Von „Google Earth“ zu „Google Mankind

Von Richard Beiderbeck, www.koinae.de   

 

Google Earth ist nur der Anfang. Der logische Weiterentwicklung wäre „Google Mankind“.

 

Haben Sie Google Earth schon mal ausprobiert ? Man ruft Google Earth auf und gibt einen Ort ein, z. B. München, Marienplatz. Zunächst sieht man die Erde, wie sie im Weltraum schwebt. Dann dreht sich der Globus in die richtige Position und München wird herangezoomt. Man hat den Eindruck, daß man sich im Raumschiff der Erde nähert und jetzt in München landen will. Man erkennt die Münchner Innenstadt, ja, und da ist auch schon der Marienplatz zu erkennen. Man kommt noch näher und sieht einzelne Passanten, die ihren Schatten aufs Pflaster werfen.

 

Man sieht auch beim Anflug auf München lauter blaue Punkte, die an einzelnen Stellen gehäuft auftreten. Wenn man einen dieser Punkte anklickt, erscheint ein Foto, das an dieser Stelle von diesem Ort aufgenommen wurde.

 

Google hat dieses neue Feature in Zusammenarbeit mit www.panoramio.com entwickelt. Man kann seine digitalen Aufnahmen von beliebigen Orten per Internet an www.panoramio.com  schicken. Dabei muß man jedes Foto auf der Weltkarte (identisch mit der Luftbildkarte von Google Earth) durch eine Art Stecknadel mit Hilfe der Maustaste genau lokalisieren.

 

Ein globale Luftbildkarte

 

In Google Earth werden die Luftbilder aller Regionen der Erde zu einer globalen Luftbildkarte zusammengesetzt und auf einen Globus projiziert. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde man die Erde aus dem Weltraum sehen. Wenn die Auflösung der Bilder noch größer wäre, könnte man sogar einzelne Menschen erkennen oder die Nummernschilder der Autos. Allerdings haben die Luftbildaufnahmen bisher den Nachteil, daß sie naturgemäß senkrecht von oben aufgenommen wurden. Die Welt wird nur von oben, also zweidimensional, betrachtet. Man sieht keine Bergsilhouetten und Felswände, man sieht nur die Hausdächer, nicht aber die Hausfassaden. Man sieht nicht die Gesichter der Menschen und nicht die Nummerschilder der Autos.

 

Es ist für den Ungeübten schwierig, sich in dieser nur von oben gesehenen Welt zurechtzufinden. Wo sind die Landmarken, an die man sich gewöhnt hat: der Berg mit dem Turm, das Hochhaus, das Windrad?

 

Aber diese flache, zweidimensionale Welt bekommt Leben, wenn man die blauen Punkte anklickt, und sich ein Bild davon macht, wie es an diesem Ort wirklich aussieht. Wenn genügend Fotos von genügender Qualität da sind, kann man sich einen recht guten Eindruck von einem Ort verschaffen.

 

Die Weltgemeinschaft der Leute, die gerne fotografieren und ihre Fotos im Internet zeigen, ist gerade dabei, ein Bild unseres Planeten zu schaffen. Das wird letztlich darauf hinauslaufen, daß alle interessanten und zugänglichen Orte unseres Planeten erfasst und abgebildet werden.

 

Google Earth mit Webcameras

 

Damit ist etwas in Gang gesetzt, das sich immer mehr ausweiten und verbessern wird. Der nächste Schritt wird vielleicht sein, daß z. B. rund um den Marienplatz Webkameras stehen. Wenn man dann auf dem Luftbild eines der Ikons anklickt, werden auf dem Bildschirm die Echtzeit-Bilder der Webkameras erscheinen. Der Computer könnte vielleicht aus den verschiedenen Bildern und Perspektiven sogar ein dreidimensionales Gesamtbild errechnen.

 

Personen identifizieren und lokalisieren

 

Aber lasst uns noch weiter denken. Eine Webkamera steht gegenüber vom Rathaus und schaut über den Platz hin. Man sieht die Leute vorbeigehen. Man klickt eine der Personen an. Auf dem Bildschirm erscheint die Einblendung: Das ist Sepp Huber, der gerade aus dem Rathaus kommt. Der Computer weiß dies aus verschieden Quellen, die zu einem eindeutigen Ergebnis führen. Er hat verschiedene Bilder von Herrn Huber gespeichert und sein Gesicht erkannt. Er weiß auch, daß Herr Huber vor einer Stunde aus Freising mit der S1 zum Marienplatz gefahren ist. Er weiß auch, daß sein VW Golf, Kennzeichen FS-SH-621 auf dem Parkplatz am Bahnhof steht. Als Herr Huber das Rathaus betrat, hat ihn sein RFID-Chip als Sepp Huber aus Kratzerimbach identifiziert.

 

Stellen wir uns weiter vor, daß jeder Mensch, egal wo er sich gerade aufhält, lokalisiert und identifiziert werden könnte.

 

Stellen wir uns vor, wir würden in das Suchfeld von „Google Earth“, das dann „Google Mankind“ wäre, den Namen einer Person eingeben. Der Globus würde sich drehen, und ein Haus würde herangezoomt werden, und da unten steht die Person mäht gerade den Rasen.

 

„Osama bin Laden“ ins Suchfeld eingeben

 

Man könnte vielleicht auch einfach „Osama bin Laden“ eingeben. Der Globus würde sich drehen, die Bora Bora Region in Afghanistan würde herangezoomt und man würde einen bärtigen Propheten mit einem Kalschnikoff-Maschinengewehr im Arm sehen. Oder, was wahrscheinlicher ist, sein Grab, denn Osama bin Laden ist wahrscheinlich schon tot.

 

All diese Dinge sind in den letzten Jahren in den Bereich des Denkbaren gerückt. Und was gedacht werden kann, kann vielleicht auch einmal getan werden – vorausgesetzt die Menschheit will es und Technik und Wissenschaft arbeiten zielstrebig daran.

 

Technisch realisiert wird alles, wozu ein echtes Bedürfnis und eine echte Nachfrage besteht. Dann wird Kapital und Manpower in eine Sache gesteckt, und jedes Jahr werden neue Fortschritte gemacht. So war es mit der Eisenbahn, mit dem Auto, mit dem Flugzeug, dem Computer und dem Internet.

 

Aber besteht auch ein Bedürfnis danach, alle Menschen der Welt zu identifizieren und zu lokalisieren?

 

Wie das Beispiel Osama bin Laden zeigt, besteht sogar ein sehr großes Bedürfnis. Ein anderes Beispiel ist Saddam Hussein. Wenn es den Amerikanern möglich gewesen wäre, ihn nach seinem Überfall auf Kuwait zu lokalisieren und zu identifizieren, dann wäre der Welt der Irak-Krieg erspart geblieben.

 

Um die Sache zu karikieren, um die es geht, stellen wir uns vor: George W. Bush hätte auf den Tisch im Oval Office einen Labtop gestellt und vor versammeltem Stab in das Suchfeld eingetippt: „Saddam Hussein“ und der Ort, an dem er sich gerade befunden hätte, wäre herangezoomt worden. Bush hätte die genauen Koordinaten festgehalten und hätte den Befehl gegeben: „Eliminieren!“

 

Die Durchführung wäre dann nur ein technisches Problem gewesen. Wäre Saddam in einem Bunker gewesen, hätte man geprüft, ob ein „Saddamizer“ in der Lage gewesen wäre, ihn zu töten. Ein Saddamizer ist eine bunkerbrechende Bombe, die sich durch Erde und Bunkerwände bohrt.

 

Aber man hätte ja auch eine Gruppe von Menschen in Bewegung setzten können, oder irgend eine Sache, die letztlich Saddam Hussein aus dem Verkehr gezogen hätte. Die Amerikaner setzten zu sehr auf die grobe Kriegstechnik und vernachlässigen die subtilen Methoden. Es zeihen es vor ganze Länder zu zerstören, statt einzelne Personen zu bekämpfen. Das ist ihr Verbrechen.

 

Im richtigen Leben hat sich Saddam lange Zeit einer Lokalisierung entzogen. Die Lokalisierung ist nämlich nicht nur ein technisches Problem sondern auch ein politisches. Ein großer Teil der Menschheit, aller Wahrscheinlichkeit nach sogar die Mehrheit, wird sich mit aller Macht gegen eine Lokalisierung und Identifizierung wehren.

 

Warum niemand den Überwachungsstaat will

 

Gründe gibt es viele. Was wäre das auch für eine Welt, in welcher ein amerikanischer Präsident einen Namen in seinen Computer eintippt, die Zielkoordinaten erhält und eine Jagdbomberstaffel ausschicken kann, um die fragliche Person zu eliminieren. Was wäre das für eine Welt, in welcher eine Ehefrau in den Computer den Namen ihres untreuen Ehemanns eintippt und sofort die Wohnung von dessen neuer Freundin herangezoomt wird?  Was wäre das für eine Welt, in welcher der Autofahrer jedes Mal, wenn er zu schnell fährt, eine freundliche Stimme aus seinem Bordcomputer hört: „Sie haben soeben die Geschwindigkeit um 10 km/h überschritten. Das Bußgeld in Höhe von 40 Euro wurde ihnen soeben von ihrem Konto bei der Sparkasse abgebucht.“

 

Wir alle haben Angst vor der staatlichen Gewalt, vor Diktatoren und Überwachungsstaaten. Wir alle verstoßen hin und wieder gegen gesellschaftliche Normen, die meisten von uns begehen ab und zu Ordnungswidrigkeiten und sogar Straftaten – und wenn es nur ein „kleiner“ Versicherungsbetrug oder eine „kleine“ Urkundenfälschung ist. Fast jeder von uns wäre erpressbar und muß sich davor fürchten, daß Dinge ans Licht kommen, die er lieber verheimlichen würde. Deswegen haben fast alle Menschen ein schlechtes Gewissen und Angst vor dem Staat. Und deshalb hat jeder eine tief sitzende Angst vor dem Überwachungsstaat. Und fast jeder wird zahlreiche Gründe finden, die gegen den Überwachungsstaat sprechen, aber kaum einen, der dafür spricht.

 

Die Angst der Reichen und Mächtigen davor, daß sie vom Volk überwacht werden

 

Nicht nur der kleine Mann und der kleine oder große Verbrecher hat Angst vor der Überwachung. Der reiche und mächtige Mann hat noch mehr Angst. Jeder Reichtum ist letzten Endes dadurch entstanden, daß jemand mehr genommen hat, als ihm eigentlich zusteht. Insofern muß jeder reiche Mann immer Angst vor der Rache der zu kurz Gekommenen haben. Er muß immer Angst vor Bettlern, Neidern, Dieben, Erpressern, der Mafia oder vor der Staatsgewalt haben. Die Staatsgewalt tritt nicht nur in Form von Rechtsstaat und Finanzamt auf, sondern kann auch als bewaffnete Gewalt, als Geheimpolizei und SS auftreten. Der reiche Mann misstraut dem Staat zutiefst; am liebsten würde er ihn abschaffen – wenn er nicht seinen Schutz bräuchte. Der Staat soll ihn schützen, aber ansonsten in Ruhe lassen. Der Gedanke, daß ihn der Staat überwachen könnte, seine geheimen Konten und geheimen Geschäfte ausspionieren könnte, ist ihm zuwider.

 

So sind reich und arm, hoch und niedrig, sich darin einig, daß der Überwachungsstaat gefährlich und überflüssig ist, und tiefsitzende Ängste treiben die Menschen an, um dieses vermeintliche Übel „Überwachungsstaat“ mit aller Macht zu bekämpfen. Und die Presse, die von der Pressefreiheit lebt, wird die öffentliche Meinung ebenfalls gegen den Überwachungsstaat mobilisieren.

 

Hat dann der Überwachungsstaat überhaupt eine Chance? Und ist er überhaupt wünschenswert?

 

Zunächst muß es uns nachdenklich stimmen, daß der Überwachungsstaat eine Sache sein soll, die nur Nachteile und keinen Vorteile bringt. Wir wissen doch aus der alltäglichen Erfahrung, daß alles seine zwei Seiten hat, und daß das, was man vorher in den rosigsten Farben gesehen hat, sich als Übel und Nachteil erweisen kann. Und vielleicht könnte etwas, das sich zunächst als großes Übel darstellt, hinterher auch viele angenehme Seiten offenbaren.

 

Es wäre für Verbrecher und Terroristen, Korrumpierenden und Korrupten, Verschwendern und Versagern, Lügnern und Betrügern, ungleich schwerer, ihren Tätigkeiten nachzugehen, wenn sie ständig lokalisiert, identifiziert und jede ihrer Aktionen und Transaktionen werden könnten. Jeder Kriminalfall handelt davon, den Täter zu identifizieren und zu lokalisieren. Wenn ein Mensch, der in dem zukünftigen Überwachungsstaat lebt, die Krimis aus unserer Zeit anschauen wird, wird er das Vorgehen der Kriminalisten als vorsintflutlich empfinden. Der Detektiv der Zukunft kann in Google Mankind einfach nachschauen, wer sich zur fraglichen Zeit am Tatort befunden hat und wer ein Alibi hat. Möglicherweise hat die Szene sogar eine Kamera oder ein Mikrofon aufgezeichnet.

 

Der Überwachungsstaat wird das Verbrechen nicht ganz beseitigen können, es aber stark zurückdrängen

 

Der Überwachungsstaat wird nicht dazu führen, daß die Welt keine Verbrechen mehr kennen wird. Aber es werden deutlich weniger sein. Verbrechen im Affekt wird es auch dann noch vereinzelt geben. Aber ein potentieller Täter wird wissen, daß er nicht ungestraft davonkommt. Das wird ihn wohl meist zur Besinnung bringen und seinen Verstand über den Affekt siegen lassen.

 

Es wird natürlich immer vereinzelte Verbrecher geben, die Mittel und Wege finden, den Überwachungsstaat zu überlisten. Man kann Sensoren und Kameras täuschen und manipulieren. Aber das Überwachungssystem wäre ein großes Netz von Kameras, Mikrofone, Sensoren, Chips und Computern, die ihre Informationen miteinander abgleichen und auswerten. Da werden Widersprüche und inkonsistente Daten schnell sichtbar. Wer lügt und täuscht, muß ein sehr gutes Gedächtnis haben. Aber das Computernetz wird ein unfehlbares Gedächtnis haben.

 

Wenn die Reichen und Mächtigen ihre Konten und ihren Konsum vor der Allgemeinheit offenlegen müssen, wird dies die Demokratie und die Gerechtigkeit in ungeahntem Masse voranbringen. Der Grundgedanke der Demokratie ist, daß die Mächtigen kontrolliert werden, und daß ihrer Macht Grenzen gesetzt wird. Insofern kann der Überwachungsstaat ein Instrument der Demokratie sein – vorausgesetzt, die Allgemeinheit überwacht die Mächtigen und nicht umgekehrt. Davon geht man nämlich immer aus: daß die Mächtigen das Volk überwachen. Aber ein Überwachungsstaat kann auch ein Staat sein, in welchem jeder jeden überwacht. Schon heute ziehen die Reichen und Mächtigen das Interesse und die Neugierde des Volkes in besonderem Maße an. Das wird im demokratischen Überwachungsstaat nicht anders sein.

 

Der Überwachungsstaat muß kein Übel sei. Er kann auch zum Vorteil der Mehrheit sein.

 

Aber er könnte auch zum Nutzen der Minderheit sein. Übergriffe und Diskriminierungen durch radikale Gruppen oder den Staat würden für die Allgemeinheit sichtbar.

 

Wenn niemand den Überwachungsstaat will und sich alle gegen ihn wehren – wie kann er dann dennoch Wirklichkeit werden ?

 

Es wird sich zeigen, daß diejenigen Nationen, in denen jeder jeden überwacht, effizienter und erfolgreicher sein werden. Der Wettbewerb wird die anderen Staaten zwingen, gleichzuziehen.

 

Der Überwachungsstaat wird langsam, aber Schritt für Schritt kommen, denn er liegt in der Natur der Computertechnologie. Die Speicher- und Rechenkapazitäten der Computer wachsen seit Jahrzehnten immer mehr und ein Ende ist nicht abzusehen. Man wird also in einigen Jahrzehnten die Kapazitäten haben, jeden wichtigen Ort und jede Person zu überwachen. Und die Menschheit wird dies nutzen, weil sie immer neue Vorteile entdecken wird, die dadurch entstehen.

 

Herr Mustermann verlässt sein Haus

 

Nehmen wir z. B. Herrn Mustermann im Jahre 2040. Er verlässt gerade sein Haus, um in die Arbeit zu fahren. Sein Haus kennt ihn und es ist intelligent. Wenn Herr Mustermann sein Haus verlässt, verriegelt es automatisch die Tür. Und wenn er abends heimkommt, erkennt es ihn wie ein treuer Hund sein herrschen und schließt die Tür wieder auf. Herr Mustermann hat keinen Hausschlüssel. Den braucht er nicht und den kann er auch nicht verlieren. Es kann auch nicht passieren, daß die Tür ins Schloß fällt und Herr Mustermann nicht mehr in sein Haus kann.

 

Genauso ist es mit seinem Auto. Herr Mustermann tritt in die Garage, sagt: „Tür auf“ und das Auto öffnet die Tür. Oder vielleicht tritt er nur vor das Garagentor und sagt: „Auto rausfahren!“ Dann öffnet sich das Garagentor, das Auto fährt heraus und die Autotür geht auf.

 

Das Auto fragt: „Wohin soll ich fahren?“ Und Her Mustermann sagt: „Zur Arbeit!“

 

Das wird für Herr Mustermann alles bequem und angenehm sein. Aber sein Haus weiß, wann er es verlassen hat, und sein Auto weiß wo er gerade ist. Und da ihre Computer mit anderen Computern in Verbindung stehen, wird das ganze Internet wissen, wo sich Herr Mustermann gerade aufhält. Aber das ist Herr Mustermann gerade recht. Es könnte ihm z. B. eine Panne oder ein Unfall passieren. Dann würde sein Auto sofort Hilfe herbeirufen, und die Helfer wüssten genau, wo sein Auto steht.

 

Herr Mustermann unterwegs

 

Da sein Auto und nicht mehr Herr Mustermann selbst fährt, kommt es auch zu keiner Überschreitung der erlaubten  Höchstgeschwindigkeit mehr.

 

Herr Mustermann hat nun den „park and ride“-Parkplatz erreicht und steigt in die S-Bahn um. Schon im Auto wusste er, daß die S-Bahn 2 Minuten Verspätung hat und daß er sich Zeit lassen kann. Er braucht keine Fahrkarte zu lösen, denn in dem Moment, wo er in die S-Bahn steigt, weiß diese, daß er an Bord ist. Und wenn er aussteigt, wird der Fahrpreis von seinem Konto abgebucht.

 

Herr Mustermann im Büro

 

Als er das Bürohaus erreicht, in welchem er arbeitet, registriert dieses den Zeitpunkt seiner Ankuft. Die Stechuhr ist überflüssig. Herr Mustermann hat kein Schlüssel für sein Büro. Die Tür kennt ihn und lässt ihn ein. Er braucht sich an seinem Computer auch nicht einloggen. Auch sein Computer kennt ihn. Der Computer hat sich schon vor fünf Minuten eingeschaltet. Dies tat er auf Veranlassung des Pforten-Computers, der registrierte, daß Herr Mustermann das Haus betreten hat. Allerdings dauert das Hochfahren des Computers immer noch drei Minuten. Daran hat sich auch im Jahr 2040 noch nichts geändert (Kleiner Scherz. Der Computer wird nämlich gar nicht mehr ausgeschaltet, weil er nur noch ganz wenig Strom braucht oder er wird sofort nach dem Einschalten betriebsbereit sein).

 

Eigentlich könnte Herr Mustermann seine Bürotätigkeit auch zu Hause erledigen. Aber es hat sich gezeigt, daß es ein menschliches Bedürfnis ist, mit anderen in einer Gruppe zusammenzuarbeiten und in direktem persönlichen Kontakt zu stehen.

 

Herr Mustermann im Supermarkt

 

Abends, bevor Herr Mustermann nach Hause zurückkehrt, macht er noch einen Einkauf im Supermarkt. An der Kasse zahlt er nicht, sondern fährt mit seinem Einkaufswagen direkt zum Auto. Der Einkaufswagen und die Tür des Supermarkts haben genau registriert, wer er ist und was in seinem Einkaufwagen liegt. Die Rechnung wurde inzwischen schon von seinem Konto abgebucht.

 

Der Supermarkt weiß genau, was Herr Mustermann gekauft hat. Das erleichtert ihm die Planung. Wenn Herr Mustermann in Verdacht wäre, ein den Verbrechen begangen zu haben, würde der Polizeicomputer beim Computer des Supermarktes nachfragen, was Herr Mustermann im Verlauf des letzten Jahres alles konsumiert hat.

 

Aber das ist eher unwahrscheinlich. Denn Herr Mustermann hat einen „Kommunikator“, eine Art Universal-Handy, das alle seine Gespräche mitschneidet und ständig registriert, wo er ist. Da hat Herr Mustermann keine Chance, etwas Illegales zu machen, ohne entdeckt zu werden.

 

Am Anfang war es für Herrn Mustermann ein unangenehmes Gefühl, ständig überwacht zu werden. Aber schon bald merkte er, daß diese Überwachung für ihn keinerlei negative Folgen hatte. Es interessiert sich einfach niemand dafür, was er tat – außer dem engen Kreis seiner Familie und seiner Freunde. Für die war es praktisch, zu wissen, wo er gerade war.

 

Herr Mustermanns Alltag wird leichter

 

Sehr wohl registriert aber Herr Mustermann, daß sein Alltag leichter und reibungsloser abläuft, daß er leichter Hilfe bekommt, wenn er Probleme hat und daß die Welt einfach besser organisiert ist. Vorbei die Zeiten, wo er an jeder Ampel halten musst, weil sie rot war. Die Ampeln sind intelligent geworden. Wenn auf der Querstraße kein Verkehr ist, dann schaltet sie für ihn auf grün. Wenn es irgendwo einen Stau auf er Autobahn gibt, wird das sofort registriert und der Stau wurde viel schneller beseitigt.

 

Herr Mustermann verdient gut, obwohl er nur ein Durchschnittseinkommen hat. Die Großverdiener und Großverschwender werden von der Öffentlichkeit überwacht. Das hat dazu geführt, daß sie immer weniger verdienen und verschwenden können. Dafür stieg das Gehalt von Herrn Mustermann.

 

Die Welt ist zusammengewachsen. Die Kriegstreiber unter den Politikern wurden von ihren Völkern zum Teufel geschickt. Die Machtkämpfe und das Wettrüsten der Nationen gibt es nicht mehr. Das Geld wird sinnvoll ausgegeben.

 

Die Welt ist sicher und friedlich geworden.

 

Was Herrn Mustermann beunruhigt

 

Was Herr Mustermann beunruhigt, sind die Computer selbst. Nicht der Staat oder eine Diktatur überwachen ihn, sondern das Netz der Computer. Es stellt zwar sein Wissen und seine Erkenntnisse jedermann über das Internet zur Verfügung. Aber Herr Mustermann argwöhnt, daß dieses Computernetz eine eigene, vielleicht sogar dem Menschen überlegene Intelligenz besitzen. Noch verhält es sich freundlich und dienstbereit gegen die Menschen. Aber was wäre, wenn es seinen eigenen Willen und seine eigene Persönlichkeit entwickeln würde? Wie würde es dann die Menschen behandeln?