Was ist eine Religion ?
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Eine Religion ist ein System von Ideen, Wertvorstellungen, Vorschriften und Praktiken, in welchem folgende Elemente enthalten sind:
1. Der Kult und
die Kultobjekte
Kult ist die kritiklose Wertschätzung und Verehrung der Kultobjekte.
In
der katholischen Religion haben wir z. B. folgende Kultobjekte: Gott, Jesus,
den Heiligen Geist, Maria, die Heiligen, die Kirchenväter, die Päpste. Dinge,
denen der Kult gilt, sind: die Bibel, die Reliquien, die heiligen Orte.
Im
einzelnen können wir unterscheiden:
Die
heiligen Personen (z. B. Jaweh, Gott, Allah, Jesus,
Maria, Buddha, Mohammed, Krishna, Zeus, Laotse, Konfuzius usw., usw.)
Die
heiligen Schriften (Bibel, Koran usw.) und die in ihnen enthaltenen
Glaubensvorstellungen, und Welterklärungen (Mythen) sowie die religiösen
Gesetze und Verhaltensvorschriften.
Die
heiligen Orte (Jerusalem, Mekka, Rom usw.)
Die
heiligen Objekte (Reliquien, Amulette, Talismane, geweihte Gegenstände)
Die
Priester und Verteidiger des Glaubens
Bei den Kultobjekten hört die Toleranz auf. Wer Jaweh,
Gott oder Allah herabsetzt oder gar verspottet, macht sich unter den Gläubigen
unversöhnliche und gefährliche Feinde und gilt als „Ungläubiger“.
Wer
die zentralen Kultobjekte kritisiert oder herabsetzt, wird getadelt,
eingeschüchtert, manipuliert, bedroht, bestraft, verfolgt, getötet.
Zweckmäßigerweise versuchen die religiösen Autoritäten zunächst mit milden, und
dann immer schärferen Mitteln die Ungläubigen auf den rechten Weg zu bringen.
Der Kult eint die Gläubigen. Im Alltagsleben sind die Menschen fast stets
verschiedener Meinung und streiten miteinander. Bei der Wertschätzung der
Kultobjekte sind sich alle Gläubigen und alle Fans einig: das Kultobjekt ist
rundherum positiv und wunderbar. So stiftet der Kult unter den Gläubigen
Harmonie. Diese Harmonie wird durch das gemeinsame Feindbild (die Ungläubigen)
gefördert.
Der
Kult findet oft an besonderen Stätten, die als heilig gelten, statt. Man
vollführt zeremonielle Handlungen und zeigt durch Worte, Musik, bildende Kunst,
durch Gesten und Symbole, wie sehr man die Kultobjekte verehrt und ihnen zu
Diensten ist.
Zum
Kult gehört auch die Literatur, die das Kultobjekt in einem möglichst
vorteilhaften Licht erscheinen lässt, also z. B. all die Heiligenlegenden über
Jesus, Maria und die Heiligen. Legenden ranken sich auch um das Leben aller
Religionsstifter. Zweck dieser Legenden ist es, die Göttlichkeit und
wunderbaren Eigenschaften der Kultperson zu propagieren.
1. Die Unterwerfung
unter die Kultobjekte
Die
heiligen Personen und Schriften genießen die höchste und unantastbare
Autorität. Die Gläubigen müssen sich dieser Autorität unterwerfen. „Islam“
heißt z. B. „Ergebung in Gott“, das heißt im Klartext: „Unterwerfung unter
Gott“.
Im
religiösen Sinn bedeutet das Verb „glauben“ etwas ganz anderes als „nicht
wissen“. Es bedeutet: „sich unterwerfen“. Es umschreibt verschämt einen
Tatbestand, den man nicht so gern offen benennt. Was ist nun der beschämende
Tatbestand, den das Wort „glauben“ umschreibt ? Es ist
die selbstgewählte Rückkehr des Menschen in den
Zustand der kindlichen Unmündigkeit.
„Ich glaube an Jesus Christus, unsern Herrn“ heißt also: „Ich unterwerfe mich der Autorität Jesu Christi und seiner Stellvertreter auf Erden“.
2. Der Anspruch,
immer Recht zu haben
Da
Gott meistens nicht in persona auf Erden wandelt, springen seine Priester und
Anhänger in diese Lücke und sagen den Gläubigen, was sie zu tun haben. Dabei
beanspruchen sie Gottes Autorität. Jeder Widerspruch ist also von vornherein
sinnlos. Die Gläubigen haben sich zwar Gott unterworfen, aber sie haben dafür
das Privileg eingehandelt, gegenüber den Ungläubigen immer im Recht zu sein.
Auch
Jesus Christus ist ein solcher Rechthaber. Immer wieder beginnt er seine Sätze
mit: „Ich aber sage euch...“ Dabei beruft er sich auf die Autorität seines
„Vaters im Himmel“. Um seine Autorität zu beweisen vollbringt er seine Wunder,
in den Evangelien oft „Krafttaten“ genannt. Er will damit beweisen, dass Gottes
Kraft in ihm wirkt. Wer könnte einem solchem Menschen widersprechen
? Um die Herrlichkeit Jesu noch zu erhöhen, werden seine Jünger als
schwach, fehlerhaft und als begriffsstutzige Simpel
dargestellt.
3. Die
Welterklärungsmythen
Die
Mythen sind Geschichten, die z. B. erzählen, wie die Welt und die Menschen
erschaffen wurden, warum die Dinge sind, wie sie sind (z. B. warum es Gut und
Böse gibt) und wie des zukünftige Weltgeschehen sein wird.
Religiöse
Mythen sind Literatur und Poesie. So wie in einem Roman die Dinge erfunden sind
und dennoch allgemeine Wahrheiten ausdrücken können, so halten die Mythen nicht
einer wissenschaftlichen Untersuchung stand, aber sie können Grundwahrheiten
der menschlichen Existenz ausdrücken.
Die
Welterklärungsmythen haben aber auch den praktischen Zweck, die Priester und
religiösen Autoritäten nicht „dumm dastehen“ zu lassen, wenn die Menschen sie
fragen: „Wie ist die Welt entstanden ?“ usw. Die
Mythen und die ganze religiöse Literatur bilden einen großen Fundus an
Pseudowissen, der verbirgt, dass die religiösen Autoritäten von vielen Dingen
überhaupt keine Ahnung haben.
Das
gilt natürlich auch für Jesus, Mohammed und Buddha. Sie verfügten nur über
einen Bruchteil des Weltwissens, das wir heute besitzen.
4. Der Weg zur
Erlösung
Für die meisten Religionen ist der heutige Zustand der Welt und der Menschheit nicht akzeptabel. Die Mensch muß erlöst werden. Besonders ausgeprägt ist das im Buddhismus. Sein zentrales Thema ist: „Wie kann der Mensch den Leiden entkommen und dem Rad der ewigen Wiedergeburten entgehen ?“
Der
erste Schritt zur Erlösung ist natürlich, an die Religion und die Heilslehren
zu glauben und die Vorschriften zu befolgen.
5. Das Gebet
Wenn
man die Macht und Überlegenheit des Kultobjektes anerkannt hat, ist es
naheliegend, es um kleinere und größere „Gefälligkeiten“ zu bitten. Diese
Gefälligkeiten können sein: Hilfe, die rechte Entscheidung zu treffen,
Befreiung aus einer Notlage, günstige Beeinflussung des zukünftigen Schicksals,
Rettung vor Krankheit und Tod.
Das
Gebet ist ein einseitig geführter Dialog, der von der Hoffnung lebt, erhört zu
werden.
6. Das Opfer
Das
erste und größte Opfer, das die Gläubigen bringen, ist die Unterwerfung unter
den Kult, die Kultobjekte und die religiösen Autoritäten. Dies geschieht
natürlich in der Hoffung auf reiche Belohnung und aus Angst vor Bestrafung,
wenn man sich nicht unterwirft.
Daneben
gibt es noch spezielle Opfer: Das sind über das von den religiösen Vorschriften
geforderte hinausgehende Dienstleistungen, Taten sowie Sach- und Geldspenden,
die man für die Kultobjekte und die religiösen Autoritäten (oder für mildtätige
und soziale Zwecke) erbringt.
Je
größer das Opfer, um so größer die Belohnung – so
glauben die Gläubigen. Und so werden die fanatischsten von ihnen zu
Selbstmordattentätern. Aber sie opfern nicht nur sich, sondern auch viele
andere. Schon immer wollte der Mensch, dass nicht nur er selbst, sondern vor
allem die anderen die Opfer bringen.
Den
Kult, die Unterwerfung, die Rechthaberei (im Buddhismus deutlich weniger), den
Heilsweg, die Welterklärung und das Opfer: all das findet man nicht nur in Religionen,
sondern auch im Bereich der Politik, des Sportes, der Kultur.
Der
Nationalismus, der Sozialismus und der Nationalsozialismus haben viele
religiöse Elemente.
Der
Nationalismus fordert Opfer (vor allem im Krieg), hat seine Kultpersonen (die
Gründer der Nation und herausragende Führer und Heroen), seine heiligen Orte
(z. B. das Grab Napoleons im Invalidendom, das Pariser Pantheon oder die
Londoner Westminster Abbey als Grabstätten der nationalen Geistesheroen und
Künstler, der Heldenfriedhof in Washington-Arlington
also Grabstätte der Helden und Führer der Nation) und seine heiligen Dinge (z.
B. die US-Flagge).
Der
Sozialismus hat seine Welterklärung, seine Propheten Marx und Engels, seinen
Heilsweg und seine heiligen Stätten.
Der
Nationalsozialismus hatte seinen Heilsbringer, sein auserwähltes Volk, seine
heiligen Symbole, seine Märtyrer, seine Kultstätten und seine Mythen.
Selbst
die Popkultur und der Sport haben ihre Kultpersonen und ihren Kult.
Es
gibt unendlich viele Religionen und Ersatzreligionen. Deshalb werden die
Bemühungen der Aufklärer, die Menschheit von der Sklaverei der Religionen zu
befreien und an die Stelle der Religion die Vernunft zu setzen, immer zum
Scheitern verurteilt sein. Der Mensch will und braucht die Religion, und die
Herrschenden brauchen die Religion, um zu herrschen.
Ein
Blick ins Internet belehrt, dass es eine wachsende Zahl von Privatreligionen
und Propheten dieser Religionen gibt. Es ist
besser, es gibt viele verschiedene Religionen, (wenn man so will:
Privatreligionen), als dass nur eine Religion toleriert wird. Und das ist gut
so. Religion ist Privatsache und sollte es bleiben, und nicht mit Politik und
Machtansprüchen vermischt werden.
Wie alles im Leben hat auch die Religion gute und schlechte Seiten. Positiv ist, dass die
Religionen die Menschen zu guten Taten und zu sozialem Verhalten bewegen. Aber
genauso gut ist auch das Gegenteil der Fall.
Die
Religionen haben großartige Kunstwerke erschaffen. Aber genauso haben sie die
Kunst stark bevormundet und in ihrer Entfaltung stark gehindert, weil die
Künstler nur auf bestimmte Aufgaben eingeengt wurden und nur Mittel für sakrale
„Zweckbauten“ zur Verfügung gestellt wurden.
Die
Religionen haben große humanitäre Leistungen erbracht und viele edle und
begabte Menschen dazu gebracht, gute Werke und erhabene Dinge zu schaffen. Aber
sie haben nur den Rahmen gebildet. Das Bild haben die erwähnten Menschen
geschaffen; unter anderen Umständen hätte sie das in einem anderen Rahmen
ebenso getan, vielleicht sogar mehr und besser.
Trotz
aller Kritik an der Religion gibt es bis jetzt noch keine brauchbare
Alternative, denn weder Agnostizismus und Nihilismus noch Aberglauben sind
besonders wünschenswert, wobei der letztere deutlich mehr Anhänger hat und wohl
immer haben wird.