Das Schimak-Konzept
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Im Juli 1996 legte mir
Herr Richard Schimak sein Konzept einer
Weltfriedenskontrollorganisation (World Peace Control
Oranization, WPCO) vor und regte die Gründung der
"Globalen Sozialen Union" an.
Motiv für die Ausarbeitung eines solchen Konzepts waren wohl die persönlichen Erfahrungen, die Herr Schimak als sudetendeutscher Heimatvertriebener machen mußte: ein Opfer nationaler Regierungen geworden zu sein, die durch Ihre sinnlosen Kriege, durch Ihre Besatzungs- und Vertreibungspolitik, letztlich also durch ihre moralische Verwerflichkeit und durch ihre Unfähigkeit, Politik menschenfreundlich zu gestalten, in großem Stil versagt haben.
Vor diesem Hintergrund mußte sich Herr Schimak fragen:
Ist nicht auch eine Politik möglich, in der die Menschen über ihr Schicksal
selbst mitbestimmen können? Ist nicht eine Politik möglich, in der Deutsche und
Tschechen, Serben und Bosnier, friedlich nebeneinander leben, statt von
gewissenlosen Chauvinisten gegeneinander aufgehetzt zu werden?
Als Angehöriger einer
vertriebenen Minderheit sieht Richard Schimak mit einer
Teilnahme, die aus der eigenen Erfahrung erwachsen ist, wie Eskimos, Maoris,
Tibetaner, Kurden usw. die Opfer von Unterdrückung und der Zerstörung ihres
Lebensraumes werden.
Richard Schimak prägt den Begriff "konsequente gegenseitige
Öffnung", die weltweit durchzuführen sei. Er meint damit, daß sich die Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft
und unterschiedlicher Religion gegenseitig öffenen
und verstehen sollen, um so zu einem gerechten Ausgleich der
Interessengegensätze zu kommen. Darüber hinaus sollten sich die Machthaber den
berechtigten Anliegen der Bürger öffnen: "Noch nie in der
Menschheitsgeschichte konnte die ortsansässige Bevölkerung bestimmen, was wann,
wo und wie geschehen soll".
Das Schimak-Konzept
sieht nun vor, daß neben die Vereinten Nationen eine
zweite Organisation gestellt wird: Die WPCO, die gewährleisten soll, daß Kriege und Vertreibungen in Zukunft nicht mehr möglich
sind.
Die UNO hat diese
Aufgabe ja leider nicht erfüllt. Schimak zählt
folgende Unzulänglichkeiten der UNO auf:
- Die privilegierte
Stellung der ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates
- Der Mißbrauch der UNO für die nationalen Zwecke der Großmächte
- Die Gleichgültigkeit
und Untätigkeit der Großmächte (selbst USA und Englands) gegenüber der weltweite Verletzung von Menschenrechten durch diktatorische
Regime. Er mahnt die Regierungen: "Nicht reden, sondern handeln!"
Die WPCO soll eine
Organisation von Staaten sein, die folgende Bedingungen erfüllen:
1. Sie müssen Mitglieder
der UNO sein
2. Sie müßen demokratisch regiert sein
3. Sie müßen bereit sein, ihre Streitkräfte der WPCO zur Verfügung
zu stellen, wobei sie auf eigene Streitkräfte ganz verzichten.
4. Sie müßen bereit sein, auf Verlangen den einzelnen
Volksgruppen, die in einem geschlossenen Siedlungsraum leben, Autonomie zu
gewähren
5. Sie müßen die volle politische und religiöse Gewissensfreiheit
garantieren
6. Sie müßen sich strengen Umweltschutzregelungen unterwerfen und
auch auf Umweltzerstörung in anderen Ländern verzichten
Wenn eines der Mitglieder der WPCO in
schwerwiegender Weise gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte verstößt,
soll seine Regierung erst auf diplomtischem Wege,
dann durch militärische Mittel wieder auf den rechten Weg gezwungen werden.
Die Entscheidungsfindung
in der WPCO soll durch Mehrheitsbeschluss geschehen. Es soll kein Vetorecht
geben.
Richard Schimak hofft, daß immer mehr
Länder fähig und willens werden, der WPCO beizutreten, sodaß
schließlich alle Staaten der Erde Mitglied sind.
Amnesty International
soll der WPCO direkt unterstellt werden. Einzelne Personen sollen ein
Klagerecht beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag und am europäischen
Gerichtshof bekommen.
Und hier mein Kommentar
zum Konzept von Richard Schimak:
Sein Konzept sieht vor, daß sich die nationalen Regierungen einer ganzen Reihe von
schwerwiegenden Eingriffen in ihre bisherige politische Praxis unterwerfen
sollen. Freiwillig werden sie das kaum tun, sondern sie müssen dazu gezwungen
werden. Ich glaube nicht, daß dazu der öffentliche
Druck, ausgeübt durch NGO's und Presse, ausreicht. Es
ist auch nicht zu hoffen, daß ein Bewußtseins-
und Sinneswandel die Machthaber ergreift, sodaß sie
von sich aus das Schimak-Konzept verwirklichen.
Deshalb ist es
folgerichtig, wenn Herr Schimak eine Partei gründen
will, die "Globale Soziale Union (GSU)". Auch ich bin der Ansicht, daß das geeigneteste Instrument,
um politische Veränderungen herbeizuführen, immer noch eine Partei ist.
Auch wenn kaum zu hoffen
ist, daß die "GSU" in absehbarer Zeit die
Mehrheit im Bundestag und in den Parlamenten anderer Länder erringt, so kann
auch eine kleine Partei mit wenigen Prozenten der Wählerstimmen einen
"Hebeleffekt" bewirken, indem sie die großen Parteien zwingt,
vorsichtig auf die Linie dieser Partei einzuschwenken, um nicht weitere Wähler
zu verlieren. Ein typsiches Beispiel für diesen
Hebeleffekt sind die Grünen.
Ich kann mich noch
erinnern, daß ein Teil der Grün-Alternativen ist
diesen Weg nicht mitgegangen ist, sondern in dem Zustand einer
"Bewegung", einer "Initiative", oder eines
"Netzwerkes" verharren wollte. Auch die Weltföderalistenbewegung
steht eigentlich schon lange vor der Frage, ob sie sich nur damit begnügen
soll, der Öffentlichkeit und den Regierungen irgendwelche Vorschläge zu machen,
wie die Welt verbessert werden kann, oder ob sie selbst versuchen soll, in das
politische Geschehen einzugreifen.
Da es aber jetzt noch
keine Weltföderalisten-Partei gibt, können wir Konzepte wie das Schimak-Konzept nur untereinander diskutieren und dann,
wenn es allgemeinen Konsens gefunden hat, der Öffentlichkeit und den
Regierungen vorlegen.
Der Kern des Schimak-Konzeptes ist der Vorschlag, neben die UNO eine Art
"Vertiefte UNO" zu stellen, die all das ist, was die UNO nie sein
konnte, weil die Großmächte dies nicht zuließen. Aber wer garantiert, daß die WPCO nicht genauso von den Großmächten daran
gehindert wird, ihre Aufgaben zu erfüllen, wie dies heute mit der UNO
geschieht? Diese Garantie könnte nur eine in möglichst vielen Nationen
möglichst starke Weltbürgerpartei tun.
Wenn diese
Weltbürgerpartei aber so stark wäre, dann könnte sie auch durchsetzen, daß die UNO reformiert wird (wie das die Weltföderalisten wollen) oder daß ein über den nationalen Regierungen unabhängiges und ihnen übergeordnetes
Weltparlament geschaffen wird, gegründet auf eine Weltverfassung und gewählt
durch alle Bürger der Erde (wie dies die World Constitution and Parliament Association will).
Trotz dieser Einwände
halte ich das Schimak-Konzept für eine nützliche
Diskussionsgrundlage. Das Schimak-Konzept sieht vor, daß sich einzelne Staaten zu einem sehr engen militärischen
Schutzbündnis zusammenschließen, quasi ihre Armeen zu einer gemeinsamen
Verteidigungsarmee fusionieren. Das halte ich für einen besseren Weg, den
Frieden zu garantieren, als die Volkswirtschaften zu fusionieren, wie das jetzt
durch die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion geschehen soll (die ich
durchaus befürworte).
Nun stellt die NATO
schon eine weitgehende Fusion der Armeen der westlichen Demokratien dar. Deutschland
ist so sehr in die NATO eingebettet, daß es von sich
aus kaum einen andern Staat angreifen kann. Und das ist auch gut so.
Die NATO-Staaten
erfüllen auch einen großen Teil der Bedingungen, die Richard Schimak für die Mitgliedschaft in der WPCO aufstellt.
Hier liegt nun einer der
Verdienste, die das Schimak-Konzept hat: Es lenkt
unser Augenmerk auf die NATO. Die NATO (und nicht die UNO oder die EU) war es,
welche in Bosnien die Einhaltung des Waffenstillstandes bewirkt hat.
Wäre hier nicht
vielleicht ein Ansatzpunkt, der sehr vielversprechend ist?
Richard Schimak spricht von einer konsequenten gegenseitigen
Öffnung. Das könnte auf die NATO angewendet doch heißen, daß
sich die NATO für alle Staaten öffnet, die Demokratie und Freiheit als
verbindliches Ideal anerkennen. Wohlgemerkt: Ideal, nicht Wirklichkeit.
Russland z.B. erkennt die Demokratie und das Selbstbestimmungsrecht der Völker
als Ideal an, wenn auch die Realität oft ganz anders ist. Trotzdem halte ich es
für eine gute Idee, nicht nur die ehemaligen Satellitenstaaten, sondern auch Rußland selbst zum Mitglied der NATO werden zu lassen.
Das wäre ein ungeheurer
Fortschritt in Richtung dauerhaften und stabilen Frieden. Man stelle sich vor,
USA, Russland, Deutschland, Frankreich, England und die anderen europäischen Staaaten USA fusionieren in einem gemeinsamen
Militärbündnis ihre Armeen und unterstellen sie einem gemeinsamen Oberkommando!
Dann wäre die Kriegsgefahr ein einem großen Teil der Welt für lange Zeit
gebannt.
Diese Möglichkeit lag
eigentlich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in der Luft. Aber unsere
Politiker haben geflissentlich darüber hinweggesehen, weil die Militärs und die
Waffenindustrie fürchteten, mangels Feindbild überflüssig zu werden. Aber wir
Weltföderalisten und Weltbürger wollen doch genau das. Und deswegen sollten wir
es auch fordern!
Allerdings müßte die NATO nach dem Beitritt aller osteuropäischen
Staaten (einschließlich Rußland) reformiert werden.
Die absolut dominierende Rolle der USA muß zu einem
gleichberechtigten Nebeneinander von Amerikanern, Russen und Europäern werden.
Die NATO müßte sich auch mehr in Richtung politische
und wirtschaftliche Gemeinschaft bewegen. Sie müßte
auch darauf auchten, daß
Demokratie und Selbstbestimmungsrecht der Völker überall als verbindlich
anerkannt werden.
Ein zweiter wertvoller
Beitrag des Schimak-Konzepts ist die Einsicht, daß die Weltbürger-Bewegung als politischen Arm eine Partei braucht. Der Ansatz, sich
programmatisch an eine große Volkspartei anzulehnen, macht Sinn. Denn wenn man
etwas verändern will, braucht man Mehrheiten. Und die kann man in halbwegs
normalen Zeiten nur als Volkspartei bekommen. In extremen Zeiten, die
vielleicht schneller kommen als uns lieb ist, braucht man auch ein extremes
Programm. Wir Weltföderalisten sollte uns auf beide
Möglichkeiten einstellen.
Jawohl, die
Weltbürgerszene braucht eine Partei!