Ganz banal

Von Richard Beiderbeck  http://www.koinae.de    

 

Die Banausen lob ich mir (weil ich meist selbst einer bin)

 

Das Wort "banal" kommt aus dem Französischen und bedeutet: "gewöhnlich".  Das französische Wort banal leitet sich von dem altgriechischen Wort "banausos = Handwerker, ein Handwerk betreibend" ab. Ein Banausos ist also jemand, der mit der Arbeit seiner Hände seinen Lebensunterhalt verdient - im Gegensatz z. B. zu dem Mundwerker, der sein Geld durch das gesprochene (oder geschriebene) Wort verdient. Der Banausos ist auch das Gegenteil vom Künstler,  Wissenschaftler, Priester, Philosophen oder Gelehrten. Der Banausos ist für niedrigen, mechanischen, alltäglichen Tätigkeiten zuständig - also auch Tätigkeiten, die häufig den Frauen zugeschoben werden. "Banal" bedeutet also "flach, bedeutungslos, fade, langweilig, gewöhnlich, abgedroschen, alltäglich, platt, spießig". Ein Banause ist also jemand, der von geistigen oder künstlerischen Dingen keine Ahnung hat, sondern dessen Denken nur um das Alltägliche kreist.

 

 Der Banausos wurde stets als geistlos und ungebildet verachtet - von denen, die in ihrer Überheblichkeit übersahen, dass es der Banausos war, der ihren am Geistigen orientiertes Leben erst ermöglichte.

Ich möchte für den Banalismus eine Lanze brechen.

Apropos Lanze: Banal bedeutet auch "spießig". Ein Spießbürger war im Mittelalter ein Mitglied der Bürgerwehr, und war ausgerüstet mit einem langen Spieß, den er dazu benutzte, die Herren, die hoch zu Ross daherkamen, herunterzuholen.

Ein Spießbürger ist jemand, der sich kraft seiner handwerklichen oder gewerblichen Fähigkeiten eine Existenz und einen Besitz aufgebaut hat und eine gewisse Unabhängigkeit von Vermietern und Vorgesetzten erlangt hat. So wie derjenige, der sein Leben der Kunst oder den religiösen und geistigen Dingen gewidmet hat, mit Verachtung auf den Banausen herabblickt, so verachtet dieser den Künstler oft als Hungerleider und Dünnbrettbohrer.

 

Heute haben sich natürlich diese sozialen Unterschiede verwischt: Die Baunausen unternehmen Reisen und schicken ihre Kinder auf die Universität, und die Künstler und Wortjongleure sind als Architekten, Designer, Juristen oder Werbefachleute zu Geld gekommen.

Trotzdem besteht nach wie vor der Gegensatz zwischen denen, welche die handwerklichen, gewerblichen und technischen Dinge tun und die meist auch in ihrem Denken die Dinge aus einer alltägliche Sicht betrachten, und denen, die sich der geistigen, spirituellen Welt zugewandt haben und die Welt aus dem Blickwinkel ihrer Ideen oder Ideologien sehen.

Den Banalismus im Gegensatz zum weltfremden Idealismus und zu romantischen Idealen verkörpert z.B. der getreue Knappe Sancho Pansa, der mit seinem "spinnerten" Herren, dem Ritter Don Quichote, sein Kreuz hat. Oder auch Liesl Karlstadt mit ihrem Partner Karl Valentin.

Der Banalismus ist eine Weltsicht, welche versucht, alle Ereignisse und Zusammenhänge durch banale Gründe zu erklären, und erst dann, wenn es keine banalen Erklärungen gibt, andere, unwahrscheinlichere, in Betracht zu ziehen. Der Banalismus ist die Weltsicht des gesunden Menschenverstandes.

Der Banalismus hat eine gewisse Verwandtschaft zum Skeptizismus, Rationalismus, Positivismus, Pragmatismus und Realismus. Der Banalist kann auch zynisch sein. Er misstraut allen Ideologien, Religionen und allen Personen, die im Namen einer Religion oder einer Ideologie einen besonderen Anspruch darauf erheben, die Wahrheit zu wissen und den Leuten zu sagen, was sie zu tun haben.

Hinter dem hochtönenden, oft auch schwer verständlichen Worten mancher Zeitgenossen stehen meist nur banale Interessen und Motive.

Die alten Ägypter glaubten, dass die Sonne nachts unterirdisch das Reich der Toten durchquert, um so am nächsten Morgen wieder in der oberirdischen Welt aufgehen zu können. Es hat schon immer eine geistige Elite gegeben, die beanspruchte, über alles Bescheid zu wissen und damit das Recht zu haben, dem Volk zu sagen, was es zu tun hat. Um auf naheliegende Fragen (z.B. "Wo ist die Sonne während der Nacht ?", "Woher kommen die Menschen usw.") Antworten geben zu können, haben sie Mythen und ganze Religionen ersonnen. Wer aber die Wahrheit sucht, muss die banalen Gründe suchen.

 

Man soll allen Texten misstrauen, deren Inhalt schwer verständlich oder unklar ist. Meist hat derjenige, der hier spricht oder schreibt, das, was er zu sagen hat, selbst nicht richtig verstanden und durchdacht - oder er drückt sich bewusst unverständlich aus, weil er etwas zu verbergen hat oder weil er sein Publikum beeindrucken will. Oft genug dient das gesprochene oder geschriebene Wort nicht der Mitteilung von Tatsachen, sondern der Manipulation oder der Selbstdarstellung.

Der Banalismus misstraut auch allen Ideologien und Religionen, die, ausgehend von einigen wenigen Grundgedanken, die Welt erklären, und schlimmer noch: gestalten wollen. Die Wirklichkeit ist meist viel banaler und vielfältiger, als sich die Ideologen und Idealisten vorstellen. Der Banalist ist tolerant, der Ideologe sagt: „Wenn die Wirklichkeit nicht mit meiner Vorstellung übereinstimmt, umso schlimmer für die Wirklichkeit.“  Die Menschheit hat unendliches Leid erfahren durch Leute, die sich kraft ihrer Religion, ihrer Ideologie oder sonstiger "höherer Werte" im Recht sahen, und die kraft dieses vermeintlichen Rechtes  grausame Gewalt anwendeten, weil der Zweck angeblich die Mittel heiligte.

Wenn man dem Banalist sagt: "Du musst für die Ehre unseres Vaterlandes (für die Größe der Nation, für die Verteidigung der Freiheit, für die Humanität, für den Sozialismus, für die Verteidigung des Glaubens usw.) in den Krieg ziehen oder dieses oder jenes Opfer bringen, dann verweigert sich der Banalist, weil er nach dem banalen Grund fragt, warum er das tun sollte. Denn der wahre Grund ist meist ein banaler Grund.

Wenn man dem Banalisten mit irgendwelchen Verschwörungstheorien kommt, z.B. der Weltverschwörung der Juden und Freimaurer, da fragt er sich: "Aus welchem banalen Grund sind diese Verschwörungstheorien entstanden, und welche banalen Absichten werden damit verfolgt ?"

Wenn man dem Banalisten ein christlicher Priester von "Jesus Christus, unserem Herren" erzählt, dann schließt der Banalist haarscharf: "Da Jesus nicht greifbar ist, maßt der Priester sich an, Jesus zu vertreten und er möchte stellvertretend für Christus mein Herr sein."

Wenn der Sozialist zum Banalisten sagt: "Die Menschen müssen solidarisch sein und alles miteinander teilen", dann rechnet der Banalist schnell nach: "Ich habe ein Wohn- und Geschäftshaus in München, drei Mietwohnungen in Freising und eine Ferienwohnung in Mallorca. Der Sozialist hat ein Fahrrad und sein Girokonto ist um dreitausend Mark im Minus. Aus welchem banalen Grund will wohl der Sozialist, dass wir alles miteinander teilen ? Würde der Sozialist auch dann noch auf Teilung bestehen, wenn er das Vermögen und ich die Schulden hätte ?"

Wenn ein spirituell Orientierter dem Banalisten erklärt: "Ich stehe in Kontakt mit einer geistigen Wesenheit, die mir erklärt hat, dass man durch die Kraft seiner Gedanken eine positive Aura erzeugen kann, was dazu führt, dass wir eine bessere und friedlicher Welt erlangen können", dann sagt der Banalist: "In Ruanda sind eine Million Menschen massakriert worden. Zur Zeit läuft im Kongo ein Bürgerkrieg, der schon 1,5 Millionen Todesopfer gefordert hat. Vielleicht sollte man nicht durch Meditieren, sondern durch banale Mittel versuchen, die Welt zum Besseren zu wenden, z.B. indem man die korrupten Machteliten absetzt und die Verbrecher gegen die Menschlichkeit vor ein internationales Tribunal stellt. Warum ist das eigentlich noch nicht geschehen ? Das muss doch einen ganz banalen Grund haben, den man vielleicht durch ganz banale Mittel beseitigen kann ?"

 

Die Hungersnot in Äthiopien im Frühjahr 2000 hatte ebenfalls banale Gründe: die äthiopische Regierung hatte ein halbes Jahr zuvor die Lebensmittelvorräte des Landes in den Nahen Osten verkauft, um zu Geld zu kommen. Mit diesem Geld kaufte man Waffen in Russland - um gegen Eritrea Krieg zu führen. Man rechnete damit, dass nach Eintreten einer Hungersnot die Weltgemeinschaft mit Lebensmittel-Lieferungen zur Stelle sein werde. Vorsorglich gab man nach dem Verkauf der Lebensmittelvorräte der UNO bekannt, dass man in den nächsten Monaten mit einer Hungersnot rechne. Die Lebensmittelhilfe traf dann, wenn auch mit Verspätung, im Hafen Mogadischo ein. Dort mussten erst einmal hohe Einfuhrzölle und Hafengebühren entrichtet werden. Nun fehlten Lastwagen, um die Lebensmittel zu den Hungernden zu bringen. Also schickte die Weltgemeinschaft Lastwagen. Diese Lastwagen durften aber nicht für den Transport der Lebensmittel verwendet werden, denn der regierende Clan besaß eine eigene Lastwagenflotte. Nur mit diesen Lastwagen durften die Lebensmittel transportiert werden - gegen hohe Transportgebühren.

Die banale Realität in Äthiopien ist, dass korrupte Regierungen ihr eigenes Volk als Geisel nahm, um von der Weltgemeinschaft Hilfslieferungen zu erpressen. Diese Problem könnte nur durch ein banales Mittel behoben werden: Man müsste die verbrecherische Regierung absetzen und durch eine fähige und menschenfreundliche Regierung ersetzen. Dass dies nicht geschieht, hat wiederum banale Gründe: Die UNO ist zu schwach und machtlos und die Großmächte scheuen die damit verbundenen Probleme und Kosten. Die Äthiopier sind ihnen zwar ein paar Hilfslieferungen wert, aber sie sind es ihnen nicht wert, sich auf ein militärisches Abenteurer à la Somalia einzulassen.

 

Hier kommen wir nun zu einer Schwäche, den der Banalismus mit allen anderen Weltanschauungen gemeinsam hat: er kann zwar die Wirklichkeit erklären, aber er kann meist am Elend der Menschen nichts ändern. Der Banalist versucht es auch kaum, denn er ist mit seiner persönlichen Situation zufrieden und ist der Überzeugung, dass jeder seine Probleme um Grunde nur selbst lösen kann. Er meint: Wenn man das Leben der anderen ändern will, tritt meist das Problem auf, dass sich die anderen dem widersetzen. Man müsste also Gewalt anwenden, und Gewalt führt nur wieder zu neuem Leid.

 

Die größten Fortschritte und Veränderungen in der Menschheitsgeschichte wurden nicht durch Gewalt oder durch ein Weltverbesserungskonzept herbeigeführt, sondern durch ganz banale Ideen. Die jüngste derartige Veränderung ist die Einführung des Internet. Jemand hatte die banale Idee, zwei Computer durch eine Datenleitung zu verbinden.

Eine andere banale Ideen mit enormer Auswirkung war die Erfindung des Automobils: Man baute einen Verbrennungsmotor in eine Kutsche ein. Eine weitere banale Idee war die Erfindung des Alphabets: Die menschliche Sprache in Elementarlaute zu zerlegen und jeden Elementarlaut durch ein Zeichen wiederzugeben. Oder ein letztes Beispiel: Die Erfindung der Null.

Nachdem das Auto erfunden war, musste es auch Teerstraßen, Autobahnen, Parkhäuser, Verkehrsstaus, Massentourismus und Fließbandproduktion geben. Kein Ideologe oder Weltverbesserer hat dies gefordert, aber doch wurde es Wirklichkeit - ganz ohne Zwang und Gewalt. Am Anfang stand nur eine banale Idee.

Vielleicht kann auch der Hunger in Afrika eines Tages durch eine banale Idee überwunden werden. Ein erster Anfang wurde ja schon mit einer anderen banale Idee gemacht: mit der Erfindung des Kondoms. Leider wird in Afrika von interessierter Seite das Gerücht verbreitet, die Kondome wären mit Aids infiziert.

 

Das Leben als Konkurrenzkampf

 

Jeder Handwerker und Gewerbetreibende erfährt seinem Alltag, dass die Konkurrenz nicht schläft. Der Banausos muss arbeiten, um zu überleben. Das unterscheidet ihn vom Kapitalisten, der sein Kapital für sich arbeiten lässt, aber auch vom Sozialisten. Den hat der Banalist in Verdacht, dass er die andern für sich arbeiten lassen will. Insofern berühren sich aus Sicht des Banalisten die Extreme: Der Sozialist träumt von einem sozialistischen Paradies, in dem alle nur ein bisschen arbeiten müssen und der Kapitalist lebt schon in einer Welt, in der er nur ein bisschen arbeiten muss. Deshalb ist ein Sozialist, der zu Kapital gekommen ist, auch schon am Ziel seiner Wünsche.

 

Armut und Reichtum – banal betrachtet

 

Um die Menschen einer Nation mit Nahrung, Kleidung, Wohnung, Kultur und Unterhaltung zu versorgen, braucht man drei Dinge: die menschliche Arbeit, das Ackerland und die Rohstoffe bzw. Energieträger wie Öl und Kohle.

Der Reichtum einer Nation wird umso größer sein, je mehr Menschen einer sinnvollen Arbeit nachgehen, je effizienter sie arbeiten und je sparsamer sie mit ihren Ressourcen umgehen.

In den armen Nationen ist folgendes zu beobachten:

Viele Menschen haben keine Lust zu arbeiten; oft deshalb, weil ein korruptes und ausbeuterisches System sie sogleich wieder um die Früchte ihrer Arbeit bringt oder weil sie von Verbrechern beraubt oder betrogen werden. Die Regierenden sind oft Verbrecher oder werden von Verbrechern kontrolliert, oder die Regierung ist gegen das Verbrechen und die Mafia machtlos.

Ein anderer Grund für die Unlust der Menschen, zu arbeiten, ist oft ihre Lebenseinstellung. Sie sagen: "Heute reicht mir das, was ich habe. Warum sollte ich mehr arbeiten, damit ich auch morgen noch etwas habe? Was morgen ist, weis ohnehin niemand."

Oder sie sagen: "Durch ehrliche Arbeit ist noch niemand zu Reichtum gekommen. Fingerslang gehandelt bringt mehr als armlang gearbeitet." Sie versuchen also durch Handel und Tauschgeschäfte zu Reichtum zu kommen. Wenn aber jeder mit jedem nur handelt und jeder nur jeder zu betrügen und zu bestehlen versucht, dann bleiben alle arm, denn der Reichtum beruht zunächst auf der Produktion, und erst dann auf dem Handel.

Um eine Produktion aufzubauen, müssen viele Menschen diszipliniert und organisiert zusammenarbeiten. Dies setzt eine soziale Kultur voraus, die auf folgenden Tugenden und Werten aufbaut: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Gemeinsinn, Kreativität, Fleiß, die Fähigkeit sich einzuordnen und unterzuordnen. Außerdem muss der Unternehmer sicher sein, dass sein Betrieb nicht von der Mafia unterwandert wird oder dass ihn korrupte Beamte nicht aussaugen und schikanieren. Es muss eine Regierung da sein, die garantiert, dass derjenige, der hart arbeitet, auch in den Genuss seiner Arbeit kommt. Wenn diese banalen Voraussetzungen nicht gegeben sind, dann kann es keinen Reichtum und keine Produktion geben. Und deshalb gibt es in weiten Teilen der Welt keine Produktion und nur wenige reiche Leute.

 

Aber auch dann ist noch nicht gewährleistet, dass die Produktion zu Reichtum der Bevölkerung führt. Es muss auch etwas Sinnvolles und Nützliches produziert werden. Waffen und andere unnötige Güter gehören definitiv nicht dazu. Eine Waffe kann nur sinnvoll sein, wenn sie Verbrecher daran hindert, ihre Verbrechen zu begehen. Die meisten Waffen werden aber benutzt, um Elend über die Menschen zu bringen.

 

Ein weiter Punkt ist die gerechte Verteilung der Früchte der Arbeit.

Eine Produktion ist rationell, wenn sie eine Massenproduktion ist. Eine Massenproduktion ist aber nur möglich, wenn es einen Massenkonsum gibt. Einen Massenkonsum kann es nur geben, wenn die Massen über Kaufkraft verfügen. Eine Massenkaufkraft kann es nur geben, wenn die Früchte der Arbeit an die Massen gerecht verteilt werden.

 

Um das Elend auf der Welt zu überwinden, muss also in allen Regionen der Welt ein wirtschaftliches und staatliches System etabliert werden, in welchem eine Massenproduktion und eine Massenkaufkraft gewährleistet ist. So banal ist die Antwort auf das Hungerproblem.

 

Ein banaler und durchaus berechtigter Einwand wird dann sein: "Wenn jetzt jeder Chinese, Inder, Brasilianer und Afrikaner seinen Zweitwagen besitzt, werden wir dann nicht in einer Wolke von Abgasen ersticken ? Werden unsere Ölvorräte ausreichen, um diese Autos mit Sprit zu versorgen ? Wird es nicht Verteilungskriege um die knappen Ölreserven geben ? Wird in den Mega-City nicht der Verkehr endgültig kollabieren ?

Die banale Antwort ist: "Wir müssen Maßhalten in jeder Hinsicht. Wir müssen das Bevölkerungswachstum einschränken, den Energieverbrauch und die Fahrstrecken der Autos senken und ihren Schadstoffausstoß vermindern."

Seit die Maßhalte-Appelle Ludwig Erhards wirkungslos verhallt sind, weiß jedermann, dass die Menschheit nicht maßhalten wird.

Die banale Antwort auf dieses Problem ist: Es wird nicht jeder Mensch auf der Welt ein Auto fahren können. Die Umstände werden die meisten Menschen in China und anderswo zwingen, sich mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen.

Die Massenproduktion wird überall auf der Welt einziehen müssen; aber es werden bescheidenere Güter produziert werden müssen und es wird mehr gespart werden müssen.

Aber selbst bis dahin wird es ein langer Weg sein. Es wird noch lange dauern, bis alle Nationen aus ihrer Kriegs- und Verschwendungswirtschaft zu einer mit sparsamen Mitteln funktionierenden ökologischen Konsumwirtschaft finden.

 

Normen und Werte – banal betrachtet

 

Jede Gesellschaft hat ihre Normen, die das Zusammenleben regeln. Oft werden die Normen religiös begründet. Oft sind aber gerade die religiös begründeten Normen unsinnig und menschenfeindlich. Man denke nur an die Haltung der katholischen Kirche zu Sexualität oder die Stellung der Frau in der kirchlichen Hierarchie. Die Absurdität mancher religiöse Normen zeigt sich auch im Islam. In Moscheen soll man die Schuhe ausziehen. Im trocken Klima des Nahen Ostens oder Nordafrikas war das kein Problem, und auch sinnvoll, da ja an den Schuhen eventuell Kamel- oder Eselmist klebte. Als man aber die Moscheen auch in feuchte und kühle Klimata verpflanzte, ergab sich das banale Problem, dass in dem feuchten Klima der Fußpilz in Schuhen, Socken und auf Gebetsteppichen prächtig gedieh. Ich fürchte, die religiösen Autoritäten werden sich durch solche banalen Dinge nicht beeindrucken lassen – statt sensibel auf banale Probleme zu reagieren.

 

Die Arbeit und der Krieg – ganz banal

 

Jeder Mensch, der dazu in der Lage ist, muss arbeiten, um seine Existenz zu gewährleisten. Es steckt viel Arbeit darin, bis die Nahrung auf den Feldern wächst und bis das Brot auf den Tisch kommt. Es gibt zwar immer weniger Bauern, aber sie verdanken ihre Leistungskraft Maschinen und Düngemitteln, die wiederum mit großem Aufwand hergestellt werden müssen.

Man kann die Menschheit in folgende Gruppen einteilen:

Die erste Gruppe bilden die, welche die notwendigen Güter produzieren: das sind die Arbeiter und Handwerker.

Die zweite Gruppe sind die, welche die Güter zu den Menschen bringen: das sind die Transporteure, Lagerhalter und Händler.

Die dritte Gruppe sind die Organisatoren, Verwalter und Manager, die dafür sorgen, dass all dies reibungslos und ohne Störungen und Verluste funktioniert. Es gehören dazu auch die Serviceleute, die Straßenreiniger, Fensterputzer, Busfahrer usw.

Die vierte Gruppe sind die Ingenieure, Techniker, Wissenschaftler und Erfinder, die dafür sorgen, dass dies alles immer besser und wirkungsvoller geschieht.

Die fünfte Gruppe sind die Beamten und Angestellten auf den verschiedenen staatlichen Ebenen, die dafür sogen, dass die Produktion nicht Dieben und Verbrechern in die Hände fällt und dass jedermann seinen gerechten Anteil erhält, also Polizei und Armee, Justiz, die Finanzbeamten und die Sozialversicherer.

Die sechste Gruppe sind die Ärzte, Krankenschwestern, Apotheker u und alle Pfleger und Heiler, die für die Menschen da sind, wenn es ihnen schlecht geht.

Die siebte Gruppe sind die  Bewahrer und Vermittler des Wissens, also die Lehrer und die Betreiber von Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Archiven und Museen, teilweise auch die Journalisten der verschiedenen Medien.

Die achte Gruppe sind die Künstler, Priester, Philosophen und Unterhalter, die gebraucht werden, weil der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern Kultur, Lebenssinn, Identität und Unterhaltung braucht.

 

Alle diese Leute sind für den Fortbestand und das Leben der menschlichen Zivilisation, und damit für das Überleben der meisten Menschen gleich wichtig und notwendig. Jeder muss an seinem Platz arbeiten und keiner, der dazu in der Lage ist, darf sich dieser Forderung entziehen.

Es ist eine banale Erkenntnis, dass Arbeit oft mit unangenehmen Empfindungen verbunden ist und die Gesundheit schädigt. In Fabriken ist es laut und heiß, es gibt ungesunde Dämpfe und unangenehme Gerüche. Man muss oft stundenlang am selben Platz stehen und bekommt Krampfadern und Plattfüße. Die Arbeit ist monoton und widerspricht dem menschlichen Drang nach Freiheit, Ruhe oder natürliche Bewegung.

Arbeit bedeutet oft, sich andern Menschen unterzuordnen und zu dienen, die eigenen Meinung und die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken, sie bedeutet Schmerzen und unangenehme Empfindungen zu ertragen und Leben und Gesundheit für die andern zu opfern.

Unglücklicherweise sind die Arbeiten, bei denen diese negativen Begleiterscheinungen besonders stark sind, oft besonders niedrige und schlecht bezahlte Tätigkeiten, und diejenigen, die sie ausführen, genießen nur geringes soziales Ansehen.

Umgekehrt bieten andere Berufe Unterhaltung, Befriedigung, sehr gute Bezahlung und hohes soziales Ansehen.

Es ist eine banale Erkenntnis, dass der Mensch zu den niedrigen Arbeiten gezwungen werden muss, und dass er, wenn er nicht von Jugend an daran gewöhnt ist, kaum noch dazu gezwungen werden kann. Aber auch die höher qualifizierten Tätigkeiten sind mit Stress, Ärger, Frustration und Monotonie verbunden.

Deshalb sucht fast jeder Mensch, einen Weg, der unangenehmen Pflicht des Arbeitens zu entkommen und andere für sich arbeiten zu lassen.

Diese banale Erkenntnis ist eine der grundlegendsten. Sie erklärt nämlich eine unendliche Vielzahl von menschlichen Verhaltensmustern. Sie erhellt den ständigen heimlichen und offenen Kampf, den die Gesellschaft mit dem Individuum und das Individuum mit der Gesellschaft führt. Die Gesellschaft  (und der Chef) möchte, dass das Individuum möglichst klaglos seiner ungeliebten Arbeit nachgeht, und das Individuum strebt nach einer Situation, in welchem andere ihm die ungeliebte Arbeit und alle Mühen des täglichen Lebens abnehmen.

Hinter jedem Angriffskrieg steckte der Wunsch, andern Ländern das Land und die Rohstoffe wegzunehmen und die Bevölkerung für sich arbeiten zu lassen. Oder es wurden Präventivkriege angezettelt, weil man Angst hat, der andere bald schon könnte stark genug sein, um über einen herzufallen. Jeder Befreiungskrieg und jede Separation hatte das Motiv, das eigenen Land, die eigenen Rohstoffe  und die Früchte der eigenen Arbeit selbst behalten zu dürfen. Viele Revolutionen und Revolten wurden von der Angst gespeist, dass der Gegner oder die eigenen Herrscher einem so viel von den eigenen Ressourcen wegnehmen würde, dass man verhungern müsste, und tatsächlich war diese Angst auch begründet. Um diese banalen Dinge ging es in Kriegen, und nicht um Fragen der Religion und Ideologie.

 

Wer im Besitz der Macht ist, kann sich ein Leben in Überfluss sichern und braucht keine niedrigen Arbeiten zu verrichten. Er kann alle seine Bedürfnisse nach Sicherheit, Sexualität, Geltung und Ansehen, nach Freude, Vergnügen und Unterhaltung, Komfort und Annehmlichkeiten erfüllen. Dies  sind die banalen Gründe, warum die Menschen nach Macht streben und auch in Zukunft nach Macht streben werden. Daran wird sie keine Religion und keine Ideologie und kein Weltverbesserer hindern. Hindern kann sie nur das große Heer der zu kurz Gekommen, also all diejenigen, auf deren Kosten die Mächtigen ihren Lebensstandard gewaltig verbessern. Die Benachteiligten müssen sich also wirkungsvoll gegen die Mächtigen organisieren und die Mächtigen kontrollieren. Das ist eigentlich die banale Quintessenz der Demokratie und der Gewerkschaftsbewegung. Diese Organisation und die Kontrolle geschieht umso besser, je besser die Leute über alles informiert sind. Hier ist die freie Presse sehr hilfreich. Vielleicht kann das Internet auch einen wesentlichen Beitrag dazu liefern; umgekehrt kann das Internet von einer Diktatur dazu missbraucht werden, die Leute einer lückenlosen Kontrolle zu unterziehen.

 

Liebe – ganz banal

 

Religion und Liebe haben eines gemeinsam -  sie sind eine (oft geschickt getarnte) Form des Egoismus.

 

In der Liebe geht es darum, an dem, was man braucht, wünscht oder bewundert, einen Anteil zu erlangen. Frauen bewundern bei Männern die Macht, die Stärke und den Reichtum. Das Mittel, daran Anteil zu haben, ist die Liebe und die Fürsorge eines Mannes zu gewinnen. Geld und Macht sind der Sexappeal des Mannes.  Männer bewundern an Frauen die Schönheit und den Charme, seltener auch ihre Klugheit, Kultiviertheit und ihren sozialen Status. Das Mittel, daran teilzuhaben ist, ein Frau für sich zu erobern und zu besitzen. Jeder hat das Bedürfnis, etwas zu haben, das ihm fehlt.

Dass Liebe und Partnerschaft auch sexuelle und emotionale Bedürfnisse erfüllt, ist ohnehin klar. Es ist einfach praktisch, immer einen Partner zur Verfügung zu haben, der einem auf bequeme Weise die sexuellen Bedürfnisse und Wünsche erfüllt.

 

Die Geburt und die Aufzucht von Kindern ist mit Schmerzen, Kosten und Opfern verbunden. Das steht den egoistischen Wünschen der Menschen entgegen. Umso verwunderlicher ist es da auf den ersten Blick, dass die Menschen, die doch alle ausnahmslos Egoisten sind, das Opfer der Fortpflanzung auf sich nehmen. Aber die Natur hält auch Belohnungen bereit, z.B. die Freude an den Kindern oder den Gedanken, dass man durch seine Kinder fortleben kann. Oft wird der Egoismus des Menschen auch einfach durch seine Triebe und Instinkte überrollt. Wenn dann ein Kind unterwegs ist, stellt dann der Egoismus oft genug fest, dass ihm dieses Kind „überhaupt nicht in den Kram passt“. Das ist natürlich eine schlechte Ausgangsposition für ein unter solchen Umständen geborenes Kind. Aber gottseidank siegt dann aber oft genug die Freude an dem Kind über den Egoismus.

Eine andere Weise, durch welche die Liebe den Egoismus überlistet, ist, dass der Egoist in dem anderen Menschen einen Teil seiner Selbst sieht. So kann der Egoist für andere etwas tun und trotzdem das Gefühl haben, er tut es für sich selbst. Besonders naheliegend ist es natürlich, dass die Eltern das Kind als ein Stück von sich selbst sehen. Groß ist allerdings der Frust, wenn die Kindern ihren Eltern nachdrücklich klarmachen, dass sie eigene Wesen mit einer völlig anderen Persönlichkeit und einer völlig anderen Identität sind.

 

In der Liebe ist derjenige ein besonders begehrenswerter und attraktiver Partner, der besonders viele Vorteile zu bieten hat. Deshalb werden die attraktiven Menschen von so vielen geliebt, von manchen auch gehasst und beneidet, weil sie die eigenen Unzulänglichkeiten umso krasser fühlen lassen.

Die attraktiven Menschen haben es leicht, einen Partner zu finden, aber sie haben es oft schwer, den richtigen Partner zu finden. Diejenigen, die sie begehren, achten kaum darauf, ob beide zusammenpassen, sondern primär ist der Wunsch, einen so attraktiven Partner sein eigen nennen zu können, was ja den eigenen Status und das eigene Selbstwertgefühl hebt.

 

Da die Zahl der „Klasse 1A-Partner“ (genannt Traum-Frau oder Traum-Mann) nur sehr beschränkt ist, muss fast jeder Mensch mit einem Partner vorlieb nehmen, mit dem er nicht 100 % zufrieden ist. Man muss also Kompromisse eingehen, und wenn man dies nicht kann, wird man unter Umständen überhaupt keinen Partner finden. Manche stehen vor der Frage: „Soll ich den Partner nehmen oder soll ich warten, bis ich noch etwas besseres finde ?“

Die größte Chance, stabil zu bleiben, hat eine Verbindung, wenn beide Partner etwa auf der gleichen Stufe der Attraktivität stehen. Wenn sich ein attraktiver und ein unattraktiver Partner zusammentun, (wobei sich das Wort attraktiv nicht nur auf das Aussehen, sondern auch auf Bildung, Vermögen usw. bezieht), dann wird der attraktive Partner immer wieder von anderen Männern bzw. Frauen umworben und eventuell auch verführt werden. Eines Tages, wenn der attraktivere Partner Probleme mit seinem unattraktiven Partner hat oder mit ihm unzufrieden ist, wird er sich sagen: ich hätte so eine große Auswahl – warum habe ich mich gerade für ihn entschieden ?

Der unattraktive Partner wird in ständiger Angst und in Eifersucht leben, er könnte den attraktiven Partner verlieren, und er wird den andern mit Vorwürfen und Eifersucht verfolgen. Da ist es besser, beide sind in etwa gleich attraktiv (oder unattraktiv), so dass keiner das Gefühl haben muss, er sei der Dumme, weil er sich „unter Wert“ verkauft hat.

 

Liebe ist also eine Form des Egoismus. Sobald eine Beziehung massive Nachteile bringt, welche die Vorteile überwiegen, werden die meisten Menschen ihre Beziehung lösen.

 

Das gleiche gilt auch für die Liebe zur Heimat, zum Vaterland oder zur Kunst. Man will, dass es dem Vaterland gut geht, denn wenn es dem Vaterland gut geht, geht es einem selbst gut. Man liebt die Kunst, weil sie einem Freude und Erfüllung bringt, oder, wenn man selbst Künstler ist, weil sie einem darüber hinaus Ansehen, Beachtung und manchmal sogar viel Geld bringt.

 

Religion – ganz banal

 

Irgendwann wurde es den Menschen klar, dass es Mächte gibt, die weit größer und stärker sind als der Einzelne. Religion ist der Versuch, die jenseitigen Mächte (die Seelen der Verstorbenen, Dämonen, Götter oder den „lieben Gott“, oder das „Karma“) zu versöhnen und für die eigenen Wünsche dienstbar zu machen, damit sie einem Gesundheit, Reichtum, Erfolg und möglichst ein ewiges Leben im Paradies bringen (oder einem vom Rad der Wiedergeburt erlösen).  Dazu werden den Mächten im Jenseits Opfer dargebracht. Früher waren das Menschen- oder Tieropfer oder Geschenke an die Priester, heute werden Kerzen verbrannt, Gebete gesprochen oder Meditationen oder Andachten abgehalten. Es wird gefastet und es wird auf alles Mögliche (z.B. Sex, oder Schweinfleisch, oder Alkohol) verzichtet, um den Göttern ein Opfer zu bringen. Ob die jenseitigen Mächte viele Götter oder Dämonen sind, oder nur ein Gott, der (und dessen Priester und Heiligen) quasi das Monopol auf die Religion haben), ändern im Prinzip nichts. Immer geht es darum, die Götter oder das Karma durch Wohlverhalten und Opfer zum eignen Vorteil zu manipulieren.

 

Für die Verwalter und Verbreiter der Religion, d.h. die Priester oder Gurus, war es von Vorteil, möglichst viele Anhänger (und damit Opfergaben, Privilegien und Einfluss) zu erringen. Deshalb gab es stets Tendenzen, die eigene Religion über die anderen Religionen zustellen, möglichst sogar ein Monopol zu erlangen.

Der eigenen Gott wurde als überlegen und übermächtig dargestellt. Jesus musste unsterblich sein und große Wunder vollbringen. Anders hätte er kaum mit seinen Konkurrenten, z.B. Attis, Mithras u.a. nicht konkurrieren können.

Überhaupt das Wunder, das ja „des Glaubens liebstes Kind ist“ ! Das Wunder ist für die Gläubigen der Beweis, dass sie ihre ganzen Opfer nicht umsonst bringen, sondern dass der Angebetete die Macht hat, die Gebete und Wünsche zu erfüllen.

Für die Moslems wiederum ist Jesus nur eine Vorläufer Mohammeds, welcher der letzte und ultimative Prophet ist. Für die Baha’i  ist der Baha’Ullah der allerletzte und ultimative Prophet, und Mohammed und Jesus nur seine Vorläufer.

 

Die Buddhisten kennen zwar keinen Gott, aber sie kennen das Karma. Diese Karma muss aber von einer göttlichen Macht irgendwie „verwaltet“ werden, d.h. sie muss dafür sorgen, dass diejenigen, die ein positives Karma entwickeln, belohnt werden. Das entscheidende Kriterium, ob ein Glaube eine Religion ist oder nicht, ist der Versuch er Gläubigen, auf übergeordnete Mächte Einfluss zu nehmen, um sich Vorteile zu sichern.

 

Die religiösen Erfahrungen – ganz banal

 

Immer mehr Menschen suchen die Erfahrung des Göttlichen in eigener Regie. Früher war es die Kirche, die einem das Göttliche vermittelte. Heute wollen immer mehr Menschen das Göttliche selbst erfahren und einen persönlichen Bezug zum Göttlichen zu bekommen.

 

Alle Erfahrungen des Göttlichen kann der Mensch nur im Zustand des Traumes oder in einem dem Traum ähnlichen Bewusstseinszustand machen. Die religiösen und meditativen Praktiken bestehen darin, den Menschen in einen schlafähnlichen Zustand zu versetzten, in welchem im Gehirn Bilder, Töne, oder sonstige Wahrnehmungen und Gefühle erzeugt werden. Dieser Zustand kann durch Drogen, durch Musik, durch Atemtechniken, durch Tanzen erreicht werden. Entscheidend ist, dass dabei der Sauerstoffgehalt des Blutes abfällt. Wenn der Mensch schläft, sind Atmung und Herzschlag reduziert. Wenn er nun zu träumen beginnt, hat dies eine gesteigerte Gehirnaktivität zur Folge. Dadurch wird im Gehirn mehr Sauerstoff verbraucht; dieses Mehr an Sauerstoff kann aber die sparsame Atmung und der reduzierte Herzschlag nicht liefern, so das der Sauerstoffgehalt des Blutes im Gehirn abfällt. Diese Verringerung des Blut-Sauerstoffgehaltes, während des Traumes kann man mit Hilfe eines Pulsoximeters messen. Dass die Person träumt, kann man auch an den Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern (Rapid eye movements) erkennen; oft bewegt sich die Person auch im Schlaf und spricht undeutlich.

 

Der verringerte Sauerstoffgehalt führt wider Erwarten zu einer zunehmenden Gehirnaktivität, weil die Weiterleitung von Nervenimpulsen von einer Nervenzelle zur anderen im Zustand des Sauerstoffmangels nicht so gut gebremst und kontrolliert wird wie im Wachzustand. Es treten vermehrt „wilde“ und phantastische Assoziationen auf.  Deshalb sind die Menschen im Traum besonders kreativ.

Der Traum kommt dann aber meist schnell zu Ende, weil die Person unwillkürlich tiefer durchatmet, um das Sauerstoffdefizit nicht gefährlich werden zu lassen. Dadurch wacht die Person nicht selten auf, fällt aber meist in den traumlosen Schlaf.

Träume entstehen oft, wenn die Person gerade beim Aufwachen ist, weil mit dem Aufwachen die Gehirnaktivitäten ansteigen (oft auch ausgelöst durch störenden Geräusche oder unangenehme Empfindungen, die der Schlafende hat). Dieses „Hochfahren“ der Gehirnaktivitäten führt zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn (weil der Kreislauf und Atmung noch im Schongang fahren). Dieser Sauerstoffmangel senkt die Erregbarkeitsschwelle der Nervenzellen und es kommt zu „wilden“ Assoziationen und Bildern: ein Traum kommt in Gang.

 

Alle Erfahrung des „Göttlichen“ beruhen auf „inneren“ Wahrnehmungen, die man im Traum oder in sonstigen, durch verminderten Sauerstoffmangel des Gehirns hervorgerufenen Bewusstseinszuständen hat.

 

Es bleibt unbestritten, dass diese wilden und kreativen Gehirnaktivitäten einen Wahrheitsgehalt und einen Bezug zur Realität haben können.  

 

Der Mensch ein Egoist – na und ?

 

Jeder Mensch ist ein Egoist. Nur so konnte die Menschheit sich selbst behaupten. Es ist keine Schande, ein Egoist zu sein; vielmehr ist es ganz natürlich. Wer sich nicht selbst behaupten kann, ist zum Untergang verurteilt.

 

Die Frage ist nur, wie man mit seinem Egoismus umgeht. Zunächst muss man ihn sich eingestehen und mit ihm umgehen lernen. Wer immer nur seine Interessen rücksichtslos gegen andere durchsetzt, ist sehr schnelle allein und hat viele Feinde. Das dient kaum den eigenen Vorteil.

 

Es ist ein Fehler, den eigenen Vorteil aus dem Auge zu verlieren. Man muss den rücksichtslosen Egoisten möglichst bald zeigen: so geht’s nicht ! Man sollte aber auch den Vorteil und die Wünsche der anderen nicht ignorieren. Von einem gerechten und fairen Ausgleich der Interessen haben alle einen Gewinn. Eine Gesellschaft, die so weit ist, das zu praktizieren, nennt man Zivilisation.

 

Doch Schluss jetzt mit den Banalitäten.