühlhausen. Man ist Bürger verschiedener Nationen, lebt aber in einer
gemeinsamen Region.
New
York und Philadelphia, deren Zentren ungefähr 100 km auseinaderliegen, haben
einen Verkehrverbund. Der NyLoner ist noch ein Exot. Der PhilYorker ist schon
Realität.
Zwischen
Bonn-Königswinter und Hamm in Westfalen liegen circa 200 km urbanes Gebiet.
Wenn man an einem ruhigen Sonntagmorgen durch die Stadtzentren von Köln,
Düsseldorf, Duisburg, Essen, Oberhausen und Dortmund fährt, braucht man
vielleicht drei Stunden Fahrzeit. Man hat eine MegaCity durchquert, die in
Ausdehnung und Bevölkerungszahl Los Angeles übertrifft.
Vom
Westrand dieser Megacity sind es 70 km oder 45 Minuten in die nächste
Agglomeration: Aachen, Maastricht und Liège. Von dort ist es eine knappe Stunde
oder 100 km bis in die MegaCity Charleroi-Brüssel-Antwerpen. Diese hat eine
Länge von 100 km. Zwischen Brüssel und Namur liegen 50 km nachts von
Bogenlampen beleuchtete Autobahn. Die Stadt schein nicht mehr aufzuhören.
Von
Antwerpen sind es 45 Minuten oder 80 km nach Dordrecht, das der Vorposten der
holländischen MegaCity ist, die sich über Rotterdam, Den Haag, Leiden, Haarlem,
Amsterdam, Hilversum und Utrecht hinzieht. Von Brüssel ist es auch nicht weit
in die Region von Lille, Tourcoing, Roubaix und Kortrijk. Von Lille ist man mit
dem TGV in einer Stunde in Paris.
Da
der TGV die 300 km von Paris nach Brüssel in 90 Minuten schafft, könnte er die
200 km von Köln nach Brüssel in 60 Minuten schaffen. Von Köln nach Paris wäre
dann die Fahrt ungefähr so lang wie von Köln bis an den Ostrand des
Rhein-Ruhr-Region.
Von Brüssel nach London fährt man drei Stunden mit dem Zug, und auch von Paris nach London sind es drei Stunden. Die neue Brücke über den Öresund hat das schwedische Malmö zur Nachbarstadt von Kopenhagen gemacht. Die Ballungsräume werden zu Knoten in einem MegaCity-Netz.
Der Verbund der MegaCities
Es entstehen auf allen Kontinenten MegaCities, die bis zu 200 km lang sind, und deren Durchquerung länger dauert und schwieriger ist als die Hochgeschwindigkeits-Bahnfahrt ins Zentrum der nächsten MegaCity. So entstehen in den kontinentalen Kernregionen Verbünde von Mega-Cities, die an Stelle der Nationen treten.
Diese Verbünde von Mega-Cities stehen zwar in wirtschaftlicher Konkurrenz zueinander, aber auch gleichzeitig in einem regen Austausch von Information und Kultur. Zusammen bilden sie das urbane Netzwerk des Planeten Erde.
Die Oberliga der MegaCities
Die bedeutendsten Verbünde von Mega-Cities sind:
- New York und die Ostküste der USA von Boston bis Washington
- Die kanadisch-amerikanische Zentralregion von Quebec, Montreal, Ottawa, Toronto, über Buffalo, Cleveland, Detroit, Pittsburgh, Cincinnati, Indianapolis, St. Louis, Chicago, Milwaukee, Mineapolis, St. Paul, Omaha.
- Die kalifornische Region mit Los Angeles, San Franzisco, San Diego und Las Vegas (Nevada)
- Die mexikanische Zentralregion mit Mexico City, Puebla, Guadaljara, Leon usw.
-
Die
brasilianische Ostküstenregion mit Rio de Janairo, Sao Paulo, Belo Horizonte,
Curitiba, Porto Allegre
- Der europäische Kernverbund: London, Paris, Belgien, Holland, Rhein-Ruhr-Region
- Die Russische Kernzone mit Moskau und Leningrad
- Der japanischen MegaCity-Verband rund um die Achse Tokio-Osaka
- Die chinesischen Verbände um Shanghai, Peking, Hongkong und Singapore
Um die Achse Los Angeles, Chicago, Montreal, New York, London, Paris, Berlin, Moskau, Peking und Tokio dreht sich die Welt
Was hier passiert und geschieht, ist entscheidend. Die zentrale Punkte dieser Achse sind Hollywood, das Silicon-Valley, Chicago und New York mit seiner europäischen Außenstelle London. Dieser zentrale Verbund ist NyLonCity im erweiterten Sinn. Das Symbol dieses Verbundes ist nach wie vor New York, die Metropole schlechthin.
Die naheliegenste Aufgabe ist, Paris und Berlin noch weiter einzubeziehen, und durch die Vermittlung von Berlin Moskau und Petersburg für den Weltverbund der MegaCities zu gewinnen.
In
Russland breitet sich der Frühkapitalismus aus und stürzt das Volk in tiefe Not
und Verzweifelung. Will NyLonCity keinen Rückfall in die Zeiten der
kommunistischen Diktatur riskieren, muß in Russland ein Kapitalismus mit
menschlichem Angesicht entstehen, d. h. es dürfen nicht die Errungenschaften
und die Vorteile des Sozialismus bedenkenlos preisgegeben werden. NyLonCity ist
auf einem gefährlichen Holzweg; der rasche Zusammenbruch der Sowjetunion hat
die Nyloner leichtsinnig und überheblich werden lassen. Moskau und
Petersburg müssen respektierte und gleichberechtigte
Partner von NyLon werden.
China
ist seit fast zweieinhalb Jahrtausenden das Reich der Mitte, ein geeinter
Staat, der aus seiner Sicht in das Zentrum der Welt bildet. Obwohl in China
dreißig verschiedene Sprachen gesprochen werden und eine Vielzahl von Völkern
existiert, wird China nicht zerfallen. Die Versuche Englands, die
Küstenregionen vom Mutterland abzutrennen, sind gescheitert. Hongkong wurde
zurückgegeben, Gibraltar nicht. China hat sich trotz aller Demütigungen und
Niederlagen behauptet. China verdient Respekt.
Die
Tatsache, dass China keine einheitliche Sprache hat und kein Alphabet, sondern
10 000 Schriftzeichen, lässt hoffen, dass China die englische Sprache und die
lateinische Schrift als allgemeines Verständigungsmittel annimmt. Dies ist für
China ein schwerer Schritt, denn es bedeutet, die Überlegenheit der Langnasen,
zumindest was diesen Punkt anbelangt, anzuerkennen. Je mehr Ehre und Respekt
NyLon China erweist, desto eher wird der Pragmatismus und der gesunde
Menschenverstand der Chinesen siegen, zumal die Inder ebenfalls schon englisch
sprechen.
Das
muß das Ziel von NyLon sein: die Chinesen zur englischsprechenden Nation zu
machen. Wenn das gelungen ist, wird Peking ein zwar gerissener, aber friedlicher
Partner von NyLon werden und sich allmählich in die Menschheitsfamilie
einordnen.
Unvergessen
bei den Chinesen ist, dass Japan im Jahr 1895 Taiwan und ab 1931 die
Mandschurei besetzte. Da aber die japanische Kultur in der chinesischen wurzelt
und da beide Nationen der gleichen Rasse angehören, werden sich die Beziehungen
zwischen Tokio und Peking immer mehr verbessern. NyLon wird sogar Angst haben
müssen, dass sie die beiden zu gut verstehen.
Wie
auch immer, mit der Verbindung Peking-Tokio-Kalifornien wird der NyLon-Kreis um
die nördliche Halbkugel geschlossen sein, und die Welt wird dem Frieden und der
Einheit ein großes Stück näher gekommen sein.
Indien
und Pakistan (bis dahin vereint) war bis zum 15. 8. 1947 britische Kolonie.
Viele Inder sprechen englisch und sind mit der englischen Kultur vertraut.
Indien hat durch seine Religionen und seine Spiritualität großen Einfluß auf
NyLon ausgeübt, einen durchaus friedensstiftenden und segenbringenden. Indien
hat von NyLon nichts zu fürchten, und
NyLon hat von Indien nichts zu fürchten.
In NyLon werden die Gesetze von den Menschen für die Menschen gemacht. In der Welt des Islam kommen die Gesetze von Gott, und der Mensch ist Gott unterworfen (bzw. denen, die beanspruchen, im Namen Gottes zu reden). Der NyLoner ist skeptisch und misstraut jeder Autorität. Der Moslem ist gläubig, unterwirft sich der Autorität, opfert dafür sein Leben und will andere dieser Autorität unterwerfen. Er hält sich am Koran fest, der obersten Autorität. Wer im Namen dieser obersten Autorität spricht, hat immer recht. Wenn man immer recht haben will, muß man ein guter Korankenner sein. Der Koran ist bei Menschen, die immer Recht haben wollen, sehr beliebt. Wer Recht hat, braucht nicht tolerant zu sein.
Der wunde Punkt der Moslems ist der Koran und der Prophet Mohammed. Deswegen wurde Salman Rushdie mit dem Tode bedroht. Die geistige Auseinandersetzung mit dem Islam muß am Koran und an der historischen Person Mohammed ansetzen. Man hat die Bibel zerpflückt und analysiert, bis von Jesus Christus nichts mehr übrig geblieben ist.
Mohammed war Heerführer und Feldherr. Er hat Krieg geführt und es wurden Unschuldige getötet.
Wer Mohammed verherrlicht, verherrlicht leicht den Krieg.
Der
Islam ist die Katze. Wenn der NyLoner die Maus wäre, hätte er nichts zu lachen.
Aber solgange der NyLoner der Elefant (im Porzellan-Laden) ist, kann ihn die
Katze nicht allzu sehr beunruhigen.
Am
11. September hat die Katze ihre Krallen gezeigt und eine hässliche Narbe durch
das Gesicht von New York gezogen. Der Elefant hat daraufhin Kabul zertrampelt.
NyLon darf nie zulassen, dass aus der Katze ein Tiger wird.
Vom
Maghreb bis nach Indonesien sind die Staaten des Islam Militärdiktaturen, die
sich mit dem Geld und den Waffen von NyLon an der Macht halten. Das ist bequem für
NyLon, denn das Geld für die Korruption der Moslem-Regierungen hat es aus dem
arabischen Öl. Aber befriedigend und beruhigend ist dies nicht.
Dort,
wo der Islam Fuß gefasst hat, hat er sich festgesetzt und konnte nicht mehr
vertrieben werden. Die einzige Ausnahme bildet das Spanien der Reconquista.
Der
Islam hält die Moslems im Mittelalter gefangen. Sie kennen keinen laizistischen
Staat und keine Aufklärung. Diese beiden Dinge sind aber die Voraussetzung für
die Demokratie, die Industrialisierung und den wirtschaftlichen Erfolg.
Der
Islam stellt eine Gefahr für NyLon dar. Dieser Gefahr kann letztlich aber nicht
durch Waffen, sondern nur mit Worten besiegt werden. Das ist deshalb so schwer,
weil der Geist des Islam und des Christentums aus der gleichen Wurzel kommen.
Das Christentum ist keineswegs plausibler und vernünftiger als der Islam. Wer
den islamischen Fundamentalismus ausrotten will, muß auch den christlichen oder
jüdischen Fundamentalismus ausrotten. Das ist aber nicht machbar, denn der
Geist NyLons baut auf puritanischem und jüdischem Fundamentalismus auf. Moslems
und Puritaner sind letztlich aus dem gleichen Boden gewachsen.
Man kann moslemischen Fundamentlisten nur von ihrem Glauben abbringen, wenn man ihnen einen besseren Glauben bietet. Ein besserer Glaube als der islamische Fundamentalismus wäre die islamische Mystik oder der buddhistischer oder hinduistischer Spiritualität. Vielleicht kommt Hilfe aus Indien.
NyLon
muß die Moslems zur Toleranz und zur Skepsis bekehren. Zu Toleranz gegen die
Ungläubigen und zur Skepsis gegen die Mullahs.
Die
Weltverschwörung der Juden und Freimaurer, die von NyLon aus die Welt ihrer
geheimen Weltregierung unterwerfen wollen, ist eine Märchen, das aus der Zeit
vor dem ersten Weltkrieg stammt und von Ewig-Gestrigen immer noch geglaubt
wird. Bis in die Zeit Metternichs, in Rußland bis zur Oktoberrevolution, hatten
die Kirchen und die Feudalherrscher fast ein Monopol auf die öffentliche
Meinung. Alles, was gegen die Kirche und das regierunde Herrscherhaus gerichtet
war, wurde bespitzelt und verfolgt.
Wer
moderne soziale oder weltanschauliche Ideen vertrat, musst mit schwerer
Bestrafung rechnen. Da sammelten sich Menschen mit Bildung und Verstand in
geheimen Zirkeln der Freimaurer, um die Aufklärung und den Fortschritt
voranzubringen. Natürlich machte man auch Pläne, um die Feudalherrschaft, die
eng mit der Kirche zusammenarbeitete, abzuschaffen. Natürlich träumte man auch von
der Einigung der Menschen in Freiheit und Brüderlichkeit, und natürlich wurden
die Gedanken und Ideen der französischen Revolution auch in Freimaurerzirkeln
geboren und vorangebracht. Und natürlich waren unter den Freimaurern auch viele
gebildete und weltoffene Juden.
Aber
daraus eine Weltverschwörung der Freimaurer und Juden konstruieren zu wollen,
ist absurd. Mit größerem Recht könnte man dann von einer Weltverschwörung der
Neonazis sprechen, die sich verschworen haben, alle Versuche der Menschheit, zu
Einheit und Frieden zu finden, zu sabotieren.
Natürlich
treffen sich die Reichen und Einflussreichen dieser Welt auf allerlei
Konferenzen und Foren. Natürlich sind unter den reichsten Männern viel Juden
und natürlich kennen sie sich untereinander. Aber dass diese Leute die
Geschicke der Welt steuern, ist nicht der Fall. Sie können sie nur
beeinflussen, so wie auch die Moslems oder die Nazis oder die Buddhisten
Einfluss auf die Welt haben. Es gibt zu viele Kräfte und Mächte auf der Welt,
als dass ein paar reiche Männer der Welt ihren Willen aufzwingen könnten.
Wer
an die Weltverschwörung glaubt, leidet an Verfolgungswahn.
Das
ist eine verzwickte Geschichte. Täglich setzen sich die Juden in Israel mehr ins
Unrecht. Juden und Palästinenser wollen sich an die Gurgel, und es riecht nach
Völkermord. Der Steinzeitmensch lässt grüßen.
Solange
die NyLoner auf Seiten der Juden stehen, werden die Moslems sie hassen. Die
Regierungen in NyLon müssen aber auf Seiten der Juden stehen, weil die Juden zu
großen Einfluß in NyLon haben.
Was
tun ? NyLon ist machtlos und gewährt beiden Seiten Unterstützung. Es hofft auf
die Zeit, aber die Zeit macht noch alles immer schlimmer. NyLon wendet sich
anderen Problemen zu, die lösbarer erscheinen. Aber Palästina ist ein Dreh- und
Angelpunkt an einer Stelle, wo drei Kontinente sich berühren. Richard Maxheim
schlägt vor, Jerusalem zur internationalen Friedensstadt zu erklären. Recht hat
er. Jerusalem, heilige Stadt des Friedens ! NyLon kann den Frieden nicht
herbeizwingen, weil seine Methode es war immer, einer Seite zum Sieg über die
andere zu verhelfen und sich den Sieger zum Freund machen. Das geht in
Palästina nicht.
NyLon-City
muß die Herzen der Menschen gewinnen für den Gedanken der Freiheit, der
Menschenrechte und des Friedens durch gleichberechtigte Einheit der Menschheit.
Bisher galt NyLon’s erste Sorge dem Erwerb billiger Rohstoffe, billiger
Arbeitskraft und neuer Absatzmärkte. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen.
NyLon-City
kann sich erst dann sicher fühlen, wenn es von der ganzen Welt akzeptiert,
geliebt und verteidigt wird.
Auf
Grund ihrer vielfältigen Wurzeln und ihrer Bevölkerung, die aus allen Teilen
der Welt stammt, aber auch wegen ihrer hohen ethischen Werte, ihrer Freiheit
und ihrer Toleranz, sind die Vereinigten Staaten von Amerika dazu
prädestiniert, das Kernland der Welt zu werden, vom dem die Einigung der Welt
ausgeht. Wir müssen alle US-Bürger
werden, Bürger der „Vereinigten Staaten der Welt“. Diese neue, weltumspannende
USA muß aber eine andere, neue USA sein.
Wo
viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Dies trifft auch auf die heutige USA
zu. Unvereinbar mit den zukünftigen USW, den „United Staates of the World“ ist
die Maßlosigkeit und die Verschwendungssucht der heutigen USA. Unvereinbar sind
auch die Oberflächlichkeit und der Materialismus der heutigen USA, unvereinbar
die Ellenbogengesellschaft, unvereinbar das Wiederaufleben des
Frühkapitalismus, unvereinbar die mangelnde Sensibilität für die Bedürfnisse
und Empfindlichkeiten anderer Nationen.
Die Fehler der USA sind nur Schönheitsfehler, verglichen mit den Fehlern anderer
Trotz
allem, diese Schwachpunkte sind nur Schönheitsfehler, verglichen mit den
Mängeln, die die Regime von Hitler, Stalin oder Mao hatten. Auch ein
islamischer Gottesstaat kann kaum die zukünftige Form sein, unter der die
Menschheit vereint wird. Realistisch betrachtet, hat ein großer Teil der
Menschheit die amerikanischen Verhaltens- und Denkweisen übernommen und
verinnerlicht, und der Rest der Welt ist dabei, sie immer mehr zu übernehmen.
Die Menschheit wird also unter US-amerikanischen Werten und im Geist der
US-amerikanischen Kultur zusammenwachsen. Im Grunde gibt es dazu keine
Alternative, es gibt nur eine Verbesserung und Weitergestaltung dieser Werte.
Der
Mann aus Berlin weiß zwar nicht, wie es auf der anderen Seite der Hauptstraße
aussieht, aber ohne es selbst recht bemerkt zu haben, weiß er recht gut
Bescheid, wie es in den Straßen von San Franzisko aussieht. Abend für Abend
sieht er seine Fernsehhelden durch Los Angeles und New York fahren. Er weiß
zwar kaum etwas über den Mann, der in seiner Mietskaserne zwei Stockwerke über
ihm wohnt, aber er kennt das Leben seiner Serienhelden vom Melrose Place genau.
Sicher ist das nur ein Ersatzleben. Aber doch sind es prägende Eindrücke, und
irgendwie identifiziert er sich mit den Personen im Fernsehen. Diese Personen
sind US-Amerikaner. Sie gehören zu seinem Umfeld, zu seiner Sippe, zu seinem
Stamm. Und so wird der Mann aus Marzahn abends vorm Fernseher zum MarYorker.
Der
Weg von Neuguinea nach New York ist nicht unumkehrbar. Unsere Zivilisation kann
zusammenbrechen. Wenn alle Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten nicht
mehr existieren würden, weil ein Krieg oder irgend ein Zusammenbruch oder eine
Seuche alle Verbindungen gekappt hat, dann wären wir etwa da, wo die Römer nach
dem Zusammenbruch ihres Reiches waren. Man würde wieder sehr kleinräumig
wirtschaften, es gäbe nur noch Dörfer und Kleinstädte, man würde von der
Geldwirtschaft zur Tauschwirtschaft zurückkehren und an die Stelle der Nationen
oder des Weltstaates würden wieder die Stämme treten. Das wäre ungefähr das
Szenario, der Sektenguru Wankmiller und sein Stamm „Füssen eins“ prophezeiht.
Diese
Möglichkeit will ich nicht ausschließen. Aber wünschenswert erscheint sie mir
nicht. Wir sollen aber nie vergessen, dass unsere Zivilisation möglicherweise
auf dünnem Eis geht. Die Menschheit kann nicht nur viel tiefer stürzen, als sie
es ahnt, sondern auch noch viel höher aufsteigen, als uns das vorstellbar
erscheint.
Das
World Trade Center ist zerstört; und nun macht man sich Gedanken, was an seine
Stelle treten soll. Ich schlage ein World Peace Center vor. Zwei große Türme,
die das Weltparlament und den Weltrat beherbergen. Diese Türme sollen keine
Bürogebäude sein, sondern Hotels. So wie jeder Moslem einmal im Leben eine
Reise nach Mekka machen soll, so soll jeder Weltbürger mindestens einmal im
Leben nach New York ins World Peace Center reisen und die UNO besuchen. Und im
World Peace-Center soll er kostengünstig wohnen können. Er soll die Stadt
kennen lernen und sagen: dies ist meine Stadt, dies ist mein Land.