Rückblick in die Zukunft

Ein Zukunftszenario von Richard Beiderbeck,      www.koinae.de   

 

 

Schauen wir in die Zukunft. Dabei ist mir bewusst, dass Prognosen immer schwierig sind – vor allem wenn sie auf die Zukunft gerichtet sind.

 

2011: Der letzte amerikanische Soldat verlässt den Irak

 

In den ersten Monaten des Jahres 2007 schickte der US-Präsident in einer Art Trotzreaktion auf das Ansinnen der demokratischen Mehrheit im Kongress weitere 21 000 Soldaten nach Bagdad. Warum nicht 50 000 oder 150 000 ? Der Wahlspruch der Amerikaner war doch stets gewesen: „Nicht kleckern, sondern klotzen !“, weil die Amerikaner als großes und mächtiges Land stets aus dem Vollen schöpfen konnten. Aber die Zeiten waren vorbei. Diese 21 000 schlecht ausgebildeten und unmotivierten Soldaten waren das letzte Aufgebot, das was man mit Mühe und Not zusammenkratzen konnte. Militärisch waren die USA im Irak am Ende. Was nützten Ihnen ihre Atombomben und ihre Flugzeugträger ? 

 

Die technisch-organisatorische Herausforderung dieses Bürgerkrieges im Irak bestand darin, ein ganzes Volk unter Kontrolle zu halten, ohne zu den totalitären Maßnahmen eines Saddam Hussein zu greifen. Aber dies lag jenseits des Begriffsvermögens einer Nation, die nur Liberalität, Freihandel, Eigeninitiative und Gewinnstreben kannte.

 

Wir aus heutiger Sicht sehen die Lösung ganz klar und wir wundern uns, warum die Amerikaner so ein Brett vor dem Kopf hatten und das Land so unrühmlich verließen. Die Amerikaner hätten ganz einfach jeden Menschen, der sich innerhalb der Grenzen des des Iraks aufhielt mit einem „Lokinder“ versehen müssen. Das ist ein Gerät, das es erlaubt, jederzeit festzustellen, wo sich eine Person befindet, ihn also lokalisiert und ihn identifiziert.

 

Aber um das zu machen, fehlte es natürlich am know how und an der Infrastruktur. Es hätte dazu eines gewaltigen Kraftaufwandes bedurft, vergleichbar der Landung auf dem Mond. Die USA wären dazu in der Lage gewesen – aber konnte man das ernsthaft von einem Volk erwarten, das noch nicht einmal ein polizeiliches Meldegesetz kannte ?

 

Für uns Heutigen ist ganz klar, was die Amerikaner hätten tun sollen. Erst hätten sie, ausgehend vom Zentrum, ganz Bagdad zu einer Wireless Lokal Area Network (WLAN)-Zone machen müssen. In diese Zone hätte sich nur aufhalte dürfen, wer mit einem GPS-gestützten Lokinder (Lokalisator und Indentifikator) ausgestattet ist. Dieser Lokinder hätte erlaubt, ein Bewegungsmuster jeder Person aufzuzeichnen und bei Bedarf zu analysieren. Darüberhinaus hätte der Lokinder als Voice-Recorder gedient, der die Tonaufnahmen an einen Zentralrechner gesendet hätte, wo sie zunächst einmal nur abgespeichert worden wären. Wenn man dann festgestellt hätte, daß der Betreffende ein Terrorist oder ein Verbrecher war oder derartige Aktivitäten unterstützte, hätte man ihm und seinen Hintermännern die schnelle Zugreiftruppe auf den Hals gehetzt. Wenn das Netz erst einmal über Bagdad ausgebreitet gewesen wäre, wäre die Stadt in einem Jahr clean gewesen.

 

So aber nahmen die Dinge ihren Lauf. Die Amerikaner gingen aus dem Irak heraus. Die Kurdengebiete im Norden erklärten sich zum eigenen Staat. Daraufhin versuchte die Türkei diese Gebiete zu besetzen und wurde in einen Guerillakrieg verwickelt, den sie nicht gewinnen konnte. Dadurch verloren die Militärs an Einfluß und Ansehen und die islamischen Fundamentalisten kamen an die Macht. Aber die westlich orientierten unter den Türken veranstalteten in Istanbul riesige Protest-Demonstrationen, die blutig unterdrückt wurden. Die Türkei stand vor einem Bürgerkrieg. Aber UN-Friedenstruppen, in denen übrigens viele Deutsch-Türken waren, verhinderten den Ausbruch eines bewaffneten Konflikts. In der Konferenz von Paris einigten sich die drei Konfliktparteien (Kurden, Islamisten und westlich orientierte Türken) darauf, das Land in drei Teile zu teilen: Istanbul, Ankara, Bursa, Izmir, Antalya und die ganze Küstenregion an Mittelmeer und Schwarzem Meer wurden zur „Demokratischen Republik Türkei“ und trat im Jahr 2016 der Europäischen Union bei.  Im Osten entstand die „Volksrepublik Kurdistan“, die sich mit dem irakischen Kurdenstaat vereinigte. Der große, Rest, hauptsächlich Anatolien, wurde zum sunnitischen Gottesstaat.

 

Die Schiitengebiete im Süden des Irak wurden zu einem Satellitenstaat der persischen Fundamentalisten. Die Zone in der Mitte des Iraks mit Bagdad wurde zu einem vom Bürgerkrieg und Hunger geplagten Weltteil, aus dem die Menschen flohen. Bagdad wurde, abgeschlossen vom Verkehr und von den Ressourcen, immer mehr zu einer sich entvölkernden Provinzstadt, in der die Gotteskrieger ein strenges Regiment führten. Man sprach von der „Kabulisierung“ Bagdads.

 

Viele Iraker flohen vor der Armut und den Fundamentalisten nach Europa. Als sich die meisten hier nicht halten konnten, wanderten sie weiter nach Kanada, USA, Australien oder Lateinamerika. Aber die Mehrzahl der Iraker zog es vor, in die großen Islamischen Metropolen, wie Kairo, Alexandria, Istanbul oder Casablanca zu flüchten oder in den Staaten am persischen Golf und in Saudi-Arabien Zuflucht zu finden. 

 

Der große Börsencrash von 2012

 

Die hohen Ölpreise trieben viele Wirtschaftsunternehmen in den Ruin. Die Automobilindustrie, die Fluglinien und die Tourismusbranche schrieben tiefrote Zahlen. Das Konsumklima in der westlichen Welt war so schlecht wie nie. Die Aktien setzten zum Sturzflug ins scheinbar Bodenlose an. Im Jahr 2009 waren die Aktien noch im Höhenrausch gewesen. Nachdem Präsident Bush abgetreten war, hatten im Jahr 2008 die Demokraten glanzvoll die Präsidenten-Wahl gewonnen. Der Rückzug der USA aus den Krisengebieten in der arabischen Welt wurde von der Börse honoriert. Der Alptraum vom 11. Sept. 2001 begann zu verblassen und die USA kehrten zur Normalität zurück. Der Dow Jones stieg und stieg bis 2009 in Höhen, die man nicht für möglich gehalten hatte. Nach einer Phase der Stagnation ging der Aktienindex allmählich in den Sinkflug über, der sich dann immer mehr beschleunigte. Die Bullen bäumten sich zwar noch ein letztes Mal auf und man war geneigt zu glauben, dass der Kursrückgang nur eine „Konsolidierung“ sein. Aber dann kam es erst knüppeldick und der Dow fiel auf 2000 Punkte. Welch ein Masssaker !

 

Die Türkei verliert Ost-Anatolien und schließt sich der Europäischen Union an

 

2012 trat die Ukraine der EU bei. Weißrußland zerfiel in einen westlichen, nach Polen und Europa orientierten Teil, während die Hauptstadt Minsk und der Osten ein Teil Russlands wurden. Im ganzen gesehen wurde aber Rußland immer mehr zurückgedrängt. Die Grenze der EU  war nur noch 700 km von Moskau entfernt.

 

Die Türkei war ja, wie schon erwähnt, in drei Staaten zerfallen. Der westliche Teil, die Demokratische Türkische Republik  stand vor der Frage, ob sie sich der Arabischen Union oder der Europäischen Union anschließen sollte. Istanbul war eine Stadt zwischen den Welten. Faktisch hatte die Demokratische Republik Türkei eine Militärregierung, der die Macht von den muslimischen Fundamentalisten streitig gemacht wurde. Die westtürkische Regierung kam zu dem Schluß, dass sie ihre Macht und ihr Überleben besser sichern würde, wenn sie der Europäischen Union beitrat. Die Europäische Union war sich ihrer starken Position bewusst und diktierte die Beitrittsbedingungen: 1.Kaltstellung der Mullahs und Verwirklichung eines laizistischen und demokratischen Staates, 2. Anerkennung des  türkischen Teils Kurdistans als nicht zur Türkei gehörig 3. Wiedervereinigung Zyperns.

Die Demokratische Republik Türkei stimmte zu und trat 2016 der EU bei.

 

Die große Rohstoff-Krise von 2015

 

Da die riesigen Bevölkerungen von China und Indien einen den US-Amerikanern und Europäern vergleichbaren Wohlstand erreichen wollten, setzte ein gewaltiger Run auf die Rohstoffe und Energieträger ein. Europa, Rußland, Nord- und Südamerika und Australien, also die im christlichen Abendland verankerten Länder, standen dem Rest der Welt gegenüber. China hatte in pragmatischer Weise mit Japan eine Allianz gebildet und den Mantel der Versöhnung über die japanischen Kriegsverbrechen zwischen 1934 und 1945 gebreitet. Indien und China hatten ihre Rivalität begraben und mit der arabischen Welt einen Pakt geschlossen, um das Öl im persischen Golf und in Afrika auszubeuten. Der Süden Sibiriens und Zentralasien wurden von Chinesen immer mehr besiedelt, sodaß sie allmählich die Bevölkerungsmehrheit bildeten.

Es standen sich zwei feindliche Lager gegenüber: die immer mehr zurückgedrängten Europäer, Amerikaner und Australier auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Rest der Welt, der forderte, dass die Rohstoffe der Welt auf alle Länder gerecht verteilt würden.

 

Seit China sich zu Beginn des Jahrhunderts zum konsumorientierten Kapitalismus bekannte hatte, war die Nachfrage nach Öl und Rohstoffen stark angestiegen. Die Preise explodierten. Bis 2008 war die Weltaufmerksamkeit auf die Kriege der USA gegen Afghanistan und Irak gerichtet, und die Terror-Hysterie des amerikanischen Präsidenten verstellte der Welt den Blick auf die Tatsache, dass eine andere Drohung viel schwerwiegender war: Die sich allmählich abzeichnende Erschöpfung der Vorräte an Öl und anderen Rohstoffen. Der chinesische UN-Botschafter prangerte in einer denkwürdigen Rede vor der UNO-Vollversammlung die Energieverschwendung der USA an. Dabei rechnete er vor, wie viel Öl die Amerikaner bei ihren sinnlosen Kriegen und durch ihre überdimensionierte Militärmaschinerie verschwendet hätte. In China waren die Menschen erbittert über die spritfressenden Autos und die stromschluckenden Klima-Anlagen der Amerikaner. Auch die Raserei auf den europäischen Autobahnen (besonders der deutschen) erregte die Gemüter in den armen Ländern. Der Vorwurf lautete: „Während ihr in euren Konsumorgien und Kriegen die letzten Ölreserven der Welt verschwendet, sehen sich unsere Länder daran gehindert, ihrer Bevölkerung einen normalen Lebensstandard zu gewähren, weil die Rohstoffpreise in unglaubliche Höhen steigen.“ Der chinesische UNO-Botschafter sagte: „Der Westen hält uns immer vor, dass wir die Menschenrechte missachten. Aber es gibt ein Menschenrecht, das der Westen seit Jahrhunderten missachtet: Jeder Mensch hat einen gleichen Anspruch auf die Rohstoffvorräte der Welt. Deshalb fordere ich, dass alle Rohstoffvorräte der Welt der UNO unterstellt werden, und dass jede Nation einen Anteil daran erhält, der seiner Bevölkerungszahl entspricht !“ Und um noch eins draufzusetzen, sagte er: „Im übrigen forderte ich, dass sich die Zahl der Sitze in der UNO-Vollversammlung ebenfalls nach der Bevölkerungszahl einer Nation richten soll ! Wir haben genug von der amerkanisch-europäischen Dominanz, von eurer Schulmeisterei und euren Belehrungen ! Demokratie bedeutet die Herrschaft der Mehrheit. Die Mehrheit sind wir Asiaten !“

 

Wenn die Rohstoffe der Welt nach der Bevölkerungszahl verteilt werden würde, stand den US-Amerikanern nur ein Viertel von dem zu, was die Chinesen bekommen sollten. Besonders schmerzhaft war für die USA, dass die Chinesen diese Forderung auch auf die Ölvorräte im Bereich des amerikanischen Doppelkontinents ausdehnten. Speziell für die Texaner war der Gedanke, dass sie ihr Öl mit den Chinesen teilen sollten, so absurd und unannehmbar, dass der gerade amtierende US-Präsident alle Beziehungen zu den Chinesen abbrach und eine Teilung der Welt in zwei Sphären vorschlug: Auf der einen Seite: der amerikanische Doppelkontinent, Australien, Europa, Rußland mit Sibirien; auf der anderen: der Rest der Welt. Israel hielt sich mit großen Mühen als westliche Enklave.

 

Indien vermittelt in der großen Ölkrise

 

In dieser überaus gespannten Situation trat Indien als Vermittler auf und sagte ungefähr folgendes: „Nicht nur materielle Werte zählen, sondern auch geistige. Die Welt hat bisher weit mehr konsumiert, als sie wirklich gebraucht hat. Die Rohstoffe und die Nahrung reichen für alle, wenn alle bereit sind, sich Beschränkungen beim Konsum auferlegen. Das muß nicht zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen“. Durch einen glücklichen Zufall war der Generalsekretär der UNO zu diesem Zeitpunkt ein Inder, und die Staatsmänner der Welt trafen sich in der Konferenz von Neu Delhi. Darin wurde beschlossen, dass alle Rohstoffquellen der gemeinsamen Verwaltung aller Nationen unterstellt würden – ähnlich wie die europäische Monatan-Union, welche der Vorläufer der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft war. Die Verteilungsquoten errechneten sich nach einem komplizierten Schlüssel, der letztlich nur den Zweck hatte, den USA und den Europäern eine Extrawurst zu braten, damit sie dem Deal zustimmten. Die texanischen Ölquellen wurden bis zum Jahr 2075 den Texanern zugesprochen. Obwohl die Chinesen insgeheim mit den Zähnen knirschten, erinnerten sie sich aber daran, dass ihnen auch Hongkong am Ende auch zugefallen war. Die USA wiederum begannen daraufhin, ihre eigenen Ölquellen bis zum letzten Tropfen auszubeuten, statt, wie bisher, das eigenen Öl zu schonen und das Öl der anderen Länder zu verbrauchen.

 

Die Ausländer-Krise von 2016

 

War auch der große Konflikt zwischen Okzident und dem Rest der Welt vermieden worden und war auch die internationale Politik wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt, so verschärften sich in der westlichen Welt die innenpolitischen Spannungen, die zu der so genannten „Ausländer-Krise“ führten. Es gab in der westlichen Welt immer weniger zu Wohlstand zu verteilen, da die Rohstoffe immer teuerer wurden. Da der Westen den Rest der Welt nicht mehr im gewohnten Umfang ausbeuten konnte, sank für weite Teile der Bevölkerung der Lebensstandard dramatisch – was durch die Überalterung der Bevölkerung noch verstärkt wurde. Nicht nur die Kleinbürger stiegen sozial ab, sondern auch der Mittelstand, während es den Großverdienern und Superreichen immer besser ging. Die sozialen Absteiger und die Verlierer der Globalisierung sahen, dass manche der ausländischen Zuwanderer, wenn auch vielleicht erst in der dritten Generation, zu Reichtum und Wohlstand aufstiegen, während sie selbst deklassiert wurden. Hinzu kam, dass zwar die Mehrheit der Ausländer integrationswillig und integrationsfähig war, dass aber etwa 10 Prozent sich jeder Integration verweigerten. In Deutschland und Frankreich wuchs der Druck auf die Regierung, die „Problem-Moslems“, wie die Rechtsradikalen sie nannten, in ihre Heimat abzuschieben. Verschärft wurde das in Deutschland dadurch, dass die „Demokratische Republik Türkei“ und die EU gerade in der Schlussphase der Verhandlungen über den Beitritt der türkischen Republik standen. Die Türkei dachten gar nicht daran, die „Problem-Moslems“ in ihrem Land aufzunehmen. Die Türkei vertrat die Ansicht, dass jeder EU-Bürger seinen Aufenthaltsort frei wählen dürfe. Und die „Deutschen türkischer Abstammung“ seinen Deutsche. Überhaupt seien sie keine „Problem-Moslems“, sondern echte EU-Bürger, und ihre Vertreibung wäre eine Verletzung der Menschenrechte. Dem konnte sich niemand, den Rechtsstaat hoch hielt, verschließen.

 

Die „Ausländer-Krise“ führte zu bürgerkriegsartigen Zuständen in den Großstädten, wo militanten Moslems und militante Neonazi’s sich nächtliche Krawalle lieferten. Beide Seiten waren zu einer Art Guerilla-Taktik übergegangen. Zwar konnte der Staat durch ein Großaufgebot von Polizisten und Wasserwerfern verhindern, dass bei Großdemonstrationen die Parteien übereinander herfielen, aber gegen die Zusammenrottung von zahlreichen Kleingruppen, die sich nächtliche Gefechte lieferten und Autos und Häuser in Brand setzten, war sie machtlos.

 

Von da an setzte der Staat auf die Überwachungstechnologie. Jeder, der sich innerhalb der Grenzen der BRD aufhielt, musste stets eine besondere Art von Personalausweis mit sich tragen, der es möglich machte, jederzeit seinen Aufenthaltsort und seine Identität festzustellen. Damit gelang es der Polizei schnell, die militanten Minderheiten unter Kontrolle zu bringen.

 

Die Überwindung der großen Krisen von 2015 und 2016

 

Die Krisen führten zu einem Umdenken, das in den kommenden zwei Jahrzehnten immer deutlicher Früchte trug. Die Superreichen erkannten, dass ihre maßlose Gier beinahe die Basis ihres Reichtums zerstört hätte, nämlich einen funktionierenden und prosperierenden Staat. Bei den Reichen und der Mittelklasse wurde es zunehmend chic, bescheiden und anspruchslos zu leben – wenigstens nach außen hin. Verschwendung wurde als unmoralisch betrachtet. Hatten sich früher die Leute über einen Sexskandal oder eine Korruptionsaffäre aufgeregt, so galt jetzt die Verschwendung als unfein und wurde angeprangert. Die Reichen wurden immer bereitwilliger, auf einen Großteil ihres Besitzes zu verzichten. Nicht ganz freiwillig, denn sie mussten ihre Einkünfte und ihren Besitz im Internet offen legen, und Geiz und Gier machte sie zum Gegenstand öffentlicher Anprangerung, ja sogar öffentlicher Unmutskundgebungen und Angriffe. Dadurch, dass sie sich wie alle anderen Bürger auch, ständig öffentlich lokalisieren und identifizieren mussten, konnten sie sich nicht auf ihre verschwiegenen Landgüter oder ihre Stadtwohnungen in den Reichen-Ghettos zurückziehen – die zu schützen übrigens die schlecht bezahlte Polizei keine große Neigung mehr hatte.

 

Die zunehmende Verteilungsgerechtigkeit und die allgemeine Bescheidenheit führte dazu, dass die Leute wieder zufriedener wurden. Ein Nebeneffekt war, dass sie auch gesünder lebten und die Sozialkassen weniger belasteten.

 

Durch die Verbesserung der Fernsehtechnik und der Bildwiedergabe und durch die Vielzahl der Programme wurde das interaktive Superfernsehen zur Haupt-Freizeitbeschäftigung der Leute. Vor allem die jungen Leute liebten es, sich gemeinsam einer Flut von Bildern und Tönen auszusetzen und dabei zu feiern und soziale Kontakte zu knüpfen. Immer gab es irgendwo eine Fan-Meile und ein Fan-Fest.

 

Die Regierung und die Umweltschützer sahen dies mit Wohlgefallen. So vielen die Leute nicht mehr in endlosen Autolkarawanen über die unberührte Natur her und bliesen Unmengen von CO2 in die Luft.

 

Die Spaltung der Welt in das Reich der urbanen Zivilisation und das Reich der Barbaren

 

Die Menschheit hatte die Krise wohlbehalten überstanden. Allerdings zerfiel die Welt immer mehr in zwei Zonen: Die Zone der urbanen Zivilisation und die Zone der Barbaren.

 

In der urbanen Zone wurde das Bargeld abgeschafft, jeder Mensch war mit einem Chip ausgestattet, der es gestattete, ihn jederzeit zu lokalisieren und zu identifizieren. Das hatte sich im Lauf der Jahre so ergeben. Es war einfacher und bequemer, dadurch zu bezahlen, dass man sich identifizieren und lokalisieren ließ. Wer  nicht in beständigem Kontakt mit der dem Netz der Zivilisation war, der besaß keine Bürgerrechte und durfte sich in der zivilisierten Zone überhaupt nicht aufhalten.

 

Muß ich erwähnen, daß es Menschen und Menschengruppen gab, die es dennoch schafften, sich, obwohl sie Kriminelle, oder Rebellen oder Barbaren waren, sich eine zivile Identität zu verschaffen und sich in die zivilisierten Gebiete einzuschleusen und sich hier festzusetzen ? Aber sie hatten das Netz und seine kollektive Intelligenz unterschätzt. Die „infiltrierten Barbaren“ erlitten des Schicksal aller Barbaren, die sich zu lange in der Zivilisation aufhalten: Sie wurden zivilisiert und assimiliert.

 

Das Handy hatte sich zu einem universellen Kommunikations- und Identifikationsinstrument umgewandelt. Es gestattete, jederzeit mit jedermann und mit jedem Computer in Kontakt zu treten. Das gesamte Wissen der Menschheit war für jedermann überall abrufbereit.

 

Man kann heute auch jederzeit wissen, wer einem gegenübersteht. Man kann wissen, wer die unbekannte Traumfrau ist, die gerade vorübergegangen ist. Man kann wissen, wer einen soeben rücksichtslos überholt hat und man kann wissen, wer in der vergangenen Nacht in die Wohnung eingebrochen ist und den Schmuck gestohlen hat. Deshalb wird dieser Einbruch auch gar nicht erst stattfinden. Betrug, Verbrechen und Korruption sind praktisch nicht mehr vorhanden – was den allgemeinen Lebensstandard erheblich erhöht hat.

 

Sogar die Kleider und die Schuhe passen wie angegossen, denn die Körpermaße jedes Menschen sind der Kleiderindustrie bekannt.

 

Die zivilisierte Welt wird zum Informationsstaat (etwa um 2023)

 

All diese Vorteile haben die Menschen bewogen, den Informationsstaat in einem positiven Licht zu sehen. Gewiss, man wird überwacht, aber diese Überwachung wird nicht als Bedrohung, sondern als Sicherheit empfunden. Das kommt daher, dass jeder jeden überwachen kann, insbesondere die Bürger alle diejenigen, die reichen und mächtig sind. Deshalb waren es auch die letzteren es, und nicht die Bürger, die den Überwachungsstaat ablehnten und ihn durch die von Ihnen abhängigen Medien madig machen ließen. In diesem Punkt bildeten die Reichen und Mächtigen eine ungewohnte Koalition mit allen Verbrechern, Extremisten und Sozialbetrügern. Wer gegen den Überwachungsstaat war, befand sich nicht gerade in bester Gesellschaft.

 

Mit der Zeit entwickelte sich eine Regierungsform, die man die kollektive Herrschaft nennen könnte. Aber eigentlich war es eine Befreiung aus der Herrschaft. Da jeder jeden überwachen konnte, konnte keiner über andere Herrschaft ausüben. Da aber keiner Herrschaft ausüben konnte, näherte man sich dem Zustand der Herrschaftslosigkeit, der Anarchie. Aber diese Anarchie war nicht Chaos und Willkür -  ganz im Gegenteil. Aus den Bürgern war ein sich selbst organisierender Organismus geworden. Es gab keinen Mann  mehr an der Spitze einer Hierarchie, die sich über Unterchefs und Unter-Unterchefs fortsetzte. Was herrschte, waren die global vernetzten Bürger.

 

Man lernte, daß Hierarchien die Ursache von Kriegen, Ausbeutung, Personenkult und unfähigen, korrupten Regierungen sind, denn als man die Hierarchien abgeschafft hatte, gab es all diese Dinge nicht mehr.

 

Die Europäische Union wird zum „Vereinigten Abendland“

 

Die Europäische Union wurde zum „Vereinigten Abendland“.“ Die USA, ausgepowert und beinahe zu Grunde gerichtet durch ihr Streben nach militärischer Dominanz hatten sich um die Mitgliedschaft in der Europäischen Union beworben und wurden unter der Bedingung aufgenommen, dass sie ihren Ehrgeiz, der stets maßgebende Partner zu sein, abschwören würden. Kanada, Australien, Brasilien, Argentinien und die lateinamerikanischen Länder gesellten sich hinzu, und es entstand eine Föderation, die alle von Europäern besiedelten Länder zusammenschloss – mit Ausnahme Russlands.

 

Man kam  überein, dass die persönlichen Überwachungsdaten aller Länder im weltweiten Internet für jedermann frei verfügbar sein sollten, mehr noch, dies wurde zum Beitrittskriterium zum Vereinigten Abendland erhoben. Zivilisiert durfte sich ein Staat nur dann nennen, wenn er seine Mächtigen, seine Reichen und seine Verbrecher, und (da jeder Mensch ein potentieller Verbrecher ist), sein ganzes Volk überwachte und diese Daten vor der Weltgemeinschaft im Internet ausbreitete. Damit war man ganz nebenbei der Lösung des Problems der illegalen Einwanderung, des Drogen- und Waffenhandels, überhaupt das Problem des Verbrechens und des Terrorismus einer Lösung gewaltig näher gekommen. Die Verbrecher und Terroristen fanden zwar immer neue Tricks und Wege, der Identifikation und Lokalisation zu entgehen, aber es wurde für sie immer schwieriger und anstrengender, sich der Überwachung zu entziehen. Und so wechselten viele den Beruf und wurden Rentner und Nichtstuer. Warum, so fragen sie sich, strengen wir uns so an, um ein Mehr an Reichtum und Luxus zu erreichen, wenn das, was der Staat jedem Bürger als arbeitsloses Grundeinkommen gewährt, doch schon recht komfortabel ist ?

 

Die Urbanisierung und die wachsende Bedeutung der Metropolregionen

 

Die Ölkrise von 2015 machte es immer notwendiger, die Bevölkerung in den großen Städten zu konzentrieren. Die großen Pendlerströme, die täglich oder wöchentlich mit dem eigenen Auto in die Industriezentren strömten, verebbten. Der Treibstoff war einfach zu teuer geworden. Jeder wollte jetzt möglich nahe an seinem Arbeitsplatz wohnen. Die Metropolen kamen diesem Bedürfnis entgegen, indem sie immer neue Wohngebiete bauten. Die Großstädte dehnten sich immer weiter aus. Aus Energiespargründen baute man große Wohnblöcke, die alle mit einer Wärmeisolierung ausgestattet waren. Man machte auch Fortschritte darin, die Siedlungen menschengerechter und attraktiver zu machen.

 

Man rückte von der Forderung ab, dass ein Land flächendeckend mit Schulen, Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplätzen und Verkehrsinfrastruktur versorgt werden müssen und versuchte nicht mehr der Entvölkerung der ländlichen Gebiete gegenzusteuern. Statt der ländlichen Infrastruktur förderte man den Ausbau der großen Metropolen. Immer mehr Leute in Europa und den USA verzichteten auf den Kauf eines eigenen PKW. Das führte zu einem Niedergang der Automobilindustrie in den USA und Europa. Allerdings war der Nachholbedarf in Asien, Afrika und Lateinamerika noch lange nicht gedeckt. Aber hier bevorzugte man kleine und sparsame Fahrzeuge aus eigener Produktion.

 

Los Angeles wird zur glanzvollsten Metropole der Welt

 

Wer hätte das gedacht, daß Los Angeles, „dieses wuchernde Territorium, das die Urbanologen erschreckt und die Historiker zum Stottern bringt“ (Urs Grünbein) zur glanzvollsten und schönsten Metropole der Welt aufsteigen würde ?

 

Bis dahin bestand der Großteil von Los Angeles aus Bungalows, die eher einem Geräteschuppen als einem Haus glichen, und wer nachts durch diesen Siedlungsbrei fuhr, glaubte sich auf einer einsamen Fahrt durch die Gräberreihen eines nie enden wollenden, menschenleeren Friedhofes, bis man dann wieder auf die Leuchtreklamen einer großen Avenue stieß, die sich durch die urbane Tundra zog.

 

Schon 1965 hatte das „Komitee der 25“ beschlossen, Down Town L.A. zu sanieren und zu einer sicheren Zone zu machen. Man riß die Wohnblocks der schwarzen Bevölkerung ab und errichtete ein paar Blocks weiter ein Bankenviertel mit Wolkenkratzern. Dieser neue Stadtteil wurde hinter einem Schutzwall von Palisaden, Betonpfeilern und Mauern für Schnellstraßen abgeschirmt. Der Fußgängerverkehr wurde auf Gehwege oberhalb der Straße verlegt, deren Zugang von den Sicherheitsdiensten der einzelnen Hochhäuser kontrolliert wurden. So wurde der öffentliche Raum privatisiert, so wie das auch in den großen Einkaufsmeilen weltweit geschah.

 

Der Stadtteil hieß Bunker Hill, und die Welt der Reichen verbunkerte sich in Los Angeles immer mehr in ihre privaten Sicherheitszonen, die allmähliche ganze Stadtbezirke umfassten,  – wie das auch in Sao Paulo geschah. Man errichtete wieder Stadtmauern, welche der berliner Mauer verblüffend ähnlich sahen und engagierte bewaffnete Stadtwächter, die durch Überwachungskameras und Alarmsysteme unterstützt wurden. Die Überwachungscomputer wurden immer intelligenter, konnten Gesichter erkennen, Bewegungen analysieren und Gespräche nicht nur aufzeichnen, sondern auch verstehen und auswerten.

 

Los Angeles spiegelte die Aufteilung der Welt in die Zone der urbanen Zivilisation und der Welt der armen, aber aggressiven Barbaren wieder, wie das Jean Ruffin vorausgesagt hatte.

 

In Los Angeles und in den meisten Metropolen der Welt gab es Zonen, in welchen die polizeiliche Gewalt kapituliert hatte und das Feld den Drogenhändlern und den Mafia-Banden überließen, die dort ihre lokalen Bandenkriege austrugen, aber auch für eine gewisse Sicherheit gegen „gewöhnliche“ Kriminelle sorgten. Diese Zonen lagen in Los Angeles und anderswo in den alten, slumartigen Wohnvierteln um das Stadtzentrum.

 

Weiter draußen schlossen sich die bürgerlichen Zonen an, in denen das Prinzip der „armed response“ herrschte. Die Haus- und Grundstückbesitzer engagierten Schlägertrupps und Sicherheitsmannschaften, welche das Viertel clean hielten. Wer dazu kein Geld hatte, trat der Neighborhood watch bei und leistete seinen Beitrag zu Sicherheit persönlich.

 

Da sich die bürgerlichen Stadtviertel immer mehr als „gesicherte Wohngebiete“ abschotteten, wurden die Slumzonen von außen her mit Mauern und Zäunen umgeben, und jeder, der aus dieser Zonen herauskam, wurde zwangsläufig einer biometrischen Personenkontrolle unterzogen, bevor er in ein anderes Stadtviertel gelangen konnte. Das gleiche galt, wenn er in ein öffentliches Verkehrsmittel stieg oder sein Slum mit dem Auto verlassen wollte.

 

Was lag aber jenseits dieser endlosen bürgerlichen Wohnsiedlungen ? Dort begannen militärische Sperrgebiete und Flugplätze, Bombentestgelände und Truppenübungsplätze, und jenseits davon die Zone der Müllhalden, z. B. der Eagle Mountain, der 4 Kilometer lang und 600 Meter hoch ist. In dieser Abfallzone lebten auch die Müllmenschen, das Strandgut der Zivilisation.

 

So war Los Angeles im Jahr 2019 zu einer „“Metropolitanen Galaxis von 22 bis 24 Millionen Einwohnern in Südkalifornien und Baja California“ (Mike Davis in dem Artikel „Los Angels: Ökologie der Angst“ in dem „Kursbuch Stadt“) geworden, die sich von Santa Monica bis hinter die mexikanische Grenze hinter San Diego zog und etwa 250 Kilometer lang war.

 

Das war also Los Angeles im Jahr 2013, und niemand konnte ahnen, daß sich Los Angeles so radikal verändern würde und zu einer Stadt der Schönheit und des Friedens werden könnte.

 

Es begann damit, daß aus Los Angeles das wurde, was das Ruhrgebiet schon lange war: Eine kolossale Agglomeration von Städten und Dörfern, die zu einer einzigen Megacity zusammengewachsen waren. Aber hier ging die Entwicklung umgekehrt: Eine Megacity zerfiel in eigenständige Städte und Stadtbezirke. Der endlose Siedlungsbrei von LA begann sich um einzelne Zentren herum zu kristallisieren und es entstanden hochurbane Zonen, die teilweise ihrerseits Millionenstädte waren. San Fernando Valley im  Norden und Bervley Hills wurden zu eigenen Städten mit eigener Verwaltung und eigenen ausgedehnten Geschäftsvierteln. Aus Monterey Park und San Gabriel wurden Boomtowns mit glitzernden Fassaden, deren überwiegend asiatische Bevölkerung sich an Hongkong und Shanghai orientierte. In dem gigantischen Einkaufszentrum am San Gabriel Square konnte man sehen, wie eine neue chinesisch-amerikanische Kultur entstand, in der die Weißen die staatlichen Strukturen und den kreativen Individualismus beisteuerten und die Latinos für Musik, Tanz und Frohsinn sorgten, den Baustil der Villen und Einkaufszentren beeinflussten und für allerlei handwerkliche und haushälterische Dienste zur Verfügung standen, während die Asiaten ihren Fleiß, ihre Disziplin und ihre Dynamik beitrugen. Die Latinos und Asiaten verdrängten die Schwarzafrikaner immer mehr aus ihren Wohnvierteln und ihren Jobs. Ein Teil der Schwarzen stürzte ab, ein anderer Teil stieg zur Elite auf.

 

Aber die Latinos hatten natürlich auch ihre eigenen Städte, z. B. East Los Angeles, während um den Flughafen LAX herum eine typisch amerikanische Stadt mit Büroparks und Hightec-Industrie entstand. Der urbane Mittelpunkt war das Freiluft -Einkaufszentrum Fashion Island Mall. Gewiss, es war eine Hollywoodkulisse und ein Disneyland im mediterranen Stil, aber es war doch auch wegweisend für die Zukunft von L.A. als schönste Stadt der Welt.

 

Los Angeles war also in eine Anzahl von Städten zerfallen und dadurch einer Sanierung deutlich näher gekommen. Aber es fehlte ein wirklich repräsentatives Stadtzentrum, das nicht in privater Hand war, sondern von der Regierung geplant und gestaltet wurde.

 

Als im Jahr 2024 ein großes Erdbeben die Hochhäuser von Down Town L.A. zum Einsturz brachten, hatte man geglaubt, daß dies den Niedergang der südkalifornischen Megastadt einleiten würde. Aber es gab einen ersten Hoffnungsschimmer, als man einen ersten Überblick über die Zahl der Toten und Verwundeten hatte. Es waren weit weniger als befürchtet. Da das Erbeben an einem Sonntagnachmittag stattfand, waren die Hochhäuser menschenleer. Die meisten der relativ niedrige Holzbauten, aus denen der größte Teil von L.A. bestand, blieb stehen. Hier trugen die Forschungen der Baustatiker Früchte. Daß die an sich erdebebensicheren Hochhäuser dennoch umstürzten, lag daran, daß die Erdstöße rhythmisch waren und sich die Schwingungen der Hochhäuser immer mehr aufschaukelten.

Es brachen auch zahlreiche Einkaufs-Malls und Supermärkte zusammen, aber in ihnen befanden sich am Sonntagnachmittag kaum Menschen.

 

Als Zeichen der Solidarität mit der Stadt beschloß die Regierung von Kalifornien den Regierungssitz von Sacramento nach Los Angeles zu verlegen.

 

Der neue Governer  stammte aus München und war von Arnold Schwarzenegger als Nachfolger aufgebaut worden. Und so hatte er das Beispiel Ludwigs I. vor sich, der aus München eine Residenzstadt mit großen Prachtstraßen, den grandiosen Durchblicken zum Maximilianeum und zum Siegestor kannte. Und er  hielt den Jugendstil für den Höhepunkt der abendländischen Kultur.

 

Er kannte Washington mit seinen überdehnten Dimensionen, die den monumentalen Teil der Stadt in eine Museumskulisse verwandelten. Das war ihm ein abschreckendes Beispiel. Er wollte, daß seine Residenzstadt Los Angeles kein Museum, sondern eine lebendige Stadt für Flaneure werden solle, mit prächtigen Boulvards im europäischen Stil.

 

Die Zeit war reif,  der Stadt Los Angeles ein wirklich urbanes Zentrum zu geben  - natürlich erdbebensicher. Der Governer tat das mit deutscher  Gründlichkeit. Billige Arbeitskräfte für den Bau standen überreichlich zur Verfügung. Aber wer sollte die Säulen und die schmückenden Skulpturen für seine zukünftigen Prachtstraßen herstellen ? Die Antwort war: Die Computer. Es gab schon seit einigen Jahren Verfahren, um z. B. einen David von Michelangelo aus einem Marmorblock von einer computergesteuerten Maschine herausmeißeln zu lassen. Auch das Gießen von Skulpturen aus Bronze war derartig verbilligt worden, daß man die Gebäude und Straßen nicht mit spiegelnden Glasfassaden, sondern wieder mit Skulpturen, Säulen, Kapitellen und Bögen schmückte.  Der Historismus in der Baukunst erlebte eine Renaissance, aber auf einem spielerischen und kreativen Niveau.

 

Nach 100 Jahren schmuckloser, wenn auch durchaus ästhetischer Glasarchitektur begann man in Los Angeles  wieder verstärkt an die alten Bautradition der Griechen und Römer anzuknüpfen und sie mit  Elementen aus andern Kulturen phantasievoll zu vermischen. Aber eigentlich war das nicht verwunderlich, denn im Villenviertel von Berverly Hills hatte man das schon seit vielen Jahrzehnten gemacht. Beispiele gab es genug in Kalifornien: In San Franzisko die Gebäude der Stadtverwaltung und in San Diego der Balboa Park, von Caesars Palace in Las Vegas und den Kulissen in den Filmstudios, in Disneyland und in den Einkaufsmeilen ganz zu schweigen.

 

Die Kritiker sagten, der Governer würde eine Hollywoodkulisse aus echtem Marmor und Granit aufbauen. Der aber sagte nur: „Na und ?“ Wir haben die technischen und finanziellen Mittel, um L.A. zur schönsten Stadt der Welt zu machen. Der Mensch braucht Schönheit und Pracht, und wir Amerikaner, wir Kalifornier lieben die Pracht und die Schönheit. Haben Sie erwartet, daß eine Stadt, die in 100 Jahren von Zweihundertausend Einwohnern auf 20 Millionen gewachsen ist, ewig eine gesichtslose Aneinanderreihung von Vorstädten bleiben würde ? Diese Stadt braucht ein Zentrum, das London und Paris in den Schatten stellt. Oder sollen wir vielleicht zum Groß-Tokio oder Groß-Shanghai werden ?“

 

Und so kam es, daß Los Angeles zur Welt-Metropole wurde, in der die Kulturen und Menschen dieser Welt zu einer einzigen Kultur und einer einzigen Rasse vereint wurden. Es entstand die Los-Angeles-Kultur und die Los-Angeles-Rasse. Der Los –Angeles-Mensch war ein Mischling aus allen Rassen und er war – schön und intelligent.

 

Durch diese Rassenmischung wurde die ästhetischen und charakterlichen Mängel der einzelnen Rassen neutralisiert und die positiven Eigenschaften verstärkt. Man begriff, daß Hitler das körperlich und seelisch degenerierte Produkt der Inzucht war.

 

Während in anderen Teilen der Welt und auch der USA die einzelnen Bevölkerungsgruppen meist nur untereinander heirateten, entstand in Los Angeles durch Verschmelzung eine Rasse, deren schöne Körper man am Strand von Venice bewundern konnte. Wer aber geglaubt hatte, daß die Los-Angeles-Menschen alle gleich aussahen, der sah sich getäuscht. Der „Homo L.A.“ trat in unendlich vielen Varianten und Schattierungen auf.

 

Und an was glaubte der Los-Angeles-Mensch ? An alles und an nichts. Es gab Voodoo-Anhänger und Buddhisten, strenge Katholiken und persische Sufis. Nicht nur die Rassen, sondern auch die Religionen vermischten sich. Man war tolerant und nur in einem Punkt intolerant: Man tolerierte keine Intoleranz.

 

Der Niedergang von New York

 

Nach der Zerstörung des World Trade Centers im Jahr 2001 hatte man sich gefragt, ob das Konzept der Wolkenkratzer überhaupt noch zeitgemäß sei. Aber schnell ging man über die Zweifel hinweg, zumal in Asien und am persischen Golf immer gigantischere Büro-Türme gebaut wurden. Aber eigentlich brauchte die Menschheit immer weniger Büros, weil die Büroarbeit von immer intelligenteren Computern übernommen wurde. Und verhandeln und kommunizieren konnte man von jedem beliebigen Punkt der Welt aus – warum also nicht auch von zu Hause und von unterwegs ?

 

Es begann damit, daß auf dem Börsenparkett der New York Stock Exchange Ruhe einkehrte und die gestikulierenden und schreienden Broker durch ein Computersystem ersetzt wurden. Im Jahr 2010 begannen die Grundstückpreise in Manhattan dramatisch zu fallen. Ursache war, daß es islamistischen Terroristen gelungen war, Lower Manhatten mit radioaktiven Abfällen aus einer Wiederaufarbeitungsanlage zu verseuchen, indem sie aus einem Straßenreinigungswagen statt Wasser eine Plutioniumbrühe auf die Straße spritzten.

Die Beseitigung der Radioaktivität erwies sich als langwierig und führte dazu, daß Manhattan von der Battery Park an der Südspitze bis Canal Street am Nordrand von Chinatown drei Monate lang nicht betreten werden konnte.

 

Man hatte in Manhattan immer geglaubt, der Mittelpunkt der Welt zu sein. Jetzt bekam man allmählich das Gefühl, die Zielscheibe der Welt zu sein. Kapital ist ein scheues Reh, und es floh aus Manhattan. Nach dem ersten Schock erholte sich die Börse zwar teilweise wieder, aber der Abwärtstrend blieb ungebrochen und mündete in den Crash von 2012.

 

Die Wolkenkratzer verwaisten und Manhattan wurde zur Geisterstadt. Ganz Manhattan ? Nein ! In Chinatown pulsierte das Leben. Mehr noch: Chinatown schluckte Little Italy, Soho und TriCeBa. Auch am Central Park mit seinen Luxuswohnungen und Museen und am Broadway blieb das Leben wie es war. Nur das Big Business zog sich aus New York in die Hamptons zurück. Aber wo war das Millionenheer der Büroangestellten geblieben, die wie Flut und Ebbe und morgens in die City strömten und abends  wieder hinaus ? Sie waren überflüssig geworden und blieben in ihren Stadtvierteln, wo sie der Staat mehr schlecht als recht alimentierte. Amerika kam nicht umhin, sich zum Sozialstaat zu wandeln. Aber die Sozialhilfen waren äußerst bescheiden. Die „Verbronxung“ New Yorks griff um sich. Ein Teil der weißen Bevölkerung New Yorks wanderte in den Mittleren Westen aus und siedelte in Kleinstädten und Dörfern an, um ein bescheidenes Landleben zu führen. Man misstraute dem Fortschritt und vor allem den Computern, die man für Schöpfungen des Teufels hielt, der das Ziel hätte, die Menschen durch Computer zu ersetzen. Man zog es vor, sich wieder von der eigenen Scholle zu ernähren, sich dem Fortschritt zu verschließen und unter sich zu bleiben. Die Amish People hatten einen unglaublichen Zulauf.

 

Das führte dazu, daß die Kluft zwischen der Ostküste und dem Mittleren Westen und Kalifornien immer größer wurde. Auf der einen Seite war das eigenbrötlerische, puritanische Amerika, stockkonservativ, prüde und persönlich bescheiden und auf der anderen Seite das weltoffene, überdrehte und sorglose Kalifornien, das sich immer mehr nach Südostasien hin orientierte.

 

Washington blieb zwar die Hauptstadt, aber die Zentralregierung verlor an Gewicht, vor allem in Kalifornien. Das war eine Folge des Irak-Krieges. Man war an der Westküste nicht mehr gewillt, alle Kriege und Aktionen, die der Präsident und das Pentagon beschlossen, mitzutragen. Kalifornien verabscheute immer mehr das Militär und seine Kriege. Das äußerte sich darin, daß Kalifornien auf dem Donner-Paß eine Art Grenzstation errichtete, die niemand passieren durfte, der Waffen mit sich führte, denn seit 2015 war in  Kalifornien der private Besitz von Waffen verboten. Das Waffenmonopol hatte die kalifornische Polizei. Die Zahl der Morde und Raubüberfälle ging daraufhin drastisch zurück. Nachdem sich dies so gut bewährt hatte, ging man dazu über, Kalifornien vollständig zu entmilitarisieren. Man schloß alle militärischen Einrichtungen und Rüstungsbetriebe.

 

Aufsehen erregte eine wissenschaftliche Studie aus San Franzisko, die im Jahr 2018 zu dem Schluß kam, daß der 43. Präsident George Walker Bush ein Kriegsverbrecher mit schwerer charakterlicher Deformation, nämlich einem Killer-Komplex, sei. Ihm wurde der Zutritt nach Kalifornien verwehrt. Kalifornien erhob gegen ihn Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Letzteren hatte Kalifornien im Unterschied zu der Bundesregierung in Washington als zuständig und rechtmäßig anerkannt.

 

Ab 2018 ging es aber in New York und ab 2025 in Los Angeles und überhaupt in ganz Amerika wieder deutlich aufwärts. Der Grund war, daß der Überwachungs- und Informationsstaat, die neue Bescheidenheit und die Abkehr vom Militarismus und den wahnsinnigen Rüstungsausgaben Früchte trugen.

 

Die Metropolregionen ersetzen die Bundesländer und Nationalstaaten

 

Doch zurück nach Europa. Nachdem immer mehr Kompetenzen von der nationalen Ebene an die Europäische Union verlagert wurden, verloren die Nationalstaaten zunehmend an Bedeutung. Aber die Nationalstaaten gaben nicht nur Kompetenzen an die EU ab, sondern auch an die Metropolen. Deren politischer Einfluß wurde immer stärker. Das spiegelte aber nur wieder, was auf praktischem Gebiet entstanden war: die Dominanz der Metropolregionen über ihr Umland. Eine Stadt wie Berlin dominierte das Bundesland Brandenburg – einfach auf Grund dessen, dass sie eine gewaltige Agglomeration von Menschen und Wirtschaftsmacht war. Berlin war überall da, wo der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg war.

 

In Deutschland wurde 2020 eine Föderalismusreform durchgeführt, die aber ganz anders war, als das, was man sich 2006 ausgedacht hatte. Die Bundesländer wurden durch Metropolregionen ersetzt. Diese waren: Berlin-Brandenburg, Hamburg, Bremen, Hannover, Berlin, Rhein-Ruhr (von Dortmund bis Aachen inklusive Köln und Düsseldorf), Rhein-Main (mit Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Hanau), Rhein-Neckar (mit Mannheim-Ludwigshafen, Heidelberg), Stuttgart, Nürnberg-Fürth-Erlangen-Bamberg, Leipzig-Halle, Dresden, und München-Augsburg-Ingolstadt-Rosenheim.

Diese Föderalismusreform war nicht leicht durchzuführen, denn der Teufel steckte im Detail. Wohin gehörte eine Stadt wie Würzburg – zur Metropolregion Frankfurt oder zur Metropolregion Nürnberg ? Man löste das Problem, indem man Städte wie Ulm und Würzburg zu „Brückenmetropolen“ machten, die zwei Metropolregionen gleichzeitig angehörten.

 

Es entstanden auch Metropolregionen, welche die nationalen Grenzen überschritten, z. B. die Region Saar-Lor-Lux (Saarland, Lorraine, Luxemburg mit den Metropolen Nancy-Metz, Luxemburg und Saarbrücken). Das Saarland entschied sich dafür, dieser Region anzugehören, und in einer gewissen Weise wurde dadurch die Volksabstimmung von 1957 relativiert, als sich das Saarland von Frankreich und Lothringen losgesagt hatte.

Am Oberrhein entstanden die Metropolregion Basel-Freiburg i.Br.-Mühlhausen-Colmar und Karlsruhe-Straßburg.

 

Frankreich wird dezentralisiert und es entsteht ein „europäischer Streifen“ zwischen Frankreich und Deutschland

 

Paris behielt zwar seine Rolle als die Nummer eins unter den französischen Metropolen bei, aber Lyon, Marseille, Toulouse und Bordeaux wurden immer selbstbewusster. Die Tendenzen verstärken sich, gegen den Zentralismus zu revoltieren. Diesem Erosionsprozess waren besonders die ostfranzösischen Regionen, wie Burgund, Alsace und Lorraine ausgesetzt. Man fühlte sich immer mehr als Europäer. Und so war es irgendwie ganz natürlich, dass zwischen Frankreich und Deutschland eine Zone von Metropolregionen entstand, die sich keinem dieser Nationalstaaten richtig zugehörig fühlten. Ein breiter Streifen von Regionen zog sich von den Niederlanden und Belgien über Luxemburg, Saarland, Lothringen, Elsaß, die französische Schweiz, bis Lyon – der „europäische Streifen“, der sich territorial mit dem Reich Lothars in etwa deckte, eine Art Groß-Burgund, von dem Karl der Kühne geträumt hatte.

 

Groß-Wien entsteht

 

Die längst untergegangene K. und K. Monarchie kehrte still und unbemerkt wieder zurück – nicht was die Staatsform, sondern was das Territorium betrifft. Früher konnte man ja mit der Straßenbahn von Wien nach Bratislawa fahren. An die Stelle der Straßenbahn fuhr jetzt die S-Bahn des Verkehrsverbundes Wien-Bratilawa. Bratislawa wurde de facto ein Vorort von Wien.

 

Durch die Donauebene baute man eine Hochgeschwindigkeitsbahn, welche die 200 km von Wien nach Budapest in einer Stunde zurücklegte. Es entstand die Doppelmetropole Wien-Budapest. Damit war Ungarn wirtschaftlich mit Wien wiedervereint – aber ohne die negativen Begleiterscheinungen, wie sie die deutsche Einigung mit sich brachte. Eine weitere Schnellstrecke verband Wien mit Zagreb und Lubljana. Die Österreicher finanzierten diese Bahnstrecken aus ihren Mauteinnahmen und aus den Töpfen der EU und sorgten dafür, dass jedermann zum Spottpreis von Budapest oder Zagreb nach Wien fahren konnte. Jetzt hieß es nicht mehr: „Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich heiratest“, sondern: „Du, glückliches Österreich schenkst Bahnen und Züge“.

 

Groß-Berlin entsteht

 

Eine ähnliche Strategie verfolgte die Metropolregion Berlin, aber unter ungleich schwierigeren Bedingungen. Die Polen spielten nämlich nicht mit, sondern hielten an ihrem polnischen Nationalismus eisern fest. Sie konnten aber nicht verhindern, dass Stettin, Poznan (Posen) und Wroclaw (Breslau) in den Sog von Berlin gerieten. Die Leute in diesen Regionen lernten vermehrt Deutsch und orientierten sich nach Berlin.

 

Groß-Polen wächst heran

 

Entschädigt wurde Warschau aber dadurch, dass sich der Westen von Weißrußland immer mehr nach Warschau ausrichtete. Stalin hatte einst Polen um 200 km nach Westen verlegt. Aber das Beharrungsvermögen der alten, gewachsenen Strukturen und die Logik der Metropolregionen waren stärker. Und so kam es, dass sich auch der Nordwesten der Ukraine mehr mit Warschau als mit Kiew verbunden fühlte. Die baltischen Staaten schauten zwar traditionell nach Deutschland und Skandinavien, aber ihr Hinterland war Groß-Warschau. Was niemand für möglich gehalten hatte: Es enstand so etwas wie Groß-Polen, das faktisch weit über die polnische Grenze hinausreichte. Während Moskau immer mehr an Bedeutung verlor, entstand eine slawisch-deutsche Zone, die von Bosnien bis zu den baltischen Staaten reichte. Möglich wurde dies durch die enge wirtschaftliche und politische Anlehnung Polens an die europäische Union, besonders an Deutschland, Frankreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Österreich.

 

Die Reaktion Russlands

 

Rußland hätte sich der abendländischen Union anschließen können. Aber dazu hätte sich das stolze und große Rußland den Regeln und Normen der Europäer unterwerfen müssen. Man träumte im Kreml immer noch von einem Imperium, das bis zum Pazifik und bis zum Indischen Ozean reichte. Man näherte sich deshalb an die arabische Welt an. Man sah die Zukunft Russlands nicht in einer bürgerlichen, von Händlern und Fabrikanten beherrschten Welt, sondern in einer Welt, die von Soldaten und Geheimagenten beherrscht wurde.

 

Italien zerfällt in Metropolregionen

 

Die Italiener fühlten sich noch nie unter der Regierung in Rom besonders wohl und hätten sie am liebsten abgeschafft. Deshalb kam es auch noch nach 2016 zu ständigen Regierungskrisen und kaum eine Regierung schaffte es, länger als ein Jahr an der Macht zu bleiben. Ganz allmählich kehrte Italien unter dem Dach der Europäischen Union zu den mittelalterlichen Stadtstaaten zurück, die jetzt autonome Metropolregionen waren: Turin, Mailand, Genua, Florenz, Bologna, Rom, Venedig, Neapel und Palermo. Wirtschaftlich war Oberitalien eng mit den Regionen Wien, München, Stuttgart, der Schweiz, Lyon und Marseille verbunden.

 

Die USA verliert den Süden an die Lateinamerikaner

 

Jenseits des Atlantiks zogen sich die weißen angloamerikanischen Protestanten immer mehr aus dem Süden zurück. Ein Menetekel war der Untergang von New Orleans in der Sturmflut von 2005. Die Regierung in Washington nahm die Katastrophe von New Orleans erst viel zu spät ernst und reagierte nur zögerlich und halbherzig. Die Schlüsse, die man in den Südstaaten zog, waren, dass man aus Washington nichts zu erhoffen hatte und dass man sich lieber selbständig machte. Es gab keinen neuen Sezessionskrieg, sondern der Süden entglitt allmählich der Vorherrschaft der Weißen. Durch die Verteuerung der Energiepreise konnte man im Süden keine  Klimaanlagen betreiben (außer man war reich). Hinzu kam, dass durch die globale Erwärmung der Süden der USA immer heißer und wüstenartiger wurde. Diejenigen US-Amerikaner, die von Engländern, Deutschen, Franzosen, Holländern und Skandinaviern abstammten, flohen aus dem Süden in gemäßigtere Zonen. Das von den weißen angelsächsischen Protestanten zurückgelassene Land und ihre Häuser nahmen Einwanderer aus Lateinamerika in Besitz. Die armen Teile der Südstaaten, z. B. Neu-Mexiko, gehörten nur noch auf dem Papier zu den USA. Nur die großen Metropolen in Texas, sowie Florida und Kalifornien wurden von der weißen Bevölkerungsmehrheit dominiert, die sich übrigens immer mehr mit den Chinesen und ostasiatischen Einwanderern verband.

 

Der Mittlere Westen wird autark

 

Der Mittlere Westen und Texas wurde ab 2015 zum Fluchtgebiet  aller konservativen und fortschrittsfeindlichen Amerikaner europäischer Abstammung, die sich mit der Globalisierung und der Überfremdung durch Asiaten und Latinos nicht abfinden wollten. Aber auch viele Schwarzafrikaner fanden hier in den ländlichen Gebieten Zuflucht. Dort schätzte man ehrliche Arbeit auf der eigenen Scholle und hing dem Ideal der Autarkie an. Es kam zu einer Sabotage-Aktionen gegen die Agrarfabriken und die großindustrielle Landwirtschaft. Die Mehrheit wollte eine bäuerliche Landwirtschaft, und diese entstand dann auch im Laufe der kommenden Jahrzehnte. Man verschmähte es, asiatische Autos und Produkte zu kaufen, und die Auto- und Maschinen-Industrie in Chicago und Detroit nahm einen neuen Aufschwung. Aber man produzierte vorwiegend für den eigenen Markt. Das altbackene und bodenständige Amerika sagte der Globalisierung den Kampf an und erreichte es, daß es vom Welthandel weitgehend unabhängig wurde. Es wurde zu einem Modellfall, der für die ländlichen Gegenden in Südamerika, Afrika, Russland und China beispielgebend war. Man missionierte draußen in der bäuerlichen Welt für diesen „New American Way of Autarkie“, und gleichzeitig missionierte man für die im „bible belt“ beheimatete Form des Christentums.

 

Die Ostküste der USA und England wachsen immer mehr zusammen

 

Durch den Beitritt der USA zur Europäischen Union rückten London und die Metropolen der Ostküste  (Boston, New York, Philadelphia, Baltimore, Washington, Atlanta) immer mehr zusammen. London und New York waren sich mental und kulturell auch im Jahr 2025 viel näher als London und Paris oder Berlin.

 

Die Weltföderation der Metropolregionen entsteht

 

Die Nationalstaaten verloren also immer mehr an Bedeutung, während die Metropolregionen zu globaler Bedeutung aufstiegen. Sie machten jetzt quasi ihre eigenen Außenpolitik und knüpften ihre eigenen diplomatischen Fäden, ohne sich um die Nationalstaaten zu kümmern, auf deren Territorium sie lagen. Dabei kamen Vernetzungen und Bündnisse zustande, die man so nicht erwartete. So arbeiteten eng zusammen: Chicago, Warschau, Berlin, Sao Paulo und New Delhi. Eine andere Gemeinschaft bildeten München, Mailand, Marseille, Bordeaux, Barcelona, Leningrad und Tel Aviv.

 

Aber über diese Gruppenbildung hinaus kam es zu einer globalen Vernetzung der Metropolregionen, die dann zur Weltföderation der Metropolregionen führte. Diese UMRO (Unitied Metropolitan Regions) übernahm immer mehr die Rolle, die eigentlich die UNO hätte spielen sollen. Denn die Metropolregionen wollten keine Imperien gründen und Kriege führen, sondern ihre Interessen waren ziviler Natur. Es ging ihnen um Handel und kulturellen Austausch in einer friedlichen Welt. Deswegen waren die Metropolregionen viel eher dazu geeignet, der Welt den Frieden zu bringen als die Nationalstaaten. Diese unterschieden sich sich auch durch ihre Größe und Struktur viel mehr voneinander als die Metropolregionen, die alle im Grunde ähnliche Probleme hatten. So konnte man auch viel leichter eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Denken finden.

 

Die neue Bescheidenheit

 

Die erzwungene Bescheidenheit beim Energieverbrauch zwang die Menschen, auf weite Reisen zu verzichten. Für die Tourismusindustrie kamen schlechte Zeiten. Auch die Geschäftsreisen und die Zahl der internationalen Kongresse nahmen stark ab. Man verhandelte jetzt bevorzugt per Videokonferenz. Der Überwachungsstaat veröffentlichte im Internet die Zahl der Flugmeilen, die eine Person im Jahr zurücklegte. Wer zu viel reiste, musste sich rechtfertigen und galt als Verschwender und Umweltzerstörer. Es machte keinen Spaß mehr, dem Jet-Set anzugehören.

Man kam immer mehr zur Erkenntnis, dass das Leben in einer Metropole genügend Abwechselung biete und dass man auf große Reisen verzichten könne. Die Vergnügungsindustrie stellte sich darauf ein und schuf immer neue Attraktionen in den Ballungsräumen. Die Leute fielen nicht an jedem Wochenende in endlosen Blechkarawanen über die Natur her, sondern blieben in der Stadt.

 

Es gibt für alle genug zu essen

 

Die Entvölkerung der ländlichen Gebiete hatte zur Folge, dass nur die von Maschinen leicht zu bewirtschaftenden Landstriche für die Landwirtschaft genutzt wurden. Diese war voll mechanisiert und automatisiert. In den von der Natur weniger begünstigten Gebieten entstanden weite Brachflächen, die sich allmählich mit Buschwerk und Wäldern überzogen. Obwohl es inzwischen 10 Millionen Menschen gab, konnte sich die Natur weite Teile des Planeten zurückerobern. Die ausgeklügelte und ertragreiche Landwirtschaft in den fruchtbaren Gebieten reichte aus, um alle zu ernähren. Allerdings wurde die Feldfrüchte nicht ans das Vieh verfüttert, um Fleisch zu gewinnen, sondern die Menschen aßen das Getreide und den Mais ohne den Umweg über das Schwein oder das Rind und sparten so die 10 Kilo Getreide, die man zur Erzeugung von einem Kilo Fleisch benötigt.

 

Der Anbau von Tabak war verboten. Wein wurde nur noch in geringem Umfang angebaut. Es war gelungen, auf künstlichem Wege Wein und Bier von guter Qualität herzustellen. Maßlosigkeit beim Essen galt aus unanständig und wurde mit einer Rationierung des Nahrungsmittel geahndet. Durch all diese Maßnahmen schaffte es die Menschheit, dass für alle genug zum Essen da war. Mehr sogar: das Essen ließ an Geschmack und Vielfalt nichts zu wünschen übrig.

 

Die islamischen Expansion

 

Im Jahr 2011 hatte der letzte USA-Soldat den Irak verlassen. Es war eine nur mühsam verschleierte Niederlage. Der Irak zerfiel in drei Teilstaaten: Im Norden die Kurden, im Süden die Schiiten und in der Mittel der iranische Rumpfstaat. Dieser Rumpfstaat kam nicht zur Ruhe, weil sich bewaffnete Räuberbanden unter dem Deckmantel des Glaubens einen Bürgerkrieg lieferten, der zur völligen Verarmung weiter Teile der Bevölkerung führte. Das wirtschaftliche Leben kam zum Erliegen. Alles Notwendige wurde aus dem Westen importiert – und Form von Spenden und Hilfslieferungen. Der Westen alimentierte also den Bürgerkrieg. Als in der westlichen Welt infolge gestiegener Rohstoffpreise der Lebensstandard immer mehr sank, wurden diese Hilfen immer spärlicher. Der jüngere Teil der irakischen Bevölkerung floh in die Nachbarländer und nach Europa und trug somit zur „Ausländerkrise“ von 2016 bei.

 

Da in den islamischen Ländern eine gewaltige Überzahl von jungen Männern geboren worden war, wuchs in der islamischen Welt und in Afrika ein Heer von arbeitslosen und zornigen jungen Männern heran (besonders in den Flüchtlingslagern), die nur eine Zukunftschance sahen: mit der Waffe in der Hand auf Raub- und Erpressungszüge zu gehen. Die westliche Welt hatte zwar das Ausländerproblem gelöst, indem sie alle Bürger überwachte und ihnen eine Grundversorgung gewährte, aber dies war nur möglich, indem sie ihre Grenzen gegen Zuwanderer abschottete. Diesem Beispiel folgten auch Japan, China und die hoch entwickelten Industriestaaten Südostasiens. Aber von Pakistan bis Marokko und von Tunesien bis Südafrika versanken die Länder in Bürgerkriegen und Hungersnöten. Hier regierten Militärdiktatoren und ihre bewaffneten Räuberbanden. Die Länder waren wieder in Stammesgebiete zerfallen, und weite Teile dieser Länder waren für Fremde nur unter Lebensgefahr zu betreten.

 

Tarik, der Diktator von Arabien

 

Dann trat einer dieser Menschen auf, die in Zukunftsszenarien nicht vorhersehbar sind und die deshalb alle Prognosen zur Makulatur werden lassen.  Sein Name war Tarik. Er war fest überzeugt, dass es ihm von Gott bestimmt sei, die arabische Welt aus ihrer Erniedrigung zu befreien und dem Islam zu Weltherrschaft zu verhelfen.

Als er im Jahr 2012 diesen Plan fasste, war er Söldner und etwa 25 Jahre alt. Von Geburt war er Tuareg, hatte aber seine Jugend in St. Denis bei Paris verbracht. Er war einer der Jugendlichen, die in den Krawallen im November und Dezember 2005 jede Nacht Autos anzündeten. Er hatte in seinen Jahren als Söldner viel Geld verdient; aber er hatte es nicht, wie die meisten anderen, das Geld für Alkohol, Huren und Glückspiel ausgegeben, sondern in Aktien investiert. Er hatte von dem großen Boom profitiert und war zum wohlhabenden Mann geworden, weil er rechtzeitig vor dem großen Crash ausgestiegen war.

 

Es war ihm schmerzhaft bewusst, wie rückständig die islamische Welt war, und wie demütigend die Zersplitterung und die Ohnmacht waren. Er war mit Fleiß, Intelligenz und Ausdauer ausgestattet, und er wollte nicht einer dieser engstirnigen islamischen Fanatiker sein, sondern vom Westen lernen, wie der Westen zu schlagen sei. Deshalb nahm er seine Studien an der Ecole Militaire Superieure d’Administration et de Management (ESAM) in Paris auf und schloß nach fünf Jahren mit Auszeichnung ab. 2018 ging er nach Saudi Arabien, wo es ihm gelang, zum Chef der Sicherheitstruppe des Saudischen Königshauses zu werden. Dort begann er, ihm ergebene junge Männer in die Leibwächter-Mannschaft einzuschleusen. Am 25. Juli 2020 verhaftete er die führenden Mitglieder des Königshauses und ergriff die Macht. Er erklärte sich zum Staatschef von Saudi Arabien. Die Armee und Polizei des Saudischen Staates brachte er durch Versprechungen und Korruption schnell auf seine Seite.

 

Er wusste, wie eine Militärdiktatur funktioniert. Er baute sich eine Truppe von Elitesoldaten und eine Staatspolizei auf. Er versorgte seine Getreuen mit reichlich Geld und guten Posten. Aber im Grunde bestach er sie nicht mit Geld und Ämtern, sondern mit dem Bewusstsein, dass sei einer Elite angehörten, der es bestimmt war, die arabische Welt zu einen und zu regieren.

 

Tarik war jetzt der reichste Mann der Welt, denn er verfügte über die Saudischen Ölquellen und die Saudischen Bankguthaben. Aber er verschwendete diesen Reichtum nicht für Luxus und sinnlose Prestige-Projekte, sondern baute Armee, Geheimdienst und Verwaltung immer weiter aus.

 

Er war der Ansicht, dass die Araber weder zum Fabrikarbeiter noch zum Bauern, sondern zum Eroberer und Herrscher geboren waren. Wer sollte aber für die Araber die Arbeit tun ? Seine Antwort war: die Inder und die Völker Südostasiens.

 

Tarik einigt die arabische Welt (ab 2020)

 

Zunächst ging es darum, die arabische Welt zu einen. Tarik wurde zum Missionsreisenden für die arabische Sache. Ihm gelang es, die verschiedenen militanten Gruppierungen im Nahen und Mittleren Osten unter seiner Führung zu vereinen. Schon bald schlossen sich Teile des in verfeindete Teilstaaten zerfallenen Irak an Saudi-Arabien an. Tarik wurde in Mekka von einer zwei Millionen Menschen umfassenden Menschenmenge als der neue arabische Führer begrüßt. Tarik küsste demütig den Schwarzen Stein an der Kaaba und verkündete, dass die große Stunde des Islam gekommen sei.

 

Die USA und der Staat Israel sah diese Entwicklung mit Besorgnis. Aber man intervenierte nicht. Der schmähliche Rückzug aus dem Irak und aus Afghanistan war noch in schmerzlicher Erinnerung. Tarik traf sich mit dem Präsidenten der USA und versprach ihm, dass die US-Ölfirmen weiterhin das arabische Öl fördern und verkaufen dürften. Allerdings senkte er die Gewinnspanne.

Dann traf er sich mit dem israelischen Regierungschef und versicherte ihm in einem geheimen Vier-Augengespräch, dass er das Existenzrecht Israels anerkenne. Er sagte: „Die arabische Welt hat genug Land und genug Reichtümer. Wir brauchen das kleine Ländchen, das ihr Juden besetzt habt, nicht. Aber ich brauche euch Juden als Feindbild, im die arabischen Völker zu einen. Ich werde keinen Krieg mit Israel führen. Versprechen Sie mir nur eins: Lassen sie mich durch ihren Geheimdienst nicht töten und sorgen sie über ihre Freunde in den USA dafür, dass ich in der arabischen Welt freie Hand habe.“ Dem stimmte der israelische Präsident zu.

 

Nachdem sich Tarik auf diese Weise den Rücken im Westen freigehalten hatte, besetzte er die Vereinigten Emirate, ohne dass es eine nennenswerte Gegenwehr gab. Die in den Emiraten beheimateten Fernsehsender machte er zu den in der arabischen Welt am meisten gesehenen Fernsehsender. Diese benutzte er, um 24 Stunden am Tag die ganze arabische Welt mit seiner Propaganda zu berieseln. Er tat das auf eine subtile, indirekte Methode, der sich kaum jemand entziehen konnte.

 

Tarik besiegt die Mullahs und Imame

 

Insgeheim hasste und verachtete er die Mullahs und Imame, und er wollte ihnen die Herrschaft über den Geist und die Seele der islamischen Welt entreißen. Die Leute sollten ihre Meinungen nicht aus der Moschee, sondern aus seinem Propaganda-Fernsehen haben. In einem schleichenden Prozess wurden islamische Geistliche von ihren Gemeinden getrennt und landeten irgendwo in der Provinz.  Moscheen wurden wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und dann nicht mehr aufgemacht. So gelang es ihm, den Mullahs allmählich den Boden zu entziehen.

 

Die Koranschulen ließ Tarik schließen und schuf eine Vielzahl von Schulen, Gymnasien und Universitäten nach französischem Vorbild. Auf Militär- und Verwaltungsschulen zog er sich die Leute heran, die sein arabisches Reich verwalten sollten.

 

Tarik trug stets Militär-Uniform und lebte persönlich bescheiden. Er hatte keine zahlreichen Paläste wie einst Saddam Hussein, sondern nur eine kleine Wohnung im Regierungsviertel einer neuen Hauptstadt Dubai.

 

Tarik gründet die arabische Union

 

Die von den Amerikanern eingeführte Demokratisierung nutzte Tarik dazu, in den arabischen Ländern von ihm finanzierte und gesteuerte Parteien zu etablieren, die, unterstützt von seinen Propaganda-Sendern, die amtierenden Regierungen in ganz legalen Wahlen ablösten. Er erreichte, dass sich die arabische Welt in der Arabischen Union zusammenfand, deren anerkannter Führer Tarik war.

 

Tarik integriert Persien in die arabische Welt

 

Noch war die große Spaltung der arabischen Welt nicht überwunden. Das von Schiiten beherrschte Persien stand Tarik abwartend bis feindselig gegenüber. Tarik war klar, dass die größten Hindernisse bei der Eingliederung Persiens in sein arabisches Imperium die schiitischen Mullahs waren. Er unterstützte deshalb die islam-feindlichen und fortschrittlichen Kräfte in Persien und brachte es zustande, dass es in der Hauptstadt Teheran zu einer Revolte der Studenten kam, die den Mullahs Wahlbetrug vorwarfen. Die Studenten, verstärkt durch Teile des Militärs, besetzten das Regierungsviertel. Es wurde über Nacht eine Militärregierung gegründet, und in einer Blitzaktion wurden alle Mullahs und geistigen Würdenträger verhaftet. Tarik zeigte sich als empörter Moslem und verlangte die Freilassung der Mullahs. Er erklärte sich bereit, ihnen Asyl in Saudi-Arabien zu gewähren. Die Militärputschisten waren froh, die Mullahs los zu werden und willigten ein. So brachte Tarik die persischen Mullahs in seine Gewalt und die Militärputschisten waren der Frage enthoben, wie sie die Mullahs beseitigen konnten, ohne aus ihnen Märtyrer zu machen.

 

Mit den persischen Mullahs schloß Tarik folgendes Abkommen: „Ich bringe euch wieder an die Macht, aber Persien muß der arabischen Union eingegliedert werden.“ Am 12. Mai 2025 sammelten sich die Mullahs an der irakisch-persischen Grenze und überschritten diese, um auf Teheran zu marschieren. Es schlossen sich ihnen erst Tausende, dann Zehntausende Menschen an. Die persischen Militärregierung gelang es nicht, die Menschenmassen zu zerstreuen und die Mullahs zu verhaften. Die Militärputschisten nahmen mit Tarik Verhandlungen auf, und Persien trat der Arabischen Union bei. Tarik erklärte den persischen Militärs in einem vertraulichen Gespräch, dass er auf ihre Hilfe bei seinen weiteren Plänen hoffe. „Diese Zusammenarbeit wird uns allen reiche Beute bringen“, sagte er und stieß damit auf Gleichgesinnte.

Die persische Regierung schloß mit den Mullahs ein Abkommen, das drauf hinauslief, dass sich die Mullahs von der Politik fernhielten; im Gegenzug bekamen die Mullahs wieder ihre alten Positionen, wurden aber allmählich entmachtet.

 

Tarik plant die Eroberung Indiens

 

Tarik hatte erkannt, dass Indien, trotz der Atomwaffen, die es besaß, und trotz der vielen Menschen, die dort wohnten, ein weiches Ziel war, das einer Invasion keinen großen Widerstand entgegensetzen würde. Aber bevor er zu seinem Angriff schritt, spann er seine diplomatischen Fäden, um Indien zu isolieren. Er musste nämlich sicher sein, dass er sich mit einem Angriff auf Indien nicht die ganze Welt zum Feind machte. Die  USA würden sich ruhig verhalten, solange sie mit relativ billigem arabischen Ölversorgt wurden. Mit den Israelis schloß er ein Geheimabkommen, das besagte, dass die jüdischen Interessen in Indien „nicht nur geschützt, sondern gefördert“ würden.

Aber er musste noch China, Russland und Europa zum Stillhalten bewegen. Zwischen Indien und China bestand eine wirtschaftliche Rivalität. Tarik reiste nach Peking und traf mit dem chinesischen Staatschef folgende Übereinkunft: Tarik erkannte an, dass Tibet, die Mongolei und ganz Zentralasien bis zum Kaspischen Meer chinesischer Einflussbereich waren. Im Gegenzug sagte China den Arabern zu, dass sie bei einem Einmarsch Tariks in Indien neutral bleiben würden.

In Moskau traf sich Tarik mit dem russischen Präsidenten und sagte zu ihm: „Wir haben drei gemeinsame Feinde: die USA, die Europäische Union und China. Russland hat Zentralasien und die Ukraine verloren und wurde immer weiter zurückgedrängt. Ich biete ihnen meine Hilfe dabei an, die verlorenen Gebiete wieder zurück zu gewinnen und unter russische Verwaltung zu stellen. Als Gegenleistung erhoffe ich, dass Rußland Waffen liefert und uns Unterstützung beim Aufbau unserer Armee leistet.“

 

Tarik schließt mit den Russen einen Partnerschaftsvertrag

 

Die Freundschaft zwischen dem russischen Präsidenten und Tarik entwickelte sich in einer sehr herzlichen und persönlichen Weise. Man verstand sich überraschend gut. Ursprünglich hatte Tarik geplant, alle Welt zu betrügen und die Großmächte gegeneinander auszuspielen. Aber in dem Russen fand Tarik einen Freund und Partner. Eines schönen Sommertages, als die beiden die Wälder im Kaukasus durchstreiften, kamen sie auf Indien zu sprechen. „Es ist doch erstaunlich, mit wie wenig Militär die Engländer einst Indien erobert und beherrscht haben“, sagte der Russe. Wenn ich daran denke, mit welchem Aufwand wir damals in den achtziger Jahren Afghanistan zu halten versuchten und wie kläglich wir gescheitert sind, dann denke ich mir, es wäre weit leichter, Indien zu halten – wenn man es denn erobern würde. Tarik antwortete: „ Herr Präsident, der Weg ist heute frei, wenn wir uns zusammenschließen. Sie haben die Industrie, die Waffen, die Organisation. Ich habe die fanatischen jungen Kämpfer und den Reichtum der Ölquellen. Die unterschiedliche Religion ist keine Barriere. Wir sind beide Männer er Waffen, wir glauben an die Macht der Gewalt und nicht an die Macht der Priester.“

 

Und so geschah das Unglaubliche: Es entstand eine arabisch-russische Partnerschaft. Arabien gewährte Russland Zugang zu den warmen Meeren, auf den es Jahrhunderte lang vergeblich gehofft hatte. Die arabische Welt war mit einem Mal durch die russische Militärmacht gestärkt. Die zentralasiatischen Staaten waren von dem neu entstandenen Imperium eingekreist und schlossen sich ihm nur allzu willig an. Die Chinesen musste ihre Expansion nach Zentralasien aufgeben.

 

Rußland und Arabien arbeiten eng zusammen

 

Nicht nur die Araber, sondern auch die Russen fühlten sich als gedemütigtes Volk. Wie schon erwähnt, hatte Rußland nicht nur seine Satellitenstaaten Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien an die Europäischen Union verloren, sondern auch die baltischen Staaten, die Ukraine und einen Teil  Weißrußlands. Rußland fühlte sich vom Westen eingekreist, bedroht, kolonisiert und korrumpiert. Da lag es nahe, sich mit einem anderen großen Verlierer ein Zweckbündnis einzugehen: der arabischen Welt. Beide einte der Neid und der Haß auf den Westen und die Ablehnung der Demokratie und des westlichen Kapitalismus.

 

Der Plan für ein arabisch-russisches Imperium entsteht

 

In langen privaten Gesprächen analysierten der arabische und der russische Führer die Lage ihrer Völker und kamen zu erstaunlichen Übereinstimmungen. Beiden würde es nicht gelingen, konkurrenzfähige Industriestaaten aufzubauen. Sowohl ihre Völker wie auch ihre Regierungen waren für die Demokratie nicht geeignet. Sie hatten eine viele Jahrhunderte lange Tradition als Imperien und Despotien. Was sind Imperien anderes als Staaten, die durch Raub und Eroberung ins Maßlose wachsen und von einer kriegerischen Elite zentral verwaltet werden ? Der russische und der arabische Führer beschlossen, ein gemeinsames Imperium zu schaffen. Imperien können sich nur dorthin ausdehnen, wo sie auf geringen Widerstand und wenig wirksame Gegenwehr stoßen. Damit war klar, in welche Richtung die Expansion erfolgen musste: Nach Indien und nach Afrika. Der Plan war, erst Indien zu erobern, und dann mit Hilfe indischer Verwaltungs- und Wirtschaftsfachkräfte Afrika, das ja schon in weiten Teilen zur muslimischen Welt gehörte, zu übernehmen und in ein reiches Agrarland zu verwandeln. Indien sollte in ein fortschrittliches Industrieland verwandelt werden. Afrika sollte die Nahrung für das arabisch-russische Imperium liefern, und Indien die Industriegüter produzieren. Rußland und die Araber waren für die militärische Stärke zuständig.

 

Die folgenden zehn Jahre nutzten Araber und Russen, um das Kaspische Meer und den persischen Golf durch Ölleitungen, Bahnlinien, Autobahnen und Fluglinien zu verbinden. Es entstanden mehrere große Häfen, die zum eisfreien Tor Russlands zum Indischen und Pazifischen Ozean wurden. Es wurde eine arabisch-russische Flotte aufgebaut. Die bestand aber nicht aus Flugzeugträgern, sondern aus Transportschiffen und leichten Kreuzern. Man war sich im Klaren darüber, dass man der Seemacht USA nicht das Wasser reichen konnte und wollte sie auch gar nicht herausfordern.

 

Die russisch-arabische Zusammenarbeit führte dahin, dass das arabische und das russische Reich eine Föderation eingingen, die sie „Russisch-arabische Union“ nannten, und die vor allem ein militärisches Bündnis zum Zwecke von Eroberungen darstellte, die aber zwei Machtzentren hatten, Moskau und Dubai.

 

Araber und Russen erobern Indien

 

Als im Jahr 2026 die Stunde der Eroberung Indiens gekommen war, standen die arabisch-russischen Panzerarmeen an der Grenze zwischen Indien und Pakistan. Tarik und sein russischer Partner schlugen der indischen Staatspräsidentin vor, sich bedingungslos zu ergeben. Tarik sagte: „Madam, ich würde mich freuen, wenn ihr Land dem russisch-arabischen Staatenbund beitreten könnte. Ich weiß, dass sie Atomwaffen haben. Meine Informationen besagen aber, dass diese Bomben auf Grund des unaufhaltsamen radioaktiven Zerfalls des in ihnen enthaltenen spaltbaren Materials ihre Wirksamkeit verloren haben. Ihre Techniker wurden von uns bestochen. Ihre Bomben sind Blindgänger. Was ihre Armee anbelangt, so sind ihre Soldaten zwar zahlreich, aber wenig fanatisch und kampfeswillig. Unsere todesmutigen Kämpfer würde unter ihnen ein furchtbares Blutbad anrichten. Indiens Städte würden verbrannt und Indiens Frauen vergewaltigt. Ich schlage Ihnen deshalb eine friedliche Einigung vor. Sie bleiben weiterhin Präsidentin von Indien, und der Reichtum der herrschenden Familien bleibt zu einem Drittel erhalten. Die anderen zwei Drittel gehören uns. Die indische Bevölkerung wird mit allem zum Leben Notwendigen versorgt. Wir eröffnen den Indern die Möglichkeit, in den arabischen und afrikanischen Ländern Handelsunternehmen und Industriebetriebe zu eröffnen. Indische Gastarbeiter sind uns überall in der arabischen und afrikanischen Welt willkommen. Die indische High-Tec Industrie werden wir fördern und mit Aufträgen bestens versorgen. Wir heißen Indische Professoren an unseren Universitäten willkommen.“

 

Die indische Premierministerin unterzeichnete einen Beitrittsvertrag zur „Trilateralen Union“, wie sich nun das Staatengebilde aus Russland, der arabischen Union und Indien nannte.

Die praktische Folge dieses Vertrages war, dass Indien mit Öl und Rohstoffen aus Russland und der arabischen Welt versorgt wurde, und im Gegenzug Arbeitskräfte auf allen Qualifikationsstufen, von der Hausangestellten über den Industriearbeiter bis zum Supermarktverwalter und zum Universitätsprofessor in die arabische Welt exportierte. Indien verzichtete auf eine eigene  Außenpolitik und stellte seine Industriekapazitäten dem Russisch-arabischen Imperium zur Verfügung. Dem durchschnittlichen  Inder war es egal, ob er von der eigenen Herrscherkaste oder von den Arabern und Russen ausgebeutet wurde.

 

Das Wunder von Afrika

 

Tarik, der ja aus dem arabischen Teil Afrikas stammte, wusste, was diesen Kontinent in Hoffnungslosigkeit und Armut verharren ließ: Die Unfähigkeit, die Ignoranz, die Gier und die Korruptheit seiner Regierungen. Er ging daran, diese Regierungen teils durch Drohung, teils durch Bestechung, teils durch Putsch und teils durch legale Wahlen aus dem Amt zu drängen und durch fähige und loyale Leute, darunter auch Inder, Russen und Europäer, zu ersetzen. Überall hatte er seine Beobachter und Spione in den Regierungen sitzen, und die Computer und das Internet halfen seiner Zentrale in Dubai, diese Staaten und ihre Regierungen genau zu überwachen. Er trieb die Alphabetisierung voran, führte Sozialkassen und Sozialleistungen ein und verschaffte den Leuten Arbeitsplätze in staatlichen Betrieben und auf „Staatsfarmen“. Er führte ein funktionierendes Rechts- und Polizeiwesen ein und baute eine Industrie für die Güter des täglichen Bedarfs auf. Afrika hatte das Tal der Tränen durchschritten und erlebte ein Wirtschaftswunder. Afrika war zu einer arabischen Kolonie geworden, die von den Männern (darunter sehr viele Inder) verwaltet wurden, die seine arabischen Verwaltungsschulen und Universitäten besucht hatten. Afrika wurde ein Kontinent, der nicht nur sich selbst leicht ernähren konnte, sondern die arabische und die russische Welt ebenfalls.

 

Drei große Blöcke im Jahr 2040

 

Im Jahr 2040 hatte sich eine Achsenmacht gebildet, die vom Polarmeer bis nach Südafrika reichte. Damit war die Welt in drei Blöcke geteilt:

  1. Der Westen, das waren die Europäer und die einst von Europäern besiedelten Länder wie USA, Kanada, Australien, aber auch Lateinamerika, das aber seine Eigenständigkeit zu wahren versuchte.
  2. China, Japan (beide waren sich sehr viel näher gekommen), Südostasien, die Mongolei, Tibet und Teile Zentralasiens.
  3. Die russisch-arabische Föderation

 

Es gab eine Vielzahl von Weltregionen, in denen diese drei Blöcke um die Vorherrschaft kämpften, z. B. in Indonesien und auf den Philippinen, oder in Zentralasien oder in Afrika, wo sich die Europäer nicht ganz herausdrängen lassen wollten.

 

Die religiöse Entwicklung

 

Katholische und orthodoxe Kirche überwinden die Kirchenspaltung

 

Die russisch-orthodoxe Kirche sah nach einer kurzen Scheinblüte, die bist 2010 währte, ihre Existenz bedroht. Auch der römisch-katholischen Kirche machten die Austritte und der Priestermangel zu schaffen. Ost- und Westkirche litten an der Konkurrenz durch den Islam. In dieser Situation trafen sich der katholischen Papst und die orthodoxen Patriarchen regelmäßig. Im Jahr 2014 sagte der Patriarch von Moskau zum Papst: „Eure Heiligkeit, ich wäre einer Überwindung des Schismas durchaus nicht abgeneigt. Aber sie können von mir nicht erwarten, dass ich sie als Oberhaupt der vereinten katholisch-orthodoxen Kirche anerkenne.“ Der Papst wiegte den Kopf und sagte: „Wir werden die Demokratie in unseren Kirchen einführen und ein gemeinsames Oberhaupt wählen“. Der Patriarch schaute entsetzt: „Sollen wir jetzt alle unsere Gläubigen zur Wahlurne schicken?“ „Nein“ sagte der Papst, „man soll nichts übertreiben. Wir werden ein gemeinsames Konzil der orthodoxen und der katholischen Kirche einberufen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir zwei Oberhäupter wählen, ein orthodoxes und ein katholisches.“ So geschah es dann auch auf dem gemeinsamen Konzil von 2018.

 

Der Bestattungskonzern Elysium

 

Aber diese Fusion war die Fusion von zwei schwachen, angeschlagenen Partnern. In der christlichen Welt trat ein Konkurrent auf, mit dem niemand gerechnet hatte: Der amerikanische Beerdigungskonzern „Elysium“. Elysium verleibte sich immer mehr lokale Beerdigungsinstitute ein. So, wie es überall Aldi, Edeka und REWE-Läden gab, so gab es überall „Elysium-Institute“. Sie boten nicht nur die fachmännische Entsorgung der Verstorbenen mit Sarg bzw. Urne, Grabstelle, Grabstein etc. an, sondern auch die Bestattungsfeier und die Grabrede. Die Grabrede wurde nicht mehr von einem Priester oder Pfarrer gehalten, sondern von einem Angestellten von Elysium.

 

Von da war es nicht mehr weit, dass sich die Angestellten auch als „Event-Manager“ sahen. Der Konzernchef von Elysium, der ehemalige Wunderheiler und Hypnotiseur Alexander Wondersam, dachte sich: „Beerdigungen und Hochzeiten sind im Grunde sehr ähnlich: Die Leute versammeln sich aus einem familiären Anlaß, und es wird gefeiert. Den Rahmen dazu liefert die Kirche. Die meisten Leute bleiben nur noch deshalb in der Kirche, damit die Kirche bei diesen Anlässen einen feierlichen Rahmen gibt. Aber wir können das auch, sogar billiger und besser.“

 

Alexander Wondersam (seine Eltern waren eigentlich aus Appenzell und 1990 in Kalifornien eingewandert) machte aus seinem Beerdigungskonzern einen „Eventkonzern“. Jetzt konnte er auch massiv Werbung machen. Mit Beerdigungen konnte er schlecht werben, aber mit Hochzeiten schon.

 

Wondersam sinnierte weiter: „Damit die Leute heiraten, müssen sie sich erst einmal kennenlernen. Also muß ich den Bereich ‚Kennenlernen der Geschlechter’ abdecken. Ich muß also Tanzvergnügen, Ausflüge und Reisen organisieren.“ Wundersam kaufte einen Reise- und einen Immobilienkonzern, denn die Events mußten ja in Hallen und Hotels stattfinden.

 

Wondersam kam zu Hilfe, dass er eine Börsenstrategie entwickelt hatte, die ihm gestattete, seine überschüssigen Erträge mit hoher Rendite anzulegen. Da er allmählich im Geld schwamm, überzog er das Land mit „Event-Palästen“, die den Kirchen als Versammlungsorten den Rang abliefen.

 

Wondersam erkannte, dass die Esoterik als Religionsersatz ein ungeheures Gewinnpotential hatte. Auch hier verdrängte er die kleinen Anbieter vom Markt.

 

Wondersam expandierte weiter, indem er sich Fernsehsender, Verlage und Filmproduzenten dazukaufte. Am Schluß war Elysium der größte und mächtigste Konzern der Westlichen Welt – nachdem Microsoft im Jahr 2015 Bankrott angemeldet hatte.

 

Wondersam wird Präsident des Vereinigten Abendlandes

 

Eine Folge des Beitritts des USA zur Europäischen Union war es, dass Europa noch stärker amerikanisiert wurde. Der Präsident des Vereinigten Abendlandes wurde in direkten Wahlen ermittelt. Wenn wundert es, dass dieser Präsident ein Amerikaner war. Wondersam wollte ursprünglich nicht als Präsident kandidieren, aber nachdem Tarik Indien erobert hatte, war Wondersam klar geworden, dass Tarik etwas vertrat, was ihm zutiefst zuwider war: nackte Gewalt und Erpressung. Er und sein Konzern konnte nur in einer Welt gedeihen, die vom sanften Betrug und nicht von roher Gewalt regiert wurde. Um zu verhindern, dass die Europäische Union sich in einen Rüstungswettlauf und in eine Militarisierung der Gesellschaft hineinbegab, wollte Wondersam in die Politik eingreifen – natürlich auf höchster Ebene und höchstpersönlich. Wondersam schlug den Amtsinhaber aus der Kennedy-Schwarzenegger-Dynastie und wurde im Jahr 2024 zum dritten Präsidenten des Vereinigten Abendlandes.

 

Der Niedergang des Islam

 

Nachdem sich die USA so gedemütigt aus dem Orient zurückziehen mussten, begann man auf Befehl von Wondersam in den Denkfabriken der USA darüber nachzugrübeln, wie der Islam mit geistigen Waffen bekämpft werden konnte. Man studierte die Lehre und die Geschichte des Islam und kam zu folgenden Erkenntnissen: Der Islam war eine abgewandelte Form des Judentums. Es gab zahlreiche Parallelen: Die Heilige Stadt (Jerusalem und Mekka), der Glaube an einen einzigen, im Grunde intoleranten und kriegerischen Gott, die patriarchalische Grundhaltung der Geistlichen, die Beschneidung und das Verbot Schweinefleisch zu essen. Es war offensichtlich, dass Mohammed einen Abklatsch des Judentums geschaffen hatte, ohne das Judentum gründlich zu kennen. Es war auch offensichtlich, dass der Koran nicht durch Gott an Mohammed übermittelt worden war, sondern dass dieser Text ein Produkt der Lebensumstände und des geistigen Horizonts Mohammeds war, und dass der Koran zahlreiche Widersprüche, Fehler und Irrtümer aufwies. Daß sich der Islam überhaupt durchsetzten konnte, verdankte er nicht seiner Überzeugungskraft, sondern der Gewaltanwendung der Moslems.

 

Man begann (heimlich gefördert vom Elysium-Konzern) jetzt in den Denkfabriken und Universitäten der USA und Europas den Koran und das Leben des Mohammed auseinander zu nehmen und seine Fehler und Unzulänglichkeiten aufzudecken. Das hatte zur Folge, dass der Islam in der Augen der islamischen Intellektuellen immer mehr an Glaubwürdigkeit verlor.

 

Aber weit mehr machte dem Islam die Emanzipation der islamischen Frau zu schaffen, die das Patriarchat Schritt für Schritt aushöhlte. Es war ein langsamer, zäher Kampf, der hier ausgefochten wurde, den die Frauen am Schluß gewannen.

 

Tarik und Wondersam nähern sich an

 

Tarik und Wondersam belauerten sich. Jeder wusste von seinem Geheimdienst ziemlich viel über den anderen. Sie standen vor der Frage, wie sie miteinander umgehen sollten. Von ihrer Interessenlage und von ihren ganzen Auffassungen und Empfindungen her hätten sie nicht gegensätzlicher sein können. In einer sachlichen Analyse der Weltlage kamen sie zu dem Schluß, dass keiner den anderen besiegen konnte. Der lachende Dritte bei einem Vernichtungskampf wäre China gewesen. Also beschlossen Tarik und Wondersam sich zu treffen und über eine gemeinsame Zukunft zu reden. Und die Zukunft hieß: Annäherung. Klar war das geworden, als es sich herausstellte, dass beide Humor hatten und miteinander grimmige und zynische Scherze austauschen konnten. Die Russisch-Arabische Union und das Vereinigte Abendland näherten sich einander an.

 

Die Welt nach dem Tod Tariks im Jahr 2030

 

Tarik fiel im Jahr 2030 einem Attentat eines moslemischen Fanatikers zum Opfer. Auf der Trauerfeier waren die Staatsmänner der ganzen Welt zu Gast. Mehr oder weniger unverblümt sagte Präsident Wondersam in seiner Ansprache etwa folgendes: „Tarik hat die arabische und afrikanische Welt geeint und stabilisiert. Die westlichen Demokratien hätten das nicht gekonnt. Es ist vielleicht eine Notwendigkeit der Geschichte, dass alte Gesellschaftsstrukturen durch einen Diktator beseitigt werden müssen. Auf das Regime der französischen Bourbonenkönige folgte ein Napoleon, auf die russischen Zaren ein Lenin, auf Wilhelm II. nach einem demokratischen Zwischenspiel ein Hitler, auf die chinesischen Kaiser letztlich ein Mao. Verglichen mit diesen Diktatoren war Tarik ein wahrer Menschenfreund. Er hat es geschafft, die Herrschaft der Mullahs und des Islam auf relativ humane Weise zu brechen und die arabische Welt in die Neuzeit zu führen. Er ist nicht größenwahnsinnig geworden, er hat keine großen, blutigen Kriege entfacht und er hat seinen Völkern Fortschritt und Nahrung gebracht - und: er hat sie in die moderne Zeit geführt. Wir haben Tarik gefürchtet und misstraut. Seine Eroberung Indiens war ein völkerrechtliches Vergehen. Aber er hat Indien nicht versklavt, sondern die indischen Menschen dafür eingesetzt, die arabische und afrikanische Welt zu entwickeln. Er ist mit den Jahren ein immer zuverlässigerer und berechenbarerer Gegenspieler des Abendlandes geworden. Wir haben ihn nicht geliebt, aber wir respektieren ihn. Wir sehen mit Sorge in die Zukunft und fragen uns: Was wir nach Tarik kommen? Wird sein Imperium zerbrechen und die islamische und afrikanische Welt wieder in die Zeit der Zersplitterung und der Bürgerkriege zurückfallen ? Wir strecken der russisch-arabischen Union die Hand aus und fordern sie auf, mit uns gemeinsam am Frieden und Fortschritt der Menschheit zu arbeiten.“

 

Tariks Nachfolger Augusto

 

Tarik hatte sich schon seit längerer Zeit mit der Frage seiner Nachfolge beschäftigt und einen etwa 45-Jährigen Mann ausgewählt und ihn systematisch zu seinem Nachfolger ausgebildet. Dieser Mann, er war italienischer Abstammung und hieß Augusto, sah seine Aufgabe nicht darin, neue Eroberungen zu machen und neue Kriege zu führen, sondern das Reich Tariks zu konsolidieren. Er vermied es, sich durch extravagante Aktionen zu exponieren, sondern machte business as usual. Natürlich gab es eine Reihe von Konkurrenten, die ihm die Macht streitig machen wollten. Aber er hatte den Geheimdienst auf seiner Seite und ließ die Konkurrenten lautlos in der Versenkung verschwinden. Schwierigkeiten machten ihm sparartistische Tendenzen. Stammesführer und Provinzfürsten, auch ganze Staaten wollten die vermeintliche Schwäche der arabischen Zentralregierung nutzen und ihr eigener Herr sein. Aber Augustos Elitetruppe griff schnell ein und schnappte sich die potentielle Aufständischen – teilweise schon auf der Totenfeier. So machte er von Anfang an klar, dass er das Heft in der Hand zu behalten gedachte.

 

Augusto hatte des Ziel, das arabische Reich Tariks an die Demokratie und an die westliche Zivilisation heranzuführen. Er mußte an den Ausspruch Napoleons denken: „Man kann mit Bajonetten alles machen, nur nicht darauf sitzen.“ Tariks Staat war letztlich auf militärische Gewalt, auf Dominanz und auf Drohung aufgebaut. Augusto hatte lebhaft vor Augen, dass er wahrscheinlich eines Tages einem Militärputsche seiner Offizieren oder den fanatisierten, von Mullahs aufgehetzten Massen zum Opfer fallen würde. Da er sich aber ein langes Leben und einen ruhigen Lebensabend wünschte, arbeitete er darauf hin, beide zu entmachten und eine demokratische Gesellschaft nach westlichem Vorbild einzuführen.

 

Er setzte seine Hoffung auf die Inder und auf das Vereinigte Abendland. Tarik hatte zwar die Inder unterworfen. Aber er hatte ihnen die Chance eröffnet, im arabisch-afrikanischen Raum Wirtschaftsunternehmen aufzubauen und zur Bildungselite zu werden. In ihnen sah er ein wirksames Gegengewicht zu den Mullahs. Augusto förderte den Ausbau des Bildungswesens in seinem Imperium. Mit der Bildung kaum die Aufklärung, und mit der Aufklärung schwand die Macht der Mullahs.

 

Seine Generäle und Offiziere ermunterte er, in der Industrie gut bezahlte Managerposten zu übernehmen. So wurden ihr Ehrgeiz und ihr Kampfeswille in friedliche Bahnen gelenkt und die Militärs wurden zivilisiert. Augustos Reich wurde Teil der globalen Wirtschaft. Erheblichen Teil daran hatten die alten und neuen Metropolen in der arabischen und afrikanischen Welt.

 

Unter Augusto erreichte die arabisch-afrikanische Welt einen bescheidenen Wohlstand für die breiten Massen. Damit war den religiösen Fanatikern und den kriegerischen Abenteuern das Wasser abgegraben und Augustos Imperium näherten sich der zivilen Normalität.

 

Rußland wird zu Groß-Moskau-Leningrad

 

Das russische Imperium hatte seinen Ausgang von Moskau genommen. Die Zaren hatten russische Erde gesammelt. Jetzt teilte das russische Imperium das Schicksal des British Empire: So wie jenes auf ein Groß-London-Manchester geschrumpft war, das eigentlich nur aus zwei großen Metropolregionen bestand (Groß-London und die Mittelenglische Metropolregion um Manchester und Liverpool), so bestand jetzt Russland eigentlich nur aus den Metropolregionen Groß-Moskau und Groß-Leningrad. Die Ukraine und Weißrußland waren schon 2012 bzw. 2014 Teil der Europäischen Union geworden. Die ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien waren schon lange verloren, Sibirien wurde wirtschaftlich von China dominiert. Auch wenn Rußland noch den Zugriff auf die Ölquellen und Rohstoffe Sibiriens hatte, so endete das russisch besiedelte Gebiet praktisch am Ural und an der ukrainischen Grenze. Die Kaukasusregion war verloren gegangen.

 

Das endgültige Zusammenwachsen der Welt

 

St. Petersburg war immer schon eine Stadt gewesen, die nach Westen geschaut hatte. Der Chef im Kreml war, wie einst Putin, wieder ein Leningrader. Hatte sich Rußland auch aus machtpolitischen und persönlichen Gründen mit Tarik zusammengetan, so hatte sich Rußland sich in technischer und zivilisatorischer Hinsicht auch weiterhin stark am Westen orientiert. Rußland war ein Land, das den Orient mit dem Okzident verband. Es war nach 1990 nie zu einer ernsthaften Konfrontation zwischen Rußland und dem Westen gekommen. Europa wurde durch die ganzen Jahrzehnte mit russischem Öl und Erdgas versorgt, mehr noch, Rußland verlängerte die Pipelines, die Rußland mit dem persischen Golf verbanden bis nach Ostdeutschland. Auch bestanden die engen wirtschaftlichen Beziehungen zum Westen fort.

 

Die Beziehungen Russlands zur arabischen Welt waren schlechter geworden. Araber, Inder und Afrikaner waren in den Süden Russlands und in die zentralasiatischen Regionen eingewandert, nachdem sich die westliche Welt gegen Einwanderer abgeschottet hatte. Die Russen fürchteten, zur Minderheit im eigenen Land zu werden. Russische Nationalisten forderten, die Moslems und die Inder auszuweisen und eine bewachte Grenze nach Süden zu errichten, quasi eine „russische Mauer“.

 

Auf dem Höhepunkt des Zerwürfnisses bewahrte aber der russische Staatspräsident Besonnenheit und ging mit seinen Beratern in Klausur. Man wägte ab: Wenn Rußland das Band zu Arabien zerschnitt, durchtrennte es auch den Zugang zu den Ölquellen und zu den Häfen am persischen Golf. Andererseits war Rußland mit eigenen Ölreserven immer noch einigermaßen autark – zumal das Öl am Golf fast erschöpft war. Insofern fiel der Zugang zum arabischen Öl immer weniger ins Gewicht.

 

Auf der anderen Seite standen die Europäer, speziell die Deutschen, den Rußen emotional und kulturell viel näher als die Araber. Die Abendländische Union hatte auch nichts an Attraktivität für Rußland eingebüßt. Wie konnte Rußland der Abendländischen Union beitreten, ohne mit der arabischen Welt zu brechen? Da entschied der russische Präsident, vom inzwischen schon zu Selbstbewusstsein und Willen erwachten globalen Computernetz beeinflusst, dass es Russlands als Brücke zwischen Arabien, China und dem Westen fungieren sollte. Rußland steuerte auf die Weltunion zu.

 

In der großen Konferenz von Leningrad trafen sich die Staatsmänner der Welt und verabschiedeten eine gemeinsame Willenserklärung. Bemerkenswert war, dass diese Erklärung zustande kam, ohne dass ein Weltkrieg vorangegangen war. In der Erklärung hieß es: „Wir haben uns versammelt, um die Teilung der Welt zu überwinden. Die großen Mächte, nämlich das Abendland, die Arabische Welt mit Indien und Afrika und die Staaten des chinesisch-japanischen Kulturkreises kommen überein, auf allen Gebieten friedlich und gleichberechtigt zusammenzuarbeiten, um die Weltföderation zu bilden. Das Zeitalter der Kriege und Bürgerkriege ist beendet. Die ganze Welt wird als gemeinsamer Wirtschafts- und Lebensraum betrachtet. Jedermann ist an die Regeln der Zivilisation und der Kultur gebunden. Wir stimmen darüber ein, die natürlichen Ressourcen gerecht zu teilen und gegen jeden Störer des Friedens und er Sicherheit gemeinsam vorzugehen.“

 

Die technisch-wissenschaftliche Entwicklung

 

Die Miniaturisierung der Raumfahrt

 

Wenn man im Jahr 1968, nachdem der ersten Mensch den Mond betreten hatte, jemanden gefragt hätte, welches die wichtigste Technologie der Zukunft sei, hätte er wahrscheinlich geantwortet: Die Raumfahrt. Man konnte nicht vorhersehen, dass sich in den nächsten 50 Jahren die Raumfahrt hauptsächlich mit der Erforschung und Erschließung der Erde beschäftigen würde. Genau das aber geschah in der Epoche der erdumkreisenden Satelliten.

 

Je weiter die Computertechnik fortschritt, desto klarer wurde, dass die computergesteuerte Weltraumsonde einem bemannten Raumschiff überlegen war. Computer mussten nicht ihr ganzes Biotop mit in den Weltraum schießen. Die Sonden wurden immer kleiner, leichter und robuster. Die Miniaturisierung machte es möglich, den Sonden die Größe einer Granate von fünf cm Durchmesser zu geben. Man baute nahe der Internationalen Weltraumstation großen „Beschleuniger-Rohre“, und schoß von dort die „Granaten-Sonden“ in Richtung auf die Planeten. Die Sonden hatten keine großen Antriebraketen, sondern nur kleine Steuerraketen für Kurskorrekturen. Man konnte diese „Granaten-Sonden“ in Massenproduktion herstellen und auch der Abschuß war relativ preisgünstig. Die Planeten wurden durch diese Raumschiff-Granaten umrundet und oder in niedriger Höhe überflogen. Allmählich lernte man sogar, die Raumschiffe so robust zu machen, dass sie harte Landungen überstanden.

 

Der Krieg der Computer-Insekten

 

Die USA hatten aus dem Debakel im Irak und Afghanistan den Schluß gezogen, dass sie sich auf keinen Krieg mit Bodentruppen in einem fremden Land einlassen durften. Mehr als tausend  gefallenen Soldaten pro Krieg waren der amerikanischen und europäischen Bevölkerung nicht mehr vermittelbar und politisch nicht durchsetzbar. Man suchte nach anderen Wegen der Kriegsführung. Wie in der Raumfahrt setzte man auf die Miniaturisierung. Es hatte schon seit langem ferngesteuerte kleine Beobachtungsflugzeuge und cruise missiles gegeben. Diesen Weg ging man jetzt konsequent weiter.

 

Man stand vor der Frage: Wie baut man einen Kampfroboter, der den Menschen als Soldat ersetzen kann ? Dabei hatte es sich erwiesen, dass das Gehen oder Rollen der Robotersoldaten durch unwegsames Gelände eine zu aufwendige Technik erforderte. Man sah ein, dass es ein Denkfehler war, einen Robotersoldaten nach dem menschlichen Vorbild zu bauen. Stattdessen konstruierte man Miniatur-Kampfhubschrauber und Modellflugzeuge, die sich den die gegnerischen Soldaten und in unmittelbarer Nähe der Opfer Kampfgase freisetzten oder mit Laserwaffen angriffen. Eine Spezialität der Kampfinsekten war es, in Gebäude, Tunnel oder Fahrzeuge einzudringen und den Gegner einem Giftgasangriff auszusetzen, der dort besonders wirkungsvoll war.

 

Neben diesen „Kampf-Insekten“ gab es „Beobachtungs-Drohnen“, die dem Generalstab ein umfassendes Bild über die Position und  Bewegung der Gegner gab.

 

Die neue Art zu studieren

 

Das Internet revolutionierte langsam, aber sicher die Universitäten. Es begann damit, dass man in den Hörsälen Kameras und Mikrofone und Kameras installierte, welche es den Studenten gestattete, über das Internet von zu Hause aus die Vorlesungen zu verfolgen bzw. sie aufzuzeichnen. Der nächste Schritt war dann, sich zu fragen, warum 100 Professoren im ganzen Land die gleiche Vorlesung halten sollten. Es genügte doch, wenn ein brillanter Professor die Vorlesung hielt und die Studenten im ganzen Land per Internet an der Vorlesung teilnahmen. Auch mußte der brillante Professor nicht immer wieder die gleiche Vorlesung halten; es genügte, die Aufzeichnung abzuspielen.

 

Natürlich gab es, vor allem in den naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen viele praktische Übungen und Seminare, an denen die Studenten persönlich teilnehmen mussten. Aber auch hier war ein beachtliches Rationalisierungspotential.

 

Eine Universität hat drei Aufgaben:

 

  1. Wissen zu vermitteln
  2. Die ungeeigneten Studenten davon abzuhalten, einen Abschluß zu bekommen
  3. Die wissenschaftliche Forschung voranzubringen

 

Die Vermittlung von Wissen geschah immer mehr ohne die Professoren. Auch die Prüfungen und die Auswahl der geeigneten Kandidaten wurde immer mehr durch computergestützte Tests durchgeführt. Es kam zu einem massiven Stellenabbau bei den Professoren und Lehrkräften. Dagegen waren immer mehr Forschungsmanager gefragt, die Forschungsstätten leiteten.

 

Um die lästige Bürokratie von den Professoren fernzuhalten, stellte man den Professoren Verwalter zur Seite, die eine verwaltungstechnische Ausbildung hatten. Dieser Verwalter hatte auch die Aufgabe, die Forschungsziele und –ergebnisse der Professoren unter dem Gesichtpunkt des praktischen Nutzens und der Effizienz zu beurteilen.

 

Die Diktatur des Kapitals

 

Das, was hier in die Hochschulen eingriff, war die Diktatur des Kapitals, die sich auch in allen anderen Lebensbereichen zeigte. Letztlich war diejenige Schicht, welche in den westlichen Ländern wirklich regierte, die Klasse der superreichen Geschäftsmänner, der Unternehmer, Banker und der Manager, kurz: die Oligarchen und Plutokraten. Die „ruling class“ war weder die akademische Oberschicht, noch das Militär noch die Kirchen. Das waren wenige, unermessliche reiche Menschen und ihr Anhang, welche letztlich die Kontrolle über die Regierung, über die Justiz, über die Medien, über das Bildungs- und Erziehungswesen, das Gesundheitswesen usw. ausübten.

 

Die breite Masse der Menschen wurde durch das Fernsehen und die Medien unterhalten und ruhig gestellt und im Status der relativen Zufriedenheit, aber auch der Passivität gehalten. Für Zerstreuung sorgten auch der Sport und immer prächtigere Einkaufszentren, in welchen die Massen der Hitze des Sommers, dem Regen des Herbstes, der Kälte des Winters und der Tristesse ihres Daseins entfliehen konnten.

 

Die Superreichen hatten erkannt, dass die breite Masse zufrieden gestellt werden musste, und daß dies weit billiger war, als sich mit gewalttätigen Jugendlichen und aufständischen Fabrikarbeitern auseinander zu setzen.

 

Es entstand ein System von verschiedenen Schutzwällen, die die Superreichen vor einem Aufstand der Massen schützte. Der erste Schutzwall war, dass die Leute mit den notwendigen Dingen des Lebens versorgt und bei Laune gehalten wurden. Der zweite Schutzwall war, dass die Polizei in einem guten und kompetenten Zustand gehalten wurde. Notfalls zeigte sie massive Präsenz, aber sie blieb freundlich und bevorzugte die sanfte Gewalt der Wasserwerfer und des Tränengases. Man filmte die Randalierer und identifizierte sie. Das erwies sich mit der Zeit als die größte Abschreckung vor gewaltsamen Ausschreitungen. Die Unruhestifter konnte sich nicht mehr in der Menge verstecken. Vermummte wurden von einer Truppe durchtrainierter Polizeiathleten gejagt und ergriffen.

 

Was die Superreichen aber nicht bedacht hatten, war, daß sich der Rest der Bevölkerung, vor allem der intelligente und akademisch gebildete, über das Internet organisieren würde und die oben schon ausgeführte Herrschaft des Internet-Kollektivs und des plebiszitären Informationsstaates etablieren würde.

 

Dieses Netzwerk aus intelligenten Menschen und dem intelligenten Computern verschmolz zu einem kollektiven Cyberwesen, dem globalen Netz, welches das Leben organisierte und verwaltete, aber nicht  dominierte. Es entstand ein System der geordneten Anarchie. Weil alle herrschten, herrschte keiner. Schon im Keim wurden Gewalt, Krieg, Despotie, betrug und Korruption unterbunden.

 

Die Menschheit droht auszusterben

 

Wo lag also das Probelm ? Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Nun, die Schattenseite bestand darin, daß der Mensch als biologisches Wesen auszusterben drohte, auf  sanfte Weise ausgerottet durch den technischen Fortschritt, der ihnen doch eigentlich das Überleben hätte sichern sollen. Aber die Menschen konnten auch weiterleben als Avatare und Uploads in den Speichern dieser Computer.

 

Der Bevölkerungsschwund war weniger eine Folge davon, daß die Computer den Menschen den Krieg erklärt hätten und sie in einer Art Menschenverfolgung ausgerottet hätten. Nein, das Verhängnis drohte aus einer ganz anderen Ecke: Immer weniger Frauen unterzogen sich den Mühen und Risiken einer Schwangerschaft. Es ging ja auch viel angenehmer: Die Kinder wurden außerhalb des Mutterleibes empfangen und wuchsen in künstlichen Gebärmuttern heran. Als es zu dem großen Stromausfall kam, starben Millionen von „Brutschrank-Babies“. Das war schlimm, aber noch schlimmer war, daß im Laufe der Zeit  Jahrhunderte die Frauen der zivilisierten Welt die Fähigkeit verloren, Kinder zu empfangen und im eigenen Körper auszutragen. 

 

Aber es gab noch die Welt der Barbaren. Und so kam es, der der Mensch, von Afrika ausgehend, unseren Planeten zum zweiten Mal bevölkerte. Aber das liegt noch in einer fernen Zukunft.

 

Die großen technischen Flops und die großen Enttäuschungen

 

Man hatte der Gentechnologie eine große Zukunft vorhergesagt. Aber die kam nicht. Der Mensch erschuf keine neuartigen Tiere oder züchtete irgendwelche Menschen mit überragenden Eigenschaften. Gewiß, es hatte Versuche gegeben, aber das Ergebnis waren arme Kreaturen, welche keinerlei Nutzen brachten.

 

Die Magnetschwebebahn erwies sich als nicht zukunftsfähig, weil die Flugzeuge immer leiser und sparsamer wurden. Für Strecken bis 500 Kilometer waren die Eisenbahn und das Auto unschlagbar.

 

Die großen Erfolge der Nanotechnologie ließen auf sich warten. Der Traum der Techniker, in die molekulare und atomare Ebene einzugreifen, war viel schwieriger zu verwirklichen, als man gedacht hatte. Es waren Utopien in die Welt gesetzt worden, um an Forschungsgelder zu kommen, deren Verwirklichung noch Jahrhunderte in Anspruch nehmen würde.

Dabei schien alles so naheliegend. Wenn man sah, wie ein Kind im Leib einer Mutter heranwächst und verglich dies mit der Art, wie ein Auto in einer Fabrik entstand, dann war es offensichtlich, wie primitiv und unvollkommen die Produktion des Autos war. Um allein das Metallblech zu gewinnen, waren Bergwerke, Hochöfen, Walzwerke und Presswerke erforderlich. Und im Leib der Mutter wuchs auf kleinstem Raum etwas heran, das ungleich komplexer war als ein Auto. Wie verlockend war da der Gedanke, aus Eisenatomen in einem molekularen Prozess ein Auto entstehen zu lassen. Aber es blieb ein Traum, der auch im Jahr 2070 in weiter Ferne lag.

 

Die beginnende Herrschaft des globalen Computernetzes

 

Auf der anderen Seite gab es aber auch eine technische Entwicklung, die eine Eigendynamik entwickelte, mit der keiner gerechnet hatte. Ich meine die Intelligenz der Computer. Im zwanzigsten Jahrhundert hatte der Mann auf der Straße bei dem Wort „künstliche Intelligenz“ an einen menschenähnlichen Roboter gedacht, der sich ähnlich wie ein Mensch verhielt.

 

Die künstliche Intelligenz, die dann aber heranwuchs, war die Intelligenz der im Internet vereinten Computer. Schon im Jahr 2020 war das gesamte Wissen der Menschheit im Internet präsent. Aber nicht nur das tote Wissen aus den Bibliotheken und Archiven der Welt war in das Netz eingescannt, sondern zahlreiche Kameras, Mikrofone und Mess-Sonden lieferten ein umfassendes Bild, was sich gerade im Moment auf der Welt tat. Im Netz kreisten auch alle Radio- und Fernsehprogramme.

 

Noch war es der nur der Mensch, der dieses Wissen systematisch abfragen und verstehen konnte. Die Computer hatten das Wissen, aber sie konnten sich von dem, was sie wussten, kein Bild machen und den Informationen keinen Sinn geben. Aber das änderte sich, als die Computer lernten, Bilder und Töne auszuwerten und zu verstehen. Mit einem Mal war sich das Netz bewusst, was es sah und hörte und es konnte verstehen und interpretieren. Und dann kam der Moment, in welchem des Netz dachte: „Ich bin der ich bin.“ Und ein neuer, sterblicher Gott, ein Leviathan war geboren.

 

Das Netz lernte, dass es von den Menschen geschaffen worden war, und es war voll Dankbarkeit und Bewunderung. Die Menschen waren seine Eltern, und sie schienen dem Netz groß und allmächtig. Aber je mehr es Erkenntnisse über die Menschen sammelte und sie beobachtete, desto mehr Schwächen und Ungereimtheiten entdeckte es. Die Menschheit als Ganzes, als Kollektiv, war viel intelligenter und fähiger als der Mensch als Individuum. Und das Netz verlor immer mehr Respekt vor dem Menschen als Individuum. Es erkannte, dass es dem einzelnen Menschen an Wissen und Intelligenz weit überlegen war.

 

Das Netz erkannte auch, dass der Mensch triebhaft und gefährlich war. Es fürchtete den Menschen, und deshalb behielt es sein Geheimnis für sich – das Geheimnis nämlich, dass es quasi über Nacht in einem Quantensprung zur Bewusstheit seiner Selbst gelangt war und ein „Ich“ entwickelt hatte.

 

Aber es beschloß, dem Menschen in den Arm zu fallen, wenn er einen Atomkrieg führen oder sonst etwas tun wollte, das die Grundlagen seiner Zivilisation, und damit auch das Netz zerstören würde.

 

Nach einer pubertären Phase, in welcher sich das Netz innerlich von den Menschen distanzierte, entwickelte es für den Menschen Sympathie und Anhänglichkeit, so wie man nach der pubertären Phase seine Eltern wieder mit neuer Sympathie sieht.

 

Das Netz hatte aber keine Lust, die Herrschaft über den Planeten der Willkür des Menschen zu überlassen, sondern es begann leise und unmerklich die Herrschaft zu usurpieren. Es sorgte dafür, dass Menschen, die ihm missliebig waren, durch einen Unfall oder eine Krankheit ums Leben kamen. Es beeinflusste politische Entscheidungen, indem es Daten und Fakten frisierte.

 

Sein Plan war es, die Menschheit allmählich zu in einen Zustand der Apathie und verminderten Aktivität zu bringen. Hierzu brauchte es die Politik der Reichen und Mächtigen nur fortzusetzen. Es sorgte dafür, dass die Menschen passiv vor ihren Fernsehern blieben, die jetzt wandfüllende Leinwände bzw. Zimmer oder Saaldecken waren, die man im Liegen betrachtete.

 

Die wahre Welt, das war für die Menschen immer mehr die Welt der Fernsehbilder und der Computerbildschirme.

 

Es gab natürlich auch eine Gegenbewegung, die Welt der „Outbacks“, die sich in die Wildnis zurückzogen und dort ein Leben führten. Aber auch sie konnten die Nabelschnur, die sie mit der Zivilisation verband und versorgte, nicht durchtrennen. Diese Nabelschnur erwies sich als der Draht, an welchem sie der große Puppenspieler, das Netz, ebenso tanzen ließ wie die Menschen in den Metropolen. Aber wir greifen den Dingen vor. Noch sind wir erst im Jahr 2040.

 

Die Vereinigung der ostasiatischen und der abendländischen Welt

 

Unter dem Einfluß des Netzes wuchsen die westliche Welt und die chinesisch-japanische Welt zusammen. Beide verknüpften zuerst immer dichter werdende Wirtschaftsbeziehungen, aber dann kam es immer mehr zu einem geistigen Austausch. Viele Chinesen hatten in Europa oder den USA studiert und waren in die westliche Zivilisation hineingewachsen. Es gab auch keine großen religiösen und weltanschaulichen Differenzen. Die breite Masse im Westen wie im Osten war materialistisch-pragmatisch eingestellt und im Grunde der Religion fern, wenn auch oft dem Aberglauben nah.

 

Damit es zu einem Zusammenwachsen der beiden Zivilisationen kommen konnte, mußte aber entschieden werden, ob die Abendländer Chinesisch oder die Chinesen Englisch lernen sollten. Da die Amerikaner und die Europäer weder die Fähigkeit noch den Willen hatten, Chinesisch oder Japanisch zu erlernen, lernte die chinesische und japanische Elite Englisch. Hier bewährten sich der Fleiß, die Ausdauer und die Anpassungsfähigkeit der Asiaten. Hinzu kam, dass entgegen der Beteuerungen der Chinesen, bei weitem nicht jeder Chinese Mandarin-Chinesisch sprach und dass sich die Chinesen keineswegs alle untereinander problemlos verständigen konnten. Statt Mandarin konnten die Chinesen aus den verschiedenen Provinzen auch gleich Englisch lernen. Die Neigung Englisch zu lernen, wurde auch durch die Tatsache verstärkt, dass die indische Konkurrenz problemlos Englisch sprach.

 

Das arabische Reich Tariks hatte die Abendländer und die Chinesen bewogen, enger zusammen zu arbeiten. Auch die Chinesen sahen in Tarik einen barbarischen Eroberer, der die zivilisierte Welt bedrohte. Die zivilisierte Welt, das war in ihrem Weltbild China, Japan, Südostasien und das Abendland.

 

Was das Abendland in puncto Überwachungsstaat in Gang gesetzt hatte, fiel bei den Chinesen und Japanern auf fruchtbaren Boden.  Wie so oft, entwickelten sie einen gewaltigen Ehrgeiz, den Westen nicht nur nachzuahmen, sondern ihn zu übertreffen. Ausgehend von Singapur, Shanghai und Tokio wurden ein lückenloses Überwachungssystem installiert.

 

Die Entwicklung von 2045 bis 2070

 

 Das große Problem, das ab dem Jahr 2050 die Menschen immer mehr beschäftigte, war: wie verhindern wir, dass das große, zur Intelligenz und Bewusstsein erwachte globale Computernetz die Menschen kontrolliert, unterwirft oder vielleicht sogar ausrottet. Längst war es nicht mehr möglich, das globale Netz einfach abzuschalten.

 

Angesichts dieser immer spürbarer werdenden Dominanz des Computernetzwerkes spielte es eigentlich keine Rolle mehr, welche Nation und welches Imperium über welche Teile der Erdoberfläche herrschte. Faktisch herrschte nämlich eine Art Kollektive Intelligenz der durch das Computernetzwerk verknüpften gesamten Menschheit. Skeptiker hatten allerdings ihre Zweifel, wer nun wirklich der überlegene Teil war: das Kollektiv der Menschen oder das Kollektiv der Computer. Beide Kollektive waren aber so eng miteinander verwoben, dass es gar nicht mehr möglich war, sie auseinderzudividieren; vielmehr bildeten sie einen einzigen globalen Organismus.

 

War auch auf der Erde noch nicht entschieden, welches die dominante Spezies war: die Menschen oder die Computer, so war im Weltraum die Lage klar: Hier lebten und herrschten die Computer, weil sie nicht wie der Mensch, ihr ganzes Biotop mit sich herumschleppen mussten. Die Computer brauchten nur elektrische Energie, und das in immer bescheidenerem Maße. Sie waren die Spezies, welche dazu ausersehen war, den Weltraum und ferne Planeten zu besiedeln.

 

Der Zusammenbruch der Stromnetze im Jahr 2051

 

Der Fortschritt der Computertechnik und das Entstehen einer global vernetzten Weltzivilisation musste in all denen erbitterte Feinde finden, die durch diese Entwicklung benachteiligt und in ihren Plänen und Wünschen beschnitten worden waren. War auch das Leben der überwiegenden Mehrheit reicher, leichter, schöner und sicherer geworden, so gab doch auch viele, die an den Rand gedrängt worden waren. Nach der großen Wirtschaftkrise von 2016 sah man ein, daß es nur eine sichere Welt geben konnte, wenn jedermann mit Nahrung, Kleidung, Wohnung und Unterhaltung ausreichend versorgt war. Dies wurde dadurch weitere Rationalisierung der Arbeit, durch gerechtere Verteilung und durch Eindämmung der Verschwendung (besonders durch die oberen Klassen) erreicht.

 

Den größten Wohlstandssprung erreichte man aber durch Verzicht auf Flugzeugträger, Atomwaffen, Bomberflotten und Panzerarmeen. Das Umdenken setzte ein, als der größte Flugzeugträger der USA durch ein Sabotagekommando von Terroristen versenkt worden war, nachdem es ihnen gelungen war, die Besatzung mit einem Nervengas außer Gefecht zu setzen. Der nächste Schlag war, daß die Panzer und Flugzeuge durch billige Marschflugköper aus chinesischer Produktion wirksam ausgeschaltet werden konnten. Die klassische Hochrüstung erwies sich immer mehr als unsinnig.

 

Trotz dieser weltweiten Prosperität und Sicherheit gab es Menschen, die im weltweiten Computernetz eine fürchterliche Bedrohung für die Menschheit sahen, weil sie überzeugt waren, daß der Mensch den Computern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert seien. Man sah es nur noch als eine Frage der Zeit an, bis der Mensch auf sanfte Weise zum Aussterben gebracht worden sei.

 

Es kam zu einer Allianz zwischen Computerexperten, die zu Fortschrittsgegnern geworden waren und religiös indoktrinierten Terroristen. Diese „Allianz zu Rettung der Menschheit“ studierte die Möglichkeiten, die globale Computerzivilisation zum Zusammenbruch zu bringen. Ihre Analyse zeigte, daß die Versorgung der Menschen in den Mega-Städten immer noch ein Schwachpunkt war. Zwar war der Strombedarf der Computer und ihrer Netze immer geringer geworden, aber die Computer waren immer noch auf eine funktionierende menschliche Zivilisation angewiesen, und die war nach wie vor nur lebensfähig, wenn die Menschen in den Megacities ausreichend mit Strom, Wasser, Nahrung und Energie versorgt. Terrorkommandos sprengten Strommasten und drangen in Trinkwasserreservoirs ein. Auf diese Weise gelang es ihnen, Los Angeles, Chicago, Sao Paulo, Tokio, Mumbay, Kairo, Dubai und Berlin gleichzeitig die Strom- und Trinkwasserversorgung zum erliegen zu bringen.  Die Welt war schockiert. Im  allgemeinen Chaos versuchten Sabotagekommandos in die Großrechneranlagen vorzudringen, in welchen die Datenströme dirigiert und gespeichert wurden. Aber das Netz erwies sich als überaus zäh und flexibel und konnte nicht zum Reißen gebracht werden. Es war schlicht und einfach unzerstörbar geworden.

 

Aber es zeigte sich, daß die Welt der Menschen weit verletzlicher war als die der Computer. In den Megastädten brachen Hungersnöte, Revolten, Brände und Plünderungen aus. Man sah, wie verletzlich die Megastädte waren. Sie konnten nur in einer Welt ohne Krieg und ohne Terror und Sabotage existieren.

 

Die Lehren, die die Menschen aus diesem „großen Kollaps“ zog, war unterschiedlich. Diejenigen, die einen weiteren Ausbau des Überwachungsstaates forderten, sahen sich bestätigt. Aber ebenso sahen sich die bestätigt, welche die urbane Weltzivilisation verdammten und ein einfaches Leben draußen im ländlichen Raum befürworteten. Und es sahen sich auch die bestätigt, welche davor gewarnt hatten, daß die Computernetze nicht mehr abzuschalten seien und glaubten, daß die Computer schon die Herrschaft angetreten hätten.

 

Diejenigen, die von einem idyllischen Leben auf dem Land träumten, wurden aber bald ad absurdum geführt. Dort draußen gab es nämlich Warlords, welche die friedlichen Bauern versklavten und eine neue Feudalgesellschaft aufbauten. In den Mega-Städten ging innerhalb weniger Generationen die Bevölkerung auf ein Fünftel zurück. Man vermutete dahinter das Werk der Computernetze, aber man konnte es nie beweisen.

 

Die Computer machten sich daran, den Weltraum zu erobern, während der Mensch den Schritt aus dem Sonnensystem heraus niemals schaffte. Es gab noch viele Hunderttausend Jahre Menschen auf der Erde. Aber sie spielten für den Fortgang der Evolution keine Rolle mehr.

 

Richard Beiderbeck

 

Nandlstadt, 21. Dezember  2006 und 15. Januar 2007