Eure Gebete sind
nutzlos
Ein Manifest der
Vernunft
Kontakt:
Hört ihr
Weltverbesserer und mit Schuldgefühlen Beladene:
Wenn man alle
Folgen einbezieht, dann kann niemand durch Worte und Taten bewirken, dass es
weniger Leid und mehr Glück im Universum gibt, denn die Summe aller Freuden und
Leiden bleibt, global betrachtet, immer gleich.
Kein Gandhi und
kein Albert Schweitzer hat die Welt als
Ganzes besser gemacht, und kein Hitler und kein Stalin hat die Welt als Ganzes
schlechter gemacht. Es gibt keine Schuld und kein Verdienst des Menschen, und
keiner wird von Gott weder im Diesseits noch im Jenseits für seine guten und
schlechten Taten belohnt bzw. bestraft. Gott ist gegenüber seinen Geschöpfen
gleichmütig. Daß Gott gnädig und voll Erbarmen ist,
entspringt dem Wunschdenken der Gläubigen, das durch jede Tragödie täglich aufs
Neue widerlegt wird. Liebe macht blind; der Glaube auch, denn beide sind
miteinander verwandt. Habt ihr schon einmal gehört, wie ein junges Mädchen von
Jesus geschwärmt hat ? Ihre Liebe und ihre Gefühle
müssen irgendwo hin – da warf sie sie auf Jesus, den idealen Mann. „Jesus erwidert
meine Liebe“, sagt sie, Jesus liebt auch dich.“ Das ist alles wunderbar – aber
leider ist es nicht wahr. Jesus kann Dich nicht lieben, denn er ist seit fast
2000 Jahren tot.
Alles, was
der Mensch tut, hat nicht nur gute, sondern auch schlechte Folgen, und beides
hält sich auf ewig die Waage. Du rettest ein Kind vor dem Hungertod, aber es
nimmt anderen Menschen die Nahrung und Ressourcen weg oder tötet gar einen
anderen. Eine schöne Frau stirbt in jungen Jahren, aber sie hätte vielleicht
einen Sohn geboren, der viele Menschen unglücklich gemacht hätte.
Hört ihr gläubigen Beter:
Ja, es gibt
einen Gott. Aber er ist durch Gebete, Opfer und Lobgesänge, durch Wallfahrten
und Wohlverhalten, durch Gelübde und gute Taten, durch magische Rituale und
magische Worte nicht zu beeinflussen. All Eure Versuche, Gott zu
manipulieren, ihn für Eure Zwecke nutzbar zu machen, sind sinnlos und ohne
Erfolg. Gott ist auch keine Person, zu der man irgendeine persönliche Beziehung
aufbauen kann. Eure Bettelei, eurer Egoismus, der auf Belohnung hofft, Eure
Furcht vor der Bestrafung – all dies ist ohne realen Grund, denn das Göttliche,
das Tao, entzieht sich jedem Kontakt, jeder Beschreibung und jeder
Beeinflussung. Das Tao ist weder gut noch böse, oder alles in einem.
Als die Menschen begannen, zu beten und Gott
durch laute Lobgesänge zu preisen, hallte der Himmel schon bald von diesem Lärm
wieder. Gott erwachte aus seinem Mittagschlaf und rief: „So eine Unverschämtheit ! Wer stört hier die himmlische Ruhe ?“ Und nach einer kleinen Denkpause fügte er hinzu:
„Was wollen diese Leute eigentlich ? Soll ich in den
göttlichen Plan eingreifen, um ihn nach ihren Wünschen zu ändern
? Soll ich für sie Wunder vollbringen und meine eigenen Naturgesetze aufheben ?“
Er rief den Erzengel Michael zu sich und
sagte: „Ich verfüge hiermit, dass Gottesbelästiger ab
sofort lebenslang in die Unterwelt verbannt werden.“ Und als Sofortmaßnahme
leitete Gott den Lärm der Gebete und Lobgesänge in die Hölle um.
Bald schon erfüllte der Lärm der Beter die gesamte
Unterwelt und der Teufel rief: „Das ist ja hier die Hölle !
Er rief den obersten Bau-Teufel zu sich und beauftragte ihn: „Bau in meinen
Palast Lärmschutzfenster ein ! Mir ist es überaus
lästig, dass man zu mir betet.“
Dann griff der Teufel zum roten Telefon und
rief bei Gott an: „Die Umleitung der Gebete und Lobpreisungen in meinen
idyllischen Ort war ein überaus unfreundlicher Akt. Ich möchte hiermit in aller
Form protestieren.“
Gott antwortete: „Leider muß
ich Dir mitteilen, dass ich soeben verfügt habe, dass alle Beter und Lobhudeler lebenslang in Dein Reich verbannt werden.
Außerdem habe ich ihnen als Verschärfung der Strafe das ewige Leben geschenkt.“
Von da an herrschte zwischen Gott und dem
Teufel eine erbitterte Feindschaft.
Nachdem im Himmel wieder himmlische Ruhe
herrschte, wurde es Gott langweilig und er sagte zum diensthabenden Engel:
„Bring mir doch ein paar Atheisten. Ich möchte mit ihnen darüber diskutieren,
ob es mich wirklich gibt“. Und Gott amüsierte sich bei dieser Diskussion so köstlich,
dass er beschloss, nur noch Atheisten, Agnostiker, Marxisten, Sozialisten und Anhänger
der Lehre von Laotse in den Himmel aufzunehmen. „Die lassen mich wenigstens in Ruhe !“ begründete er diesen Schritt.
Auch der Teufel hatte in seinem schalldichten
Palast schon bald Langeweile, und er sagte dem diensthabenden Teufel: „Bring
mir doch ein paar Päpste. Wir werden uns ein paar romantische Liebesfilme
anschauen und anschließend über das Zöllibat
diskutieren.“
Und der Teufel amüsierte sich köstlich und
verfügte, dass er von nun an immer ein paar Päpste um sich haben wollte.
Gott schreibt
keine Heiligen Bücher und sendet keine Botschaften
Wenn jemand
sagt, er glaube daran, dass die Worte Gottes in einem heiligen Buch
niedergelegt seien, dann sei Dir bewusst, dass hier jemand versucht, Dich zum Narren und zum gehorsamen
Diener zu machen. Sei Dir bewusst, dass dies ein Angriff auf Deine Freiheit,
Deine Würde, Deinen inneren Frieden und nicht zuletzt auf Deinen Geldbeutel
ist. Vor Dir steht entweder ein naiver Mensch, der es noch nicht geschafft hat,
erwachsen zu werden, oder aber er ist ein gerissener Religionsprofiteur,
der seinen Machtwillen und seinen Egoismus geschickt vor sich und anderen verbirgt.
Er versucht nämlich, sich auf Gott berufend, Dir Vorschriften zu machen, was Du
tun sollst, er will sich in Dein intimes Leben einzumischen und Dir die
Lebensfreude durch Drohungen mit der Strafe Gottes zu rauben.
Er wird auch
einen süßen Köder auswerfen und sagen, dass Gott Wunder vollbringt und Deine Gebete
erhört, wenn Du nur fest an ihn glaubst und seine Gebote hältst. Aber es geht
ihm nicht um Deinen Nutzen, sondern um seinen eigenen. Die Religion ist für ihn
eine Möglichkeit, zu Ansehen und Respekt zu kommen und eine gehobene soziale
Position einzunehmen. Seine Religion gestattet ihm, immer recht zu haben und
selbst Menschen, die älter und wissender sind als er, zurechtzuweisen und ihnen
zu sagen, was sie tun sollen. Er meint, die ganze Welt zu verstehen, weil er in
einem heiligen Buch gelesen hat. Aber wenn du nur einen Hammer hast, ist alles
für dich ein Nagel.
Diese selbst
ernannten Verkünder des Göttlichen Willens glauben zu wissen, was Gott denkt
und will. Sie erzählen Geschichten von Wundern und von Heiligen und können
womöglich Bibel oder Koran auswendig hersagen. Aber ihr Wissen ist ein
Pseudowissen, das nichts über die Wahrheit aussagt, sondern nur ein Stück
Literatur ist, eine Erfindung, ein Märchen. Sie wissen nichts über Gott und das
Jenseits, weil beides für Menschen unerforschbar ist. Ihre Garanten der
Wahrheit, ihre Propheten sind schon lange tot. Moses, Jesus und Mohammed haben
kein einziges selbst geschriebenes Wort
hinterlassen. Alles, was sie sagten und taten, wurde erst später
aufgezeichnet und noch später zu heiligen Büchern zusammengefasst– oft von
Menschen, die sie gar nicht mehr
persönlich kannten. Auch Paulus hat Jesus nie persönlich gesehen. Auf der Straße nach Damaskus hatte er eine Vision,
auf deutsch: einen Traum. Und Träume oder durch
Hunger, Schlagentzug und religiöse Hysterie ausgelöste Halluzinationen waren es
auch, in welchen Gott oder ein Engel den großen Religionsstiftern und Propheten
erschien. Sie hielten sich auserwählt, im Auftrag Gottes zu handeln, aber sie
litten nur an einer Psychose.
Die Transsubstantiation
Gott sprach zu Jesus: „Du hast so dunkle Ringe
unter den Augen und Du bist so blass. Geht es Dir nicht gut
?“
„Nein“ sagte Jesus, „es ist er Transsubstantiations-Stress !“Beim Heiligen Abendmahl
sprechen die Priester folgende Formel, während sie die Oblaten in meinen Leib
und den Wein in mein Blut verwandeln:
‚Nehmet, esset, dies ist mein Leib, der für Euch gebrochen wird. Nehmet, trinket,
dies ist mein Blut, das für Euch vergossen wird.’ Und mit Hilfe dieses
Hokuspokus („Hoc est corpus
meus – dies ist mein Leib“) muß
ich dann erscheinen und mich in Wein und Oblaten verwandeln.“
Gott sagte: „Also so ähnlich wie der Geist,
der erscheint, wenn Aladin seine Wunderlampe reibt.“
Jesus sagte: „Ja, genauso !“
Gott sagte: „Und anschließend wirst Du in einem
rituellen Kannibalenmahl verspeist.“
„Exakt !“, sagte
Jesus.
Und Gott sprach zu Jesus: „Jetzt leg Dich erst
mal für drei Tage ins Bett und erhole Dich.“
Nach drei Tagen wecke Gott Jesus auf und sagte
zu ihm:
„Ich habe über die Sache nachgedacht und habe
folgenden Beschlüsse gefasst:
Jeder, der sich anmaßt, in meinem Namen
magische Handlungen zu vollbringen, oder zu behaupten, in meinem Namen zu
sprechen oder meinen Willen zu vollziehen, wird mit Höllenqualen nicht unter
zwei Minuten, maximal aber fünf Minuten bestraft. Ebenso jeder, der mich als
grausamen Sadisten darstellt, indem er behauptet, ich würde die Sünder auf ewig
im Höllenfeuer schmoren lassen.“
Und er fügte leicht verärgert hinzu: „Ich
verstehe nicht, wie Du Dich als gläubiger Jude
für diese heidnischen Zauberei hast einspannen lassen.“.
Jesus hat
tatsächlich gelebt, aber er ist schon lange tot, weil er nur ein sterblicher
Mensch war.
Obwohl es
keine brauchbaren außerchristliche Beweise dafür gibt, dass Jesus wirklich
gelebt hat, und obwohl der Bericht des Flavius Josephus in den entscheidenden
Sätzen gefälscht wurde, kann man davon ausgehen, dass Jesus tatsächlich eine
historische Person war. Er war nicht nur
eine literarische Metapher für die Liebe Gottes ist und wurde tatsächlich gekreuzigt.
Die schlechte Nachricht für Christen ist: Jesus ist tot – gleichgültig ob er am
Kreuz gestorben ist oder die Kreuzigung als Scheintoter überlebt hat, denn auch
Scheintote sterben früher oder später einmal. Jesus ist nicht in den Himmel
hinaufgefahren, er sitzt nicht zu rechten Hand Gottes und er ist nicht die
Fleischwerdung Gottes. Er war nur ein sterblicher
Mensch, der von den jüdischen Autoritäten den Römern übergeben wurde, weil zu
fürchten war, er würde einen Volksaufstand auslösen. Ein solcher Volksaufstand
fand dann tatsächlich einige Jahrzehnte später statt und führte zu der Zerstörung
von Jerusalem, zur Auflösung israelitischen Staates und zur Vertreibung der
Juden.
Man muß nicht, wie Nietzsche, Gott für tot erklären. Das führt
zu nichts, denn die Existenz Gottes kann weder bewiesen noch widerlegt werden.
Auf diesem Schlachtfeld der geistigen Auseinandersetzung kann niemand den Sieg
davontragen. Niemand kann beweisen, dass Gott tot ist, und instinktiv sträubt
sich jeder Mensch dagegen, zu glauben, dass diese Welt keinen Schöpfer,
Gestalter und Erhalter haben soll.
Der wunde
Punkt jeder Religion sind nicht ihre Götter, sondern ihre Verkünder. Dass Jesus
ist tot, das ist leicht nachzuvollziehen, weil alle Menschen bis heute
sterblich sind. In einer fernen Zukunft kann sich das ändern. Aber bisher ist
noch jeder Mensch gestorben. Deshalb ist die Aussage, dass Jesus gestorben ist,
eigentlich eine unbezweifelbare Selbstverständlichkeit.
Seine
Anhänger haben Jesus zu einem Gottkönig erklärt (nach dem Vorbild des
ägyptischen Pharao oder des römischen Kaisers). Das war in der Antike und im
Orient so üblich, und auch die Chinesen hielten ihren Kaiser für ein göttliches
Wesen.
Alle
gläubigen Juden, Christen und Moslems (unter diesen besonders die Schiiten)
hoffen darauf, dass möglichst bald das Reich Gottes, also ein von einem
Messias, einem Gottkönig regierter Gottesstaat kommen wird. Das wäre das Ende
der Demokratie und des freien Menschseins. Es gäbe keine natürlich denkenden
und fühlenden Menschen mehr, sondern nur noch gläubige Diener Gottes und seiner
menschlichen Stellvertreter. Das ist ganz weit weg von dem, was das Wesen unserer
griechisch-abendländische Kultur ausmacht. Unsere Zivilisation ist durch den
Widerstand und durch die Überwindung der altorientalischen Religionen und
Despotien entstanden. Gewiß, die Fundamente der Zivilisation
wurden im Orient gelegt. Aber erst dadurch, dass wir die alten Lehren in Frage
stellten und zu neuen Ufern aufbrachen, ist das Morgenland entstanden.
Die alten
Griechen haben es abgelehnt, vor dem persischen Großkönig die Proskynese zu machen, das sich Niederwerfen in den Staub
vor dem Antlitz des mächtigen Herrschers.
Die Proskynese lebt noch in der Priesterweihe
fort, wo sich der werdende Priester vor dem Altar auf den Bauch legt, und auch
das Niederwerfen der Moslems vor ihrem Gott und das in die Knie Gehen der
Katholiken ist die Proskynese in symbolischer Form. Aber
Gott ist kein Großkönig und der Mensch ist kein Untertan, auch nicht der
Untertan Gottes und seiner irdischen Stellvertreter. Die sind es nämlich,
welche diese Unterwerfung fordern. Daß Gott diese
Unterwerfung fordert, das kann niemand beweisen, denn die heiligen Texte sind
keine Beweise, sondern nur Menschenwort.
Gott hat den
Menschen erschaffen so, wie er ist, und der Mensch handelt nach der ihm
eingegebenen Gesetzmäßigkeit. Wir kennen den Plan und die Gesetzmäßigkeit
nicht, aber es steht zu vermuten, dass der Plan nicht darin besteht, die
Menschen glücklich zu machen. Das hätten wir nämlich in langen Verlauf der
menschlichen Geschichte schon gemerkt . Der Plan muß ein anderer sein, und mir scheint es, der Plan ist: immer
komplexere biologische, soziale und technische Gebilde zu schaffen. Der Mensch
hat dabei eine wichtige Aufgabe. Aber eines Tages wird er nicht mehr gebraucht
werden. Aber jetzt wird er noch gebraucht, damit das, was nach ihm kommt,
entstehen kann.
Die Religion ist
nicht in der Lage, den Menschen eine einheitliche und allgemeinverbindliche
Antwort zu geben, wie er sich verhalten soll und wie er seine Gesellschaft und
seine Politik ordnen soll. Es stimmt nicht, dass die religiösen Normen
unveränderlich und für alle Zeiten gültig sind. Jede lebendige Religion
reagiert auf den Zeitenwandel, ja sogar den Zeitgeist; die Religion der Mehrheit passt sich an die
veränderten Umstände an, aber die fundamentalistischen Minderheiten sind noch
konservativer als die althergebrachte Religion. So ist der christliche und
islamische Fundamentalismus eine trotzige Reaktion gegen die Dominanz des
westlichen, aufgeklärten Denkens. Aber kann dieses in den alten Orient
zurückgewandte Denken brauchbare Verhaltensnormen für den heutigen Menschen bieten ? Können Normen und Haltungen heute noch verbindlich
sein, die auf die patriarchalischen und kriegerischen Traditionen von
räuberischen Nomadenvölkern, wie sie die Israeliten und Araber waren, als die
Fundamente ihrer Religion gelegt wurden, noch Maßstab für eine urbane, auf
Zusammenarbeit und friedliches Zusammenleben angewiesene Gesellschaft sein ?
Die Christen
werden mir nun entgegenhalten, dass Jesus Nächstenliebe und Vergebung gepredigt
hat. Das ist richtig, denn Jesus lebte in einer Zeit, welche von der
hellenistischen Kultur geprägt war. Und noch mehr gilt dieses Verwurzeltsein in der römisch-griechischen Zivilisation für
den Apostel Paulus, welcher der eigentliche Begründer des Christentums war.
Aber der Kern der christlichen Aussage ist, dass die Herrschaft Gottes
unmittelbar bevorsteht. Insofern muß man sagen, dass
die christlichen Fundamentalisten vom Typ der Zeugen Jehovas den wahren Gehalt
der Botschaft Jesu richtig interpretieren. Aber die Kalamität ist, dass schon
Jesus und Paulus vergeblich hofften, dass das Reich Gottes noch zu ihren
Lebzeiten kommen würde. Und Jesus Christus konnte es auch nicht durch sein
Selbstopfer herbeizwingen. Eine Religion, die in ihrer Kernaussage davon
ausgeht, dass schon in naher Zukunft die Welt vernichtet wird und dass nur die
Auserwählten Gottes überleben und herrschen werden, kann doch nicht im Ernst
erwarten, dass ihre moralischen Maßstäbe für eine auf Dauer und Nachhaltigkeit
angelegte Politik verbindlich sein können !
Die Botschaft
Christi war nämlich: Kümmert Euch nicht um das Morgen, den morgen wird die Welt
untergehen. Verschenkt eure Besitztümer und tut gute Werke, damit ihr zu den
Auserwählten gehört ! Kann das Grundlage einer Moral sein ? Viele Mensche werden nämlich aus dieser Situation des
baldigen Weltuntergangs den Schluß ziehen, dass es
klüger ist zu saufen und zu huren, sein Geld zu verschleudern und die Gesetze
zu übertreten. Wenn morgen die Welt untergeht, ist eine lebenslängliche
Haftstrafe keine Drohung mehr und Disziplin, Ordnung und Moral sind dahin.
Mohammed hat diesen Glauben an das Gericht Gottes, den Weltuntergang und die
Belohnung der Gläubigen im Himmel übernommen, und besonders die Schiiten haben
ihn kultiviert, denn dieser Glaube stammt ja aus dem persischen, von
Zarathustra und Mani geprägten Kulturkreis. Jeder
Selbstmordattentäter glaubt daran, schon gleich nach seinem Attentat ins
Paradies zu kommen. Der Fundamentalismus ist kein Irrläufer der
jüdisch-christlichen Lehre vom Weltuntergang und der Auserwähltheit der
Gläubigen, sondern er ist die Essenz und der Kern dieser Religion.
Wenn Dir also
jemand sagt, für ihn seien die christlichen oder islamischen Grundwerte
verbindlich, so betrachte ihn als einen Feind der Menschheit und der
Menschlichkeit. Sie sind nicht die Guten, wie sie selbst glauben, und die
Almosen und die Wohltaten, welche diese Religionen dem Volk darbringen, werden
nicht ohne den Hintergedanken verteilt, die Menschen für die Verkünder der
Religion einzunehmen und sie als Wohltäter des Volkes dastehen zu lassen. Aber
Glaubensgemeinschaften sind keine Sozialkassen und keine staatlichen
Institutionen, die einzig die Aufgabe haben, den Menschen zu helfen, sondern
sie sind geistige Kampforganisationen, denen das Soziale nur als Mittel dazu
dient, neue Anhänger zu rekrutieren.
Wenn Dir jemand
sagt, dass die Religion Kunst und Kultur in unvergleichlichem Maße gefördert hätten,
so glaube ihm nicht ! Die Religion hat die Kunst immer
behindert und gegängelt – bis hin zur Bilderstürmerei. Gewiß,
die Kirche gab viele Kunstwerke in Auftrag, aber die Künstler durften sich
nicht entfalten und lieferten oft nur Mittelmaß oder noch schlechteres ab. In der
Zeit von der Französischen Revolution bis 1914 sind hundertmal mehr qualitativ
hochstehende Kunstwerke erschaffen worden als im ganzen Mittelalter, als die
Kirche den Kunstmarkt dominierte.
Du wirst
jetzt vielleicht sagen: Wenn der Wille Gottes und seine Gebote für das
menschliche Verhalten unerforschlich sind, und wenn jede Handlung Gutes und Böses
gleichzeitig bewirkt, wie können wir dann überhaupt sagen, was gut und böse ist
und was verbindliche Norm für uns sein soll ? Wird uns
da nicht der Boden unter den Füßen weggezogen und wir verharren in
Ratlosigkeit? Die Antwort ist: was gut und was böse ist, darüber entscheiden
der Nutzen und das Glück der gesamten Menschheit. Die Menschen können nicht
tolerieren, dass jemand andere Menschen ermordet, verwundet oder beraubt. Also
müssen Mord, Körperverletzung und Raub verboten sein. Um das zu erkennen, dazu
braucht es keine religiöse Autorität, und auch zur Begründung und Durchsetzung
der Gebote, die den Menschen schützen, braucht es keinen Propheten und
Schrifttafeln, die Gott den Menschen angeblich gegeben hat.
Ist nicht schon das erste und wichtigste der
Zehn Gebote entlarvend: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben !“?Hier zeigt sich doch schon, worum es den religiösen
Gesetzgebern wirklich geht: Um ihre Interessen (die Sicherung Ihrer
Monopolstellung).
Die
Begründung jeder Moral und aller Rechtsnormen ist der Nutzen, die Sicherheit
und das Glück der möglichst großen Zahl von Menschen. Schlimmer noch, die
Religionen und die Ideologien und ihre Führer haben oft genug gegen diese
Normen verstoßen, weil sie behaupteten, dass ihre religiösen oder ideologischen
Gesetze und Aufträge über den Interessen der Menschen stehen. Aber die Basis
jeder Rechtsnorm muß der Mensch sein – aber nicht als
Individuum, sondern als eine große Gemeinschaft, die ein ganzes Volk oder
besser noch, die gesamte Menschheit umfasst.
Der Mensch
als Einzelperson ist schwach, kriminell, töricht und unreif. Aber das
Kollektiv, die große Vielzahl unterschiedlich denkender und handelnder Menschen
ist voll Weisheit und Intelligenz. Das Kollektiv ist nicht die dumpfe Masse, zu
der sie der einzelne Diktator machen will (und was ihm leider oft genug
gelingt), sondern es ist eine Gemeinschaft, in der die Meinungen widerstreiten
und in der man um die rechte Entscheidung ringt. Ein solches Kollektiv ist
klüger als das klügste seiner Mitglieder.