Do ut des – Das religiöse Elementar-Mem
„Do
ut des“ (ich gebe, damit du gibst) ist ein religiösen
Elementar-Mem. Der Mensch sah sich einem Dämon oder
einer Gottheit gegenüber, die überlegene Macht besaß. Und der Mensch fragte
sich: „Wie kann ich diese Gottheit dazu bewegen, daß
sie mir gnädig ist, daß sie mich verschont und meine
Wünsche erfüllt ?“ Die Antwort war klar: Durch ein Opfer. Man musste etwas
opfern, das einem lieb und teuer war, im Extremfall sogar einen Menschen, im
allgemeinen Tiere oder Feldfrüchte. Damit das Opfer besonders wirksam ist, so
ein weiteres religiöses Mem, muß
das Opfer von jemanden vollzogen werden, der der Gottheit besonders nahe steht:
Ein Schamane oder ein Priester. Damit kam der Religionsbetrieb erst richtig in
Schwung. Die Opfergaben wurden nur zum Teil verbrannt oder im Tempel
aufgestellt. Einen anderer Teil ging an die Priester und diente zu ihrem
Lebensunterhalt und mehrte ihren Reichtum. Ein Priester ist jemand, der das
Privileg hat, zu opfern; er ist jemand, dem die Opfergaben übergeben werden.
Störend wurde von einigen Priestern die Konkurrenz anderer Priester und
Gottheiten empfunden. Deshalb verkündeten sie: „Es gibt nur einen Gott. Der hat
das Monopol. Alle Opfergaben sind bei uns abzuliefern. Alle andern Tempel sind
zu schließen und zu zerstören“. So entstand der Monotheismus.
Im
Christentum gibt es keine Tieropfer mehr. Alle Opfer sind in Jesus Christus
erfüllt. Jesus Christus ist das Lamm Gottes. Jesus Christus ist der Sündenbock,
auf dem alle Schuld der Menschheit abgeladen wurde. Bleibt aber die Frage: Wer
wurde wem geopfert ? Jesus ist als Teil der heiligen Dreifaltigkeit mit Gott
identisch. Gott hat sich also Gott geopfert. Aber was für einen Sinn soll das
ergeben ? Einen gewissen Sinn macht es nur, wenn Jesus nicht Gott, sondern nur
der „Sohn Gottes“ ist, was heißt, daß er Gott
besonders nahe steht – aber ein Mensch ist. Dann tut sich aber wieder eine neue
Frage auf: Christus hat sich also selbst geopfert. Das heißt aber, daß Jesus überzeugt war, daß Gott
ein solches Opfer wollte. Ich glaube, Gott wollte dieses Opfer nicht.
Jesus
wurde geopfert. Aber in einem ganz weltlichen Sinn. Jesus wurde von der judäischen Staatsführung den Römern geopfert, um einen
möglichen Aufstand der Juden im Keim zu ersticken und eine Strafexpedition der römischen
Legionen zu vermeiden. Die Römer hätten jeden Aufstand mit brutaler Gewalt
niedergeschlagen.
Jesus
war durchdrungen von der Idee, daß er das Nahen des
Reiches Gottes verkünden müsse. Das tat er bis zur letzten Konsequenz. Er hat
sich für seine Botschaft (das Mem: „Das Reich Gottes
ist nahe !“) geopfert – nicht aber für Gott.
Doch
zurück zum religiösen Opfer im allgemeinen. Ein weiteres religiöses Mem ist, daß die Gottheit auf die
Opfer angewiesen ist, ungefähr so, wie ein Vampir, der ständig neues Blut
braucht, um am Leben zu bleiben. Der Priester hat also eine Macht über die
Gottheit: Er kann ihr das Opfer verweigern. Manche Götter haben anscheinend
auch ein nur schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein, denn sie benötigen ständig
Lobeshymnen und Preisungen ihrer Herrlichkeit. Die Gläubigen und die Priester
opfern also nicht nur materielle Dinge, sondern auch Zeit und Mühe: Religiöse
Gesänge, Gebete und Verkündungen der Herrlichkeit und des Willens der Gottheit.
Und was haben die Priester und Gläubigen davon ? Sie können die Gottheit
manipulieren und für ihre Zwecke dienstbar
machen – nach dem Motto: „Wenn Du unsere Gebete (Wünsche) nicht
erfüllst, dann gibt es Liebes- und Opferentzug !“
Hier
ist es zur Magie nur ein kleiner Schritt. Der Magier glaubt, daß er durch bestimmte Zeremonien, symbolische Handlungen
oder Zaubersprüche die Gottheit (oder den Teufel – für den Schwarzmagier ist
das egal, Hauptsache seine Wünsche werden erfüllt) manipulieren kann. Damit
wären wir bei dem Pakt des Faust mit dem Mephisto, der diesem seine Seele
opferte. Magie fressen Seele auf.
Doch
zurück zu den normalen Gläubigen, die einen Rosenkranz beten und eine Kerze
opfern. Auch sie versuchen natürlich Gott zu beeinflussen: „Do ut des.“
Andere
wiederum meinen, daß man durch Gebete und
Meditationen nicht Gott beeinflusst, sondern sich selbst, bzw. sein eigenes
Unterbewusstsein. Dort soll auch die Kraft liegen, die die Erfüllung der Wünsche
möglich macht. Diese Kraft im Innern der menschlichen Seele soll mit der großen
kosmischen Kraft in Verbindung stehen, und wenn viele Menschen das Gleiche
beten bzw. meditieren (z. B. den Frieden), dann wird die Kraft, die alles
beseelt, den Frieden auch bringen. Aber auf diese Idee hätte die kosmische
Kraft vielleicht auch ohne die Gebete und Meditationen der Gläubigen kommen
können. Oder sind es vielleicht die Menschen selbst, die den Krieg machen, und
sollte man vielleicht die Menschen beeinflussen ? Da gibt es aber wirksamere
Methoden als Gebete und Meditationen, z. B. Geld und gute Worte. Oder Polizei,
Gericht und Gefängnis für die Kriegsverbrecher.
Zurück
zu „Do ut des“. Dieses religiöse Mem
geht davon aus, daß es a) eine Gottheit gibt und b) die
Gottheit manipulierbar ist. Mir erscheint es als absurd, daß
Gott vom Menschen manipuliert werden kann. Wenn es einen allmächtigen und
allwissenden Gott gibt, dann wird er sicher auch wissen, warum er die Dinge so
und nicht anders macht. Da wird er sich bestimmt nicht von Menschen dreinreden
lassen, sondern er wird sagen: „Behaltet eure Bestechungsmittel. Ich bin nicht
zu beeinflussen. Schon gar nicht von euch.“ Irgendwie scheinen das die
gläubigen Beter auch zu ahnen, deswegen wenden sie sich oft nicht an Gott
selbst, sondern schicken die Heiligen, oder Maria oder Jesus vor. Von ihnen
wird sich Gott vielleicht eher beeinflussen lassen. Allerdings braucht man zu
den Heiligen gute Beziehungen, denn, wie schon im alten Byzanz, gilt: Ohne
Beziehungen geht gar nichts. Ein bisschen Bestechung kann auch nichts schaden.
Ja, der alte Orient lebt. Nicht nur bei den frommen Betern, sondern erst recht
bei den Satanisten. Auch die opfern fleißig. Wie man hört, nicht nur Kaninchen.
Sie denken wohl: Gott ist vielleicht unbestechlich - der Satan aber sicher
nicht. So hat alles seine absurde Logik.