Wann kommt die sehende Ampel?

(in Neufahrn-Grüneck und überall auf der Welt)

Von Richard Beiderbeck  www.koinae.de    

 

Zusammenfassung:

 

Ausgehend von dem Stau, der fast jeden Freitagnachmittag auf der B11 von München nach Freising in Grüneck (Gemeinde Neufahrn) ist, fordere ich, daß sich Politik und Wirtschaft sich mit verstärktem Einsatz darum bemühen, die intelligente Verkehrsampel weiter zu verbessern und dann in großer Stückzahl einsetzen. Diese Ampel beobachtet den Verkehrsfluß durch Sensoren oder optische System und passt die Schaltzeiten für rot und grün den aktuellen Gegebenheiten an.

 

Die intelligente Ampel muß nicht neu erfunden werden. Es gibt sie bereits, und verschiedene Forschungsinstitute und privatwirtschaftliche Unternehmen haben schon Lösungen vorgestellt. Allerdings scheint es noch Probleme und Hindernisse zu geben. Diese können aber durch den Einsatz von ausreichend Personal und Mitteln behoben werden. Die deutsche Industrie hätte damit einen Exportschlager. Aber es ist zu befürchten, daß andere Länder, wahrscheinlich die Japaner oder Amerikaner wieder das große Geschäft machen, weil die Deutschen zu langsam und zu unflexibel waren.

 

Ich messe der intelligenten Ampel weit mehr Nutzen und Gewinnpotential zu als dem Transrapid, für den ungleich mehr Mittel ausgegeben wurden. Statt sinnloser Großprojekte sollte man kleine, aber nützliche Dinge entwickeln, für die ein tatsächlicher Bedarf besteht. Und der Bedarf nach intelligenten Ampeln wird in den enorm wachsenden Megastädten in China und überall auf der Welt von größter Bedeutung sein. Eine intelligente Regelung des Verkehrs ist schneller und billiger zu machen als Straßenbauprojekte (die natürlich ebenfalls sehr wichtig sind, denn bei einem Verkehrskollaps nützt eine intelligente Ampel nichts mehr).

 

Fast jeden Freitagnachmittag Stau vor der Ampel in Grüneck

 

Fast jeden Freitagnachmittag ist es wieder soweit: Auf der B11 zwischen München und Freising bildet sich vor der Ampel in Grüneck (Gemeinde Neufahrn) ein kilometerlanger Stau. Dieser Stau bildet sich, um einem anderen Stau auszuweichen, nämlich dem auf der Autobahn von München nach Nürnberg vor dem Neufahrner Kreuz.

 

Diejenigen, die in Richtung Deggendorf wollen, weichen dann auf die B11 aus. So wollen sie das Neufahrner Kreuz umgehen und über die Autobahn-Auffahrt Freising Süd weiter in Richtung Flughafen und Deggendorf fahren.Aber ihr Schicksal ereilt sie oft schon hinter Dietersheim. Vor der Ampel in Grüneck hat sich ein langer Stau gebildet.

 

Ich dachte mir : „Eigentlich ist das ein Skandal, weil hier die Zeit und das Geld von tausenden von Leuten sinnlos verschwendet wird. Schuld ist zunächst die Stelle, die für die Ampelsteuerung zuständig. Auf der untergeordneten Straße, die quer zur B11 verläuft, ist viel weniger Verkehr. Eine sinnvoll Maßnahme zur Vermeidung des Staus ist es, die Ampelschaltzeiten zu ändern. Zur Zeit hat die Bundestraße 42 Sekunden grün und 37 Sekunden rot“.

 

Nachdem ich vom Straßenbauamt Freising keine Antwort bekommen hatte, schrieb ich ein Email an den ADAC, ans Bundesverkehrsministerium und an das Bayerische Verkehrsministerium. Ich schlug vor, man solle der Bundesstraße 120 Sekunden grün und 40 Sekunden rot zu geben. Die Grünphase muß auf jeden Fall länger werden, weil es schon 5 Sekunden dauert, bis vorne an der Ampel die ersten Autos richtig losfahren. Wenn der Verkehr erst mal richtig in Fluß ist, kommen mehr Autos über die Kreuzung. Da schaltet aber die Ampel schon bald wieder auf rot.

 

Ein paar Tage später rief mich ein freundlicher und kompetenter Herr vom ADAC (Herr Mühlbauer) an und erklärte mir:

 

„Es gibt bereits die intelligente Ampel. Auch die Ampel in Grüneck ist eine solche „intelligente Ampel“. Sie hat zwei Induktionsschleifen, die in 300 und in 600 Meter vor der Ampel sind. Solange zwischen diesen beiden Meßpunkten nur ein paar Autos durchfahren, weiß die Ampel: „Kein Stau“. Wenn sie aber dicht auf dicht fahren, wird an der Ampel die Grünphase auf 75 Sekunden erhöht. Längere Grünphasen sind nicht machbar, weil es sonst zu Fehlreaktionen der Autofahrer im Querverkehr kommt. (die werden dann aggressiv und neigen zu Kurzschlußhandlungen).

Es kommt aber trotz dieser intelligenten Ampeln zu Staus, wenn trotz verlängerter Grünzeiten mehr Autos am Stauende ankommen, also vorne über die Kreuzung fahren.“

 

Als ich das hörte, registrierte ich mit Befriedigung, daß das Straßenbauamt in München (oder Freising) das Problem schon lange erkannt und auch gehandelt hatte. Ich dachte mir: „Es ist doch schön, daß man im Freistaat Bayern und im Raum München wohnt.“

 

Wenn es vor Grüneck weiterhin trotz intelligenter Ampel immer noch Stau am Freitagnachmittag gibt, so liegt das daran, die Kreuzung den Verkehr einfach nicht bewältigen kann, der auftritt, wenn die „Umgeher“ die Autobahn verlassen, weil dort ein Stau ist. Also müssen wir es gottergeben hinnehmen und froh sein, daß wir wenigstens eine intelligente Ampel in Grüneck haben, sonst wäre der Stau noch viel länger.

 

Besteht also in Grüneck und überall auf der Welt kein Handlungsbedarf mehr ?

 

Zunächst einmal muß man feststellen:

 

1.     Die Ampeln mit Induktionsschleifen sind sicher noch lange nicht überall dort eingesetzt, wo man sie brauchen könnte.

2.     Die Ampeln mit Induktionsschleifen sind nicht wirklich intelligente Ampeln. Sie sind nur ein Schritt in die richtige Richtung

 

Projekt „sehende Ampel“

 

Ein interessantes Projekt wäre die „sehende Ampel“. Eine sehende Ampel wäre mit einer Videokamera ausgestattet, die den ankommenden Verkehr beobachtet. Solche Videokameras sind heute recht billig. Das Problem ist wahrscheinlich die Software, die diese Videobilder auswertet. Aber nehmen wir an, das Problem wäre gelöst. Dann wäre es doch so:

An jeder Kreuzung stehen vier Ampeln. Auf jedem Ampelmast ist eine Videokamera, die den auf die Ampel zukommenden Verkehr registriert. Der Computer, der nun die Bilder der vier Kameras fortlaufend auswertet, steht ständig vor der Entscheidung: „Soll ich der Straße A oder der Querstraße B grün geben ?“ Und diese Frage wird dann der Computer anhand der sich nähernden Fahrzeuge entscheiden. Solange z. B. quer zur B11 kein Verkehr ist, kann die B11 grün bekommen – auch dann, wenn sie jetzt eigentlich turnusmäßig wieder rot sein müßte. So wird verhindert, daß Autos sinnlos halten müssen, obwohl in Querrichtung kein Verkehr kommt.

 

Ein weiteres Szenario: Es ist sonntagmorgens. Die Kreuzung in Grüneck ist einsam und verlassen. Von Osten nähert sich ein einzelnes Auto. Die Ampel erkennt, daß sie gerade dann rot wäre, wenn das Auto an der Ampel ankäme. Aber es ist eine wirklich intelligente Ampel, und sie denkt sich: „Da in Querrichtung kein Auto kommt, werde ich auf grün schalten“.

 

Die sehende Ampel könnte aber auch denken: „Dieses Auto kommt mit einer überhöhten Geschwindigkeit an. Dafür werde ich auf jeden Fall mal auf Rot schalten.“

 

Schwieriger wird es natürlich, wenn in Längs- und in Querrichtung Verkehr ist. Aber dann könnte die sehende Ampel denken: „In Querrichtung kommen fünf Autos, in Längsrichtung zehn. Jetzt werde ich erst mal die Zehn durchlassen, dann die Fünf.“

 

Wenn in Längs- und Querrichtung viel Verkehr wäre, müsste die sehende Ampel die Länge der Rot und Grünphasen an die Höhe des Verkehrsflusses anpassen. Die Richtung, die mehr Verkehr hat, bekommt länger grün.

 

Wenn sich gar in einer Richtung ein langer Stau bildet, dann müsste in dieser Richtung das Maximum an Grünphase ausgeschöpft werden.

 

Wenn es gelingen würde, diese Technik billig und in großer Stückzahl zu installieren, könne man jede wichtige Ampel auf der Welt mit dem System ausstatten.

 

Natürlich werden intelligente Ampeln keine zusätzlichen Umgehungsstraßen, Fernstraßen und Autobahnen ersetzen können und wenn der Verkehrskollaps erst da ist, d.h. vor jeder Ampel in jeder Richtung endlose Schlangen stehen, dann helfen auch keine intelligente Ampeln mehr. Aber ich schätze, daß intelligente Ampeln (möglichst auch als computergesteuertes Netzwerk von intelligenten Ampeln mit grüner Welle) die Durchflußkapazitäten der innerstädtischen Straßen um 100 % erhöhen könnten. Intelligente Ampeln sind sicher viel billiger als zusätzliche Straßen.

 

Ja, liebe Manager von Siemens und BMW, liebe Beamte im Bundesforschungsministerium und bei der Deutschen Forschungsgesellschaft, liebe Forscher und Entwickler in den Fraunhofer-Instituten: da tut sich ein riesiger Markt auf! Die Megastädte versinken im Verkehrschaos: Peking, Shanghai, Sao Paulo, Tokio, Mexiko-City ersticken im Verkehr. Eine intelligente Verkehrsregelung durch miteinander vernetzte Ampeln und der entsprechenden Software könnte den Verkehrskollaps verhindern.

 

Aber was machen die Professoren auf ihren Lehrstühlen? Sie machen z. B. mathematische Modelle, bei denen sie die Autos mit Gas- oder Flüssigkeitsmolekülen vergleichen, die durch ein einen Engpass gehen und lauter andere akademische Sachen. Das heißt, sie erforschen das Phänomen Stau. Gefragt aber sind Lösungen, wie man das Phänomen Stau beseitigt. Nun werden die klugen Herren auf ihren Lehrstühlen vielleicht sagen: „Wenn man über den Stau nichts genug weiß, dann kann man ihn auch nicht wirkungsvoll bekämpfen.“ Aber irgendwann sollte mit der Theorie Schluß sein und mit ganzer Kraft an die praktischen Lösungen herangegangen werden.

 

Und was machen die Politiker? Sie forcieren teure Prestige-Projekte wie den Transrapid – gegen die Willen der Mehrheit der Bevölkerung. Dabei ist der Transrapid Technik von gestern. Er schluckt viel zu viel Energie und kostet zu viel Geld und ist mit den Schientransportmitteln nicht kompatibel. Liebe Politiker, kümmert euch nicht um die Probleme der Industrie, sondern um die Probleme der Autofahrer und Fahrgäste von öffentlichen Verkehrsmitteln! Deutschland braucht eine intelligente Verkehrssteuerung. Die Zeit ist reif !

 

 

 Nandlstadt, 2. Sept. 2007

 

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Ergebnisse einer Internetrecherche zum Thema „intelligente Ampel“:

 

Im Internet fand ich folgende interessante Meldung auf der Webseite der Stadt Neuss:

14.03.2002 Neue intelligente Ampel gegen den Stau zwischen Norf und Erfttal

(PN/Kl/103). Seit langem war die Ampel in Höhe Erfttal/Autobahnzubringer Ursache ständigen Ärgers. Die Staus wurden noch länger, seit die Autobahnbrücke K30 bei Elvekum abgerissen wurde und ein starker Umleitungsverkehr hinzukam: Lange Fahrzeugschlangen waren die Regel und 1 km Stau keine Seltenheit. Zu allem Überfluß machte sich die 27 Jahre alte Ampel durch häufige Störungen unangenehm bemerkbar. Damit ist nun Schluß. Die Ampel wurde völlig erneuert. Amt für Stadtplanung und Landesbetrieb Straßenbau haben gemeinsam eine "intelligente Straße" geschaffen, die die Fahrzeuge erkennt und jeden Quadratmeter Fahrbahn und jede Sekunde maximal ausnutzt: Aus Richtung Norf wurde ein zusätzlicher schmaler Rechtsabbiegestreifen markiert und ein zusätzliches Signal schaltet für die Rechtsabbieger längeres Grün. In allen Fahrstreifen erfassen sogenannte Induktivschleifen (metallische Drähte in der Fahrbahn) die Fahrzeuge. Deshalb schaltet die Ampel das Grün so, wie es der Verkehr erfordert. Auch die städtischen Busse der Linie 841 erkennt die Ampel: Sie melden sich automatisch über Funk und passieren die Ampel ohne Zeitverlust. Fußgänger und Radfahrer melden sich über Taster und bekommen nur dann Grün, wenn sie es brauchen. Herzstück der Ampel ist ein Mikrocomputer, der alle 500 Millisekunden die Meldungen auswertet und die Phasen optimal schaltet. Glühbirnen kennt die Ampel übrigens auch nicht mehr: An ihre Stelle sind Leuchtdioden (LEDs) getreten, von denen sich der Landesbetrieb eine längere Lebensdauer verspricht. *

 

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Der ORF (österreichischer Rundfunk) berichtet auf seiner Webseite:

 

Italienische Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben eine "intelligente Ampel" entwickelt, die ihre Grün-und Rotphasen je nach Verkehrsdichte verändert. Damit könnten Staus im Stadtverkehr der Vergangenheit angehören. "Das Gerät beobachtet den Verkehrsfluss durch Sensoren und zählt die Zahl der ankommenden Fahrzeuge", beschreibt ein Forscher das Prinzip. Auf diese Weise könne unnötiges Anhalten der Autos an Kreuzungen verhindert werden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. "Die entscheidende Neuerung dabei ist, dass sich das Schaltsystem den verschiedensten Situationen im Stadtverkehr genau anpasst", sagte ein Mitglied des Forscherteams. "Die intelligenten Ampeln sind zudem billig, weil sie keine zentrale Überwachung benötigen." Die Ampel sei am Antonio Ruberti Institut für Information und Systemanalyse in Mantua entstanden.

Viele italienische Städte wie Rom, Mailand und Neapel haben seit Jahrzehnten mit chronischen Verkehrsstaus zu kämpfen.


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Der MDR schreibt auf seiner Webseite:

 

Die intelligente Ampel

Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, dass die Ampel nicht mitdenkt und uns unsinnigerweise länger als nötig auf dem Fußweg hält. Stefan Lämmer, Verkehrswissenschaftler der TU Dresden hat es nachgewiesen. über einen gesamten Tag würden sich in einem Straßennetz beinahe 40 Prozent der Gesamt-Wartezeiten einsparen lassen und noch einmal beinahe 20 Prozent des Gesamt-Kraftstoffverbrauchs, weil der Verkehr flüssig gehalten werde.

Lämmer schlug vor, Die Länge der Rot- bzw. Grünphasen der Ampeln vom Verkehr der Streckenrichtung abhängig zu machen. Je mehr Fahrzeuge aus einer Richtung kommen, desto schneller und länger gibt es für diese Richtung Grün. Die Nebenstrecke bleibt länger rot. Die benötigten Detektoren könnten an Laternenmasten installiert werden. Herkömmliche Ampeln schätzen lediglich den aufkommenden Verkehr.

 

 

Es gibt auch einen Video-Clip vom MDR:http://www2.mdr.de/mdr-aktuell/4628219.html

 

Lämmer schlägt eine denzentrale Lösung der Verkehrssteuerung durch intelligente Ampeln vor.

Lämmer ist Ingenieur am „Chair of traffic modelling and econometrics” (Lehrstuhl für Verkehrsmodellierung und Verkehrsökonometrie) der Fakultät Verkehrswissenschaften an der TU Dresden.

Lämmer

Stefan

Dipl.-Ing.

Dezentrale Online-Steuerung von Lichtsignalanlagen in Straßennetzwerken

traffic@stefanlaemmer.de

36735

615

 

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In den „Berlin-News“ lesen wir:

 

Im Projekt DELIOS wird die intelligente Ampel entwickelt. Durch eine Kamera samt Bildauswertungsrechner am Ampelmast kann die Ampel den Verkehr erkennen, der aus den verschiedenen Richtungen auf sie zukommt, und zwar lange bevor er da ist. Damit kann das Gerät, entweder mit der eigenen Steuerlogistik oder im Verbund mit zentralen Verkehrsrechnern, die Ampelschaltung so optimieren, dass möglichst viel Verkehr mit möglichst kleinen Wartezeiten die Kreuzung passieren kann. Die am Projekt beteiligten Firmen setzen die neu gewonnenen Kenntnisse auch für andere technische Anlagen im Kfz-Bereich ein und festigen Berlins Bedeutung als Kompetenzzentrum für Kfz-Technik.


http://www.zukunftsfonds-berlin.de/tsb_delios_06.pdf

 

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Im „Stern“ vom 11. April 2007 lesen wir:

Feldversuch "Travolution"

 

Nie mehr an der Ampel warten

Das Warten an der Kreuzung ist lästig, Zeit raubend, Umwelt schädigend - und vielleicht schon bald Vergangenheit. Im oberbayerischen Ingolstadt verleiht ein Großrechner Ampeln jetzt Intelligenz. Die Lichtzeichengeber lernen sogar sprechen.

Im oberbayerischen Ingolstadt werden derzeit 46 Ampeln an überwiegend stark befahrenen Kreuzungen umgerüstet. Sie sollen intelligenter werden und sprechen lernen. Im gesamten Stadtgebiet testet Ingolstadt zusammen mit der Münchner Firma Gevas Software, dem Lehrstuhl für Verkehrstechnik der Technischen Universität (TU) München und dem Autohersteller Audi ein intelligentes Verkehrssteuerungssystem. Sein Name: Travolution - eine Wortschöpfung aus "traffic", dem englischen Wort für Verkehr, und Evolution

An den Ampeln messen Induktionsschleifen in der Fahrbahn das Verkehrsaufkommen und senden diese Daten künftig an einen Zentralrechner im Rathaus. Er soll anhand von Modellen berechnen, wie hoch das Verkehrsaufkommen fünf Minuten später sein wird, und die Ampeln entsprechend schalten. "Bislang konnten einzelne Ampeln nur messen, wie der Verkehr im Moment ist, aber nicht vorhersehen, wie er sein wird", sagt Herwig Wulffius, Geschäftsführer von Gevas Software. Bei einem Pilotversuch in Hamburg konnten laut Wulffius mit einem ähnlichen System wie in Ingolstadt jährlich 1300 Tonnen Kohlendioxid und 560.000 Liter Benzin eingespart werden. Die Fahrtzeiten verkürzten sich zu Spitzenzeiten um bis zu 20 Prozent.

Komplexe Rechenmodelle

In Ingolstadt soll das Ergebnis noch weiter verbessert werden. Dazu wenden die Fachleute von TU und Gevas Software ein kompliziertes Rechenmodell aus dem Bereich der Genetik an, den genetischen Algorithmus. Das System soll selbstständig einzelne Steuerungseinstellungen ändern und erproben. "So findet man das Optimum, ohne dass man weiß, wie man es findet", sagt Wulffius. Ob das auch klappt, kann bisher noch niemand sagen.

"Das ist schließlich ein Riesenwulst an Daten, der verarbeitet werden muss", sagt Johannes Wegmann vom Ingolstädter Amt für Verkehrsmanagement und Geoinformation. Mit einer simplen grünen Welle sei es nicht getan. "Es bringt ja nichts, wenn dafür die Autofahrer aus einer anderen Richtung ewig rot haben." Sollte das Projekt jedoch erfolgreich sein, sei es durchaus realistisch, dass in Ingolstadt langfristig alle Ampeln - insgesamt rund 150 Stück - umgerüstet werden.

Grüne Welle

In einem zweiten Teil von "Travolution" werden zunächst drei Ampeln mit drahtlosen Funknetzen - so genannten Wlan-Systemen - ausgestattet. Die Ampeln sollen schon bald mit Autos kommunizieren können. "Über ein Display im Auto teilt die Ampel dem Fahrer ungefähr 200 Meter vor der Kreuzung mit, wann sie gedenkt, auf Grün zu schalten", erklärt Cornelius Menig, zuständiger Projektleiter bei Audi. Passt der Autofahrer die Geschwindigkeit entsprechend an, kommt er genau bei Grün zur Ampel. Der Umwelt schädigende Stop-and-go-Verkehr fiele weg. "Innerstädtisch können damit rund 15 Prozent Benzin eingespart werden", sagt Menig.

Ob das System funktioniert und von den Autofahrern auch akzeptiert wird, sollen mehrere Testfahrten zeigen. Erste Ergebnisse erwartet Menig bereits Ende April. Die Daten fließen in das "Car2Car Communication Consortium" ein, in dem sich europäische Autohersteller mit verschiedenen Partnern zusammengeschlossen haben. Das Konsortium arbeitet an einer einheitlichen Kommunikation von Auto zu Auto und Auto zu Ampel. Denn auch in Zukunft wird es wohl Ampeln geben - nur das Warten davor vielleicht nicht mehr.

 

DPA 

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Im Jahr 2004 schrieb der Bürgermeister der Gemeinde Pöcking im „Gemeinde-Boten“, daß es jetzt an der Einmündung Hindenburgstraße/Hauptstraße eine intelligente Ampel gebe, die ihre Schaltzeiten der Verkehrslage anpasst. Sie arbeitet mit Induktionsschleifen, die den Verkehrsfluß messen. Wenn niemand kommt, schaltet die Ampel auf grün.

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Die japanische Autofirma Nissan meldet auf ihrer Webseite:

 

Nissan testet auf dem Gelände seines japanischen Entwicklungscenters Atsugi südlich von Tokio die nächste Entwicklungsstufe des innovativen Leit- und Verkehrssystems ITS (Intelligent Transportation System). Ziel des Feldversuchs ist die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Verkehrsampeln. Das System soll nicht nur die Zahl von Unfällen mit Fußgängern, sondern auch die vor stark frequentierten Kreuzungen auftretenden Staus reduzieren. Als Nebeneffekt würden dank des verbesserten Verkehrsflusses auch der Verbrauch und die CO2-Emissionen sinken.

 

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Die „Tuning-Freaks-Pfalz“ haben auf ihrer Webseite ein Forum, in welchem einer der Teilnehmer über eine angeblich intelligente Ampel schreibt, daß sich an ihr auf der B10 bei Hinterweidental selbst bei normalem Verkehr Staus bilden.

 

Ähnliches hörte ich über eine Ampel in Aichach in bayerisch Schwaben. Die Ursache ist dort angeblich, daß die Ampel wegen der Linksabbieger den für den Gegenverkehr auf rot schaltet, sodaß die Zeiten, in denen die Ampel auf rot ist, länger sind als an der normalen Ampel.

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Die Stadt Hamburg schreibt auf ihrer Webseite: (Pressemeldungen 03.02.2005)

 

„Intelligente Ampeln machen den Verkehr schneller und flüssiger

Hamburg arbeitet erfolgreich an der Verbesserung des Verkehrsflusses mit Hilfe computergestützter Verkehrsleitsysteme bei der flächenhaften Ampelsteuerung (verkehrsadaptive Netzsteuerung). Ein Pilotprojekt mit 13 Ampelanlagen wurde im vergangenen Jahr im Bereich der Bramfelder Straße/Habichtstraße (Ring 2) installiert.

Senator Dr. Michael Freytag: „Das Pilotprojekt an der Habichtstrasse ist ein voller Erfolg: Weniger Rückstau, 10 % Steigerung bei der durchschnittlichen Geschwindigkeit und dadurch eine jährliche volkswirtschaftliche Ersparnis von rund 1,5 Millionen Euro! Auch die Umwelt wird deutlich entlastet: Durch 560.000 Liter eingesparten Kraftstoffverbrauch pro Jahr wird der schädliche Ausstoß des Treibhausgases CO2 um 1.300 Tonnen verringert. Mobilität ist ein entscheidender Standfortfaktor im Wettbewerb der großen Metropolen und wir stehen dabei durch fortschrittliche Technik ganz vorne. Die Vermeidung von Staus bringt volkswirtschaftlich einen erheblichen Gewinn und schont die Nerven der Verkehrsteilnehmer. Darüber hinaus ist die damit einhergehende Vermeidung von Abgasen gut für die Umwelt und alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Wir beabsichtigen daher, zusätzliche Mittel für die verstärkte Einführung dieser Technik bereitzustellen.“

Das Projekt

Zukünftig wird die Entwicklung von verkehrtechnischen Steuerungs-Strategien, die den städtischen Verkehr durch Optimierung von Ampelanlagen verflüssigen, immer mehr Bedeutung zukommen. Die Nutzung solcher Techniken zugunsten der Mobilität in der Metropole Hamburg ist ein wichtiges Ziel des Senats. Der erste Pilotversuch für die verkehrsadaptive Netzsteuerung startete 2004 im Bereich der Bramfelder Straße/ Habichtstraße (Ring 2). 13 Ampelanlagen in einem Umkreis von rd. 1000 Metern wurden dabei an einen Strategierechner angeschlossen, der die Schaltung der einzelnen Anlagen den jeweiligen tatsächlichen Verkehrsverhältnissen im Netz anpasst und damit den Verkehrsfluss flächenbezogen optimiert. Der Verkehr wird durch kontinuierliche Verarbeitung von Daten gelenkt. Diese werden durch vorher in der Fahrbahn installierte Detektoren sowie durch Anforderungstaster (z.B. für Fußgänger) erhoben. Die Kosten für das Pilotprojekt belaufen sich auf rund 2,4 Millionen Euro.

Der Erfolg

Um später Veränderungen gegenüber der Ausgangssituation dokumentieren zu können, wurden zu Beginn, im Verlauf und nach Abschluss des Projekts Messfahrten mit der so genannten „Floating-car-Methode“ durchgeführt. Hierzu wurden mehrere Fahrzeuge mit GPS-Empfängern und mobilen Rechnern zur Datenaufzeichnung ausgestattet. Während aller Erhebungsperioden wurden insgesamt rund 1.500 Fahrten an denselben Wochentagen zu den jeweils gleichen Zeiten durchgeführt. Das repräsentative Ergebnis ist: Die durchschnittliche Geschwindigkeit (alle Richtungen gewichtet addiert) hat sich von 28,38 km/h auf 31,36 km/h erhöht – das sind rund 10 Prozent! Angesichts von täglich rund 90.000 Kraftfahrzeugen macht die durchschnittliche Reisezeitverkürzung um 10 % einen volkswirtschaftlichen Gewinn von circa 1,5 Millionen Euro jährlich aus. Dabei werden etwa 560.000 Liter Kraftstoff pro Jahr eingespart.

Der Ausblick

Parallel zu der in diesem Jahr laufenden Feinjustierung des Pilotprojektes wird die Ausweitung dieses Bereiches der verkehrsadaptiven Netzsteuerung in Richtung Wandsbek-Markt (Ring 2) betrieben. Anschließend ist vorgesehen, weitere Bereiche mit hoch belasteten Hauptverkehrsstraßen adaptiv auszustatten. In Aussicht genommen sind Gebiete um den Bereich Tarpenbekstraße / Breitenfelder Straße / Lokstedter Steindamm und Nedderfeld oder im und um den Bereich Doormannsweg / Alsenstraße / Stresemannstraße / Kieler Straße und Fruchtallee. Es ist beabsichtigt, die zusätzlich erforderlichen Mittel aus dem Sonderinvestitionsprogramm (SIP) des Senats bereitzustellen.“