Von
Die Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes in einem Text vereint.
Quellen:
Synopse zum Münchner
Neuen Testament, für das Collegium Biblicum
München e. V. herausgegeben von Josef Hainz, Patmos Verlag, Düsseldorf, 2.
Auflage von 1998
Das Münchner Testament ist ganz nahe am griechischen
Originaltext. Es ist fast so, wie wenn man den Originaltext in Griechisch
liest.
Eine Synopse ist ein Buch, das die Texte der
Evangelisten nebeneinander druckt, damit man sie vergleichen kann.
Die Züricher Bibel, die auf die Reformation Zwinglis zurückgeht, wurde
in den Jahren 1907 bis 1931 von dem Grundtext aufs neue übersetzt. Herausgeber
ist der Kirchenrat des Kantons Zürich.
Das Evangelium des
Johannes, nach dem Urtext übersetzt von Franz
Eugen Schlachter, herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung der
Heiligen Schrift, Wetzlar
Einleitung
Dies ist der Anfang des Evangeliums, der
frohen Botschaft von Jesus Christus, dem zum König der Juden Gesalbten, dem
Sohn Davids, dem Sohn Abrahams, dem Sohn Gottes.
Am Anfang, bevor die Welt erschaffen wurde,
waren schon die Baupläne und Ideen für die Schöpfung da, und die Pläne waren
bei Gott, und Gott war die Fülle aller Ideen und Pläne, sodaß Gott und die
Pläne und die Ideen, also der „Heilige Geist“ ein und dasselbe waren. Alle
Dinge sind daraus entstanden, und nicht ein Ding, das erschaffen wurde, ist
ohne diese untrennbare Einheit von Gott und Heiligem Geist entstanden. Darin
enthalten war das Leben, und das Leben war Licht für die Menschen. Und das
Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht angenommen.
Es trat ein Mensch auf, von Gott geschickt.
Sein Name war Johannes (der Täufer); dieser kam, damit er vom Licht Zeugnis
ablege, damit alle durch ihn glaubten. Aber Johannes war nicht das Licht,
sondern seine Aufgabe war, über das Licht zu bezeugen. Jesus war die Seele der
Welt, der Heilige Geist, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in
die Welt kommt. Jesus war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, aber die
Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn
nicht auf. Allen denen aber, die ihn aufnahmen, gab er das Anrecht darauf,
Kinder Gottes zu werden, das sind die, die an seinen Namen („Gott rettet“)
glauben, und das sind die, welche nicht aus Blut noch aus dem Willen des
Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott gezeugt sind.
Und die Einheit von Gott und Heiligem Geist,
(die Seele der Welt) wurde in Jesus Fleisch und zeltete unter uns, und wir
sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit wie sie der einzige gezeugte Sohn
von seinem Vater hat, voll Gnade und Wahrheit.
Johannes zeugt von ihm (die untrennbare
Einheit von Gott, Jesus und Heiligem Geist) und ruft: „Dieser war es, von dem
ich gesagt habe: ‚Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen; denn er war als
Erster vor mir’.“ Aus seiner Fülle haben wir ja alle empfangen, und zwar Gnade
um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben worden, die Gnade und die
Wahrheit ist durch Jesus Christus gekommen. Niemand hat Gott jemals gesehen;
der einzige Sohn, der an der Brust des Vaters ist, hat Kunde von ihm gebracht.
Da nun viel versuchten, eine Erzählung
abzufassen über die Dinge, die sich bei uns erfüllt haben, gleichwie sie uns
diejenigen überlieferten, die von Anfang an Augenzeugen gewesen sind und Diener
des Wortes, hielt auch ich es für gut, nachdem ich allem von Beginn an genau
nachgegangen bin, es der Reihenfolge nach dir zu schreiben, bester Theophilos,
damit du die Zuverlässigkeit der Worte erkennst, über die du unterrichtest
wurdest.
Nach Lukas: Nach Matthäus:
1 Gott
2 Adam
3 Seth
4 Enos
5 Kainam
6 Maleleel
7 Jaret
8 Henoch
9 Mathusala
10 Lamech
11 Noah
12 Sem
13 Arphaxad
14 Kainam
15 Sala
16 Eber
17 Phalek
18 Rhagau
19 Seruch
20 Nachor
21 Thara
22 Abraham 1
Abraham
23 Isaak 2
Isaak
24 Jakob 3
Jakob
25 Judas 4 Judas
26 Phares 5 Phares
27 Hesrom 6 Hesrom
28 Arni 7
29 Admin 8 Aminadab
30 Aminadab 9 Naason
31 Naason 10 Salmon
32 Sala 11 Boes
33 Boos 12 Jobed
34 Jobed 13 Jessai
35 Jessai 14 König
David
36 David 15 König
Salomon
37 Natham 16 Roboam
38 Mattatha 17 Abia
39 Menna 18 Asaph
40 Melea 19 Josaphat
41 Eliakim 20 Joram
42 Jonam 21 Ozias
43 Joseph 22 Joatham
44 Judas 23 Achaz
45 Symeon 24 Hezekia
46 Levi 25 Manasses
47 Matthat 26 Amos
48 Jorim 27 Josias
49 Eliezer 28 Jechinias
50 Jesus 29 Salathiel
51 Er 30 Zorobabel
52 Elamdam 31 Abihud
53 Kosam 32 Aliakim
54 Addi 33 Azor
55 Melchi 34 Sadok
56 Neri 35 Achim
57 Salathiel 36 Eliud
58 Zorobabel 37 Eleazar
59 Rhesa 38 Matthan
60 Johanan 39 Jakob
61 Joda 40 Joseph
62 Josech 41 Jesus Christus
63 Semein
64 Mattathias
65 Maath
66 Naggai
67 Hesli
68 Naum
69 Amos
70 Mattathias
71 Joseph
72 Jannai
73 Melchi
74 Levi
75 Matthat
76 Eli
78 Jesus
Christus
Es geschah in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, daß ein Priester mit Namen Zacharias aus der Tagesdienstabteilung des Abia eine Frau hatte, die eine der Töchter Aarons war, und ihr Name war Elisabeth. Sie waren beide gerecht vor Gott, und sie wandelten untadelig gemäß allen Geboten und Gesetzen des Herren. Aber sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren schon in vorgerücktem Alter. Als er im Tempel zu Jerusalem das Räucheropfer darbrachte, erschien ihm ein Engel des Herr und sagte: „Ich bin Gabriel, d. h. ‚der vor Gott steht’, und ich wurde geschickt, um dir dieses zu verkündigen: Deine Frau wird dir einen Sohn gebären, und du wirst ihn ‚Johannes’ rufen. Es wird in dir Freude und Jubel sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen, denn er wird groß vor dem Herren sein, und Wein und Rauschtrank wird er gewiß nicht trinken, und mit heiligem Geist wird er erfüllt werden schon vom Leib seiner Mutter an und viele der Söhne Israels wird er hinwenden zum Herren, ihrem Gott. Und er wird vorangehen vor ihm (dem Christus) im Geist und in der Kraft des Elias und er wird die Herzen der Väter zu den Kindern hinwenden und Ungehorsame zur Einsicht von Gerechten bringen und so das Volk auf den Herren vorbereiten“.
Da sprach Zacharias zu dem Engel: „An was werde ich dies erkennen ? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist vorgerückt in ihren Tagen.“ Da antwortete der Engel ihm: „Weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, welche sich zu ihrer Zeit erfüllen werden, wirst schweigen und nicht fähig sein zu reden bis zu dem Tag, an dem dies geschieht.“
Nach diesen Tagen aber empfing Elisabeth, seine Frau, und sie verbarg sich fünf Monate und sagte: „So hat mir der Herr getan; es war seine Absicht, meine Schmach (der Kinderlosigkeit) von mir wegzunehmen.“
Im sechsten Monat (des jüdischen Kalenders) wurde der Engel Gabriel („der vor Gott steht“) nach Nazareth zur Jungfrau Maria geschickt, die mit Joseph aus dem Hause David verlobt war. Er sagte zu ihr: „Gruß dir, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Du wirst empfangen im Leib und einen Sohn gebären. Du wirst ihn ‚Jesus’ rufen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; Gott wird ihm den Thron Davids geben, seines Vorvaters, und er wird als König herrschen über das Haus Jakob in die Äonen, und sein Königtum wird niemals zu Ende gehen.“ Da sprach Maria zu dem Engel: „Wie soll das gehen, da ich bisher noch mit keinem Mann Geschlechtsverkehr gehabt habe ?“ Der Engel sprach: „Heiliger Geist wird auf dich herabkommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; deshalb wird das Gezeugte heilig gerufen werden, Sohn Gottes. Elisabeth, deine Verwandte, hat trotz ihres Alters ebenfalls einen Sohn empfangen, und sie, die ‚unfruchtbar’ genannte, ist im sechsten Monat schwanger.“
Maria eilte in diesen Tagen ins Gebirge in eine Stadt Judäas. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte ihr Kind, der zukünftige Johannes, in ihrem Leib und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Sie rief mit großem Geschrei: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet sei die Frucht deines Leibes. Und woher wird mir dies zuteil, daß die Mutter meines Herren zu mir kommt ? Denn siehe, als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte das Kind mit Frohlocken in meinem Leibe“. Und selig ist die, welche geglaubt hat, daß sich erfüllen wird, was vom Herren zu ihr geredet worden ist.
Und Maria sprach: „Meine Seele lobt den Herren und mein Geist frohlockt über Gott, meinen Heiland’, daß er ‚hingesehen hat auf die Niedrigkeit seiner Magd’; denn siehe, von jetzt an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat mir der Mächtige getan, und ‚heilig ist sein Name’ und ‚seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten’. Er hat Macht geübt mit seinem Arm; ‚er hat zerstreut, die hochmütig sind’ in ihres Herzens Sinn; er hat Gewaltige von den Thronen gestoßen und Niedrige erhöht. ‚Hungrige hat er mit Gütern erfüllt’ und Reiche leer weggeschickt. Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, zu gedenken der Barmherzigkeit, wie er geredet hat zu unsren Vätern, gegenüber Abraham uns seiner Nachkommenschaft in Ewigkeit“. Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann heim.
Und
sein Vater Zacharias wurde von dem Heiligen Geist erfüllt und sprach aus
Eingebung: „ ‚Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels’; denn er hat sich
seines Volkes angenommen und ihm Erlösung bereitet und er hat uns aufgerichtet
ein Horn (Symbol der Stärke) des Heils in dem Hause Davids, seines Knechtes,
wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, die von Ewigkeit
her ausgesandt sind: Errettung von unseren Feinden und aus der Hand aller, die
uns hassen, Barmherzigkeit zu erweisen unseren Vätern und zu gedenken seines
heiligen Bundes, des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, uns
zu gewähren, daß wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ohne Furcht ihm dienen in Heiligkeit und
Gerechtigkeit vor ihm all unsere Tage. Aber auch du, Kindlein, wirst ein
Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Herren her gehen,
seine Wege zu bereiten, um seinem Volk die Erkenntnis des Heils zu geben, in
Vergebung ihrer Sünden wegen der mitleidsvollen Barmherzigkeit unseres Gottes,
womit auf uns der Sonnenaufgang aus der Höhe auf uns strahlen wird, um denen zu
leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen und um unsere Füße auf den
Weg des Friedens zu leiten“.
Das
Kindlein wuchs und wurde stark im Geist und war in der Einöde der Wüste von
Judäa bist zum Tage seines Auftretens vor Israel.
Die Zeugung von Jesus Christus war so: Als seine
Mutter Miriam (=Maria) dem Joseph als
Weib versprochen worden war, wurde sie, ehe die beiden miteinander
Geschlechtsverkehr hatten, schwanger vom Heiligen Geist
Joseph aber, ihr Mann, der gerecht war und sie
nicht bloßstellen wollte, beschloss, sie heimlich aus der Ehe zu entlassen.
Während er aber dies dachte, siehe, da erschien ihm im Traum ein Engel des
Herrn und sagte: „Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau
anzunehmen; dann das Kind, das sie in ihrem Leib trägt, ist vom Heiligen Geist
gezeugt. Sie wird einen Sohn gebären und du wirst ihn „Joshua“ (d. h. „Gott
rettet“) nennen, denn er wird sein Volk aus ihren Sünden retten. (Jesus ist die
lateinisierte Form von Joshua).
Das Ganze aber ist geschehen, damit das, was der
Herr durch den Propheten (Jesaja) gesagt hat: „Siehe die junge Frau wird
schwanger werden, und sie wird einen Sohn gebären und ihn mit Namen Emmanuel
rufen, das ist übersetzt: ‚mit uns ist Gott’“. Da stand Joseph vom Schlaf auf,
tat, wie ihm der Engel des Herren aufgetragen hatte und er nahm sie als seine
Frau an, und er hatte mit ihr keinen Sex, bis daß sie einen Sohn gebar, und er
rief ihn mit dem Namen Jesus.
Die Registrierung der Steuerbürger
Es geschah aber in jenen Tagen, daß vom Kaiser
Augustus eine Anordnung ausging, daß der ganze Erdenkreis vermögens- und
steuermäßig registriert werden solle. Diese erste Aufzeichnung und
Steuerschätzung geschah, als Quirinius (griech: Kyrenios) als Statthalter der
Römer in Syrien regierte. Und es gingen alle, um sich registrieren zu lassen,
jeder in seine Stadt. Auch Joseph ging von der Stadt Nazareth in Galiläa zur
Stadt Davids, welche Bethlehem genannt wird und in Judäa liegt, weil Joseph aus
dem Haus und dem Geschlecht Davids war, um sich registrieren zu lassen mit Maria,
seiner Verlobten, die schwanger war.
Es geschah aber, als sie dort waren, daß die
neun Monate der Schwangerschaft herum waren und sie einen Sohn als ersten Kind
gebar, und sie wickelte ihn und legte ihn nieder in einer Krippe, weil für sie
kein Platz in einer Unterkunft war. Und Hirten waren in jener Gegend im Freien
und hielten Nachtwachen bei ihrer Herde. Und ein Engel des Herren trat zu
ihnen, und die Herrlichkeit des Herren umstrahlte sie, und sie hatten große
Furcht. Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht; denn siehe, ich
verkünde euch große Freunde, welche dem ganzen Volk sein wird. Heute wurde euch
in der Stadt Davids ein Retter geboren, das ist der zum König der Juden
Gesalbte, der Herr. In dies ist für euch das Zeichen: Ihr werdet einen Säugling
finden, gewickelt und in einer Krippe liegend“. Unud plötzlich war mit dem
Engel eine Menge des himmlischen Heeres, die Gott lobten und sangen:
„Herrlichkeit für Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein
Wohlgefallen“. Und als die Engel von ihnen weggingen in den Himmel, da redeten
die Hirten untereinander: „Laßt uns doch nach Bethlehem gehen und das Ereignis
sehen, das uns der Herr kundtat. Und sie kamen eilends herbei, und sie fanden
Maria, Joseph und den Säugling, der in einer Krippe lag; als sie es sahen,
gaben sie Kunde über das Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und als sie all das hörten, was die Hirten ihnen sagten, staunten sie; Maria
aber bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten
kehrten zurück, lobten und verherrlichten Gott wegen allem, was sie gehört und
gesehen hatten, und ebenso, was zu ihnen geredet worden war.
Die Magier aus dem Osten
Als aber Jesus geboren wurde in Bethlehem in
Judäa zur Regierungszeit des Königs Herodes des Großen, da kamen Magier aus dem
Osten nach Jerusalem und sagten: „Wo ist der neugeborene König der Judäer ?
Denn wir sahen einen Stern im Osten, und wir kamen, um ihm zu huldigen“. Als
der König Herodes dies hörte, wurde er sehr verwirrt und ganz Jerusalem mit
ihm; und er versammelte alle Hohen Priester und Schriftkundigen des Volkes und
erkundigte sich bei ihnen, wo der zum König der Juden Gesalbte geboren werde.
Die aber sprachen zu ihm: „In Bethlehem in Judäa; denn es ist geschrieben durch
den Propheten: ‚Und du Bethlehem im Land Judäa, bist keinesfalls die geringste
unter den Fürstenstädten Judäas; denn aus dir wird herauskommen ein Führer,
welcher mein Volk Israel weiden wird’.“ Da rief Herodes heimlich die Magier und
erkundete bei ihnen genau die Zeit, in der Stern erschienen sei, und schickte
sie nach Bethlehem. Er sprach: „Geht hinein und forscht genau nach dem Kind !
Wenn ihr es aber gefunden habt, meldet es mir, auf daß ich komme und ihm
huldige“. Als diese aber den König hörten, gingen sie weg; und siehe, der
Stern, den sie im Ostens sahen, ging ihnen voran, bis er dorthin kam, wo das
Kind war, und dort blieb er stehen. Als sie aber den Stern sahen, wurden sie
mit großer Freude erfüllt. Und sie kamen in das Haus, sahen das Kind mit Maria,
seiner Mutter und fielen vor ihm nieder, um ihm zu huldigen. Sie öffneten ihre
Schatzbehälter und brachten ihm Geschenke dar, Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und
im Traum wurden sie unterwiesen, daß sie nicht zu Herodes zurückkehren sollten,
und sie entwichen auf einem anderen Weg aus dem Land.
Die Flucht nach
Ägypten
Als sie aber entwichen waren, siehe, ein
Engel des Herrn erschien Joseph im Traum und sagte: „Steh auf, nimm mit dir das
Kind und die Mutter und fliehe nach Ägypten, und sei dort, bis ich mit dir spreche; denn Herodes
will das Kind suchen, um es zu vernichten“. Joseph aber stand auf, nahm das
Kind und seine Mutter nachts und entwich nach Ägypten, und er war dort bis zum
Ende des Herodes, damit erfüllt werde, was der Herr durch den Propheten sagt,
nämlich: „Aus Ägypten rief ich meinen Sohn“.
Der Kindermord
von Bethlehem
Als Herodes sah, daß er von den Magiern
genarrt worden war, wurde er sehr zornig, und er schickte Leute aus und ließ
alle Knaben in Bethlehem und Umgebung töten, die zwei Jahre alt waren oder
darunter – gemäß der Zeit, die er bei den Magiern genau erkundet hatte. Da
wurde das erfüllt, was durch Jeremias, dem Propheten, gesagt worden war: „Eine
Stimme wurde in Rama gehört, Weinen und viel Klagen; Rachel beweinte ihre
Kinder, und sie wollte nicht getröstet werden, weil sie nicht mehr sind.“
Rückkehr aus
Ägypten
Als aber das Ende von Herodes gekommen war,
siehe, da erschien der Engel des Herren dem Joseph in Ägypten und sagte: „Steh
auf, nimm das Kind und seine Mutter und gehe in das Land Israel ! Denn es sind
die gestorben, die das Leben des Kindes auszulöschen versuchten“. Der aber stand
auf, nahm das Kind und seine Mutter und kam heim in das Land Israel.
Als Joseph hörte, daß Archelaos anstelle
seines Vaters Herodes als König über Judäa herrsche, fürchtete er sich, dorthin
zu gehen; unterwiesen im Traum, entwich er in den Landesteil Galiläa; dort
angekommen wohnte er in einer Stadt, genannt Nazareth, auf daß erfüllt würde,
was durch den Propheten gesagt worden war, daß Jesus der „Nazoräer“ genannt
werden wird.
So wurde alles erfüllt gemäß dem Gesetz des
Herren. Das Kind aber wuchs und wurde stark, und die Gnade Gottes war auf ihm.
Und als die acht Tage nach seiner Geburt vergangen waren, war es Zeit, ihn zu beschneiden; und er wurde Jesus (=„Joshua = der Retter“) genant, so wie er von dem Engel genannt wurde, schon bevor er im Mutterleib empfangen worden war.
Jesus als Säugling im Tempel
Und als Maria die Tage ihrer Reinigung gemäß dem Gesetz des Moses erfüllt hatte, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn Gott, dem Herren vorzustellen, so, wie es im Gesetz des Herren geschrieben steht: „Jedes männliche Kind, das den Mutterschoß öffnet, wird dem Herren geweiht und heilig werden“. Und sie wollten ein Opfer geben nach dem Gesetz des Herren: „Ein paar Turteltauben oder zwei Taubenjunge“.
Symeon begrüßt den Säugling
Jesus
Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem, dessen Name war Symeon, und dieser Mann war gerecht und fromm, und er wartete die Ermutigung Israels, und der Heilige Geist war auf ihm; und der Heilige Geist hatte ihm geweihsagt, er werde nicht den Tod sehen bevor er den Gesalbten des Herren sehen würde. Und er kam, erfüllt vom Heiligen Geist in den Tempel; und als die Eltern das Kind Jesus hereinführten, um nach der Gewohnheit des Gesetzes an ihm zu tun, nahm er es in seine Arme und pries Gott und sprach: „Jetzt entlässt du Sklaven, oh Gebieter, gemäß deinem Wort in Frieden, weil meine Augen dein Heil sehen, das du vor dem Angesicht aller Völker bereitet hast, ein Licht zur Offenbarung aller Völker und zur Herrlichkeit für dein Volk Israel“. Und sein Vater und seine Mutter staunten über das , was da über Jesus gesagt wurde. Und Symeon segnete sie, und er sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, vielen in Israel den Fall und die Auferstehung zu bringen. Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen werden wird – auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen aus vielen Herzen die Gedanken offenbart werden.
Die Prophetin Hanna redet über Jesus
Und da war auch noch eine Prophetin mit Namen Hanna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamme Aser; diese, weit vorgerückt im Alter, hatten sieben Jahre lang mit ihrem Mann zusammengelebt und war Jungfrau geblieben, und sie war vierundachtzig Jahre alt und Witwe; sie hatte sich nie vom Heiligtum entfernt, und sie diente mit Fasten und Beten nacht und Tag dem Herren. Und eben zu dieser Stunde trat sie hinein, lobte Gott und redete über Jesus zu allen, welche die Erlösung und Befreiung Jerusalems erwarteten.
Im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius war Israel in vier Staatsgebiete eingeteilt. Pontius Pilatus regierte (die römische Provinz) Judäa als Statthalter des Kaisers (denn Archelaos, einer der vier Teilherrscher über die Israelischen Länder, war von den Römern abgesetzt worden). Herodes Antipas, (nicht zu verwechseln mit Herodes dem Großen) war Landesteil-Herrscher von Galiläa (eines von den Römern teilweise abhängigen Satellitenstaates). Philipp aber, sein Bruder, war Landesteil-Herrscher der Ituraia und des trachonitischen Landes. Lysanias schließlich war Landesteil-Herrscher der Abilene.
Unter den Hohen Priestern Hannas und Kaiphas geschah das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Damals gingen die Leute aus Jerusalem und ganz Judäa und alle, die in der Umgebung des Jordan wohnten, hinaus zu Johannes, und sie wurden von ihm getauft im Jordan und bekannten bei der Taufe ihre Sünden. Er predigte eine Taufe der Umkehr, durch welche die Sünden erlassen wurden. Johannes, „der Täufer“, zog durch die ganze Umgebung des Flusses Jordan und verkündete in der Wüste von Judäa: „Kehrt um ! Denn der Gottesstaat ist nahegekommen“. Dies geschah gemäß dem, was im Buch Propheten Jesaja geschrieben steht: „Siehe, ich schicke meinen Boten vor deinem Angesicht her, der den Weg bereiten wird. Dies ist die Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Straßen gerade; jede Schlucht wird gefüllt werden und jeder Berg und Hügel wird niedrig gemacht werden, und es wird werden das Krumme zu Geradem und die rauhen zu glatten Wegen; und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.“
Er aber, Johannes, hatte sein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüfte; seine Nahrung war Heuschrecken und wilder Honig.
Als er die Volksmenge sah, die zu ihm hinausgekommen waren, um von ihm getauft zu werden, darunter viele Pharisäer und Sadduzäer, sagte er: „Ihr Brut von Nattern, wer zeigte Euch, vor dem kommenden Zorn Gottes zu fliehen ? Bringt also Früchte (d. h. Taten) hervor, die eurer inneren Umkehr würdig sind. Beginnt nicht zu sagen bei euch: „Wir sind Juden und stammen von Abraham ab; dadurch sind wir von Gott auserwählt und haben nichts zu fürchten.“ Ihr habt kein Monopol darauf, Juden zu sein. Gott könnte aus diesen Steinen Kinder Abrahams zum Leben erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen.“
Die Volksmengen befragten ihn: „Was sollen wir tun ?“. Er sagte: „Wer zwei Gewänder hat, soll eines einem geben, der keines hat; wer Nahrung hat, soll gleichermaßen tun. Es kamen Steuereintreiber, die getauft werden wollten, und sagten: „Lehrer, was sollen wir tun ?“. Er sagte zu ihnen: „Von den Steuerpflichtigen nicht mehr nehmen als euch zusteht.“ Zu Soldaten sagte er: „Mißhandelt und erpresst keinen, und begnügt euch mit euerem Sold.“
Die Leute erwarteten schon lange einen Messias, und alle fragten sich, ob nicht Johannes selbst der zum König Gesalbte sei. Die Pharisäer schicken Leute zu Johannes, die ihn fragten: „Mit welchem Recht taufst du und wäscht die Menschen von ihren Sünden rein, wenn du nicht der Christus bist, und auch nicht der Prophet Elias ? Wer bist du ?“. Da bekannte er: „Ich bin nicht der Gesalbte !“ Und sie fragten ihn: „Was denn ? Bist die Elia ?“ Er sprach: „Ich bin es nicht !“. „Bist du der Prophet ?“ Er antwortete: „Nein !“ Nun sprachen sie zu ihm: „Wer bist du denn ? – damit wir denen Antwort geben, die uns gesandt haben.“ Er sprach: „Ich taufe Euch mit Wasser, damit ihr eine innerliche Umkehr beginnt. Aber unter Euch steht einer, ein Stärkerer als ich. Ich bin nicht würdig, die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Er wird Euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen. Er wird seinen Dreschboden reinigen; das Getreide wird er in der Scheune sammeln, die Spreu aber wird er verbrennen mit unlöschbarem Feuer.“
Dies geschah zu Bethabara, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
Jesus kam von Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes sah Jesus auf sich zukommen und sprach: „Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt wegnimmt ! Ich erkannte ihn nicht, aber damit er Israel offenbar würde, kam ich um mit Wasser zu taufen.“ Johannes hinderte ihn aber, mit dem Volk getauft zu werden und sagte: „Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir ?“. Jesus antwortete: „Laß jetzt. Wir müssen das tun um unserer Bestimmung gerecht zu werden. Da ließ ihn Johannes in das Wasser steigen. Getauft stieg Jesus sofort aus herauf vom Wasser, der Himmel öffnete sich, und der heilige Geist stieg herab in Gestalt einer Taube auf Jesus herab; eine Stimme kam aus den Himmeln: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen fand.“
Johannes bezeugte es und sprach: „Ich sah den Heiligen Geist wie eine Taube vom Himmel herabsteigen und auf ihm bleiben. Der mich sandte, um mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: ‚Auf denjenigen, auf den du den Geist herabsteigen und bleiben siehst, der ist’s, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeuge, daß er der Sohn Gottes ist.“
Danach gingen Jesus und seine Jünger nach Judäa, und dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch Johannes taufte in Aenon nahe bei Salin, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen dort hin und ließen sich taufen. Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden.
Es erhob sich nun eine Streitfrage zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden wegen der Reinigung durch die Taufe. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: „Rabbi, der, welcher bei dir war jenseits des Jordan, für den du Zeugnis abgelegt hast, siehe, der tauft und jedermann kommt zu ihm. Er nimmt uns die Anhänger weg !“ Johannes antwortete: „Ein Mensch kann nur das nehmen, was ihm vom Himmel gegeben wird. Ich selbst habe gesagt, und ihr seid meine Zeugen: ‚Nicht ich bin der Gesalbte König der Juden, sondern ich bin nur sein Vorbote. Seine Braut ist Israel. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams, der dasteht und ihn hört, freut sich sehr, daß er die Stimme des Freundes hört. Mein Wunsch hat sich erfüllt und ich freue mich. Jesus muß wachsen, ich aber muß kleiner werden. Der von oben kommt, steht über allen; wer wie ich, von der Erde ist, der ist halt von der Erde und redet von der Erde. Wer aber aus dem Himmel kommt, ist über allen. Er bezeugt, was er gesehen und gehört hat, aber sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer aber sein Zeugnis annimmt, der bestätigt, daß Gott wahrhaftig ist. Der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; er redet aus der Fülle, den Gott gibt den Geist nicht nach begrenztem Maß. Der Vater leibt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“
Die ersten Jünger erkennen in Jesus den Messias
Am folgenden Tag stand Johannes wiederum da und zwei seiner Jünger. Als Jesus vorüberging, blickte Johannes auf ihn und sprach: „Siehe, das Lamm Gottes !“ Und die beiden Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. Jesus wandte sich um und sah sie nachfolgen. Da sprach er zu ihnen: „Was sucht ihr ?“ Sie sprachen zu ihm: „Rabbi (d .h. „Lehrer“), wo wohnst du ?“ Er sagte: „Kommt und seht !“ Sie kamen und sahen, wo er wohnte, und sie blieben jenen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den zweien.
Am folgenden Tag wollte Jesus nach Galiläa reisen; und er fand Philippos und sprach zu ihm: „Folge mir nach !“ Philippos aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und des Petrus. Philippos fand den Nathanael und sprach zu ihm: „Wir haben den gefunden, von welchem Moses und die Propheten geschrieben haben, Jesus den Nazoräer, den Sohn Josephs“. Und Nathanael sprach zu ihm: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen ?“ Philippos sprach: „Komm und sieh !“Jesus sah den Nathanael und sagte von ihm: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem keine Falschheit ist !“ Nathanael sprach zu ihm: „Woher kennst du mich ?“ Jesus sagte: „Ehe dich Philippos rief, als du unter dem Feigebaum warst, sah ich dich !“ Nathanael antwortete: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel !“ Jesus sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf des Menschen Sohn !“
Jesus, erfüllt vom heiligen Geist, wurde von ihm hinaufgeführt in die judäische Wüste, um vom Teufel auf die Probe gestellt zu werden. Jesus fastete vierzig Tage und Nächte, und zuletzt war er schwach vor Hunger. Der Teufel sprach zu ihm: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann laß diese Steine zu Brot werden“. Jesus antwortete: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von dem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ Da nahm ihn der Teufel mit in die heilige Stadt Jerusalem auf die Mauer des Tempels und sagte zu ihm: „Wenn du Gottes Sohn bist, stürze dich hinunter, denn es ist geschrieben: Auf Händen werden dich die Engel tragen, damit du nicht anstößt deinen Fuß an einem Stein.“ Jesus sagte ihm: „Es ist auch geschrieben: Nicht sollst du versuchen den Herrn, deinen Gott.“
Und der Teufel zeigte ihm einem einzigen Augenblick alle Königreiche der Erde und sagte: „Ich werde dir diese ganze Macht und ihre Herrlichkeit geben, weil sie mir übergeben ist, und wenn immer ich will, gebe ich sie dir, wenn du jetzt vor mir auf die Knie fällst und mir huldigst, und sie wird ganz dein sein.“ Jesus aber sagte: „Geh fort, Satan ! Denn es steht geschrieben: Dem Herrn, deinem Gott sollst Du huldigen und ihm allein dienen“. Da ließ in der Satan in Ruhe und Jesus war wieder allein mit den Tieren in der Wüste und die Engel dienten ihm.
Herodes Antipas, der Landesteil-Herrscher von Galiläa, schickte Leute aus, ließ Johannes ergreifen, binden und ins Gefängnis werfen. Der Grund war, daß Johannes dem Herodes gesagt hatte: „Du hast Herodias geheiratet, die Frau deines Bruders Philipp. Es ist nicht erlaubt, die Frau des Bruders zu heiraten.“ Herodias aber grollte Johannes und wollte ihn töten, aber sie konnte nicht, denn Herodes fürchtete Johannes, denn er kannte ihn als einen Mann, der gerecht und heilig war, und er beschützte ihn, und er hörte ihn gerne und war ratlos.
Als nun Jesus erfuhr, daß die Pharisäer gehört hatten, er mache mehr Jünger als Johannes und taufe sie - jedoch taufte Jesus aber nicht selbst, sondern seine Jünger – verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa. Er musste aber durch Samarien reisen.
Er kam nun in die Nähe einer Stadt namens Sychar, nicht weit von dem Stück Land, das Jakob seinem Sohn Joseph gegeben hatte. Dort war der Brunnen Jakobs. Jesus nun, von der Reise müde geworden, setzte sich an den Brunnen; es war um die sechste Stunde, Mittagszeit. Da kam eine Frau aus Samarien um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken“ (denn er hatte kein Gefäß, das er in den Brunnen hinablassen konnte). Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen. Die Frau sagte: „Wieso begehrst du, ein Jude, von mir, einer Samaritanerin, zu trinken ?“ (Denn Juden haben keine Verkehr mit Samaritanern). Jesus sagte: „Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest, und wenn du wüsstest, wer zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’ – dann würdest du ihn bitten: ‚Gib mir von dem Wasser des Lebens’ und er gäbe es dir“. Sie sprach zu ihm: „Herr, du hast ja keinen Eimer, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann das Wasser des Lebens ? Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh ?“ Jesus sagte: „Jeder, der von diesem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird in Ewigkeit keinen Durst haben, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird für ihn zu einer Quelle von Wasser werden, das sprudelt, um ewiges Leben zu spenden. Die Frau sprach zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit nicht dürste und hierher kommen muß, um zu schöpfen !“ Er sagte zu ihr: „Geh hin, rufe deinen Mann und komm hierher !“ Die Frau sagte: „Ich habe keinen Mann.“ Und Jesus: „du hast recht: du hast keinen Mann; denn du hast fünf Männer gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Du hast die Wahrheit gesagt“. Die Frau sagte: „Ich sehe, daß du ein Wahrsager bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg die Gottheit angebetet, und ihr sagt, Jerusalem sei der Ort, wo man Gott anbeten muß“. Jesus sagte zu ihr: „Weib, glaube mir, die Stunde kommt, wo ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen; denn das heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Die Frau sagte: „Ich weiß daß der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn er kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Jesus sprach zu ihr: „Ich bin es, der mit dir redet !“
Unterdessen kamen seine Jünger und wunderten sich, daß er mit einer Frau redete. Doch sagte keiner: „Ws hast du im Sinn ?“ oder : „Was redest du mit ihr ?“ Die Frau nun ließ ihren Wasserkrug stehen und ging in die Stadt und sagte zu den Leuten: „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe ! Sollte dies etwa gar der Christus sein ?“ Da gingen sie aus der Stadt hinaus und kamen zu ihm.
Inzwischen sagten ihn die Jünger: „Rabbi, iß !“ Er aber sagte: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt“. Die Jünger sagten nun zueinander: „Hat den jemand zu essen gebracht ?“ Jesus sagte: „Meine Speise ist die, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und dessen Werk ich vollende. Sagt ihr nicht: ‚Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte ?“ Siehe, ich sage euch, hebt eure Augen und schaut auf die Felder, sie sind schon weiß zur Ernte. Wer erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich Sähmann und Schnitter miteinander freuen. Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine säht, der andere erntet. Ich habe euch ausgesandt zu ernten, woran ihr nicht geerntet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.
Viele Samariter aus jener Stadt glaubten an ihn um der Rede der Frau willen, welche bezeugte: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe“. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb zwei Tage dort. Und noch viel mehr Leute glaubten um seiner Rede willen. Und zu der Frau sprachen sie: „Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen, wir haben selbst gehört und erkannt, daß dieser wahrhaftig der Retter der Welt, der Gesalbte ist !“
Jesus kehrte aus der Wüste zurück. Er machte mehr Schüler und seine Schüler tauften mehr Leute als Johannes. Jesus selbst freilich taufte nicht. Jesus erfuhr, daß die Pharisäer davon gehört hatten. Er hörte auch, daß Johannes ins Gefängnis übergeben worden war. Da entwich Jesus nach Galiläa. Er ließ Nazareth zurück; angekommen wohnte er in Kapernaum, der Stadt am See in den Gebieten von Zebulon und Naphtalim, damit sich die Prophezeiung des Jesaja erfülle.
Jesus predigte am See Genezareth und eine Volksmenge drängte sich um ihn. Zwei Fischerboote kamen an Ufer und die Fischer wuschen ihre Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das Simon, der später „der Fels“ (=Petros) genannt wurde, gehörte. Jesus bat ihn, ein kleines Stück vom Ufer wegzufahren. Im Boot sitzen lehrte er nun die Volksmengen. Als er aufgehört hatte zu reden, sagte er zu Simon Petrus: „Fahr hinaus ins tiefe Wasser und laßt euere Netze hinunter“. Simon sagte: „Wir haben uns die ganze Nacht lang abgemüht und nichts gefangen“. Er tat aber trotzdem wie Jesus sagte und fing so viele Fische, daß die Netze zerrissen, und auch das zweite Boot fing so viele Fische, daß sie randvoll waren und fast untergingen. Als Petrus das sah, fiel er vor Jesus auf die Knie und sagte: „Geh weg von mir, weil ich ein sündiger Mann bin, Herr.“ Erschreckt über den riesigen Fang war auch Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sowie Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus. Jesus sprach zu ihnen: „Auf, hinter mich ! Ich werde euch zu Menschenfischern machen“. Sie ließen auf der Stelle ihre Netze im Stich und folgten ihm.
Jesus auf der Hochzeit in Kana
Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort. Aber auch Jesu wurde samt seinen Jüngern zur Hochzeit eingeladen. Und als es an Wein mangelte, sprach die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein“. Jesus sagte zu ihr: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen ? Meine Stunde ist noch nicht gekommen !“ Seine Mutter sprach zu den Dienern: „Was er euch sagen wird, das tut !“ Es waren dort sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt, gemäß dem jüdischen Brauch, daß man sich reinige; jeder der Krüge fasste etwa zwei oder drei Eimer. Jesus sagte zu ihnen: „Füllt die Krüge mit Wasser !“ Und sie füllten sie bis oben. Und er sprach zu ihnen: „Schöpft nun und bringt es dem Küchenmeister !“ Und sie brachten es. Als aber der Küchenmeister, das Wasser, das zu Wein geworden war, gekostet hatte, wusste er nicht, woher es war. Aber die Diener wussten es.
Der Küchenmeister rief den Bräutigam und sagte zu ihm: „Jedermann setzt den Leuten zunächst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken sind, den schlechteren. Du aber hast den guten Wein biß jetzt aufgespart“.
Dies tat Jesus als Anfang seiner Wunderzeichen
und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Dann zog
er hinab in die am See Genezareth gelegene Stadt Kapernaum, er und seine Mutter und seine
Brüder und seine Jünger, und sie blieben nicht viele Tage dort.
Die Tempelreinigung
Und das Passahfest
der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Und er fand sie
sitzend im Vorhof des Tempels: die Verkäufer von Ochsen, Schafen und Tauben
(die als Opfertiere dienten) und die Geldwechsler (die das Geld in die Währung,
die nur im Tempel gültig war, umtauschten). Und er machte eine Geißel aus
Stricken und trieb sie alle aus dem Vorhof des Tempels hinaus, samt den Schafen
und Ochsen, und den Wechslern schüttete er das Geld aus und stieß ihnen die
Tische um, und zu den Taubenverkäufern sprach er: „Tragt das hier weg; macht
das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus !“
Seine Jünger
dachten daran, daß geschrieben steht: „Der Eifer für dein Haus wird mich
verzehren“. Das fragten die Juden ihn: „Was für ein Wunderzeichen kannst du uns
vorweisen, daß du dies tun darfst ?“ Jesus antwortete: „Brecht diesen Tempel ab
und in drei Tagen will ich ihn wieder erstehen lassen !“ Die Juden nun sagten:
„In 46 Jahren ist dieser Tempel gebaut worden, und du willst in in drei Tagen
aufrichten ?“ Er aber sprach vom Tempel seines Leibes. Später, als Jesus von
den toten auferweckt worden war, erinnerten sich die Jünger, daß er dies gesagt
hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Als er aber am
Passahfest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen („Joshua“, d. h.
„der Retter“), weil sie seine Wunderzeichen sahen, die er tat.
Jesus und Nikodemus
Es war aber ein
Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Vorsteher der Juden.
Dieser kam des Nachts zu Jesus und sagte zu ihm: „Rabbi, wir wissen, daß du als
Lehrer von Gott gekommen bist; die Wunderzeichen, die du tust, kann nur jemand
tun, mit dem Gott ist.“ Jesus antwortete: „Wenn jemand nicht von oben her neu
geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen !“ Nikodemus sagte: „Wie
kann ein Mensch neugeboren werden, wenn er schon alt ist ? Er kann doch nicht
zum zweitenmal in den Schoß seiner Mutter gehen und geboren werden ?“ Jesus
antwortete: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist neu geboren wird, dann kann
er nicht in das Reich Gottes eingehen ! Was aus dem Fleisch geboren wird, ist
Fleisch, was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Laß dich nicht
verwundern, daß ich dir gesagt habe: ‚Ihr müsst von neuem geboren werden ! Der
Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er
kommt, noch wohin er fährt. So geht es jedem, der von dem Wind des Geistes
ergriffen und neu geboren wird.“ Nikodemus sagte: „Wie kann das geschehen ?“
Und Jesus antwortete: „Du bist ein Lehrer Israels und verstehst das nicht ? Ich
rede von dem, was ich weiß und bezeuge, was ich gesehen habe, und doch nehmt
ihr mein Zeugnis nicht an. Wenn ich von irdischen Dingen zu euch geredet habe,
dann glaubt ihr mir nicht. Wie werdet ihr mir glauben, wenn ich von himmlischen
Dingen zu euch rede ? Niemand ist in den Himmel aufgestiegen außer dem, der aus
dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der wieder im Himmel sein
wird.
Als Moses in der
Wüste war, und die Leute an Schlangenbissen starben, sagte ihm Gott: ‚Mach dir
einen Schutzengel und steckte ihn auf eine Stange’. Da machte Moses eine
Schlange aus Metall und steckte sie auf eine Stange, und alle, die von einer
Schlange gebissen wurde, schauten hinauf zur Schlange und blieben am Leben. So
wird auch der Sohn des Menschen oben auf der Stange hängen, damit jeder, der an
ihn glaubt, das ewige Leben habe. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß
er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren
gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer
an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet,
weil er an den Namen („der Retter“) des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt
hat. Darin aber besteht das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist,
und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke
waren böse. Denn wer Böses tut, er haßt das Licht und kommt nicht zum Licht,
damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber gemäß der Wahrheit handelt,
der kommt zum Licht, damit offenbar werde, daß seine Werke in Gott getan sind“.
Jesus heilt am Sabbat am Teich Bethesda
In Jerusalem ist
am Schaftor ein Teich, der auf hebräisch „Bethesda“
genannt wird und der fünf Säulenhallen hat. In diesen lag eine große Menge von
Kranken, Blinden, Lahmen, Abgezehrten, welche auch die Bewegung des Wassers
warteten. Denn ein Engel stieg zu gewissen Zeiten in den Teich hinab und
bewegte das Wasser. Wer nun zuerst in die Bewegung des Wassers hineinstieg, der
wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch immer behaftet war. Es war aber ein
Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit zugebracht hatte.
Als Jesus ihn daliegen sah und erfuhr, daß er schon so lange an seiner Krankheit
gelitten hatte, sagte er zu ihm: „Willst du gesund werden ?“ Der Kranke
antwortete: „Ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das
Wasser bewegt wird; bis ich komme, steigt immer schon ein anderer vor mir
hinab.“. Jesus sprach: „Steh auf, nimm dein Bett und geh umher !“ Und alsbald
wurde der Mensch gesund, hob sein Bett auf und wandelte umher.
Es war Sabbat an
jenem Tage. Die Juden sagten nun zu dm Geheilten: „Es ist Sabbat, und es dir
nicht erlaubt, das Bett aufzuheben“. Er aber antwortete ihnen: „Der mich
geheilt hat, sprach zu mir: ‚Hebe dein bett auf und geh umher !’“ Sie fragen: „Wer ist der Mensch, der das zu
dir gesagt hat ?“ Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus war
entwichen, weil so viel Volk an dem Ort war. Danach fand ihn Jesus im Tempel
und sprach zu ihm: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit
dir nicht etwas Schlimmeres widerfährt !“ Der Mensch aber ging weg und sagte
den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. Und deshalb verfolgten
die Juden ihn, weil er dies an einem Sabbat getan hatte.
Jesus verteidigt sein Tun
Er aber begann und
sprach zu ihnen: „Mein Vater wirkt bis zum heutigen Tag Wunder, auch am Sabbat,
und ich wirke auch“. Darum suchten die Juden noch mehr eine Möglichkeit, ihn zu
töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen
Vater nannte, womit er sich Gott selbst gleich stellte. Da sagte Jesus zu
ihnen: „Der Sohn kann nichts aus sich selbst heraus tun, sondern nur das, was er
den Vater tun sieht; was dieser tut, das tut gleichermaßen auch der Sohn. Denn
der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird
ihm noch größere Werke zeigen als dies, sodaß ihr euch noch wundern werdet.
Denn wie der Vater die Toten aufweckt und lebendig macht, so macht auch der
Sohn lebendig, wen er lebendig machen will. Der Vater richtet auch niemanden,
sondern alle Gerichtsgewalt hat er dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn
ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater
nicht, der ihn gesandt hat. Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt
hat, der hat ewiges Leben du kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode
zum Leben hindurchgedrungen. Die Stunde kommt du ist schon da, wo die Toten die
Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben. Denn
wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne verliehen,
das Leben in sich selbst zu haben. Und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu
halten, weil er des Menschen Sohn ist. Verwundert euch nicht darüber ! Denn es
kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören
werden; und es werden hervorgehen, die das Gute getan haben, zur Auferstehung
des Lebens; die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.
Jesus
beruft sich auf Zeugen seiner göttlichen Sendung
Ich kann nichts
von mir selbst tun. Wie ich von der Stimme Gottes höre, so richte ich, und mein
Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen
dessen, der mich gesandt hat.
Wenn ich von mir
selbst aussage, dann sind meine Worte nicht wahr. Ein anderer ist es, der von
mir zeugt; und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er über mich ablegt. Ihr
habt Boten zu Johannes gesandt, und er hat die Wahrheit bezeugt. Ich aber nehme
das Zeugnis nicht von einem Menschen, sondern von Gott. Was ich zu sagen habe,
sage ich, damit ihr gerettet werdet. Johannes war eine brennende und scheinende
Leuchte, ihr aber wolltet euch nur eine Stunde an ihm ergötzen. Ich aber habe
eine Botschaft, welche größer ist als die des Johannes; denn die Werke, die mir
der Vater aufgetragen hat, diese Werke bezeugen, daß mich der Vater gesandt
hat. Und der Vater, der mich gesandt hat, hat meine Wundertaten vollbracht und
damit selbst von mir gezeugt. Ihr habt weder seine Stimme gehört noch seine
Gestalt gesehen, und sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt,
der ihn gesandt hat. Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, durch sie das
ewige Leben zu finden; aber sie sind es, die von mir zeugen. Und doch wollt ihr
nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen.
Ich bringe
Menschen nicht um ihre Ehre, aber bei euch habe ich erkannt, daß ihr in euch
nicht die Liebe Gottes habt. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, aber ihr
nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet
ihr annehmen. Wie könnt ihr gläubige Menschen sein, die ihr euch darum bemüht,
voneinander geehrt zu werden, aber nicht danach strebt, vom alleinigen Gott
Anerkennung zu finden ? Denkt nicht, daß ich euch bei dem Vater anklagen werde.
Wer euch anklagt, ist Moses, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn
ihr Moses glauben würdet, dann würdet ihr auch mir glauben, denn Moses hat über
mich geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr
meine Worte glauben ?“
Wieder in Galiläa
Nach zwei Tagen aber zog er von dannen und ging nach Galiläa. Jesus bezeugte zwar, daß ein Prophet in seinem eigenen Vaterland nicht geachtet werde. Als er aber nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem am Feste getan hatte; denn auch sie waren zum Fest gekommen.
Er kam aber nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte.
An den Sabbaten ging er in die Synagoge und lehrte die Leute. Sie gerieten außer sich über seine Lehre, denn er lehrte wie einer, der die Vollmacht hat (zu Wunder zu tun, Dämonen auszutreiben, Sünden zu vergeben). In der Synagoge war ein Mensch „in unreinem Geist“, und er schrie: „Was ist der Unterschied zwischen uns und dir, Jesus, Nazarener ? Kamst Du, um uns zu vernichten ? Ich kenne dich, ich weiß wer du bist: der Heilige Gottes !“ Und Jesus fuhr ihn an: „Verstumme und komm heraus aus ihm, (du unreiner Geist)“. Der Dämon zerrte an dem Besessenen und ließ ihn mit lauter Stimme schreien und kam heraus aus ihm. Die Anwesenden erschraken alle und stritten sich untereinander darüber, was man von Jesus halten sollte. Ein Teil von ihnen sagte: „Was ist dies ? Eine neue Lehre und einer, der Vollmacht hat; den unreinen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm.“ Und die Kunde über Jesus ging hinaus in jeden Ort der Umgebung.
Jesu ging aus der Synagoge hinaus und sie gingen in das Haus von Simon Petrus. Dort lag die Schwiegermutter des Petrus im Bett und hatte Fieber. Jesus berührte ihre Hand, trat oberhalb von ihr hin und fuhr das Fieber an; daraufhin verließ sie das Fieber; sie stand auf und diente ihm.
Als es Abend geworden war, brachten die Leute viel Kranke zu ihm und die Besessenen und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt; er legte jedem einzelnen die Hände auf. Er heilte viele, denen es schlecht ging, damit sich das Wort des Propheten Jesaja erfülle: „Er nahm unsere Schwachheiten, und die Krankheiten trug er.“
Jesus warf auch die Dämonen von vielen hinaus. Die Dämonen schrien und sagten: „Du bist der Sohn Gottes“. Jesus fuhr sie aber an und ließ sie nicht reden, weil sie wußten, daß er der Christus sei.
Morgens in aller Frühe, es war noch dunkel, ging er weg an einen einsamen Ort und betete dort. Simon Petrus und seine Jünger eilten ihm nach, fanden ihn und sagten: Alle suchen dich. Eine große Volksmenge kam zu ihm und die Leute hielten ihn fest, damit er nicht von ihnen weggehe. Jesus sagte aber zu ihnen: „Auch in anderen Städten muß ich das Königreich Gottes verkünden, weil ich dazu geschickt wurde.“
(Jesus liest in der Synagoge –
er ist kein Analphabet)
Von dort ging er hinaus in sein Vaterstadt Nazareth, wo er aufgezogen worden war. Gemäß seiner Gewohnheit ging er am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um der Gemeinde aus der heiligen Schrift vorzulesen. Es wurde ihm das Buch Jesajas gegeben, er öffnete das Buch und fand die Stelle, wo geschrieben steht: „Der Geist des Herren ist auf mit, deswegen, weil er mich salbte, eine frohe Botschaft zu verkünden den Armen. Er hat mich geschickt, Gefangenen Erlaß ihrer Strafen zu verkünden und den Blinden wieder ihr Sehvermögen zu geben und ein angenehmes Jahr des Herren zu verkünden.“ Jesus rollte das Buch zusammen, gab es dem Diener zurück und setzte sich. Aller Augen in der Synagoge starrten auf ihn. Er aber begann zu sprechen und sagte ihnen: „Heute ist diese Schrift erfüllt worden vor eueren Ohren“. Viele, die das hörten, waren empört und sagten: „Woher hat er dies, und Kraft welcher Weisheit ? Ist er nicht der Zimmermann und Sohn eines Zimmermannes, Sohn der Maria und Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon ? Und sind nicht seine Schwestern alle hier bei uns ? Und sie nahmen Anstoß an ihm. Wegen ihres Unglaubens konnte er dort in Nazareth keine Wundertaten tun, außer daß er einigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte. Jesus sprach zu ihnen: „Gewiß werdet ihr mir jetzt sagen: ‚(Wir sind der Ansicht:) Jeder ist sich selbst der beste Arzt. (Wir brauchen also deine Hilfe nicht’. Und ihr werdet spotten:) ‚Vollbringe doch auch in deiner Vaterstadt solche Wunder wie in Kapernaum, von denen wir so viel hörten.’ Ein Prophet wird überall geehrt, außer in seiner Vaterstadt und bei seinen Verwandten in seinem Haus. Kein Prophet ist genehm in seiner Vaterstadt.“
Jesus zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen und verkündete die frohe Botschaft des Reiches Gottes und heilte viele Menschen, sodaß eine Volksmenge über ihn herfiel, um ihn zu berühren, weil Kraft von ihm ausging und er alle heilte. Und die unreinen Geister, wann immer sie ihn erblickten, fielen nieder vor ihm und schrieen: „Du bist der Sohn Gottes.“
Jesus, der inzwischen eine große Menge von Schülern um sich geschart hatte, entwich mit ihnen zum See Genezareth. Aber es folgten ihm eine große Menge von Leuten, die aus Galiläa und noch von viel weiter her gekommen waren: Aus dem Gebiet der zehn griechischen Städte, aus Judäa und Jerusalem, von der Idumaia und von jenseits des Jordans und von der Mittelmeerküste aus der Gegend von Tyros. Sein Ruf ging bis nach Syrien.
Als ein Mann, voller Aussatz, Jesus sah, warf er sich aufs Gesicht und bat ihn: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen“. Jesus berührte seine ausgestreckte Hand und sagte: „Ich will, werde gereinigt !“ Und sogleich ging der Aussatz von ihm. Jesus gebot ihm: „Sprich zu keinem darüber. Zeige dich dem Priester, damit du es ihnen bezeugst (daß ich dich geheilt habe) und bring eine Gabe dar für deine Reinigung, wie es das Gesetz Mose verordnet.
Der Mann aber ging hinaus und begann viel herumzuerzählen, sodaß Jesus nicht mehr in einen Ort hineingehen konnte, ohne von einer Menschenmenge bedrängt zu werden. Jesus zog sich in die Einöde zurück und betete. Aber auch an diesen einsamen Orten spürte ihn die Volksmenge, die von überall her kam, auf.
Jesus fuhr mit einem Boot in seine Stadt Kapernaum. Als die Leute hörten, daß er im Haus sei, kamen viele Menschen zusammen, sodaß es vor der Tür keinen Platz mehr gab. Jesus predigte und erteilte ihnen Unterricht. Es saßen auch unter den Zuhörern Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem kamen. Und die Kraft des Herren war ihm gegeben, daß er heile. Man brachte ihm auf einer Bahre einen Gelähmten, vier Leute trugen ihn. Aber sie konnten nicht in das Haus hineinkommen, weil die Menschenmenge den Eingang blockierte. Deshalb stiegen sie von hinten auf das Dach, entfernten die Ziegel und ließen die Bahre mit dem Kranken hinab, mitten in den Raum vor Jesus. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: „Mensch, erlassen sind dir deine Sünden“. Einige Schriftkundige saßen dort dabei und überlegten in ihrem Herzen: Das ist Gotteslästerung ! Wer außer Gott kann die Sünden erlassen ? Jesus erriet ihre Gedanken und sagte: „Weshalb denkt ihr Böses in euerem Herzen ? Was ist müheloser: Zu einem Gelähmten zu sagen: ‚Deine Sünden werden dir erlassen, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Bahre und gehe umher ?’ Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde die Sünden zu erlassen“ - Jesus wandte sich an den Gelähmten - „Dir sage ich, steh auf, trag deine Bahre und gehe in dein Haus !“. Der stand vor ihren Augen auf, nahm die Tragbahre und ging nach Hause. Entsetzen fasste alle und sie verherrlichten Gott und erfüllt von Furcht sagten sie: „Wir haben heute Ungeheuerliches gesehen.“
Jesus sah den Zöllner Levi, genannt Matthäus, bei der Zollstelle sitzen und sagte zu ihm: „Folge mir !“ Und dieser ließ alles zurück und folgte ihm. Levi bereitete Jesus und seinen Schülern ein Gastmahl in seinem Haus und es kamen viel Zöllner und Sünder. Wie bei den Römern üblich, lag man auf Sofas neben den Tischen. Die Pharisäer und ihre Schriftkundigen sagten zu den Schülern Jesu: „Mit Zöllnern und Sündern zusammen ißt er !“ Jesus antwortete: „Die Starken brauchen keinen Arzt, sondern diejenigen, denen es schlecht geht. Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zur Umkehr zu rufen, sondern die Sünder.“
Die Schüler des Johannes und die Pharisäer fasteten. Die Leute kamen zu Jesus und sagten: „Warum fasten deine Schüler nicht ?“ Jesus sagte: „Können die Söhne des Brautgemaches, während der Bräutigam bei ihnen ist, fasten ? Es werden Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein, und sie werden an jenen Tagen fasten.“
Keiner reißt aus einem neuen Gewand einen Fetzen heraus um ihn als Flicken auf ein altes Gewand zu setzen. Wenn er es doch tut, wird er das neue Kleid zerreißen, und mit dem alten wird es nicht zusammenstimmen. Keiner schüttet jungen Wein in alte Leder-Schläuche, denn sie werden zerreißen und der Wein und die Schläuche sind kaputt. Man muß neuen Wein in neue Schläuche schütten.
In jener Zeit ging Jesus an den Sabbaten durch die Saaten; seine Schüler aber hungerten und begannen, die Ähren zu rupfen, zerrieben sie mit den Händen und aßen sie. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu ihm: „Deine Schüler tun, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist. Jesus sagte zu ihnen: „Hab ihr nicht gelesen, was David tat, als er und die mit ihm waren hungerten: Er ging in das Haus Gottes, das dem Hohepriester Abjathar unterstellt war, nahmen die ausgestellten Brote, die nur die Priester essen durften, und gab sie seinen Leuten. Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch wegen das des Sabbats; daher: Der Menschensohn ist Herr auch des Sabbats.“
An einem Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte. Es war ein Mann dort, dessen rechte Hand war abgestorben. Die Schriftkundigen und Pharisäer lauerten darauf, ob Jesus am Sabbat heilen würde, damit sie etwas fänden, damit sie ihn anklagen konnten. Er aber wußte ihre Überlegungen. Trotzdem sagte er zu dem Mann mit der abgestorbenen Hand: „Steh auf, stelle dich in die Mitte“. Jesus wandte sich an die Pharisäer: „Stellt Euch vor, ein Mann hat ein einziges Schaf, und wenn dieses an einem Sabbat in eine Grube fällt, wird er es dann nicht ergreifen und wieder aufrichten ? ist es erlaubt, an den Sabbaten Gutes oder Schlechtes zu tun, ein Leben zu retten oder zu töten ?“ Jesus schaute sie ringsum an und war voll Zorn, ganz betrübt über die Verstockheit ihres Herzens. Dann sagte er zu dem Mann: „Strecke die Hand aus !“, und seine Hand wurde wiederhergestellt. Die Pharisäer waren aber nach wie vor erfüllt von Unverstand und beredeten untereinander und mit den Anhängern des König Herodes Antipas, was sie tun könnten gegen Jesus, um ihn zu vernichten, und sie faßten einen Beschluß. Jesus erkannte aber, daß sie etwas gegen ihn im Schilde führten und verließ die Gegend und ging zum See Genezareth.
Jesus sah die Volksmengen, stieg auf einen Berg hinauf, und als er sich gesetzt hatte, kamen zu ihm seine Schüler und er öffnete den Mund und lehrte sie:
Die Selgipreisungen: Selig sind die Armen, denn ihnen gehört das Reich Gottes im Himmel. Selig sind diejenigen, die jetzt weinen, denn sie werden lachen. Selig sind die Trauernden, denn sie werden ermutigt werden. Selig sind die Sanften, denn sie werden die Erde erben. Selig sind diejenigen, die jetzt hungern, denn sie werden gesättigt werden. Selig sind die, die nach Gerechtigkeit dürsten, denn ihr Durst wird gelöscht werden. Selig sind die, die sich erbarmen, denn sie werden Erbarmen finden. Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen. Selig sind die, die Frieden schaffen, denn sie werden Söhne Gottes gerufen werden. Selig sind die, die wegen ihres gerechten Verhaltens verfolgt werden, denn ihnen ist das Königreich der Himmel. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, wenn sie euch ausschließen und hinauswerfen und eueren Namen als schlecht schmähen wegen des Sohnes des Menschen, denn so verfolgte man schon die Propheten zur Zeit der Vorväter; freut euch an jenem Tag und hüpft, denn euer Lohn ist groß im Himmel.
Das Salz der Erde und das Licht der Welt: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz schal wird, mit was wird dann gewürzt werden ? Zu nichts hat es mehr Kraft, weder für die Erde noch für den Mist ist es tauglich, es wird hinausgeworfen und zertreten werden von den Menschen. Wer Ohren hat, zu hören, der höre: Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt , die auf einem Berg liegt, kann sich nicht verbergen. Man zündet auch keine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder stellt sie unters Bett, sondern man stellt sie auf den Leuchter, damit sie allen im Haus leuchte und damit jeder, der hereinkommt, das Licht sieht. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure rechten Werke sehen und eueren Vater im Himmel verherrlichen.
Erfüllung von Gesetz und Propheten: Meint nicht, daß ich kam, um aufzulösend as Gesetz oder die Propheten; ich kam nicht um aufzulösen, sondern um zu erfüllen. So sei es, denn ich sage euch: Bis vergeht der Himmel und die Erde, nicht ein einziges I-Tüpfelchen oder ein einziges Komma wegfällt vom Gesetz, bis alles geschieht. Wer immer also auflöst ein einziges dieser geringsten Gebote und lehrt so die Menschen, der wird der Geringste wird er genannt werden im Königreich des Himmels; wer aber immer gemäß dem Gesetz handelt und es so lehrt, wie es ist, dieser wird groß gerufen werden im Reich des Himmels. Denn ich sage euch: Wenn nicht überfließt euere Gerechtigkeit mehr als die der Schriftkundigen und Pharisäer, dann werdet ihr nicht hineingehen in das Königreich des Himmels.
Vom Morden und vom Zürnen: Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt wurde: Du sollst nicht morden ! Wer immer mordet, wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder spricht: „Tor“, der wird den Richtern verfallen sein. Wer aber immer sagt: „Törichter“, der wird in der Hölle des Feuers sein. Wenn du deine Gabe zum Altar hinbringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas hat gegen dich, laß dort deine Gabe vor dem Altar und geh zuerst fort, versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm zurück und bringe deine Gabe dar. Warum kommt ihr nicht von selbst zum rechten Urteilen und Handeln ? Sei deinem Partner wohlgesonnen, und zwar schnell, solange du mit ihm auf dem Weg bist um einen Handel beglaubigen zu lassen, damit dich der Partner nicht dem Richter übergeben wird, und der Richter dich dem Diener übergibt und du ins Gefängnis geworfen wirst. Ich sage Dir, dort wirst du nicht herauskommen, bis du die letzte Cent-Münze zurückgegeben hast.
Vom Ehebruch: Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: „Du sollst nicht ehebrechen !“ Ich aber sage euch: Jeder der eine Frau ansieht um sie zu begehren, brach schon die Ehe mit ihr in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dir Anstoß gibt, reiß es aus und werf es von dir ! Denn es ist besser für dich, als Einäugiger ins Reich Gottes hineinzugehen als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine recht Hand oder dein Fuß dir Anstoß gibt, schlag sie ab und wirf sie von dir ! Denn es ist nützlicher für dich, daß du als Krüppel oder Lahmer durchs Leben gehst, als daß du mit zwei Händen und zwei Füßen ins ewige Feuer hineingehst!
Von der Ehescheidung: Gesagt wurde: Wer immer seine Frau entläßt, gehe ihr eine Scheidebrief. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau aus der Ehe entläßt, ausgenommen auf Grund von Unzucht, macht sie zur Ehebrecherin, wenn sie einen anderen heiratet. Wer immer eine geschiedene Frau heiratet, begeht Ehebruch.
Vom Schwören: Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: „Die sollst nicht eidbrüchig werden, sondern du sollst dem Herren deine Eide erfüllen !“ Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören ! Weder beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, noch bei der Erde, denn sie ist die Fußbank seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs; schwöre auch nicht bei deinem Kopf, denn du kannst kein einziges Haar wachsen lassen. euer Wort soll sein : ja, ja, nein, nein; mehr als dieses ist vom Bösen.
Vom Widervergelten: Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: „Auge um Auge, Zahn um Zahn !“ Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen ! Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann wende ihm die andere zu ! Und dem, der willens ist, mit dir einen Rechtsstreit anzufangen und dir dein Untergewand zu nehmen, laß ihm auch dein Obergewandt ! Wenn dich einer bittet, dann gib ihm, und den, der sich etwas von dir leihen will, weise nicht ab !
Von der Feindesliebe: Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: „Liebe Deinen Nächsten und hasse deinen Feind“. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, tut Gutes denen, die euch hassen, segnet, die euch verfluchen, betet für die, die euch schmähen, damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet. Denn läßt er seine Sonne aufgehe über Böse und Gute und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nur die liebt, welchen Dank werdet ihr haben ? Lieben nicht auch die Sünder ihre Lieben. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr hofft, daß sie es zurückgeben, wie wird euch das Gott danken ? Auch die Sünder leihen den Sündern, wenn sie wissen, daß sie eine Gegenleistung erhalten. Und wenn ihr eure Brüder grüßt, was ist daran so besonderes ? Tun nicht die Heiden dasselbe ? Liebt euere Feinde und tut ihnen Gutes; leiht ohne etwas zurück zu erhoffen; dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, weil er gütig ist zu den undankbaren und Bösen. Werdet barmherzig, so wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.
Vom barmherzigen Tun: Achtet darauf, euere guten Werke nicht vor den Menschen zu tun, um gesehen zu werden von ihnen; wenn ihr es doch tut, werdet ihr keinen Lohn haben bei euerem Vater im Himmel. Wenn du also eine Wohltat tust, trompete sie nicht vor dir her wie es die Heuchler in den Synagogen tun und in den Gassen, damit sie von den Menschen verherrlicht werden; so sei es, ich sage euch: Ihr Lohn ist weg ! Wenn du aber eine Wohltat tust, dann soll die linke Hand nicht erfahren, was die rechte Hand tut, damit deine Wohltat im Verborgenen ist.; und dein Vater im Himmel, der das Verborgene sieht, wird dir vergelten.
Vom Beten: Wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Straßenecken zu stehen und zu beten, auf daß sie leuchten vor den Menschen; so sei es, ich aber sage euch: Ihr Lohn ist weg ! Du aber, wenn du betest, geh hinein in deine Kammer, verschließ deine tür, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Das Vater-Unser: Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heiden; denn sie meinen, daß sie in ihrer Vielrederei erhört werden. Gleicht euch also ihnen nicht an; denn euer Vater weiß, woran ihr Bedarf habt, noch bevor ihr ihn bittet.
So nun sollt ihr beten: „Unser Vater in den Himmeln, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden; unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Sünden wie wir vergeben unseren Schuldnern; und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns vor dem Bösen“.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen erlaßt, dann wird auch euer himmlischer Vater euch die Sünden erlassen; wenn ihr aber nicht vergebt, dann wird euch auch Gott nicht vergeben.
Vom Fasten: Wenn ihr fastet, werdet nicht wie die mürrischen Heuchler; denn sie machen ihre Gesichter unansehnlich, damit jeder sieht, wie sie fasten; so sei es, ich aber sage euch: Ihr Lohn ist weg ! Du aber salbe deinen Kopf, wenn du fastest und wasche dein Gesicht; damit man nicht sieht, daß du fastest, damit dein Vater, der im Verborgenen ist und das Verborgenen sieht, es dir vergilt.
Vom Schätzesammeln: Sammelt keine Schätze auf der Erde, wo sie nur Motte und Wurm vernichten und wo Diebe einbrechen und stehlen. Verkauft euren Besitz und gebt den Armen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Mote noch Wurm vernichten, und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen; denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Vom Auge als Leuchte des Leibes: Die Leuchte des Leibes ist das Auge. Wenn dein Auge lauter ist, wird dein ganzer Leib licht sein; wenn das Aug aber böse ist, wird dein ganzer Leib finster sein. Achte nun darauf, daß Licht in dir ist und daß es in dir keinen finsteren Teil gibt, dann wird dein Leib ganz licht sein, wie wenn der Strahl einer Lampe dich erleuchtet.
Vom Dienst für zwei Herren: Keiner kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen, und den anderen wird er lieben, oder er wird den einen sich halten und den anderen wird er verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Vom Sorgen: Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollte oder was ihr trinken sollt, und nicht um eueren Leib, was ihr anziehen sollt ! Ist das Leben nicht mehr als Nahrung und der Leib nicht mehr als das Gewand ? Schaut auf zu den Vögeln des Himmels: sie sähen nicht und sie ernten nicht noch sammeln sie Scheuern, und euer himmlischer Vater ernährt sie; um wieviel mehr unterscheidet ihr euch von den Vögeln. Wer von euch kann, indem er sich sorgt, seinem Lebensalter eine einzige Elle zulegen ? Und warum sorgt ihr euch um ein Gewand ? Beobachtet die Lilien auf dem Acker, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht aber noch spinnen sie; ich aber sage euch: Selbst Salomon in seiner Herrlichkeit mit all seinen prächtigen Gewändern war nicht so schön wie eine dieser Lilien. Wenn Gott aber die Gewächse des Ackers, die heute sind und morgen in den Ofen geworfen werden, so kleidet, wird er dann euch nicht noch viel mehr kleiden, ihr Kleingläubigen ? Sorgt euch nicht und sagt nicht: Was sollen wir essen ? Was sollen wir trinken ? oder: „Womit sollen wir uns umkleiden ? Denn alles dies erstreben die Völker der Welt; euer Vater weiß, daß ihr dessen bedürft. Sucht aber zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hingelegt werden. Sorgt euch nicht für das Morgen, denn das Morgen wird für sich sorgen.
Vom Richten: Verurteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet ! Denn mit dem gleichen Richtspruch, mit dem ihr richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Befreit, und ihr werdet befreit werden; gebt, und euch wird gegeben werden. Ein gerechtes Maß wird man euch in eueren Schoß geben, ein gedrücktes, ein geschütteltes, ein überfließendes: Mit dem Maß, mit dem ihr meßt, werdet ihr gemessen werden. Was siehst du den Span im Auge deines Bruders, den Balken aber im eigenen Auge siehst du nicht ? Oder wie kannst du deinem Bruder sagen: „Ich möchte den Span aus deinem Auge herausziehen „ - wenn du den Balken im eigenen Auge nicht beachtest. Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann wirst du zusehen, den Span aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.
Von der Entweihung des Heiligen: Gebt nicht das Heilige den Hunden und werft die Perlen nicht vor die Säue, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.
Kommentar: Dies bedeutet, daß die Lehren der Bergpredigt nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind, sondern nur für den inneren Kreis der Anhänger Jesu. Jesus hat deshalb die Bergpredigt nicht vor einer großen Volksmenge gehalten, sondern im engen Kreis seiner ergebendsten Jünger.
Vom Bitten und von der Erhörung: Bittet, und euch wird gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopft an und euch wird aufgetan werden. Oder wer von euch ist ein Mensch, der seinem Sohn, der ihn um Brot bittet, einen Stein übergeben wird ? Oder wenn er euch um einen Fisch bittet, werdet ihr ihm dann eine Schlange geben ? Wenn schon ihr, die ihr böse seid, eueren Kindern gute Gaben gebt, um wieviel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn um den heiligen Geist bitten.
Die „goldene Regel“: Alles, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, so tut auch ihr ihnen ! Denn dies ist das Gesetz und die Propheten.
Von den zwei Wegen: Es einer zu ihm: Herr, ob es nur wenige sind, die gerettet werden ? Der aber sprach zu ihnen: Breit ist das Tor und breit ist der Weg, der ins Verderben führt, und viele gehen durch das breite Tor und den breiten Weg. Wie eng ist das Tor, und wie schmal ist der Weg, der ins Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden. Kämpft, durch die enge Tür hineinzugehen, denn viele werden versuchen hineinzugehen, es aber nicht vermögen.
Warnung vor Lügenpropheten: Nehmt euch in Acht vor den Lügenpropheten, welche zu euch kommen wie der Wolf im Schafspelz. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Man sammelt doch nicht Weintrauben von Dornenhecken und erntet nicht von den Disteln Feigen. Ein guter Baum bringt keine bösen Früchte. Wenn der Baum aber nicht gut ist, bringt er faule Frucht; er wird ausgehauen und ins Feuer geworfen.
Warnung vor Selbsttäuschung: Nicht jeder, der mich „Herr, Herr“ ruft, wird in das Reich des Himmels eingehen, sondern nur der, der den Willen des Vaters tut. Viele werden zu mir an jenem Tag sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophezeit, und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder vollbracht ? Und dann werde ich ihnen bekennen: Niemals kannte ich euch; geht weg von mir, denn ihr habt ohne Berechtigung gewirkt.
Das Gleichnis vom Hausbau: (Gleichnis2) Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, der gleicht einem Menschen, der eine Haus baut, das in einem tief gegrabenen Fundament auf Felsen steht. Da können die Stürme wehen, da kann der Regen herabkommen, und die Flüsse können über die Ufer treten und es wird nicht einstürzen. Aber jeder, der meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichtem Mann, der sein Haus ohne Fundament auf Sand baut.
Die Wirkung der Bergpredigt: Jesus beendete seine Worte, und die Volksmengen gerieten außer sich über seine Lehren, denn er lehrte wie einer, der die Vollmacht hat und nicht wie die Schriftkundigen.
Als er hineinkam nach Kapernaum, bat ihn ein königlicher Beamter – (andere sagen: ein römischer Hauptmann, der das jüdische Volk liebte und ihnen sogar eine Synagoge gebaut hatte): „Herr, mein teurer Sklave (oder war es sein Sohn ?) liegt gelähmt im Haus und ist arg gequält.“ Da sagte Jesus: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, dann glaubt ihr nicht !“ Da sagte der Mann: „Ich glaube, er stirbt“. Jesus sagte: „Ich werde kommen und ihn heilen“. Der Hauptmann sagte: „Ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach hineinkommst, aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Sklave geheilt. So, wie ich die Macht habe, meinen Soldaten und meinen Sklaven zu befehlen, so befielst du ebenfalls.“ Und Jesus sagte: „Gehe hin, dein Sohn lebt !“ Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sprach, und ging hin. Als Jesus das hörte, staunte er und sagte: „Bei keinem fand ich so großen Glauben in Israel“. Und zu dem Hauptmann sagte er: „Geh fort. So wie du glaubtest, so soll dir geschehen. Und sein Sklave wurde in jener Stunde geheilt. Als der Mann aber unterwegs war, kamen ihm die Knechte entgegen und verkündeten ihm: „Dein Sohn lebt !“
Er ging in die Stadt Nain, und mit ihm gingen seine Jünger und eine große Volksmenge. Als er nahe das da Tor der Stadt kam, wurde der einzige Sohn einer Mutter herausgetragen, der gerade gestorben war. Sie selbst war Witwe, und eine große Volksmenge aus der Stadt war mit ihr. Als Jesus sie sah, erbarmte er sich über sie und sagte: „Weine nicht !“ Er trat an den Sarg und berührte ihn. Die Träger blieben stehen und Jesus sprach: „Junger Mann, dir sage ich: Stehe auf!“ Und der Tote setzte sich auf und begann zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Alle ergriff Furcht, und sie priesen Gott und sagten: „Ein großer Prophet ist unter uns. Gott hat nach seinem Volk geschaut.“ Und dieses Wort über ihn ging in ganz Judäa und in die ganze Umgebung hinaus.
Johannes war zu dieser Zeit im Gefängnis, und seine Schüler berichteten ihm über alles, was Christus tat. Johannes schickte zwei Schüler zu Jesus, die fragten: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten ?“ In jener Stunde heilte Jesus viele von Krankheiten und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er zu sehen. Jesus sagte: „Meldet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen umher, Aussätzige werden gereinigt und Taube hören, Tote werden erweckt, den Armen wird das Evangelium verkündet und selig ist, wer immer nicht Anstoß an mir nimmt.
Als die Boten des Johannes weggingen, begann Jesus zu den Volksmengen über Johannes zu reden: „Was kamt ihr heraus in die Öde um zu sehen ? Ein Rohr, vom Wind geschüttelt ? Einen Menschen, in weiche Gewänder gekleidet ? Die sich glanzvoll kleiden und in Schwelgerei leben sind in den Königspalästen. Doch, was kamt ihr heraus um zu sehen ? Einen Propheten ? Ja, ich sage euch, mehr als einen Propheten. Dieser ist es, über den geschrieben ist: ‚Siehe, ich schicke meinen Boten vor deinem Angesicht her, der herrichten wird deinen Weg vor dir’. Ich sage euch, unter denen, die eine Frau geboren hat, ist keiner größer als Johannes der Täufer. Der Kleinere im Reich Gottes ist größer als er“. Das ganze Volk, das es hörte und die Zöllner gaben Gott recht und wollten sich taufen lassen mit der Taufe des Johannes. Die Pharisäer aber und die Gesetzeskundigen wiesen aber den Ratschluß Gottes für sich selbst ab und wollten sich nicht taufen lassen.
Mit wem soll man solche Leute wie die Pharisäer vergleichen ? Sie sind wie Leute, die nicht tanzen, obwohl auf dem Marktplatz Flöte gespielt wird, und die nicht weinen, wenn Klagelieder gesungen werden. Johannes der Täufer ist gekommen, er aß kein Brot und trank keinen Wein, und sie sagten: „Er ist von einem Dämon besessen“. Jetzt kam Jesus, und er aß und trank. Ihn nannten sie einen Fresser und Weinsäufer, er ist ein Freund der Zöllner und Sünder, denn die Zöllner und Dirnen glaubten ihm. Die Pharisäer aber erkannten nur ihre eigene Weisheit als richtig an, und bis zuletzt bereuten sie nicht ihren Unglauben. Ab er an den Taten erkennt man, wer ein Kind der Weisheit ist.
Und es geschah in der folgenden Zeit, daß er Stadt und Dorf durchreiste und das Evangelium und das Reich Gottes verkündigte, und mit ihm die zwölf Jünger; und einige Frauen, die geheilt worden waren von bösen Geistern und Krankheiten, Maria, die Magdalenerin gerufen, aus der sieben Dämonen herausgekommen waren, und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, welche ihm dienten aus ihrem Besitz.
Unterwegs begegnete ihnen ein Schriftkundiger, der zu Jesus sprach: „Rabbi, ich werde dir folgen, wo immer du hingehst“. Jesus sprach zu ihm: „ Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, der Menschensohn hat aber nichts, wohin der den Kopf lege.“
Ein anderer Mann wollte ihm ebenfalls nachfolgen, sagte aber: „Herr, erlaube mir, zuerst fortzugehen und meinen Vater zu begraben.“ Jesus aber sagte zu ihm: „Folge mir, und laß die Toten ihre Toten begraben.“
Gegen Abend stieg Jesus in ein Boot und sagte zu seinen Jüngern: „Laßt uns hinüberfahren auf die gegenüberliegende Seite des Sees !“ Und sie ließen die Volksmenge zurück, und mit ihm fuhren andere Boote. Als sie auf dem See waren, begann ein großer Sturmwind herab auf den See zu wehen, der See wurde sehr unruhig und Wellen überfluteten sie und sie waren in Gefahr. Jesus lag aber im Heck und schlief auf einem Kopfkissen. Sie weckten ihn und sagten: „Meister, Meister, warum kümmerst du dich nicht darum, daß wir zu Grunde gehen ? Rette uns, oder wir werden vernichtet !“ Und er sagte zu ihnen: „Was seid ihr feige, ihr Kleingläubigen ! Glaubt ihr noch nicht ?“ Und er fuhr den Wind an und sprach zum See: „Schweig, sei stumm !“ Und der Wind ließ nach und es wurde große Stille. Die Menschen aber staunten und sagten: „Was für einer ist dieser, daß auch die Winde und das Wasser ihm gehorchen ?“
Auf der anderen Seeseite angekommen, kamen sie in das Land der Gadaraner oder Gerasaner, welches gegenüber von Galiläa liegt. Als Jesus aber herauskam auf das Land, begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der zwischen den Grabstätten hauste, und auch mit einer Kette konnte ihn keiner binden, und keiner konnte ihn bändigen, weil er oft die Ketten und Fußfesseln, mit denen man ihn band, zerriss; denn er hatte einen Dämon. Allezeit, nachts und tags, war er in den Grabstätten und in den Bergen, schrie und zerschlug sich mit Steinen. Als er Jesus von weitem sah, schrie er laut: „Was ist (der Unterschied zwischen) uns und dir, Sohn des höchsten Gottes ! Kamst du vor der Zeit hierher, uns zu quälen ?“ Jesus sagte zu ihm: „Komm heraus, du unreiner Geist aus dem Menschen !“ Und Jesus befragte den Dämon: „Was ist dein Name ?“ Und er sagte zu ihm: „Legion ist mein Name, weil wir viele sind“. Und die Dämonen baten ihn, daß er ihnen nicht befehle, in den Abgrund fortzugehen. Es war aber dort bei dem Berge eine große Herde von Schweinen, die weideten. Und die Dämonen baten ihn: „Schick uns in die Schweine, damit wir in sie hineingehen. Und er erlaubte es ihnen. Und die unreinen Geiser kamen heraus und gingen in die Schweine hinein, und die Herde raste den Abhang hinunter in den See, etwa 2000 und sie ersoffen im See. Und die Schweinehirten flohen und meldeten es in die Stadt und in die Höfe, auch das von dem Besessenen. Und die ganze Stadt kam heraus, um Jesus zu begegnen, und sie fanden den Menschen, aus dem die Dämonen ausgetrieben worden waren, wie er bekleidet und bei Sinnen zu den Füßen von Jesus saß, und sie fürchteten sich. Und man erzählte ihnen, wie der Besessnen gerettet worden war; Menge aber bat Jesus, von ihnen wegzugehen und die Gegend zu verlassen, weil sie von großer Furcht bedrängt waren. Deshalb stieg Jesus ins Boot, und der geheilte Besessene bat ihn, mit ihm sein zu dürfen. Aber Jesus wollte nicht, sondern sagte ihm: „Kehre zurück in dein Haus zu den Deinen und melde ihnen, wieviel der Herr dir getan hat und wie er sich deiner erbarmte.“ Und er ging weg in das Land der zehn griechischen Städte, die Dekapolis, und verkündete, wieviel Jesus ihm getan hatte, und alle staunten.
Und als Jesus wieder hinübergefahren war ans Ufer von Galiläa, kam eine große Volksmenge und bedrängte ihn. Eine Frau hört von Jesus, welche zwölf Jahre im Blutfluß war. Sie hatte vieles gelitten von vielen Ärzten und ihr ganzes Vermögen für die Ärzte ausgegeben, ohne daß sie davon einen Nutzen hatte - vielmehr war es zum Schlimmeren gekommen. Sie war unter der Volksmenge und kam von hinten an Jesus heran und berührte eine Quaste seines Gewandes. Und sofort vertrocknete die Quelle ihres Blues, und sie erkannte an ihrem Leib, daß sie geheilt war von der Plage. Jesus bemerkte sofort, daß vom ihm eine Kraft zu der Frau hinübergeflossen war und sagte: „Wer berührt mich an den Gewändern ?“ Er sah sich um und sah die Frau. Sie fürchtete sich und fiel zitternd vor ihm nieder. Und sie erzählte vor dem ganzen Volk, warum sie ihn berührte. Und er sprach zu ihr: „Hab Mut, Tochter ! Dein Glaube hat dich gerettet; gehe in Frieden !“
Während er noch redete kamen Leute zu dem Synagogenvorstehen Jairos, der sich unter der Menge befand, und sagten zu ihm: „Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du noch den Rabbi ?“ Jesus hörte aber nicht darauf, was sie gesagt hatten, sondern sagte zu Jairos: „Fürchte dich nicht, glaube nur !“ Und er ließ keinen mit sich folgen, außer Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Als sie zum Haus des Synagogenvorstehers kamen, erblickten sie einen Tumult. Ein Volksmenge lärmte, Flötenspieler waren dabei und einige weinten und heulten sehr. Jesus sagte: „Was lärmt und weint ihr ? Das Kind starb nicht, sondern schläft“. Und sie verlachten ihn. Er ging mit den Eltern und mit drei Jüngern ins Haus und warf andern alle hinaus, die mitgehen wollten. Er ergriff die Hand des Kinds und sagte zu ihr: „Talitha kum“, was übersetzt heißt: Mädchen, ich sage dir, steh auf !“ Und sofort stand das Mädchen auf und ging umher, denn es war im Alter von zwölf Jahren; und Jesus ordnete an, daß ihr zu essen gegeben werde. Die Eltern entsetzten sich sehr und er gebot ihnen, zu keinem über das zu sprechen, was geschehen war. Und die Kunde über die Auferweckung ging hinaus in das ganze Umland.
Und sie kamen nach Jericho. Und als er mit seinen Jüngern und einer beträchtlichen Volksmenge hinausging aus Jericho, saß der Sohn es Timäus, Bartholomäus, ein blinder Bettler am Weg. Als dieser hörte, daß es Jesus, der Nazoräer es sei, begann er zu schreien: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner !“ Und viele fuhren ihn an, daß er schweige; der aber schrie umso mehr: „Sohn Davids, erbarme dich meiner !“ Jesus blieb stehen und sprach: „ Was willst du, soll ich dir tun ?“ „Ich will, daß sich meine Augen öffnen“. Jesus ergriff ihn und berührte seine Augen, und sagte: „Geh fort, Dein Glaube hat dich gerettet“. Und sofort sah er wieder und folgte Jesus auf seinem Weg und verherrlichte Gott, und das ganze Volk, das es gesehen hatte, gab Gott Lob.
Während sie weggingen, brachten sie ihm einen stummen, besessenen Menschen. Und als der Dämon hinausgeworfen worden war, redete der Stumme. Und es staunten die Volksmengen und sagten: „Niemals hat man in Israel so etwas gesehen. Ist etwa dieser der Sohn Davids ?“
Die Pharisäer: Jesus vom Teufel besessen
Die Pharisäer aber sagten: „Jesus ist besessen von Beelzebub, dem Herrscher der Dämonen, und mit seiner Hilfe wirft er die Dämonen hinaus. Einen Dämon hat Jesus und verrückt ist er; was hört ihr auf ihn ?“
Und einige der Schriftkundigen und Pharisäer wollten ihm eine Falle stellen und sagten zu ihm: „Rabbi, wir wollen von dir ein Zeichen sehen“. Jesus aber sagte zu ihnen: „Ihr sagt, daß ich mit Beelzebub die Dämonen hinauswerfe. Wie aber kann Satan den Satan hinauswerfen ? Wenn ich der Satan wäre und würde den Satan hinauswerfen, dann wäre mein Reich geteilt, und was geteilt ist, hat keinen Bestand sondern hat ein Ende. Und wenn ein Königreich geteilt wird, so kann es nicht bestehen; und wenn ein Haus geteilt ist, wie kann es bestehen ? Und wenn der Satan aufstand wider sich und geteilt wurde, kann er nicht bestehen, sonder er hat ein Ende. Wenn ich aber mit dem Finger Gottes die Dämonen, euere Söhne, hinauswerfe, dann bedeutet dies, daß das Reich Gottes zu euch kam.
Jesus: Das Reich Gottes wird
euch euere Macht wegnehmen
(Ihr glaubt, daß ihr stark seid. Das Reich Gottes wird aber eure Macht wegnehmen. Ihr glaubt:) Wie kann einer in das Haus des Starken hineingehen und ihm seine Gefäße ausrauben, wenn er nicht zuerst den Starken band, und dann sein Haus ausraubt ? (Ihr glaubt:) Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, dann ist sein Besitz in Frieden. Ich aber sage euch: wenn aber ein Stärkerer ist, und herbeikommt und ihn besiegt, nimmt er seine Rüstung, auf die er vertraute, und seine Beute verteilt er. So werde ich es mit eurem irdischen Reich tun.
Jesus: Wer nicht für mich
ist, ist gegen mich
(Ihr habt jetzt die Wahl, euch zu entscheiden;) wer nicht für mich ist, ist gegen mich, und wer sich nicht unter meinen Getreuen versammelt, der zerstreut. Ihr könnt gegen mich, den Menschen Jesus, sündigen und lästern, euch wird dies erlassen werden. Wenn ihr aber gegen den Heiligen Geist lästert, dann wird euch das nicht erlassen werden, weder in diesem Äon noch im zukünftigen.
Jesus: An ihren Früchten
werdet ihr sie erkennen
Wenn ein Baum nicht gut ist, bringt er faule Frucht; ein fauler Baum kann keine gute Frucht bringen. Aus dem Überfluß des Herzens redet der Mensch.
Jeder Baum wird an seinen Früchten erkannt. Ihr Brut von Nattern, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid ? Der gute Mensch wirft aus dem guten Behälter Gutes heraus, der böse Mensch wirft aus dem bösen Behälter Böses heraus.
Jesus droht mit dem Jüngsten
Gericht
Ich sage euch aber: über jedes unnütze Wort, welches die Menschen reden werden, werden sie Rechenschaft am Tag des Gerichtes ablegen. Denn aus deinen Worten wirst du gerechtgesprochen werden, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden“.
Da antworteten ihm einige der Schriftkundigen und Pharisäer: Wir verlangen ein Zeichen aus dem Himmel zu sehen. Als aber die Volksmengen herzudrängten, begann er zu sagen: „Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; ein Zeichen verlangt es, aber ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, wenn nicht das Zeichen des Jonas.
Jesus: Wie Jonas werde ich
drei Tage im Grab bleiben
Denn wie Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungetüms war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Gleichwie Jonas den Nineviten ein Zeichen wurde, so wird es auch der Sohn des Menschen für dieses Geschlecht sein. Die Königin vom Südreich wird aufstehen vor Gericht mit den Männern dieses Geschlechts, und sie wird sie verurteilen, weil sie kam von den Enden der Erde, zu hören die Weisheit Salomons, und siehe, einer, der mehr ist als Salomon, ist hier. Die ninevitischen Männer werden im Gericht aufstehen mit diesem Geschlecht, und sie werden es verurteilen, weil sieh sich zu Verkündigung des Jonas bekehrten, und siehe, einer, der mehr ist als Jonas, ist hier.
Jesus: Die heute Lebenden
werden das Jüngste Gericht erleben
Die Menschen dieser heute lebenden Generation werden das Jüngste Gericht erleben, und die Männer von Ninive und die Königin von Saba werden als Richter wiederauferstehen in diesem Gericht, und von allen Enden der Erde werden sie kommen vor dieses Gericht, um die Weisheit Salomons zu hören, und das Gericht wird sie verurteilen.
Jesus: Ich bin mehr als
Salomon
Und siehe, er, der hier vor euch steht, ist mehr als Salomon.
Jesus: Die Dämonen werden
dieses Menschengeschlecht beherrschen
Wenn ein unreiner Geist aus einem Menschen herauskommt, geht er durch wasserlose Gegenden, sucht einen Ruheplatz und findet ihn nicht. Da sagt er: In mein Haus werde ich zurückkehren, von wo ich herauskam; und er kommt und findet es leerstehend, gefegt und geschmückt. Da geht er wieder hinein, und mit sich nimmt er sieben andere Geister, böser als er selbst, und sie gehen hinein in den Menschen und wohnen dort, und für den Menschen wird es hinterher schlimmer als vorher. So wird es mit diesem bösen Geschlecht sein.
Und Jesus durchzog alle Städte und Dörfer im Umkreis. Als er eine große Volksmenge herauskommen sah, berührte es ihn, daß sie geschunden waren und hineingeworfen waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er seinen Jüngern: „Die Ernte ist zwar viel, aber die Arbeiter sind wenige; bittet nun den Herrn der Ernte, auf daß er ausschicke Arbeiter in seine Ernte“.
In jenen Tagen stieg er auf einen Berg um, um die Nacht zuzubringen im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Schüler herbei, und wählte zwölf von ihnen aus, die auch „Apostel“ (Gesandte) nannte, damit er sie hinausschicke, um die Lehre zu verkünden. Er gab ihnen die Vollmacht über die unreinen Geister, um sie hinauszuwerfen und jede Krankheit und jede Schwäche zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind:
1. Simon,
genannt „Petrus“
2. Andreas,
der Bruder des Simon „Petrus“
3. Jakobus,
der Sohn des Zebedäus
4. Johannes,
der Bruder des Jakobus
5. Philippos
6. Bartholomäus
7. Thomas
8. Matthäus,
der Zöllner
9. Jakobus,
der Sohn des Alphaios
10. Thaddäus
11. Simon,
der Kananäer (aus der Stadt Kana)
12. Judas, der Sohn des Ischariot, der ihn auch übergab und zum Verräter wurde
Jesus zu Simon Petrus: „Du
bist der Fels“
Jesus schaute Simon an und sagte: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du wirst gerufen werden ‚der Fels’, was auf Griechisch heißt: Petros“. Jakobus, den Sohn des Zebedäus und Johannes, den Bruder des Jakobus, gab er den Namen „Boanerges, das ist: „Söhne des Donners“.
Die Aussendung der zweiundsiebzig Apostel
Er sagte aber zu ihnen: „ Die Ernte ist zwar viel, aber die Arbeiter sind wenige; bittet nun den Herrn der Ernte, auf daß er Arbeiter ausschicke in seine Ernte.
Danach zeigte der Herr auf zweiundsiebzig und schickte sie zwei und zwei vor sich her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst kommen wollte.
Anweisungen für die Mission
Das Armutsgebot
Erwerbt kein Gold, auch nicht Silber, auch nicht Kupfergeld in euere Gürtel, nicht eine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Gewänder, auch nicht Sandalen, auch nicht einen Stock. Tragt keinen Geldbeutel und keine Tasche, keine Sandalen und grüßt keinen entlang des Weges !
Er gebot ihnen: „Geht nicht zu den Heiden, und geht in keine Stadt der Samariter. Geht aber zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel und verkündet ihnen: Das Reich Gottes ist nahe. Heilt Kranke, erweckt Tote, reinigt Aussätzige, werft Dämonen hinaus ! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt ! Siehe, ich schicke euch wie die Schafe inmitten von Wölfen; werdet also klug wie die Schlangen und unverdorben wie die Tauben. In welches Haus ihr immer hineingeht, sagt zuerst: ‚Friede in diesem Haus ! Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, dann wird auf ihm euer Friede ruhen; wenn er es aber nicht wert ist, soll euer Friede zu euch zurückkehren. In dem Haus aber bleibt, esst und trinkt; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Wechselt nicht von Haus zu Haus ! Und in welche Stadt ihr immer hineingeht und sie euch aufnehmen, eßt, was euch vorgesetzt wird und heilt die Kranken in ihr und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe. In welche Stadt auch immer ihr hineingeht und sie euch nicht aufnehmen, geht aus ihren Straßen heraus und sprecht: „Auch den Staub, der aus eurer Stadt an den Füßen hängt, wischen wir euch ab; jedoch erkennt dies: das Reich Gottes ist nahegekommen. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher ergehen als jener Stadt. Wehe dir, Chorazin, wehe dir, Bethsaida ! Denn wenn in Tyros und Sidon die Kraft-Taten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, längst würden sie in Sack und Asche sitzen und wären umgekehrt. Jedoch Tyros und Sidon wird es erträglicher ergehen im Gericht als euch. Und du, Kapernaum, wirst du nicht bis zum Himmel erhoben werden ? Bis in den Hades wirst du hinabsteigen. Wer euch hört, hört mich, und wer euch abweist, weist mich ab; aber wer mich abweist, weist den ab, der mich schickt.
Die Zweiundsiebzig kehrten mit Freude zurück und sagten: „Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen“. Er aber sprach zu ihnen: „Ich schaute den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Sieh, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und auf all die Kraft des Feindes, und gewiß wird euch nichts schädigen. Jedoch darüber freut euch nicht, daß die Geister euch untertan sind, freut euch aber, daß euer Name eingeschrieben ist in den Himmeln“.
Und Jesus fuhr fort: „Nehmt euch in Acht vor den Menschen; denn sie werden euch übergeben an die Gerichte, und in ihren Synagogen werden sie euch geißeln. Und vor Statthalter aber und Könige werdet ihr geführt werden wegen meiner, zum Zeugnis ihnen und den Völkern. Wenn sie euch übergeben, sorgt euch nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn euch wird in jener Stunde eingegeben werden, was ihr reden sollt; denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Geist eures Vaters redet in euch. Ich werde euch Mund und Weisheit geben, der keiner eurer Gegner widersprechen oder widerstehen kann.
Übergeben aber wird der Bruder den Bruder zum Tod und der Vater das Kind, und aufstehen werden Kinder gegen ihre Eltern, und sie werden sie töten. Und ihr werdet von allen gehaßt werden wegen meines Namens. Wer aber zum Ende durchhält, wird gerettet werden. Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, flieht in die andere; so sei es, denn ich sage euch, ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt. Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer und ein Sklave nicht über seinem Herrn. Es genügt dem Schüler, daß er wird wie sein Lehrer und der Sklave wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebub riefen, um wieviel mehr seine Hausgenossen.
Fürchtet euere Gegner nicht; denn nichts ist verhüllt, was nicht offenbart werden wird; nichts ist verborgen, was nicht erkannt werden wird. Was ich euch in der Finsternis sage, sprecht im Licht, was ins Ohr ihr hört, verkündet auf den Dächern ! Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leibt töten, die Seele können sie nicht töten. Fürchtet aber den, der sowohl die Seele wie den Leib in der Hölle vernichten kann in der Hölle. Werden nicht zwei Sperlinge für ein Stück Kleingeld verkauft ? Und doch wird keiner von ihnen auf die Erden fallen, ohne daß es mein Vater will. Auch die Haare auf euerem Kopf sind gezählt. Fürchtet euch nicht, denn von den vielen Sperlingen unterscheidet ihr euch. Jeder, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.
Jesus: Ich bringe nicht Frieden, sondern Zwietracht
Jesus: Ich bringe nicht
Frieden, sondern Zwietracht
Meint nicht, daß ich kam, um Friede zu werfen auf die Erde; ich kam nicht, um Frieden zu werfen, sondern das Schwert. Ich kam, um zu entzweien einen Menschen gegen seinen Vater, eine Tochter gegen ihre Mutter, eine Schwiegertochter gegen ihre Schwiegertochter, die die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde.
Ich kann Feuer werfen auf die Erde, und ich wünsche mir, es wäre schon entfacht. Ich habe eine Taufe, um getauft zu werden, und es drängt mich, daß sie vollendet wird. Meint ihr, daß ich kam, um Frieden zu geben auf Erden ? Nein, ich kam um zu spalten. In einem Haus, in dem fünf wohnen, werden zwei gegen drei sein und drei gegen zwei. Der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter, die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. Der Bruder wird den Bruder dem Tod übergeben, und der Vater das Kind, und die Kinder werden aufstehen gegen die Eltern, und sie werden sie töten; und die Verwandten und Freunde werden einander töten. Ihr wisst nicht, was ihr erbittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder durch die Taufe, durch die ich getauft werde, getauft werden ?
Jesus: Ihr sollt eure Eltern,
euere Familie und euer Leben hassen
Wenn einer kommt zu mir und nicht haßt seinen Vater und seine Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und auch noch sein eigenes Leben, kann nicht sein mein Schüler. Wer immer sucht, sein Leben zu erhalten, wird es verlieren, und wer sein Leben wegen meiner und dem Evangelium verliert, wird es erhalten. Wenn einer mir nachfolgen will, soll er sich selbst verleugnen, sein Kreuz tragen und mir folgen. Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich schickt. Wer einen Propheten aufnimmt auf den Namen des Propheten hin, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt auf den Namen eines Gerechten hin, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Wer immer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt, er wird nicht seinen Lohn verlieren.“
Da begann er zu schelten über die Städte, in denen seine meisten Krafttaten geschahen, weil sie nicht umkehrten: „Wehe dir, Chorazin, wehe dir Bethsaida ! Denn wenn in Tyros und Sidon diese Krafttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, längst wären sie in Sack und Asche umgekehrt. Jedoch ich sage euch, Tyros und Sidon wird es in am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als euch. Und du, Kapernaum, wirst du nicht zum Himmel erhoben werden ? Bis in den Hades wirst du hinabsteigen; denn wenn in Sodom die Krafttaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, geblieben wäre es bis heute.
Unterwegs sprach ein Schriftkundiger ihn an: „Ich werde dir folgen, wo immer du hingehst“. Und Jesus sprach zu ihm: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel haben Nester, der Menschensohn hat aber nichts, wohin er den Kopf lege.“. Ein anderer Jünger sprach zu ihm: „Herr, erlaube mir zuerst, fortzugehen um meinen Vater zu begraben. Jesus aber sagte zu ihm: „Laß die Toten begraben ihre Toten ! Du aber, geh weg und zeige dadurch an, daß das Königtum Gottes kommt“. Es sprach aber ein anderer: „Ich werde dir folgen, Herr; zuerst aber erlaube mir, mich von denen in meinem Haus verabschiede“. Jesus aber sprach zu ihm: „Keiner, der Hand an den Pflug legt und nach hinten schaut, ist tauglich für das Reich Gottes.“
Sich selbst verleugnen und das
Kreuz tragen
Da sprach Jesus zu seinen Schülern: „Wenn einer mir nachfolgen will, soll er sich selbst verleugnen und sein Kreuz tragen und mir folgen ! Denn wer immer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer immer aber sein Leben verliert wegen meiner und des Evangeliums Willen, der wird es retten. Denn was nützt es, wenn ein Mensch die ganze Welt gewinnt und bestraft wird an seinem Leben ? Denn was könnte ein Mensch als Gegenwert seines Lebens geben ? Denn wer immer sich schämt meiner und meiner Worte in diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, auch der Sohn des Menschen wird sich seiner schämen, wenn er in die Herrlichkeit meines Vaters mit den heiligen Engeln, und dann wird er vergelten jedem nach seinem tun. Wer nicht mein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Das Reich Gottes kommt in den
nächsten Jahrzehnten
Denn wahrhaft, ich sage euch: Es stehen hier einige, die werden nicht den Tod kosten, bis der Sohn des Menschen als König kommen wird und das Königreich Gottes in Kraft treten wird“.
In eben der Stunde jubelte er in dem heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du verbargst dieses vor Weisen und Verständigen und es offenbartest Unmündigen; ja, Vater, weil so es Gefallen fand vor dir. Alles wurde mir übergeben von meinem Vater, und keiner erkennt, wer der Sohn ist, außer dem Vater, und keiner erkennt, wer der Sohn ist, außer der Vater, und wer der Vater ist, außer der Sohn und wem immer der Sohn es offenbaren will. Euere Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten schauen, was ihr seht, und sie schauten es nicht, und hören, was ihr hört, und sie hörten nicht.
Jesus sagte: „Auf, zu mir, ihr Mühenden und Belasteten ! Und ich werde euch ausruhen lassen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, weil ich sanft bin und demütig dem Herzen nach, und ihr werdet finden Ruhe für euere Seelen; denn mein Joch ist erträglich und meine Last leicht“.
Noch während er zu den Volksmengen redete, da kamen seine Mutter und seine Brüder. Sie standen draußen und schickten Leute, die ihn rufen sollten, denn sie wollten mit ihm reden. die Leute sagten zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder suchen dich“. Und er sagte: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder ?“ Und er streckte seine Hand aus über seine Schüler und sprach: „Seht, das sind meine Mutter und meine Brüder ! Denn wer immer den Willen meines Vaters im Himmel tut, er ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“.
Eine Frau aus der Volksmenge erhob die Stimme und sprach zu ihm: „Selig der Leib und die Brüste, an denen du sogst !“ Er aber sprach: „Noch viel seliger sind diejenigen, die das Wort Gottes hören und es bewahren“.
Jesus sagte: „Es ging ein Sähmann hinaus um zu sähen. Ein Teil des Saatgutes fiel entlang des Weges, und es kamen die Vögel und fraßen es auf. Und anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Boden hatte, und es ging sofort auf. Als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und es vertrocknete, weil es keine Wurzeln hatte. Und anders Saatgut viel in die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten es, und es gab keine Frucht. Aber andere Samen fielen in die rechte Erde und wuchsen empor und brachten reichlich Frucht, eines das dreisigfache und eines das sechzigfache und eines das hundertfache. Und er sagte, wer Ohren hat zu hören, der soll hören !“
Die Jünger sagten zu ihm: „Warum redest du in Gleichnissen ?“ Er antwortete ihnen: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, jenen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und überreich wird er gemacht werden; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er nicht hat. Ich rede deshalb in Gleichnissen zu ihnen, weil sie Augen haben und doch nicht sehen und weil sie Ohren haben und doch nicht verstehen, sodaß sie nicht umkehren und ihnen ihre Sünden nicht erlassen werden“. Und er wandte sich an seine Jünger und sagte: „Selig sind die Augen, die sehen was ihr seht (den Erlöser). Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten schauen was ihr seht, und und sie sahen es nicht, und was ihr hört, das hörten sie nicht“.
Jesus sprach: „Ihr versteht dieses Gleichnis nicht ? Wie werdet ihr alle Gleichnisse verstehen ? Der Sähmann säht das Wort Gottes. Jedesmal, wenn einer das Wort vom Reich Gottes hört und es nicht versteht, kommt der Satan und raubt das Gesäte in seinem Herzen; dies ist das entlang des Weges gesähte. Das auf das Felsige gesäte ist wie das Wort, das einer hört und sofort mit Freude aufnimmt, aber nur für den Augenblick. Wenn aber für ihn wegen Bedrängnis entsteht oder er wegen des Wortes verfolgt wird, dann nimmt er daran Anstoß. Bei anderen ist es wie mit dem in die Dornen Gesähten: Sie hören das Wort, aber die Sorgen ihres Zeitalters und der Trug des Reichtums und die Begierden nach Überfluß kommen hinzu und ersticken das Wort, sodaß es fruchtlos wird. Jene aber, die das Wort hören und es annehmen, die sind wieder der gute Boden, der dreisig-, sechzig- oder hundertfache Frucht bringt.
So ist das Königreich Gottes, man schläft und steht auf Nacht und Tag, und der Same keimt und wurde lang, ohne daß man es selbst merkt. Selbsttätig bringt die Erde Frucht, zuerst Halm, dann Ähre, dann voller Weizen in der Ähre. Wenn es aber die Frucht zuläßt, weil sie reif ist, dann wird die Sichel geschickt, weil die Erne ansteht.
Ein anderes Gleichnis legte er ihnen dar: „Das Reich Gottes ist wie ein Mensch, der guten Samen auf seinen Acker säht. Als der Mensch aber schlief, kam sein Feind, und er sähte Unkraut inmitten des Weizens, und er ging weg. Als aber der Halm und die Frucht trug, da erschien auch das Unkraut. Als die der Hofherr hinzukam, sprachen die Sklaven zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäht ? Woher also kommt das Unkraut ? Der aber sagte ihnen: Ein feindlicher Mensch tat dies. Die Sklaven aber sagten ihm: Willst du nun, daß wir hingehen und es ausreißen ? Der aber sagte: Nein, denn mit dem Unkraut werdet ihr zugleich auch den Weizen entwurzeln. Laßt beide miteinander wachsen bis zu Ernte; zur Zeit der Ernte werde ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es zu Bündeln, um es zu verbrennen, den Weizen aber sammelt in meinen Scheunen.
Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn, das, wenn es gesät wird, kleiner ist als alle Samen auf der Erde; aber es wächst empor und wird größer als alle Gartengewächse und macht große Zweige, sodaß unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Das Reich Gottes ist wie ein Sauerteig, den eine Frau nahm und hineinverbarg in drei Saton Mehl, bis das ganze Mehl davon durchsäuert wurde.
Dies alles redete mit vielen solchen Gleichnissen zu den Volksmengen, so, wie sie es verstehen konnten; ohne Gleichnis aber redet er nichts; als er aber mit seinen Jüngern allein war, löste er alles auf.
Dann verließ er die Volksmengen und kam ins Haus. Und es kamen seine Jünger und sagten: „Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers“. Der aber antwortete ihnen: „Derjenige, der den guten Samen säht, ist der Menschensohn, der Acker ist die Welt; der gute Same aber sind die Söhne des Gottesreiches; das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen, der Feind aber, der es säht, ist der Teufel; die Ernte ist die Vollendung des Zeitalters, die Erntearbeiter aber sind die Engel. Wie nun das Unkraut gesammelt und durch das Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei der Vollendung des Zeitalters sein: Der Menschensohn wird seine Engel schicken, und sie werden sammeln aus seinem Königreich alle Ärgernisse und diejenigen, die das Ungesetzliche tun, und sie werden sie in den Feuerofen werfen; dort wird Heulen und Zähneklappern sein. Dann werden die Gerechten aufleuchten wie die Sonne im Königreich ihres Vaters. Wer Ohren hat, er höre !
Das Reich Gottes ist wie ein Schatz, der im Acker verborgen ist; den ein Mensch, nachdem er ihn gefunden hatte, verbarg, und in seiner Freude geht er fort, verkauft alles, wieviel er hat, und er kauft jenen Acker.
Das Reich Gottes ist wie eine wertvolle und schöne Perle, die ein Kaufmann suchte; nachdem er sie gefunden hatte, verkaufte er alles, was er hatte und kaufte die Perle.
Das Reich Gottes ist wie ein Schleppnetz, das ins Meer geworfen wird und jede Art Fische sammelt; als es gefüllt war, zogen sie es hinauf auf den Strand, und sie setzten sich und sammelten die guten Fischarten in Gefäße, die faulen aber warfen sie hinaus. So wird es sein bei der Vollendung des Zeitalters; die Engel wird hinausgehen, und sie werden die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern, und sie werfen sie in den Feuerofen; dort wird sein Heulen und Zähneklappern.
Jesus sagte: „habt ihr das alles verstanden ?“. Sie sagten: „Ja“. Der aber sprach zu ihnen: „Deshalb ist jeder Schriftkundige, belehrt über das Reich Gottes, gleich einem Hausherrn, der aus seinen Schatztruhen Neues und Altes herausholt.“
Die Frau des Herodes, sie hieß Herodias, wollte Johannes den Täufer töten, aber Herodes ließ Johannes nur ins Gefängnis werfen und wollte ihn nicht töten. Da bot sich aber für die Frau des Herodes ein günstiger Tag, als Herodes sein Geburtstagsfest feierte und er ein Mahl machte für die Großen seines Reiches und die hundert Unterfürsten und die Ersten von Galiläa. Und es kam die (Stief?)tochter der Herodias herein und sie tanze vor ihm und sie gefiel ihm und seinen Gästen, die mit ihm zu Tisch lagen. Und es sprach Herodes zu dem Mädchen: „Bitte mich, was du willst, ich werde dir die Hälfte meines Königreiches geben. Und sie ging hinaus zu ihrer Mutter und sagte zu ihr: „Was soll ich erbitten ?“ Die aber sprach: „Den Kopf von Johannes dem Täufer“. Und sie ging sofort mit Eile zum König hinein und sagte: „Ich will, daß du mir sogleich den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem Teller gibst“. Und König Herodes wurde ganz betrübt; aber wegen seines Eides und vor seinen Gästen wollte der König sie nicht abweisen; und er schickte sofort den Henker, um den Kopf des Johannes zu bringen. Er ging ins Gefängnis, enthauptete Johannes und brachte seinen Kopf auf einem Teller und gab ihm dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter.
Als seine Schüler das hörten, trugen sie die Leiche des Johannes weg und legten sie ins Grab.
In jener Zeit hörte Herodes, einer der vier Herrscher, unter die Palästina aufgeteilt war, Gerüchte von den Taten Jesu, und er sprach zu seinen Knechten: „Johannes der Täufer ist von den Toten erweckt worden, und deshalb wirken seine Kräfte in Jesus; dieser ist Johannes der Täufer“. Andere aber sagten: „Elias ist er; er ist ein Prophet wie einer der Propheten“. Und er suchte, Jesus zu sehen.
Es war nahe das Passahfest, das Fest der Judäer, und der Tag begann sich zu neigen; eine große Volksmenge, die aus den Städten gekommen war, hatte sich versammelt, und Jesus war ergriffen über sie, weil sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Sie waren schon drei Tage bei Jesus und hatten nichts zu essen. Und seine Jünger sagten zu Jesus: „Entlasse sie, damit sie weggehen in die Höfe und Dörfer der Umgebung und sich etwas zu essen kaufen können“. Er aber sagte zu ihnen: „Ich will sie nicht hungrig entlassen, damit sie nicht unterwegs zusammenbrechen. Sie brauchen nicht wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen“. Philippos antwortete ihm: „Für zweihundert Denare Brote genügen nicht für sie, damit jeder ein weniges bekommt“. Ein anderer Jünger, Andreas sagte: „Wir haben fünf Brote und zwei Fische, aber wie soll das ausreichen für so viele ?“. Es waren aber etwa fünftausend Menschen. Jesus sagte aber zu seinen Jüngern: „Laßt sie sich ins Gras legen, Gruppe um Gruppe“. Und sie legten sich nieder in Gruppen von hundert und von fünfzig. Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, schaute zum Himmel auf, segnete sie, brach sie und gab sie seinen Jüngern; diese verteilten die Brote und die Fische an alle, und alle wurden gesättigt, und es blieben noch zwölf Körbe voll übrig. Diejenigen, die gegessen hatten, waren Fünftausend.
Als die Menschen sahen, welches Zeichen er getan hatte, sagten sie: „Dieser ist wahrhaft der Prophet, der in die Welt kommen soll. Als Jesus erkannte, daß sie im Begriff waren zu kommen und ihn mit sich zu nehmen, damit sie ihn zum König machten, entwich er auf den Berg, er allein.
Es war finster geworden, und die Jünger waren in einem Boot mitten auf dem See, und Jesus war allein auf dem Land. ein starker Wind wehte, und der See war aufgewühlt. Um die vierte Nachtwache herum sahen sie, daß Jesus auf dem See herumging und er kam nahe an ihr Boot, und sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrieen, und alle sahen ihn und sie wurden verwirrt und fürchteten sich. Jesus sagte ihnen aber: „Ich bin es; fürchtet euch nicht !“ Petrus sagte: „Wenn du es bist, befiel mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser !“ Jesus sprach: „Komm !“ und Petrus stieg vom Boot und lief über das Wasser zu Jesus. Als Petrus aber den starken Wind sah, fürchtete er sich und begann zu sinken und schrie: „Herr, rette mich !“. sogleich streckte Jesus die Hand aus und ergriff ihn und sagte: „Kleingläubiger, warum zweifelst du ?“ Und als sie hineinstiegen ins Boot, ließ der Wind nach. Die im Boot fielen nieder vor ihm und sagten: „Wahrhaft, Gottes Sohn bist du „, und sogleich kam das Boot auf das Land.
Jesus offenbart sich als das Brot des Lebens Eucharistie
Am folgenden Tag suchte eine Volksmenge Jesus nahe dem Ort, wo er das Brotwunder vollbracht hatte. Sie hatten gesehen, daß das Schiff der Jünger ohne ihn abgefahren war. Aber sie fanden ihn nicht. Da stiegen sie in die Schiffe und kamen nach Kapernaum, auf die andere Seite des „Meeres von Galiläa“, wie der See Genezareth auch genannt wurde, und fanden ihn. Jesus sagte zu ihnen: „Ihr kommt zu mir nicht, weil ihr Wunderzeichen gesehen habt und an mich glaubt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.
Bemüht euch nicht um die vergängliche Speise, sondern um die Speise, die euch ins ewige Leben begleitet und welche euch der Menschensohn, der von Gott als Messias bestätigt wurde, geben wird“. Da sagten sie: „Was sollen wird tun, damit wir die Werke Gottes vollbringen ?“ Jesus antwortete ihnen: „Glaubt an den, den er gesandt hat !“ Das sprachen sie zu ihm: „Was tust du für ein Wunderzeichen, damit wir es sehen und dir glauben ? Welche Taten vollbringst du ? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie geschrieben steht: ‚Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.“ Jesus sagte: „Nicht Moses hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot Gottes ist derjenige, welcher vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt“. Da sprachen sie zu ihm: „Herr, gib uns allezeit dieses Brot !“
Jesus aber sagte: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt den wird nimmermehr dürsten. Aber ihr habt mich gesehen und doch nicht geglaubt. Alles, was mir der Vater in seiner Gnade gibt, wird zu mir kommen; und auch ich werde gnädig sein: wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen Gottes, der mich gesandt hat. Er hat mir die Macht über jedes Leben gegeben, und er will, daß kein einziges verloren geht, sondern daß ich jedes auferwecke am letzten Tage.“
Da murrten die Juden über ihn, weil er gesagt hatte: „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ - und sprachen: „Ist dieser nicht Jesus, der Sohn des Joseph, dessen Vater und Mutter wir kennen ? Wie kann er dann sagen: ‚Ich bin vom Himmel herabgekommen ?“ Da sagte Jesus: „Murrt nicht untereinander ! Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, es zieht ihn der Vater, der mich gesandt hat. Wer aber zu mir kommt, den werde ich am letzten Tage auferwecken. Es steht geschrieben in den Büchern der Propheten: ‚Sie werden alle von Gott gelehrt sein’. Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir.
Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben das Manna in der wüste gegessen und sind gestorben; dies ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, auf daß, wer es isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel herabgekommen. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er ewig leben. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt“.
Da zankten sich die Juden untereinander und sprachen: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben ?“
Eucharistie
Darum sprach Jesus zu ihnen: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. Denn mein Fleisch ist wahrhaftige Speise, und mein Blut ist wahrhaftiger Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt bei mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, welcher mich isst, um meinetwillen leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist; nicht wie euere Väter das Manna gegessen haben und gestorben sind; wer dieses Brot isst, lebt in Ewigkeit !“
Solches sprach er, als er in der Synagoge zu Kapernaum lehrte.
Ein Teil der Jünger trennt sich von Jesus
Viele von seinen Jüngern, die dies hörten, sprachen: „Dies ist eine harte Rede, wer kann sie anhören ?“ Da Jesus aber bei sich selbst merkte, daß seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: „Ist euch das ein Ärgernis ? Wie werdet ihr dann urteilen, wenn ihr den Menschensohn dorthin auffahren sehen werdet, wo er zuvor war ? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die nicht glauben“. Jesus wusste nämlich von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten und wer der war, der ihn verraten würde. Und er sprach: „ Deshalb habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, es ist ihm von meinem Vater gegeben !“
Aus diesem Anlaß traten viele Jünger aus und wandelten nicht mehr mit ihm.
Das Bekenntnis des Petrus
Da sprach Jesus zu den Zwölfen: „Wollt ihr nicht auch weggehen ?“ Da antwortete ihm Simon Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen ? Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Gesalbte, der Sohn des lebendigen Gottes bist !“ Jesus antwortete ihm: „Habe ich nicht euch zwölferwählt ? Und einer von euch ist ein Teufel ! Er redete aber von Judas, Simons Sohn, den Iskariot; denn dieser sollte ihn verraten, einer von den Zwölfen.
Und er kam nach Bathsaida. Und da er vorbeiging, sah er einen Menschen,der von Geburt an blind war. Und es fragten ihn seine Jünger: „Rabbi, wer sündigte - dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren wurde ?“ Jesus antwortete: „Weder dieser noch seine Eltern sündigten, sondern er ist blind, damit die Werke Gottes an ihm offenbar werden. Wir müssen die Werke dessen, der mich schickt, wirken, solange es Tag ist; es wird eine Nacht kommen, da wird keiner wirken können. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Während er dies sprach, spukte er zur Erde und machte aus dem Speichel einen Teig, und diesen Teig strich er auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: „Geh fort, wasch dich im Teich des Siloam“ - Was übersetzt wird mit: „Gesandter !“. Und er ging weg, wusch sich und kam sehend zurück. Und Jesus schickte ihn in sein Haus und sagte: „Aber geh nicht ins Dorf hinein !“
Die Nachbarn nun, die ihn zuvor als Bettler gesehen hatten, sprachen: „Ist das nicht der, welcher dasaß und bettelte ?“ Etliche sagten: „Er ist’s !“ – andere aber: „Nein, aber er sieht ihm ähnlich !“ Er selbst sagte: „Ich bin’s“. Da sprachen sie zu ihm: „Wie sind dir die Augen aufgetan worden ?“ Er antwortete: „Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Teig und bestrich meine Augen und sprach zu mir: „Geh zum Teich Siloam und wasche dich ! Als ich aber hinging und mich wusch, wurde ich sehend“. Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist er ?“ Er sagte: „Ich weiß es nicht !“
Die Pharisäer verhören den Geheilten, der blind war
Da führten sie ihn, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war Sabbat, als Jesus den Teig machte und ihm die Augen öffnete. Nun fragten auch die Pharisäer den Blinden, wie er sehend geworden sei und er erzählte es ihnen. Da sprachen etliche von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott gesandt, weil er den Sabbat nicht hält ! Andere sprachen: „Wie kann ein tiger Mensch solche Zeichen tun ?“ Und es entstand eine Spaltung unter ihnen. Da sprachen sie wiederum zu dem Blinden: „Was sagst du nun, daß er dir die Augen aufgetan hat ?“ Er sprach: „Er ist ein Prophet !“ Nun glaubten die Juden nicht von ihm, daß er blind gewesen sei, bis sie die Eltern des Sehend gewordenen gerufen hatten. Und sie fragten sie: „Ist das euer Sohn, von welchem ihr sagt, daß er blind geboren ist ? Wie ist er den jetzt sehend ?“ Seine Eltern antworteten: „Wir wissen, daß dies unser Sohn ist und blind auf die Welt gekommen; wieso er aber jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Fragt ihn ! Er ist alt genug, er mag selbst für sich reden !“ Das sagten seine Eltern deshalb, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon übereingekommen, daß, wenn einer Jesus als den Gesalbten anerkennen würde, daß er dann aus der Synagoge ausgestoßen werden sollte. Da riefen sie zum zweien Mal den Blinden und sagten zu ihm: „Gib Gott die Ehre und sprich die Wahrheit ! Wir wissen, daß dieser Jesus ein Sünder ist“. Da antwortete jener: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht; eines aber weiß ich: daß ich blind war du jetzt wieder sehen kann ! Sie fragten: „Wie tat er dir deine Augen auf ?“ Er antwortete: „Ich habe es schon gesagt, und ihr habt nicht darauf gehört; was wollt ihr es noch einmal hören ? Wollt ihr auch seine Jünger werden ?“ Sie schmähten ihn und sprachen: „Du bist sein Jünger ! Wir aber sind Jünger von Moses. Wir wissen, daß Gott mit Moses geredet hat, von Jesus aber wissen wir nicht, woher er ist“. Da antwortete der Mann: „Das ist doch verwunderlich, daß ihr nicht wisst, woher er ist. Wäre er nicht von Gott, so könnte er keine Wunder wirken. Wir wissen, daß Gott nicht die Wünsche von Sündern erhört, sondern nur wenn jemand gottesfürchtig ist und Gottes Willen tut, wird er von Gott erhört. Jesus hat meine Augen aufgetan. Seit die Welt steht, ist nicht gehört worden, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan hat. Wäre Jesus nicht von Gott, so könnte er nichts tun !“ sie antworteten ihm: „Du bist ganz in Sünden geboren und willst uns lehren ?“ Und sie stießen ihn (aus der Synagoge=Gemeinde) aus.
Jesus gibt sich zu erkennen als Sohn Gottes
Jesus hörte, daß sie ihn ausgestoßen hatten, und als er ihn fand, sprach er zu ihm: „Glaubst du an den Sohn Gottes ?“ Er antwortete: „Sag mir, wer ist der Sohn Gottes, damit ich an ihn glaube ?“ Und Jesus sagte: „Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es !“ Er aber sprach: „ich glaube, Herr !“ – und fiel vor ihm nieder. Und Jesus sprach: „Ich bin in diese Welt gekommen, um ein Gericht herbeizuführen, auf daß die, die nicht sehen, sehend werden und die, welche sehen, blind werden“. Das hörten etliche Pharisäer, die dabei waren, und sprachen zu ihm: „Sind denn auch wir blind ?“ Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr einsehen würdet, daß ihr (für die Wahrheit) blind seid, dann hättet ihr keine Sünde; nun, da ihr aber sagt: „Wir sehen (die Wahrheit und wir allein besitzen sie) !“ so bleibt euere Sünde“.
Jesus nennt sich „der gute Hirte“
„Wer nicht durch die Tür in den Schafstall hineingeht,
sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und Räuber. Wer aber durch die Tür
hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Diesem tut der Türhüter auf, und die
Schafe hören seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe beim Namen und
führt sie heraus. Und wenn er alle seine Schafe herausgelassen hat, geht er vor
ihnen her; und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme. Einem
Fremden aber folgen sie nicht; denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht.“
Dieses Gleichnis sagte ihnen Jesus. Sie verstanden aber nicht, wovon er zu
ihnen redete.
Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: „ Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle die (falschen Propheten und Lügenmessiasse), die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eingeht, wird er gerettet werden und wird ein und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie Leben haben und reiche Fülle haben. Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirt ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, so, wie der Vaer mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch diese muß ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirt sein. Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf daß ich es wieder nehme. Niemend nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe die macht, es zu lassen, und ich habe die Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.
Streit um die Worte und Wunder Jesu
Da entstand wiederum eine Spaltung unter den Juden um dieser Worte willen. Viele von ihnen sagten: „Er hat einen Dämon in sich und ist wahnsinnig, was hört ihr auf ihn ?“ Andere sagten: „Das sind nicht die Reden eines Besessenen. Kann auch ein Dämon Blinden die Augen auftun ?“
Jesus zieht zum Laubhüttefest nach Jerusalem
Danach zog Jesus in Galiläa umher; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil die Juden ihn zu töten suchten. Es war aber das Laubhüttenfest der Juden nahe. Da sprachen seine Brüder zu ihm: „Brich doch auf von hier und ziehe nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du tust !“ Denn niemand tut etwas im Verborgenen und versucht doch öffentlich bekannt zu sein. Wenn du solches tust, offenbare dich der Welt !“ Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. Da sprach Jesus zu ihnen: „Meine Zeit ist noch nicht da; aber ihr könnt jederzeit hingehen. Die Welt kann euch nicht hassen, mich aber haßt sie; ich bezeuge von ihr, daß ihre Werke böse sind. Geht ihr hinauf zum Fest; ich gehe noch nicht zu diesem Fest hinauf, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt. Das sagte er zu ihnen und blieb in Galiläa.
Nachdem seine Brüder aber zu dem Fest hinaufgegangen waren, ging auch er hinauf, nicht öffentlich, sondern im Verborgenen. Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen: „Wo ist er ?“ Und es gab viel Gemurmel seinetwegen unter dem Volk. Etliche sagten: „Er ist gut“; andere aber sprachen: „Nein, sondern er verführt das Volk“. Doch redete niemand frei heraus über ihn, aus Furcht vor den Juden.
Streitgespräch im Tempel.
Jesus soll verhaftet werden
Als aber das Fest schon zur Hälfte vorbei war, ging Jesus in den Tempel hinauf und lehrte. Und die Juden verwunderten sich und sprachen: „Wie kennt dieser die Schriften ? Er ist doch ein Ungelehrter !“ Da antwortete ihnen Jesus: „Meine Lehre kommt nicht aus mir selbst, sondern von dem, der mich gesandt hat; wenn jemand seinen Willen tun will, wird er erkennen, ob die Lehre von Gott kommt oder ob ich aus mir selbst rede. Wer aus sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm. Hat nicht Moses euch das Gesetz gegeben ? Und doch handelt keiner von euch nach dem Gesetz. Warum sucht ihr mich zu töten ?“ Das Volk antwortete: „Du bist von einem Dämon besessen ! Wer such dich zu töten ?“
Jesus verteidigt Heilung am
Sabbat
Jesus antwortete: „Ihr alle verwundert euch über eine Sache, die ich getan habe. Ich habe am Sabbat eine Heilung vollbracht. Aber ihr beschneidet am Sabbat den Menschen. Moses hat euch die Beschneidung gegeben (eigentlich kommt sie aber nicht von Moses, sondern von den Vätern). Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt und dadurch das Gesetz von Moses nicht übertreten wird, warum zürnt ihr mir da, daß ich einen ganzen Menschen am Sabbat gesund gemacht habe ? Richtet nicht nach Äußerlichkeiten, sondern fällt ein gerechtes Urteil.“
Jesus der Messias ? Man
zweifelt
Da sprachen etliche Leute aus Jerusalem: „Ist das nicht der, den sie zu töten suchen ? Seht, er redet frei und öffentlich, und sie sagen ihm nichts. Haben die Oberen wirklich erkannt, daß er der Gesalbte ist ? Doch von diesem Jesus wissen wir, woher er ist; wenn aber der wahre Gesalbte kommt, so wird niemand wissen, woher er ist.“ Da rief Jesus, als er im Tempel lehrte: „Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich bin ! Und doch bin ich nicht von mir aus gekommen, sondern der Wahrhaftige ist es, der mich gesandt hat, und ihr kennt ihn nicht. Ich aber kenne ihn, ich bin von ihm her, und er hat mich gesandt“. Da forderten sie, daß man ihn ergreifen solle, aber niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.
Jesus der Messias ! Viele
glauben es
Viele aus dem Volk aber glaubten an ihn und sprachen: „Wenn der Gesalbte kommt, kann er nicht mehr Wunderzeichen tun als dieser hier getan hat“. Die Pharisäer hörten, daß das Volk solches von ihm murmelte; darum sandten die Hohen Priester und die Pharisäer Diener aus, um ihn zu ergreifen. Da sprach Jesus zu ihnen: „Nur eine kurze Zeit bin ich noch bei euch, dann gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, dahin könnt ihr nicht kommen“. Da sprachen die Juden untereinander: „Wohin will er denn gehen, daß wir ihn nicht finden sollen ? Will er etwa zu den unter den Griechen zerstreuten Juden gehen und die Griechen lehren ? Was soll das bedeuten, daß er sagt: ‚Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, dahin könnt ihr nicht kommen ?
Am letzen Tag des
Laubhüttenfestes sagt Jesus: Komm und trinke bei mir
Aber am letzten, den großen Tag des Festes, stand Jesus auf und rief: „“Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke ! Wer an mich glaubt, aus dessen Leib werden (wie die Schrift gesagt hat) ‚Ströme lebendigen Wassers fließen’.“ Das sagte er aber mit Bezug auf den Geist, den die empfangen sollten, welche an ihn glaubten; denn der heiligen Geist war noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in die Herrlichkeit Gottes aufgestiegen war.
Zwietracht zwischen dem Volk und
den Hohen Priestern: Ist er der Messias ?
Viele aus dem Volk, die diese Rede gehört hatten, sagten: dieser ist wahrhaftig ein Prophet. Andere sagten: „Er ist der Gesalbte“. Andere sagten: „Der zum König der Juden Gesalbte kommt doch nicht aus Galiläa ! Sagt nicht die Schrift, daß der Gesalbte ein Nachfahre Davids sein wird und aus dem Ort Bethlehem, wo David war, kommen werde ?“ Also entstand seinetwegen eine Spaltung im Volk. Etliche von ihnen verlangten, daß man ihn ergreife, doch niemand legte Hand an ihn.
Nun kamen die Diener zu den Hohen Priestern und Pharisäern zurück, und diese sagte: „Warum habt ihr ihn nicht gebracht ?“ die Diener antworteten: „Nie hat ein Mensch so geredet wie dieser Mann !“ Da antworteten ihm die Pharisäer: „Seid auch ihr verführt worden ?“ Glaubt auch einer der Oberen oder einer der Pharisäer an ihn ? Aber dieser Pöbel, der das Gesetz nicht kennt – verflucht sei er !“
Nikodemus tritt für Jesus ein
Da sprach zu ihnen Nikodemus, der des nachts zu ihm gekommen war und einer der Ihren war: „Wenn man jemanden nach dem Gesetz verurteilen will, muß man ihn zuerst selbst gehört haben; man muß erkannt haben, was er tut. Ihr aber verurteilt ohne Kenntnis des Sachverhaltes“. Sie aber sprachen zu ihm: „Bist du auch aus Galiläa ? Forsche in den Schriften nach und du wirst sehen, daß aus Galiläa kein Prophet ersteht“. Und sie gingen alle nach Hause.
Jesus und die Ehebrecherin
Jesus aber ging an den Ölberg. Und am nächsten Morgen in der Frühe fand er sich wieder im Bereich der Tempelgebäude ein, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. Da brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ergriffen worden war, stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: „Rabbi, dieses Weib ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Im Gesetz aber hat uns Moses geboten, so jemanden zu steinigen. Was sagst du nun ? Das sagten sie ihm aber, um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie aber beharrlich weiterfragen, richtete er sich auf und sagte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie ! Und er bückte sich wiederum nieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie (von ihrem Gewissen gestraft) einer nach dem anderen hinaus, die Ältesten zuerst; er aber blieb allein zurück mit der Frau, die in der Mitte stand. Da richtete sich Jesus auf und sagte: „Frau, wo sind deine Ankläger ? Hat dich niemand verurteilt ?“ sie sprach: „Herr, niemand !“ Jesus sprach: „Dann verurteile ich dich auch nicht. Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr !“
Jesus als das Licht der Welt
Nun redete Jesus wieder zu den Leuten und sprach: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: „Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr !“ Jesus sagte: „Wenn ich auch von mir selbst zeuge, so ist dennoch mein Zeugnis wahr, denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe. Ihr richtet, wie es euch eure natürlichen Instinkte und euere materiellen Interessen eingeben; ich richte niemand auf diese Weise. Wenn ich richte, ist mein Gericht wahr, denn ich bin nicht allein, sondern es richten ich und mein Vater, der mich gesandt hat. Es steht aber auch in eueren Gesetzen geschrieben, daß eine Aussage allein nicht ausreicht und nichts zählt. Als wahr werden nur zwei übereinstimmende Aussagen anerkannt. Ich bin Zeuge, und mit mir der Vater, der mich gesandt hat“. Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist dein Vater ? Jesus antwortete: „Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kennen würdet, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen“. Dies Worte, als er im Tempel lehrte, sprach Jesus bei dem Gotteskasten (wo die „Spenden an Gott“ gesammelt wurden); niemand griff ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.
Jesus warnt die, die nicht an ihn glauben
Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: „Ich gehe fort, und ihr werdet mich suchen und in euerer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen !“ Da sagten die Juden: „Will er sich etwa selbst töten, daß er sagt: ‚Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen ?“
Er aber sprach: „Ihr seid von unten her, ich von oben her. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Darum habe ich euch gesagt, daß ihr in eueren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, dann werdet ihr in eueren Sünden sterben“. Da sagen sie zu ihm: „Wer bist du ?“ Und Jesus sagte: „Zuerst bin ich das, was ich euch eben gesagt habe !
Jesus: Ich bin nicht von
dieser Welt und komme von oben her
Ich hätte vieles über euch zu reden und zu richten; der, der mich gesandt hat, garantiert die Wahrheit; was ich von ihm gehört habe, das rede ich zur Welt“. Sie aber erkannten nicht an, daß er mit der Autorität von Gottvater mit ihnen redete. Darum sprach Jesus: „Erst wenn ihr mich, den Menschensohn verehrt und angebetet haben werdet, dann werdet ihr erkannt haben, daß ich der Gesalbte bin. Ich tue nichts aus mir selbst, sondern ich rede so, wie mein Vater mich gelehrt hat. Und der, der mich gesandt hat, ist mit mir; er lässt mich nicht allein und ich tue allezeit, was ihm gefällt“.
Als er dies redete, glaubten viele an ihn.
Jesus: Die Wahrheit macht frei
Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn gläubig geworden waren: „Wenn ihr in meinem Worte bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen !“ Sie antworteten ihm: „Wir sind Abrahams Nachkommen und sind nie jemandes Knechte gewesen; wie kannst du sagen: ‚Ihr sollt frei werden’ ?“ Jesus antwortete ihnen: „Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht. Der Knecht bleibt aber nicht für immer im Hause; der Sohn bleibt ewig. Wenn nun der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein.
Jesus sagt, er sei Gotte Sohn
und verteufelt seine Gegner
Ich weiß, daß ihr Abrahams Nachkommen sein; aber ihr habt versucht, mich zu töten, denn mein Wort findet keinen Raum in euch. Ich sage, was ich beim Vater gesehen habe; tut auch ihr nun, was ihr von euerem Vater gehört habt“. Sie antworteten ihm: „Unser Vater ist Abraham !“ Jesus sprach: „Wäret ihr Abrahams Kinder, so würdet ihr Abrahams Werke tun. Nun aber versucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, welche ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. Von jetzt an tut die Werke Gottes, eueres Vaters !“
Versteckter Vorwurf an Jesus:
Du bist ein uneheliches Kind (und nicht der Messias)
Sie sagten: „Wir haben einen Vater, das ist Gott. Aber wir sind nicht unehelich geboren (im Unterschied zu dir)“. Das sprach Jesus: „Wäre Gott euer Vater, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern mein Vater hat mich gesandt. Warum versteht ihr meine Rede nicht ? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt ! Ihr stammt vom Teufel ab, der ist euer Vater, und was er begehrt, das wollt ihr tun; der war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so entspricht das seinem innersten Wesen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. Wer von euch kann mich einer Sünde überführen ? Wenn ich die Wahrheit rede, warum glaubt ihr mir nicht ? Wer aus Gott ist, der hört die Worte Gottes; deshalb hört ihr sie nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.“
Jesus sagt, er wäre vor
Abraham dagewesen
Die Juden sagte: „Sagen wir nicht mir Recht, daß du ein Samariter bist und einen Dämon in dir hast ?“ Jesus antwortete: „Ich bin von keinem Dämon besessen, sondern ehre meinen Vater, und ihr versagt mir die Ehre. Ich aber suche nicht meine Ehre; es ist einer da, der sie sucht und der richtet. Wenn einer mein Wort bewahrt, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit !“ Da sprachen die Juden zu ihm: „jetzt erkennen wir, daß du von einem Dämon besessen bist ! Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sagst: ‚Wenn jemand mein Wort bewahrt, dann wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit !’. Bist du den größer als Abraham, der gestorben ist – und die Propheten sind doch auch gestorben. Wozu machst du dich ?“ Jesus antwortete: „Wenn ich mich ehre, geht es mir nicht um meine Ehre; es ist mein Vater, der mich ehrt, von welchem ihr sagt, er sei euer Gott. Und doch habt ihr ihn nicht erkannt; aber ich kenne ihn. Und wenn ich sagen würde, ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner, genauso wie ihr. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Urvater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte. Und er sah ihn und freute sich“. Da sprachen die Juden: „du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen ?“ Jesus sagte: „Ehe Abraham ward, bin ich schon gewesen !“ Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hindurch, und entwich so.
Da kamen bei Jesus die Pharisäer und einige Schriftkundige aus Jerusalem zusammen. Sie sahen, daß einige seiner Jünger mit ungewaschenen Händen die Brote aßen; es ist aber Tradition der Alten, daß man sich wenn man vom Markt kommt, mit Wasser besprengt bevor man ißt. Es ist auch Tradition, die Becher, Näpfe und Töpfe zu waschen. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten befragten Jesus: „Weshalb wandeln deine Schüler nicht nach den Traditionen der Älteren, sondern essen mit unreinen Händen das Brot ?“. Der aber sprach zu ihnen: „ Nicht was in den Mund hineingeht, macht den Menschen unrein, sondern das, was aus dem Mund herauskommt. Was in den Mund hineinkommt, geht nicht ins Herz, sondern in den Bauch und geht in den Abort hinaus. Damit sind alle Speisen rein und es gibt keine unreinen Speisen. Das Unreine kommt nicht von außen, sondern entsteht ihm Herzen des Menschen; von da gehen die schlechten Gedanken aus, und aus den schlechten Gedanken entstehen schlechte Taten: Unzüchtiges, Diebstähle, Morde, Ehebrüche, Habgierigkeiten, Bosheiten, List, Ausschweifung, böses Auge, Lästerung, Überheblichkeit, Unverstand; all das geht vom Menschen aus und macht ihn unrein. Essen mit unreinen Händen dagegen macht den Menschen nicht unrein. Recht prophezeite Jesaja über euch Heuchler, wie geschrieben ist: ‚Dieses Volk ehrt mit den Lippen mich, ihr Herz aber hält sich fern von mir. Ihr laßt die Menschen nichts tun für Vater und Mutter, sondern verlangt von den Armen immer neue Weihegaben für euren Vorteil. Die wahre Weihegabe ist aber, was man seinen Eltern zukommen läßt. Sagte nicht Moses: Du sollst Vater und Mutter ehren ? Wer Vater und Mutter beschimpft, soll mit dem Tod enden. Ihr aber habt das Wort Gottes entmachtet durch euere Eure Überlieferung, die aber nur Menschenwerk ist. Ihr verlaßt die Gebote Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen fest. Ihr verehrt Gott vergeblich, denn eure Gebote sind Menschenwerk. Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater pflanzte, wird entwurzelt werden.“
Und zu seinen Jüngern sagte er: „Laßt sie; als Blinde sind sie Führer von Blinden; wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in die Grube fallen“.
Jesus entwich in die Gegend von Tyros und Sidon. Er ging in ein Haus, und wollte, daß keiner es erfahren sollte - aber er konnte nicht verborgen sein. Eine Frau, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte, kam sofort, als sie von Jesus hörte. Sie fiel zu seinen Füßen nieder. Sie war aber Hellenin und der Abstammung nach aus Syro-Phönizien. Sie bat ihn, der er den Dämon aus ihrer Tochter hinauswerfe. Und er sagte ihr: „Laß zuerst gesättigt werden die Kinder; denn es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen und es den Hündchen vorzuwerfen“. (Das bedeutet: es ist nicht recht, erst Ausländer zu heilen und dann die eigenen Landsleute). Die Frau aber antwortete ihm: „Herr, auch die Hündchen unter dem Tisch essen von den Böckchen der Kinder“. Und er sprach zu ihr: „Oh Frau, groß ist dein Glaube. Wegen dieses Wortes geh fort, aus deiner Tochter ist der Dämon aus deiner Tochter“. Und geheilt wurde ihre Tochter von jener Stunde an.
Er ging weg aus dem Gebiet von Tyros und kam durch Sidon an den See von Galiläa mitten in die Gebiete der Dekapolis. Man brachte ihm einen Taubstummen und bat ihn, daß er ihm die Hand auflege. Er nahm ihn von der Volksmenge weg, legte seine Finger in seine Ohren, spukte und berührte seine Zunge, schaute auf zum Himmel, stöhnte und sagte zu ihm: Werde geöffnet ! Und sein Gehör öffnete sich, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. Und er trug ihnen auf, daß sie es keinem sagten; soviel er aber ihnen auftrug, sie verkündeten um so mehr, überreichlich. Und sie gerieten über die Maßen außer sich und sagten: Recht hat er alles gemacht, und die Taubstumen macht er hören und die Redelosen reden.
Es kamen die Pharisäer und Sadduzäer hinzu, und um ihn zu versuchen, verlangten sie von ihm ein Zeichen vom Himmel zu zeigen. Er sagte ihnen: Wenn ihr im Westen die Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es kommt Regen. Wenn der Südwind weht, sagt ihr, es wird Hitze sein. Wenn sich in der Frühe der trübe Himmel rötet, sagt ihr: Es kommt Sturm. Das Angesicht des Himmels zwar wißt ihr zu beurteilen, aber die Zeichen der Zeit könnt ihr nicht erkennen. Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt ein Zeichen, und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, wenn nicht das Zeichen des Jonas, des Propheten. Denn wie Jonas war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungetüms, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Als seine Schüler (mit dem Boot) zur gegenüberliegenden Seite des Sees kamen, stellten sie fest, daß sie vergessen hatten, Brote mitzunehmen. Sie hatten nichts im Boot außer einen einzigen Brot. Jesus sagte zu ihnen: „Der Sauerteig ist nicht gut für euch. Was macht ihr euch Sorgen, daß ihr kein Brot habt, ihr Kleingläubigen. Ihr begreift noch nicht und erinnert euch noch nicht an die fünf Brote, mit denen ihr die Viertausend gespeist habt und wieviel Körbe ihr am Schluß noch übrig hattet“. Sie sagten: „Zwölf“.
Da verstanden sie, daß er nicht davon sprach, daß sie sich vor dem Sauerteig der Brote in acht nehmen sollten, sondern vom Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.
Und Jesus kam in das Gebiet von Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er seine Jünger: „Wer, sagen die Menschen, daß ich sei ?“ Die aber sagten zu ihm: „Die einen meinen, du seist Johannes der Täufer. Andere aber, du seist Elias, und wieder andere: Jeremias oder einer der Propheten.“ Er befragte sie: „ Ihr aber, wer, sagt ihr, daß ich sein ?“ Da aber antwortete ihm Simon Petrus: „Die bist der Christos, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Jesus antwortete ihm: „Selig bist du, Simon Sohn des Jona, weil nicht Fleisch und Blut dir offenbarten, sondern mein Vater in den Himmeln. Und ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Tore des Hades werden sie nicht überwinden. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben, und was immer du bindest auf der Ere, wird gebunden sein im Himmel, und was immer die löst auf der Erde, wird aufgelöst sein in den Himmeln.
Dann trug er den Schülern auf,
daß sie keinem sagten: Er ist der Christus.
Es fand aber in Jerusalem die Tempelweihe statt;
es war Winter, und Jesus wandelte im Tempel, in er Halle Salomon. Da umringten
ihn die Juden und sprachen zu ihm: „Wie lange hältst du unsere Seele in Zweifel
? Bist du der Gesalbte, der König der Juden, so sag es uns frei heraus !“ Jesus
antwortete: „Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt es nicht; die Werke, die
ich tue, tue ich im Namen meines Vaters, diese legen für mich Zeugnis ab. Aber
ihr glaubt mir nicht, weil ihr nicht von meinen Schafen seid; wie ich euch
gesagt habe: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen
mir nach, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht
umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir
gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines
Vaters reißen. Ich und der Vater sind eins.
Da hoben die Juden wiederum Steine auf, um ihn
zu steinigen. Jesus antwortete ihnen: „Viele gute Werke habe ich euch gezeigt,
die ich durch meinen Vater getan habe; um welches dieser Werke willen steinigt
ihr mich ?“ die Juden antworteten: „ Wegen eines guten Werkes steinigen wir
dich nicht, sondern wegen der Gotteslästerung und weil du, der du ein Mensch
bist, dich selbst zum Gott machst !“ Jesus antwortete: „Steht nicht in euerem
Gesetz geschrieben: ‚Ich habe gesagt: Ihr seid Götter’ ? Wenn das Gesetz
diejenigen ‚Götter’ nennt, an welche das Wort Gottes erging – und die Schrift
kann doch nicht aufgehoben werden -, wie sprecht ihr dann zu dem, den der Vater
geheiligt und in die Welt gesandt hat: ‚Du lästerst !’ weil ich gesagt habe:
‚Ich bin Gottes Sohn’ ? Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubt mir
nicht ! Tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr schon nicht an
mich glaubt, auf daß ihr erkennt und glaubt, daß der Vater in mir ist und ich im
Vater.“
Da versuchten sie wieder ihn zu greifen; aber er
entging ihren Händen und zog wieder jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes
zuerst getauft hatte, und blieb daselbst. Und viel kamen zu ihm und sprachen:
„Johannes hat zwar kein Zeichen getan, aber alles, was Johannes von diesem
gesagt hat, ist wahr. Und es glaubten dort viele an ihn.
Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, daß er nach Jerusalem gehen müsse. Er sprach: „Der Sohn des Menschen muß vieles leiden und wird verworfen werden von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftkundigen; er wird getötet und am dritten Tagerweckt werden“. Diese Worte sagte er in aller Offenheit.Petrus nahm ihn auf die Seite und begann ihn anzufahren: „Gott sei dir gnädig, Herr; dies soll dir nicht geschehen.“ Jesus aber wandte sich um und sagte zu ihm: „Geh fort, Satan und bleibe hinter mir zurück ! Ein Ärgernis bist Du mir, weil du nicht den Plan Gottes im Sinn hast, sondern wie ein Mensch denkst.“
Es geschah etwa sieben Tage nach diesen Worten, da nahm Jesus den Simon Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder und brachte sie für sich allein auf einen hohen Berg hinauf. Und während er betete, leuchtete sein Gesicht vor ihnen wie die Sonne und seine Kleidung leuchtete weiß wie das Licht, und er wurde umgestaltet. Petrus aber und die anderen waren beschwert vom Schlaf; als sie aufwachten, sahen sie seine Herrlichkeit und zwei Männer, die bei ihm standen. Das waren Moses und Elias und sie unterredeten sich mit Jesus über sein Ende in Jerusalem, das zu erfüllen er im Begriff war. Petrus sagte: „Herr, recht ist es, daß wir hier sind; wenn du willst, werden wir dir drei Zelte machen: eines für dich, eines für Moses und eines für Elias.“ Während er noch redete, entstand eine lichte Wolke und überschattete sie, und siehe eine Stimme aus der Wolke sagte: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen fand; hört ihn. Und die Jünger fielen auf ihr Gesicht und fürchteten sich sehr. Jesus kam hinzu, berührte sie und sprach: „Steht auf und fürchtet euch nicht !“ Sie erhoben ihre Augen und sahen keinen anderen außer ihn, Jesus allein. Und während sie vom Berg herabstiegen, trug er ihnen auf, daß sie keinem etwas von dem erzählen sollten, was sie gesehen hatten, bis daß der Sohn des Menschen von den Toten auferstanden sei. Und sie hielten das Wort fest und stritten unter sich: Was ist das „Vom Tod auferstehen ?“
Und seine Jünger befragten ihn: „Wieso sagen die Schriftkundigen: Elias muß zuerst kommen ?“ Jesus aber sprach: „Elias kommt zwar und wird alles wiederherstellen; ich aber sage euch: Elias kam schon, aber sie erkannten ihn nicht, sondern sie taten an ihm, was sie wollten; so wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden.“ Da verstanden die Schüler, daß er zu ihnen von Johannes dem Täufer sprach.
Als sie am nächsten Tag vom Berg herabkamen, kam ihnen eine große Volksmenge entgegen und Schriftkundige stritten gegen die Jünger. Jesus kam hinzu und sagte: „Warum streitet ihr gegen sie ?“. Ein Mann aus der Volksmenge sagte: „Lehrer, ich bitte dich, schau nach meinem einzigen Sohn. Ich brachte ihn zu deinen Jüngern. Wo immer es in ergreift, reißt es ihn nieder, und er hat Schaum vor dem Mund, knirscht mit den Zähnen und erstarrt in einem Krampf. Ich bat deine Jünger, daß sie den bösen Geist, der dies verursacht hinauswerfen sollen, aber sie vermochten es nicht. Mein Sohn ist nicht ansprechbar.“ Jesus aber sagte: „Oh du ungläubiges Geschlecht, bis wann werde ich bei Euch sein ? Bis wann werde ich Euch ertragen ? Bringt ihn zu mir !“ Und sie brachten ihn zu ihm. Und in diesem Moment erlitt der Knabe einen zweiten epileptischen Anfall, und wurde hin und her gerissen, fiel auf die Erde, wälzte sich und Schaum trat vor seinen Mund. Und Jesus befragte seinen Vater: „Seit wann hat er diese Anfälle ?“ Der aber sprach: „Von Kind an. Oft fiel er auch ins Feuer oder in ein Gewässer. Der Geist, der in ihm wohnt, wollte ihn vernichten; doch wenn du kannst, hilf uns, hab Mitleid mit uns !“ Jesus sprach: „Wer glaubt, dem ist alles möglich und er kann alles.“ Da schrie der Vater des Knaben sofort: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben !“ Jesus sah, daß eine Menschenmenge zusammenlief und fuhr den unreinen Geist an: „Redeloser und stummer Geist, ich befehle dir, komm heraus aus ihm und gehe nicht mehr in ihn hinein. Und schreiend und viel zerrend kam er heraus; und er wurde wie tot, sodaß viele sagten: Er starb. Jesus aber, ergreifend seine Hand, richtete ihn auf, und er stand auf.
Und nachdem er hineingegangen war in das Haus, befragten ihn seine Schüler für sich: Wieso konnten wird ihn nicht hinauswerfen: Und er sprach zu ihnen: „Dies Art (von Geist) kann durch nichts hinauskommen, außer durch Gebet. Wegen eueres Kleinglaubens, amen, konntet ihr den Geist nicht hinauswerfen. Wenn ihr einen Glauben wie ein Senfkorn habt, werdet ihr diesem Berg sagen: Geh fort, und er wird fortgehen; und nichts wird euch unmöglich sein.“
Sie zogen von dort in Galiläa umher; denn er wollte nicht, daß sie in Judäa umherzögen, weil die Judäer suchten, ihn zu töten. Als sie zusammenkamen, sprach Jesus zu ihnen: „Der Sohn des Menschen ist in Begriff, übergeben zu werden in die Hände von Menschen, und sie werden ihn töten, nach drei Tagen aber wird er aufstehen.“ Die Jünger aber verstanden das Wort nicht, und sie trauten sich nicht, ihn zu befragen. Und sie wurden alle sehr betrübt.
Als sie nach Kapernaum kamen, kamen diejenigen, welche die Doppeldrachmen einnahmen, zu Petrus und sprachen: „Euer Lehrer, zahlt er nicht die Doppeldrachmen ?“ Er sagte: „Ja“. Jesus sagte zu Simon Petrus: „Was denkst Du, Simon ? Die Könige der Erde, von wem nehmen sie Zoll oder Steuer ? Von ihren Söhnen oder von den Fremden ?“ Als er aber sprach: „Von den Fremden“, sagte Jesus: „Also sind die Söhne frei von Steuern. Damit wir ihnen aber keinen Grund geben, Anstoß zu nehmen: Geh ans Meer, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufsteigt, und öffne ihm sein Maul; du wirst einen Stater darin finden; nimm jenen und gib ihn ihnen für mich und dich !“
Als sie zu Hause ankamen, befragte er sie: „Was habt ihr auf dem Weg überlegt ?“ Die aber schwiegen; denn untereinander hatten darüber gestritten, wer von ihnen der Größere sei im Himmelreich.
Da kam die Mutter der Zebedaios mit ihren Söhnen; sie fiel nieder und sagte: „Rabbi, ich will, daß du uns tust, was immer wir dich bitten“. Der aber sprach: „Was wollt ihr, daß ich für euch tun soll ?“ Sie antwortete: „Versprich, daß diese meine zwei Söhne, in deinem Königreich neben dir sitzen werden, einer zur Linken und einer zur Rechten“. Jesus aber sprach: „Ihr wisst nicht, was ihr erbittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde ? Oder werdet ihr die Taufe getauft werden, die ich getauft werde ? Wem gegeben sein wird, zu meiner Rechten oder Linken zu sitzen, das ist nicht meine Sache, sondern diejenigen, denen es von meinem Vater bereitet ist“. Und als sie das hörten, begannen die zehn anderen Jünger unwillig zu sein über Jakobus und Johannes. Jesus setzte sich und rief die Zwölf und sagte ihnen: „Wenn einer erster sein will, soll er letzter sein und aller Diener“. Ihr wisst, daß die Herrscher sich der Völker bemächtigen und ihnen Gewalt antun. Unter euch aber soll es nicht so sein. Wer von euch der Erste sein will, der soll euer Sklave sein, denn der Sohn des Menschen kam auch nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld anstelle vieler. Wer ist größer ? Derjenige, der bei Tisch sitzt oder der, der ihn bedient ? Ich aber bin unter euch um zu dienen und um mein Leben als Lösegeld für viele zu geben“.
Und die Leute brachten zu ihm die Kinder herein, darunter auch Säuglinge, damit er sie berühre; die Jünger aber fuhren die Leute an. Jesus aber wurde unwillig und sprach: Laßt die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes ! Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr euch nicht innerlich wandelt und wie die Kinder die Botschaft vom Königreich Gottes aufnehmt, dann kommt ihr nicht in dieses hinein.
Und er nahm ein Kind, stellte es in ihre Mitte, umarmte es und sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: „Wer das Königreich Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, der kommt nicht hinein in es“. Und wer immer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer immer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich schickt“. Und Jesus umarmte die Kinder, segnete sie und legte ihnen die Hände auf.
Johannes sagte zu ihm: „Meister, wir sahen einen Menschen in deinem Namen Dämonen hinauswerfen, und wir hinderten ihn, weil er uns nicht nachfolgt.“ Jesus aber sprach: „Hindert ihn nicht ! Denn keiner kann eine Kraft-Tat in meinem Nahmen zu vollbringen und mich gleichzeitig beschimpfen. Wer nicht gegen uns ist, für uns. Wer immer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr Anhänger des Christos seid, er wird dafür belohnt werden“.
Jesus sprach: „Wer immer diesen Kleingläubigen Anstoß gibt: Besser wäre es für ihn, wenn ein Eselsmühlstein um seinen Nacken gelegt würde und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. Und wenn dir deine Hand Anstoß gibt, schlag sie ab ! Besser ist es, du gehst als Krüppel durch das Leben, als in die Hölle hinabzugehen, in das unlöschbare Feuer. Und wenn dein Fuß dir Anstoß gibt, schlage ihn ab ! Besser du gehst in das Leben hinein als Lahmer, als daß du in die Hölle geworfen wirst. Und wenn dir dein Auge Anstoß gibt, wirf es weg ! Besser ist es, daß du als Einäugiger ins Reich Gottes eingehst, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo das Feuer nie gelöscht wird. Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden; wenn aber das Salz salzlos wird, mit was werdet ihr es würzen ? Habt in euch Salz und haltet Frieden untereinander !“
Jesus sprach: „Wenn aber dein Bruder gesündigt hat, geh fort, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Stelle ihn unter vier Augen zur Rede, fahre ihn an und überführe ihn der Sünde; wenn er umkehrt, vergib ihm. Wenn er dich hört, gewannst du einen Bruder. Und wenn er siebenmal am Tag gegen dich sündigt und er sich siebenmal zu dir hinwendet und sagt: Ich kehre um, erlasse mir meine Schuld, dann sollst du sie ihm erlassen.
Wenn er aber dich nicht hört, nimm dir noch einen oder zwei, damit durch den Mund von zwei oder drei Zeugen jedes Wort Bestand habe; wenn er aber vorbeihört an ihnen, sprich zur Gemeinde; wenn er aber auch an der Gemeinde vorbeihört, sei er dir wie der Heidnische und der Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Wieviel immer ihr bindet auf der Erde, wird gebunden sein im Himmel, und wieviel immer ihr löst auf der Erde, wird gelöst sein im Himmel. Von wem immer ihr erlasst die Sünden, erlassen werden sie ihnen, von welchem ihr sie behaltet, behalten sind sie. Denn dir, Simon Petrus sage ich: Ich werde dir den Schlüssel zum Himmelreich geben, und was immer du bindest auf der Erde, wird gebunden sein in den Himmeln, und was immer du löst auf der Erde, wird gelöst sein in den Himmeln.“
Petrus sprach zu ihm: „Herr, wie oft wird mein Bruder gegen mich sündigen, und ich werde ihm seine Sünden erlassen ? Bis siebenmal ?“ Es sagte ihm Jesus: „Ich sage dir nicht siebenmal, sondern siebzigmal sieben. Und wenn er siebenmal am Tag sündigt und sich siebenmal an dich wendet und sagt: Ich kehre um, erlassen sollst du sie ihm !“
Das Königreich Gottes ist wie ein König, der Abrechnung halten wollte mit seinen Sklaven. Als er aber begann abzurechnen, wurde zu ihm einer gebracht, der war Schuldner von zehntausend Talenten. Da er aber nichts hatte, das er zurückgeben konnte, befahl der Herr, daß er verkauft werde und seine Frau und seine Kinder und alles, wieviel er hatte, und daß zurückgezahlt werde.
Da fiel nun der Sklave vor ihm nieder und sagte: „Sei großmütig zu mir, und ich werde dir alles zurückgeben. Ergriffen entließ ihn der König und erließ ihm die Schuld. Als jener Sklave vom Herren herauskam, fand er einen Mitsklaven, der schuldete ihm 100 Denare, und er ergriff ihn und sagte: „Gib zurück, was du mir schuldest !“ Der fiel nieder und bat um Mitleid und sagte: „Sei großmütig, ich werde dir zurückgeben !“ Der aber wollte nicht, ging weg und warf ihn ins Gefängnis, bis er das Geschuldete zurückgebe. Als nun seine Mitsklaven sahen, was geschah, wurden sie sehr betrübt, und sie kamen zu dem Herren und erklärten ihm, was geschehen war. Dann ließ der Herr ihn herbeirufen und sagte: „Böser Sklave, all jene Schuld erließ ich dir, weil du mich batest: mußt nicht auch du dich deines Mitsklaven erbarmen, wie ich mich auch deiner erbarmte ?“ Und erzürnt übergab ihn der Herr dern Folterern, bis daß er zurückgebe alles Geschuldete. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht erlaßt, jeder seinem Bruder, von euerem Herzen.
Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde in jeder Sache übereinstimmen, die immer sie erbitten, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel gewährt werden. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, dort bin ich in eurer Mitte.
Es geschah aber, als sich die Tage vollendeten, daß er in den Himmel emporgehoben werden sollte, daß er richtete das Gesicht darauf, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor seinem Angesicht her. Und sie kamen in ein Dorf der Samariter hinein, um ihm eine Herberge zu bereiten; aber sie nahmen ihn nicht auf, weil sein er nach Jerusalem ging. Als sie das sahen, sprachen die Jünger Jakobus und Johannes: „Herr, willst du, daß wir einen Fluch ausstoßen, daß Feuer herabsteigt und sie vertilgt ?“ Er wandte sich aber um und fuhr sie an. Und sie gingen in ein anderes Dorf.
Ein Mann stieg hinab von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die Räuber. Sie zogen ihn aus, versetzten ihm Schläge, gingen weg und ließen ihn halbtot liegen. Durch Zufall aber stieg ein Priester hinab auf jenem Weg, er sah ihn und ging vorbei; gleicherweise aber kam auch ein Levit an den Ort, sah ihn und ging vorbei. Ein Samariter aber, der unterwegs war, kam zu ihm, und als er ihn sah, erbarmte er sich. Er ging hin und verband seine Wunden, goß Öl und Wein darauf; er setzte ihn auf das eigene Lasttier, führt ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Und am Tag darauf nahm er zwei Denare heraus, gab sie dem Herbergswirt und sprach: „Sorge für ihn, und was immer du aufwendest, ich werde es dir bei meinem Zurückkommen zurückgeben“. Wer von diesen dreien dünkt dir, wurde Nächster des unter die Räuber Gefallenen ? Der Pharisäer sprach: „Der sich seiner erbarmte“. Jesus sprach zu ihm: „Geh, und tue in gleicher Weise !“
Unterwegs mit seinen Jüngern ging er in ein Dorf; eine Frau mit Namen Martha nahm ihn auf. Und diese hatte eine Schwester, gerufen Mariam, und sie saß zu den Füßen des Herrn und hörte sein Wort. Martha aber war über die Maßen beschäftigt mit vielen Diensten; sie trat hinzu und sprach: „Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester mir die ganze Arbeit allein überließ. Sag nun zu ihr, sie soll mir helfen“. Da sprach der Herr zu ihr: „Martha, Martha, du sorgst und beunruhigst dich um vieles, eines aber ist nötig; den Mariam wählte den guten Teil aus, welcher nicht von ihr weggenommen wird“.
Und es geschah, als er an einem Ort betete; wie er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: „Herr, lehre uns beten, gleichwie auch Johannes lehrte seine Schüler. Er sprach aber zu ihnen: Wann ihr betet, sagt:
Vater, geheiligt werden soll dein Name; dein Königreich soll kommen, unser täglich Brot gib uns heute und erlaß uns unsere Sünden, wie wir auch vergeben unseren Schuldnern; und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns vom Bösen.“
Und er sprach zu ihnen: „Nehmen wir an, jemand hätte einen Freund, zu dem er mitternachts käme und sagen würde: ‚Freund, leih mir drei Brote; ein Freund, der unterwegs ist, kam vorbei, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann“. Jener würde aber von innen antworten: ‚Bereite mir keine Mühe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder sind mit mir ins Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben’. Um der Freundschaft willen würde er nicht aufstehen und etwas geben. Wenn ihr aber unverschämt und hartnäckig bleibt, dann wird er aufstehen und geben soviel ihr braucht.
Bittet, und so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopft an und es wird euch aufgetan werden; denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet werden. Oder wer von euch ist ein Mensch, der seinem Sohn, wenn er um ein Brot bittet, einen Stein übergeben wird ? Oder wenn er um einen Fisch bittet: wer wird ihm eine Schlange übergeben ? Oder wenn er um ein ei bittet, wer wird ihm dann einen Skorpion übergeben ? Wenn ihr nun, die ihr böse seid, es versteht, eueren Kindern gute Gaben zu geben, um wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten“.
Bei seinen Reden bat ihn ein Pharisäer, daß er mit ihm frühstücke; er ging hin und ließ sich nieder. Der Pharisäer aber sah, daß er sich nicht vor dem Frühstück wusch und staunte. Aber der Herr sprach zu ihm: „Das Äußere des Bechers und des Tellers reinigt ihr, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. Ihr Unvernünftigen, macht ihr nicht das Äußere zum Inneren ? Jedoch das Inwendige gebt als Almosen, und siehe, alles ist euch rein. Aber wehe euch, den Pharisäern, weil ihr auf die Minze und die Raute und alles Gemüse besteuert und vorbeigeht am Recht und an der Liebe zu Gott. Dieses müsste man tun und jenes nicht lassen. Ihr liebt, daß man euch den vordersten Platz in der Synagoge gibt und den ersten Platz bei den Mählern und daß man euch auf den Märkten begrüßt.
Wehe euch, ihr seid Heuchler, ihr gleicht den Grabmählern, welche außen schön scheinen aber voll sind von Totengebein und jeder Unreinheit. Sie binden aber schwere Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen, selber wollen sie aber mit keinem Finger anpacken. Wehe euch, Schriftkundige und Pharisäer, Heuchler, weil ihr die Grabmähler der Propheten baut und die Gräber der Gerechten schmückt, und sagt: ‚Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wir hätten keinen Anteil daran gehabt, daß das Blut der Propheten vergossen wurde’. Aber ihr steht in der Tradition euerer Väter, und ihr macht das Maß eurer Väter voll. Ich schicke zu euch Propheten und Weise und Schriftkundige; etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und ihr werdet sie von Stadt zu Stadt verfolgen;
auf daß über euch das Blut der Gerechten komme, das ausgegossen wurde auf der Erde, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes des Barachias, den ihr ermordet habt zwischen Tempel und Altar. Ja, ich sage euch: kommen wird all dies über dieses Geschlecht. Wehe aber euch, Schriftkundige und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Königreich Gottes vor den Menschen verschließt; denn ihr geht nicht hinein, und diejenigen, die hineingehen lasst ihr nicht hineinkommen“.
Und als er von dort herauskam, begannen die Schriftkundigen und die Pharisäer arg zu grollen; und sie schauten ihm auf dem Mund wegen mehrerem, und sie stellten ihm nach, um etwas aus seinem Mund zu erjagen.
Als sich unterdessen Zehntausende der Volksmenge versammelten, so daß sie traten einander, begann er zu seinen Jüngern zu sagen: „Nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher ist Heuchelei !
Fürchtet euch nicht ! Nichts ist ganz und gar unverhüllt, was nicht offenbart werden wird. Was ich euch in der Finsternis sage, sprecht im Licht, und was ins Ohr ihr hört, verkündet auf den Dächern ! Fürchtet euch nicht, vor denen, die den Leib tötet, die Seele können sie nicht töten; fürchtet aber den mehr, der sowohl die Seele wie auch den Leib vernichten kann in der Hölle ! Werden nicht fünf Sperlinge für ein Assarion verkauft ? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater. Die Haare auf euerem Kopf sind alle gezählt. Fürchtet euch also nicht ! Von den Sperlingen unterschiedet ihr Euch. Jeder nun, welcher sich bekennen wird zu mir vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. Und wer immer ein Wort spricht gegen den Sohn des Menschen, das wird ihm erlassen werden; wer aber spricht wider den Heiligen Geist,, dem wird nichts erlassen werden, weder in diesem Äon noch in zukünftigen. Wenn sie euch hinführen zu den Synagogen und Hoheiten und Mächten, sorgt euch nicht, wie oder was ihr verteidigen sollt oder was ihr sprechen sollt ! Denn der Heilige Geist wird euch lehren in der Stunde selbst, was nötig ist zu sprechen.
Es sprach aber einer aus der Volksmenge zu ihm: „Lehrer, sprich zu meinem Bruder, teilen soll er mit mir das Erbe“. Jesus aber sprach zu ihm: „Mensch, wer stellt mich auf als Richter oder Teiler über euch ? Seht zu und hütet euch vor aller Habgier, denn wenn auch einer einen Überfluß hat, so beruht doch sein Leben nicht auf dem Besitz“.
Er sprach aber ein Gleichnis zu ihnen: Eines reichen Mannes Land trug gut. Und er überlegte bei sich und sagte: Was werde ich tun, weil ich nichts habe, wo ich meine Früchte sammeln kann ? Und er sprach: Dies werde ich tun: Ich werde meine Scheunen niederreißen, und ich werde größere bauen, und dort werde ich meinen ganzen Weizen und meine Güter sammeln; und ich werde meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter daliegen, auf viele Jahre hinaus; ruhe aus, iß, trink, freu dich ! Es sprach aber Gott zu ihm: Unvernünftiger, in dieser Nacht fordert man deine Seele von dir ein; was du aber bereitet hast, für wen wird das sein ? So geht es dem, der für sich Schätze sammelt aber nicht reich ist vor Gott“.
Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen sollt und nicht um eueren Leib, was ihr anziehen sollt ! Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als das Gewand. Schaut zu den Vögeln des Himmels: sie sähen nicht, sie ernten nicht noch sammeln sie etwas in Scheunen, und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Wieviel mehr wert seid ihr als die Vögel ! Wer aber von euch kann durch sein Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen ? Wenn ihr nicht das geringste könnt, was sorgt ihr euch um die übrigen Dinge ? Und was sorgt ihr euch um ein Gewand ? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und sie weben und spinnen nicht; ich aber sage euch: Auch nicht Salomon in seiner Herrlichkeit war gekleidet wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras auf dem Feld, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, um wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen ? Sorgt euch also nicht und sagt: Was sollen wir essen ? Was sollen wir trinken ? Denn alles dieses erstreben die Völker; aber euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft. Sucht aber zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dieses alles wird euch hinzugelegt werden. Fürchtete euch nicht, kleine Herde, denn es gefiel euerem Vater, euch das Königreich zugeben. Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Wurm vernichten und wo Diebe einbrechen und alles stehlen. Macht euch nicht veraltete Geldbeutel. Für euch gibt es einen unerschöpflichen Schatz im Himmel, wo ein Dieb nicht nahe kommt noch eine Motte etwas vernichtet. Da wo euer Schatz ist, da wird euer Herz sein.
Eure Lenden seien umgürtet und euere Lichter sollen brennen ! und ihr sollt Menschen gleich sein, die auf ihren Herren warten, wann er von der Hochzeit aufbricht, damit sie, wenn er kommt und klopft, sogleich ihm öffnen. Selig sind jene Sklaven, die der Herr wach findet, wenn er kommt; amen, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie hinlegen lassen und er wird an ihnen entlanggehen (und Wache für sie halten). Und wenn er in der zweiten und wenn er in der dritten Nahtwache kommt und sie so (wach) findet: selig sind jene ! Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, er ließe nicht zu, daß in sein Haus eingebrochen wird. Werdet auch ihr bereit, denn in der Stunde, in der ihr es nicht erwartet, da kommt der Sohn des Menschen. Es sprach aber Petrus: Herr, sagst du das zu uns in diesem Gleichnis, oder sagst du es zu allen ? Und es sprach der Herr: Wer also ist der treue Verwalter, den der Herr über seine Dienerschaft stellen wird, um zur bestimmten Zeit ihm die Verpflegungsration geben soll ? Selig ist jener Sklave, den der Herr, wenn er kommt, finden wird, daß er solches tut ? Wahrlich, ich sage euch: Zum Verwalter über allen seinen Besitz wird er ihn ernennen. Wenn aber jener Diener in seinem Herzen spricht: Mein Herr lässt sich Zeit zu kommen, und er beginnt die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und trinken und betrunken zu werden. Aber eines Tages wird der Herr jenes Dieners kommen, an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die, die er nicht weiß. Dann wir der Herr den Diener in Stücke und seinen Teil wird er mit den Ungläubigen festsetzen.
Jener Diener aber, der den Willen des Herren kennt, der aber nichts vorbereitet hat oder nicht nach dem Willen des Herren gehandelt hat, wird mit vielen Schlägen geschunden werden. Von jedem aber, dem viel gegeben wurde, wird viel verlangt werden, und wem viel anvertraut wurde, von dem wird viel gefordert werden.
Er sagte aber auch den Volksmengen: Wenn ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr, daß Regen kommt und es wird so; und wenn ihr den Südwind wehen seht, sagt ihr, daß Hitze sein wird, und es wird. Ihr Heuchler, das Angesicht der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen, diese Zeit aber, wie wisst ihr sie nicht zu beurteilen ? Warum urteilt ihr aber von euch selbst aus nicht das Rechte ? Denn wenn du fortgehst mit deinem Widersacher zu einem Vorsteher, gibt dir unterwegs Mühe, loszukommen von ihm, damit er dich nicht fortschleppt zum Richter, und der Richter dich den Schergen übergibt, und die Schergen werfen dich ins Gefängnis. Ich sage dir: Die wirst von dort nicht hinausgehen, bis du auch den letzten Cent zurückgibst.
Es waren aber zu eben dieser Zeit einige zugegen, die ihm über die Galiläer berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer Sünder waren, mehr als alle Galiläer, weil sie dieses erlitten haben ? Nein, ich sage euch: Sondern wenn ihr nicht umkehrt, dann werdet ihr alle gleicherweise zugrundegehen.
Das Gleichnis vom Feigenbaum
Er sagte aber dieses Gleichnis: Einer hatte einen Feigenbaum in seinem Weinberg gepflanzt, und er kam und suchte eine Frucht an ihm, und er fand keine. Er sprach aber zu dem Winzer: Siehe, ich komme jetzt seit drei Jahren und suche nach einer Frucht an diesem Feigenbaum, und ich finde nichts; hau ihn nun aus, denn er saugt nur die Erde aus. Der aber antwortete ihm: Herr, laß ihm auch dieses jahr, bis ich um ihn herum grabe und Mist hineinwerfe, vielleicht trägt er dann Frucht inder Zukunft; wenn nicht, dann wirst du ihn abhauen.
Er aber lehnte sich an den Sabbaten in einer der Synagogen. Und siehe, es war da eine Frau, die hatte einen Krankheitsgeist seit achtzehn Jahren, und sie war gekrümmt und konnte sich nicht zur Gänze aufrichten. Als Jesus sie sah, rief er sie herbei und sprach zu ihr: Frau, sei befreit von deiner Krankheit; und er legte ihr die Hände auf; und auf der Stelle wurde sie aufgerichtet und verherrlichte Gott.
Sabbatstreit: Darauf sagte der Synagogenvorsteher, der unwillig darüber war, daß Jesus am Sabbat heilte, zu der Volksmenge: An sechs Tagen soll man arbeiten; an ihnen kannst du kommen und heilen, aber nicht am Sabbat-Tag. Der Herr Jesus aber antwortete ihm und sprach: Heuchler, löst nicht jeder von euch am Sabbat sein Rind oder den Esel von der Krippe und führt ihn weg zu Tränke ? Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan band, siehe, achtzehn Jahre lang, soll nicht gelöst werden von dieser Fessel am Tag des Sabbats ? Und als er dies sagte, schämten sich alle seine Gegner, und die ganze Volksmenge freute sich über alle glanzvolle Taten, die von ihm geschehen waren.
Und er durchwanderte die Gegend, zog lehrend durch Städte und Dörfer, auf der Reise nach Jerusalem. Es sprach einer zu ihm: Herr, ob es wenige sind, die gerettet werden ? Der aber sprach zu ihnen: Kämpft, um hineinzugehen durch diese enge Tür, denn viele, sage ich euch, werden versuchen, hineinzugehen und es nicht können; denn breit ist das Tor und breit ist der Weg, der ins Verderben führt, und viele gehen hindurch, eng aber ist das Tor und eng ist der Weg, der ins Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden ! Wenn der Hausherr aufsteht und das Tor verschließt, dann steht ihr draußen vor der Tür und klopft und sagt: Herr, öffne uns ! Und er wird euch sagen: Ich kenne euch nicht, und ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir aßen mit dir und tranken, und auf unseren Straßen lehrtest du. Und er wird sagen: Ich kenne euch nicht, entfernt euch von mir, die ihr Unrecht getan habt ! Dann wird da sein heulen und Zähneklappern, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Königreich Gottes sehen werdet, ihr aber seid als Hinausgeworfene draußen. Und dann werden sie von Osten und Westen kommen du von Norden und von Süden, und sie werden sich an den Tisch setzten im Königreich Gottes. Und siehe, die Letzten werden die Ersten sein, und die Ersten die Letzten.
In eben jener Stunde kamen einige Pharisäer hinzu und sagte zu ihm: „Geh hinaus und geh fort von hier, denn Herodes will dich töten“. Und er sprach zu ihnen: „Geht und sprecht zu diesem Fuchs: Sieh, ich werfe die Dämonen hinaus, und ich vollbringe heute und morgen Heilungen, und am dritten Tag bin ich fertig. Jedoch muß ich heute und morgen und am folgenden Tag wandern, weil es nicht angeht, daß ein Prophet außerhalb von Jerusalem stirbt“.
Jerusalem, Jerusalem, die Stadt, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr geschickt werden, wie oft wollte ich deine Kinder zusammenführen, wie ein Vogel seine Brut unter seinen Flügeln zusammenführt, und ihr wolltet nicht. Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr sollt mich ab jetzt nicht mehr sehen bis ihr sagt: Gesegnet sei derjenige, der im Namen des Herren kommt.
Jesus ging am Sabbat in das Haus eines der Vorsteher der Pharisäer, um Brot zu essen. Da belauerten sie ihn. Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm. Und Jesus sprach zu den Gesetzeskundigen: Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen oder nicht ? Die aber blieben still. Und er fasste ihn an, heilte ihn und entließ ihn. Und er sprach zu ihnen: Wer von euch wird einen Sohn oder ein Rind, das in den Brunnen gefallen ist, nicht sogleich herausziehen, auch wenn an diesem Tag Sabbat ist ?Wer von euch ist ein Mensch, der es nicht ergreift und herausholt ? Ihr Heuchler, löst nicht jeder von euch am Sabbat sein Rind oder seinen Esel von der Krippe und führt er es nicht zur Tränke ? Und dagegen konnte sie nichts sagen.
Er sagte aber zu den Eingeladenen ein Gleichnis, da er darauf achtgab, wie sie die besten Plätze bei Tisch auswählten. Er sagte zu ihnen: „Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, dann setzt dich nicht auf den bevorzugten Platz; es könnte sein, daß einer eingeladen ist, der angesehener ist als du. Dann kommt nämlich derjenige, der euch eingeladen hat und sagt zu dir: Gib diesen Platz frei !Und dann wirst du mit Schande dich auf den letzten Platz setzten. Also, wenn man dich einlädt, geh, laß dich nieder auf dem letzten Platz, damit der Gastgeber zu dir sagen wird: Freund, rücke höher hinauf ! Dann wird dir Ehre zuteil vor allen, die mit dir zu Tisch sitzen. Denn wer sich erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden“.
Er sagte aber auch dem Gastgeber: „Wenn du ein Frühstück oder ein Mal machst, rufe nicht deine Freunde und deine Brüder und nicht deine Verwandten und nicht reiche Nachbarn, damit sie eine Gegeneinladung aussprechen und du eine Gegenleistung erhältst. Sondern, wenn du eine Einladung machst, rufe Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ! Und selig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir eine Gegenleistung zu machen, denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
Und Jesus sprach wieder in Gleichnissen zu ihnen: Das Himmelreich ist wie ein Mensch, ein König, der eine Hochzeit für seinen Sohn machte. Und er schickte seine Sklaven, um die Gäste zur Hochzeit einzuladen. Aber sie wollte nicht kommen. DA schickte er wiederum eine andere Sklaven und sagte: Sprecht zu den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und Maststiere sind geschlachtet, und alles ist bereit. Auf zur Hochzeit ! Aber sie begannen auf einmal alle zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und ich bin gezwungen hinauszugehen um ihn zu sehen: ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Rinder gekauft, und ich gehe, um sie zu prüfen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet, und deswegen kann ich nicht kommen. Und sie kümmerten sich nicht und gingen weg, der eine auf den eigenen Acker, der andere zu seinem Geschäft. Und als der Sklave zurück kam und es seinem Herren meldete, wurde dieser zornig und der König sprach zu seinen Sklaven: Geht schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führt die Armen und Krüppel, die Blinden und Lahmen hierher ! Nachdem eine Zeit vergangen war, sagten die Sklaven: Herrr, es ist geschehen, wie du befahlst, aber wir haben immer noch Plätze frei. Und das sprach der Herr: Geht hinaus an die Wege und Zäune und und dränge sie hereinzukommen, damit mein Haus gefüllt wird ! Und die Sklaven gingen hinaus und sammelten alle, die sie fanden, Böse und Gute; und der Hochzeitssaal wurde mit Gästen gefüllt. Und der Herr sprach: Keiner jener Männer, die ursprünglich eingeladen waren, wird mein Mahl kosten.
Ein große Volksmenge ging mit ihm; und er drehte sich um und sprach zu ihnen: Wenn einer zu mir kommt und nicht seinen Vater und die Mutter haßt und die Kinder und die Brüder und Schwestern, und auch noch sein eigenes leben, dann kann er nicht mein Schüler sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir her geht, der kann nicht mein Schüler sein. Denn wer von euch berechnet nicht zuerst den Aufwand, wenn er einen Turm bauen will, damit er weiß, ob er ihn auch vollenden kann ? Damit er nicht etwa, wenn er ein Fundament gesetzt hat, dumm dasteht, weil er sein Werk nicht vollenden kann und alle zu schauen beginnen und ihn verspotten und sagen: Dieser Mensch begann zu bauen und er schaffte es nicht, zu vollenden. Oder welcher König, der mit einem anderen König zum Krieg aufeinandertrifft, wird nicht zuerst sich hinsetzen und beraten, ob er fähig is mit zehntausend Mann einem entgegenzutreten, der mit zwanzigtausend Mann kommt ? Wenn er aber nicht fähig ist, dann schickt er, wenn sein Gegner noch weit ist, ihm eine Gesandtschaft entgegen und bittet um Bedingungen für den Frieden. So also kann jeder von euch, der sich nicht von all seinem Besitz trennt, nicht mein Schüler sein. Gut ist das Salz; wenn es aber schal wird, mit was wird es gewürzt werden ? Weder für die Erde noch den Mist ist es tauglich; man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre !
Es näherten sich ihm alle Zöllner und Sünder, die ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sagten: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen. Er sprach aber zu ihnen in diesem Gleichnis: Wenn einer hundert Schafe besitzt und es verirrt sich eines von ihnen, wird er dann nicht die neunundneunzig anderen in der Einöde zurücklassen und das verirrte suchen bis er es findet ? Und wenn er es gefunden hat, legt er es dann nicht auf seine Schultern, freut sich und ruft, zu Hause angekommen, alle Freunde und Nachbarn und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, weil ich mein Schaf fand, das verlorene. Ich sage euch: So wird im Himmel mehr Freude sein über einen umkehrenden Sünder als über neunundneunzig Gerechte, welche eine Umkehr nicht nötig haben. Und so will mein Vater im Himmel nicht, daß eines dieser Schafe verloren geht.
Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat und eine Drachme verliert, zündet nicht eine Leuchte an und fegt das Haus und sucht sorgfältig, bis daß sie findet ? Und wenn sie gefunden hat, dann ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, weil ich die Drachme fand, die ich verlor. So, sage ich euch, ist die Freude unter den Engeln Gottes über einen Sünder, der umkehrt.
Er aber sprach: Ein Mann hatte zwei Söhne. Und es sprach der jüngere von ihnen zum Vater: Vater, gibt mir meinen Erbteil ! Der aber teilte ihm den Besitz zu. Und nach nicht vielen Tagen sammelte der Jüngere alles ein und verreiste in ein fernes Land, und dort verprasste er sein Vermögen, indem er liederlich lebte. Als er aber alles ausgegeben hatte, entstand über jenes Land eine starke Hungersnot, und er begann Mangel zu leiden. Und er schloß sich einem der Bürger jenes Landes an, und der schickte ihn auf seine Äcker, um die Schweine zu weiden; und der jüngere Sohn bat darum, daß er sich von den Schoten sättigen dürfe, die die Schweine fraßen, aber keiner gab sie ihm. Und er ging in sich und sagte: Wieviele Lohnarbeiter meines Vaters haben Überfluß an Broten, ich aber gehe an der Hungersnot zugrunde. Ich werde aufstehen, zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich sündigte gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden; mache mich zu einem deiner Lohnarbeiter ! Und er stand auf und ging zu seinem Vater. Als er noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und erbarmte sich, und er lief zu ihm hin und fiel ihm um den Hals und küsste ihn ab. Es sprach aber der Sohn zu ihm: Ich sündigte gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn genannt zuwerden. Es sprach aber der Vater zu seinen Sklaven: Schnell bringt das beste Gewand heraus und bekleidet ihn, und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße, und bringt das gemästete Kalb und schlachtet es; wir wollen essen und feiern, weil mein Sohn tot war und wieder ins Leben kam; er war verloren und wurde wieder gefunden. Und sie begannen zu feiern.
Sein ältester Sohn war aber auf dem Acker; und als er zurückkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Reigen, und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte sich, was dieses sei. Der aber sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat ein gemästetes Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen, sein Vater aber, der herauskam, bat ihn. Der aber antwortete und sprach zu seinem Vater: Siehe viele Jahre diene ich dir und niemals habe ich ein Gebot von dir übergangen, und mir gabst du niemals einen Bock, damit ich mit meinen Freunden feiere; als aber dieser, dein Sohn, der deinen Besitz mit Dirnen aufgezehrt hat, kam, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Der aber sprach zu ihm: Kind, du bist allzeit bei mir, und alles was mir gehört ist dein; feiern aber und sich freuen musste man, weil dieser dein Bruder tot war und wieder ins Leben zurück kam, und verloren war und gefunden wurde.
Er sagte aber auch zu den Schülern: Ein Mann war reich; der hatte einen Verwalter, und dieser wurde vor ihm angeklagt, daß er seinen Besitz verschleudere. Und er rief ihn und sprach: Was höre ich da über dich ? Gibt Rechenschaft ab über deine Verwaltung, denn du kannst nicht noch länger Verwalter sein. Es sprach aber bei sich der Verwalter: Was soll ich tun, da mir nun mein Herr die Verwaltung wegnimmt ? Graben kann ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß jetzt, was ich tun soll, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen: Und er rief jeder der Schuldner seines Herren herbei und sagte zu dem ersten: Wieviel schuldest du meinem Herren ? Der aber sprach: Hundert Bat öl. Der aber sprach zu ihm: Nimm deine Schriften, setz dich hin und schreibe schnell fünfzig ! Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wie viel schuldest du ? Der aber sprach: Hundert Kor Weizen. Er sagte: Nimm deine Schriften und schreibe achtzig. Und es lobte der Herr seinen ungerechten Verwalter, weil er klug handelte; denn die Söhne dieses Zeitalters sind auf ihre Weise klüger als die Söhne des Lichts. Und ich sage euch, macht euch Freunde mit dem unrecht erworbenen Mammon, damit, wenn das Zeitalter aufhört, man euch in die Zelte der Ewigkeit aufnimmt.
Wer in kleinen treu ist, ist auch im Großen treu; und wer im kleinen Unrecht tut, der ist auch im Großen ungerecht. Wenn ihr nun mit dem unrechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch die wahren Güter anvertrauen ? Man kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen; denn man wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder umgekehrt. Man kann nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen.
Dies alles hörten die Pharisäer, die geldgierig sind, und sie verhöhnten ihn. Und er sprach zu ihnen: Ihr seid diejenigen, die sich selbst als gerecht bezeichnen vor den Menschen, Gott aber schaut in eure Herzen, dann was bei den Menschen hohes Ansehen genießt, ist vor Gott ein Gräuel.
Das Gesetz von Moses und die Propheten galten bis Johannes dem Täufer; von da an wird das Königreich Gottes verkündet; aber bis jetzt wird das Königtum Gottes vergewaltigt und Gewalttätige reißen es an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz bis Johannes prophezeiten. Ich aber sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder ein einziges Häkchen vom Gesetz weggenommen werden bis alles geschieht. Jeder, der seine Frau entlässt, ohne daß sie Unzucht begangen hat - und eine andere heiratet, bricht die Ehe.
Ein Mensch aber war reich, und er kleidete sich in Purpur und feines Linnen; täglich hatte er glänzende Feste. Ein Armer aber, mit Namen Lazaros war vor seinem Tor hingeworfen, voller Geschwüre, und er begehrte sich von dem zu sättigen, was vom Tisch des Reichen herabfiel; aber da kamen auch die Hunde und beleckten seine Geschwüre. Es geschah aber, daß der Arme starb und daß er von den Engeln fortgetragen wurde in Abrahams Schoß. Aber auch der Reiche starb, und er wurde begraben. Und im Hades erhob er seine Augen, denn er war in Qualen, und er sieht von weitem Abraham mit Lazaros in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und schick Lazaros, damit er die Spitze seines Fingers in Wasser tauche und meine Zunge abkühle, weil ich in dieser Flamme leide. Abraham aber sprach: Kind, denke daran, daß du deine Güter in deinem Leben empfangen hast, und Lazaros gleichermaßen das Übel; jetzt aber wird er hier getröstet, und du leidest. Und zu dem allem diesem ist zwischen uns und euch eine große Kluft aufgerichtet, auf daß diejenigen die von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können noch kann man von euch zu uns durchgelangen. Er sprach aber: Ich bitte dich nun, Vater, daß du ihn ins Haus meines Vaters schickst, denn ich habe fünf Brüder, auf daß er ihnen bezeuge, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen. Es sprach aber Abraham: Sie haben Moses und die Propheten; sich sollen auf sie hören. Der aber sprach: Nein, Vater Abraham, doch wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, dann werden sie umkehren. Er aber sprach zu ihm: Wenn sie nicht Moses und die Propheten hören, dann werden sie auch nicht von einem überzeugt werden, wenn einer von den Toten aufersteht.
Er aber sprach zu seinen Schülern: Wehe der Welt ! Es ist unmöglich, daß die Ärgernisse nicht kommen, jedoch wehe dem, durch den sie kommen; Wer immer von diesen Kleingläubigen Asntoß gibt, es wäre für ihn besser, wenn der Mühlstein einer Eselsmühle um seinen Nacken gelegt wäre und er ins Meer geworfen würde. Nehmt euch in Acht !
Und es sprachen die Apostel zum Herren: Verleihe uns Glauben ! Er aber sagte ihnen: Wenn ihr einen Glauben habt wie ein Senfkorn, und ihr würdet einem Maulbeerfeigenbaum sagen: Werde entwurzelt und im Meer gepflanzt werden ! – dann würde er euch gehorchen. Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, werdet ihr diesem Berg sagen: Geh von hier nach dort, und er wird fortgehen von hier nach dort, oder ins Meer geworfen sein; und nichts wird euch unmöglich sein.
Wenn einer von euch einen Sklaven habt, der pflügt oder weidet, was werdet ihr ihm sagen, wenn er heimkommt vom Acker ? Werdet ihr ihm sagen: Komm gleich her und setz dich an den Tisch ? Oder werdet ihr ihm sagen: Bereite vor, was ich speisen will, umgürte dich und bediene mich, solange ich esse und trinke, und danach wirst du essen und trinken ? Hat jemand etwa Dank dem Sklaven, weil er das tut, was ihm angeordnet wurde ? So auch ihr, wenn ihr das tatet, was euch angeordnet war, sagt: Unnütze Sklaven sind wir; was wir schuldeten zu tun, taten wir.
Als sie nach Jerusalem gingen, zogen sie durch Samaria und Galilaia. Und sie kamen in ein Dorf hinein, und es begegneten ihnen zehn aussätzige Männer, die von weitem stehenblieben; und sie erhoben ihre Stimme und sagten: „Jesus, Meister, erbarme dich unser !“ Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: „Geht, zeigt euch den Priestern !“ Und es geschah, und beim Fortgehen wurden sie rein. Einer aber von ihnen, als er sah daß er geheilt war, kehrte zurück, und mit lauter Stimme verherrlichte er Gott; und er warf sich vor den Füßen von Jesu auf das Gesicht und er dankte ihm; und er war ein Samariter. Jesus aber antwortete ihm: „Wurden nicht die zehn rein ? Wo sind die anderen neun ? Fand sich keiner, der zurückkehrte und Gott die Ehre gab, außer diesem Fremdstämmigen ?“ Und er sprach zu ihm: „Steh auf und geh ! Dein Glaube hat dich gerettet.“
Die Pharisäer fragten ihn: „Wann kommt das Königreich Gottes ?“ Er antwortete ihnen: „Das Königreich Gottes kommt nicht unter euerer Beobachtung, und man wird nicht sagen: Siehe, Hier ist es ! oder Dort ! Das Königreich Gottes ist unter euch“.
Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da werdet ihr begehren, einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen. Und sie werden euch sagen: Siehe dort, das ist der Christus ! Siehe hier, das ist der Christus ! Glaubt es aber nicht. Geht nicht hin und folgt nicht ! Denn es werden Lügenmessiasse und Lügenpropheten auftreten, und sie werden Zeichen und Wunder geben, um die auserwählten irrezuführen, wenn möglich. Ihr aber seht nur zu. Ich habe euch alles vorhergesagt. Denn wie der Blitz, der von einem Ende des Himmels bis zum anderen zuckend seine leuchtende Spur zeichnet, so wird der Menschensohn an seinem Tag sein. Zuerst muß er aber vieles leiden und von diesem Geschlecht verworfen werden. Er muß verworfen werden von den Ältesten und den Hochpriestern und den Schriftkundigen. Er muß getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es in den Tagen des Menschensohnes sein: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet, bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche hineinging und die Sintflut kam und alle vernichtete. Gleicherweise geschah es in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, an dem Lot hinausging von Sodom, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und vernichtete alle. Genauso wird es sein an dem Tag, an dem der Menschensohn offenbart wird. Wer an jenem Tagt auch dem Dach sein wird und seine Sachen im Haus hat, soll nicht herabsteigen und sie wegtragen; und in gleicher Weise: Wer auch dem Acker steht, soll nicht zurückkehren. Erinnert euch an die Frau Lots !
Wer immer sein Leben zu erhalten trachtet, wird es verlieren, wer es aber verliert, wird sein Leben erhalten. Ich sage euch, in jener Nacht werden zwei in einem Bett sein; der eine wird mitgenommen werden, der andere aber wird zurückgelassen werden. Es werden zwei beim Mahl am selben Ort sitzen, der eine wird mitgenommen werden, der andere aber wird zurückgelassen werden. Und sie antworteten ihm: Wo, Herr ! Der aber sprach zu ihnen: Wo der Leib ist, da werden sich auch die Geier versammeln.
Er aber gab ihnen ein Gleichnis über die Notwendigkeit, daß sie allzeit beten und nicht ermüden: Ein Richter war in einer Stadt, der fürchtete Gott nicht und scheute sich nicht vor den Menschen. Eine Witwe aber war in jener Stadt und kam zu ihm. Sie sagte: Verschaffe mir Recht vor meinem Widersacher ! Und der Richter wollte eine Zeit lang nicht. Danach aber sprach er bei sich: Wenn ich auch Gott nicht fürchte noch mich vor einem Menschen scheue, weil mir jedoch die Witwe Ärger bereitet, werde ich ihr Recht verschaffen, damit sie nicht noch am Ende kommt und mir ins Gesicht schlägt. Es sprach aber der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt ! Gott aber, wird er nicht seinen Auserwählten das Recht verschaffen, wenn sie ihn Tag und Nacht anrufen, und wird er nicht großmütig gegen sie sein ? Ich sage euch: Er wird ihr Recht in Kürze schaffen. Jedoch der Menschensohn, wird er wohl Glauben finden, wenn er auf die Erde kommt ?
Er sprach aber zu einigen von denen, die auf sich selbst vertrauten, daß sie Gerechte seien – während sie die übrigen verachteten, dieses Gleichnis: Zwei Menschen stiegen hinauf zum Heiligtum um zu beten. Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich dieses: Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal die Woche, ich zahle Steuern für alles, wie viel ich auch erwerbe. Der Zöllner aber, der demütig weiter hinten stand, wollte die Augen nicht zum Himmel erheben, sondern er schlug sich an die Brust und sagte: Gott sei mir, dem Sünder, gnädig ! Und ich sage euch: dieser ging gerechtfertigt wieder nach Hause im Vergleich zu jenem; denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, wer sich aber erniedrigt, wird erhöht werden.
Von dort brach er auf und kam in die Gebiete von Judäa, jenseits des Jordans; und es kamen wiederum große Volksmengen zusammen, und wie gewohnt heilte und lehrte er.
Und es kamen zu ihm Pharisäer, die wollten ihn versuchen und befragten ihn, ob es einem Mann erlaubt ist, seine Frau aus jedem Grund zu entlassen. Er aber antwortete ihnen und sprach: „Was gebot euch Moses ?“ Sie aber sprachen: „Moses erlaubte es einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen“. Er antwortete ihnen: „Habt ihr nicht gelesen, daß Gott die Menschen von Anfang an als Mann und Frau schuf; deshalb wird der Mann Vater und Mutter zurücklassen und sich seiner Frau anschließen, und die zwei werden zu einem Fleisch werden. Daher sind sie nicht zwei, sondern ein Fleisch. Was Gott nun an ein Joch zusammenband, soll ein Mensch nicht trennen“. Sie sagten ihm: „Warum gebot nun Moses, einen Scheidebrief zu geben und die Frau zu entlassen ?“ Er sagt ihnen: „Moses erlaubte euch, eure Frauen zu entlassen, weil ihr gegen die Frau, die ihr nicht mehr liebt, hartherzig und gemein seid; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. Ich aber sage euch: Wer auch immer seine Frau entlässt – außer sie hat Unzucht begangen – und eine andere heiratet, bricht die Ehe“.
Es sagten ihm seine Jünger: Wenn die Sache zwischen Mann und Frau so ist, ist es nicht nützlich zu heiraten. Jesus aber sprach zu ihnen: Nicht alle können den Sinn dieses Wortes erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es gibt welche, die vom Mutterleib an entmannt sind, es gibt solche, die von Menschen kastriert wurden, und es gibt solche, die von sich aus der Sexualität entsagt haben (wörtlich: sich selbst kastriert haben) wegen des Himmelreiches willen. Wer das fassen kann, soll es fassen !
Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, fiel vor ihm auf die Knie und fragte: Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben erlange ? Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut ? Keiner ist gut, außer Gott. Wenn du ins Ewige Leben hineingehen willst, dann bewahre die Gebote. Du kennst sie: Du sollst nicht morden, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, kein falsches Zeugnis ablegen, nicht rauben, Vater und Mutter ehren und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Der Mann aber sagte: Rabbi, dieses alles hielt ich seit meiner Jugend. Jesus aber schaute ihn an, mochte ihn und sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, dann fehlt dir noch eines: Geh fort, verkaufe deinen Besitz und gib ihn den Armen, dann wirst du einen Schatz im Himmel haben, und auf, folge mir ! Als das der junge Mann hörte, war er entsetzt und ging betrübt weg, denn er hatte viele Güter. Und Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wie schwer gehen diejenigen, die Güter haben, ins Himmelreich ein ! Ich sage euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel kommt. Die ihn hörten, regten sich gewaltig auf und sagten: Wer also kann gerettet werden ? Jesus schaute sie an und sagte: Was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Jesus antwortete: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir gefolgt. Was also wird mit uns sein ? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr seid in meinen Versuchungen bei mir geblieben; und ich vermache euch ein Königreich, so, wie mein Vater es mir vermachte. Wenn die Wiedergeburt kommt, wenn sich der Menschensohn auf den Thron seiner Herrlichkeit setzten wird, dann werdet auch ihr auf zwölf Thronen sitzen um die zwölf Stämme Israels zu richten, und ihr werdet an meinem Tisch essen und trinken. Und jeder, der Häuser und Brüder verließ, oder Schwestern und Vater oder Mutter und Kinder oder Äcker wegen meiner und wegen des Evangeliums und wegen des Reiches Gottes, der wird hundertfachen Lohn empfangen und er wird das ewige Leben erben. Die ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten.
Mit dem Himmelreich ist es wie folgt: Ein Gutsbesitzer ging früh um sechs aus seinem Haus, um Arbeiter für seinen Weinberg zu mieten. Er kam mit den Arbeitern überein, daß der Lohn ein Denar sei; und er schickte sie in den Weinberg. Und er ging um neun Uhr hinaus und sah auf dem Markt Leute untätig herumstehen, und er sprach zu jenen: Geht auch ihr fort in meinen Weinberg, und was immer der gerechte Lohn ist, werde ich euch geben ! Die aber gingen hin. Um zwölf Uhr und um 15 Uhr ging er wieder hinaus und tat ebenso. Um siebzehn Uhr ging er noch einmal hinaus und fand welche, die herumstanden und sagte zu ihnen: Was seid ihr den ganzen Tag untätig herumgestanden ? Sie sagten: Weil uns keiner anmietete. Er sagte ihnen: Geht auch ihr fort in den Weinberg. Als es Abend geworden war, sagte der Herr des Weinberges zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und erstatte ihnen den Lohn, beginnend mit denen, die zuletzt gekommen sind bis zu denen, die zuerst kamen. Und diejenigen, die erst um 17 Uhr gekommen waren, empfingen je einen Denar. Und die zuerst gekommenen, daß sie mehr empfangen würden; aber auch sie erhielten nur einen Denar. Sie nahmen das Geld und murrten gegen den Gutbesitzer: Diese, die zuletzt kamen, haben nur eine einzige Stunde gearbeitet, und du machst sie gleich mit uns, die wir die Last des Tages und die Hitze ertrugen. Der aber antwortete und sprach zu jedem von ihnen: Freund, ich tue dir kein Unrecht; kamst du nicht mit mir überein, daß der Lohn ein Denar sein soll ? Nimm das Deine und gehe fort ! Ich aber will diesem Letzten das gleiche geben wie auch dir. Oder ist es mir nicht erlaubt, an den Meinen zu tun, was ich will ? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin ? So werden die Letzten die Erste sein, und die Ersten die Letzten.
Sie waren auf dem Weg hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging ihnen voran. Da ängstigten sie sich vor der Zukunft und fürchteten sich, ihm zu folgen. Aber Jesus nahm die zwölf wieder mit und begann zu erzählen, was ihm widerfahren werde: „Siehe, wir werden hinaufsteigen nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hochpriestern und Schriftgelehrten übergeben werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Heiden übergeben, und er wird verspottet, misshandelt und angespuckt werden. Sie werden ihn geißeln und kreuzigen, und am dritten Tag wird er auferstehen“. Und sie verstanden nicht, was er sagte, und der Sinn seiner Rede blieb ihnen verborgen, und sie erkannten nicht, was er sagte.
Jesus und der Oberzöllner Zachäus
Er kam hinein und durchzog Jericho. Und siehe, ein Mann mit Namen Zachäus war da, und er war Oberzöllner, und er war reich; und er versuchte Jesus zu sehen, wer er ist. Aber er konnte es nicht wegen der Volksmenge, denn er war klein von Gestalt. Er lief nach vor voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, damit er ihn sehe, weil Jesus in Begriff war, diesen Weges vorbeizuziehen. Und als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf zu ihm und sprach: „Zachäus, steige schnell herab, denn heute muß ich in deinem Haus bleiben !“ Und der stieg eilends herab, nahm in auf und freute sich. Und alle, die es sahen, murrten und sagten: Er ging bei einem sündigen Mann hinein, um einzukehren. Zachäus aber blieb stehen und sprach zum Herren:“ Siehe, die Hälfte meines Besitzes, Herr, gebe ich den Armen, und wenn ich von einem einmal etwas erpresste, so gebe ich es vierfach zurück“. Und Jesus sprach aber zu ihm: „Heute geschah Heil in diesem Haus, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; denn der Sohn des Menschen kam, um die Verlorenen zu suchen und zu retten“.
Das Gleichnis von den Talenten
Er war nahe an
Jerusalem, und sie meinten, daß das Reich Gottes in Begriff sei, auf der Stelle
zu erscheinen. Da sprach Jesus ein Gleichnis: Ein hochgeborerener Mann zog in
ein fernes Land, um für sich ein Königtum zu empfangen und dann zurückzukehren.
Er rief aber seine zehn Sklaven und übergab ihnen seinen Besitz. Dem einen gab
er fünf Talente Silbergeld, dem anderen zwei und dem drittes eines. Und er
sagte zu ihnen: Handelt damit ! Und der fünf Talente erhalten hatte, arbeitete
damit und gewann weitere fünf dazu. Der mit zwei Talenten gewann zwei dazu. Der
aber das eine erhalten hatte, ging hinaus und vergrub das Silbergeld seines
Herren.
Als der Herr das
Königreich erhalten hatte, kehrte er nach langer Zeit zurück und rief seine
Sklaven, um mit ihnen Abrechnung zu halten, damit er erkannte, was sie
erhandelt hatten. Der Erste sagte: Herr, fünf Talente gabst du mir, und fünf
andere Talente gewann ich hinzu. Guter und treuer Sklave, über geringe Dinge
warst du treu. Deshalb will ich dich über vieles stellen: Habe Vollmacht über
zehn Städte. Der Zweite kam und sagte: Herr, zwei Talente gabst du mir, und
vier habe ich daraus gemacht. Der Herr sprach: Über vier Städte will ich dich
setzen. Dann kam der, der ein Talent empfangen und sagte: Herr, ich kannte dich
und wusste, daß du ein harter Mensch bist, du ernstest, wo du nicht sätest, und
du sammelst, wo du nicht ausstreutest. Ich fürchtete dich, deshalb verbarg ich
dein Talent in der Erde, sieh, hier hast du dein Talent zurück ! Der Herr
sprach zu ihm: Böser und träger Sklave, du wusstest, daß ich ernte, wo ich
nicht sähte, und ich sammle dort, wo ich nicht ausstreute. Die hättest also
mein Silbergeld bei den Geldwechslern hinterlegen sollen, und ich hätte das
Meine an Zins erhalten. Und zu den Dabeistehenden sagte er: Nehmt ihm das eine
Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat ! Denn: Wer hat, dem wird
gegeben werden, und dem, der nicht hat, dem wird auch das, was er hat, noch
weggenommen werden. Und den unnützen Sklaven werft hinaus in die Finsternis
dort draußen ! Dort wird Heulen und Zähneklappern sein. Und meine Feinde, die
nicht wollten, daß ich als König herrsche über sie, führt sie hierher und
schlachtet sie ab vor mir !
Das Gleichnis von den zwei Kindern
Was meint ihr aber
? Ein Mensch hatte zwei Kinder. Er kam zum ersten und sprach: „Kind, geh heute
fort und arbeite im Weinberg !“ Das aber antwortete: „Ich will nicht“; am
Schluß aber bekam es Reue und ging hin. Der Mensch kam zu dem anderen Kind und
sprach ebenso. Das aber sprach: „Ich will, Herr ! Aber es ging nicht hin. Wer
von beiden tat den Willen des Vaters ? Sie sagten: Der erste. Jesus sagte zu
ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Dirnen werden euch vorangehen
ins Königreich Gottes.
Denn es kam auch
Johannes zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr glaubtet ihm nicht, die
Zöllner aber und die Dirnen glaubten ihm; ihr aber, obwohl ihr es seht, bekamt
auch nicht am Schluß Reue, um ihm zu glauben.
Das Gleichnis von den Weinbergpächtern
Er begann aber zum
Volk und sagte: „Hört ein anderes Gleichnis ! Es war ein Mensch, ein Hausherr,
welcher einen Weinberg pflanzte; und er setzte einen Zaun um ihn herum, und er
grub in ihm einen Kelter, und er baute einen Turm, und er vergab ihn an Bauern,
und er verreiste. Als aber die Zeit der Früchte nahekam, schickte er einen
Sklaven zu den Bauern, daß sie ihm von der Frucht des Weinberges abgeben
sollten. Nachdem sie ihn geschunden hatten, schickten sie ihn mit leeren Händen
weg. Und der Herr fuhr fort, einen andere Sklaven zu schicken. Sie schlugen ihn
auf den Kopf und entehrten ihn. Und einen anderen schickte er, und jenen töten
sie. Und der Herr schickte andere Sklaven, und jene schunden oder töteten sie.
ES sprach aber der Herr des Weinberges: Was werde ich tun ? Ich werde meinen
Sohn schicken, den geliebten; vielleicht werden sie sich vor jenem scheuen. Die
Bauern aber, als sie den Sohn sahen, überlegten untereinander und sagten:
Dieser ist der Erbe; töten wir ihn, und behalten sein Erbe ! Und sie nahmen
ihn, warfen ihn hinaus außerhalb des Weinberges, und sie töteten ihn. Wenn nun
der Herr des Weinberges kommt, was wird er jenen Bauern tun ? Sie sagten ihm:
„Sie sind Böse, und er wird sie bös zu Grunde richten und den Weinberg wird er
an andere Bauern geben, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihren Zeiten.
Last ihr niemals in den Schriften: ‚Den Stein, den die Bauenden verwarfen, wird
zu Hauptstein; vom Herren wurde dieses, und es ist staunenswert in unseren
Augen.’ Deswegen sage ich euch: Von euch wird das Königreich Gottes weggenommen
werden, und es wird einem volk gegeben werden, das seine Früchte abliefert. Und
wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen aber auch immer er
fällt, zermahlen wird er ihn.
Und die Hochpriester und Pharisäer hörten seine Gleichnisse, und sie erkannten,
daß er über sie redete; und sie suchten einen Weg, ihn zu ergreifen; aber sie
fürchteten die Volksmengen, da sie Jesus für einen Propheten hielten.
Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl
Einer der mit ihm
zu Tisch liegenden sagte zu ihm: „Selig , wer das Brot isst im Königreich
Gottes.“ Jesus aber sprach zu ihm: Das Königreich der Himmel ist wie ein Mann,
ein König, der eine Hochzeit für seinen Sohn machte. Und er schickte seine
Sklaven aus, um die Leute zur Hochzeit zu rufen, aber sie wollte nicht kommen.
Wieder schickte er andere Sklaven und sprach: „Sagte den Gerufenen: ‚Siehe,
mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und die Masttiere sind geschlachtet
und alles ist bereit; auf, zur Hochzeit ! Aber sie begannen sich alle zu
entschuldigen. Der erste sprach: Einen Acker kaufte ich, und ich bin gezwungen,
hinauszugehen, ihn zu sehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und
ein anderer sprach: Fünf Joch Rinder kaufte ich, und ich gehe, sie zu prüfen;
ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Eine Frau
heiratete ich, und deswegen kann ich nicht kommen. Und die übrigen ergriffen
seine Sklaven, misshandelten und töteten sie.
Ein Sklave kam
heim und meldete seinem Herren dieses. Und der König wurde zornig, und er
schickte seine Heere, vernichtete jene Mörder, und zündete ihre Stadt an. Dann
sagte er seinen Sklaven: Die Hochzeit ist zwar bereitet, die Gerufenen waren
aber nicht würdig; geht nun hinaus an die Kreuzungen der Wege und in die Straßen
und Gassen der Stadt, und wie viele ihr findet, ruft zur Hochzeit. Die Armen
und Krüppel und Blinden und Lahmen führt herein, hierher ! Geht hinaus an die
Wege und Zäune und zwingt sie hereinzukommen, damit der Hochzeitssaal gefüllt
ist von zu Tisch liegenden. Aber keiner jener Männer, die gerufen waren, wird
mein Mahl kosten“.
Und als der König
in den Hochzeitssaal hineinkam, um die zu Tisch Liegenden zu sehen, sah er dort
einen Menschen, der nicht mit dem Hochzeitsgewand bekleidet war, und er sagte
ihm: „Freund, wie kamst du herein ohne ein Hochzeitsgewand zu haben ?“ Der
verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet seine Füße und Hände und
werft ihn hinaus in die Finsternis draußen; dort wird heulen und Zähnklappern
sein. Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Die Frage der Pharisäer nach der Kaisersteuer
Die Pharisäer
gingen weg und fassten einen Beschluß, auf daß sie Jesus durch seine eigenen
Worte fangen könnten, damit sie ihn der Hoheit und Vollmacht des Statthalters
übergeben könnten. Und sie ließen ihn belauern, indem sie ihm Schüler schickten
und mit ihnen einige Herodianer. So sollten heucheln, daß sie selbstgerecht
seien. Sie fragten: „Rabbi, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und den Weg
Gottes lehrst, ohne die zu kümmern, wer dir gegenübersteht. Du nimmst keine
Rücksicht auf das Gesicht von Menschen, sondern lehrst die Wahrheit. Sprich
also zu uns, was dir dünkt: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu geben oder
nicht ?“ Jesus aber durchschaute ihre Heuchelei und erkannte ihre
Verschlagenheit, und er sagte: „Zeigt mir die Steuermünze“. Und sie brachten
ihm einen Denar. Und er sagte zu ihnen: „Von wem hat er das Bild und die
Aufschrift ?“ Die aber sprachen zu ihm: „Vom Kaiser.“ Jesus sprach zu ihnen: Daher gebt dem Kaiser, was des Kaisers und das was Gottes
ist, gebt Gott !“ Und sie vermochten nicht, ihn zufassen bei seiner Rede
vor dem Volk, und staunend über seine Antwort schweigen sie.
Die Frage der Sadduzäer nach der Auferstehung
An jenem Tag kamen
zu ihm Sadduzäer, die sagten: „Eine Auferstehung nach dem Tode gibt es nicht“.
Und sie fragten ihn: „Rabbi, Moses schrieb uns: ‚Wenn eines Mannes Bruder
stirbt, und dieser Bruder eine Frau hinterlässt, aber keine Kinder, soll dann
der Mann die Frau seines toten Bruders heiraten und an seiner Stelle für
Nachkommenschaft sorgen ? Es waren bei uns sieben Brüder; und der erste starb,
nachdem er geheiratet hatte, ohne daß er Nachkommenschaft gehabt hätte, und
hinterließ seine Frau; und der zweite Bruder nahm sie zur Frau, und er starb
ohne Nachkommen; und der dritte ebenso. Und so ging es weiter bis zum siebten
Bruder, und alle sieben starben ohne Nachkommenschaft. Zuletzt von allen starb
auch die Frau. Bei der Auferstehung nun, wessen Frau von den sieben wird sie
sein ? Denn alle sieben hatten sie als Frau. Jesus antwortete ihnen: „Ihr irrt
und kennt nicht die Schriften und nicht die Kraft Gottes. Die Söhne des
gegenwärtigen Zeitalters heiraten und werden verheiratet; die aber für wert
befunden werden, jenes Zeitalters teilhaftig zu werden, die werden von den
Toten auferstehen, und dann heiraten sie nicht noch werden sie verheiratet,
sondern sie sind wie Engel im Himmel. Söhne Gottes sind sie, und Söhne der
Auferstehung. Daß die Toten erweckt werden, zeigt auch die Geschichte von Moses
beim Dornbusch. Gott sagt: ‚Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und
der Gott Jakobs.’ Gott ist aber nicht ein Gott Toter, sondern Lebender, denn
alle diese sind noch lebendig bei Gott.“
Und als das die
Volksmenge hörte, geriet sie außer sich über seine Lehre. Einige der
Schriftkundigen antworteten ihm: „Rabbi, recht sprachst du“. Denn sie wagten
nicht mehr, ihn irgendetwas zu fragen.
Die Frage der Gesetzeskundigen nach dem ersten Gebot
Als die Pharisäer
aber hörten, daß er die Sadduzäer zum Schweigen brachte, kamen sie daselbst
zusammen, und einer von ihnen befragte Jesus, um ihn zu versuchen: „ Rabbi, was
muß ich tun, damit ich das ewige Leben erbe ? Welches ist das erste Gebot von
allen ?“ Der aber sagte ihm: „Das erste ist: ‚Höre, Israel, der Herr, unser
Gott ist dein einziger Gott und Herr, und du sollst den Herrn, deinen Gott
lieben – aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deiner
ganzen Einsicht und aus deiner ganzen Kraft’. Das ist das große und erste
Gebot. Ein zweites ist aber ihm gleich, größer als dieses ist ein anderes Gebot
nicht: ‚Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst’. An diesen zwei
Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ Und es sprach zu ihm der
Schriftkundige: Recht, Rabbi, in Wahrheit sprachst du: ‚Einzig ist er, und es
gibt keinen anderen außer ihm;’ und das ‚Ihn lieben aus ganzem Herzen und aus
dem ganzen Verstehen aund aus der ganzen Kraft’ und das ‚Den Nächsten lieben
wie sich selbst’ ist überreichlich mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer“.
Und Jesus, der sah, daß er vernünftig geantwortet hatte, sprach zu ihm: „Du
bist nicht weit vom Königreich Gottes“. Und keiner wagte mehr, ihn zu befragen.
Der Christus als Davids Sohn bzw. Herr
Jesus lehrte im
Heiligtum, und als die Pharisäer zusammengekommen waren, fragte Jesus sie: „Was
dünkt euch über Christus (d. h. „der zum König Gesalbte“) ? Wessen Sohn ( d. h.
Abkömmling) ist er ?“ Sie sagten ihm: „Er ist der Sohn des David“. Jesus sagte
ihnen: „David selbst sagt im Buch der Psalmen, erfüllt vom Geist des Herren:
‚Es sprach der Herr zu meinem Herren: Sitze zu meiner Rechten, bis ich deine
Feinde unter deine Füße hinlege !’ Wenn David ihn also ‚Herr’ nennt, wie kann
der dann sein Sohn sein ?“ Und keiner konnte ihm ein Wort antworten, und keiner
wagte es an jenem Tag mehr, ihn zu befragen.
Rede gegen Schriftkundige und Pharisäer
Jesus redete zu
einer großen Volksmenge und seinen Jüngern. Er sagte: „Auf den Sitz des Moses
setzten sich die Schriftkundigen und die Pharisäer. Alles nun, was immer sie zu
euch sprechen, tut und bewahrt, nach ihren Werken aber tut nicht ! Den sie
reden, aber sie tun es nicht. Sie binden unerträglich schwere Lasten und legen
sie auf die Schultern der Menschen, aber sie selbst wollen keinen Finger
bewegen. Alle ihre Werke tun sie, um bei den Menschen gesehen zu werden; denn
breit machen sie ihre Gebetsriemen und groß machen sie die Quasten, aber sie
beten nur zum Schein lange. Sie wollen in Talaren umhergehen und sie lieben die
vordersten Sitze in den Synagogen und den obersten Platz bei den Mählern und
fressen die Häuser der Witwen auf. Aber sie werden ein überreichliches Gericht
empfangen. Sie lieben die Begrüßung auf den Märkten und daß sie von den
Menschen ‚Rabbi’ gerufen werden. Ihr aber sollt nicht ‚Rabbi’ gerufen werden;
denn einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Nennt auch niemand auf
Erden euren Vater; denn einer ist euer Vater, der himmlische. Auch sollt ihr
euch nicht ‚Rabbi’ nennen lassen, denn einer ist euer Lehrer, der zum König
Gesalbte. Wer aber unter euch größer ist als die anderen, soll euer Diener
sein. Wer aber sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich
selbst erhöht, der wird erhöht werden. Wehe euch, ihr Schriftkundigen und Pharisäer,
ihr Heuchler, weil ihr das Himmelreich vor den Menschen verschließt; Denn ihr
kommt nicht hinein, und die, welche hinein wollen, lasst ihr nicht hinein. Wehe
euch, ihr Schriftkundigen und Pharisäer, ihr Heuchler, weil ihr das Meer und das Land durchzieht, um einen einzigen zu
finden, der euch nachfolgt, und wenn er euer Anhänger geworden ist, dann macht
ihr ihn zum Sohn der Hölle, zweifach schlimmer als ihr es seid. Wehe euch, ihr
blinden Führer, die ihr sagt: ‚Wer beim Tempel schwört, das gilt nichts; wer
aber beim Gold des Tempels schwört, der ist gebunden. Ihr Toren und Blinden !
Was ist den größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold geheiligt hat ? Und:
Wer beim Altar schwört, das gilt nicht;
wer aber beim Opfer schwört, das darauf ist, der ist gebunden. Ihr Blinden !
Was ist denn größer, das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiligt ? Wer nun
beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt; und wer
beim Himmel schwört, der schwört beim Throne Gottes und dem, der darauf sitzt.
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, weil ihr die
Minze, den Anis und den Kümmel mit der Zehnt-Steuer belegt habt. Dabei habt ihr
die gewichtigeren Stücke des Gesetzes außer Acht gelassen: das Recht und die
Barmherzigkeit und die Treue; dieses (das Recht) sollte man tun, aber jene
nicht unterlassen (die Barmherzigkeit und die Treue). Ihr blinden Führer, die
ihr die Mücke (aus dem Getränk) abseiht, das Kamel aber verschluckt ! Wehe
euch, ihr Schriftkundigen und Pharisäer, ihr Heuchler, weil ihr das Äußere des
Bechers und der Schüssel reinigt; inwendig aber sind sie gefüllt mit Raub und
Unmäßigkeit gefüllt. Blinder Pharisäer, mache erst den Inhalt des Bechers rein,
damit auch seine Außenseite rein wird !
Wehe euch, ihr Schriftkundigen
und Pharisäer, ihr Heuchler, weil ihr geweißten Gräbern gleicht, welche zwar
außen schön scheinen, innen aber voll sind von Totengebein und jeder
Unreinheit; doch die Menschen, die darauf umhergehen, wissen das nicht. So wie
diese Gräber, deren Inneres man nicht sieht, so seid auch ihr, außen scheint
ihr zwar gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzesverachtung.
Ihr Unvernünftigen, muß nicht der, der auf das Äußere achtet, auch das Innere
pflegen ? Eine Pflege des Inneren gebt als gottgefälliges Werk, und siehe,
alles ist euch rein.
Wehe euch, ihr
Schriftkundigen und Pharisäer, ihr Heuchler, weil ihr Grabmähler für Propheten
baut, die eure Väter getötet haben. Ihr schmückt ihre Gräber und sagt: ‚Wenn
wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wir hätte nicht teilgenommen beim
Vergießen des Blutes der Propheten’ Aber damit bezeugt ihr nur selbst, daß ihr
die Söhne derer seid, die die Propheten ermordet haben. Mit euerer Heuchelei
macht ihr das Maß euerer Väter voll. Ihr Schlangen, ihr Brut von Nattern, wie
werdet ihr vor dem Gericht der Hölle entfliehen ? Deswegen sprach auch die
Weisheit Gottes: Ich schicke zu euch Propheten und Weise und Schriftkundige;
etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche von ihnen werdet
ihr geißeln in euren Synagogen und ihr werdet sie von Stadt zu Stadt verfolgen;
möge über euch kommen die Rache für all das Blut der Gerechten, das vergossen
wurde, bis zurück zu Abel, dem Gerechten, bis Zacharias, dem Sohn des
Barachias, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt. Wahrlich,
ich sage euch: Kommen wird die Rache für alles über dieses Geschlecht.
Jerusalem, Jerusalem, die Stadt, die die Propheten tötet und diejenigen
steinigt, die von Gott zu ihr geschickt wurde, wie oft wollte ich deine Kinder
zusammenführen, so wie ein Vogel seine Jungen unter die Flügel nimmt – aber ihr
wolltet nicht. Siehe, euer Haus wird verlassen und öde sein. Denn ich sage
euch: Ihr sollt mich ab jetzt nicht mehr sehen, bis ihr sprecht: Gesegnet sei
der, der im Namen des Herren kommt.
Die arme Witwe
Als Jesus sich
gegenüber dem großen Schatzkasten (im Tempel) niedergesetzt hatte, sah er, wie
die Volksmenge Kupfergeld hineinwarf. Ein reicher Mann warf viel hinein; dann
kam eine arme Witwe und warf zwei Lepta hinein, das ist ein Kodrantes. Und er
rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: „Wahrlich, ich sage euch, diese
arme Witwe warf in diesen Schatzkasten mehr hinein als alle anderen: denn alle
warfen sie aus ihrem Überfluß, diese aber warf aus ihrem Mangel alles was sie
hatte, ihren ganzen Besitz.
Ankündigung der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem
Jesus kam aus dem
Heiligtum heraus. Einer der Jünger sagte zu ihm: „Rabbi, siehe, was für schöne
Steine und was für Bauten, geschmückte mit Weihegeschenken !“ Und Jesus sprach
zu ihm: „Es wird kommen der Tag, da wird von all dem, was wir hier und heute
vor uns sehen, nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht
zerstört werden wird.“
Der Anfang vom Ende
Als er auf dem
Berg der Ölbaume gegenüber dem Heiligtum saß, kamen zu ihm die Jünger für sich
allein, Petrus und Jakobus, Johannes und Andreas, um ihn zu befragen: „Sprich
zu uns: Wann wird dies sein, und was ist das Zeichen, wann dieses alles im
Begriff ist, zu geschehen ? Wann wird der Messias, also du, kommen und das Zeitalter vollenden ?“ Und
Jesus antwortete: „Seht zu, daß euch nicht einer irreführt ! Denn viele werden
in meinem Namen kommen und sagen: ‚Ich bin der zum König Gesalbte’, und ‚Die Zeit ist nahegekommen !’. Sie werden
viele irreführen. Geht ihnen nicht hinterher. Ihr werdet von Kriegen hören und
Gerüchte von Kriegen – erschreckt euch nicht ! Denn es muß geschehen, aber das
ist doch noch nicht das Ende. Denn es wird Volk gegen Volk aufstehen, und
Königreich gegen Königreich, und es werden hier und dort Hungersnöte,
Seuchen und Erdbeben sein; das alles ist
der Anfang der Wehen. Schrecknisse und vom Himmel große Zeichen werden sein.
Ankündigung von Verfolgungen und Drangsalen
Sie werden euch
verfolgen, ihre Hand an euch legen und der Bedrängnis übergeben. Ihr werdet vor
den Hohen Rat und vor Statthalter und Könige gestellt werden; in Synagogen und
Gefängnissen werdet ihr geschunden werden, und ihr werdet von allen Völkern
wegen meines Namens gehasst werden. Sorgt euch nicht vorher, was ihr reden
sollt, um euch zu verteidigen ! Was immer euch in jener Stunde eingegeben
werden wird zu reden, das redet; ich werde euch Weisheit in den Mund legen, der
alle euere Gegner weder widersprechen noch widerstehen können, denn nicht ihr
werdet es sein, die reden, sondern der Heilige Geist.
Und es wird der
Bruder den Bruder anzeigen und dem Tod übergeben, und der Vater das Kind, und
die Kinder werden gegen die Eltern aufstehen und sie töten. Ihr werdet von
Eltern und Brüdern, von Verwandten und Freunden dem Gericht und den Schergen
übergeben werden, und man wird einige von euch töten. Wer aber durchhält bis
zum Ende, der wird gerettet werden, denn durch euer Durchhalten erwerbt ihr
euer (ewiges) Leben, und nicht ein Haar auf euerem Kopfe wird zugrunde gehen.
Diese frohe Botschaft des Königtum Gottes wird auf dem ganzen Erdenkreis allen
Völkern zum Zeugnis verkündet werden, und dann wird das Ende kommen.
Der Höhepunkt der Drangsal in Judäa
Schon im Buch der
Propheten Daniel kann man von dem „Gräuel der Verwüstung“ nachlesen. Wenn ihr
Jerusalem von Heeren umringt seht, dann erkennt, daß seine Verwüstung
nahegekommen ist. Wenn der Schrecken der Verwüstung den Heiligen Ort, den
Tempel von Jerusalem erreicht hat und dort ist, wo er nicht sein darf, dann
sollen die Menschen in Judäa in die Berge fliehen. Wer im Zentrum Judäas lebt,
soll hinausziehen, und wer in den Landschaften am Rande lebt, soll nicht in das
Zentrum hineinziehen. Wer auf dem Dach seines Hauses ist, soll nicht
herabsteigen und in das Haus hineingehen, um die Dinge aus seinem Haus
wegzutragen (sondern gleich fliehen). Wer auf dem Acker ist, soll nicht
zurückkehren nach hinten, um sein Gewand wegzutragen. Wehe aber den Schwangeren
und den Säugenden in jenen Tagen ! Dies sind die Tage der Rache, und es wird
sich alles Erfüllen, was Geschrieben steht. Betet aber, daß es nicht im Winter
geschehe, wenn ihr fliehen müsst oder an einem Sabbat ! Denn dann werden Tage
großer Not und Bedrängnis sein. Dergleichen wurde nicht gesehen, seit Gott die
Welt schuf bis zum heutigen Tag; und dergleichen wird auch gewiß nicht mehr in
der Zukunft geschehen.
Es wird eine Zeit
des Zorns Gottes für dieses Volk der Juden kommen. Sie werden fallen durch die
Scharfe des Schwertes und gefangengenommen werden von allen Völkern, und
Jerusalem wird von den Völkern getreten sein, bis die Zeit der Völker
abgelaufen ist. Und wenn diese Tage nicht abgekürzt würden, dann würde kein
Wesen aus Fleisch und Blut gerettet werden; doch wegen derjenigen, die Gott
auswählte, wird er diese Tage abkürzen.
Dann, wenn einer
zu euch spricht: ‚Siehe, hier ist der zum König der Juden Gesalbte !’ oder:
‚Hier !’, so glaubt es nicht ! Denn es werden Lügen-Christusse und
Lügenpropheten auftreten, und sie werden große Zeichen und Wunder geben, so daß
sie die Menschen irreführen, wenn möglich, auch die Auserwählten. Siehe, ich
habe es euch vorhergesagt. Wenn sie also zu euch sagen: „Siehe, in der Öde ist
er“, geht nicht hinaus ! Denn wie der Blitz von Osten ausgeht und bis in den
Westen scheint, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein; wo immer die
Leiche ist, dort werden sich die Geier versammeln.
Die Ankunft des
Menschensohnes
Sogleich nach der
Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird
nicht seinen Schein geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die
Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Die Völker werden beklemmt und
ratlos sein vor dem Tosen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden
ohnmächtig werden vor Furcht und Erwartung der Ereignisse, die auf den
Erdenkreis zukommen. Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel
erscheinen, und dann werden alle Stäme der Erde trauern, und sie werden den
Menschensohn sehenwie er auf den Wolken des Himmels kommt mit Kraft und viel
Herrlichkeit; und er wird seine Engel mit großem Trompetenstoß schicken, und
sie werden seine Auserwählten zusammenführen aus allen vier Richtungen des
Windes, von einem Ende des Erde bis zum Ende des Himmels. Wenn dies aber beginnt
zu geschehen, dann richtet euch auf und erhebt eure Köpfe, weil euere Erlösung
nahe kommt !
Das Gleichnis vom Feigenbaum
Vom Feigenbau aber
lernt dieses Gleichnis: Wenn sein Zweig zart wird und die Blätter
herauswachsen, dann erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist; so erkennt auch ihr,
wenn ihr dies alles seht, daß der Menschensohn nahe vor den Türen ist !
Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vorübergehen, bis alles
dieses geschieht. Der Himmel und die Erde werden vergehen, aber meine Worte
werden gewiß nicht vergehen. Wann dies geschehen wird, den Tag und die Stunde,
weiß keiner, auch nicht die Engel der Himmel, auch nicht der Sohn, nur der
Vater allein.
Mahnung zu Wachsamkeit
Nehmt euch in Acht
vor euch selbst, damit nicht etwa euere Herzen beschwert werden in Rausch und
Trinkerei und Lebenssorgen. Sonst tritt plötzlich jener Tag an euch heran wie
eine Schlinge; denn der Tag wird über alle, die auf der Oberfläche der ganzen
Erde wohnen, hereinberechen. Wacht aber zu jener Zeit und bittet, damit ihr
diesem allem zu entfliehen vermögt, das im Begriff ist zu geschehen und damit
ihr vor dem Menschensohn bestehen könnt.
Seht zu, daß ihr
wach seid ! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit ist.
Ein hochgeborener
Mensch verreiste in ein fernes Land, um für sich ein Königreich zu empfangen
und zurückzukehren. Bevor er sein Haus verließ, gab er seinen Sklaven die
Handlungsvollmacht und wies jedem seine Aufgaben zu und dem Türhüter gebot er,
daß er wache. Wachet also ! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses
kommt, ob spät mitternachts oder beim Hahnenschrei in der Frühe, damit er euch
nicht, plötzlich kommend, schlafend finde. Was ich euch aber allen sage, sage
ich allen: Wacht !
Denn wie die Tage
des Noah, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Denn in jenen Tagen vor
der Sintflut haben sie gegessen und getrunken, geheiratet und verheiratet, bis
zu dem Tag, an dem Noah in seine Arche hineinging und sie nicht erkannten (was
bevorstand), bis die Sintflut kam und sie alle wegtrug und vernichtete; so wird
es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann werden zwei auf dem Acker
sein, einer wird mitgenommen und einer wird zurückgelassen. Zwei werden an der
Mühle mahlen, einer wird mitgenommen und einer wird zurückgelassen. Wacht also,
weil ihr nicht wisst, an welchem Tag der Herr kommt !
Das Gleichnis vom Treuen und vom üblen Sklaven
Jenes aber
erkennt: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Nachtwache der Dieb kommt, würde
er wachen und er ließe nicht zu, daß in sein Haus eingebrochen wird. Deswegen
werdet auch ihr bereit, denn zu der Stunde, an welcher ihr es nicht meint,
kommt der Sohn des Menschen.
Wer also ist der
treue und verständige Sklave, den sein Herr als Verwalter über sein Hausgesinde
aufstellte, um ihnen die Nahrungsration zur bestimmten Zeit zu geben ? Selig
jener Sklave, den der Herr, wenn er heimkommt, finden wird, daß er gerade so
tut, wie ihm aufgetragen wurde. Wahrlich, ich sage euch: Zum Verwalter über all
seinen Besitz wird er ihn aufstellen. Wenn aber jener ein übler Sklave ist,
dann spricht er in seinem Herzen: ‚Mein Herr lässt sich Zeit mit dem
Zurückkommen“, und der beginnt seine Mitsklaven zu schlagen und er isst und
trinkt mit den Betrunkenen. Der Herr jenes Sklaven wird an einem Tag kommen, an
dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, in der er es nicht weiß, und er
wird ihn zweiteilen und ihm so zuteil werden lassen, was für Heuchlern und
Ungläubigen festgesetzt wird. Dort wird Heulen und Zähnklappern sein.
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen
Das Königreich des
Himmels ist wie zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, um
ihren Bräutigam zu begegnen. Fünf aber von ihnen waren töricht und fünf von
ihnen waren klug. Die törichten nämlich nahmen zwar die Lampen, nicht aber das
Öl mit. Die klugen aber nahmen zu ihren Lampen auch Gefäße mit Öl mit. Als sich
aber der Bräutigam Zeit ließ, nickten sie alle ein und schliefen. Mitten in der
Nacht aber entstand Geschrei: „Siehe, der Bräutigam ! Kommt heraus zur
Begegnung mit ihm !“ Da standen alle jene Jungfrauen auf, und sie machten ihre
Lampen zurecht. Die törichten aber sprachen zu den klugen: „Gebt uns von euerem
Öl, weil unsere Lampen erlöschen !“ Die klugen aber sagten: „Niemals ! Es würde
weder uns noch euch genügen; geht zu den Ölverkäufern und kauft euch !“ Als sie
aber weggingen um zu kaufen, kam der Bräutigam und sie, die Jungefrauen, die
bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit und die Tür wurde
verschlossen. Zuletzt kamen aber auch die übrigen Jungfrauen und sagten: „Herr,
öffne uns !“ Der aber antwortete: „Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch
nicht“. Wachet also, weil ihr nicht wisst den Tag und die Stunde.
Vom Weltgericht
Wenn der
Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron
seiner Herrlichkeit setzten; und es werden vor ihm alle Völker versammelt
werden, und er wird die Schafe zu seiner Rechten aufstellen, und die Böcke zu
seiner Linken. Dann wird der König zu denen auf seiner Rechten sagen: „Auf !
Ihr die ihr von meinem Vater gesegnet seid, erbt das Königreich, das für euch
bereit steht seit der Grundlegung der Welt. Denn ich hungerte, und ihr gabt mir
zu essen, ich dürstete und ihr gabt mir zu trinken, ich war fremd und ihr
führtet mich ein, ich war nackt und ihr habe mich umkleidet, ich war krank und
ihr habt für mich gesorgt, ich war im Gefängnis und ihr kamt zu mir. Da
antworteten ihm die Gerechten: „Wann war das ? Wann haben wir dir Speise und Trank
gegeben, als du Hunger und Durst littest ?
Wann war du ohne Kleider oder wann warst du im Gefängnis und wir kamen
zu dir ?“ Und der König wird ihnen antworten: „Wahrlich, ich sage euch: „Was
ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Dann wird
sich auch an die zu seiner Linken und wenden: „Geht weg von mir, ihr
Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel breit ist.
Denn ich hungerte, und ihr gabt mir nichts zu essen, und ich dürstete, und ihr
gabt mir keinen Trank. Ich war fremd, und ihr führtet mich nicht ein. Ich war
nackt und ihr habt mich nicht umkleidet und als ich im Gefängnis war, habt ihr
nicht nach mir geschaut“. Dann werden auch sie antworten: „Herr, wann haben wir
dich hungern gesehen, oder dürstend oder fremd oder nackt oder krank oder im
Gefängnis, und wir taten nichts für dich ?“ Dann wird er ihnen antworten:
„Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht dem Geringsten meiner Brüder getan
habe, das habt ihr auch mir nicht getan“. Und diese werden weggehen zu ewiger
Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.
Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu
Es war aber einer krank, Lazarus von Bethanien,
aus dem Dorfe der Maria und ihrer Schwester Martha, nämlich der Maria, die den
Herren gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat; deren Bruder
Lazarus war krank. Da ließen ihm die Schwestern sagen: „Herr, siehe, den du
lieb hast, der ist krank ! Als Jesus das hörte, sprach er: „Dies Krankheit ist
nicht zum Tode , sondern zu Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes damit
verherrlicht werde ! Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus.
Als er nun hörte, daß jener krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Orte, wo
er krank war. Dann erst sprach er zu den Jüngern: „lasst uns nach Judäa ziehen
!“ Die Jünger sagten: „Rabbi, eben noch haben die Juden versucht, dich zu
steinigen, und nun begibst du dich wieder dort hin ?“ Jesus antwortete: „Hat
der Tag nicht zwölf Stunden ? Wenn jemand bei Tage wandelt, stößt er nicht an,
denn er sieht das Licht dieser Welt. Wenn aber jemand in der Nacht wandelt, so
stößt er an, weil an, weil er kein Licht in sich hat. Das sprach er, und danach
sagte er zu ihnen: „Unser Freund Lazarus ist entschlafen; aber ich gehe hin, um
ihn aus dem Schlafe zu erwecken“. Da sprachen die Jünger: „Herr, wenn er an der
Schlafsucht leidet, dann wird er schon von allein gesund werden“. Jesus hatte
aber von seinem Tode geredet; sie meinten aber, er rede von dem natürlichen
Schlaf. Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: „Lazarus ist gestorben; (ich aber
werde ein Wunder an ihm vollbringen und ihn wieder zum Leben erwecken) und ich
bin froh um euretwillen, daß ich nicht dort gewesen bin, damit ihr mir glaubt.
(Sonst würdet ihr glauben, ich würde euch täuschen, z. B. indem ich Lazarus
eine Betäubungsmittel verabreiche). Aber lasst uns zu ihm gehen ! Da sprach
Thomas, der Zwilling genannt wird, lasst uns auch mitgehen, damit mir mit ihm
sterben !“
Als nun Jesus hinkam, fanden sie ihn schon vier
Tage im Grabe liegend. Bethanien war aber nahe bei Jerusalem, ungefähr fünfzehn
Stadien (1 Stadion=185 m) weit. Und viele von den Juden waren zu Martha und
Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
Als Martha nun hörte, daß Jesus komme, lief sie
ihm entgegen, maria aber blieb im Hause. Da sprach Martha zu Jesus: „Herr,
wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben ! Aber auch jetzt weiß
ich, was immer du von Gott erbitten wirst, das wird Gott dir geben“. Jesus sagte:
„Dein Bruder soll auferstehen !“ Martha sagte: „Ich weiß, daß er auferstehen
wird in der Auferstehung am Tag des Jüngsten Gerichtes“. Jesus sagte: „Ich bin
die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er
stirbt; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht
sterben. Glaubst du das ?“ Sie sprach: „Ja, Herr, ich glaube, daß du der
Gesalbte bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“. Und als sie das
gesagt hatte, ging sie weg und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach:
„Der Meister ist da und ruft dich !“ Als diese es hörte, stand sie eilends auf
und begab sich zu ihm. Jesus war aber noch nicht in das Dorf gekommen, sondern
befand sich noch an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war. Als nun die Juden, die
bei ihr zu Hause waren und sie trösteten, sahen, daß Maria so eilends aufstand
und hinausging, folgten sie ihr nach, in der Meinung, sie gehe zum Grabe, um
dort zu weinen.
Als aber Maria dahin kam, wo Jesus war, und ihn
sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte: „Her, wärest du hier gewesen, mein Bruder
wäre nicht gestorben !“ Als nun Jesus sah, wie sie weinte, und wie die Juden,
die mit ihr gekommen waren, weinten, ergrimmte er im Geiste und wurde bewegt
und sprach: „Wo habt ihr ihn hingelegt ?“ Sie sprachen zu ihm: „Herr, komm und
sieh !“ Jesus weinte. Da sagten die Juden: „Seht, wie hat er ihn liebgehabt !“
Etliche von ihnen sprachen: „Konnte der, welcher den Blinden die Augen aufgetan
hat, nicht machen, daß auch dieser nicht stürbe ?“ Jesus nun, der abermals bei
sich selbst ergrimmte, kam zum Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag
davor. Jesus sprach: „Hebt den Stein weg !“ Martha, die Schwester des
Verstorbenen, sprach zu ihm: „Herr, er riecht schon, denn er ist schon vier
Tage hier“. Jesus sprach: „habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, wirst du
die Herrlichkeit Gottes sehen ?“
Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob die
Augen empor und sprach: „Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. Doch
ich weiß, daß du mich mich allezeit erhörst; aber um des umstehenden Volkes
willen habe ich es gesagt, damit sie glauben, daß du mich gesandt hast“. Und
als er das gesagt hatte, reif er mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus !“
Und der Verstorbene kam heraus, an Händen du Füßen mit Grabtüchern umwickelt
und sein Angesicht mit einem Schweißtuch umhüllt. Jesus sprach zu ihnen:
„Bindet ihn los und lasst ihn gehen !“ Viele von den Juden, die zu maria
gekommen waren und sahen, was Jesus getan hatte, glaubten an ihn. Etliche von
ihnen aber gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte.
Der Beschluß des Synhedrions, Jesus zu töten
Es kamen die Hohen
Priester und die Ältesten des Volkes im Hof des Hohen Priesters Kajaphas
zusammen; und sie sagten: „Was sollen wir tun ? Denn dieser Mann tut so viele
Wunderzeichen ? Wenn wir ihn so weitermachen lassen, dann werden alle ihm
glauben, und es werden die Römer kommen, und sie werden uns unsere Immobilien
und unsere Macht über das Volk nehmen“. Und sie suchten einen Weg, wie sie
Jesus mit List ergreifen und töten könnten. Sie sagten: „Das darf aber nicht am
Fest stattfinden“, denn sie fürchteten, im Volk würde ein Tumult entstehen.
Kaiphas, der in jenem Jahr Hoher Priester war, sprach zu ihnen: „Ihr wisst
nichts, und ihr überlegt nicht, daß es für uns besser ist, daß ein einziger
Mensch stirbt und nicht das ganze Volk zugrunde geht“. Dies aber sagte er nicht
aus eigenem Antrieb, sondern weil er in jenem Jahr Hoher Priester war, sprach
Gott durch ihn. Gottes Wille war es, daß Jesus für das Volk sterben werde, und
nicht für das Volk allein, sondern damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes
sammle und vereine.
Von jenem Tag an
nun beratschlagten sie, wie sie ihn töten könnten. Darum wandelte Jesus nicht
mehr öffentlich unter den Juden, sondern er zog von dort weg in die Gegend nahe
bei der Wüste, in eine Stadt namens Ephraim, und hielt sich dort mit seinen
Jüngern auf.
Jesus sprach er zu
seinen Jüngern: „Ihr wisst, daß in zwei Tagen das Passah ist, das Fest der
ungesäuerten Brote, und der Sohn des Menschen wird ausgeliefert werden, damit
er gekreuzigt wird.“ Und viele aus der Gegend gingen vor dem Passah nach
Jerusalem hinauf, um sich zu reinigen. Da suchten sie Jesus und sprachen
zueinander, im Tempel stehend: „Was meint ihr, kommt er nicht auf das Fest ?“
Es hatten aber auch die Hohen Priester und die Pharisäer einen Befehl gegeben,
daß, wenn jemand wisse, wo er sei, er es anzeige, damit sie ihn greifen
könnten.
Jesus kam sechs Tage vor dem Passahfest in das Dorf Bethanien, wo Lazarus war, den Jesus von den Toten erweckte. Dort war er zu Gast im Haus Simons, des Aussätzigen. Sie machten ihm nun ein Mahl dort, und Martha diente. Während Jesus zu Tisch lag (und Lazarus war einer, der mit ihm zu Tisch lag), kam eine Frau, sie hieß Miriam und war eine stadtbekannte Sünderin. Sie trat zu seinen Füßen und begann zu weinen, sodaß ihre Tränen seine Füße benetzten, und mit den Haaren ihres Kopfes wischte sie sie ab und küsste seine Füße. Dann nahm sie eine Alabasterflasche, die sie mitgebracht hatte, und öffnete sie. Die Flasche enthielt einen Liter echtes, kostbares Nardenöl. Davon schüttete sie auf den Kopf von Jesus und salbte ihn. Dann salbte sie seine Füße und wischte sie mit ihren Haaren ab; das ganze Haus war erfüllt von dem Duft des Öles. Als das die Jünger sahen, wurden einige unwillig und schnaubten die Frau an: „Wozu diese Vergeudung ?“ Und Judas, der Ischariot, der Jesus später an die Häscher ausliefern sollte: „Weshalb wurde das Öl nicht verkauft für dreihundert Denare und das Geld den Armen gegeben ?“ Dies sagte er aber nicht, weil ihm etwas an den Armen lag, sondern weil er den Sammelbeutel verwaltete und ein Dieb war. Er pflegte nämlich von dem zu stehlen, was eingeworfen wurde. Jesus aber sagte: „Laß sie in Ruhe und belästigt sie nicht mit eueren Vorwürfen. Sie hat an mir ein rechtes Werk getan. Die Armen habt ihr allezeit bei euch. Mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie soll den Rest des Öles für den Tag meines Begräbnisses aufbewahren“. Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium in er ganzen Welt verkündet werden wird, wird auch über sie erzählt werden, was sie tat, zum Gedenken an sie.“
Als ein anwesender Pharisäer sah, daß Jesus von einer
Sünderin gesalbt worden war, sagte er: „Wenn Jesus ein Prophet wäre, hätte er
erkannt, was das für eine Sünderin die Frau ist, die ihn berührt“. Damit meinte
er: „Das mosaische Gesetz sagt, wer sich von einer unreinen Frau berühren läßt,
wird selbst unrein und kann kein Verkündiger des Wortes Gottes sein.“ Da
erzählte Jesu das Gleichnis von den zwei
Schuldnern: (Gleichnis36)
„Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner. der eine
schuldete ihm 500 Denare, der andere 50. Da sie aber nichts hatten, um ihre
Schulden zurückzubezahlen, erließ er beiden die Schulden. Wer aber von beiden
wird ihn mehr lieben ?“ Das sprach Simon, der Aussätzige: „Ich nehme an, der,
dem er das Mehrere schenkte. Jesu sagte zu ihm: „Richtig urteilst du“. Und er
wandte um in Richtung der Sünderin: „Siehst du diese Frau ? Ich kam in dein
Haus, du gabst mir kein Wasser auf die Füße.
Sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und hat sie mit ihren Haaren
abgewischt. Du gabst mir keinen Willkommenskuß. Sie aber; seit ich hereinkam,
ließ sie nicht ab, meine Füße zu küssen. Meinen Kopf hast du nicht mit Öl
gesalbt. Sie aber salbte mit Öl meine Füße. Deswegen sage ich dir: Erlassen
sind ihre vielen Sünden, weil sie viel liebte; wem aber wenig erlassen wird,
liebt wenig“. Und Jesus sprach zu ihr: „Erlassen sind dir deine Sünden. Da
begannen einige der zu Tisch liegenden, die nicht zu den Jüngern gehörten,
untereinander zu sagen: „Wer ist dieser Jesus, daß er auch Sünden erläßt ?“
Jesus sprach zu der Frau: „Dein Glaube hat dich gerettet; gehe hin in Frieden !“
Der Einzug in Jerusalem
Jesus schickte
zwei Jünger aus und sagte ihnen: „Geht in das Dorf, das euch gegenüber liegt,
sogleich werdet ihr dort eine Eselin finden und ein Füllen bei ihr, auf das
sich bisher noch kein Mensch gesetzt hat. Löst es und bringt es zu mir her. Und
wenn einer zu euch spricht: ‚Warum tut ihr dies?’ werdet ihr sagen: Der Herr
braucht es, und er wird es sofort zurückschicken“. Und sie gingen weg und
fanden ein Füllen draußen an der Straße, und sie lösten es. Sie brachten es zu
Jesus, und sie warfen ihre Gewänder auf es und er setzte sich darauf. Dies ist
aber geschehen, damit sich das Wort des Propheten erfülle, der sagt: „Sprecht
zur Tochter Zion: Siehe dein König kommt zu dir, sanft und aufgestiegen auf ein
Eselsfüllen“. Und viele breiteten ihre Gewänder auf den Weg, andere aber
winkten mit Palmzweigen, die sie
abgeschlagen hatten. Die Volksmengen aber, die ihm vorausgingen und ihm
nachfolgten, schrieen: „Hosianna dem Sohn Davids; gesegnet der, der im Namen
des Herren kommt, der König von Israel !“
Die Volksmenge,
die dabei gewesen war, als er Lazarus aus dem Grab rief und ihn von den Toten
zum Leben erweckte, bezeugte dies, und so ging ihm eine noch größere Volksmenge
entgegen. Und einige Pharisäer aus der Volksmenge sprachen zu ihm: „Rabbi,
fahre deine Anhänger an !“ Und er antwortete und sprach: „Ich sage euch, wenn
diese schweigen, werden die Steine schreien“. Da sprachen die Pharisäer
zueinander: „ Ihr seht, daß ihr nichts ausrichtet. Siehe, die Welt läuft ihm nach
!“
Weissagung der Zerstörung von Jerusalem
Und als er nahekam
und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn du doch auch an diesem
Tag erkannt hättest, was deinem Frieden dient ! Jetzt aber ist es vor deinen
Augen verborgen; denn es werden Tage über dich kommen, da werden deine Feinde
einen Wall vor dir aufwerfen, sie werden dich rings umzingeln und sie werden
dich von überall her bedrängen, und sie werden dich dem Erdboden gleichmachen
und deine Kinder in dir, und sie werden in dir keinen Stein auf dem anderen
lassen – dafür, daß du nicht die Zeit deiner Heimsuchung erkanntest.
Die griechischen Pilger
Es waren aber
etliche Griechen unter denen, die hinaufkamen nach Jerusalem, um am Fest Gott
anzubeten. Diese gingen zu Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa war, und
baten ihn: „Herr, wir möchten Jesus gern sehen !“ Philippus kam und sagte es
dem Andreas, Andreas und Philippus aber sagten es Jesus. Der antwortete: „Die
Stunde ist gekommen, daß des Menschen Sohn in Gottes Herrlichkeit eingehen wird
und zu Gott erhoben werden wird. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt
und erstirbt, so bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viele
Frucht. Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren; wer es aber haßt, daß
seine Seele in dieser Welt gefangen ist, der wird sie zum ewigen Leben
bewahren. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll auch
mein Diener sein; und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.
Jetzt ist meine
Seele erschüttert. Soll ich jetzt sagen: ‚Herr, hilf mir aus dieser Stunde !’ ?
Ich bin doch in diese Stunde gekommen, weil ich das Weizenkorn bin und weil ich
in die Herrlichkeit Gottes eingehen werde. Herr, mache deinen Namen herrlich !“
Gottes Stimme kommt vom Himmel. Jesus sieht sein Ende kommen
Da kam eine Stimme
vom Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wiederum verherrlichen
!“ Das Volk nun, das dabeistand und es
hörte, sagte, es habe gedonnert. Andere sagten: „Ein Engel hat mit ihm
geredet“. Jesus sprach: „Nicht um meinetwillen ist diese Stimme erschollen,
sondern um euretwillen. Jetzt ergeht ein Gericht über die Welt ! Nun wird der
Fürst dieser Welt, der Satan, hinausgeworfen werden; und ich, wenn ich von der
Erde in den Himmel erhoben bin, werde euch alle zu mir ziehen“. Das aber sagte
er, um anzudeuten, welchen Todes er sterben würde. Das Volk antwortete ihm:
„Wir haben aus den Heiligen Schriften, die unser Gesetz sind, gehört daß der
zum König Gesalbte in Ewigkeit bleibt; wie kannst du den sagen, des Menschen
Sohn müsse in den Himmel erhoben werden ? Wer ist dieser Menschensohn ?“ Da
sprach Jesus zu ihnen: „(Ich bin das Licht der Welt). Noch eine kurze Zeit ist
das Licht bei euch. Geht den Weg (zu mir), solange ihr das Licht noch habt,
damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, weiß
nicht, wohin er geht. Solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit
ihr Kinder des Lichtes werdet !“
Jesus im Tempel
Und als er
hineinging nach Jerusalem, erbebte die ganze Stadt und sagte: Wer ist dieser ?
Die Volksmengen aber sagten: Dieser ist der Prophet Jesus, der Nazarener aus
Galiläa. Und Jesus ging in den Tempel und warf alle Händler und Käufer aus dem
Heiligtum hinaus, und er stieß die Tische der Geldwechsler um und die Sitze der
Taubenverkäufer, und er sagte zu ihnen: Es ist geschrieben: Mein Haus soll
genannt werden das Haus des Gebetes, ihr aber macht es zu Räuberhöhle. Und es
kamen Blinde und Lahme zu ihm ins Heiligtum und er heilte sie. Als die
Hochpriester und Schriftkundigen dieses Staunenswerte sahen, das er tat, und
die Kinder, die im Heiligtum schrieen und sagten: Hosanna dem Sohn Davids,
wurden sie unwillig und sprachen zu ihm: Hörst du, was diese sagen ? Jesus aber
sagte ihnen: Ja. Habt ihr niemals gelesen: „Aus dem Mund von Unmündigen und
Säuglingen bereitest du Lob ? Und er ließ sie zurück, ging aus der Stadt hinaus
nach Bethania und übernachtete dort mit den zwölf Jüngern.
Die Verfluchung des Feigenbaumes
Am nächsten
Morgen, als sie hinaufgingen in die Stadt, hungerte ihn. Und er sah von weitem
einen einzelnen Feigenbaum; und als er zu ihm kam, fand er nur Blätter, aber
keine Früchte, denn es war nicht die Zeit der Feigen. Und er sagte zu ihm:
„Niemals bis in alle Ewigkeit sollst du eine Frucht hervorbringen“; und der
Feigenbaum vertrocknete auf der Stelle. Als das seine Jünger sahen, staunten
sie und sagten: „Wie vertrocknete auf der Stelle der Feigenbaum ?“ Jesus
antwortete ihnen: „Habt Glauben an Gott ! Wenn ihr Glauben habt und nicht
zweifelt, dann werdet ihr nicht allein das Wunder des Feigenbaumes tun, sondern
auch, wenn ihr zu dem Berg sprecht: ‚Werde weggetragen und ins Meer geworfen’,
dann wird es geschehen, und alles, wie viel ihr erbittet im Gebet, wenn ihr
glaubt, werdet ihr es empfangen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen
erlasst, dann wird euch auch euer himmlischer Vater euch euere Übertretungen
erlassen; wenn ihr aber nicht den Menschen verzeiht, dann wird euch auch euer
Vater nicht euere Übertretungen erlassen“.
Jesus lehrt im Tempel
Und Jesus lehrte
täglich im Tempel. Als dies die Hochpriester, die Schriftkundigen und die
Ersten des Volkes hörten, suchten sie einen Weg, ihn zu vernichten, denn sie
fürchteten ihn, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre.
Aber sie fanden keinen Weg, denn das ganze Volk klammerte sich an ihn.
Tagsüber lehrte
Jesus im Tempel, nachts aber ging er hinaus und übernachtete an dem Berg, der
Ölberg genannt wird.
Die Frage nach der Vollmacht Jesu
Und als er wieder
im Tempel das Evangelium verkündete, kamen eines Tages zu ihm die Hochpriester,
die Schriftkundigen und die Ältesten des Volkes und sagten: Sagt uns, mit
welcher Vollmacht predigst du hier, und wer gab dir diese Vollmacht ? Jesus
aber sprach zu ihnen: Ich werde euch eine einzige Frage stellen; wenn ihr mir
die beantwortet, werde ich euch sagen, mit welcher Vollmacht ich dies tue: Die
taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder war sie von Menschen ? Antwortet
mir ! Und sie überlegten bei sich und sagten: Wenn wir sagen: „Vom Himmel“,
dann wird er sagen: „Warum glaubtet ihr ihm nicht ?“. Wenn wir aber sagen: „Vom
Menschen“, dann fürchten wir die Volksmenge, denn sie halten alle Johannes für
einen Propheten“. Und sie antworteten zu Jesus: „Wir wissen es nicht“. Und
Jesus sprach: „Auch ich sage euch nicht, in welcher Vollmacht ich es tue. Aber
reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“
Und es sprachen nun die Juden: „Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel
gebaut, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten ?“ Jesus aber redete vom
Tempel seines Leibes. Als er später von den Toten auferweckt wurde, erinnerten
sich seine Jünger, daß er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und
dem Wort, das Jesus sprach.
Abschluß er öffentlichen Wirksamkeit Jesu; letzter Ruf an das
Volk
Solches redete
Jesus und ging hinweg und verbarg sich vor ihnen. Obwohl er so viele
Wunderzeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn. So wurde das
Wort des Propheten Jesaja erfüllt: „Herr, wer hat dem geglaubt, was wir gehört
haben, und wem wurde der Arm des Herren geoffenbart ?“ Sie konnten nicht
glauben, den Jesaja spricht wiederum: „Er hat ihre Augen verblendet und ihr
Herz verhärtet, aß sie mit ihren Augen nicht sehen und sich bekehren und ich
sie heile.“
Solches sprach
Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete. Doch glaubten sogar
viele von den Oberen an ihn, aber wegen der Pharisäer bekannten sie es nicht,
damit sie nicht aus der Synagoge ausgestoßen würden. Denn die Ehre vor den
Menschen war ihnen lieber als die Ehre vor Gott. Jesus aber rief: „Wer an mich
glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Und wer
mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin als Licht in die Welt
gekommen, damit niemand, der an mich glaubt, in der Finsternis bleibe. Und wenn
jemand meine Worte hört und sich micht daran hält, so richte ich ihn nicht;
denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern damit ich die Welt
rette. Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen
Richter; das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tage.
Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt
hat, er hat mir geboten, was ich sagen soll. Und ich weiß, daß die Befolgung
seines Gebotes ewiges Leben bedeutet. Darum rede ich so, wie der Vater es mir
gesagt hat“.
Der Verrat des Judas Iskarioth
Der Satan ging
hinein in Judas, der Iskariotes genannt wurde und einer der zwölf Jünger war.
Judas ging weg zu den Hohen Priestern und Befehlshabern und sprach: „Was wollt
ihr mir geben, wenn ich ihn euch ausliefere ? Die aber freuten sich und sagten
ihm dreißig Silberlinge zu. Da willigte er ein und suchte eine Gelegenheit, wo
er ihn übergeben könne, ohne daß eine Volksmenge zugegen war.
Die Bereitung des Passahmahles
Er liebte die
Seinen, die in der Welt waren bis ans Ende – so, wie er sie immer geliebt
hatte. Es kam der Tag des Festes der
ungesäuerten Brote, an dem man das Passahlamm schlachtet. Vor dem Passahfest
aber wusste Jesus, daß seine Stunde gekommen sei, aus dieser Welt zum Vater zu
gehen. Seine Jünger kamen zu ihm und sagten: „Wo, willst du, daß wir dir das Passahmahl
bereiten sollen ?“ Und er schickte Petrus und Johannes, indem er ihnen sagte:
„Geht fort in die Stadt; dort wird euch ein Mensch entgegenkommen, der einen
Tonkrug mit Wasser trägt. Folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht und sagt
dem Herrn des Hauses: ‚Der Rabbi sagt dir: Meine Zeit ist nahe; bei dir will
ich das Passahmahl mit meinen Jüngern halten. Wo ist meine Unterkunft ?’ Und
jener wird euch ein großes Zimmer im ersten Obergeschoß zeigen, ausgelegt mit
Teppichen und alles wird hergerichtet sein. Dort bereitet das Mahl für uns.“
Die Jünger taten, wie ihnen aufgetragen und fanden alles, wie er gesagt hatte
und sie bereiteten das Passahmahl.
Jesus
wäscht den Jüngern die Füße
Als es Abend
geworden war, ließ er sich zu Tisch nieder, und mit ihm die Apostel.
Und Jesus sagte:
„Mit Begierde wünsche ich dieses Passahmahl mit euch zu essen; denn ich sage
euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Königreich Gottes Wirklichkeit
geworden ist“.
Während der
Mahlzeit, obgleich Jesus wusste, daß ihm er Vater alle Macht in die Hände
gegeben hatte und daß er von Gott kam und zu Gott ging, stand er vom Mahle auf,
legte seine Kleider ab, nahm einen Schurz und umgürtete sich; darauf goß er
Wasser in ein Becken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit
dem Schurz zu trocknen, mit dem er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus und
dieser sprach zu ihm: „Herr, solltest du mir die Füße waschen ?“ Jesus
antwortete: „Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es hernach erfahren“.
Petrus sprach zu ihm: „Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen !“ Jesus
antwortete: „Werde ich dich nicht waschen, so hast du keine Gemeinschaft mit
mir“. Simon Petrus sprach: „Herr, nicht nur meine Füße, sonder auch die Hände
und das Haupt !“. Jesus sprach: „Wer gebadet ist, hat es nicht nötig, gewaschen
zu werden, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein,
aber nicht alle“. Denn er kannte seinen Verräter.
Nachdem er nun
ihre Füße gewaschen und seine Kleider angezogen hatte, ging er wieder zu Tische
und sprach zu ihnen: „Versteht ihr, was ich euch getan habe ? Ihr heißt mich
Meister und Herr und sagt es mit Recht; denn ich bin es auch. Wenn nun ich, der
Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die
Füße waschen. Denn ich habe euch ein Vorbild gegeben, damit auch ihr tut, wie
ich euch getan habe. Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Gesandte
nicht größer als der ihn gesandt hat. Wenn ihr das wisst und es tut, dann seid
ihr selig.
Ich rede nicht von
euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Denn die Schrift muß erfüllt
werden: „Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse wider mich erhoben“. Jetzt
sage ich euch, ehe es geschieht, damit, wenn es geschehen ist, ihr glaubt, daß
ich der Gesalbte bin. Wer diejenigen aufnimmt, die ich senden werde, der nimmt
mich auf; wer mich aufnimmt, nimmt Gott auf, der mich gesandt hat“.
Die
Bezeichnung des Verräters
Da hatte schon der
Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben, ihn zu verraten.
Und Jesus sagte zu Judas: „Was du tun willst, tu schnell“. Es aber verstand
keiner der zu Tisch Liegenden, was Jesus ihm damit sagen wollte; einige
meinten, da Judas den Geldbeutel hatte, daß Jesus meinte: „Kaufe, was wir nötig
haben zum Fest“, oder: „Kaufe etwas und gib es den Armen“.
Und während sie
aßen, wurde Jesus erregt im Geist, und er bezeugte und sprach: „Wahrlich, ich
sage euch: Die Hand dessen, der mich übergeben wird, ist mit mir hier am Tisch.
Einer von euch, die ihr hier mit mir esst, wird mich verraten“. Da begannen sie
betrübt und ratlos zu werden und einer nach dem anderen sagte zu ihm: „Doch
nicht ich, Herr ?“ Und sie begannen untereinander zu streiten, wer also unter
ihnen es sei, der im Bergriff war, solches zu tun.
Johannes lag im
Schoß von Jesus zu Tisch; da nickte Simon Petrus hinüber zu Johannes, den Jesus
liebte, er solle erforschen, wer der Verräter sei, über den Jesus redete. Nun
lehnte sich Johannes an die Brust von Jesus und sagte ihm: „Jener ist es, der
mit mir in die Schüssel das Brot eintaucht und dem ich nun den Bissen
eintauchen und geben werde“. Judas, der ihn übergeben sollte sprach: „Das bin
doch nicht ich, Rabbi ?“ Er sage zu ihm: „Du sagst es.“ Und Jesus nahm den
Bissen und gab ihn dem Judas, dem Sohn des Simon Iskariotes, und mit dem Bissen
ging in ihn der Satan hinein. Da sagte Jesus: „Der Sohn des Menschen geht zwar
fort, gleichwie es geschrieben steht über ihn und gemäß dem, wie es ihm
bestimmt ist. Wehe aber jenem Menschen, durch den der Menschensohn übergeben
wird; besser wäre es aber für ihn, wenn er nie gezeugt worden wäre, jener
Mensch !“
Da nun jener den
Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus.
Das
neue Gebot der Liebe
Und als er nun
hinausgegangen war, sprach Jesus: „Jetzt ist des Menschen Sohn verherrlicht,
und Gott ist verherrlicht durch ihn ! Kinder, nur noch eine kleine Weile bin
ich bei euch. Ihr werdet mich suchen, und wie ich zu den Juden sagte: ‚Wohin
ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen’, so sage ich jetzt auch zu euch. Ein
neues Gebot gebe ich euch, nämlich daß ihr einander liebt. Daran wird jedermann
erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.
Die
Feier des Abendmahls
Und während sie
aßen, nahm er das Brot, brach es, und während er es ihnen gab, sagte er: „Nehmt
es und esst ! Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieses tut zu
meiner Erinnerung !“ Nach dem Essen nahm einen Becher, dankte Gott und sprach:
„Nehmt diesen Becher und teilt ihn untereinander ! Dieser Becher symbolisiert
den neuen Bund Gottes mit den Menschen, der durch mein Blut, das ich vergießen
werde, geschlossen wird. Trinkt aus dem Becher alle, denn dies ist mein Blut,
das den neuen Bund mit Gott besiegelt. Dieses Blut wird vergossen für viele zum
Erlaß von Sünden. Jedesmal wenn ihr gemeinsam aus einem Becher Wein trinkt, tut
dies zu meiner Erinnerung ! Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr
vom Ertrag des Weinstockes trinken, bis das Königreich Gottes kommt. Dann werde
ich mit euch erneut trinken im Königreich Gottes, meines Vaters.
Jesu
Zuversicht und Zuspruch
Euer Herz
erschrecke nicht ! Vertrauet auf Gott und vertrauet auf mich ! Im Haus meines
Vaters sind viele Wohnungen; wenn das nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt.
Ich gehe hin, euch eine Heimstätte zu
bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich
wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß auch ihr seid, wo ich bin. Wohin
ich aber gehe, wisst ihr, und ihr kennt den Weg“.
Thomas sprach zu
ihm: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg wissen
?“ Jesus sprach: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt
zum Vater denn durch mich ! Hättet ihr mich erkannt, so würdet ihr auch meinen
Vater erkennen; und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen“.
Philippus sprach
zu ihm: „Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns ! Jesus sprach: „So lange
Zeit bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht ? Philippus, wer mich
gesehen hat, hat den Vater gesehen ! Wie kannst du sagen: ‚Zeige uns den Vater
? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist ? Die Worte,
die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst, sondern der Vater, der in
mir wohnt, tut die Werke. Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir
ist; wenn nicht, so glaubt mir um der Werke willen ! Wer an mich glaubt, der
wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich
zu meinem Vater gehe; und was ihr auch in meinem Namen bitten werdet, will ich
tun, auf daß der Vater verherrlicht werde in dem Sohne. Wenn ihr etwas in
meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.
Verheißung
des Trösters, des Heiligen Geistes
Wenn ihr mich
liebt, so haltet meine Gebote ! Und ich will den Vater bitten, und er wird euch
einen anderen Beistand geben, daß er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der
Wahrheit, welchen die Welt nicht empfangen kann, denn sie beachtet ihn nicht
und kennt ihn nicht; ihr aber kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in
euch sein. Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch. Noch eine
kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, denn ich
lebe, und auch ihr sollt leben ! An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in
meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und sie
hält, der ist es, den ich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater
geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
Da sprach nun zu
ihm Judas, nicht der Iskariot: „Herr, wie kommt es, daß dich uns offenbaren
willst und nicht der Welt ?“ Jesus antwortete: „Wenn jemand mich liebt, so wird
er mein Wort befolgen, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm
kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer mich nicht liebt, befolgt meine Worte
nicht; und doch ist das Wort, das ihr hört, nicht mein, sondern des Vaters, der
mich gesandt hat.
Solches habe ich
zu euch gesprochen, während ich noch bei euch bin; der Beistand aber, der
Heilige Geist, welcher mein Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch
alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden
hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt,
gebe ich euch; euer Herz errege sich nicht und verzage nicht ! Ihr habt gehört,
daß ich sagte: ‚Ich gehe hin und ich komme zu euch ! Hättet ihr mich lieb, so
würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als
ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn
es geschieht. Ich werde nicht mehr viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst
dieser Welt, der Satan, und in mir hat er nichts. Damit aber die Welt erkenne,
daß ich den Vater liebe und so handele, wie mir der Vater befohlen hat, stehet
auf und lasst uns von hinnen gehen !
Der
rechte Weinstock und seine Reben
Ich bin der wahre
Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jeden Schößling an mir, der
keine Frucht bringt, nimmt er weg; jeden fruchtbaren aber reinigt er, damit er
mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch
geredet habe. Bleibt an mir und ich bleibe an euch ! Gleichwie das Rebschoß von
sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn es nicht am Weinstock bleibt,
ebenso auch ihr nicht, wenn ihr nicht bei mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr
seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn
getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird
er weggeworfen wie das Rebschoß und verdorrt; und solche sammelt man und wirft
sie ins Feuer, und sie brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch
bleiben, mögt ihr bitten, was ihr wollt, so wird es euch widerfahren. Dadurch
wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und seine Jünger
werdet.
Wie mich der Vater
liebt, so liebe ich euch; bleibt in meiner Liebe ! Wenn ihr meine Gebotet
haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote
gehalten habe und in seiner Liebe geblieben bin. Das habe ich zu euch gesagt,
damit meine Freude in euch bleibe und euere Freude vollkommen werde. Das ist
mein Gebot, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe
hat niemand als die, daß er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine
Freunde, wenn ihr alles tut, was ich euch gebiete. Ich nenne euch nicht meine
Knechte; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich
Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch
kundgetan habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und
dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und euere Frucht bleibe,
damit, was immer ihr den Vater bitte werdet in meinem Namen, er es euch gebe.
Das gebiete ich euch, daß ihr einander liebet.
Vom
Haß in der Welt
Wenn euch die Welt
haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt, so
hätte die Welt das ihrige lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern
ich euch aus der Welt heraus erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Dankt an
das Wort, das ich zu euch gesagt habe: ‚Der Knecht ist nicht größer als sein
Herr’. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie
mein Wort befolgt, so werden sie auch das eurige befolgen. Aber das alles
werden sie euch tun um meines namens willen; denn sie kennen den nicht, der
mich gesandt hat. Wenn ich nicht gekommen wäre und es ihnen gesagt hätte,
hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde. Wer
mich haßt, haßt auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke unter ihnen getan,
die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie
dieselben gesehen und hassen sowohl mich wie auch meinen Vater; doch solches
geschieht, damit das Wort erfüllt werde, das in ihrem Gesetz geschrieben steht:
‚Sie hassen mich ohne Ursache. Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom
Vater her senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird
der von mir zeugen; und auch ihr werdet zeugen, weil ihr vom Anfang an bei mir
gewesen seid.
Vom
Wirken des Heiligen Geistes
Solches habe ich
zu euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge
ausschließen; es kommt sogar die Stunde, wo jeder, der euch tötet, meinen wird,
Gott einen Dienst zu erweisen. Und das werden sie euch tun, weil sie weder den
Vater noch mich kennen. Ich aber habe euch das gesagt, damit, wenn die Stunde
kommt ihr daran denkt, daß ich es euch gesagt habe. Das habe ich euch nicht von
Anfang an gesagt, weil ich noch bei euch war.
Nun aber gehe ich
hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand unter euch fragt mich: ‚Wohin
gehst du ?’
Weil ich dies zu
euch gesagt habe, ist euer Herz voller Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit:
Es gut für euch, daß ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, dann kommt kein
Beistand zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden.
Und wenn jener kommt, wird er die Welt überzeugen von der Sünde, vom gerechten
und richtigen Handeln und vom Gericht. Der Heilige Geist wird die Welt von der
Sünde derer, die nicht an mich glauben, überzeugen. Der Heilige Geist wird die
Welt vom gerechten und richtigen Handeln überzeugen, weil ich zum Vater gehe
und ihr mich von nun an nicht mehr sehen werdet, und ich deshalb nicht mehr
sagen kann, was gerecht und richtig ist. Vom Gericht, weil mit meiner Auferstehung
und Rückkehr zu Gott der Satan, der Fürst der Welt gerichtet ist und seine
Strafe bekommen wird. Noch vieles hätte ich euch zu sagen; aber ihr könnt das
jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in
die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern
was er von Gott und von mir hören wird, das wird er reden, und was zukünftig
ist, wird er euch verkünden. Derselbe wird mich verherrlichen, denn von mir
wird er die Botschaft nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat,
ist mein; darum habe ich gesagt, daß er die Botschaft von mir nimmt und euch
verkündigen wird. In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in
kurzem werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater.“
Abschiedsworte
voller Zuversicht und Trost
Da sprachen
etliche seiner Jünger zueinander: „Was bedeutet das: ‚nicht mehr wiedersehen’
und ‚in kurzem’ und ‚zum Vater’ ? Wir wissen nicht, was er redet !“ Jesus
merkte, daß sie ihn fragen wollten, und er sprach zu ihnen: „Ihr werdet weinen
und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trauen; doch
euere Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Wenn eine Frau gebiert, so
hat sie Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind
geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um ihrer Freude willen, daß ein
Mensch zur Welt geboren ist. So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch
aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand wird euere
Freude von euch nehmen. Und an jenem Tage werdet ihr mich gar nichts fragen.
Vom
Beten im Namen Jesu
Was immer ihr
meinen Vater in meinem Namen bitten werdet, er wird es euch geben ! Bis jetzt
habt ihr gar nichts in meinem Namen gebeten; bittet, so werdet ihr nehmen, auf
daß euere Freude vollkommen werde !
Dies habe ich euch
in Gleichnissen gesagt; es kommt die Stunde, da werde ich nicht mehr in
Gleichnissen zu euch reden, sondern euch offen vom Vater Kunde geben. An jenem
Tage werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage euch nicht, daß ich den
Vater für euch bitten will, denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich
liebt und glaubt, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater
ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe
zum Vater“.
Da sagten seine
Jünger: „Jetzt redest du offen und brauchst kein Gleichnis ! Jetzt wissen wir,
daß du alles weißt und es nicht nötig hast, daß dich jemand fragt; darum
glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist !“ Jesus antwortete ihnen: „Jetzt
glaubt ihr ? siehe, es kommt die Stunde, und sie ist schon da, wo ihr euch
zerstreuen werdet, ein jeglicher in seine Heimat, und mich allein lassen
werdet; aber ich bin nicht allein, denn mein Vater ist bei mir. Das habe ich
euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Trübsal; aber
seid getrost, ich habe die Welt überwunden !“
Jesus
bittet um Offenbarung seiner göttlichen Herrlichkeit
Dies redete Jesus, hob seine Augen zum Himmel empor und
sprach: „Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein
Sohn dich verherrliche ! Du hast ihm die macht gegeben über alle Menschen,
damit er ewiges Leben allen gebe, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das
ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und Jesus den Gesalbten, den
du gesandt hast, erkennen.
Vater im Himmel,
ich habe dich verherrlicht auf Erden, indem ich das Werk vollendet habe, das du
mir gegeben hast, daß ich es tun solle. Und nun verherrliche ich dich bei dir
selbst mit der Herlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
Jesus
bittet für seine Jünger
Ich habe deinen
Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren
dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun
erkennen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt; denn die
Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie
angenommen und haben wahrhaft erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und
glauben, daß du mich gesandt hast.
Ich bitte für sie,
nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, weil
sie dein sind. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist
mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. Und ich bin nicht mehr in der Welt,
und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir
gegeben hast, damit sie eins werden, gleichwie wir ! Als ich bei ihnen in der
Welt war, erhielt ich sie in deinem Namen; die du mir gegeben hast, habe ich
behütet, und keiner von ihnen ist verloren gegangen, als nur der Sohn des
Verderbens, auf daß die Schrift erfüllt würde. Nun aber komme ich zu dir und
rede solches in der Welt, damit sie meine Freude vollkommen in sich haben.
Ich habe ihnen ein
Wort gegeben, und die Welt haßt sie; denn sie sind nicht von dieser Welt,
gleichwie auch ich nicht von dieser Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie aus
der Welt nimmst, sondern daß du sie bewahrst vor dem Argen. Sie sind nicht von
dieser Welt, so wie auch ich nicht von dieser Welt bin. Heilige sind in deiner
Wahrheit ! Dein Wort ist Wahrheit. So, wie du mich in die Welt gesandt hast, so
sende ich auch sie in die Welt. Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch
sie geheiligt seinen in Wahrheit.
Jesu
Bitte für die Gläubigen aller Zeiten um Einigkeit
Ich bitte aber
nicht nur für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich
glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und
ich in dir; auf daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du
mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast,
ihnen gegeben, auf daß sie eins seinen, gleichwie wir eins sind. Ich in ihnen
und du in mir, auf daß sie zu vollendeter Einheit gelangen, damit die Welt
erkenne, daß du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst.
Vater, ich will,
daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine
Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor
Grundlegung der Welt ! Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht ! Ich aber
kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen
deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, auf daß die Liebe, mit der du
mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen !“
Auf
dem Weg nach Gethsemane
Nachdem sie den
Lobgesang gesungen hatten, ging er gemäß der Gewohnheit hinaus zum Berg der
Ölbäume, jenseits des Winterbaches Kidron, (der im Sommer austrocknet) und
seine Jünger folgten ihm. Da sagte ihnen Jesus: „Ihr alle werdet Anstoß nehmen
an mir in dieser Nacht; denn es ist geschrieben: ‚Schlagen werde ich den
Hirten, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden’. Nach meinem
Erwecktwerden werde ich euch vorangehen nach Galiläa. Petrus aber antwortete
ihm: „Wenn auch alle Anstoß nehmen werden an dir, ich werde niemals Anstoß
nehmen“. Und Jesus sagte ihm: „Simon, Simon, der Satan hat sich ausgebeten, daß
ich euch siebe wie den Weizen; ich aber habe für dich gebetet, damit dein
Glaube nicht aufhöre; und du, wenn du einst zum Glauben bekehrt bist, richte
deine Brüder auf ! Wohin ich fortgehe, kannst du mir jetzt nicht folgen, aber
du wirst mir später folgen“. Petrus aber sprach zu ihm: „Herr, warum kann ich
dir jetzt nicht folgen ? Mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in den
Tod zu gehen !“ Jesus aber sprach: „Dein Leben wirst du für mich geben ? Ich
sage dir, Petrus, ehe morgen früh der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal
ableugnen mich zu kennen“.
Und er sprach zu
den Jüngern: „Als ich euch losschickte ohne Geldbeutel und Tasche und Sandalen,
hat es da euch an etwas gemangelt ?“ Die aber sagten: „An nichts“. Er sprach zu
ihnen: „Aber jetzt, wer einen Geldbeute hat, soll ihn tragen, und in gleicher
Weise eine Tasche, und wer nichts hat, soll sein Gewand verkaufen und ein
Schwert kaufen. Denn ich sage euch: Was geschrieben steht, muß vollendet werden
an mir, nämlich das: ‚Unter die Gesetzlosen wurde er gerechnet’; was mir
bestimmt ist, kommt jetzt zu Ende“. Die Jünger aber sprachen: „Herr siehe, hier
sind zwei Schwerter !“ Der aber sprach zu ihnen: „Es ist genug“.
Jesus im Garten Gethsemane
Dann kam Jesus zu
einem Platz, der Gethsemane genannt wird; dort war ein Garten, in welchen Jesus
samt seinen Jüngern eintrat. Aber auch Judas, der ihn verriet, kannte den Ort,
denn Jesus versammelte sich oft dort mit seinen Jüngern. Jesus sagte zu seinen
Jüngern: „Setz euch hier solange; ich gehe dort hinein und bete ! Betet auch
ihr, daß ihr nicht in Versuchung kommt !“ Und er nahm den Petrus und die zwei
Söhne des Zebadäus mit, den Jakobus und den Johannes, und Jesus begann betrübt
zu werden und Angst und Schrecken zu haben. Und er sagte ihnen mit den Worten
des Psalm: „Ganz zu Tode betrübt ist meine Seele; bleibt bei mir und wacht !“
Und er entfernte sich von ihnen etwa einen Steinwurf, beugte das Knie, betete
und sagte: „Vater, alles ist dir möglich; wenn du willst, lass diesen Kelch an
mir vorübergehen; jedoch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe !“
Es erschien ihm
aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Er geriet in Beklemmung, und noch
intensiver betete er; und sein Schweiß wurde wie Tropfen von Blut und fiel auf
die Erde.
Es er endlich
aufgestanden war, kam er zu den Jüngern und fand sie schlafend vor Betrübnis
und er sagte: „Simon Petrus, du schläfst ? So vermochtest du nicht eine einzige
Stunde mit mir zu wachen ? Wachet und betet, damit ihr nicht in die Versuchung
hineinkommt ! Der Geist ist zwar bereit, aber das Fleisch ist schwach. Dann
ging er zum zweiten Mal weg, und betete, dasselbe Wort sprechend: „Mein Vater,
wenn dieser Kelch nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, so soll
dein Wille geschehen !“ Und als er wieder zurückkam, fand der die Jünger
schlafend, denn ihre Augen waren ganz schwer., und sie wussten nicht, was sie
ihm antworten sollten. Und er ließ sie zurück und ging wieder weg, um ein
drittes Mal zu beten, und sprach dieselben Worte wieder. Dann kam er wieder
zurück und sagte zu seinen Jüngern: „Schlaft weiter und ruht ! Siehe, die
Stunde ist nahegekommen, in welcher der Menschensohn in die Hände der Sünder
übergeben wird. Steht auf, gehen wir ! Siehe, der mich übergeben wird, ist
nahegekommen.“
Die Gefangennahme Jesu
Und noch während
er redete, siehe, da kam Judas, einer der zwölf Apostel. Er wusste den Ort,
weil sich Jesus dort oft mit seinen Jüngern versammelte. Mit Judas kam eine
große Menge Leute, mit Schwertern und Hölzern bewaffnet, eine Kohorte römischer
Soldaten und Diener von Hohen Priestern, von Ältesten des Volkes und von
Pharisäern. Sie hatten Fackeln und Lampen. Der Verräter Judas hatte ihnen
gesagt: „Wen immer ich küssen werde, er ist es; ergreift ihn und führt ihn
sicher ab !“ Und Judas kam sofort hin zu Jesus und sagte: „Gruß dir, Rabbi !“
und küsste ihn ab. Jesus aber sprach zu ihm: „Freund, für welchen Zweck bist du
da ? Judas, mit einem Kuß übergibst du den Sohn des Menschen ?“
Das
Ohr des Malchus (Wunder30)
Als die Jünger um
ihn herum das sahen, was geschehen würde, sprachen sie: „Herr, ob wir mit dem
Schwert zuschlagen sollen ?“ Simon Petrus, der ein Schwert hatte, zog es und
schlug dem Sklaven des Hohen Priesters, Malchus, sein rechtes Ohr ab. Jesus
sprach zu Petrus: „Laß, das reicht ! Stecke das Schwert in die Scheide. Wer zum
Schwert greift, wird durch das Schwert vernichtet werden. Oder meinst du, daß
ich nicht meinen Vater bitten kann, und er wird mir jetzt mehr als zwölf
Legionen Engel hinstellen ? Wie aber würden dann die Schriften erfüllt, daß es
so geschehen muß ? Soll ich den Kelch, den mir mein Vater gegeben hat, nicht
trinken ?“ Und Jesus berührte das Ohr des Malchus und heilte ihn.
Jesus nun, der
alles wusste, was nun kommen würde, sagte zu den Bewaffneten: „Wen sucht ihr ?“
Sie antworteten ihm: „Jesus, den Nazoräer“. Als er nun zu ihnen sprach: „Ich
bin es“, traten sie zurück und fielen auf die Erde. Wieder nun fragte er sie:
„Wen sucht ihr ?“ Sie aber sprachen: „Jesus, den Nazoräer“. Jesus antwortete
ihnen: „Ich sprach zu euch: Ich bin es. Wenn ihr also mich sucht, so lasst
diese meine Jünger fortgehen ! – damit das Wort erfüllt wird: ‚Von denen, die
du mir gegeben hat, verlor ich nicht einen’.“ Dann traten die Bewaffneten
erneut an Jesus heran, legten Hand an ihn und ergriffen ihn.
Jesus sagte zu den
Hohen Priestern und den Befehlshaber des Heiligtums und zu den Ältesten und zu
der Volksmenge, die sich um ihn gesammelt hatten: „Wie gegen einen Räuber seid
ihr mit eueren Schwertern und Hölzern herausgekommen um mich festzunehmen.
Täglich war ich bei euch im heiligen Tempel, um zu lehren, und ihr habt mich
nicht ergriffen. Doch dies ist euere Stunde und die Finsternis hat die
Vollmacht. Dies Ganze geschah aber, damit die Schriften der Propheten erfüllt
werden“. Und da verließen ihn seine Jünger und flohen alle. Ein junger Mann,
der nur ein Leintuch um den nackten Leib geworfen hatte, folgte Jesus, und sie
ergriffen ihn; der aber ließ das Leinentuch zurück und floh nackt.
Jesus vor dem Synhedrion und die Verleugnung des Petrus
Sie aber ergriffen
Jesus, banden ihn und die Kohorten, der Chiliarch (Befehlshaber über tausend
Mann) und die Diener der Judäer führten ihn zuerst zu Hannas; denn er war der
Schwiegervater des Kajaphas, welcher in jenem Jahre Hoher Priester war. Simon
Petrus und ein anderer Jünger folgte ihnen von weitem bis zum Anwesen des Hohen
Priesters. Jener andere Jünger aber war mit dem Hohen Priester bekannt, und er
ging mit Jesus bis in den Innenhof hinein. Petrus aber stand vor der Tür
draußen. Da ging jener andere Schüler, der bekannte des Hohen Priesters und
sprach zur Türhüterin, und er führte den Petrus hinein. Drinnen zündeten die
Sklaven und Diener inmitten des Hofes ein Kohlenfeuer an, weil es kalt war.
Petrus setzte sich unter sie und wärmte sich beim Feuer, um das Ende zu sehen.
Als eine Magd ihn sah, als er am Licht saß, starrte sie ihn an und sagte: „Auch
dieser war mit Jesus, dem Galiläer!“ Petrus aber leugnete vor allen Anwesenden
und sprach: „Ich kenne ihn nicht, Frau.“ Und nach kurzem kam ein anderer, sah
ihn und sagte: „Auch du bist einer von ihnen“. Petrus aber sagte: „Mensch, ich
bin es nicht“ und leugnete mit einem Eid. Und als etwa eine Stunde vergangen
war, sagte einer von ihnen: „Es ist wahr, auch dieser war mit Jesus, dem
Nazoräer, denn wie Jesus ist auch er ein Galiläer, und auch sein Dialekt verrät
ihn“. Und einer von den Sklaven des Hohenpriesters, der mit dem verwandt war,
dem Petrus das Ohr abschlug, sagte: „Sah ich dich nicht ihm Garten mit ihm ?“
Und wieder leugnete Petrus. Er begann zu fluchen und zu schwören: „Ich kenne
den Menschen nicht“. Und auf der Stelle, als er noch redete, krähte ein Hahn.
Und der Herr wendete sich um und schaute ihn an; und Jesus erinnerte sich an
das Wort des Herren, wie er zu ihm sprach: „Ehe ein zweimal Hahn kräht, wirst
du mich dreimal verleugnen“. Und Petrus
ging nach draußen, warf sich hin und weinte bitter. Und die Männer, die ihn
(Jesus) hielten, verspotteten ihn und trieben Schindluder mit ihm. Sie
umhüllten ihn und fragten: „Prophezeie, wer ist es, der dich schlug ?“ Und
vieles anders lästerten sie gegen ihn.
Es schickte ihn
nun Hannas gebunden zu Kajaphas, dem Hohen Priester. Als es Tag wurde,
versammelte sich der Ältestenrat des Volkes, Hohe Priester und Schriftkundige,
und sie führten ihn in ihr Synhedrion.
Der Hohe Priester
und das ganze Synhedrion suchten ein Falschzeugnis gegen Jesus, um ihn zu
töten, und sie fanden nicht eines, obwohl viele falsche Zeugen hinzukamen.
Zuletzt kamen aber zwei und sprachen: „Wir hörten, wie dieser da sagte: ‚ Ich
werde diesen Tempel, der von Menschenhand gemacht wurde, zerstören und
innerhalb dreier Tage werde ich einen, nicht von Menschenhand gemachten,
bauen’.“ Aber ihre Aussagen wiedersprachen sich. Und der Hohe Priester stand
auf und sagte zu Jesus: „Du antwortest nichts auf das, was diese gegen dich
bezeugen ?“. Jesus aber schwieg und sagte nichts. Da fragte der Hohe Priester
Jesus über seine Schüler und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: „ Ich habe
in Offenheit zur Welt geredet, ich lehrte allezeit in einer Synagoge und im
Heiligtum, wohin alle Judäer zusammenkommen, und ich habe nichts im Verborgenen
geredet. Was fragst du mich ? Fragt die, die es gehört haben, was ich zu ihnen
redete; siehe, diese wissen, was ich sprach“. Als er aber dieses sprach, gab
einer der dabeistehenden Diener Jesus einen Schlag und sagte: „So antwortest du
dem Hohen Priester ?“ Jesus antwortete ihm: „Wenn ich schlecht redete, bezeuge
das Schlechte; wenn recht, was schindest du mich ?“
Wieder befragte
ihn der Hohe Priester: „Ich beschwöre dich beim lebendigen Gott, daß du uns
sagst: Bist du der Gesalbte, der Sohn
Gottes ?“ Er aber sprach zu ihnen: „Du sagst es. Ich bin es. Wenn ich zu euch
spreche, werdet ihr es nicht glauben; wenn ich aber frage, werdet ihr nicht
glauben. Jedoch sage ich euch: Von jetzt an wird der Sohn des Menschen zur
Rechten der Kraft Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen’. Es
sprachen aber alle: „Du also bist der Sohn Gottes ?“ Der aber sagte zu ihnen:
„Ihr sagt, daß ich es bin“. Da zerriß der Hohe Prieser seine Gewänder und
sagte: „Was haben wir noch weitere Zeugenaussagen nötig ? Wir selbst haben es
aus seinem Mund gehört. Seht, ihr habt die Lästerung gehört; was meint ihr ?“
Die aber verurteilten ihn alle des Todes
schuldig zu sein.
Die Übergabe Jesu an Pilatus
Und sofort in der
Frühe, als der Beschluß von den Hohen Priestern mit den Ältesten und
Schriftkundigen und dem ganzen Synhedrion gefasst worden war, stand die ganze
Menge auf. Sie banden Jesus und brachten
ihn von Kajaphas weg in das Prätorium und übergaben ihn dem Pilatus.
Der Tod des Judas
Dann, als Judas,
der ihn verraten hatte, sah, daß Jesus verurteilt wurde, überkam ihn die Reue.
Er brachte die dreißig Silberstücke den Hohen Priestern und Ältesten und sagte:
„Ich habe gesündigt, weil ich unschuldiges Blut übergeben habe“. Die aber
sprachen: „Was geht das uns an ? Sieh du zu !“ Und Judas warf die Silberstücke
in den Tempel und entwich, ging weg und erhängte sich. Die Hohen Priester aber
nahmen die Silberstücke und sprachen: „Es ist nicht erlaubt, sie in den
Tempelschatz zu werfen, da es ein Blutgeld ist“. Sie fassten einen Beschluß und
kauften mit ihnen den Acker des Töpfers als Begräbnisplatz für die Fremden.
Deshalb wird jener Acker bis heute „Blutacker“ genannt. So wurde erfüllt, was
Jeremias, der Prophet gesagt hatte: „Und sie nahmen dreißig Silberstücke, den
Schätzpreis für den, der von den Söhnen Israels wertgeschätzt wurde, und sie
gaben sie für den Acker des Töpfers; gleichwie mir der Herr befohlen hatte.“
Das Verhör vor Pilatus
Sie führten Jesus
vor das befestigte Amtsgebäude des Statthalters von Judäa, Pontius Pilatus. Sie
gingen aber nicht in des Gebäude (eines Ungläubigen) hinein, damit sie nicht
unrein würden, sondern das Passahmahl essen könnten. Da kam
Pilatus hinaus zu
ihnen und sagte: „Welche Beschuldigungen bringt ihr gegen diesen Menschen vor
?“ Sie sagten: „Wenn dieser nicht einer wäre, der Schlechtes getan hat, hätten
wir ihn dir nicht übergeben“. Und die Hohen Priester und Ältesten klagten ihn
für vieles an. Da sagte Pilatus zu Jesus: „Hörst du nicht, wie viel sie gegen
dich bezeugen ?“ Und Jesus antwortete ihm nicht, auch nicht auf ein einziges
Wort, sodaß der Statthalter sehr erstaunt war. Pilatus aber sprach zu den Hohen
Priestern und der Volksmenge: „Ich kann keine Schuld an diesem Menschen
finden“: Die aber bestanden darauf, daß er das Volk aufhetze und in der ganzen
Judäa lehre, beginnend von der Galiläa bis hierher.“ Es sprach nun Pilatus zu
ihnen: „Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eueren Gesetz !“ Die Judäer
sprachen: „Uns ist es nicht erlaubt, einen zu töten“. Damit das Wort von Jesus
erfüllt würde, durch das er bezeichnete, welchen Todes er sterben würde,
begannen sie, ihn anzuklagen und sagten: „Wir haben diesen befunden als einen Mann,
der unser Volk verführt und es daran hindern will, dem Kaiser Steuer zu zahlen.
Er sagt von sich selbst, er sei der Gesalbte, ein König“.
Da ging wieder
Pilatus in das Prätärion hinein, und rief Jesus. Als Jesus vor ihn hingestellt
worden war, befragte ihn Pilatus: „Du bist der König der Judäer ?“
Jesus aber
antwortete ihm: „Du sagst es. Aber sagst du es von dir aus oder haben es andere
dir gesagt ?“ Pilatus erwiderte: „Bin ich etwa ein Jude ? Dein Volk und die
Hohen Priester haben dich mir übergeben. Was hast du getan ?“ Jesus antwortete:
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so
würden meine Diener kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert werde; aber
mein Reich ist nicht von hier“. Pilatus sagte nun zu ihm: „Also: bist du ein
König ?“ Jesus antwortete: „Du sagst es, daß ich ein König bin. Ich bin dazu
geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeuge. Jeder,
der aus der Wahrheit lebt, hört meine Stimme“. Pilatus sagte: „Was ist Wahrheit
?“
Jesus vor Herodes
Als Pilatus das
Hörte, fragte er, ob Jesus ein Galiläer sei, und er erkannte, daß er aus dem
Hoheitsgebiet des Herodes Antipas war; und er schickte ihn hin zu Herodes, der
in diesen Tagen auch selbst in Jerusalem war. Herodes aber, als er Jesus sah,
freute sich sehr, denn seit geraumer Zeit wollte er ihn sehen, weil er von ihm
gehört hatte und hoffte, irgendein Zeichen und Wunder zu sehen, daß Jesus
vollbrachte. ER befragte ihn mit vielen Worten, er aber antwortete nichts. Es
standen aber die Hohen Priester und die Schriftkundigen da und klagten ihn
heftig an. Doch Herods und seine Soldaten trieben Hohn und Spott mit ihm; sie
warfen ihm ein Prunkgewand um und er schickte ihn wieder zu Pilatus hin.
Herodes und Pilatus wurden an jenem Tag Freunde miteinander. Zuvor nämlich
waren sie in Feindschaft gegeneinander.
Die Freilassung des Barabbas und die Verurteilung Jesu
Pilatus aber rief
die Hohen Priester und die Tempelvorsteher und das Volk zusammen. und sprach zu
ihnen: „Ihr habt mit diesen Menschen hergebracht als einen, der das Volk
aufständisch macht, und siehe, als ich ihn verhörte vor euch, fand ich an
diesem Menschen keine Schuld im Sinne euere Anklage. Aber auch Herodes fand
keine Schuld; denn er hat ihn zu uns hergeschickt, denn er hat nichts getan,
was des Todes würdig wäre; wenn ich ihn gezüchtigt habe, werde ich ihn
freilassen. Es besteht aber ein Brauch bei euch, daß ich euch am Passahfest
einen freilasse; wollt ihr nun, daß ich euch den König der Juden freilasse ?“
Denn er erkannte, daß ihn die Hohen Priester aus Nied übergeben hatten. Die
Hohen Preister aber hetzten die Volksmenge auf, und so schrien sie: „Nicht
diesen, sondern lasst den Barabbas frei!“ Barabbas aber war berüchtigter
Gefangener, ein Räuber, der in Verbindung mit den Aufrührern stand, welche bei
dem Aufruhr einen Mord begangen hatten.
Pilatus aber,
willens Jesus freizulassen, reif ihnen zu: „Was nun soll ich mit dem ‚König der
Juden’ tun ?“. Die aber alle schreien: „Kreuzige ihn !“ Pilatus aber sagte
ihnen: „Was hat er den Schlechtes getan ?“ Die aber schrien ihm übermäßig laut
entgegen: „Gekreuzigt soll er werden !“ Da wandte er ein drittes Mal an sie:
„Was hat dieser Schlechtes getan ? Ich habe ihn nicht des Todes schuldig
befunden; wenn ich ihn gezüchtigt habe, werde ich ihn ferilassen.“ Die aber
drängten und forderten mit lauten Schreien, daß er gekreuzigt werde. Als
Pilatus sah, daß es nichts nützte, sondern daß noch mehr Tumult entstand, nahm
Wasser, wusch sich die Hände vor der Volksmenge und sagte: „Ich bin unschuldig,
wenn dieses Blut vergossen wird; seht ihr zu !“ Und das ganze Volk antwortete:
„Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder !“
Pilatus aber
wollte der Volksmenge Genüge tun, ließ den Barabbas frei, Jesus aber ließ er
geiseln und übergab ihn ihrem Willen, damit er gekreuzigt werde.
Verspottung durch die Soldaten
Die Soldaten des
Statthalters nahmen Jesus mit hinein in den Hof des Prätairions, und die ganze
Kohorte versammelte sich um ihn. Sie zogen ihn aus und legten einen
scharlachroten Mantel um ihn, flochten einen Kranz aus Dornen, legten diesen
auf seinen Kopf und gaben ihm ein Rohr in seine Rechte, fielen auf die Knie vor
ihm und grüßten ihn zum Spott: „Gruß dir, König der Judäer !“ Und sie spuckten
auf ihn, nahmen das Rohr und schlugen es auf seinen Kopf, und sie beugten die
Knie und fielen vor ihm nieder. Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie
ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Gewänder an. Und sie führten ihn hinaus,
damit sie ihn kreuzigten. Jesus trug zunächst selbst sein Kreuz. Dann zwangen
sie einen, der gerade vorbeiging, sein Kreuz hinter Jesus herzu tragen. Der
Mann war Simon, der vom Acker kam, ein Mann aus Kyrene, der Vater von
Alexandros. Es folgte ihm aber eine zahlreiche Menge des Volkes und von Frauen,
die ihn betrauerten und beklagten. Jesus wandte sich um zu ihnen und sprach:
„Töchter Jerusalems, weint nicht übermich; jedoch über euch selbst weint und
über eure Kinder ! Denn siehe, es kommen Tage, an denen sie sagen werden:
‚Selig die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht gebaren, und Brüste, die
nicht nährten’. Dann werden sie beginnen, zu den Bergen zu sagen: ‚Fallt auf
uns!’ und den Hügeln: ‚Beeckt uns !’ Denn wenn man das am feuchten Holz tut,
was soll am trockenen geschehen ?“
Es wurden aber
auch zwei andere Übeltäter mitgeführt, um mit ihm getötet zu werden.
Und sie brachten ihn zu einem Ort, genannt Golgatha, welches der hebräische Name für „Schädelstätte“ ist. Sie gaben ihm Wein, gemischt mit Galle und mit Myrrhe gewürzt; er kostete davon und wollte nicht trinken. Es war die dritte Stunde (nach Sonnenaufgang, etwa neun Uhr morgens), als sie ihn kreuzigten. Dann kreuzigten sie ihn dort und zwei Übeltäter; den einen zur Rechten, den andern zur Linken, in der Mitte aber Jesus. Jesus aber sagte: Vater, vergib ihnen, den sie wissen nicht, was sie tun. Als die Soldaten ihn gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Oberkleider und machten vier Teile, jedem Soldaten einen Teil, und das Unterkleid (d. h. sie kreuzigten ihn nackt). Es war das Unterkleid aber nahtlos, von oben durchgewebt zur Gänze. Sie sprachen nun zueinander: Wir wollen es nicht zerreißen, sondern losen wollen wir um es.
Einer von ihnen schrieb im Auftrag von Pilatus eine Aufschrift und heftete sie auf das Kreuz; darauf stand: „Jesus, der Nazoräer, der König der Juden“. Die Aufschrift war geschrieben in hebräisch, römisch und griechisch. Es sagten nun zu Pilatus die Hochpriester der Judäer: „Schreibe nicht: ‚Der König der Judäer’, sondern, dass jener sprach: ‚Ich bin der König der Judäer’.“ Es antwortete Pilatus: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“. Diese Aufschrift lasen nun viele von den Judäern, denn der Ort war nahe an der Stadt. Die Vorbeigehenden aber lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sagten zu Jesus: „Du wolltest den Tempel zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen; nun rette dich selbst, wenn du Gottes Sohn bist und steig herab von Kreuz. Gleicherweise spotteten auch die Hochpriester und Schriftkundigen und Ältesten: „Andere rettete er, aber sich selsbt kann er nicht retten. Der König Israels ist er. Jetzt soll er vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat vertraut auf Gott, er soll ihn jetzt retten, wenn er will, denn er sprach: Gottes Sohn bin ich, der Gesalbte, der König Israels. Auf dieselbe Weise schmähte ihn einer der Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. Er sagte: „Bist Du nicht der zum König Gesalbte ? Rette dich und uns !“ Der andere Räuber fuhr den ersten Räuber an: „Und fürchtest du nicht Gott, weil du in demselben Gericht bist ? – wir zwar gerechterweise, denn für das, was wir taten, bekommen wir nun die gerechte Strafe – jener aber tat nichts Unstatthaftes. Und er sagte: „Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommst“. Und Jesus sagte zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“
Es verspotteten ihn auch die Soldaten. Sie brachten ihm Essig und sagten: „Wenn du der König der Judäer bist, rette dich selbst !“
Der Tod Jesu
Es standen aber beim Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte (Johannes), sprach er zu seiner Mutter: „Weib, siehe dein Sohn !“ Darauf sprach er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter !“ Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Als es die sechste Stunde (etwa 12 Uhr Mittags) gekommen war, wurde Finsternis über die ganze Erde bis zur neunten Stunde (etwa 15 Uhr nachmittags). Und zur neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: „Mein Gott, weshalb hast du mich verlassen !“ Und einige der Dabeistehenden hörten dies und sagten: „Siehe, nach Elias schreit er“. Danach sagte Jesus: „Mich dürstet !“ Es stand da ein Gefäß voll Essig; einer von ihnen lief, holte einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Ysoprohr und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte derjenige, der Jesus den Essig gab: „Lasst sehen, ob Elias kommt, um ihn herunterzuholen“. Danach wusste Jesus, dass schon alles vollendet war, denn in der Schrift stand: „Ich dürste. Ein Gefäß stand da, von Essig voll.“ Als er nun von dem Essig nahm, sprach Jesus: „Es ist vollendet“. Und er stieß einen lauten Schrei aus: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist .“ Als er dies sprach, neigte er den Kopf, hauchte aus und übergab den Geist.“ Zu dieser Zeit wurde der Vorhang des Tempels von oben bis unten in zwei Stücke gespalten, und die Erde erbebte, und die Felsen wurden gespalten, und die Gräber wurden geöffnet, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden erweckt; und sie gingen hinein in die Stadt und wurden von vielen erkannt.
Als Hauptmann und die Soldaten, die ihn bewachten, sahen, dass die Erde bebte und all das andere geschah, fürchteten sich sehr. Sie sagten: „Wahrlich, Gottes Sohn war dieser.“ Und die ganze Volksmenge, die bei diesem Schauspiel dabeistand und das Geschehene sah, schlug sich an die Brust und kehrte zurück nach Hause.
Es waren dort aber auch viele Frauen, die von weitem zusahen. Sie waren Jesus von Galiläa gefolgt, um ihm zu dienen; unter ihnen war Maria Magdalena, und Maria, die Mutter von Jakobus und Joseph, und die Mutter der Söhne des Zebedäus, und Salome, die, als er in Galiläa war, ihm folgten und dienten.
Die Soldaten zerschlagen Jesus die Beine nicht; einer sticht ihm
die Lanze in die Seite
Die Juden nun, baten Pilatus, daß den drei Gekreuzigten die Beine zerschlagen und sie heruntergenommen würden. Es war nämlich Rüsttag zum Sabbat, und jener Sabbattag war groß, damit er nicht entweiht werde. Da kamen die Kriegskenchte und brachen dem ersten die Beine, ebenso dem anderen, der mit Jesus gekreuzigt worden war. Als sie nun zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite seine Seite mit dem Speer, und alsbald floß Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, daß er die Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubt. Denn dies ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: „Es soll ihm kein Bein gebrochen werden !“ Und eine andere Schrift sagt: „Sie werden den ansehen, welchen sie durchstochen haben.“
Joseph von Arimathäa holt Jesus vom Kreuz und bringt ihn in die
Grabhöhle
Als es Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathäa, namens Joseph, ein vornehmer Ratsherr, der auch selbst Schüler von Jesus geworden war (was er aber aus Frucht vor den Judäern verbarg) und wie Jesus das Königtum Gottes erwartet hatte. Er war ein guter und gerechter Mann. Er wagte es, ging hinein zu Pilatus und erbat sich den Leib von Jesus. Pilatus aber staunte, dass Jesus schon gestorben sei und rief einen Centurio herbei und befragte ihn, ob Jesus schon gestorben sei. Und als der Centurio dies bestätigte, schenkte er die Leiche dem Joseph. Und der kaufte Leinen, nahm den Leib Jesu vom Kreuz herunter und hüllte ihn in reines Leinen. Es war aber bei dem Ort, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten, und in dem Garten hatte Joseph von Arimathäa ein neues Grab in den Felsen hauen lassen, in das noch keiner gelegt worden war; dorthin nun, wegen des Rüsttages der Judäer, weil das Grab nahe war, legten sie Jesus.
Jesus erhält einen Salbenverband aus Myrrhe und Aloe
Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joseph sahen das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Es kam aber auch Nikodemus, der zu ihm nachts das erste Mal gekommen war, und er brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, um die hundert Litra. Die Frauen bereiteten Essenzen und Salben. Sie nahmen nun den Leib von Jesus und banden ihn mit Leinenbinden mitsamt den Essenzen, gleichwie es bei den Judäern Sitte ist zu begraben. Als sie fertig waren, wälzte Joseph von Arimathäa einen großen Stein zur Tür des Grabes. (Anmerkung: Dieser Stein war ein Golat, das ist ein Stein von Form eines Mühlsteines, der in einer Führung gerollt wurde. Damit wurden die Grabkammern verschlossen, um zu verhindern, dass Tiere an die Leichen gelangen konnten. Ein einzelner Mann konnte den Golat beiseite rollen).
Und es war der Tag des Rüsttages (das ist der Tag vor dem Sabbat, dieser beginnt bereits am Abend des Rüsttages mit dem Sonnenuntergang). Den Sabbat über ruhten sie gemäß dem Gebot.
Pilatus lässt das Grab bewachen
Am folgenden Tag, also dem Tag nach dem Rüsttag, kamen die Hochpriester und die Pharisäer bei Pilatus zusammen und sagten: „Herr, wir erinnern uns, dass jener Betrüger sprach, als er noch lebte: Nach dem Tode werde ich erweckt. Befiehl also, dass das Grabmahl bis zum dritten Tag gesichert wird, damit nicht seine Jünger kommen, seine Leiche stehlen und zum Volk sagen: ‚Er wurde von den Toten erweckt !’ und es wäre sein letzter Betrug schlimmer als der erste“. Pilatus sagte ihnen: „Haltet Wache; geht fort, sichert, wie ihr es kennt !“ Die aber gehorchten, sicherten das Grabmahl, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, mit der Wache.
Ein Engel wälzt den Stein fort und macht die Wächter bewußtlos
Und siehe, es geschah ein großes Erdeben; ein Engel steig vom Himmel herab und wälzte den Stein weg und setzte sich auf ihn. Der Anblick des Engels war wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter des Grabes und sie wurden wie tot.
Die Frauen gehen zum Grab
Spät am Sabbat, als der Morgen des ersten Tages der Woche dämmerte, kam Maria Magdalena, und die andere Maria und Salome, um das Grabmahl besuchen. Sie hatten Essenzen gekauft und kamen, um ihn zu salben. Sie fragten sich: „Wer wird uns den Stein hinwegwälzen aus der Tür des Grabes?“. Als die Frauen an das Grabmahl kamen, fanden sie den sehr großen Stein weggewälzt.
Die Frauen treffen im Grab auf zwei Engel
Sie gingen in die Gruft hinein; aber sie fanden den Leib von Jesus nicht. Darüber waren sie sehr ratlos. Da sahen sie zwei Engel in weißen Kleidern dasitzen, den einen beim Haupte und den andern bei den Füssen, da, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Einer der Engel sage: „Fürchtet Euch nicht, denn ich weiß, dass ihr Jesus, den Nazoräer, den Gekreuzigten, sucht; er ist nicht hier. Da ist der Ort, wo er lag. Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten ? Er ist von den Toten auferweckt worden, so, wie er es versprochen hat. Erinnert ihr euch noch daran, was er sagte, als er noch in Galiläa war, was er über den Menschensohn gesagt hat ? Daß er in die Hände sündiger Menschen übergeben und gekreuzigt werden müsse und am dritten Tag auferstehen werde“. Und sie erinnerten sich seiner Worte. Dann sprach der Engel: „Geht fort, beeilt euch und sprecht zu seinen Jüngern und zu Petrus. Sagt ihnen: Jesus wurde erweckt von den Toten, und er geht euch voran nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, so, wie er es euch gesagt hat. Das ist meine Botschaft für euch.“
Und sie gingen hinaus und flohen vom Grab, denn es hielt sie Zittern und Entsetzen; und keinem sagten sie etwas, denn sie fürchteten sich.
Jesus begegnet den Frauen
Sie liefen, um die Jünger zu benachrichtigen; unterwegs begegnete Jesus ihnen und sagte: „Gruß Euch !“ Sie kamen näher und ergriffen seine Füße und fielen nieder vor ihm. Das sagte Jesus zu ihnen: „Fürchtet euch nicht ! Geht fort, meldet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach Galiläa, und dort werden sie mich sehen.“
Petrus und Johannes finden
das Grab leer; nur das Schweißtuch mit dem Bild Jesu ist da
Maria Magdalena lief weiter und begegnete nun Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte (Johannes) und sagte ihnen: „Erst glaubten wir, sie hätten Jesus aus dem Grab weggenommen und wir wussten nicht, wohin. Aber ein Engel sagte uns, er ist auferstanden und er wird euch in Galiläa treffen“. Diese aber glaubte ihnen nicht. Petrus stand auf, und zusammen mit einem anderen Jünger lief er zum Grab. Der andere Jünger erreichte vor ihm das Grab, ging aber nicht hinein, sondern warte auf Petrus. Als dieser kam, ging er allein in die Grabkammer. Er beugte sich vor, und sah die Leinenbinden allein daliegen. Getrennt davon, an einer anderen Stelle, lag das Schweißtuch, das auf seinem Kopf war. Da ging nun auch der andere Jünger hinein, und er sah und glaubte; und sie staunten über das Geschehene, denn sie kannten noch nicht die Schrift, dass er von den Toten auferstehen muß. Nun gingen die Jünger wieder heim.
Maria Magdalena begegnet Jesus im offenen Grab
Maria aber stand draußen vor der Gruft und weinte. Als sie nun weinte, bückte sie sich in die Gruft und sah Jesus dastehen und wusste nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: „Weib, was weinst du, wen suchst du ?“ Jene war in er Meinung, er sei der Gärtner. Jesus sagte zu ihr: „Maria !“ Da wendete sich diese um und sagte zu ihm: „Rabbi !“. Jesus sagte zu ihr: „Rühre mich nicht an; denn noch bin ich zum Vater aufgefahren. Geh aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und euerem Vater und zu meinem Gott“. Maria Magdalena ging und verkündete den Jüngern, dass sie den Herren gesehen hat und dass er dies zu ihr gesagt hat.
Der Rat der jüdischen
Ältesten lässt verbreiten, daß der Leichnam Jesu gestohlen worden sei
Während sie weggingen, kamen einige von der Wache nach Jerusalem und berichten den Hochpriestern alles, was geschehen war. Und sie versammelten sich mit den Ältesten, hielten Rat und gaben den Soldaten reichlich Geld und sprachen: „Saget: Seine Jünger sind des Nachts gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Und wenn dies beim Statthalter vernommen wird wollen wir ihn überreden und machen, dass ihr außer Sorge sein könnt. Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie angeleitet worden waren. Und diese Aussage verbreitete sich bei den Juden bis zum heutigen Tag.
Der wiedererweckte Jesus
erscheint zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus
(Wunder31c)
Zwei Jünger wanderten nach einem Dorf, das von Jerusalem 60 Stadien entfernt ist, namens Emmaus; und sie redeten miteinander über alle diese Ereignisse. Und während sie sich unterhielten und miteinander stritten, kam Jesus selbst nahe und ging mit ihnen. Sie erkannten ihn aber nicht. Er sagte: „Was für Worte werft ihr euch da beim Wandern zu?“ Der eine Jünger, Kleopas, sagte: „Bist du der einzige, der in Jerusalem wohnt und nicht erfahren hat, was in diesen Tagen geschehen ist ?“ Und er sagte zu ihnen: „Was ?“ Sie sagten: „Das über Jesus, den Nazoräer, ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem Volk. Er wurde von den Hohen Priestern und unseren Vorstehern zum Todesurteil ausgeliefert und gekreuzigt. Wir aber haben gehofft, daß er Israel erlösen würde. Jetzt verbringt er schon den dritten Tag im Grab. Aber auch einige unserer Frauen haben uns schockiert. Sie waren frühmorgens am Grab und fanden seine Leiche nicht. Sie kamen und sagten, Engel wären ihnen erschienen, die sagten, daß er lebt. Einige von uns gingen zum Grab und fanden es so, wie die Frauen gesagt hatten, ihn fanden sie aber nicht“. Jesus sagte zu ihnen: „Oh, ihr seid zu unverständig und träge im Herzen, um an all das zu glauben, was die Propheten redeten. Mußte der Gesalbte nicht dies alles leiden und seine Herrlichkeit eingehen ?“ Und beginnend mit Moses und allen Propheten legte er ihnen das aus, was über ihn geschrieben stand. Als sie nahe an das Dorf kamen, wo sie hingingen, machte er Miene, noch weiter zu gehen. Da nötigten sie ihn: „Bleib bei uns; der Tag hat sich geneigt und es geht dem Abend zu. Und er ging hinein und blieb bei ihnen. Als er sich mit ihnen zu Tisch legte, nahm er das Brot, segnete es, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Da wurde unsichtbar und verschwand vor ihnen. Und sie kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die elf Jünger und ihre Genossen versammelt. Diese hatten an jenem ersten Wochentag die Türen verschlossen, aus Furcht vor den Juden. Die Versammelten erzählten den neu Hinzugekommenen: „Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Petrus erschienen.“ Und die beiden neu Hinzugekommenen erzählten, was ihnen auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und wie sie ihn erst beim Brechen des Brotes erkannt hatten.
Jesus erscheint den elf
Jüngern und ihren Genossen in Jerusalem
(Wunder31d)
Während sie dies redeten, trat Jesus selbst mitten unter sie und sagte: „Friede mit euch !“ Da gerieten sie in Bestürzung und Furcht und meinten, einen Geist zu sehen. Und er sprach zu ihnen wiederum: „Friede sei mit euch ! Warum seid ihr erschrocken, und warum steigen Bedenken in eueren Herzen auf ? Sehet meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin ! Rührt mich an und seht ! – denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich es habe“. Da sie aber in ihrer Freude noch nicht glaubten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: „Habt ihr etwas zu essen hier ?“ Da reichten sie ihm ein Stück von einem gebratenen Fisch. Und er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Er sagte: „Dies sind meine Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war: Alles müsse erfüllt werden, was im Gesetz des Moses und in den Propheten und Psalmen über mich geschrieben steht“. Da öffnete er ihnen der Sinn, damit sie die Schriften verständen, und sprach zu ihnen: „Es steht geschrieben, dass der Gesalbte auf diese Weise leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen werde und dass auf seinen Namen hin Busse zur Vergebung der Sünden gepredigt werden solle unter allen Völkern, beginnend mit Jerusalem. Ihr seid die Zeugen dafür. Und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch; ihr aber bleibet in der Stadt, bis ihr angetan sein werdet mit der Kraft der Höhe ! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch.
Jesus gibt den Missionsauftrag
Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen, die erschaffen sind ! Wer gläubig und getauft worden ist, wird gerettet werden; wer aber nicht gläubig geworden ist, wird verurteilt werden. An Zeichen aber werden folgende die Gläubiggewordenen begleiten: in meinem Namen werden sie Dämonen austreiben: in neun Sprachen werden sie reden; Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches getrunken haben, wird es ihnen nicht schaden: Kranken werden sie die Hände auflegen, und sei werden genesen“. Und nachdem er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: „Empfangt den heiligen Geist ! Wenn ihr jemanden die Sünden vergebt, sind sie ihm vergeben; wenn ihr sie jemanden nicht vergebt, sind sie ihm nicht vergeben“.
Jesus verschwindet vor den Augen der Jünger
Er führte sie hinaus bis in die Nähe von Bethanien und erhob seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, entschwand er vor ihnen und wurde in den Himmel emporgehoben und setzte sich zur Rechten Gottes. Und sie warfen sich nieder, beteten ihn an und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren allezeit im Tempel und priesen Gott. Später dann zogen sie aus und predigten überall, indem der Herr mitwirkte und das Wort durch die begleitenden Zeichen bestätigte.
Der ungläubige Thomas Wunder31e
Thomas aber, einer von den Zwölfen, auch Zwilling genannt, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die andern Jünger sagten ihm nun: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Er aber sage ihnen: „Wenn ich nicht an seinen Händen das Mal der Nägel sehe und lege meinen Finger in das Mal der Nägel und lege meine Hand in seine Seite, werde ich es nicht glauben“. Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas mit ihnen Jesus kam, als die Türen verschlossen waren, trat in die Mitte und sprach: „ Friede sei mit euch !“ Dann sagte er zu Thomas: „Reiche deinen Finger hierher und siehe meine Hände, und reiche deine Hand und lege sie in mir in die Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig ! Thomas antwortete: „Mein Herr und mein Gott !“ Jesus sagte zu ihm: „ Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Selig sind die, welche nicht gesehen und doch geglaubt haben.“
Noch viele andere Zeichen nun tat Jesus vor den Jüngern, die in dem Buche nicht aufgeschrieben sind. Diese sind aber aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist und damit ihr dadurch, dass ihr glaubt, in seinem Namen Leben habt.
Der Auferstandene erscheint sieben Jüngern am See Genezareth
(Wunder29f)
Darnach offenbarte sich Jesus wiederum den Jüngern, am See von Tiberias (oder See Genezareth). Er offenbarte sich aber so: Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der Zwilling, und Nathanel aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern. Simon Petrus sagte zu ihnen: „Ich gehe fischen“. Sie sagen zu ihm: „Wir kommen mit dir.“ Sie gingen hinaus und stiegen in das Schiff, und in jener Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen wurde, trat Jesus ans Gestade; doch wussten die Jünger nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte nun zu ihnen: „Kinder, ihr habt wohl nichts zu essen ?“ Sie antworteten: „Nein“. Er aber sprach zu ihnen: „“Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, so werdet ihr finden !“ Da warfen sie es aus und konnten es nicht mehr zu ziehen, so viele Fische waren darin. Jesus sagte zu ihnen: „Kommt zum Frühstück !“ Aber keiner der Jünger wagte es, ihn zu fragen: “Wer bist du ?“ Denn sie wussten, daß es der Herr war. Da nahm Jesus das Brot und gab es ihnen, und ebenso den Fisch. Das war schon das dritte Mal, daß sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Der Auftrag des Herr an Petrus
Als sie nun gefrühstückt hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: „Simon Jona, liebst du mich mehr als diese (die andern Jünger) ?“ Der sprach: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe !“ Jesus sprach zu ihm: „Weide meine Lämmer !“ Dann sagte Jesus nochmals: „Simon Jona, liebst du mich ?“ Er antworte: „Ja, Herr, du weißt es, daß ich dich lieb habe“. Jesus sagte: „Hüte meine Schafe !“ Und zum dritten Mal fragte Jesus: „Simon Jona, hast du mich lieb ?“ Da wurde Petrus traurig und sagte: „Herr, du weißt alle dinge; du weißt, daß ich dich lieb habe“. Jesus sagte: „Weide meine Schafe ! Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und bist gegangen, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich hüten und führen, wohin du nicht willst“. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod Petrus Gott verherrlichen werde. Und Jesus sagte zu ihm: „Folge mir nach !“ Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte , der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: „Herr, wer ist es, der dich verrät ?“ Als Petrus diesen sah, sprach er zu Jesus: „Herr, was soll aber dieser ?“ Jesus sprach zu ihm: „“Wenn ich will, daß er am Leben bleibt bis ich komme, was geht es dich an ? Folge du mir nach !“ Daher kam nun das Gerede unter den Brüdern: „Dieser Jünger stirbt nicht“. Und doch hat Jesus nicht zu ihm gesagt, er sterbe nicht, sondern: „Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an ?“ (Denn Jesus wird zurückkommen, bevor der Jünger, den Jesus lieb hatte, gestorben ist, und ihm das ewige Leben verleihen).
Schlusswort des Johannesevangeliums
(Der Jünger, den Jesus liebte), das ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und der dieses geschrieben hat; wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.
ES isnd aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eins nach dem anderen beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären.
Christi Himmelfahrt in Galiläa
Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin sie Jesus beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige jedoch zweifelten. Und Jesus trat hinzu, redete mit ihnen und sprach: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und macht alle Völker zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe ! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“.
Aus der Apostelgeschichte
Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, von Jerusalem nicht zu weichen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
Als sie nun zusammengekommen waren, fragten sie ihn: „Stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her ?“ Er sprach zu ihnen: „Euch gebührt es nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater nach seiner eigenen Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“. Und als er dies gesprochen hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, sodaß er ihren Blicken entschwand. Und als sie zum Himmel schauten, während der dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die sagten: „Ihr galiläischen Männer, was steht ihr da und blickt zum Himmel auf ? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel emporgehoben worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt in den Himmel fahren sehen.“ Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berge, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg weit. Und als sie hineingekommen waren, gingen sie hinauf in das Obergemach, wo sie sich aufzuhalten pflegten, Petrus, und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alpäus, und Simon der Eiferer und Judas, der Sohn des Jakobus. Diese alle verharrten im Gebet mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.
Die Ausgießung des Heiligen
Geistes
Und als der Tag des Pfingstfestes endlich da war, waren alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich entstand vom Himmel her ein Brausen, wie wenn gewaltiger Wind daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, worin sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, die sich zerteilten, wie von Feuer, und es setzte sich auf jeden unter ihnen. Und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt und fingen an, in fremden Zungen zu reden, wie der Geist ihnen zu sprechen gab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, gottesfürchtige Männer aus jedem Volk unter dem Himmel. Als aber dieses Getöse sich erhob, lief die Menge zusammen, und sie wurde verwirrt; denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Es erstaunten aber alle, verwunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle, die hier reden, Galiläer ? Und wie hörten wir, jeder ins einer Sprache, in der er geboren ist: Parther und Meder und Elamiter und die, welche Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und die Gebiete Lybiens und der Carene bewohnen, und die hier weilenden Römer, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Zungen von den großen Taten Gottes reden. Sie erstaunten aber alle und waren ratlos und sagten einer dem anderen: „Was soll das bedeuten ?“. Andere aber spotteten und sagten: „Sie sind voll des süßen Weines“.
Da trat Petrus mit den Elfen auf, erhob seine Stimme und redete sie an: „Ihr jüdischen Männer und alle, die ihr Jerusalem bewohnt, das sei euch kund, und horchet auf meine Worte ! Denn nicht sind diese, wie ihr annehmt, betrunken – es ist ja erst die dritte Stunde des Tages – sondern hier erfüllt sich, was durch den Propheten Joel gesprochen worden ist: ‚Und es wird geschehen in den letzten Tagen’, spricht Gott – ‚ da werde ich ausgießen von meinem Geist über alles Fleisch, und euere Söhne und euere Töchter werden weissagen, und euere Jünglinge werden Gesichte sehen, und euere Greise werden Träume träumen. Ja, auch über meine Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen’, und sie werden weissagen. ‚Und ich werde Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde, Blut und Feuer und Rauchqualm. Die Sonne wird sich in Finsternis wandeln, und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herren kommt. Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herren anruft, wird gerettet werden.’
Ihr israelitischen Männer, hört diese Worte: Jesus den Nazoräer, einen Mann, der von Gott vor euch beglaubigt worden ist durch machtvolle Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst, diesen, der nach Gottes festgesetztem Ratschluß und Vorsatz dahingegeben worden war, habt ihr durch die Hand der Gesetzlosen ans Kreuz annageln und töten lassen. Und ihn hat Gott auferweckt, indem er die Wehen des Todes löste, wie es denn nicht möglich war, dass er von ihm festgehalten würde. Denn David sagt in Bezug auf ihn: ‚Ich sah den Herr allzeit vor mir, denn er ist zu meiner Rechten damit ich nicht wanke. Deshalb freute sich mein Herz und meine Zunge frohlockte, zudem wird auch mein Fleisch auf Hoffnung hin wohnen; denn du wirst meine Seele nicht im Totenreich lassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sieht. Du hast mir die Wege des Lebens kundgetan; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.’
Ihr Brüder, ich darf über den Stammvater David freimütig zu euch sagen, dass er gestorben ist und begraben worden ist und dass sein Grabmahl unter uns ist bis auf diesen Tag, da er nun ein Prophet war und wusste, dass ihm Gott mit einem Eide geschworen hatte, aus der Frucht seiner Lende jemand auf den Thron zu setzen, hat er vorausschauend geredet über die Auferstehung Christi, dass er weder im Totenreich gelassen worden ist noch sein Fleisch die Verwesung gesehen hat. Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wofür wir alle Zeugen sind. Nachdem er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und den verheißenen heiligen Geist vom Vater in Empfang genommen hat, hat er das ausgegossen, was ihr das seht und hört. Denn nicht David ist in den Himmel hinaufgefahren; er sagt vielmehr selbst: ‚Der Herr sprach zu meinem Herren: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich hinlege meine Feinde als Schemel für deine Füße !“
So möge nun das ganze Haus Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott ihn zu Herren und zum gesalbten König gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“
Nachdem sie das hörten, ging ihnen ein Stich durch das Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: „Was sollen wir tun, ihr Brüder ?“. Petrus aber sagte zu ihnen: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung seiner Sünden, so werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und eueren Kindern und allen in der Ferne, so viele der Herr, unser Gott, herzuruft.“ Und mit anderen Worten legte er Zeugnis ab und ermahnte sie: „Lasset euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht !“ Die nun, welche sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tage etwa dreitausend Seelen hinzugetan.
Jesus spricht zu Paulus auf
der Straße nach Damaskus
Saulus aber schnaubte noch immer Drohung und Mord wider die Jünger des Herren, ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, um, wenn er einige Anhänger der neuen Glaubensrichtung fände, Männer sowohl als Frauen, sie gefesselt nach Jerusalem zu führen. Während er aber dahinzog, geschah es, dass er in die Nähe von Damaskus kam, und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel, und er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich ?“ Da fragte er: „Wer bist du, Herr ?“ Der aber sprach: „Ich bin Jesus, der, den du verfolgst. Doch steh auf und geh hinein in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst. Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da, weil sie zwar die Stimme hörten, aber niemand sahen. Da stand Saulus vom Boden auf; obgleich jedoch seine Augen geöffnet waren, sah er nichts. Sie leiteten ihn aber an der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. Und er konnte drei Tage lang nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
Es war in Damaskus ein Jünger mit namens nanias; zu dem sprach der Herr in einem Gesicht: Ananias ! Er antwortete: „Siehe, hier bin ich, Herr !“ Der Herr aber sprach zu ihm: „Mache dich auf und gehe in die Gasse, welche die ‚Gerade’ heißt, und frage im Haus des Judas nach einem Mann aus Tarsus, mit Namen Saulus. Denn siehe, er betet, und er hat einen Mann mit Namen Ananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hände auflegte, damit er wieder sehend würde.“ Ananias aber antwortete: „Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem zugefügt hat. Und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle, die deinen Namen anrufen, zu fesseln.“ Aber der Herr sprach zu ihm: „Geh hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Königen und die Söhne Israels zu tragen. Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er um meines Namens willen leiden muß“. Da ging Ananias hin und trat in das Haus. Und er legte ihm die Hände auf und sprach: „Bruder Saul, der Herr, welcher dir erschienen ist auf dem Wege, den du herkamst, Jesus, hat mich gesandt, damit du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest.“ Und alsbald fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er wurde wieder sehend und stand auf und ließ sich taufen. Und er nahm Speise zu sich und kam wieder zu Kräften.
Er war aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus und predigte alsbald in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes sei. Alle aber, die ihn hörten, erstaunten und sagten: ist das nicht der, welcher in Jerusalem die zugrunde gerichtet hat, die diesen Namen anrufen, und war er nicht dazu gekommen, um sie gefesselt vor die Hohenpriester zu führen ?“ Saulus wurde aber mit noch mehr Kraft erfüllt und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass dieser der Christus sei.
Nach Verlauf einer Reihe von Tagen aber beratschlagten die Juden miteinander, ihn zu töten; ihr Anschlag wurde jedoch dem Saulus kund. Sie bewachten indessen die Tore Tag und Nacht in der Absicht, ihn zu töten. Da nahmen ihn die Jünger und ließen ihn bei Nacht durch die Öffnung in der Mauer hinab, indem sie ihn in einem Korb hinunterschafften.
Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle fürchteten ihn, weil sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei. Barnabas jedoch nahm ihn auf, führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herren gesehen und dass er zu ihm geredet habe und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu aufgetreten sei. Und er ging in Jerusalem mit ihnen aus und ein, indem er im Namen des Herren mit allem Freimut auftrat. Und er redete und disputierte mit den griechisch sprechenden Juden; sie aber machten einen Anschlag, ihn zu töten. Als es jedoch die Brüder erfuhren, brachten sie ihn nach Caesarea hinab und sandten ihn hinweg nach Tarsus. So hatte nun die Gemeinde in ganz Judäa und Samarien Frieden, indem sie sich aufbaute und wandelte in der Furcht des Herren; und sie mehrte sich durch den Zuspruch des heiligen Geistes.