Über die
Weltbürgervereinigung e.V.
und das Buch
Weltstaat und Weltbürgerbewußtsein
von Ernst Heinrichsohn
Texte der
Weltbürgervereinigung und Texte von Ernst Heinrichsohn,
bearbeitet von
Weltbürgervereinigung e.V.
Geschäftsstelle:
Lehmkuhlenstr. 16
D-26123 Oldenburg
Gerda Oelrichs
e-mail gerda.oelrichs@t-online.de
Tel. und Fax.: 049 –
(0) 441 – 3 80 13 92
Vorstand: Ernst
Heinrichsohn und Heiko Vollquardsen
Verlag Heinrichsohn
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e-mail: verlag-heinrichsohn@t-online.de
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Eine kleine Gruppe von Menschen, von
wachsender Sorge um die Zukunft unseres Planeten erfüllt, kam am 1. August 1996
in Oldenburg zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Formal ist sie
ein eingetragener Verein, der als "Weltbürgervereinigung"
möglichst bald nicht nur in Deutschland weithin bekannt werden will und dies,
von der Sache her gesehen, auch verdienen würde.
In der Satzung der
Weltbürgervereinigung heißt es:
"Die Weltbürgervereinigung
will die Völkerverständigung und das Weltbürgerbewußtsein
in gemeinnützigen Interesse fördern mit dem Ziel der Errichtung eines
demokratischen Weltstaates."
Es war kaum ein Jahr vergangen, und die
Weltbürgervereinigung hatte bereits über 100 Mitglieder. Das ist sicher weit
mehr, als der Initiator der Gründung, Ernst Heinrichsohn, erhoffen konnte. Seinen
Erfolg verdankt er der Mitarbeit von Dieter Lüttgau, der schon im Berlin der
Nachkriegszeit aktiver Weltbürger war, und E. Field Horine, dem ersten Intendanten des Bayerischen Rundfunks,
der auch im Laufe seines langen Lebens im Auftrag der UNO tätig war und viele
Jahre als Psychoanalytiker gearbeitet hat. Ermöglicht wurde der Erfolg auch
durch den Journalisten Thomas Kuchta, der die
Weltbürgervereinigung in der Oldenburger Region bekannt machte. So gelangte die
Kunde von der Neugründung in die überregionale Presse und Weltbürger aus dem
Raum München, Berlin und Hannover traten der Weltbürgervereinigung bei.
Die Gründe für die Notwendigkeit
eines Weltstaates enthält das Buch von Ernst Heinrichsohn "Weltstaat
und Weltbürgerbewußtsein", das jedem Neumitglied
der Weltbürgervereinigung kostenlos überreicht wird.
Jeder der sechs Milliarden Menschen auf
unserem Planeten hat trotz aller individueller Unterschiede, die sich aus
Herkunft, Erziehung und Charakter ergeben, mit allen anderen Menschen eine
Vielzahl von Gemeinsamkeiten und Verbindungen.
Durch die Globalisierung der
Wirtschaft, das Satellitenfernsehen, die Verbilligung der Reisen in ferne
Länder, durch die Telefon- und Computernetze wächst die Menschheit immer mehr
zu einer Weltgemeinschaft zusammen.
Diese Weltgemeinschaft ist spätestens
seit der Entwicklung der Atombombe und mit dem Fortschreiten der globalen
Umweltzerstörung zu einer Schicksalsgemeinschaft geworden. Das wohl stärkste
Band, das heute alle Menschen verbindet, ist das gemeinsame Interesse am
Überleben. Wir alle sind existentiell davon abhängig, daß
die uns allen gemeinsame Atmosphäre nicht durch gefährliche, giftige oder
radioaktive Gase oder Stäube vergiftet oder katastrophal verändert wird.
Wir sind deshalb der Ansicht, daß in dieser bedrohlichen Zeit nur der Zusammenschluß
aller Menschen in einer Weltgemeinschaft unser Überleben sichern kann. Wir
glauben, daß die Politik dem Zusammenwachsen der
Menschheit Rechnung tragen muß und die entsprechenden
politischen Strukturen geschaffen werden müssen. Die Vereinten Nationen sind
nur als zaghafter und unzureichender Versuch in diese Richtung anzusehen;
vielmehr brauchen wir einen föderativ verfassten Weltbundesstaat, der für die Sicherung
des Friedens und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen auf unserer Erde
zuständig ist.
In einem Weltstaat gäbe es keine
sinnlosen Rüstungsausgaben mehr. Mit den eingesparten Haushaltsmitteln könnte
die Industrie auf umweltfreundliche Produktion umgestellt werden und alle
großen Probleme der Menschheit wirkungsvoll angegangen werden. Die Erhaltung
der ökologischen Voraussetzungen für das künftige menschliche Leben ließen sich
durch für alle Völker verbindliche Gesetze regeln. Das Zeitalter des dauerhaften
Weltfriedens würde beginnen. Die Menschen unserer Erde könnten wieder
hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
Wohlbemerkt: Dies alles sollte und muß
vollzogen werden ohne Beeinträchtigung und bei voller Wahrung der
kulturellen Errungenschaften, Sitten, Bräuche, Sprachen und
Glaubenseinrichtungen der Weltvölker.
Der Zusammenschluß
aller Völker in einem Weltstaat ist nur möglich, wenn die Menschen unserer Erde
dieses Ziel erreichen wollen. Hierzu bedarf es der Ergänzung der individuellen Bewußtseinswerte zu einem Weltbürgerbewußtsein.
Das Weltbürgerbewußtsein
lehnt Vorurteile über andere Völker, Rassen und Kulturen ab, erkennt ihre
Eigenart, ihren Wert und ihre Gleichberechtigung an und begrüßt diese
als Bereicherung der Vielfalt unseres Lebens.
Aus dem Gefühl der Verbundenheit mit
allen Menschen erwächst Verständnis und Toleranz für andere Völker, und
deshalb halten wir jede gegen andere Völker gerichtete Aggression für absurd
und verbrecherisch.
Der Weltstaat mag heute noch als Utopie
erscheinen. Aber in Wirklichkeit ist er zur zwingenden Notwendigkeit geworden.
Der Nationalstaat ist mit den Problemen der Menschheit überfordert und der nationaler Egoismus führt die Menschheit in die
Katastrophe.
Unsere Hoffnung und unser Engagement
hat das Ziel, uns allen Leid und Katastrophen zu ersparen und den Weg der
Vernunft zu gehen.
Unser überfülltes Raumschiff Erde
hat die Grenze der Belastbarkeit überschritten. Die globale Durchschnittstemperatur der Atmosphäre
hat sich durch die zunehmenden Luftverschmutzungen in den vergangenen 100
Jahren um 0,5 Grad erhöht. Mehr als die Hälfte der Tropenwälder sind schon
vernichtet worden. Auf der nördlichen Erdhalbkugel sterben die Wälder am sauren
Regen und durch Abholzen der letzten Urwälder. Die Wüstenregionen haben sich in
den vergangenen 100 Jahren verdreifacht. Der von Menschen verursachte Verlust
an Tier- und Pflanzenarten schreitet weiter fort. Die Reserven der fossilen
Brennstoffe und der mineralischen Rohstoffe gehen unaufhaltsam zur Neige.
Dieser schneller werdende Prozess gewinnt immer mehr an Eigendynamik und kann
nur noch durch globale Weltgesetze beendet werden.
Die Gefahr der Selbstvernichtung der
Menschheit durch Atomwaffen besteht
weiter, solange es Nationalstaaten, Bürgerkriegsparteien, Verbrechersyndikate
oder sonstige Organisationen gibt, die sich in den Besitz von
Massenvernichtungswaffen setzen können. Wenn die Gefahr weltweit ist, dann muß es auch eine weltweite Staatsgewalt geben, welche unser
aller Sicherheit garantiert. Nur ein Weltstaat kann die Herstellung und den
Besitz von Massenvernichtungswaffen verbieten und dieses Verbot
wirkungsvoll durchsetzten. Nur ein Weltstaat kann eine globale Abrüstung und
eine Entschärfung und Entsorgung aller Massenvernichtungswaffen durchführen.
Das wäre das erste und vornehmste Ziel des
Weltstaates, und auch die erste und überzeugendste Legitimation für ihn.
Neben der Regierungsgewalt hat ein
demokratischer Weltstaat auch noch Parlaments- und Gerichtsgewalt. Die
Weltregierung ist nur zuständig für die Durchführung der Weltgesetze.
Das krasse Nord-Süd-Wohlstandsgefälle
könnte allmählich ausgeglichen werden und durch die Erhöhung des
Lebensstandards in den Entwicklungsländern könnte die Bevölkerungsexplosion
eingedämmt werden.
Die Menschen könnten in einer Weltgemeinschaft
ohne Kriege und ohne Umweltzerstörung eine höhere Kulturstufe erreichen.
Heute besteht die Gefahr, daß die Menschen ihre geistigen Fähigkeiten hauptsächlich
dazu benutzen, das ökologische Gleichgewicht der Natur zu zerstören und
sich so selbst eine lebensfeindliche Umwelt schaffen.
Der Mensch ist nicht nur zu
unvernünftigen, sondern sogar zu bösartigen Handlungen fähig. Die Wissenschaft
vermutet, daß im Zwischenhirn die Verhaltensprogramme
unserer tierischen Vorfahren gespeichert sind. Diese aggressiven und raubtierhaften Verhaltensweisen haben zum Überleben der
Spezies Mensch beigetragen und waren durchaus sinnvoll, solange der Mensch als
einzige Waffe eine Keule und einen Faustkeil besaß. Heute aber ist der
Mensch im Besitz von Waffen, die das Leben auf dem gesamten Planeten
auslöschen können. Diese Konstellation - das primitive Stammhirn des
Menschen, das in Zuständen der emotionalen Erregung regelmäßig die Oberhand
über das hochentwickelte Stirnhirn gewinnt, in
Verbindung mit Waffen ungeheurer Zerstörungskraft ist es, was Anlaß zu größter Sorge gibt. Der Übergang vom Tier zum
vernunftbeherrschten Lebewesen ist dem Menschen noch nicht vollständig gelungen
und wird wohl noch viele Jahrtausende benötigen. Leider können wir nicht
solange warten. Da sich die Anwendung gentechnischer Möglichkeiten aus
ethischen Gründen absolut verbieten, und da auch die Mittel von Religion
und Erziehung regelmäßig versagen, wenn es darum geht, den Menschen in ein
vollständig von Vernunft und Edelmut geleitetes Lebewesen zu verwandeln, bleibt
uns keine andere Wahl, als eine weltweite rechtsstaatliche Ordnung zu schaffen,
welche die Dämonen aus der Tiefe des Stammhirns im Zaum halten kann.
Erziehung und guter Wille sind notwendige, aber nicht
hinreichende Bedingungen, um einen dauerhaften Weltfrieden zu sichern.
Vielmehr muß er durch feste politische Institutionen
und Regelungen konkret organisiert werden. Die Vorarbeit, die die
Friedensbewegung, die Religionen, die Idealisten, Pazifisten und Humanisten
geleistet haben, kann nur dann Früchte tragen, wenn die ethischen und
humanitären Ideale in eine Weltverfassung münden, die von einem Weltparlament
verabschiedet und von einer Weltgerichtsbarkeit und einer Weltexekutive in die
Tat umgesetzt werden.
Es wäre aber sicherlich nicht
zutreffend, unseren ererbten tierischen Verhaltensweisen die alleinige Schuld
an allen Verbrechen und an allen Kriegen der Welt zu geben. Diese
Verhaltensweisen reflektieren ja nur die Realität, die in der Natur herrscht.
Und diese Realität ist, daß die Lebewesen sowohl als
Individuen wie auch als Gruppen oder Arten untereinander in einer Konkurrenzsituation
stehen und daß die für das Leben notwendige
Dinge oft nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen oder nur mit
beträchtlichem Aufwand an Mühe und Zeit erworben werden können. Da liegt es
nahe, den Konkurrenten zu berauben, zu betrügen, zu erpressen, zu versklaven
oder zu töten.
Aus dieser Grundsituation, in der sich
alle Lebewesen, auch der Mensch, befinden, ergeben sich Konflikte. Diese Konflikte
kann man auf primitive, barbarische Weise durch das Mittel der Gewalt
lösen. Man kann sie aber auch durch Verhandlungen oder durch Anerkennung eines
Vermittlers oder unparteiischen Richters lösen. Dazu muß
aber gewährleistet sein, daß der Richter an Gesetze
gebunden ist, und daß der gefällte Richterspruch auch
notfalls gegen den Willen der streitenden Parteien durchgesetzt wird.
In der langen Geschichte der Menschheit
haben sich Recht und Gesetz als das wirksamste
Mittel erwiesen, Frieden und Gerechtigkeit zu stiften.
Leider sind die Nationalstaaten
faktisch keiner höheren richterlichen Instanz unterworfen, sondern haben oft keine andere Wahl, als dort, wo
sie ihre Interessen verletzt sehen, diese mit Gewalt zu verteidigen.
Wir sind deshalb der Ansicht, daß die Normen des Völkerrechts und die Menschenrechte
weltweit und für alle Staaten verbindlich durchgesetzt werden müssen. Aber
bevor es einen Weltgerichtshof gibt, muß es
Gesetze geben, an die dieser Weltgerichtshof gebunden ist. Das Völkerrecht ist
nur eine Sammlung von Normen, die von Gelehrten ausgearbeitet wurden und die
von den Regierungen quasi als Gewohnheitsrecht gebilligt wurden - aber längst
nicht von allen Regierungen und in allen Punkten.
Das Organ, um Gesetze zu erlassen, ist
ein Parlament. Da es hier um Gesetze geht, die für alle Nationen und für
alle Menschen verbindlich sind, müssen auch alle Nationen und alle Menschen in
diesem Parlament gleichberechtigt und nach der Bevölkerungszahl der einzelnen
Regionen gewichtet vertreten sein.
Aber was würde uns ein Parlament, ein
Gesetz und ein System von Gerichten nützen, wenn niemand da wäre, der diesen
Gesetzen Gültigkeit verschafft? Jedes Gericht benötigt eine Polizei,
welche die Täter ergreift und die Beweise und Spuren sichert. Und deshalb
brauchen wir nicht nur einen Weltgerichtshof (oder ein System von
Gerichtshöfen), sondern wir brauchen auch eine Weltpolizei. Da sich aber
Polizeikräfte nicht gegen die Armee eines mächtigen Landes durchsetzen können,
brauchen wir auch eine Weltarmee, und diese Weltarmee muß größer und mächtiger sein als
alle andern nationalen Armeen zusammen. Wie wäre das denkbar? Es wäre nur so
denkbar, daß USA, Europa, Russland, China und alle anderen
Staaten ihre nationalen Armeen in einer gemeinsamen Armee vereinen und daß daraus eine gemeinsame Weltarmee wird.
Diese Armee wäre dann schließlich so
umfassend, daß sie keine
nennenswerte Gegner mehr hätte. Und eine Armee ohne Gegner wäre
überflüssig. Genau das ist es, worauf wir abzielen.
Wer soll aber nun eine solche Weltarmee
unter Kontrolle halten, und wie soll gewährleistet sein, daß die Politik das Primat über das Militär behält? Dies
wiederum ist nur möglich, wenn es eine zivile, demokratische und
rechtsstaatliche Weltregierung gibt, deren Befugnisse und Grenzen genau durch
eine Weltverfassung festgelegt sind. Der Hauptteil dieser Weltverfassung
würde sich wohl, ähnlich wie unser Grundgesetz, mit der Verteilung der Kompetenzen
zwischen den Nationalstaaten und dem Weltbundesstaat beschäftigen. Es
ist klar, daß in der Weltverfassung das
Subsidiaritätsprinzip eine große Rolle spielen müßte,
also das Prinzip, daß die übergeordnete Instanz, d.h.
die Weltregierung, nur das entscheiden und tun dürfte, was die nachgeordneten Instanzen auf ihrer Ebene nicht besser
selbst tun könnten. So wäre gewährleistet, daß die
Weltregierung sich nicht zu einem bürokratischen Wasserkopf aufblähen würde,
der alle Entscheidungen an sich zieht.
Ebenso klar ist es auch, daß der Föderalismus, der sich ja in den USA, in der
Schweiz und in der Bundesrepublik sehr gut bewährt hat, ein wesentlicher
Bestandteil der Weltverfassung sein muß.
Wer soll nun die Weltregierung wählen?
Antwort: Die Abgeordneten des Weltparlaments. Und wer wiederum soll die
Abgeordneten des Weltparlaments wählen? Antwort: die Bürger dieser Welt, und
zwar in freien und geheimen Wahlen. Wenn man davon ausgeht, daß das Weltparlament etwa 1000 Abgeordnete haben
sollte, dann würden jeweils 5 Million Menschen
einen Abgeordneten wählen. Man müßte also
die Welt in 1000 Wahlkreise einteilen, wobei es vielleicht gar nicht so
ungeschickt wäre, diese Wahlkreise die nationalen Grenzen zu überschreiten
lassen.
Die Weltverfassung sollte möglichst
auch eine Länderkammer, vergleichbar mit unserem Bundesrat vorsehen.
Für den an
Details interessierten Leser sei vermerkt, daß es
bereits eine ganze Anzahl Weltverfassungen gibt, die vor allem hochqualifizierte amerikanische Verfassungsrechtler ausgearbeitet
haben, z.B. den Entwurf von Clark und Sohn.
Es gibt natürlich auch schon die UNO
und die Erklärung der Menschenrechte. Aber die UNO ist so konstruiert, daß das Veto eines der ständigen Mitglieder des
Weltsicherheitsrates ausreicht, um die UNO zu lähmen und in einen "zahnlosen
Papiertiger" zu verwandeln. Deshalb ist es auch bis heute nicht
gelungen, die Menschenrechte allgemeinverbindlich durchzusetzen - ganz
abgesehen davon, daß es eine Anzahl von Regierungen
gibt, die ihre Herrschaft auf der Mißachtung der
Menschenrechte aufgebaut haben und die so mächtig sind, daß
man gegen sie die Menschenrechte nur um den Preis eines Krieges, womöglich mit
Atomwaffen, durchsetzen könnte. Wer könnte das verantworten?
Trotzdem wäre die Annahme falsch,
Völkerbund und UNO seien nutzlos gewesen, zumal wenn man bedenkt, daß die zahlreichen, der UNO angeschlossenen Organisationen
(z.B. die Weltgesundheitsorganisation, das UNO-Kinderhilfswerk, die
Welternährungsorganisation usw.) auf vielen Gebieten wichtige Pionierarbeit
geleistet haben.
Es gibt in der Weltbürgerszene zwei
Strömungen. Die eine hofft, die UNO reformieren zu können, sodaß aus der UN-Generalversammlung letztendlich ein
demokratisch gewähltes und kontrolliertes Weltparlament wird. Die andere
Strömung vertritt die Ansicht, daß die UNO
grundsätzlich reform-unfähig ist, und daß
deshalb die Bürger dieser Welt ihr eigenes, von Nationalstaaten unabhängiges
Weltparlament wählen sollen. Aber es ist nicht geklärt, wie man die
Nationalstaaten dazu bewegen kann, die Regierungsgewalt diesem
"Bürgerparlament" und der von ihm gewählten "Weltregierung"
zu überlassen.
Eine Einigung der Welt wird wohl nicht
gegen den Willen der nationalen Regierungen zustande kommen. Aber keine
Regierung, auch nicht die Regierung eines diktatorischen Staates, kann gegen
die Zustimmung der sie tragenden gesellschaftlichen Kräfte, also z.B. das
Militär, die Wirtschaft, die Religionsgemeinschaften, die Berufsstände und
nicht zuletzt das Volk, regieren. Letztlich ausschlaggebend ist sogar in
totalitären Gesellschaften die Mehrheit der Regierten. Man kann diese natürlich
anlügen, aufhetzen und einschüchtern - aber nur für eine bestimmte Zeit lang.
Der Weltstaat wird dann kommen, wenn
die Mehrheit der Weltbevölkerung der Ansicht ist, daß
es notwendig und wünschenswert ist, eine Weltregierung zu haben. Wenn
diese Bedingung erfüllt ist, dann wird die Politik sehr schnell Mittel und Wege
finden, dies zu verwirklichen.
Damit ist schon zum Teil die Antwort auf
die Frage gegeben, wie die Weltbürgervereinigung ihr Ideal, die Sicherung des
Weltfriedens und die allgemeine Wohlfahrt der Menschheit, in die Tat umsetzen
will: sie wendet sich an die Bürger, an die Politiker, an die Medien und an
alle, die durch ihr gesprochenes oder geschriebenes Wort auf das Bewußtsein des Volkes Einfluß
haben.
Natürlich steht die Weltbürgervereinigung
wie jede andere Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die für ihre Ziele wirbt, in
Konkurrenz mit anderen Organisationen, die sich ebenfalls bemühen, in der
Öffentlichkeit Gehör und Beachtung zu finden. Aber wir sind davon überzeugt,
einen mächtigen Verbündeten zu haben: das elementare Überlebensinteresse jedes
einzelnen Menschen.
Die grundsätzlichen Ziele und
Gedanken der Weltbürgervereiniung lassen sich kurz so
zusammenfassen:
1. Die Menschheit ist trotz aller individueller Verschiedenheiten eine Schicksals- und
Überlebensgemeinschaft, die ihre Probleme nur gemeinsam und im
Geiste des Friedens, der Toleranz, der Gerechtigkeit und der Freiheit lösen
kann.
Eine weltweites Bewußtsein von
Loyalität gegenüber der gesamten Schöpfung und der gesamten Menschheit ist
notwendig.
2. Ein wirksamer Umweltschutz
ist für das Überleben der Menschheit unabdingbar. Er ist nur möglich, wenn
unser Planet als untrennbare Einheit betrachtet wird. Die Verschmutzung von
Luft und Wasser macht nicht an den Grenzen halt, sondern ist ein globales
Problem. Solange ein Staat nicht von der Weltgemeinschaft daran gehindert
werden kann, die Luft, die Flüsse und die Weltmeere zu verunreinigen, wird
jeder Staat geneigt sein, seine Umweltprobleme auf Kosten der Allgemeinheit zu
lösen.
Solange es keine mit
Sanktionsmöglichkeiten ausgestattete Welt-Umweltbehörde gibt, wird es keinen
weltweit wirksamen Umweltschutz geben.
3. Ein wirksamer und dauerhafter
Weltfriede ist nur dann möglich, wenn alle nationalen und alle
Bürgerkriegsarmeen drastisch abrüsten. Alle nationalen
Waffenproduktionen müssen eingestellt werden und alle nationalen
Streitkräfte müssen abgeschafft werden.
Eine allgemeine Abrüstung ist aber nur
möglich, wenn es eine übergeordnete, demokratisch legitimierte und
kontrollierte Instanz gibt, welche die Sicherheit garantiert und die Abrüstung
wirksam überwacht und notfalls auch durchsetzt. Das Mittel dazu wäre eine Weltarmee
mit polizeilichem Charakter.
Ferner ist nur dann ein Friede möglich,
wenn Nationen, Bevölkerungsgruppen und Individuen die Möglichkeit haben, ihre
Rechte vor einem Gericht ein zu klagen. Andernfalls bleibt für die Durchsetzung
von Interessen nur das Mittel der Gewalt, was für die gesamte Menschheit
verheerende Folgen haben kann.
4. Früher oder später müssen sich die Nationen
der Welt zu einem Bundesstaat zusammenschließen und ein Weltparlament
bilden, das eine Weltverfassung und eine Weltgesetzgebung
ausarbeitet und eine föderative und demokratische Weltregierung
wählt.
5. Der Weltbundesstaat, also die
"Vereinigten Staaten der Welt", muß
so konstruiert sein, daß die Vielzahl der Kulturen
und Minderheiteninteressen so weit wie möglich in ihrem Reichtum und in ihrer
Vielheit bewahrt und gefördert bleiben.
Die
"Vereinigten Staaten der Welt" werden die Aufgabe haben, die großen
Einsparungen, die durch den Wegfall der nationalen Armeen entstehen, dazu zu
benutzen, den Umweltschutz zu fördern, die soziale Wohlfahrt und Gerechtigkeit
der Menschen zu mehren und weltweit Frieden und Sicherheit zu gewährleisten.
Die Zeit ist mehr als reif, um die hier
erläuterten langfristigen Ziele beharrlich zu verfolgen. Keines der
Gründungsmitglieder der Weltbürgervereinigung ist so blauäugig,
zu glauben, solche Ziele ließen sich bald erreichen. Sie wollen
aber einen Stein ins Rollen bringen.
Idealistisch ist unsere Sache schon. Aber sie hat einen sehr realen und ernsten
Hintergrund. Eine Utopie ist sie keinesfalls, denn es geht für die kommenden
Generationen um Sein oder Nichtsein.