Mein ersten Flugblatt
Von
Ich
verfasste 1983 als Landtagskandidat der Grünen ein Flugblatt, mit dem ich die
Freisinger Bürger beglückte. Ich zitierte darin den Erzbischof von Wien,
Kardinal König: "Wir sitzen auf einem Pulverfaß.
Jeder Narr, jeder Verbrecher kann es zünden. Wir reden von Sicherheit und
meinen unsere Sicherheit. Wir reden von Abrüstung und meinen die Abrüstung der
anderen."
In
diesem Flugblatt legte ich schon die Grundzüge meiner Vorstellungen zum Frieden
dar. Ich schrieb: Die Friedensbewegung muß
unparteiisch über den militärischen Blöcken stehen. Wir müßen
unsere Regierungen drängen, auf alle Nachrüstungsprogramme zu verzichten und
ihre Armeen in reine Verteidigungsarmeen umgestalten. Wir müßen
den Menschen im Ostblock glaubhaft beweisen, daß die
Feindbilder, die die KPdSU von uns "westlichen Imperialisten"
entwirft, genauso falsch sind wie das Bild von den "kommunistischen
Aggressoren", die bei uns die CSU verbreitet. Es muß
zu einer wirklichen, kontrollierten Abrüstung kommen. Dazu müssen die
Regierungen eine internationale Kontrollinstanz anerkennen und ihr erlauben, im
eigenen Land alles zu beobachten. Ein weiterer Schritt würde darin bestehen, daß alle Regierungen auf den Besitz und die Anwendung von Massenvernichtungswaffen
verzichten. Konventionelle Waffen dürfen nur soweit erlaubt sein, wie es die
innere Sicherheit erforderlich macht. Das Monopol für militärische Gewalt darf
nur an eine übergeordnete, internationale Instanz haben. Innerhalb der Bundesrepublik
z.B. garantiert der Staat als übergeordnete Instanz den Frieden der Bürger
untereinander. Er hat das polizeiliche Gewaltmonopol und hat allein das Recht,
bei Gesetzesübertretungen Gewalt anzuwenden. Der Bürger darf aber nicht
jedermann mit einem geladenen Revolver bedrohen. Genau das tun aber die
"zivilisierten" Staaten - nicht mit Revolvers, sondern mit
Atomraketen. Weltpolitik wie im Wildwestfilm. Kein Wunder, daß
der ehemalige Hollywood-Schauspieler und heutige Präsident Reagan in seinem
Element ist.
Ein
großes Problem ist noch, diese übergeordnete Instanz daran zu hindern, ihre
Macht zu mißbrauchen. Dieses Problem kann gelöst
werden, wenn wir statt den Waffen die Demokratie weiterentwickeln.
Die
Politiker der einzelnen Staaten werden von sich aus niemals auf die Möglichkeit
der militärischen Gewaltanwendung verzichten und sich einer übergeordneten
Instanz unterwerfen. Deshalb sind sie auch unfähig, jemals einen sicheren
Frieden zu schaffen. Die Völker selbst müßen sich,
über alle Staatsgrenzen und Ideologien hinweg, zusammentun in dem gemeinsamen
Ziel, Frieden zu schaffen. Das ist unsere letzte Chance.
Statt
uns die Schrecken einer russischen Herrschaft über die Bundesrepublik sollten
wir uns lieber die Schrecken eines Atomkrieges auf deutschem Boden ausmalen.
Viele sagen: "Wenn die Bomben fallen, bin ich sowieso gleich tot und merke
nichts davon." Das ist ein Trugschluß. Sofort
tot sind nur die Menschen, die sich im näheren Umkreis der Explosion befinden.
Sogar in Hiroshima haben Menschen überlebt. Die Überlebenden in Freising werden
die Toten in München beneiden. Die Überlebenden werden in einer radioaktiv
verseuchten Welt qualvoll dahinsiechen (und zwar ohne Arzt und Schmerzmittel)
und an Krebs und allen Arten von Krankheiten, an Hunger und Verzweifelung
sterben.
Wenn
Deutschland von den Russen "kassiert" wird, besteht immer noch die
Hoffnung, daß das sowjetische Unrechts-System eines
Tages durch eine Revolution beseitigt wird. Wenn Deutschland aber zur
radioaktiven Wüste wird, dann ist dies endgültig und ohne jede Hoffnung. Selbst
wenn wir alle in einem sowjetischen KZ sitzen würden, würde es immer noch das
Land Bayern mit seinen Landschaften, Menschen und Kunstschätzen geben. Aber
nach einem Atomkrieg würde es garnichts mehr geben.
Deshalb riskiere ich es lieber, meine Freiheit zu verlieren, als ich es
riskiere, daß unser Land und unser Volk vernichtet
wird.
In
Deutschland dürfen keine Massenvernichtungswaffen stationiert sein. Zur Zeit
gibt es in Deutschland 6 000 Atomsprengköpfe, von Giftgas und bakteriologischen
Waffen ganz abgesehen. Durch die neu zu stationierenden US-Raketen wird sich
die UdSSR tödlich bedroht fühlen. Im Kriegsfall wird es ihr vordringlichstes
Ziel sein, diese Waffen mit massiven Atomschlägen zu zerstören. Statt uns zu schützen,
sind die Atomwaffen der eigentliche Grund, daß uns
die atomare Vernichtung droht. "Denn alle, die zum Schwert greifen, werden
durch das Schwert umkommen." Das ist ein Bibelspruch, der einer Partei,
die sich christlich nennet, zu denken geben müßte.
Die Atomwaffen sind der einzige Grund, den Rußland
haben könnte, die BRD in eine atomare Wüste zu verwandeln. Den was für einen
Sinn hätte es für die Sowjets, ein atomar verseuchtes Deutschland zu erobern?
Deshalb
wollen wir, daß der NATO-Doppelbeschluß
zurückgenommen wird. Es muß eine atomwaffenfreie Zone
von Polen bis Portugal entstehen. Ein Austritt aus der NATO ist nicht
unmöglich. Als neutrale Bundesrepublik wären wir sicher davor, zum atomaren
Schießplatz der Supermächte zu werden.
Soweit
mein erstes Flugblatt.