Abschied von Schuld und Sühne – das
Nullsummen-Gesetz
von
Christentum,
Judentum und Islam lehren, dass der Mensch im Laufe seines Lebens immer mehr
Schuld auf sich lädt. Er kann der Strafe Gottes nur entkommen, indem er seine
Sünden bereut, Buße und gottgefällige Werke tut und sich demütig der Gnade
Gottes ausliefert. Nur so kann der Gläubige hoffen, nach seinem Tod ein ewiges
Leben in der vollendeter Glückseligkeit des Paradieses
zu führen.
Doch
vom Paradies trennt den Gläubigen seine Schuld, und mit der Erbsünde soll der
Mensch sogar schon geboren werden.
Ähnliche
Gedanken vertreten Hinduismus und Buddhismus, wenn sie sagen, dass der Mensch
schon von Geburt an die Sünden seiner vorangehenden Leben mit sich schleppt und
sein Karma, also sein Schuldkonto tilgen muß, um in
die ewige Glückseligkeit des Nirwana einzugehen.
Wer
hat sich das alles ausgedacht und warum ?
Es
waren die Priester und Prediger, welche die Menschheit in der „Schuldfalle“
gefangen haben. Diese Religionsprofiteuere leben davon, dass andere für sie die
Arbeit tun, und die Frage, die sich ihnen stellt, ist nicht die: „Wie erlöse
ich mich von der Schuld ?“ sondern: „Wie kann ich
andere dazu bringen, für mich zu arbeiten und ihren Besitz mit mir zu teilen ?“
Und hier erwies sich die Schuldfalle als geniales Werkzeug.
Religion
ist die Verschwörung der Priester und Prediger gegen den Rest der Menschheit
mit dem Ziel, sie zu unterwerfen und auszubeuten. Das primäre Mittel dazu ist
das gepredigte Wort, das sekundäre Mittel ist die Anwendung oder Androhung von
Gewalt.
Diese
Kombination von Religion und Gewaltanwendung wird bereits in den fünf Büchern
Moses verherrlicht und zum Maßstab des frommen Handelns gemacht. Dieser
alttestamentliche Geist erfüllte auch den Islam und die christlichen
Kreuzfahrer. Und in diesem Geist hat das christliche Abendland die Welt
kolonisiert und im Zeitalter des Imperialismus unterworfen.
Heute
sehen wir uns wieder mit der Symbiose von Religion und Gewalt konfrontiert,
verkörpert durch die islamischen Terroristen ebenso wie durch die jüdischen
Siedler. Palästina wird nie zur Ruhe kommen, solange dieser alttestamentliche
Geist auf beiden Seiten das Denken und Handeln bestimmt.
Ich
glaube, dass kein Mensch den Willen Gottes kennen kann, und dass niemand sagen
darf: „Gott will es !“.
Zitat aus Wikipedia: „Mit den Worten Deus lo vult (spätlateinisch
für „Gott will es!“) antwortete die Menschenmenge, als Papst Urban II.
am 27. November 1095
auf der Synode von Clermont
zur Befreiung Jerusalems
in einer Predigt aufrief. Damit begründete er den ersten Kreuzzug,
der zur Befreiung der Heiligen Stätten beitragen sollte und den einzelnen
Teilnehmern helfen sollte, ihre Sünden abzubüßen.“
Gott
hat Palästina nicht den Juden (und auch nicht den Christen oder den Moslems)
zum Geschenk gemacht, er hat sie nicht beauftragt, die Einwohner dieses Landes
zu unterwerfen, ihre Priester zu ermorden und ihre Heiligtümer zu zerstören –
so wie das im alten Testament beschrieben und mit Lob bedacht wird. Ein Gott,
der so etwas befehlen würde, wäre kein Gott, sondern ein böser Dämon. Wenn man
von der Güte Gottes und seiner Liebe zu den Menschen ausgeht, kann er niemals
Palästina den Juden zum Geschenk gemacht haben. Wer immer dies behauptet hat,
der hat Gott gelästert und zum Landraub aufgerufen. Das gilt für Moses ebenso
wie für die Kreuzfahrer und die Zionisten. Es war auch nicht ein gnädiger und
friedlicher Gott, der die Krieger
Mohammeds angestachelt hat, die Welt zwischen Marokko und Indonesien dem Islam
zu unterwerfen. Nein, es waren immer Menschen, die sich der Religion bedienten,
um andere Menschen zu Eroberungszügen anzuspornen. Und diese Eroberer, Mörder
im Namen Gottes, Opfer und Täter zugleich, sind, von Gier und Angst getrieben,
nach vorne gestürmt, um die Welt ihren Auftraggebern zu Füßen zu legen und
selbst ein kleines Stück davon für sich zu behalten.
Ich
glaube, dass Juden, Christen und Moslems nicht zu einem gütigen Gott, sondern
zu einem bösartigen Kriegsgott beten. Daß ihr Gott liebevoll und gnädig ist, gilt nur für die
Auserwählten, nicht für die Ungläubigen. Das lehren die heiligen Schriften,
aber auch die geschichtliche Realität. Aus Sicht eines Ungläubigen ist dieser
Gott, an den sie glauben, weder gut noch gnädig, sondern bösartig, egoistisch,
blutrünstig und tyrannisch. So bietet er sich nämlich dar, wenn man die
Handlungen derer, die an ihn glauben, zum Maßstab nimmt. Und je fanatischer sie
glauben, umso unmenschlicher sind ihre Handlungen.
Was
heißt hier übrigens: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst
?“ Hat Jesus damit alle Menschen der Welt gemeint, wie das gerne
dargestellt wird ? Nein, der Nächste, das ist das
Mitglied der eigenen religiösen Gruppe. Der Nächste ist niemals der
Andersgläubige. Der wird verteufelt und mit Hass verfolgt. Auch Jesus drohte
den Ungläubigen die Qualen der Hölle an. Das wird gerne übersehen.
Aber,
und das ist die gute Nachricht für alle Ungläubigen, dieser Gott, der die
Ungläubigen mit der Hölle bestraft, existiert nicht, sondern ist nur eine
Erfindung der Prediger und Priester. Wir sind diesem Gott nicht unterworfen,
und wenn jemand versucht, uns das weiszumachen, dürfen wir ihn auslachen, ohne
die Strafe dieses Gottes fürchten zu müssen.
Allerdings
müssen wir die Strafe der Gläubigen fürchten, die uns als „Ungläubige“
verteufeln. Ihr Gott kann uns nichts tun. Aber sie, die Gläubigen können es
tun. Und deshalb dürfen sie keine Macht über uns haben. Solange der Koran in
endlosen Tiraden über die „Ungläubigen“ herzieht und ihnen die Strafe Gottes
androht, solange ist für uns „Ungläubigen“ nirgends auf der Welt ein sicherer
Ort. Aber wir sollten den „Gläubigen“ nicht mit der gleiche Sprache und den
gleichen Methoden antworten. Wir dürfen nicht den „Gläubigen“ den Krieg
erklären und den Glauben bekämpfen, indem wir die „Gläubigen“ töten, obwohl die
Gläubigen schon unzählige „Ungläubige“ im Namen ihres Gottes getötet haben.
Nein,
wir dürfen nicht den Glauben bekämpfen, indem wir die „Gläubigen“ ausrotten.
Der Kampf gegen den Glauben an diesen alttestamentlichen Kriegsgott soll ein Kampf der Ideen sein. Es geht darum,
die Ideen und Behauptungen der Gläubigen als Irrtümer und Lügen zu entlarven
und der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen. Der größte Feind des Glaubens ist das Wissen. Da, wo
der Mensch das Wissen besitzt, ist er nicht mehr auf den Glauben
angewiesen.
Aber
auch dort, wo das Wissen endet, muß man nicht
glauben, sondern zweifeln. Ja, wir können nichts wissen über das Leben nach dem
Tode, und wir können nicht wissen, wer oder was Gott ist. Aber wir können und
müssen daran zweifeln, daß irgend
ein Mensch etwas darüber weis, und selbst wenn dieser Mensch Jesus
Christus oder der Prophet Mohammed persönlich ist. Beides waren nur sterbliche
Menschen, mit all ihrer Irrtümern und dem beschränkten Wissen ihr Zeit. Es ist ihnen
kein Bote Gottes erschienen und hat ihnen eine Botschaft von Gott überbracht.
Nein, es waren nur Menschen, die ihre Träume mit der Realität verwechselt
haben. Sollen sie die Garanten der Wahrheit sein? Nicht der Glaube, sondern der
Zweifel führt zur Wahrheit.
Es
ist durchaus sinnvoll und legitim, daran zu glauben, daß
Jesus oder Mohammed die Garanten der Wahrheit sind. Weder Jesus noch Mohammed
haben eine einzige Zeile hinterlassen, die sie selbst geschrieben hätten. Das,
was sie sagten, wurde erst Jahrzehnte später von Personen, die wahrscheinlich
keine Augen- und Ohrenzeugen waren, anhand von bruchstückhaften schriftlichen
und mündlichen Überlieferungen zu einem heiligen Buch zusammengestellt, das
angeblich von Gott stammt. Wieviele Fehler und
Irrtümer sind da vorprogrammiert !
Aber
die Fundamentalisten behaupten, jedes Wort der heiligen Schriften sei wahr und
irrtumsfrei. Und deshalb dürfen sie von ihrer Wahrheit auch nicht den kleinsten
Abstrich machen. Die Welt muß erst 6000 Jahre alt
sein, Jesus muß vom heiligen Geist gezeugt sein usw.
Kann man mit solchen Leuten, denen es nicht um die Wahrheit, sondern nur um das
Rechtbehalten geht, diskutieren ? Es scheint mir eine
Zeitverschwendung zu sein. Diskutieren kann man nur mit denen, die im Zweifel
sind und die Zweifel zulassen.
Auch
wenn sie gegen Fanatiker versagen, so sind dennoch Aufklärung und
wissenschaftliche Skepsis die großen Waffen im Kampf gegen den Glauben. Diese
Waffen sind in der sachlichen Auseinandersetzung unwiderstehlich, und der
Glauben kann sich nur dagegen wehren, indem er die Auseinandersetzung auf
andere Ebenen verlagert: die der Emotion, der Lüge, des Zwanges und sogar der
nackten Gewalt.
Die
Prediger und Priester lenken die Liebe und die Verehrung der Gläubigen auf
göttliche oder heilige Personen. Jeder Mensch, und ganz besonders die Frauen
und die Jugendlichen haben den Drang, Liebe zu geben und Liebe zu empfangen.
Millionen von schwärmerischen jungen Mädchen haben sich in Jesus Christus
verliebt, und viele von Ihnen haben Jesus sogar symbolisch geheiratet, indem
sie Nonne wurden. Millionen vom moslemischen und
christlichen Männern sehen in Gott einen liebenden Vater, der sie versorgt und
belohnt.
Die
Religionsprofiteure verstehen es aber auch, den Haß
in den Menschen anzustacheln und sie in Furcht vor der Strafe Gottes zu
versetzen. Die wissenschaftliche Skepsis kann die Lehren der Gläubigen ad
absurdum führen, aber auf dem Gebiet der Emotionen sind die Gläubigen den
Ungläubigen überlegen.
Wenn
die Priestern und Predigern die Glaubwürdigkeit verloren haben und die Menschen
ihnen mit Spott und Verachtung begegnen, dann bleibt den „Glaubenskämpfern“ nur
noch die brutale Gewalt, der heilige Krieg. Priester und Krieger gehen eine
unheilige Allianz ein. Der Priester stützt die Macht des Kriegers, indem er
dessen Morde und Kriege für gerechtfertigt und von Gott gewollt darstellt. Im
Islam haben sich Priestertum und Kriegertum vereint,
um die Welt zu unterwerfen. Der Islam verdankt seinen Siegeszug nicht so sehr
der Überzeugungskraft oder Originalität seiner Lehre, die oft nur ein Echo des
Alten Testaments ist, sondern der Brutalität und der Opferbereitschaft seiner
Krieger.
Der
Moslem wird von Kind auf mit den Predigten Mohameds und mit seiner Hetze gegen
Juden und Ungläubige vollgepumpt. So wird jedes kritische und selbständige
Denken in weltanschaulichen Fragen unterdrückt. Es gibt nur den Koran, der im
religiösen Kern eine ungenaue Widergabe
von Bruchstücken aus dem alten Testament ist,
angereichert mit Legenden und den Haßtiraden
Mohammeds gegen Juden und Ungläubige. Der Haß und die
Verachtung der Moslems gegen Juden und Christen ist ja kein Zufall, sondern er
wird im Koran immer wieder und wieder gepredigt. Die Toleranz unserer
westlichen Politiker gegenüber dem Koran erklärt sich nur daraus, dass sie ihn
nicht kennen. Der Koran ist, genauso wenig wie das alte Testament, mit unseren
westlichen Grundwerten unvereinbar. Man sollte ihn nicht verbieten, aber man
sollte ihn genauso kritisch analysieren, wie das die abendländische Wissenschaft
mit der Bibel getan hat.
Ein
weiteres Mittel der „Gläubigen“ ist die „Geheimwaffe Gebärmutter“. Die
fanatischen Gläubigen schwängern ihre Frauen, um neue, unkritische Gläubige
heranzuzüchten und die „Ungläubigen“ mit ihrer schieren Überzahl zu erdrücken.
Den
gläubigen Moslems fällt es schwer, eine auf Wissenschaft und Technik aufbauende
Zivilisation zu schaffen, weil sich Glaube und Wissenschaft ebenso ausschließen
wie patriarchalisches Denken und Demokratie. An der Wiege jeder Wissenschaft
steht der Zweifel, und nicht der Glaube. Deshalb ist die Zivilisation der
„Ungläubigen“ technisch und materiell überlegen und kann von den „Gläubigen“
durch einen Krieg nicht besiegt werden. So ist man auf das Mittel des Terrors
verfallen. Aber der Terror hat unter den Moslems und Juden weit mehr Opfer
gefordert als unter den „Ungläubigen“. Die Fundamentalisten sind sich nämlich
untereinander nicht einig, denn jeder beansprucht im Besitz der alleinigen
Wahrheit zu sein. Da es aber ebenso viele Wahrheiten wie Menschen gibt, kann
Einigkeit unter den Menschen nur durch Toleranz und Kompromiss zustande kommen.
Man muß miteinander reden, dem anderen zuhören, dem
anderen sogar Recht geben. Die fanatischen Gläubigen sind dazu unfähig, deshalb
sind sie politikunfähig.
Der
Gott der Juden hat sie als sein Volk auserwählt - so glauben die Gläubigen
unter ihnen. Aber nicht Gott hat die Juden auserwählt, sondern die parasitäre
jüdische Priesterkaste hat sich das jüdische Volk als Opfer auserwählt. Warum
das gerade das jüdische Volk ? Ein anderes Volk hatte die jüdische
Priesterkaste nicht. Das Banale verstehen, heißt die Welt verstehen.
In
der Antike war das Land der Juden die meiste Zeit in den Händen fremder Großmächte.
Für die Juden stellt sich die Frage: „Wieso lässt unser Gott, der doch der
einzige und allmächtige ist, es zu, dass wir von fremden Völkern, die zu
fremden Göttern beten, unterworfen wurden ?“ Die Antwort der israelischen
Priesterkaste war: „Ihr Juden habt Schuld auf euch geladen, weil ihr gegen die
Gebote Gottes gehandelt habt.“
Die
fremden Großmächte (Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen, Römer)
duldeten keine eigene, israelische politische Führungsschicht. Der politische
Zweig der israelischen Elite wurde immer gestutzt. Die Folge war, dass die
ganze Kraft der jüdischen Elite in den religiösen Zweig ging. Die religiöse
Elite war für das soziale und politische Leben der Juden die dominierende
Kraft. Die Juden hatten einen Gottesstaat. Besser gesagt: es war ein
Priesterstaat. Wenn ein Priester sagt: „Gott will, dass du dies und jenes
machst“, dann versteckt er sich nur hinter seinem Gott. Er genießt es, dir im
Namen Gottes Vorschriften zu machen, und im tiefsten Inneren gibt es ihm einen
ungeheuren Kick, über dich eine solche Macht zu haben. Das Machtbedürfnis der
israelischen Elite konnte sich nur auf dem religiösen Sektor entfalten.
Die Achsenzeit und die Religionen
Um
das Jahr 600 vor Christus war in der zivilisierten Welt, die von Ägypten,
Griechenland, Persien und Indien bis nach China reichte, die Fähigkeit,
philosophische und religiöse Texte aufzuzeichnen und der Nachwelt zu
überliefern, zum ersten Mal in der Weltgeschichte möglich geworden. Überall gab
es eine Elite von Beamten und Priestern, die diese Kunst beherrschte. Und
Mitglieder dieser Elite begannen, für ihre eigenen Bedürfnisse (oder die Ihrer
sozialen Klasse), und nicht für die Bedürfnisse der Staatsverwaltung oder des
Handels, eigene Aufzeichnungen machen und eine religiöse und philosophische
Literatur zu erschaffen. Dies war eine Revolution, die mit der Verbreitung des
Buchdrucks und mit der Verbreitung der elektronischen Medien und des Internets
vergleichbar ist.
Dem
Philosophen Karl Jaspers fiel es auf, dass all die großen Philosophien und
Religionen um das Jahr 600 vor Christus entstanden sind. Jaspers nennt diese
Zeit die „Achsenzeit“. Er meint damit eine zentrale Zeit in der Weltgeschichte.
Jaspers beobachtet, dass zu dieser Zeit Konfuzius, Laotse, Buddha, Zarathustra,
der jüdische Prophet Deutero-Jesaja und die
griechischen Philosophen (z.B. Heraklit) gelebt haben.
Das
Banale verstehen, heißt die Welt verstehen. Und das Banale kann uns auch
helfen, das Phänomen der Achsenzeit zu verstehen. All diese großen Philosophen,
Religionsstifter und Propheten konnten nur deshalb zu einer solchen
weltgeschichtlichen Bedeutung gelangen, weil sie die ersten waren, deren Lehren
entweder von ihnen selbst oder von ihren Schülern und Nachfolgern der Nachwelt schriftlich überliefert wurden.
Das
ist der banale Grund dafür, dass all die in dieser Zeit entstandenen Religionen
und Philosophien für uns so große Bedeutung haben. Sie waren nicht die ersten
Philosophen und Religionsstifter. Aber sie waren die ersten, deren Gedanken uns
so detailliert und genau überliefert sind – dank der Unsterblichkeit des
geschriebenen Wortes, das damals zum erste Mal in einer solchen Menge
produziert und überliefert werden konnte. Vorher gab es natürlich schon in
Stein gehauene oder an Wände gemalte Inschriften. Aber erst das auf Pergament
(und später auf Papyrus) geschrieben Wort wurde für die gebildete Schicht zum
„demokratischen“ Allgemeingut, das nicht nur Pharaonen und Königen vorbehalten
blieb.
Sicherlich
gab es in den Jahrhunderten und Jahrtausenden vor der „Achsenzeit“ schon große Philosophen und Religionsstifter. Aber
ihre Worte sind verklungen und vom Winde verweht. Es gab auch schon eine
mündliche Tradition, in welcher der Glaube und die Literatur von Generation zu
Generation weitergereicht wurden. Ich denke da an Homer, der etwa Ende des
achten Jahrhunderts v. Chr. lebte. Aber auch Homer wäre dem Vergessen anheim
gefallen, wenn seine Werke nicht in der Achsenzeit aufgezeichnet worden wären.
Man
kann sogar ziemlich sicher sein, dass die Gedanken der großen Philosophen und
Religionsstifter zum großen Teil nicht von ihnen selbst stammen, sondern auf
eine alte mündliche Tradition zurückgehen. Aber sie und ihre Schüler waren die
ersten, die diese Traditionen schriftlich festhielten und natürlich mit eigenen
Gedanken anreicherten. Auch hier gilt der Ausspruch Newtons: „Ich konnte nur
deshalb so hoch steigen, weil ich auf den Schultern von Riesen stand“.
Die
Achsenzeit ist also deshalb so bedeutsam, weil mit ihr die schriftliche
Tradition von Religionen und Weltanschauungen begann.
Stellen
wir uns einen gleichmäßig ebenen Berghang vor, der unterhalb der Mauer eines
Stausees liegt. Irgendwo bekommt der Stausee einen Riß
und das Wasser ergießt sich in einem breiten Strom zu Tal. Welchen Weg das
Wasser nimmt, hängt vom den Eigenschaften des Untergrundes, ob er weich oder
hart ist, aber auch vom Zufall ab. Das Wasser gräbt sich bei seinem Weg nach
unten ein Bett. Und wenn das Bett einmal da ist, dann wird das Wasser in
Zukunft immer den gleichen weg nehmen.
Diese
ersten schriftlichen Traditionen sind wie das Wasser an diesem Berghang. Sie
haben in das Bewusstsein der Menschheit ein tiefes Bett gegraben, und alles was
später an Gedanken und Ideen daherkommt, benutzt die gleichen,
tiefeingegrabenen Furchen um zu dem gleichen Ziel zu gelangen.
Und
so kommt es, dass das Denken der heutigen jüdischen Siedler und der
moslemischen Fundamentlisten sich immer noch in den gleichen Bahnen bewegt, die
in ihren schriftlichen Traditionen, in ihren heiligen Büchern niedergelegt wurden.
Und diese Traditionen begannen um etwa 800 vor Christus.
Die
schriftliche Tradition, die zunächst ein großer Segen und ein großer
Fortschritt war, hat sich im Lauf der Zeit zum großen Fluch entwickelt, weil
sie das Denken eines großen Teils der Menschheit in den religiösen Traditionen
der antiken Welt gefangen hält.
Ich
möchte diesen alten Traditionen etwas Neues entgegenstellen. Aber auch wenn
diese neuen Gedanken aus mir selbst kommen, so gab es natürlich schon Menschen,
die in eine ähnliche Richtung dachten. Und so geht es mir wie jedem, der neue,
revolutionäre Ideen entwickelt. Wenn er in den alten Büchern nachforscht, kommt
er dahinter, dass andere seine Gedanken schon lange vor ihm gedacht haben. Und
wenn er noch weiter in der Zeit zurückgeht, dann wird er irgendeinen Text aus
der Achsenzeit finden, in welchem seine Gedanken zumindest schon im Ansatz
vorhanden sind.
So
kann man mein „Nullsummen-Gesetz“ schon im Tao Te-King
des chinesichen Philosophen Lao
Tse und in der chinesischen Tradition vorgedacht
sehen.
Mein
„Nullsummen-Gesetz“ lautet:
„Gleichgültig,
was auch immer ein Mensch tut oder sagt, wird dies niemals nur rein positive
oder nur rein negative Folgen haben. Global und über alle Zeiten und Länder
hinweg betrachtet, halten sich gute und schlechte Wirkungen einer Tat oder
eines Wortes im Gleichgewicht und heben sich gegenseitig auf, sodaß die Summe aller positiven und negativen Auswirkungen
gleich Null ist.“
Das
ist natürlich ein schwerer Schlag für alle Weltverbesserer, die fest daran glauben,
dass sie durch ihr Tun mithelfen könnten, die Menschen aus ihrer Not zu
befreien und den Planeten zu retten.
Global
betrachtet bleibt die Summe aller Leiden und Freuden konstant, aber vom
Gesichtpunkt des Einzelnen (oder einer einzelnen Gruppe, oder einer einzelnen
Nation) aus betrachtet, kann eine Tat natürlich durchaus gut und sogar
notwendig sein. Aber niemand kann mehr behaupten, dass das, was er tut,
wirklich zum Vorteil und Nutzen des ganzen Planeten und der ganzen Menschheit
sei.
So
betrachtet, bin ich nicht mehr bereit, zu sagen: „Wir müssen uns der
Klimaerwärmung entgegenstellen, weil dies wäre eine Katastrophe für die
Menschheit und den Planeten“. Die Klimaerwärmung wird genauso viele positive
wie negative Folgen haben, und beide werden sie sich die Waage halten und unter
dem Strich wird dadurch Menschen und Natur nicht mehr und nicht weniger Schaden
zugefügt werden.
Genauso
wenig bin ich aber bereit zu sagen: „Wir brauchen ein ständiges
wirtschaftliches Wachstum und die freie Marktwirtschaft, um der Menschheit
Wohlstand und Reichtum zu verschaffen.“
Oder ich bin auch nicht bereit zu sagen: „Die Planwirtschaft und der
totalitäre Überwachungsstaat sind das absolute Übel, das nur Unglück über die
Menschheit bringen wird.“
Was
immer Menschen tun und machen werden, es wird gleich viel Vorteile wie
Nachteile haben.
Trotzdem
werden Menschen immer voller Energie danach streben, ihre persönliche Situation
zu verbessern und ihr Ansehen und ihren Lebensgenuß
zu mehren. Und dabei werden sie immer in Konflikt mit anderen Menschen geraten.
Aber sie können sich nicht darauf berufen, dass das, was sie tun oder wollen,
für das Allgemeinwohl das beste sei oder dass Gott
dies so will. Nein, sie selbst wollen es für ihren eigenen persönlichen
Vorteil.
Wenn
man das Nullsummengesetz auf die jüdische, christliche, islamische,
hinduistische und buddhistische Religion anwendet, bedeutet dies, dass der
Mensch durch seine Taten und Worte nicht schuldig werden kann. Denn:
gleichgültig, was er tut, es hat genauso viele positive wie negative Folgen.
Selbstverständlich:
wenn man „Sünde“ als „Ungehorsam gegen Gott“ (was nichts anderes ist als:
„Ungehorsam gegen die Priester und Prediger“) definiert, dann gibt es eine
Sünde. Aber nur aus der Sicht der Priester und Prediger. Wenn wir „Sünde“ aber
als eine Tat definieren, welche global, also für alle Zeiten und alle Länder
betrachtet, in der Summe anderen Menschen oder Lebewesen mehr schadet und ihnen
mehr Leid bringt, dann kann der Mensch weder gute noch schlecht Taten vollbringen,
sondern vom ethischen Standpunkt ist es im Endeffekt egal, was er tut, weil
sich gutes und Schlechtes immer die Waage halten.
Daß es keine Sünde ist, sich zu weigern,
sich einem von Priestern erdachten und geformten Gottesbild zu unterwerfen und
der Willkür und Absurdität religiösen Gesetze zu folgen (z. B. kleinen Jungen
die Vorhaut abzuschneiden), ist klar. Aber dass auch die humanistische Ethik
durch das Nullsummengesetz als sinnlos erkannt wird, ist schon schwerer zu
akzeptieren.
Aber
nur in der Theorie kann ich tun, was ich will, nicht aber in der Praxis - denn
ich bin Teil einer sozialen Gemeinschaft, und die definiert, was für die
Allgemeinheit gut ist. Auch wenn es vom philosophischen Standpunkt egal ist, ob
ich jemanden umbringe oder nicht, so kann eine soziale Gemeinschaft nicht
tolerieren, dass ihre eigenen Mitglieder übereinander herfallen und sich
umbringen. Selbst eine Gemeinschaft von Satanisten vom Schlage eines Alleister Crowley, der seinen
Anhängern predigte: „Tu was du willst !“ kann das
nicht tolerieren. Das würde die soziale Gemeinschaft sofort zerstören und wir
hätten die Anarchie und das Recht des Stärkeren. Ganz ohne Religion und
Priester muß sich eine soziale Gemeinschaft die
Gesetze geben: „Du sollst nicht töten“, „Du sollst nicht stehlen“, Du sollst
nicht vor Gericht falsch aussagen“. Es ist ja keineswegs so, dass diese Gesetze
ohne Religion nicht hätten. Unsere weltlichen Gesetze sind ein Produkt der
praktischen Vernunft – auch wenn man das bei einzelnen in Zweifel ziehen muß.
Das
Nullsummen-Gesetz entlässt uns also nicht in die Anarchie. Es befreit uns auch
nicht von Gewissensbissen. Gewissen, das ist die Angst des Sünders vor der
Bestrafung durch das Kollektiv, gegen dessen Normen er verstoßen hat. Diese
Angst kann und will das Nullsummengesetz nicht nehmen.
Aber
es kann vor unnötiger Angst und religiösen Schuldgefühlen befreien.