Die Ideen des Peter
Russel
Von
Quellen:
Jim
E. Lovelock: „Unsere Erde wird überleben – GAIA –
Eine optimistische Ökologie“, aus dem Englischen übersetzt von Constanze Ifantis-Hemm,
Heyne-Buch
Nr. 01/7246, erschienen 1982 im Piper-Verlag, ISBN 3-453-01913-X
Titel des Originals (erschienen 1979): GAIA – A New
Look At Life On Earth
Peter
Russel: “Die erwachende Erde – unser nächster Evolutionssprung”, aus dem
Englischen übersetzt von Otto Wilck
Heyne
Sachbuch Nr. 19/160, erschienen 1982 im Heyne-Verlag, München, ISBN
3-453-05106-8
Titel
der englischen Originalausgabe: „The Awaking Earth – The Global Brain“
Andreas
Giger: „Vom Chaos zur Ekstase“, erschienen 1990 im
Rowohlt-Taschenbuch-Verlag Hamburg, 1280-ISBN 3 499 18730 2
PAN GAIA – Zeitschrift für ein neues
Weltbürgerbewusstsein
Herausgegeben
von Richard Maxheim von 1995 bis 1999
1. Die GAIA-Hypothese von Jim E. Lovelock
Lovelock stellt fest: Wenn man die Kriterien, durch
die sich Lebewesen von unbelebter Materie unterscheiden, auf den Planeten Erde
anwendet, zeigt es sich, dass die Erde unter die Kategorie „Lebewesen“ fällt.
Die Erde hat sich z. B. eine Biosphäre geschaffen, welche Temperatur und
Zusammensetzung der Erdatmosphäre genau reguliert, so wie Lebewesen
Köpertemperatur und Stoffwechsel regulieren.
Die Erde ist ein selbstorganisierendes System.
2. Die Global-Brain-Theorie von Peter
Russell
Aufbauend auf Lovelocks Gaia-Hypothese sagt Russel: Das Leben schreitet von
einfachen zu immer komplexeren Formen fort. Die Strukturen werden immer
differenzierter und die Einzelteile sind immer mehr miteinander verbunden und
organisiert. Der vorläufige Höhepunkt dieser sich immer mehr beschleunigenden
Entwicklung ist der Mensch und die menschliche Zivilisation. Die Entwicklung
geht aber nicht mit gleichbleibend beschleunigtem Tempo voran, sondern es gibt
Evolutionssprünge. Die Menschheit befindet sich zu Zeit in einem solchen
Evolutionssprung: Das Informationsszeitalter ist
angebrochen, das letztlich dazu führen wird, dass der Planet Erde mit einem
globalen Gehirn ausgestattet ist. Die Gedanken Teilhard de Chardins
aufgreifend, dass die Menschheit auf dem Weg zur Vereinigung der gesamten
Spezies zu einer einzigen Gruppe mit interaktivem Denken ist, erwartet Russel,
dass sich die Menschen zu einem „globalen sozialen Superorganismus“
zusammenschließen und ein integriertes planetares Bewußtsein
entwickeln. Dies wird nach seiner Ansicht dann eintreten, wenn sich die
Erdbevölkerung bei 10 etwa Milliarden Menschen stabilisiert hat.
Aus der integrierten geistigen Interaktion von Milliarden
bewusster Wesen soll nach Russel ein planetares Bewußtseinsfeld
entstehen, das GAIA-Feld. Dadurch wird der Planet
Erde erwachen und zu einem planetaren Bewußtsein
erwachen.
Unglücklicherweise befinden wir uns in einer gefahrenträchtigen
Übergangsphase. Aber Krisen können auch die Evolution beschleunigen.
Vorraussetzung für das Entstehen des planetaren Bewusstseinsfeldes
ist, dass sich die mentale Einstellung des Menschen ändert. Der heutige Mensch
sieht sich als von der übrigen Welt getrenntes Selbst. Der Philosoph und
Theologe Alan Watts spricht vom „hautverkapselten Ich“. Der Mensch
unterscheidet klar zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“. Das Gegenteil dieser
Betrachtungsweise ist das Selbstbild der Mystiker und Yogis: In Wirklichkeit
gibt es nur ein kosmisches Selbst, das mit der übrigen Schöpfung eins ist: Atman ist Brahman.
Die heutigen Probleme der Menschheit sind auf den Egoismus der
menschlichen Individuen zurückzuführen, welche den eigenen Vorteil über das
Gesamtwohl des Planeten stellen. Hier
fordert Russell einen Paradigmenwechsel. Der ist nur denkbar, wenn die Menschheit
eine höhere Bewusstseinsstufe erlangt.
Russell greift die Formulierung Lovelocks
auf, der in der heutigen Menschheit ein „planetares Krebsgeschwür“ sieht. Um
den Krebs zu heilen, muß sich Menschheit innerlich
weiterentwickeln und erkennen, dass sie mit der Schöpfung eins ist.
Als ein Mittel zu Erlangung des kosmischen Bewusstseins sieht
Russell die Meditation an. Durch Meditation soll der Mensch sein
„Ichbewusstsein“ auslöschen und das „kosmische Bewußtsein“
erlangen.
Da zunächst nur sehr wenige Menschen das kosmische Bewusstsein
erlangen, schlägt Russell vor, technische Methoden wie das Biofeedback
heranzuziehen bzw. zu entwickeln, um so das kosmische Bewusstsein allmählich zu
immer größerer Verbreitung zu bringen.
Russell hofft, dass mit einer steigenden Zahl der Menschen mit
höherem Bewusstsein immer mehr Normalmenschen sich anschließen werden. Russell
glaubt, dass schon eine kleinere Zahl von Menschen mit höherem Bewusstsein auf
irgendeine magische Art ihr Bewusstsein auf die übrigen Menschen übertragen
kann.
Hier begibt sich Russell dann auf das Gebiet der Parapsychologie
und der außersinnlichen Wahrnehmung und Telepathie. Er meint, dass zwei
Menschen, die gleichzeitig meditieren, sich gegenseitig unterstützen können,
eine tiefere Versenkung und einen höheren Bewusstseinszustand zu erlangen.
Russell greift auf die Theorie des „morphogenetischen Feldes“ von
Rupert Sheldrake zurück (Rupert Sheldrake:
„A New Science of Life“). Wenn einmal auf der Welt etwas erschaffen oder
entstanden ist, ist dadurch ein morphogenetisches Feld entstanden, das es
erleichtert, dass dieser Vorgang auch irgendwo anders stattfindet. Wenn also
einige Menschen das kosmische Bewusstsein erreicht haben, wird es für andere
Menschen leichter sein, es ihnen nachzutun – dank des morphogenetischen Feldes.
Wenn die Zahl der Menschen, die das kosmische Bewusstsein erreicht haben, eine
bestimme „kritische Masse“ überschreitet, wird sich das kosmische Bewusstsein
sehr schnell allgemein ausbreiten – hofft Russell.
Russel macht bei dem planetaren Bewusstsein nicht halt. Die Erde
wird andere Planeten zum Erwachen bringen und es wird ein Superorganismus von
miteinander kommunizierenden und sich integrierenden Planeten entstehen, die
ein galaktisches und schließlich ein kosmisches Bewusstsein entfalten.
Russells „Global Brain“ ist also letztlich ein System von Milliarden von Menschen, die intensiv miteinander kommunizierend (möglicherweise auch durch Telepathie) eine Art Supergehirn bilden. Der Übermensch ist nicht der einzelne Mensch, sondern die gesamte Menschheit. Der einzelnem Mensch unterschiedet sich aber von dem heutigen Menschen dadurch, dass er das planetare und kosmische Bewusstsein erlangt hat und deshalb nicht seine egoistischen Interessen, sondern das Wohl der Gesamtheit in den Vordergrund stellt.