Von „Google Earth“ zu
„Google Mankind“
Von
Google Earth ist nur der Anfang. Der logische
Weiterentwicklung wäre „Google Mankind“.
Haben Sie Google Earth schon mal ausprobiert
? Man ruft Google Earth auf und gibt einen Ort ein, z. B. München,
Marienplatz. Zunächst sieht man die Erde, wie sie im Weltraum schwebt. Dann dreht
sich der Globus in die richtige Position und München wird herangezoomt. Man hat
den Eindruck, daß man sich im Raumschiff der Erde
nähert und jetzt in München landen will. Man erkennt die Münchner Innenstadt,
ja, und da ist auch schon der Marienplatz zu erkennen. Man kommt noch näher und
sieht einzelne Passanten, die ihren Schatten aufs Pflaster werfen.
Man sieht auch beim Anflug auf München lauter blaue
Punkte, die an einzelnen Stellen gehäuft auftreten. Wenn man einen dieser
Punkte anklickt, erscheint ein Foto, das an dieser Stelle von diesem Ort
aufgenommen wurde.
Google hat dieses neue Feature in Zusammenarbeit mit www.panoramio.com entwickelt. Man kann
seine digitalen Aufnahmen von beliebigen Orten per Internet an www.panoramio.com schicken. Dabei muß
man jedes Foto auf der Weltkarte (identisch mit der Luftbildkarte von Google
Earth) durch eine Art Stecknadel mit Hilfe der Maustaste genau lokalisieren.
Ein globale Luftbildkarte
In Google Earth werden die Luftbilder aller Regionen
der Erde zu einer globalen Luftbildkarte zusammengesetzt und auf einen Globus
projiziert. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde man die Erde aus dem Weltraum
sehen. Wenn die Auflösung der Bilder noch größer wäre, könnte man sogar
einzelne Menschen erkennen oder die Nummernschilder der Autos. Allerdings haben
die Luftbildaufnahmen bisher den Nachteil, daß sie
naturgemäß senkrecht von oben aufgenommen wurden. Die Welt wird nur von oben,
also zweidimensional, betrachtet. Man sieht keine Bergsilhouetten und
Felswände, man sieht nur die Hausdächer, nicht aber die Hausfassaden. Man sieht
nicht die Gesichter der Menschen und nicht die Nummerschilder der Autos.
Es ist für den Ungeübten schwierig, sich in dieser nur
von oben gesehenen Welt zurechtzufinden. Wo sind die Landmarken, an die man
sich gewöhnt hat: der Berg mit dem Turm, das Hochhaus, das Windrad?
Aber diese flache, zweidimensionale Welt bekommt Leben,
wenn man die blauen Punkte anklickt, und sich ein Bild davon macht, wie es an
diesem Ort wirklich aussieht. Wenn genügend Fotos von genügender Qualität da
sind, kann man sich einen recht guten Eindruck von einem Ort verschaffen.
Die Weltgemeinschaft der Leute, die gerne
fotografieren und ihre Fotos im Internet zeigen, ist gerade dabei, ein Bild
unseres Planeten zu schaffen. Das wird letztlich darauf hinauslaufen, daß alle interessanten und zugänglichen Orte unseres
Planeten erfasst und abgebildet werden.
Google Earth mit Webcameras
Damit ist etwas in Gang gesetzt, das sich immer mehr
ausweiten und verbessern wird. Der nächste Schritt wird vielleicht sein, daß z. B. rund um den Marienplatz Webkameras stehen. Wenn
man dann auf dem Luftbild eines der Ikons anklickt, werden auf dem Bildschirm
die Echtzeit-Bilder der Webkameras erscheinen. Der Computer könnte vielleicht
aus den verschiedenen Bildern und Perspektiven sogar ein dreidimensionales
Gesamtbild errechnen.
Personen identifizieren und lokalisieren
Aber lasst uns noch weiter denken. Eine Webkamera
steht gegenüber vom Rathaus und schaut über den Platz hin. Man sieht die Leute
vorbeigehen. Man klickt eine der Personen an. Auf dem Bildschirm erscheint die
Einblendung: Das ist Sepp Huber, der gerade aus dem Rathaus kommt. Der Computer
weiß dies aus verschieden Quellen, die zu einem eindeutigen Ergebnis führen. Er
hat verschiedene Bilder von Herrn Huber gespeichert und sein Gesicht erkannt.
Er weiß auch, daß Herr Huber vor einer Stunde aus
Freising mit der S1 zum Marienplatz gefahren ist. Er weiß auch, daß sein VW Golf, Kennzeichen FS-SH-621 auf dem Parkplatz
am Bahnhof steht. Als Herr Huber das Rathaus betrat, hat ihn sein RFID-Chip als Sepp Huber aus Kratzerimbach
identifiziert.
Stellen wir uns weiter vor, daß
jeder Mensch, egal wo er sich gerade aufhält, lokalisiert und identifiziert
werden könnte.
Stellen wir uns vor, wir würden in das Suchfeld von
„Google Earth“, das dann „Google Mankind“ wäre, den
Namen einer Person eingeben. Der Globus würde sich drehen, und ein Haus würde
herangezoomt werden, und da unten steht die Person mäht gerade den Rasen.
„Osama bin Laden“ ins Suchfeld eingeben
Man könnte vielleicht auch einfach „Osama bin Laden“
eingeben. Der Globus würde sich drehen, die Bora Bora
Region in Afghanistan würde herangezoomt und man würde einen bärtigen Propheten
mit einem Kalschnikoff-Maschinengewehr im Arm sehen.
Oder, was wahrscheinlicher ist, sein Grab, denn Osama bin Laden ist
wahrscheinlich schon tot.
All diese Dinge sind in den letzten Jahren in den
Bereich des Denkbaren gerückt. Und was gedacht werden kann, kann vielleicht
auch einmal getan werden – vorausgesetzt die Menschheit will es und Technik und
Wissenschaft arbeiten zielstrebig daran.
Technisch realisiert wird alles, wozu ein echtes
Bedürfnis und eine echte Nachfrage besteht. Dann wird
Kapital und Manpower in eine Sache gesteckt, und jedes Jahr werden neue
Fortschritte gemacht. So war es mit der Eisenbahn, mit dem Auto, mit dem
Flugzeug, dem Computer und dem Internet.
Aber besteht auch ein Bedürfnis danach,
alle Menschen der Welt zu identifizieren und zu lokalisieren?
Wie das Beispiel Osama bin
Laden zeigt, besteht sogar ein sehr großes Bedürfnis. Ein anderes Beispiel ist
Saddam Hussein. Wenn es den Amerikanern möglich gewesen wäre, ihn nach seinem
Überfall auf Kuwait zu lokalisieren und zu identifizieren, dann wäre der Welt
der Irak-Krieg erspart geblieben.
Um die Sache zu karikieren, um die es geht, stellen
wir uns vor: George W. Bush hätte auf den Tisch im Oval Office einen Labtop
gestellt und vor versammeltem Stab in das Suchfeld eingetippt: „Saddam Hussein“
und der Ort, an dem er sich gerade befunden hätte, wäre herangezoomt worden.
Bush hätte die genauen Koordinaten festgehalten und hätte den Befehl gegeben:
„Eliminieren!“
Die Durchführung wäre dann nur ein technisches Problem
gewesen. Wäre Saddam in einem Bunker gewesen, hätte man geprüft, ob ein „Saddamizer“ in der Lage gewesen wäre, ihn zu töten. Ein Saddamizer ist eine bunkerbrechende
Bombe, die sich durch Erde und Bunkerwände bohrt.
Aber man hätte ja auch eine Gruppe von Menschen in
Bewegung setzten können, oder irgend eine Sache, die
letztlich Saddam Hussein aus dem Verkehr gezogen hätte. Die Amerikaner setzten
zu sehr auf die grobe Kriegstechnik und vernachlässigen die subtilen Methoden.
Es zeihen es vor ganze Länder zu zerstören, statt einzelne Personen zu
bekämpfen. Das ist ihr Verbrechen.
Im richtigen Leben hat sich Saddam lange Zeit einer
Lokalisierung entzogen. Die Lokalisierung ist nämlich nicht nur ein technisches
Problem sondern auch ein politisches. Ein großer Teil der Menschheit, aller
Wahrscheinlichkeit nach sogar die Mehrheit, wird sich
mit aller Macht gegen eine Lokalisierung und Identifizierung wehren.
Warum niemand den Überwachungsstaat will
Gründe gibt es viele. Was wäre das auch für eine Welt,
in welcher ein amerikanischer Präsident einen Namen in seinen Computer
eintippt, die Zielkoordinaten erhält und eine Jagdbomberstaffel ausschicken
kann, um die fragliche Person zu eliminieren. Was wäre das für eine Welt, in
welcher eine Ehefrau in den Computer den Namen ihres untreuen Ehemanns eintippt
und sofort die Wohnung von dessen neuer Freundin herangezoomt wird? Was wäre das für eine Welt, in welcher der
Autofahrer jedes Mal, wenn er zu schnell fährt, eine freundliche Stimme aus
seinem Bordcomputer hört: „Sie haben soeben die Geschwindigkeit um 10 km/h
überschritten. Das Bußgeld in Höhe von 40 Euro wurde ihnen soeben von ihrem
Konto bei der Sparkasse abgebucht.“
Wir alle haben Angst vor der staatlichen Gewalt, vor
Diktatoren und Überwachungsstaaten. Wir alle verstoßen hin und wieder gegen
gesellschaftliche Normen, die meisten von uns begehen ab und zu
Ordnungswidrigkeiten und sogar Straftaten – und wenn es nur ein „kleiner“
Versicherungsbetrug oder eine „kleine“ Urkundenfälschung ist. Fast jeder von
uns wäre erpressbar und muß sich davor fürchten, daß Dinge ans Licht kommen, die er lieber verheimlichen
würde. Deswegen haben fast alle Menschen ein schlechtes Gewissen und Angst vor
dem Staat. Und deshalb hat jeder eine tief sitzende Angst vor dem
Überwachungsstaat. Und fast jeder wird zahlreiche Gründe finden, die gegen den
Überwachungsstaat sprechen, aber kaum einen, der dafür spricht.
Die Angst der Reichen und Mächtigen
davor, daß sie vom Volk überwacht werden
Nicht nur der kleine Mann und der kleine oder große
Verbrecher hat Angst vor der Überwachung. Der reiche und mächtige Mann hat noch
mehr Angst. Jeder Reichtum ist letzten Endes dadurch entstanden, daß jemand mehr genommen hat, als ihm eigentlich zusteht.
Insofern muß jeder reiche Mann immer Angst vor der
Rache der zu kurz Gekommenen haben. Er muß immer
Angst vor Bettlern, Neidern, Dieben, Erpressern, der Mafia oder vor der
Staatsgewalt haben. Die Staatsgewalt tritt nicht nur in Form von Rechtsstaat
und Finanzamt auf, sondern kann auch als bewaffnete Gewalt, als Geheimpolizei
und SS auftreten. Der reiche Mann misstraut dem Staat zutiefst; am liebsten
würde er ihn abschaffen – wenn er nicht seinen Schutz bräuchte. Der Staat soll
ihn schützen, aber ansonsten in Ruhe lassen. Der Gedanke, daß
ihn der Staat überwachen könnte, seine geheimen Konten und geheimen Geschäfte
ausspionieren könnte, ist ihm zuwider.
So sind reich und arm, hoch und niedrig, sich darin
einig, daß der Überwachungsstaat gefährlich und
überflüssig ist, und tiefsitzende Ängste treiben die
Menschen an, um dieses vermeintliche Übel „Überwachungsstaat“ mit aller Macht
zu bekämpfen. Und die Presse, die von der Pressefreiheit lebt, wird die
öffentliche Meinung ebenfalls gegen den Überwachungsstaat mobilisieren.
Hat dann der Überwachungsstaat überhaupt
eine Chance? Und ist er überhaupt wünschenswert?
Zunächst muß es uns
nachdenklich stimmen, daß der Überwachungsstaat eine
Sache sein soll, die nur Nachteile und keinen Vorteile bringt. Wir wissen doch
aus der alltäglichen Erfahrung, daß alles seine zwei
Seiten hat, und daß das, was man vorher in den
rosigsten Farben gesehen hat, sich als Übel und Nachteil erweisen kann. Und
vielleicht könnte etwas, das sich zunächst als großes Übel darstellt, hinterher
auch viele angenehme Seiten offenbaren.
Es wäre für Verbrecher und Terroristen,
Korrumpierenden und Korrupten, Verschwendern und Versagern, Lügnern und
Betrügern, ungleich schwerer, ihren Tätigkeiten nachzugehen, wenn sie ständig
lokalisiert, identifiziert und jede ihrer Aktionen und Transaktionen werden
könnten. Jeder Kriminalfall handelt davon, den Täter zu identifizieren und zu
lokalisieren. Wenn ein Mensch, der in dem zukünftigen Überwachungsstaat lebt,
die Krimis aus unserer Zeit anschauen wird, wird er das Vorgehen der
Kriminalisten als vorsintflutlich empfinden. Der Detektiv der Zukunft kann in
Google Mankind einfach nachschauen, wer sich zur
fraglichen Zeit am Tatort befunden hat und wer ein Alibi hat. Möglicherweise
hat die Szene sogar eine Kamera oder ein Mikrofon aufgezeichnet.
Der Überwachungsstaat wird das
Verbrechen nicht ganz beseitigen können, es aber stark zurückdrängen
Der Überwachungsstaat wird nicht dazu führen, daß die Welt keine Verbrechen mehr kennen wird. Aber es
werden deutlich weniger sein. Verbrechen im Affekt wird es auch dann noch
vereinzelt geben. Aber ein potentieller Täter wird wissen, daß
er nicht ungestraft davonkommt. Das wird ihn wohl meist zur Besinnung bringen
und seinen Verstand über den Affekt siegen lassen.
Es wird natürlich immer vereinzelte Verbrecher geben,
die Mittel und Wege finden, den Überwachungsstaat zu überlisten. Man kann
Sensoren und Kameras täuschen und manipulieren. Aber das Überwachungssystem
wäre ein großes Netz von Kameras, Mikrofone, Sensoren, Chips und Computern, die
ihre Informationen miteinander abgleichen und auswerten. Da werden Widersprüche
und inkonsistente Daten schnell sichtbar. Wer lügt und täuscht, muß ein sehr gutes Gedächtnis haben. Aber das Computernetz
wird ein unfehlbares Gedächtnis haben.
Wenn die Reichen und Mächtigen ihre Konten und ihren
Konsum vor der Allgemeinheit offenlegen müssen, wird dies die Demokratie und
die Gerechtigkeit in ungeahntem Masse voranbringen. Der Grundgedanke der Demokratie
ist, daß die Mächtigen kontrolliert werden, und daß ihrer Macht Grenzen gesetzt wird. Insofern kann der
Überwachungsstaat ein Instrument der Demokratie sein – vorausgesetzt, die
Allgemeinheit überwacht die Mächtigen und nicht umgekehrt. Davon geht man
nämlich immer aus: daß die Mächtigen das Volk
überwachen. Aber ein Überwachungsstaat kann auch ein Staat sein, in welchem
jeder jeden überwacht. Schon heute ziehen die Reichen und Mächtigen das
Interesse und die Neugierde des Volkes in besonderem Maße an. Das wird im
demokratischen Überwachungsstaat nicht anders sein.
Der Überwachungsstaat muß
kein Übel sei. Er kann auch zum Vorteil der Mehrheit sein.
Aber er könnte auch zum Nutzen der Minderheit sein.
Übergriffe und Diskriminierungen durch radikale Gruppen oder den Staat würden
für die Allgemeinheit sichtbar.
Wenn niemand den Überwachungsstaat will
und sich alle gegen ihn wehren – wie kann er dann dennoch Wirklichkeit werden ?
Es wird sich zeigen, daß
diejenigen Nationen, in denen jeder jeden überwacht, effizienter und
erfolgreicher sein werden. Der Wettbewerb wird die anderen Staaten zwingen,
gleichzuziehen.
Der Überwachungsstaat wird langsam, aber Schritt für
Schritt kommen, denn er liegt in der Natur der Computertechnologie. Die
Speicher- und Rechenkapazitäten der Computer wachsen seit Jahrzehnten immer
mehr und ein Ende ist nicht abzusehen. Man wird also in einigen Jahrzehnten die
Kapazitäten haben, jeden wichtigen Ort und jede Person zu überwachen. Und die
Menschheit wird dies nutzen, weil sie immer neue Vorteile entdecken wird, die
dadurch entstehen.
Herr Mustermann verlässt sein Haus
Nehmen wir z. B. Herrn Mustermann im Jahre 2040. Er
verlässt gerade sein Haus, um in die Arbeit zu fahren. Sein Haus kennt ihn und
es ist intelligent. Wenn Herr Mustermann sein Haus verlässt, verriegelt es
automatisch die Tür. Und wenn er abends heimkommt, erkennt es ihn wie ein
treuer Hund sein herrschen und schließt die Tür wieder
auf. Herr Mustermann hat keinen Hausschlüssel. Den braucht er nicht und den kann
er auch nicht verlieren. Es kann auch nicht passieren, daß
die Tür ins Schloß fällt und Herr Mustermann nicht
mehr in sein Haus kann.
Genauso ist es mit seinem Auto. Herr Mustermann tritt in
die Garage, sagt: „Tür auf“ und das Auto öffnet die Tür. Oder vielleicht tritt
er nur vor das Garagentor und sagt: „Auto rausfahren!“
Dann öffnet sich das Garagentor, das Auto fährt heraus und die Autotür geht
auf.
Das Auto fragt: „Wohin soll ich fahren?“ Und Her
Mustermann sagt: „Zur Arbeit!“
Das wird für Herr Mustermann
alles bequem und angenehm sein. Aber sein Haus weiß, wann er es verlassen hat,
und sein Auto weiß wo er gerade ist. Und da ihre Computer mit anderen Computern
in Verbindung stehen, wird das ganze Internet wissen, wo sich Herr Mustermann
gerade aufhält. Aber das ist Herr Mustermann gerade recht. Es könnte ihm z. B.
eine Panne oder ein Unfall passieren. Dann würde sein Auto sofort Hilfe
herbeirufen, und die Helfer wüssten genau, wo sein Auto steht.
Herr Mustermann unterwegs
Da sein Auto und nicht mehr Herr Mustermann selbst
fährt, kommt es auch zu keiner Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit mehr.
Herr Mustermann hat nun den „park and ride“-Parkplatz erreicht und steigt in die S-Bahn um. Schon
im Auto wusste er, daß die S-Bahn 2 Minuten
Verspätung hat und daß er sich Zeit lassen kann. Er
braucht keine Fahrkarte zu lösen, denn in dem Moment, wo er in die S-Bahn
steigt, weiß diese, daß er an Bord ist. Und wenn er
aussteigt, wird der Fahrpreis von seinem Konto abgebucht.
Herr Mustermann im Büro
Als er das Bürohaus erreicht, in welchem er arbeitet,
registriert dieses den Zeitpunkt seiner Ankuft. Die
Stechuhr ist überflüssig. Herr Mustermann hat kein Schlüssel für sein Büro. Die
Tür kennt ihn und lässt ihn ein. Er braucht sich an seinem Computer auch nicht
einloggen. Auch sein Computer kennt ihn. Der Computer hat sich schon vor fünf
Minuten eingeschaltet. Dies tat er auf Veranlassung des Pforten-Computers, der
registrierte, daß Herr Mustermann das Haus betreten
hat. Allerdings dauert das Hochfahren des Computers immer noch drei Minuten.
Daran hat sich auch im Jahr 2040 noch nichts geändert (Kleiner Scherz. Der
Computer wird nämlich gar nicht mehr ausgeschaltet, weil er nur noch ganz wenig
Strom braucht oder er wird sofort nach dem Einschalten betriebsbereit sein).
Eigentlich könnte Herr Mustermann seine Bürotätigkeit
auch zu Hause erledigen. Aber es hat sich gezeigt, daß
es ein menschliches Bedürfnis ist, mit anderen in einer Gruppe
zusammenzuarbeiten und in direktem persönlichen Kontakt zu stehen.
Herr Mustermann im Supermarkt
Abends, bevor Herr Mustermann nach Hause zurückkehrt,
macht er noch einen Einkauf im Supermarkt. An der Kasse zahlt er nicht, sondern
fährt mit seinem Einkaufswagen direkt zum Auto. Der Einkaufswagen und die Tür
des Supermarkts haben genau registriert, wer er ist und was in seinem
Einkaufwagen liegt. Die Rechnung wurde inzwischen schon von seinem Konto
abgebucht.
Der Supermarkt weiß genau, was Herr Mustermann gekauft
hat. Das erleichtert ihm die Planung. Wenn Herr Mustermann in Verdacht wäre,
ein den Verbrechen begangen zu haben, würde der Polizeicomputer beim Computer
des Supermarktes nachfragen, was Herr Mustermann im Verlauf des letzten Jahres
alles konsumiert hat.
Aber das ist eher unwahrscheinlich. Denn Herr
Mustermann hat einen „Kommunikator“, eine Art
Universal-Handy, das alle seine Gespräche mitschneidet und ständig registriert,
wo er ist. Da hat Herr Mustermann keine Chance, etwas Illegales zu machen, ohne
entdeckt zu werden.
Am Anfang war es für Herrn Mustermann ein unangenehmes
Gefühl, ständig überwacht zu werden. Aber schon bald merkte er, daß diese Überwachung für ihn keinerlei negative Folgen
hatte. Es interessiert sich einfach niemand dafür, was er tat – außer dem engen
Kreis seiner Familie und seiner Freunde. Für die war es praktisch, zu wissen,
wo er gerade war.
Herr Mustermanns Alltag wird leichter
Sehr wohl registriert aber Herr Mustermann, daß sein Alltag leichter und reibungsloser abläuft, daß er leichter Hilfe bekommt, wenn er Probleme hat und daß die Welt einfach besser organisiert ist. Vorbei die
Zeiten, wo er an jeder Ampel halten musst, weil sie rot war. Die Ampeln sind
intelligent geworden. Wenn auf der Querstraße kein Verkehr ist, dann schaltet
sie für ihn auf grün. Wenn es irgendwo einen Stau auf er
Autobahn gibt, wird das sofort registriert und der Stau wurde viel schneller
beseitigt.
Herr Mustermann verdient gut, obwohl er nur ein Durchschnittseinkommen
hat. Die Großverdiener und Großverschwender werden von der Öffentlichkeit
überwacht. Das hat dazu geführt, daß sie immer
weniger verdienen und verschwenden können. Dafür stieg das Gehalt von Herrn
Mustermann.
Die Welt ist zusammengewachsen. Die Kriegstreiber
unter den Politikern wurden von ihren Völkern zum Teufel geschickt. Die
Machtkämpfe und das Wettrüsten der Nationen gibt es nicht mehr. Das Geld wird
sinnvoll ausgegeben.
Die Welt ist sicher und friedlich geworden.
Was Herrn Mustermann beunruhigt
Was Herr Mustermann beunruhigt, sind die Computer
selbst. Nicht der Staat oder eine Diktatur überwachen ihn, sondern das Netz der
Computer. Es stellt zwar sein Wissen und seine Erkenntnisse jedermann über das
Internet zur Verfügung. Aber Herr Mustermann argwöhnt, daß
dieses Computernetz eine eigene, vielleicht sogar dem Menschen überlegene
Intelligenz besitzen. Noch verhält es sich freundlich und dienstbereit gegen
die Menschen. Aber was wäre, wenn es seinen eigenen Willen und seine eigene
Persönlichkeit entwickeln würde? Wie würde es dann die Menschen behandeln?