Koinae: Die Welt ist eine unteilbare Einheit

Von Richard Beiderbeck, www.koinae.de

 

    Die Koine war zur Zeit des Hellenismus die gemeinsame Umgangssprache aller Griechen, die von Indien bis Ägypten verstanden wurde.  Das Wort Koine bezeichnete aber auch die gemeinsame Welt der Griechen.

    Heute ist die gemeinsame Sprache, mit allerlei Einschränkungen, das Englische. Und so, wie die griechische Kultur und Sprache für weite Teile der antiken Welt das Gemeinsame und Verbindende war, so ist dies für die europäisch-nordamerikanische Kultur die englische Sprache geworden.

    Ich möchte dieses Wort Koine aber in einem umfassenderen Sinn anwenden: Koine soll bedeuten, daß die ganze Welt, einschließlich aller Völker und Kulturen eine gemeinsame Welt ist, und daß alle Kulturen und Menschen gleichberechtigt und gleichwertig sind.

    Es wäre schön, wenn diese gemeinsame Welt auch eine gemeinsame Sprache hätte. Das Englische wäre zu dieser Rolle wohl prädestiniert, da es weit verbreitet ist und relativ leicht zu lernen. Es wäre auch schön, wenn unsere gemeinsame Welt gemeinsame Grundwerte, z.B. die Menschenrechte, hätte. Und es wäre schön, wenn sich die Welt zu einer politischen Gemeinschaft zusammenfinden würde, welche die großen Probleme gemeinsam löst.

    Dies alles möchte ich mit dem Wort Koine ausdrücken. Wir alle sind Bürger der Koine, also Weltbürger. Und als solcher hat man auch ein Weltbürgerbewußtsein, wie dies in hervorragender Weise von Richard Maxheim in seiner (von vielen Weltbürgern mit Artikeln versorgten) Zeitschrift "Pan Gaia" dargelegt wird. Der Weltbürger weiß, daß alles, was auf der Welt geschieht, nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern daß alles mit allem in Beziehung steht. Deshalb müssen wir bei allem, was wir tun, die Wirkung auf unseren Planeten und die Menschheit in Betracht ziehen. Die Chaostheorie hat gezeigt, daß der Flügelschlag eines Schmetterlings in 2000 km Entfernung einen Orkan zu Folge haben kann. Das ist sicherlich nicht der Regelfall. Aber das Beispiel zeigt, daß kein Mensch unbedeutend ist.

         Man muß sich natürlich erst an den Gedanken gewöhnen, daß

man als ein einzelner Mensch unter 5 Milliarden Einfluß und Verantwortung für die große Weltpolitik haben soll. Und doch ist es so. Nichts, von dem, was wir tun, ist für den Planeten und die Menschheit ohne Bedeutung. Damit hat jeder von uns eine gewisse Verantwortung. Man muß so handeln, daß es zum besten des gesamten Planeten ist. Dieser "planetarische Imperativ" ist übrigens nicht zum Nachteil des Einzelnen, sondern ohne diese Handlungsweise wird der Einzelne und die, die ihm nahestehen (z.B. seine Kinder) letztlich Opfer seiner eigenen Taten werden.

    Lange Zeit war uns Deutschen sogar schon der Gedanke fremd, daß der Bürger Einfluß auf die nationale Politik nehmen kann und soll. Inzwischen ist es Allgemeingut geworden, daß der Bürger immer mehr mitentscheiden soll. Und dort, wo es um konkrete, für jedermann sichtbare Dinge geht, wie um ein Naturschutzgebiet oder eine städtebauliche Maßnahme, da redet  der Bürger auch schon fleißig mit. Aber die große Weltpolitik? Die machen die nationalen Politiker weitgehend unbehelligt vom Bürger. Und doch kann die große Weltpolitik weit mehr in das Leben eines Bürgers eingreifen als der Bau einer neuen Umgehungsstraße. Weltpolitik heißt letztlich, Entscheidungen über Krieg und Frieden. In zwei Kriegen diesem Jahrhundert wurde der deutsche Bürger von der großen Weltpolitik in fataler Weise eingeholt.

    Nur ein Bruchteil der Menschen engagiert sich politisch. Und diejenigen, die es tun, tun dies die meisten auf lokaler Ebene. Also kümmert sich nur der Bruchteil eines Bruchteils um die Weltpolitik. Und von diesem Bruchteil vertritt wiederum nur ein Bruchteil schwerpunktmäßig den Gedanken, daß die Welt zu einer politischen Einheit zusammenwachsen muß. Und doch ist dies die Richtung, in welche in Zukunft die Reise gehen muß. Jeder, der dies erkannt hat und sich dafür einsetzt, ist weit davon entfernt, ein unbedeutender Niemand unter 5 Milliarden zu sein. Vielmehr kommt es auf ihn (oder sie) ganz entscheidend an.

    Auch die Mächtigen der Welt sind immer nur einzelne Personen, die nicht mehr Verstand und mehr Fähigkeiten haben als viele von uns. Sie sind keine erhabenen Götter, die irgendwo da droben thronen, unerreichbar und niemandem verantwortlich. Wenn wir im Interesse des gesamten Planeten und der gesamten Menschheit sprechen, dann hat unsere Stimme letztlich mehr Bedeutung und Gewicht als die ihrige, wenn sie nur die Interessen ihrer Nation vertreten. Wir dürfen das Leid und das Unrecht niemals akzeptieren, sondern daß jeder von uns kann und muß dagegen ankämpfen.

    Da ist an erster Stelle das durch Kriege verursachte Leid. Jeder neue Krieg beweist  uns, daß unser Eintreten für eine Weltfriedensordnung sinnvoll und notwendig ist.

    Wir haben erlebt, wie der Gedanke der Ökologie zur allgemeinen Weltanschauung geworden ist, obwohl die ersten Vordenker als Spinner und Phantasten abgetan wurden. Wir sahen, wie der Gedanke der Mitbestimmung und der Bürgerrechte in Regionen der Erde vorgedrungen ist, die früher als uneinnehmbare Bastionen der patriarchalischen Autorität erschienen. Wir sehen, daß langsam, aber unaufhaltsam die Welt zu einer Einheit zusammenwächst, und wie die Mächtigen, selbst die, welche im Verborgenen sind, immer mehr ihre Macht mit dem Volk teilen müssen. Eines Tages wird jeder über alles mitbestimmen können - vorausgesetzt er ist daran interessiert. Und das wird nicht zur Anarchie und zum Chaos führen, sondern zu einer weit klügeren Politik, als sie heute praktiziert wird. Die Weltpolitik ist nämlich eine viel zu ernste Sache, als daß man sie einzelnen, oft unverantwortlichen Individuuen überlassen dürfte.

  

    Das Ziel: Die Abschaffung der Kriege

       

In diesem Jahrhundert hat Europa zwei schreckliche Kriege erlebt. Jahrelang haben wir die Bilder aus Ex-Jugoslawien gesehen. Es scheint schwer vorstellbar, daß es heute überhaupt noch Menschen gibt, die Kriege führen wollen. Die Lehre, die jeder klar denkende Mensch guten Willens ziehen muß, kann nur die sein, daß Kriege sinnlos und verbrecherisch sind. Jedermann sollte im Interesse seiner eigenen Sicherheit der felsenfesten

 

  Überzeugung sein, daß Kriege unbedingt verhindert werden müssen.

 

    Welch großer Aufwand wird oft getrieben, um einzelne Menschen vor Tod und Krankheit zu retten! (Was absolut gerechtfertigt ist). Aber wieviel mehr Leid könnte durch eine ganz einfache Maßnahme vermieden werden: durch die Abschaffung aller Kriege. Dieser Maßnahme würde nur einen winzigen Bruchteil dessen kosten, was heute für Rüstung und für Kriege ausgegeben wird.

 

    Oft wurde die Forderung erhoben, daß man einfach alle Kriegswaffen und Armeen abschaffen soll. Damit wären dann ja die Kriege ebenfalls automatisch abgeschafft. Dieser an sich richtige Gedanke der Friedensbewegung ist aber nur dann durchführbar, wenn gewährleistet ist, daß derjenige Staat, der sich selbst freiwillig entwaffnet, einen Schutz vor seinem bösen Nachbarn hat. Wenn dieser nämlich nur zum Schein abgerüstet hat, und sich heimlich Waffenlager in irgendwelchen unterirdischen Höhlen angelegt hat, dann braucht dieser böse Nachbar nur zu warten, bis alle Welt die Waffen niedergelegt hat, um dann die Weltherrschaft anzutreten. Ein allgemeine und vollständige Abrüstung ist also nur möglich, wenn eine Kontrollinstanz da ist, die auch die finstersten Geheimnisse jeder Nation kennt und welche die nationalen Politiker überwacht. Das ist übrigens kein Überwachungsstaat, denn es werden nicht die Bürger, sondern die Politiker überwacht.

 

    Diese Kontrollinstanz muß auch über eine ausreichende militärische Macht verfügen, um die Staaten, die vollständig abgerüstet haben, vor einem Nachbarn zu schützen, der über geheime Armeen und Waffenbestände verfügt.

 

    Die Forderung nach der Abschaffung aller Kriege ist nicht neu. Sie hat auch immer wieder Skeptiker auf den Plan gerufen, welche die Idee des ewigen Friedens als Utopie und Hirngespinst abtaten. Aber was ist die Alternative zum ewigen Frieden? Die ständig wiederkehrenden Kriege. Die Menschheit verfügt heute über ausreichend Waffen, um sich und den ganzen Erdball mindestens zehnmal zu zerstören. Es wäre eine zweifelhafte Genugtuung für die Skeptiker, wenn sie nach dem Ausbruch eines großen Krieges sagen könnten: "Seht her, ihr Utopisten, wieder einmal habt ihr nicht verhindern können, daß ein Krieg ausgebrochen ist".

 

    Es wird erst dann weltweiter Friede entstehen, wenn die überwiegende Mehrheit der Menschheit der festen Überzeugung ist, daß es notwendig, wünschenswert und möglich ist, eine Friedensordnung zu schaffen, die den Frieden für lange, lange Zeit garantiert. Man kann also allein schon dadurch zu einer dauerhaften Weltfriedensordnung beitragen, daß man an die Möglichkeit ihrer Verwirklichung glaubt und dies auch sagt. Umgekehrt trägt man durch eine ablehnende und skeptische Haltung dazu bei, daß immer wieder neue Kriege und neues Leid entstehen. Eine ablehnende Haltung nutzt niemanden, nur den Waffenhändlern, den den Chauvinisten und den Kriegsgewinnlern.

 

       Der Weg zum Frieden

 

    Es gibt einen Weg zum dauerhaften und lange, lange währenden Frieden. Viele große Philosophen und Denker haben

 

  seit der Antike diesen Weg vorgezeichnet und beschrieben. Ich nenne nur die Bekanntesten: Zenon, der Begründer der stoischen Philosophie. Der Dichter Dante Alighieri. Der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz. Ferner: William Penn. Der große Philosoph Immanuel Kant. Und: Der große Philosoph Jean Jaques Rousseau. Und: Albert Einstein.

 

    Ich erwarte nicht, daß Sie dem, was ich zu sagen habe, besonderes Gewicht beimessen. Aber vielleicht hat das, was große Denker der Menschheit geschrieben haben, Gewicht.

 

    Und wie ist nun die Idee, wie die Menschheit zum dauerhaften Frieden kommen kann? Sie ist ganz einfach und seit vielen Jahrhunderten bekannt und bewährt: Gesetz und Ordnung.

 

    Gesetz und Ordnung, nicht nur innerhalb der Nationalstaaten, sondern zwischen und über den Nationalstaaten. Das ist nämlich der Grund, warum Feindschaften zwischen Staaten immer wieder in Kriege ausarten können: Es gibt keine Gewalt, der die Staaten unterworfen sind. Es gibt auch keinen Gerichtschof, vor dem sie ihr gutes Recht einklagen könnten. Es gibt auch keine Polizei, die ihnen dieses Recht verschaffen könnte, und es gibt auch kein Gefängnis, welches die Schuldigen bestrafen würde.

 

    "Aber es gibt doch das Völkerrecht!", wird man einwenden. Aber wo war das Völkerrecht, als Hitler Polen überfiel? Wo war das Völkerrecht, als Japan die Mandschurei besetzte? Wo war das Menschenrecht in Ex-Jugoslawien, in Ruanda, in Biafra? Wo ist der Staatsanwalt, der vor dem internationalen Gerichtschof Anklage erhebt, wenn Völkermord begangen wird? Er ist nicht vorgesehen, denn vor dem Internationalen Gerichtschof können nur Staaten, aber nicht Volksgruppen und Einzelpersonen ihre unveräußerlichen Rechte einklagen. Die Menschenrechte und das Völkerrecht existieren nur auf dem Papier. Mächtige Politiker haben sich zwar öffentlich dazu bekannt, daß die Menschheit einen Anwalt und ein Gericht für ihre Rechte braucht. Aber was haben sie in Wirklichkeit getan? - Im besten Fall nichts. Im Normalfall haben sie aber alles getan, um diesen Plan zu hintertreiben. Denn ein Gericht und ein Anwalt für die Rechte der Völker und Menschen hätten ihnen ein Stück Macht weggenommen über das eigenen Volk. Und dies fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser.

 

    Jetzt hat man endlich als Reaktion auf schrecklichen Geschehnisse während des Krieges in Bosnien ein internationales Tribunal für Kriegsverbrecher und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingerichtet (Sitz in Den Haag). Doch bisher (Feb. 96) wurde noch kein Urteil gesprochen und vollzogen. Der Chefankläger, Herr Goldstone, äußerte in einem Privatgespräch (wie ich vom Gesprächspartner weiß): "Ich kann keine Anklage gegen die Kriegsverbrecher erheben, weil mir die Hände gebunden sind. Ich habe kein Geld, um Ankläger, Verteidiger und Zeugen zu bezahlen". Als man von privater Seite dem Kriegsverbrechertribunal Geld geben wollte, damit endlich die Prozesse beginnen können, wurde ihm dies von der UNO verboten. Ist das Schuld der UNO oder von Butros Ghali? Nein, es ist die Schuld der Nationalstaaten, welche die UNO dominieren. Unter ihnen müssen Staaten sein, die nicht wollen, daß ein solches Kriegsverbrechertribunal seine Arbeit aufnimmt.

  

    Die Souveränität der Regierungen ist das Übel

   

     Souverän wollen die Regierungschefs sein, keiner Macht der Welt unterstellt, Herren über Waffenarsenale und Armeen, Herren über Krieg und Frieden, über Tod und Leben. Wenn sie auch bei ihren Freunden in Partei und Regierung eine Menge Rücksichten nehmen müssen, aber im Krieg dürfen sie die absoluten Herrscher sein. Wann, ihr nationalstolzen Untertanen, werdet ihr begreifen, daß die nationale Souveränität nicht euere Souveränität ist, sondern die Souveränität der Regierungen und der Parlamente? Wenn sie beschließen, daß wieder Krieg sein soll, dann endet euere Souveränität in der Kaserne, im Schützengraben und im Massengrab.

    Die Volkssouveränität hat es bis heute nicht gegeben. Es wird sie erst geben, wenn das Volk selbst über Krieg und Frieden, über Atomkraft und Einwanderer, und über alles andere Wichtige in Volksabstimmungen entscheiden darf. Heute darf das Volk bestenfalls seinen Souverän wählen. Aber es war nie der Souverän. Es darf nur für die nationale Souveränität zahlen und bluten. Was ist das für ein seltsamer Popanz "Souveränität", der einem Nationalisten heiliger ist als alles auf der Welt? Den Göttern bringt man schon lange keine Menschenopfer mehr. Aber der Nation und der Nationalen Souveränität bringt man millionenfache Menschenopfer in sinnlosen Kriegen. Man sollte meinen, der wahre Gott ist für viele Menschen die Nation.

    Aber wo ist die geographische und ethnische Grenze einer Nation? Das ist oft ungewiss und häufig ein Kriegsgrund. Ist das Elsass deutsch oder französisch? Ist ein Baske ein Spanier? Man kann noch nicht einmal definieren, wer Deutscher ist und wo Deutschland endet. Und wer an diesen Fragen rührt, der schafft nur Unheil und Krieg. Die Ex-Jugoslawien haben versucht, die Bevölkerung eines Landes auseinanderzudividieren. Was haben sie bewiesen? Daß die Nation ein Moloch ist, der seine Anbeter verschlingt.

    Die Nation und die nationale Souveränität ist eine Chimäre, die zum Götzen erhoben wurde. Waren nicht viele Soldaten in den vergangenen Kriegen Götzenabeter und Menschenopfer in einem? Es wird Zeit, daß das Soldatenhandwerk wieder zu einem ehrbaren Beruf wird. Und dies kann es nur werden, wenn es sich in den Dienst von Menschenrecht und Völkerrecht, also in den Dienst der gesamten Menschheit stellt.

    Die Souveränität der nationalen Regierungen ist der Feind der Menschheit.

    Die nationalen Regierungen haben aus eigener Selbstherrlichkeit entschieden, Atombomben zu entwickeln und zu testen. Und sie werden aus eigener Selbstherrlichkeit entscheiden, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Wenn es nach ihnen geht, wird keine Macht der Welt ihnen Einhalt gebieten können. Und keine Macht der Welt soll ihnen ihre Massenvernichtungswaffen wegnehmen dürfen. Nein, sie allein wollen über das Schicksal unseres Planeten entscheiden. Auch wenn die Menschheit darüber zu Grunde geht, die nationale Souveränität soll unangetastet bleiben.

    Braucht die Menschheit souveräne Nationen? So nötig wie der Hund den Floh. Die souveränen Nationen sind Parasiten, die sich an der Ohnmacht der Menschheit mästen.

 

        Übernationale Gerichtschöfe

 

    Was die Menschheit wirklich braucht, ist nicht nur ein einzelner Gerichtschof in Den Haag, vor dem jeder Staat, jede Volksgruppe und jeder Einzelmensch seine unveräußerlichen Rechte einklagen kann, sondern viele. So viele, daß jedermann in seiner Provinz ein solches Gericht hat. Und es braucht Anwälte der Menschheit, so wie es heute Staatsanwälte gibt, die automatisch Anklage erheben, wenn ein schweres Verbrechen begangen wurde. Und auch die Natur braucht Anwälte, Pflanzen und Tiere brauchen Anwälte, Wälder und Flüsse und Meere brauchen Anwälte, die Luft und der Regen braucht Anwälte. Das Meer und die Luft, die gesamte Natur gehört keinem Staat, keiner Aktiengesellschaft und noch nicht einmal der Menschheit. Sie gehört sich selbst. Nur die Gemeinschaft aller Staaten kann die Natur schützen, denn kein Staat ist bereit, die Natur zu schonen, wenn es die Nachbarnation nicht tut.

  

    Ein Weltparlament - demokratisch gewählt

 

    Wo Anwälte und Gerichte sind, muß es auch Gesetze geben. Wer soll die Gesetze erlassen? Ein Parlament. Und die Abgeordneten müssen in freien und geheimen Wahlen von der gesamten Menschheit gewählt sein. Und jeder Wahlkreis muß gleich viele Wähler haben. Ist die UNO-Vollversammlung ein Parlament? Nein, sie ist eine Versammlung von Diplomaten. Jeder Staat, ob groß oder klein, hat eine Stimme. Die UNO-Vollversammlung macht keine Gesetze, sind ist nur eine Bühne, auf der jeder hauptsächlich ein Ziel verfolgt: Die Macht und das Ansehen der eigenen Nation zu vermehren. Auch wenn die Welt darüber zugrunde geht. Die UN-Delegierten sind nicht der Menschheit, sondern nur der eigenen nationalen Regierung verantwortlich.

    Die Welt braucht also ein demokratisch gewähltes Weltparlament mit der Befugnis und dem Auftrag, Gesetze zu erlassen, an welche die Nationen gebunden sind. Denn die Nationen müssen angebunden werden, sonst werden sie in regelmäßigen Abständen zu Kriegsfurien. Die Nationen sind oft wie Raubtiere, die sich gegenseitig belauern. Selbst befreundete Nationen mißtrauen einander und haben geheime Vorbehalte. Die Nationen leben nach wie vor im Zustand der Gesetzlosigkeit, der Anarchie. Zwischen den Nationen herrscht nach wie vor das Recht des Stärkeren, also das Faustrecht. Und das Faustrecht wird mit vernichtenden Waffen ausgeübt. Vor allem die kleinen und schwachen Nationen werden das Opfer von Gewalt und Erpressung. Sie können oft nur fortbestehen, wenn sie einen großen Teil ihrer Souveränität an die Großmächte abgeben. Sie würden viel lieber ihre Souveränität an eine demokratische gewählte und kontrollierte Weltautorität abgeben. Aber die gibt es nicht.

   

 Reform der UNO

 

    Die UNO wird durch das Vetorecht der Großmächte im Weltsicherheitsrat gehindert, zur Weltautorität zu werden. Die großen Mächte wollen weiterhin die kleinen Nationen bevormunden und sich notfalls über alles Völkerrecht und Menschenrecht hinwegsetzen.

 

     Aber sind sie deswegen zu beneiden? Sind sie deswegen glücklich? Nein, sie leben ständig in Anspannung und Angst. Mißtrauisch beobachten sie die Rüstung und die Schachzüge ihrer Konkurrenten. Sie sind gezwungen, gewaltige Summen für Rüstung, Geheimdienst und Bestechung auszugeben. Das senkt den Wohlstand der Bevölkerung und führt zu sozialen Problemen. Die Waffen sind nach einiger Zeit veraltet oder verrostet. Im heutigen Gegeneinander der Nationen produziert die Waffenindustrie global-wirtschaftlich niemals Reichtum, noch nicht einmal Sicherheit, sondern nur Verlust. Es ist eine gigantische Verschwendung von Resourcen. Das Argument, daß nationale Rüstung Arbeitsplätze schafft, ist das beschränkteste Argument, das es gibt. Genausogut könnte man Arbeitsplätze sichern, indem man gleich Schrott produziert.

  

    Eine Weltpolizei,  eine Weltföderation

   

    Wenn es ein Weltparlament gibt, das Gesetze für die Nationen und die Menschheit erläßt, dann muß es auch eine Polizei geben, welche über die Gesetze wacht. Es muß auch eine Instanz  geben, welche die Zusammenarbeit der Nationen organisiert. Diese Zusammenarbeit ist aber nur wirksam, wenn sich die Nationen zu einer Föderation, also einem Bundesstaat, zusammenschließen, so ähnlich wie sich die Schweizer Kantone zu einem Bundesstaat zusammengeschlossen haben, oder die Staaten der USA.

    Werfen wir einen Blick zurück in die deutsche Geschichte. Auch Deutschland war in viele Ländereien zersplittert. Die Feinde Deutschlands profitierten von dieser Zersplitterung. So wurde Deutschland zum Schauplatz des Dreisigjährigen Krieges und vieler Kriege, die danach kamen. Noch im Jahr 1866 waren die deutschsprachigen Staaten in einen Krieg verwickelt. Heute erscheint uns der Gedanke absurd, daß Bayern und Sachsen einen Krieg gegeneinander führen könnten. Warum ist das so? Weil sich die deutschen Länder vereinigt haben und einen Bundesstaat bilden. Warum sollen sich die Staaten der Welt nicht vereinigen und einen Bundesstaat bilden? Dann wäre ein Krieg zwischen Amerika und Russland genauso ausgeschlossen wie heute ein Krieg zwischen Hessen und Thüringen. Ist das so schwer zu verstehen? Ist es so schwer, dies zu wollen?

    Nach dem ersten Weltkrieg fasste ein junger Mann aus holländisch-griechisch-japanischem Adel den Gedanken, daß die Staaten der Welt vereinigt werden müßten: Coudenhove-Kalergi. Da er ein Augenmaß für das Realistische hatte, arbeitete zunächst auf die Vereinigung Europas hin. Er schrieb 1923 das Buch "Paneuropa". Dort entwickelte er die Idee des Vereinten Europa. Wenn nicht wieder törichte und egoistische Menschen diesen Plan durchkreuzen, wird in den kommenden 10 bis 20 Jahren ganz Europa zu einem Bundesstaat zusammenwachsen. Europa wird eine gemeinsame Währung, eine gemeinsame Außenpolitik und eine gemeinsame Armee haben. Die Feinde von gestern werden endgültig versöhnt sein, und ein Krieg zwischen ihnen wird kaum noch vorstellbar sein. So einfach und logisch ist das, und es ist machbar.

    Die einzige Voraussetzung dafür ist, daß die Mehrheit der Menschen das will. Die Politiker müssen ausführen, was die Wähler wollen. So ist die Demokratie. Mögen sich doch die Wähler an die Schrecken und die Not der vergangenen Kriege  erinnern! Dann werden sie einsehen, daß alle andern Gründe, so wichtig sie auch für eine einseitige und kleinliche Betrachtungsweise erscheinen mögen, zur Bedeutungslosigkeit verblassen. Muß wirklich noch ein Krieg in Europa stattfinden, bis die Menschen ihre Lektion gelernt haben? Und die Lektion lautet: es gibt nur einen sicheren Weg zum dauerhaften Frieden: die Schaffung eines europäischen Bundesstaates.

    Genauso ist es mit dem weltweiten Frieden. Nur wenn sich alle Staaten zu einem Bundesstaat zusammenschließen, ist der Frieden wirklich gesichert.

  

    Subsidiarität und Föderalismus

   

    Und da höre ich schon wieder die Skeptiker sagen: "Wenn es ein Weltparlament gibt, dann werden Chinesen und Inder darin die Mehrheit haben. Es werden nicht die Demokratien, sondern die Diktaturen die Oberhand gewinnen. Ein überdimensionaler Stalin oder Hitler wird die Macht in dem Weltparlament an sich reißen und die gesamte Menschheit versklaven."

    Aber sie vergessen, daß Diktaturen nur lebensfähig sind, wenn sie äußere Feinde haben. Die Sowjetdiktatur fiel in sich zusammen, als die Friedensbewegung zeigte, daß der Westen nicht der Feind des Ostens ist. Stalins Diktatur saß am festesten im Sattel, als die deutschen Truppen vor Moskau standen. Ein Welt-Bundessstaat hat keine äußeren Feinde.

    Sollen wir uns von diesen Hitler-Gespenstern schrecken lassen und alle Hoffnung aufgeben, daß der Frieden jemals gesichert werden kann? Nein, wir müssen nur Mittel und Wege ersinnen, um drohende Fehlentwicklungen zu verhindern.

    Als erstes muß dafür gesorgt werden, daß die Verfassung des Weltbundesstaates demokratisch ist und daß sie nur durch eine Zweidrittelmehrheit geändert werden kann.

    Als zweites muß dafür gesorgt werden, daß die Nationalstaaten ihre inneren Angelegenheiten weiterhin selbst bestimmen dürfen. Der Weltbundesstaat soll nur für die Verhinderung von Kriegen und für diejenigen Aufgaben zuständig sein, die auf der nationalen Ebene nicht gelöst werden können. Dies ist das Prinzip der Subsidiärität.

    Wird der Weltbundesstaat die kulturelle Identität der Nationen und Völker auslöschen? Nein, denn in seiner Verfassung wird stehen, daß die Nationen ihre kulturelle Hoheit bewahren werden.

     Der Weltbundesstaat muß die Vielfalt der Sprachen und Kulturen fördern. Und wenn eine Kultur für ein Volk Wert und Bedeutung hat, dann wird sie fortbestehen. Mehr noch, wenn die regionale Kultur Wert und Bedeutung für die Welt hat, wird sie Teil der Weltkultur werden.

  

    Die Einheit der Welt existiert schon

 

    Ob mit oder ohne Weltbundesstaat, ein großer Teil der Menschen wird zwei Sprachen beherrschen: die Sprache der Heimat und die Sprache der Welt: das Englische. Ob mit oder ohne Weltbundesstaat, schon heute gibt es eine europäisch-amerikanische geprägte Weltzivilisation. Die Einheit der Welt ist in vielen Bereichen schon längst zur Tatsache geworden. Nicht erst seit dem Internet ist die ganze Welt in einem Beziehungs- und Kommunikationsnetzwerk

 

  verflochten. Das Geld, die Wirtschaft, die Kultur, aber auch das Verbrechen, die Naturzerstörung und die Seuchen halten sich an keine Grenzen.

 

    Nachdem also die Welt eine Einheit ist, muß die Politik dem auch Rechnung tragen. Die Nationalstaaten hatten in der Geschichte eine wichtige Aufgabe: Die noch kleineren Territorien zu einer Einheit zusammenzufügen und unter ihnen den Frieden zu wahren. Mit den Nationalstaaten entstanden Gebiete, deren Völker in einer Solidar- und Kulturgemeinschaft zusammengefasst wurden. So haben sie Kriege zwischen Volksstämmen und Kleinstaaten verhindert und einheitliche Wirtschaftsräume geschaffen. Was es für den Frieden bedeutet, wenn ein Staat zerfällt, sahen wir in Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion.

 

    Aber mit dem Nationalstaat ist die Entwicklung nicht abgeschlossen. Sie muß hingehen zum Welt-Bundesstaat, sonst ist all das Gute, das der Nationalstaat bewirkt hat, wieder in Frage gestellt.

 

        Föderalismus statt Separatismus

 

       Wir sehen in der Geschichte zwei scheinbar sich widersprechenden Entwicklungstendenzen: Auf der einen Seite schließen sich die Staaten zu immer größeren Einheiten zusammen, auf der anderen Seite zerfallen bestehende Staaten in Provinzen, die sich oft ihrerseits in noch kleiner Teile aufspalten.

 

    Warum diese Abspalterei und der Separatismus? Weil der Gesamtstaat oft von einem Volk oder einer Volksgruppe dominiert wird. So war es in der Sowjetunion und in Jugoslawien. So ist es in der Türkei.

 

    Allerdings: Oft haben die Separatisten nichts eiligeres zu tun, als ihrerseits ein Unterdrückungsregime zu errichten. Oft sind die Rebellen nur Generäle und Politiker, die keine Autorität über sich dulden wollen, sondern sich sagen: "Lieber in einen Dorf der Erste als in Rom der Zweite!" Für ihren Ehrgeiz hetzen sie das Volk auf und führen es in den Bürgerkrieg.

 

    Die Politiker der Welt müssen also einen Weg finden, daß die Nationalstaaten dezentral und so autonom wie möglich regiert werden. Die kulturelle Idendität der Regionen und Volksgruppen muß erhalten und gefördert werden, die kommunale Selbstverwaltung muß überall eingeführt werden.

 

    Wenn es eines Tages einen Welt-Bundesstaat gibt, gilt dies in einem noch stärkeren Maße. Sonst wird er ständig von Bürgerkriegen und Rebellion erschüttert werden. Ein Welt-Bundesstaat ohne föderale Strukturen, also zentralistisch bis hinab auf die kommunale Ebene wäre eine Monstrosität, die niemand will - am allerwenigsten die Weltföderalisten.

 

    Wenn die Autonomie der Nationalstaaten, Regionen, Völker und Minderheiten gewährleistet ist, dann kann die Welt zu einer größeren politischen Einheit zusammenwachsen. Dann wird auch beiden Tendenzen Rechnung getragen: der Tendenz zu immer selbstständigeren und kleineren Einheiten, und der Tendenz, die Staaten in größeren und in einer größten Einheit zusammenzufassen.

 

    Es muß gewährleistet werden, daß die reichen Nationen ihren Besitzstand wahren können. Dies wird möglich sein, weil ihre

 

  Ausgaben für Rüstung weitgehend wegfallen werden.

  

    Für eine gerechte Welt

   

    Es muß für Gerechtigkeit beim Warenaustausch zwischen den Bundesstaaten gesorgt werden. Es muß dafür gesorgt werden, daß Rohstoffe und Resourcen gleichmäßig verteilt werden und daß damit schonend umgegangen wird.

    Das Wohlstandsgefälle zwischen Nord und Süd kann nicht dadurch beseitigt werden, daß der Norden gewaltige Summen nach Süden transferiert. Der Norden muß nur dafür sorgen, daß er den Süden nicht ausgebeutet, sondern er muß faire Preise für Rohstoffe und Arbeitsleistungen des Südens zahlen. Weiter muß die Ausbeutung der Menschen des Südens durch die eigenen Machteliten verhindert werden. Korrupte Regierungen des Südens haben das eigenen Volk ausgebeutet und den Gewinn in den Norden verschoben. Sie haben das Volksvermögen für Kriege, Waffen und Luxus verschleudert.

    Es versteht sich von selbst, daß der Norden dem Süden helfen muß. Aber der Süden kann letztendlich seine Probleme nur allein lösen. Er muß die Bevölkerungszahl auf dem heute bestehenden Level halten, vielleicht sogar zu reduzieren. Heute weiß doch schon jedes Kind, daß alle Anstrengungen, die armen Länder zu entwickeln, vergeblich sein werden, wenn es nicht gelingt, die Bevölkerungsexplosion zu stoppen. Der Süden muß dafür sorgen, daß er seine Menschen ernähren kann. Dazu ist eine Landreform nötig. Im Klartext: Die Großgrundbesitzer müssen enteignet werden. Der Süden muß den Analphabetismus beseitigen, die Kriege beenden und Korruption, Verbrechen, Unfähigkeit und Lethargie überwinden. Zuerst muß die Landwirtschaft in die Lage versetzt werden, die eigene Bevölkerung zu ernähren. Dann kann nach und nach eine Industrie entstehen, die den Eigenbedarf deckt.

    Solange der Süden sein Geld aufwendet, um Waffen zu importieren, Kriege zu führen, seine korrupte Oberschicht zu mästen - solange werden alle Versuche vergeblich sein, den Süden aus seinem Elend herauszuholen. Er wird vielmehr immer mehr in Not, Anarchie und Verbrechen versinken. Der Norden darf keine Waffen mehr in den Süden liefern. Er muß dem Süden helfen, eine Föderation von Staaten aufzubauen, die im Inneren autonom und selbstverwaltet sind, und welche bei der verwaltungsmäßigen Einteilung die Volks- und Stammesgrenzen berücksichtigt. Der Norden darf die Oberschicht des Südens nicht korrumpieren und darf sich nicht zum Komplizen bei der Ausbeutung der Völker machen.

    Das ist natürlich eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten des Südens. Aber hat das der Norden nicht seit Jahrhunderten gemacht? Jetzt, wo es darum geht, Frieden und Gerechtigkeit im Süden zu schaffen, würden manche Leute auf einmal Bedenken bekommen, wenn der Norden im Süden Einfluß nimmt.

  

       Für eine christliche und humane Welt

 

    Doch zurück zum Weltparlament. Wäre es so schlimm, wenn Chinesen und Inder im Weltparlament die Mehrheit haben würden? Wir sind doch für die Demokratie. Und die Demokratie heißt

 

  eben, daß die Mehrheit sich durchsetzt.

 

    Wäre es so schlimm, wenn wir den Süden nicht mehr ausbeuten könnten? Wäre es so schlimm, wenn wir den Armen der Welt ein Stück von unserem Wohlstand abgeben müßten? Wir sind doch Christen. Und wenn wir auch keine Christen sind, so haben wir doch Sinn für Gerechtigkeit und Humanität.

  

    Für eine sichere Welt

 

    Wenn der Norden heute nicht den Armen des Südens ein Stück  seines Reichtums abgibt, (wir sollen uns dabei nicht selbst arm machen, denn damit wäre niemand gedient), dann werden die im Süden sie sich selbst das holen, was wir ihnen vorenthalten. Und sie werden es sich notfalls mit Gewalt holen. Sie werden in gelehriger Weise lernen, Massenvernichtungswaffen zu bauen oder sich welche zu kaufen. Und sie werden diese Massenvernichtungswaffen in unsere Städte bringen. Nicht mit teueren Raketen, sondern im LKW. Sie werden uns die Massenvernichtungswaffen im Postpaket schicken. Sie werden uns bedrohen, und sie werden diese Waffen anwenden, wenn wir uns nicht erpressen lassen. Denn sie haben nichts zu verlieren.

    Die Welt ist klein geworden, und jedes Volk ist auf die andern Völker angewiesen. Keine Nation und keine Rasse kann den Planeten und seine Resourcen für sich allein beanspruchen. Wir müssen alle gerecht miteinander teilen. Wenn wir dazu nicht bereit sind, muß die Sache ausgefochten werden. Da aber die Sache nicht ausgefochten werden kann, ohne daß sich die Menschheit selbst vernichtet, müssen die Nationen sich Recht und Gerechtigkeit unterwerfen. Die Menschheit kann sich aber nur einer Instanz unterwerfen, die demokratisch gewählt und kontrolliert wird und welche die gesamte Menschheit repräsentiert. Und diese Instanz muß das militärische Gewaltmonopol haben. Denn wie soll sie die allgemeine Sicherheit garantieren, wenn es außer ihrer Armee noch andere, vielleicht sogar stärkere Armeen gibt?

    Nicht den Chinesen und Indern sollen wir uns unterwerfen, sondern der Menschheit, von der wir ein Teil sind. Die Welt muß von allen Völker der Welt gemeinsam regiert werden. Keiner darf ausgeschlossen sein, und keiner soll sich ausschließen dürfen, es sei denn, er bleibt neutral und unbewaffnet.

    Die Europäer und Nordamerikaner haben sich durch Forschung und Technik eins beherrschende Position geschaffen, die auch dann noch stark genug sein wird, wenn sie im Weltparlament überstimmt werden. Und sie werden noch genügend Reichtum haben, auch wenn sie den armen Völkern einen Teil abgeben.

    Es ist nicht leicht, vom dem national-egoistischen Denken und von den Gruppenegoismen abzugehen. Dem stehen Ur-Instinkte und Existenzängste entgegen. Es ist nicht leicht, nicht nur seinen Nächsten, sondern auch noch den Fernsten zu lieben. Aber was soll unser Handeln regieren? Primitive Instinkte oder die Vernunft und die Liebe?

    Da wir aber wissen, daß kein Verlass darauf ist, daß der Mensch sich immer von Liebe und Vernunft leiten läßt, braucht die Menschheit Recht und Gesetz und muß in einer einzigen Rechtsgemeinschaft zusammengefaßt werden.

    Wir müssen lernen, daß der einzelne Mensch ohne die anderen Menschen nicht lebensfähig ist. Es sind die anderen Menschen, die uns mit unserem täglichen Brot versorgen. Es sind die  anderen Menschen, die uns helfen, wenn wir in Not sind. Diese anderen Menschen sind nicht nur die Angehörigen unserer Familie oder unserer Nation, sondern letzendlich ist es die gesamte Menschheit.

    Wir müssen lernen, daß für uns das Überleben der Menschheit genauso wichtig ist wie unser eigenes. Daß wir also aus wohlverstandenem Eigeninteresse dafür sorgen müssen, daß die Nationen, Rassen und Klassen einen Weg finden, friedlich und gerecht miteinander zu leben.

    Immer wieder wird es Menschen geben, die ihren Vorteil über die Allgemeinheit stellen werden. Besonders gefährlich werden sie für die Menschheit sein, wenn sie über große Macht, großen Reichtum oder großen Einfluß verfügen. Gerade diese Menschen muß die Menschheit mit größtem Mißtrauen beobachten und tausend Vorkehrungen treffen, daß sie der Menschheit keinen Schaden zufügen können. Die Menschheit muß all diejenigen, die Verbrechen gegen die Menschenrechte oder gegen die Natur begehen, einfangen, vor Gericht stellen, bestrafen und auf den rechten Weg führen. Notfalls muß sie diese Individuuen in Notwehr töten, wenn es ihr nicht gelingt, sie vor Gericht und hinter Schloß und Riegel zu bringen. Dazu braucht es Spezialisten. Sie und ihre Vorgesetzten bis hinauf zum Präsidenten des Weltbundesstaates werden stets in Gefahr sein, ein Opfer von Mordanschlägen zu werden. So leicht werden die Mafia, die Verbrecher, die Psychopathen, die hemmungslos Selbstsüchtigen und die Waffenhändler, die Nationalisten und Kriegsgewinnler ihre Sache nicht verloren geben. Ein Gewaltmonopol des Weltstaates werden sie nicht akzeptieren. Denn sie wollen das Gewaltmonopol. Auch in Zukunft muß Krieg geführt werden. Aber nicht gegen Völker oder Volksgruppen, auch nicht gegen soziale Klassen oder gegen Religionsgemeinschaften, sondern gegen einzelne Individuuen, die Feinde der Menschheit sind. Dieser Kampf muß durch Recht und Gesetz geregelt werden. Das erforderliche Organ muß die Weltpolizei sein, unterstützt von einem Weltgeheimdienst.

 

    Unsere Pflichten in Gegenwart und Zukunft

 

        Sollen wir hoffen, daß wir alle Menschen dazu bekehren können, freiwillig und immer das Gute zu tun? Das können wir nicht.

    Man kann nur dafür sorgen, daß jedermann auf der Welt einen angemessenen Anteil an dem bekommt, was Natur und menschliche Arbeit hervorbringen, und daß auch der Geringste und Letzte genügend bekommt, damit er damit menschenwürdig leben kann.

    Aber es muß auch dafür gesorgt weden, daß jedermann, der dazu in der Lage ist, seinen Teil dazu beträgt, die Menschheit zu ernähren und mit dem Notwendigen zu versorgen, sie zu schützen, sie zu pflegen, ihr Freude zu bereiten und sie weiterzuentwickeln.

    Es ist nicht schwer, festzustellen, wer der Menschheit nützt und wer der Menschheit schadet. Die Menschheit muß einen Weg finden, ihre Individuuen so zu lenken, daß sie der Gesamtheit nützen und ihr die Zukunft sichern. Alles, was diesem Ziel dient, ist gut. Alles, was diesem Ziel entgegenarbeitet, ist schlecht und böse.

    Der Mensch braucht ein Ziel und eine Aufgabe. Da höchste Ziel muß sein, die Menschheit zu erhalten und  weiterzuentwickeln. Dies ist nur möglich, wenn die Natur unseres Planeten intakt bleibt.

    Was der Schöpfer mit dem Menschen vorhat, können wir nicht ergründen. Der heutige Mensch ist nicht der Schlußpunkt und krönende Abschluß der Evolution des Lebens. Er ist nur ein Übergang zu weiteren Entwicklungen, die wir höchstens ahnen können. Wir haben nicht nur für uns eine Verantwortung, sondern auch für das, was aus der Menschheit einmal entstehen wird. Das Leben der Menschheit wird von einer Generation an die andere weitergereicht. Wenn ein Glied in dieser Kette der Generationen zerstört wird, werden alle nachfolgenden nie entstehen können. Die Menschheit ist eine Million Jahre alt. Und sie kann, so sie sich als würdig erweist, noch eine Million Jahre existieren. Das sind die Dimensionen, in denen wir denken müssen, wenn es um die Menschheit geht. Und worüber machen sich die großen Weltpolitiker die meisten Gedanken? Wie sie und ihre Anhänger die Macht behalten! Sie machen sich Gedanken, wie sie diesen oder jenen Absatzmarkt erobern können, wie ihr Land diesen oder jenen Vorposten besetzten kann. Vor den wahren Interessen der Menschheit sind dies eitle Spielchen, die gemessen am Alter der Menschheit, nur den Bruchteil einer Sekunde währen. Es gibt heute nur eine wichtige politische Frage: Wie kann die Menschheit verhindern, daß der Faden ihrer Existenz abreißt und die Zukunft von hunderttausend Generationen unwiederbringlich zerstört wird? Staaten und Regierungen kommen und gehen. Das Leben geht seinen Gang. Aber es darf nicht abreißen. Es werden noch viele Fehler in der Politik gemacht werden. Die Zeit wird sie korrigieren, die Menschheit wird aus ihren Fehlern lernen und einen Weg finden, um in Glück und Frieden zu leben. Aber ein Fehler darf nicht gemacht werden: Die Menschheit auszulöschen und den Planeten zu zerstören. Denn dieser Fehler kann nicht repariert werden, diesen Fehler wird die Zeit nicht auscheilen.

    Wenn es der Menschheit gelingt, diese schwierige Zeit der drohenden Selbstzerstörung zu überstehen, wird sie vielleicht noch eine große und lange Zukunft vor sich haben. Es ist offensichtlich, daß das Leben sich in die tiefsten Tiefen des Ozeans ausgebreitet hat und auf den höchsten Bergen und in den Wüsten wohnt. Es wird auch die leblosen Planeten und den leeren Weltraum besiedeln. Dieser Weg ist der Menschheit, oder ihrer Nachfolgerin, vorgezeichnet. Wenn die Menschheit diesen Planeten verlassen haben wird und sich in alle Winkel der Milchstraße ausgebreitet haben wird, wird ihre Existenz für lange Zeit gesichert sein. Aber für die nächsten 100 Jahre ist sie auf diesem Planeten gefangen, und es gibt vor der Selbstvernichtung kein Entrinnen. Deshalb sind die nächsten hundert Jahre die kritischsten in der ganzen Menschheitsgeschichte.

    Wenn der Mensch schließlich in die Milchstraße vordringen wird, darf er nicht Krieg und Zerstörung ins Universum hinaustragen. Er darf das Universum nicht wie eine Seuche befallen und seine Niedertracht in den letzten Winkel der Milchstraße tragen. Sondern er muß schon heute lernen, daß er Teil der Schöpfung ist und sie respektieren muß.

  

    Phantastische und gefährliche Zukunft

   

    Vielleicht wird die Forschung einen Weg finden, zerstörte

 

  menschliche Körperorgane und Glieder nachwachsen zu lassen. Vielleicht wird der Mensch einen Weg finden, aus einer einzigen Zelle einen ganzen Menschen wieder neu erstehen zu lassen. Vielleicht wird man den Geist und die Erinnerungen eines Menschen digital aufzeichnen und für alle Zeit konservieren können. Vielleicht wird man diesen Geist wieder in einen neuen Körper gießen können. Vielleicht wird der Mensch all die Wunder, aber auch all die Katastrophen, welche in der Bibel stehen, selbst vollbringen. Vielleicht wird er damit nur das tun, was Gott mit ihm vorhat. Vielleicht wird sich aber an die Stelle des Menschen der Computer setzen. Die Menschheit hat viele zehntausende Jahre Zeit gehabt, sich zu entwickeln. Und wie schnell entwickeln sich die Computer! Sie werden selbst denken lernen, und sie werden sich selbst vermehren. Schon heute sind sie vernetzt, und eines Tages werden sie vielleicht ein gigantisches Superhirn bilden, in dem jeder Computer eine Hirnzelle ist. Und sie werden mit ziemlicher Sicherheit nicht immer Sklaven des Menschen bleiben. Seid wachsam, ihr Frauen, denn ihr seid die wahren Hüterinnen des Fortbestandes der Menschheit, und achtet darauf, was die Männer da bauen und erfinden!

 

    Vielleicht wird man auch die Möglichkeit finden, mit Hilfe der Gentechnologie einen Menschen zu schaffen, der keine Krankheiten mehr hat und viel klüger und edler ist als der heutige Mensch. Vielleicht wird man aber auch eine Bestie schaffen, die nur töten und vernichten will.

 

    Niemals seit ihrem Bestehen war die  Menschheit so vielen Risiken ausgesetzt, niemals hatten Politiker eine so große Verantwortung, und niemals waren die Chancen der Menschheit so groß.

 

    Beschränktes Denken der Verantwortlichen

   

    Aber womit beschäftigt sich die Politik? Zu 90 % Prozent ist die Politik ein Gerangel darum, wer wieviel von dem großen Kuchen, den uns die Natur und der Fleiß der Werktätigen gebracht hat, bekommt. Unser kapitalistisches System ist so konstruiert, daß diejenigen, die Kapital haben, und einigermaßen geschickt sind, immer neues Kapital hinzugewinnen. Aber was bei den Reichen als Besitz in ihren Büchern steht, sind nur die Schulden der Habenichtse. Das Kapital wächst immer mehr, und die Schulden wachsen immer mehr. Beide vermehren sich kraft Zinssatz quasi von selbst, bis "die da unten" die wachsende Last nicht mehr tragen können, die ihnen "die da oben" aufbürden. Kapital und Schulden haben nur die Bedeutung, die man ihnen zumisst. Das Kapital, das aus Aktien, Wertpapieren und Besitztiteln besteht, steht nur auf dem Papier. Es besteht nur solange, solange ein allgemeiner Konsens darüber besteht, daß alles so belieben soll, wie es ist. Es besteht nur solange, solange es Polizei und Militär gibt, um dieses Kapital zu schützt und solange es Menschen gibt, die die Gesellschaftsordnung stützen. Die Schulden von heute werden nicht an die kommende Generation übergehen, denn die Söhne werden nicht bereit sein, die Schulden der Väter zu zahlen.

    Aber was ist die hauptsächliche Aufgabe von Polizei und Militär? Nicht der Schutz der gigantischen Vermögen, sondern der Schutz der Menschen. Und was ist Aufgabe der Politiker? Nicht die Vertretung der Interessen der Millionäre, sondern für  Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Sie müssen weit in die Zukunft schauen. Sie müssen Gefahren für den Planeten und die Menschheit erkennen, sie müssen der Menschheit und ihrem Überleben dienen. Sie dürfen nicht mehr an die erste Stelle ihrer Ziele die persönlichen und nationalen Egoismen setzen, sondern sie müssen der gesamten Menschheit dienen. Und sie werden es auch tun, wenn sie von der Öffentlichen Meinung und von einer allgemeinen Übereinkunft der Bürger dazu gezwungen werden.

 

    Der NATO-Beitritt Russlands

 

    Wie kann nun der große Friede in die Tat umgesetzt werden?

    Zuallerst muß Russland der NATO beitreten. Russland würde das gerne. Es ist verletzt und gekränkt, daß es vom Westen ausgeschlossen wird. Russland hat sich weit nach Westen geöffnet. Es hat unglaubliche Zugeständisse gemacht. Es hat erlaubt, daß Deutschland wiedervereinigt wurde. Es hat seine Satellitenstaaten in die Freiheit entlassen. Es hat dem Baltikum, der Ukraine und Weißrussland die Selbständigkeit gegeben. Georgien, Armenien, Kasachstan wurden unabhängige Staaten. War das nur Schwäche? Russland hätte vielleicht die Kraft gehabt, diese Staaten wieder in die Sowjetunion zurückzuzwingen. Aber Russland wollte nicht. Russland wollte Teil der europäsch-amerikanischen Welt werden - sicher auch deswegen, weil sich Russland Hilfe erhoffte. Aber der Westen verweigert Russland, vollwertiges Mitglied der abendländischen Gemeinschaft zu werden. Der Westen weist Rußland zurück und versagt ihm die Hilfe. Russland wird sich für die Demütigungen vielleicht rächen. Dann sei uns Gott gnädig!

    Warum will die NATO nicht, daß Russland Mitglied wird? Weil die NATO für ihren Zusammenhalt ein Feindbild braucht, und weil all diejenigen, die von der Rüstungsindustrie und vom Waffenhandel profitieren, Angst um ihre Gewinne haben. Aber wir sollten nicht die Ansichten des militärisch-industriellen Komplexes übernehmen.

    Russland und alle ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten müssen Teil der NATO werden.

 

    Der Weg zur Weltföderation

   

    Die militärischen Allianz muß auch zu einer wirtschaftlichen Allianz werden. Der Kern dieser wirtschaftlichen Allianz existiert schon: die Europäische Union. Die europäische Union muß ebenfalls erweitert werden. Bis 1999 muß die Wirtschafts- und Währungsunion all der Staaten kommen, die heute Mitglied der EU sind. Bis 2005 müssen Tschechien, Slowakien, Polen, Ungarn und Slowenien angegliedert sein. Bis 2010 müssen folgen (und das wird manche überraschen): USA, Japan, Korea, Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika, sowie: Ukraine, Baltikum, Russland und alle GUS-Staaten, ferner: Türkei, Israel, Jordanien, Ägypten, Marokko, Tunesien. Ferner: Die lateinamerikanischen Staaten in Süd und Mittelamerika. Bis 2015 treten bei: Indien, China und die Südostasiatischen Staaten. Bis zum Jahr 2020 treten dann bei: Die restlichen Staaten. Außer der Schweiz vielleicht.

    Wenn die Welt einmal so weit ist, dann wird es noch 30 Jahre dauern, bis alle Nationen einen Staatenbund bilden. Der  vorgezeichnete Weg ist möglich.

    Und die Schweiz? Im Scherz, und doch nicht ganz im Scherz sage ich: Der Schweiz  wird dann der Rest der Welt beitreten. Die Welt wird dann in Kantone, Regionen, Bundesländer, national-kulturelle und kontinentale Verwaltungseinheiten eingeteilt.

 

     Politik der Weltföderation

 

     Um Wanderungsbewegungen zu verhindern, müssen einige Vorkehrungen getroffen werden. Denn es ist nicht möglich, daß man zuläßt, daß im Süden ganze Landstriche verwaist werden, während ganze Völkerschaften in den reichen Norden strömen. Jeder Staat muß in die Lage versetzt werden, seine Bürger zu ernähren und zu versorgen. Jedermann auf der Welt muß wenigstens soweit sozial abgesichert werden, daß er etwa auf dem Stand eines heutigen Chinesen existieren kann. Daß dies aus eigener Kraft möglich ist, hat auch Indien bewiesen. Jeder Arbeiter muß einen Lohn erhalten, der ihm und seiner Familie mindestens ein bescheidenes Auskommen gestattet.

 

    Der Staat muß verpflichtet werden, jeden Arbeitsfähigen mit sinnvoller Arbeit zu versorgen, und jedermann, der arbeiten kann, soll auch arbeiten müssen.

 

    Die Bevölkerungszahl muß auf dem heutigen Stand festgehalten werden.

 

        Weltweit: der gerechtere Arbeitslohn

 

    Für Einkommen und Privatbesitz muß es eine Höchstgrenze geben. Niemand soll mehr verdienen als 100 000 DM im Jahr und niemand soll mehr Privatbesitz haben als dem Gegenwert von 2 Millionen entspricht. Ausnahme: jemand besitzt einen Betrieb, den er selbst leitet. Aber auch dann darf sein Einkommen nicht 100 000 DM übersteigen.

 

    Das, was jedermann verdient und besitzt, soll kein Geheimnis sein, sondern für jedermann öffentlich. Jedermann muß für die Öffentlichkeit einsehbar Rechenschaft ablegen, woher sein Einkommen und sein Besitz stammen. Dann werden es Korruption und Verbrechen sehr schwer haben, noch zu existieren.

 

    Laßt Euch nicht erzählen, daß dies Kommunismus und Diktatur sei! In dieser Gesellschaftsordnung kann jedermann dorthin reisen, wo es ihm beliebt - verausgesetzt er kann die Reise bezahlen. Jedermann kann auch dorthin ziehen, wohin es ihm beliebt - vorausgesetzt, er findet Wohnraum und kann ihn bezahlen. Und jedermann kann dort bleiben, wo es ihm beliebt, vorausgesetzt, daß er dort Arbeit bekommt und seinen Teil für das Gemeinwohl beiträgt. Und hier ist der springende Punkt, der die Zuwanderung begrenzt: In keiner Gemeinde und in keinem Landkreis könnte sich ein Zuwanderer und Wohlstandsflüchtling halten, wenn er nicht Wohnraum und Nahrung erhalten würde. Und dies soll die Gemeinde selbst entscheiden: ob sie die Zuwanderer haben will, ob sie ihnen Wohnraum, Brot und Lohn geben will. Und wenn dies nicht der Fall ist, dann sollen die Zuwanderer kein Bleiberecht haben. Ist das hartherzig? Nur

 

  dann, wenn der Zuwanderer aus einem Land kommt, wo er Verfolgung oder Hunger erleiden muß. Aber solche Länder wird es nicht mehr geben.

 

    Wenn es den Welt-Bundesstaat gibt, wird es keine Asylanten und politisch Verfolgte mehr geben, denn die Menschenrechte werden überall verbindlich durchgesetzt werden.

 

      Weltweit: die 20-Stunden-Woche

 

    Jedermann kann dann auch über seine Zeit frei verfügen, vorausgesetzt er leistet die 20 Stunden in der Woche ab, die jeder leisten muß, damit die Menschheit mit dem Nötigen versorgt wird. Es kann auch jeder sagen und tun was er will, solange er die andern nicht schädigt, beleidigt oder gefährdet.

 

    In dieser Gesellschaftsordnung gibt keine Diktatur des Proletariats, es gibt auch keine Diktatur der Kapitals, oder des Militärs, oder was auch immer. Es gibt nur eine Art der Herrschaft: Die Herrschaft der Menschheit durch die Menschheit und für die Menschheit.

 

    Oft wird gesagt, die Arbeitslosigkeit ist ein großes Problem. Die Maschinen nehmen den Menschen die Arbeit weg. Ach, wie traurig! Ach, wie traurig, daß der Arbeiter nicht mehr 10 Stunden am Tag in einer zugigen Fabrikhalle schuften darf! Ach, wie traurig, daß die Arbeit von vier Fräsern von einer einzigen NC-Maschine gemacht wird! Ach, wie traurig, daß die Arbeiter in der Lackierei nicht mehr die Lösungsmitteldämpfe einatmen dürfen! Ach, wie traurig, daß heute ein Bauer mehr produziert als früher 10 oder 100 Bauern!

 

    Ach, wie traurig, daß der Bauer keine Knechte und Mägde mehr hat! Seien wir doch froh, daß die Maschinen uns die Arbeit abnehmen und unseren Wohlstand mehren!

 

    Seien wir doch ehrlich: all diejenigen, die eine stumpfsinnige, gesundheitsschädigende und gefährliche Arbeit verrichten, die zudem oft schlecht bezahlt ist, würden doch gerne auf diese Arbeit verzichten - wenn sie weiterhin Lohn und soziale Achtung (und Selbstachtung) behalten könnten. Man sagt "arbeitslos", aber man meint "geldlos".

 

    Ich befürworte, daß die Maschinen den Menschen ihre Arbeit abnehmen. Der Mensch soll nur das tun, was die Maschine nicht kann.

 

    Das, was die Menschheit an Nahrung und Konsumgütern für ihr tägliches Leben braucht, könnten heute wohl 20 % der Werktätigen produzieren. Und sie müßten nicht 40, sondern nur 20 Stunden in der Woche arbeiten.

 

    Und was machen die restlichen 80 % ? Sie sorgen dafür, daß das Produzierte gerecht verteilt wird. Sie sorgen als Polizisten für die Sicherheit, als Ärzte und Pfleger für die Gesundheit. Als Verwalter und Dienstleister sorgen sie dafür, daß der Staat funktioniert. Sie sind Lehrer, Künstler, Sportler und Politiker.

 

    Ich bin sicher, daß niemand auf der Welt mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten müßte, wenn die Arbeit sinnvoll organisiert ist und alle, die heute arbeitslos sind oder sinnlosen Tätigkeiten nachgehen, sinnvoll arbeiten würden.

 

    Wer länger arbeiten will und muß, weil er z.B. Arzt, Künstler, Wissenschaftler, Manager ist oder sonst irgendeine Tätigkeit ausübt, die ihm Erfüllung und Befriedigung schenkt,

 

  der soll das tun, und es soll ihm auch angemessen honoriert werden. Das gleiche gilt für Tätigkeiten, auf die Allgemeinheit in besonderer Weise angewiesen ist.

 

    Weltweit: die Beseitigung von Armut

   

    Die Armut der einen ist der Reichtum der anderen. Wenn man die Armut der einen beseitigen will, muß man den übertriebenen Reichtum der anderen beseitigen. Das Ergebnis wird dann allgemeiner Wohlstand sein. Ich will hier nicht den Sozialismus neu erfinden. Warum hat der Sozialismus nicht funktioniert? Weil er den Menschen die Freiheit, die Eigeninitiative und die Motivation zur Leistung genommen hat.

    Jedermann soll Privatbesitz haben, und er soll ihn mehren können. Aber es müssen die Auswüchse des Kapitalismus beseitigt werden. Es ist nicht gerechtfertigt, daß jemand eine Million Mark im Jahr verdient. Ein Bauarbeiter, der in Wind und Wetter auf dem Bau steht, der Teerdämpfe und Dreck einatmet, ein Grubenarbeiter, der in Hitze, Lärm und Staub schuftet, leistet mehr als ein Manager, der fürstlich bezahlt wird - manchmal nur dafür, daß er seine Firma in den Bankrott fährt.

    Ganz zu schweigen von all denen, die nicht mehr geleistet haben, als die Ehefrau oder der Sohn eines Millionärs zu sein.

    Es ist allgemein bekannt, daß die Gesetze viel zu zahlreich sind, und daß dadurch ein Heer von Beamten und Steuerberatern damit beschäftigt ist, die Gesetze auszulegen. Die Parlamentarier sollten nur dann ein neues Gesetz erlassen dürfen, wenn sie gleichzeitig ein überflüssiges abschaffen.

    Es ist offensichtlich, daß ein Drittel der menschlichen Arbeitskraft darauf verwendet wird, Waffen herzustellen, Kriege zu führen, die Zerstörungen der Kriege wieder zu beseitigen und die Verwundeten zu pflegen.

    Es ist offensichtlich, daß die reiche Klasse einen Teil der ärmeren Menschheit für ihren übertriebenen Luxus arbeiten läßt.

    Es ist offensichtlich, daß ein großer Teil der staatlichen Organe damit beschäftigt ist, die Gelder, die der Staat dem Steuerzahler abgenommen hat, wieder an den Steuerzahler oder an Bedürftige weiterzugeben. Ein noch größerer Teil der Verwaltung ist damit beschäftigt, zu prüfen, ob die Ansprüche der Empfänger von staatlichen Zuwendungen auch tatsächlich berechtigt sind. Warum sorgt man nicht einfach dafür, daß jeder, der arbeiten kann, auch arbeitet, und daß er und seine Familie genug zum Leben erhält? Warum erst krasse Einkommensunterschiede entstehen lassen, um sie dann mühsam durch Sozialleistungen zu überbrücken?

    Ein anderer Grund für die Arbeitslosigkeit in den Industrieländern ist, daß man die Arbeitsplätze in Billiglohnländer exportiert. Die Politik darf das nicht zulassen. Bis auf besondere Ausnahmen sollen Industrieprodukte auch in der Region hergestellt werden, in der sie verbraucht werden. Jeder Wirtschaftsraum, z.B. Europa oder Nordamerika, soll weitgehend das verbrauchen, was er produziert. Dann sind die ganzen Ungleichgewichte im Handel und in den Währungsparitäten, und die damit verbundene Übervorteilung der wirtschaftlich schwachen Länder, beseitigt.

  

    Die Erde gehört uns allem gemeinsam

 

         Die Rohstoffe des Bodens, also Metalle, Minerale, Kohle, Erdöl und Erdgas sind nicht Eigentum der Nation, auf deren Gebiet sie zufällig vorkommen, sondern Eigentum der gesamten Menschheit. Sie müssen deshalb in die Verwaltung des Weltbundesstaates übergehen. Er muß darüber wachen, daß die Rohstoffe zu einem angemessenen Preis verkauft werden und daß sparsam mit ihnen umgegangen wird. Der Erlös für die Rohstoffe muß der gesamten Menschheit zugute kommen und zu ihrem Wohl und Nutzen verwendet werden.

  

    Ethische Grundsätze für Weltbürger

 

    Es ist oft von einer moralischen Erneuerung in der Politik die Rede. Die Moral ist ganz einfach: Die Menschenrechte und die Charta der Vereinten Nationen müssen weltweit durchgesetzt werden. Die Natur muß geschont werden und die Früchte von Natur und Arbeit gerecht verteilt werden.

 

    Eine Regierung ist gut, wenn sie in diesem Sinne handelt, eine Regierung ist böse und verwerflich, wenn sie es nicht tut.

 

    Die christliche Religion spricht viel von der Ursünde. Aber sie sagt nicht genau, was die Ursünde ist. Es heißt nur: Sünde ist Ungehorsam gegen Gott.

 

    Worin besteht nun die Ursünde wirklich? Sie besteht darin, daß wir Tiere und Pflanzen töten müssen, um uns zu ernähren. Wir müssen die Natur zerstören, um unsere Städte zu bauen und um unsere Felder anzulegen. Wir müssen Kohlenwasserstoffe verbrennen, Staudämme und Kraftwerke bauen, um uns zu wärmen und unsere Zivilisation am Laufen zu halten.

 

    Die Güter der Erde sind knapp, ebenso die gut bezahlten und angenehmen Arbeitsplätze. Die hohen Posten in Staat und Wirtschaft gibt es nur in beschränkter Zahl. Jeder, der nach Erfolg strebt, kann diesen Erfolg nur erringen, indem er andere verdrängt und aussticht. Dies kann in einer sehr zivilisierten und freundschaftlichen Art geschehen, aber es ändert nichts an der Tatsache, daß wir, allein durch unsere Existenz und unserem legitimen Streben nach Glück und Erfolg, anderen Menschen und anderen Lebewesen Leid und Schmerz bereiten müssen.

 

    Was können wir dagegen tun? Wir können bescheiden werden. Wir können darauf verzichten, mehr zu essen, als wir benötigen. Wir können darauf verzichten, große Häuser und Autos zu haben. Wir können darauf verzichten, jedes Jahr weite Reisen zu machen. Wir können darauf verzichten, mehr Kleider zu besitzen, als wir wirklich brauchen. Wir können darauf verzichten, zuviele Zigaretten zu rauchen und mehr Alkohol zu trinken als uns guttut. Und wir sollten nur dann ein hohes Amt anstreben, wenn wir glauben, daß wir auch die Fähigkeit haben, den Anforderungen gerecht zu werden und bereit sind, die erforderlichen Opfer zu bringen. Wir sollten darauf verzichten, immer mehr Reichtum und Macht anzuhäufen, wenn wir nicht bereit sind, diese Macht und den Reichtum zum Wohl der Allgemeinheit zu verwenden.

 

    Ich weiß, daß derartige Maßhalte-Appelle unbeliebt sind, und daß sie kaum Erfolg haben. Deshalb muß der Staat ein solches Verhalten belohnen und ermuntern. Die Film- und Fernsehindustrie, die Medien und alle diejenigen, die Einfluß auf die Menschen haben, müßen die allgemeinen Werturteile verändern. Nach wie vor gilt derjenige, der sich eine

 

  überschwere Limousine und einen Privatjet leistet, als bewundernswert. Bei vielen Amerikanern ruft allein schon die Nennung einer sehr großen Geldsumme, die jemand besitzt, fast religiöse Scheu und Bewunderung hervor. Dabei: Was ist der, der mit dem Privatflugzeug herumfliegt oder mit Tempo 200 über die Autobahn brettert? Ein erbärmlicher Umweltverschmutzer. Und wie sind die großen Vermögen zustande gekommen? Letztlich dadurch, daß man etwas teuer verkauft hat (z.B. Aktien, Grundbesitz, die Arbeit anderer Leute  usw.), das man vorher billig bekommen hat. Oder man hat die eigene Person verkauft.

 

    Es gibt kaum jemanden, der das moralisches Recht hat, zu behaupten, daß er mehr für die Menschheit leiste als ein guter Arzt oder eine gute Krankenschwester, und daß er auf Grund dieser Mehrleistung auch mehr besitzen, mehr verbrauchen und die Umwelt mehr zerstören darf als die übrigen Menschen.

 

    Ein Weltstaat, der dem nicht Rechnung trägt, wird ein ungerechter Staat sein.

  

    Wirksamer Umweltschutz: nur weltweit möglich

 

    Im Mittelalter gab es die Allmende, das war dasjenige Gemeindeland, das von allen gemeinsam benutzt werden durfte. Das "Drama der Allmende" bestand darin, daß einzelne an er Allmende Raubbau trieben. Dadurch konnte sie persönlichen Vorteil gewinnen, der aber auf Kosten der Allgemeinheit ging. Das Prinzip der Allmende ist: "Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Wo dieses Prinzip nicht überwacht und notfalls mit Gewalt durchgesetzt wird, da beginnt das Drama der Allmende.

 

    Unser ganzer Planet ist heute eine Allmende. Wir beobachten, wie Fischgründe von verantwortungslosen Individuuen oder Nationen hemmungslos leergefischt werden. Wir sehen, wie die Luft und die Meere hemmungslos verschmutzt werden, wie der Regenwald abgeholzt wird usw., usw.

 

    Was nutzt es einer Nation, wenn sie sich strengen Umwelt-schutzbestimmungen unterwirft, wenn dies der Nachbarstaat nicht tut und deshalb billiger produzieren kann? Der Staat, der umweltbewußt handelt, ist der Dumme und wird auf dem Weltmarkt verdrängt. Nur wenn strenge Umweltbestimmungen für alle Nationen verbindlich durchgesetzt werden, hat die Umwelt noch eine Chance. Dies hat auch die Ökologiebewegung begriffen. Wir Weltföderalisten gehen noch einen Schritt weiter. Wir sagen: eine weltweit verbindliche Umweltgesetzgebung muß her. Und wer kann die erlassen? Nur ein Weltparlament. Und wer kann sie überwachen: Eine Weltumweltbehörde. Und wer kann diese einsetzen? Nur eine Weltföderation. Deshalb ist der Weltföderalismus für den Umweltschutz so wichtig.

  

    Das Wohl des ganzen Planeten muß Maßstab sein

   

    Wer für die Erhaltung der Schöpfung und für die Verminderung des Leidens eintritt, steht mit Sicherheit im Einklang mit dem Plan der Schöpfung. Denn es kann nicht der Plan der Schöpfung sein, die Schöpfung zu zerstören oder die Geschöpfe leiden zu lassen.

    Diejenigen, die regieren, dürfen nicht nur ihr eigenes Wohl oder das Wohl ihrer sozialen Klasse, ihres Volksstammes oder ihrer Nation im Sinn haben. Die Menschheit braucht Politiker,  die das Wohl der gesamten Menschheit im Auge haben. Wenn ein Einzelner, eine Gruppe oder eine Nation ihre Belange über die der Menschheit stellt, schadet er sich letzendlich selbst.

    Jeder Einzelne hat ein Bedürfnis nach Versorgung, Pflege, Anerkennung, Freiheit und Glück. Die Interessen der Menschheit stehen dem nicht im Wege. Wenn außergewöhnliche Opfer für die Menschheit verlangt werden, soll dies von Menschen erbracht werden, die sich freiwillig opfern. Wieviele sind schon gestorben, weil sie glaubten: "Süß ist es für das Vaterland zu sterben". Es werden sich auch eines Tages Menschen finden, die für die Menschheit sterben wollen. Und es werden sich noch mehr finden, die für die Menschheit leben und arbeiten wollen.

    Jeder Mensch ist in einen Vertrag hineingeboren, den jeder von uns mit der Menschheit hat. Wir sind verpflichtet, sie zu schützen und ihren Nutzen zu mehren. Und das Gleiche tut sie für uns. Diesen "Sozialvertrag" hat niemand mit seiner Nation geschlossen, sondern mit der gesamten Menschheit. Es gibt keinen deutschen, französischen oder russischen Urvertrag, der die Legitimation der nationalen Herrschaft begründet. Es gibt nur einen ungeschriebenen Vertrag, von dem auch der größte Verbrecher im Grunde seines Herzen weiß. Einen Vertrag, den jeder Mensch mit allen anderen Menschen geschlossen hat, als er auf die Welt kam. Dieser Vertrag lautet: Wir, die Menschheit werden für dich sorgen, solange du lebst. Du aber bist verpflichtet, unsere Menschenrechte zu achten, die Schöpfung zu bewahren, und dem Gemeinwohl zu dienen - solange und soviel, wie es möglich und erforderlich ist.

    In Wahrheit gibt es nur eine Nation, die Nation aller derjenigen, die von einer Mutter geboren sind.

Dieses kleine Heft soll Sie ermuntern, mit uns Weltföderalisten Kontakt aufzunehmen und vielleicht sogar unserer Organisation beizutreten. Die Weltföderalisten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Heute gibt es etwa 30 000  Weltföderalisten, die vor allem in den USA leben. Vorsitzender des Dachverbandes ist der bekannte Schauspieler und UNICEF-Botschafter Sir Peter Ustinov. Einer seiner Stellvertreter ist der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin. In der Schweiz steht an der Spitze der "Vereinigung der Weltföderalisten der Schweiz" der Alt-Nationalrat Prof. Heinrich Ott. Ihm zur Seite stehen Dr. Hägler und Vize-Präsident Schaubacher. Wertvolle Hilfe haben die Schweizer Weltföderalisten durch Frau Dr. Gamma vom St. Katharina Werk in Basel.

In Deutschland ist WFM Germany (World Federalist Movement) aktiv und hat durch seinen Vorsitzenden, dem Journalisten, Autor und Verlagsmanager Stephan Mögle-Stadel, neue Impulse erhalten. Stellvertretende Vorsitzende ist die Politologin Frau Dr. Maja Brauer, die über das Thema "Weltföderation" promovierte. Ehrenvorsitzender von WFM Germany ist Prof. Ossip Flechtheim, der sich als einer der Väter der Futurologie einen Namen gemacht hat. Er hat das Buch "Ist unsere Zukunft noch zu retten?" verfasst. Zweiter Ehrenvorsitzender ist der Rundfunkkorrespondent Peter Coulmas, der das Buch "Weltbürger" geschrieben hat.

 

Zitate

 

    IMMANUEL KANT verfasste 1795 die Schrift "Zum Ewigen

 

  Frieden", die unter Zeitgenossen großes Aufssehen erregte. Er schrieb: "Für das Verhältnis der Staaten untereinander kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem gesetzlosen Zustand, der lauter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie, ebenso wie die einzelnen Menschen, ihre wilde (gesetzlose) Freiheit aufgeben, sich zu öffentlichen Zwangsgesetzen bequemen und so einen Völkerstaat, der zuletzt alle Völker der Erde umfassen würde, bilden."

 

    ALBERT EINSTEIN schrieb 1946: "Es muß eine Weltregierung geschaffen werden, welche Konflikte zwischen den Nationen durch richterliche Entscheidung zu lösen im Stande ist. Diese Entscheidungen müssen auf eine klare Verfassung gegründet werden, welche von den Regierungen und den Völkern gebilligt ist, und welche allein über die Angriffswaffen verfügt. Nur dann kann eine Nation als pazifistisch angesehen werden, wenn sie bereit ist, ihre militärische Macht an die übernationale Ebene abzutreten und auf jeden Versuch zu verzichten, ihre Interessen gegenüber dem Ausland durch Anwendung von Gewalt durchzusetzen".

 

    K'ANG YU-WEI, der Berater des letzten chinesischen Kaisers schrieb im "Buch der großen Gemeinschaft": "Allein schon die Existenz von Einzelstaaten beweist, daß...Streitigkeiten entstehen. Durch das Fortbestehen miteinander verfeindeter Staaten können Kriege und Leid kein Ende nehmen...Das Ziel, der Menschheit Frieden zu bringen, kann somit nicht ohne Abrüstung erreicht werden, und der Wunsch nach Abrüstung kann nicht ohne die Abschaffung staatlicher Souveränität verwirklicht werden...Die Menschen haben zu allen Zeiten immer wieder behauptet, daß es vielerlei Staaten geben müsse...Das ist aber ein verhängnisvoller Trugschluß. Im Gegenteil müssen wir uns jetzt...bemühen, staatliche Barrieren abzubauen...und die Gefahr des Nationalismus bannen...Es gibt keine Alternative als den Abbau staatlicher Barrieren, wenn man die Menschheit retten will...Eines Tages wird die Menschheit eine einzige, große Gemeinschaft sein".

 

    K'ang Yu-Wei sieht in der Überwindung der Staatsgrenzen einen natürlichen Entwicklungsprozess. Er verweist auf die Geschichte: In China gab es 1766 v. Chr. dreitausend Staaten, um 500 v.Chr. waren es zweihundert Staaten; zur Zeit der "kämpfenden Staaten" gab es nur noch sieben Staaten, die Ch'in, der "Urkaiser", im Jahr 221 v.Chr. zu einem Reich vereinte.

 

    "Wenn es gelingt", schreibt K'ang Yu-Wei, "ein Weltparlament zur Durchsetzung einer gemeinschaftlichen Gesetzgebung ins Leben zu rufen, dann werden sich innerhalb weniger Jahrzehnte alle Staaten zusammenschließen. Die Macht der großen Einzelstaaten wird sich dann schrittweise verringern. Durch die Verstärkung demokratischer Organisationsformen innerhalb der Staaten wird die Machtfülle der Regierungen dahinschwinden. Es wird sich dann ein Bundesstaat ähnlich dem amerikanischen bilden...Wenn dieses Stadium erreicht ist, kann die Konstituierung der Weltregierung erfolgen..."

 

    Der indische Weise  SRI AUROBINDU (1872-1950) schreibt in "Das Ideal der geeinten Menschheit": "Trotzdem  spielt die Einigung der Menschheit offensichtlich eine wichtige Rolle im Plan der Natur und muß zustande kommen. Nur muß dies unter anderen Bedingungen geschehen als denen des Imperialismus und

 

  der zentralistischen Großstaaten. Es sind Sicherungen erforderlich, damit die menschliche Rasse in den Wurzeln ihrer Vitalität unangestastet bleibt und reich in ihrer Mannigfaltigkeit im Einssein bleibt".

 

    KARL RENNER, der nach dem Ersten Weltkrieg österreichischer Bundeskanzler und nach dem Zweiten Weltkrieg Bundespräsident war, schrieb 1937 in seinem Buch "Die Nation: Mythos und Wirklichkeit": "Nachdem die Nation einmal den Boden des Rechts betreten hat, gibt es in der menschlichen Entwicklung keinen Halt, bis die Nation in einer internationalen Rechtsordnung unter einer wirksamen höchsten Gewalt eingegliedert ist. Dies ist die neue, kommende, die zweite Phase in der Ideengeschichte der Nation, die Phase, in die sie seit 1919 eingetreten ist. Sie kommt, obwohl sich der Nationalist dagegen wehrt, und obschon zur Stunde alle Dämonen gegen sie losgelassen scheinen...Ja, die Souveränität ist der Feind!...Denn sie verheißt den immer wiederkehrenden Waffengang zwischen den Nationen, ihren niemals endenden Wirtschaftskrieg, die Verstümmelung und Verelendung des ganzen Menschengeschlechts. Beim heutigen Stand der Kriegstechnik gibt es keine Sicherheit außerhalb jener, die Rechtsordnung verleiht. Die Souveränität ist der Feind aller geworden, selbst der Starken."

 

    VICTOR HUGO (1848): "Einst wird kommen der Tag, an dem der Krieg unmöglich sein wird...an dem alle ihr Länder euch zusammenschließen werdet...Ein Tag wird kommen, an dem man eine Kanone im Museum zeigen wird, so, wie man dort heute die Folterwerkzeuge bestaunt und wo man verwundert ist, daß solches hat sein können".

 

    Wir glauben dies und wir wollen dies. Und dieser Glaube und Wille wächst mit jedem Tag, weil immer mehr Menschen ihn teilen - und die Zeit, eine unwiderstehliche Kraft, hilft mit.