Die sanfte Herrschaft des Kollektivs

Von Richard Beiderbeck    www.bundesnarr.de    www.koinae.de   Email: beiderbeck@aol.com

 

Ich fordere den Überwachungsstaat. Aber den sanften, demokratischen. Ich fordere eine neue Art der Demokratie, welche die Möglichkeiten des Internets nutzt. Ich fordere den Weltstaat, aber nicht die Weltdiktatur. Ich fordere das exakte Gegenteil der Diktatur, nämlich die Herrschaft aller über alle.

Ich fordere revolutionäres. Aber nur auf meiner Webseite „Bundesnarr“. Ich will kein Revolutionär sein. Das ist mir zu mühsam und gefährlich. Ich überlasse die Revolution der technischen Entwicklung. Sie ist die große Revolutionärin, der keiner widerstehen kann.

 

Die Sprache macht das Kollektiv. Das Kollektiv macht den Menschen

 

Worin unterscheidet sich der Mensch vom Tier ? Es ist die Sprache.

Durch die Sprache bildet der Mensch mit anderen Menschen ein Kollektiv. Die Menschen tauschen Wissen und Ideen aus und können ihre Entscheidungen und Handlungen koordinieren.

 

Der Mensch tritt als Kollektiv auf. Jedes Lebewesen, das auf  die menschliche Spezies trifft, bekommt es früher oder später mit dem Menschen als Kollektiv zu tun. Der Mensch als Individuum ist zwar nicht gerade dumm oder schwach, aber erst im Kollektiv besitzt er die überlegene Intelligenz und Macht, die ihn zu Herrscher über diesen Planeten gemacht hat.

 

Das Wort „Kollektiv“ hat einen denkbar schlechten Ruf. Es erinnert an DDR und Kommunismus, an Diktatur und Totalitarismus. „Der Einzelne ist nichts, das Kollektiv ist alles !“. Solche Sprüche sind in übler Erinnerung. „Es gibt kein kollektives Gehirn“ sagt Gary Cooper in einem alten Film. Gemeint ist, dass der Mensch als Individuum allein über Intelligenz und Kreativität verfügt, während die dumpfen Massen nur stumpfsinnig einem Führer folgen.

 

Das Kollektiv ist etwas Positives, auch wenn das Wort negativ besetzt ist

 

Ich verstehe das Wort Kollektiv natürlich anders als die Stalinisten und Nazi’s. Meine alltägliche Erfahrung ist, dass das Kollektiv weit intelligenter und auch humaner ist als das Individuum. Ein kleines Beispiel: Die Straßenverkehrsordnung wurde von einem Kollektiv erlassen. Aus den Erfahrungen des Kollektivs hat sich nämlich ergeben, dass die Einhaltung von Regeln im Straßenverkehr für alle besser und sicherer ist. Wenn man als Autofahrer die andern Teilnehmer am Straßenverkehr beobachtet, merkt man schon bald, wie dumm, kriminell und gefährlich Individuen sein können.

 

Das Wort Kollektiv ist durch die totalitären Regime in Misskredit geraten. Schuld daran ist aber nicht das Phänomen „Kollektiv“, sondern die Phänomene „Diktatur“ und „Totalitarismus“;  hier verfügen die Individuen an der Spitze über unbeschränkte Macht und können ihren Wahn und ihre Bösartigkeit ausleben, ohne dass sie das Kollektiv in die Schranken weisen kann. Die unbeschränkte Macht verdanken sie dem Phänomen „Hierarchie“. Erst mit Hilfe der von ihnen dirigierten Hierarchie gelingt es ihnen, große Menschenmassen unter Kontrolle zu halten und sie zu lenken. Der Diktator an der Spitze ist die logische Konsequenz jeder Hierarchie. In der Hierarchie wird das Kollektiv von dem Individuum (oder der Gruppe) an der Spitze kontrolliert. Aber eigentlich müsste doch das Kollektiv die Individuen an der Spitze kontrollieren.

 

Diesen Gedanken hat sich die Demokratie zu eigen gemacht und durch Wahlen, Gewaltenteilung, Föderalismus usw. erreicht, dass das Individuum an der Spitze seine Macht nur begrenzt und nur auf Zeit ausüben kann. Das ist eine erheblich Verbesserung, aber noch nicht das Nonplusultra. Es wäre ja auch eine Gesellschaft denkbar, in der es überhaupt keine Hierarchien gibt und in der alle Macht in den Händen des Kollektivs liegt. Das ist nicht dasselbe wie Anarchie. Die Anarchisten wollen eine Gesellschaft, in der überhaupt keine Macht ausgeübt wird und sich jeder selbst überlassen bleibt. Sie fordern: „Keine Macht für niemand !“ Das endet dann in der Praxis so, dass man schon bald das Chaos satt hat und nach einem „starken Anarchen“ ruft.

 

Omnikratie: Die sanfte Herrschaft des Kollektivs

 

„Alle Macht für alle !“, ist dagegen der Grundgedanke der Herrschaft des Kollektivs. Ich nenne diese Herrschaft des Kollektivs „Omnikratie“, die „Herrschaft aller“.

 

Wir haben ja  in der BRD schon die Demokratie, die Herrschaft des Volkes. Wir sind das Volk. Aber wir herrschen nicht. Das tun andere für uns, nämlich unsere Volksvertreter, welche die Gesetze machen. Aber auch sie üben keine direkte Macht aus. Das tut der von den Volksvertretern gewählte Bundeskanzler, der sich ein Kabinett aus Ministern zusammenstellt. Aber eigentlich herrschen nicht die Politiker, sondern die Interessenverbände, die Großkonzerne und alle, die sich die Politiker kaufen können. Aber auch das stimmt nicht: nicht die Politiker sind käuflich (wenigstens im Normalfall), sondern die Parteien. Sie hängen nämlich von den Wahlkampfspenden ab. Die Politiker nehmen das Geld, aber bereichern sich nicht persönlich daran, sondern verwenden das Geld für Ihre Partei.

 

Wer herrscht nun wirklich in der Demokratie ? Alle herrschen - die einen mehr, die andern weniger. Der Wähler herrscht eher weniger. Das Kapital herrscht eher mehr. Denn das Kapital hat dem Staat Geld geliehen, und der Staat muß seine Schulden bedienen. Deshalb steht er in einem demütigen Abhängigkeitsverhältnis vom Kapital, um nicht zu sagen: in einer Art Schuldknechtschaft. Deshalb verkauft der Staat  nach und nach alles, was er hat. Demnächst vielleicht auch die Schienen und die Grundstücke, auf denen die Züge fahren.

 

Diktatur: Die Herrschaft der Waffen, der Willkür und der Ungerechtigkeit

 

Jede Diktatur herrscht durch die Waffenträger, die durch Privilegien und Ideologie dem Diktator besonders treu verbunden sind. Sie ermöglichen es dem Regime, den Bürger willkürlich und ungerecht zu behandeln, denn Justiz und der ganze Staatsapparat sind in der Hand der Waffenträger, zu denen auch die Geheimdienste zählen. So kann der totalitäre Staat den Kapitalisten mit Gewalt das Kapital wegnehmen. Die Zustimmung der Unterschichten ist ihm dabei sicher. Das ist das süße Gift der Diktaturen. Aber das geraubte Kapital landet nicht bei den Unterschichten, sondern bei den Bewaffneten und den Parteigängern des Diktators.

 

Demokratie: Das geschützte Biotop für Kapitalisten

 

Der demokratische Rechtsstaat darf nicht willkürlich und ungerecht handeln. Deshalb fühlt sich das Kapital hier wohl und geborgen. Aber das Kapital selbst handelt willkürlich und ungerecht. Aber es tut dies viel subtiler und komplizierter als die Bewaffneten in der Diktatur. Eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht für den Bürger in einer vom Kapital beherrschten Demokratie nicht. Man nimmt uns nur das Geld ab.  Da es aber besser ist, sein Geld als sein Leben zu verlieren, ist die Demokratie eindeutig die angenehmere Staatsform. Die Demokratie schützt den Bürger und sein Eigentum. Deshalb ist die Demokratie beim Bürger beliebt, aber noch beliebter beim Kapitalisten. Der Kapitalist kann in der Demokratie (und nur in der Demokratie) seinen Besitz mehren und in astronomische Höhen wachsen lassen. In der Demokratie muß er nicht fürchten, dass  ein bewaffneter Trupp daherkommt und ihm alles wegnimmt (einschließlich seines Lebens). George W. Bush will die Welt sicher machen für die Demokratie und er will die Demokratie überall in der Welt verbreiten. Welch ein lobenswertes Unterfangen ! Nur schade, dass er „Demokratie“ sagt und „Kapitalismus“ meint.

 

Kapitalismus: Wer nicht reich wird, ist zu dumm dazu

 

Kapitalismus ! Welch ein Paradies für alle, die es verstehen, sich auf legalem Wege zu bereichern ! Wozu Verbrechen begehen, wenn man durch Geschäfte viel mehr verdienen kann ? Wozu Völker unterdrücken, wenn man sie ganz elegant um ihr Geld und ihre Rohstoffe bringen kann, indem man ihre Eliten korrumpiert und mit ihnen gemeinsame Sache bei der Ausbeutung ihrer Länder und Völker macht ?  Die Ausbeutung ganzer Länder ist ein Schandfleck des Kapitalismus, aber sie ist eine noch größere Schande für die lokalen Eliten, die ihr eigenes Volk an die Kapitalisten fremder Länder verkaufen und als Gegenleistung damit belohnt werden, dass sie an der Macht bleiben und sich ein Stück von der Beute nehmen dürfen.

 

Der Kapitalist braucht keine Sklaverei

 

Der Kapitalist sagt sich: Wozu Sklaven beschäftigen und überwachen, wenn man sich alle denkbaren Sklavendienste für Geld kaufen kann ? Für Geld macht sich der Mensch viel bereitwilliger und besser zum Sklaven als unter der Sklavenpeitsche.

 

Ist Demokratie die einzige Alternative zur Diktatur ?

 

Wer Demokratie sagt, meint Kapitalismus – auch wenn ihm das nicht bewusst ist. Es existiert bisher noch keine Alternative. Wer glaubt, Diktatur sei eine Alternative, der muß wissen: Wer für einen starken Mann an der Spitze ist, entscheidet sich für Willkür, Unterdrückung, Korruption, Personenkult, Lügenpropaganda und Ausbeutung. Das ist das Dilemma, vor dem wir stehen. Aber es gibt noch ein Drittes: die Omnikratie.

 

 

Omnikratie, die Herrschaft aller über alle, die Herrschaft des Kollektivs

 

Die Omnikratie ist zum heutigen Zeitpunkt  nur eine Utopie. Ich möchte sie aber lieber als eine sich selbst erfüllende Prophezeihung sehen.

 

Möglich wird die Omnikratie dadurch werden, dass über jeden Menschen - und damit meine ich besonders die Mächtigen und Reichen - drei Auskünfte aus dem Internet entnehmbar sein werden:

 

  1. Wer er ist
  2. Wo er sich im Augenblick aufhält
  3. Was er besitzt, woher seine laufenden Einkünfte stammen und wofür er sein Geld ausgibt

 

Die Omnikratie will die Geheimnisse ans Licht ziehen

 

Die Omnikratie will die Geheimnisse der Reichen und Mächtigen ans Licht ziehen. Je menschenverachtender und krimineller ein Regime ist, umso mehr Geheimnisse hat es. Die Regierung unserer BRD hat wenige Geheimnisse, und das macht sie richtig sympathisch. Die USA unter Bush hat schon viel mehr Geheimnisse als die BRD, Rußland unter Putin hat wohl noch mehr, China hat wohl noch mehr als die Russen. Aber Hitler und Stalin hatten noch viel, viel mehr Geheimnisse. Omnikratie ist, wenn der Staat und die Regierenden keine Geheimnisse haben. Und das ist sehr, sehr gut für das Volk.

 

Will die Omnikratie den Kapitalismus und das Privateigentum abschaffen ? Nein, weiß Gott nicht. Jeder soll ein Kapitalist sein – aber eben nur ein kleiner Kapitalist – sagen wir mit einem eigenen Häuschen oder einer eigenen Wohnung und einem eigenen Auto. Was darüber hinausgeht, ist mehr als einem gerechterweise zusteht. Das hat man nicht wirklich durch seine eigene Leistung verdient – obwohl jeder, der mehr hat, das genau das von sich behauptet. Aber kann ein Mensch hundertmal oder tausend mal mehr leisten als der Durchschnitt und ist es gerechtfertigt, dass er hundertmal oder tausendmal mehr verdient ?

 

Derartige Fragen werden als „Neid-Diskussion“ abqualifiziert. Ja, der Deutsche schaut genau, was der andere hat und vergleicht es mit dem, was er selber hat. Ist das Neid ? Oder ist es ein legitimer Wunsch nach gerechter Verteilung ?

 

Die menschliche Intimsphäre bleibt von der Neugier des Kollektivs verschont

 

Jeder soll über jeden alles wissen – es sei denn, es betrifft die menschliche Intimsphäre – sprich Sex etc. Wer mit wem ins Bett geht und wer wen betrügt, wer welche Krankheiten, Süchte oder Perversionen hat - das interessiert das Individuum meist sehr – das Kollektiv im Einzelfall nicht, außer der vom Normalen abweichende Zustand des Einzelnen stellt es für die Gesamtheit eine Gefahr dar. Das Kollektiv ist viel humaner und anständiger als die Individuen.

 

Glasnost, also Transparenz, ist eines der Grundprinzipien der Omnikratie. Die technischen Grundlagen dafür sind zur Zeit im Entstehen: Die notwendige Leistungsfähigkeit der Computer und Computerprogramme, das Internet, die Handys, die Webcams. Es geht nicht darum, die Leute im Schlafzimmer beim Sex zu filmen und das ins Internet zu stellen. Es geht auch nicht darum, herauszufinden, wer mit wem fremdgeht oder wer welche Krankheiten hat. Es gibt einen privaten Bereich, der absolut geschützt werden muß. Das Recht aus Privatleben ist ein menschliches Grundbedürfnis, und der Anspruch darauf ein Menschenrecht.

 

Die Omnikratie bedeutet eine Welt fast ohne Verbrechen

 

Was aber nicht privat in der Omnikratie bleiben kann, ist, wie viel Geld die Leute verdienen, womit sie es tun und wie viel und wofür sie ihr Geld ausgeben. Wenn für das Kollektiv, also für jedermann, im Internet offen gelegt wird, wer wann wo was eingenommen und ausgegeben hat, wir es fast unmöglich sein, Betrug, Diebstahl oder Korruption zu begehen.

 

Die Kontrolle der Geldflüsse durch das Kollektiv wird dazu führen, dass die Verbrechen, die Korruption und die Verschwendung ganz entscheidend eingedämmt werden. Das wird den allgemeinen Wohlstand erheblich vermehren.

 

Um das erreichen, muss der anonyme Geldverkehr abgeschafft werden. Konkret heißt das als erstes: Die Abschaffung des Bargeldes. Bargeld ist anonym. Wenn mir jemand die Brieftasche klaut, das Geld herausnimmt und die Brieftasche wegwirft, ist nicht mehr nachvollziehbar, wo mein Geld geblieben ist.

 

Identifikation und Lokalisation sind die großen Themen der kommenden Jahre

 

An der Abschaffung des Bargeldes wird schon lange und mit zunehmendem Erfolg gearbeitet (allerdings nicht an der öffentlichen Transparenz der Geldflüsse). Bei der Zahlung mit Kreditkarten ist eine Frage noch nicht zufrieden stellend gelöst, nämlich folgende: „Ist der Mann, der mit einer Kreditkarte zahlt, wirklich derjenige, der er zu sein behauptet ?“ Die Omnikratie ist essentiell darauf angewiesen, dass jedes Individuum eindeutig identifiziert und lokalisiert werden kann. Identifikation und Lokalisation von Menschen ist das große Thema der kommenden Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte. Wäre es möglich gewesen, Osama bin Laden zu lokalisieren, wären der Welt bis jetzt zwei Krieg erspart geblieben (USA gegen Afghanistan und USA gegen Irak).

 

Die Industrie und die Gesellschaft arbeiten intensiv daran, die Identifikation und Lokalisation aller Menschen zu ermöglichen – auch wenn das meist gar nicht ihre Absicht ist. Jeder, der mit wachem Verstand die Welt beobachtet, kann sehen, was gerade passiert:

 

Jeder, der ein Gespräch mit seinem Handy führt, kann identifiziert und lokalisiert werden.

 

Überall, wo man beim Einkauf seine Kreditkarte oder Payback-Karte benutzt, wird man lokalisiert und identifiziert.

 

Die Bahnhöfe und öffentliche Plätze werden von Kameras überwacht. Die Software wird eines Tages Gesichter identifizieren können.

 

Schon heute weiß man, wer alles in einem Flugzeug sitzt. In Zukunft wird man auch wissen, wer alles in einem Zug oder einem Bus sitzt (und ob er bezahlt hat) – schlechte Zeiten für Schwarzfahrer ! Überall wird auch eine Kamera die Fahrgäste überwachen (schlechte Zeiten für Randalierer und Vandalen). Man wird auch wissen, wer alles in einem Gebäude ist.

Die Technik wird all dies möglich machen – und die Terroristen machen es wünschenswert. So sind die Terroristen Teil der Kraft, die das stets Böse will, und doch das Gute schafft.

 

Schon heute kann die Polizei am Straßenrand eine Kamera aufstellen und die Nummerschilder aller vorbeifahrender Autos registrieren. An den Autobahnbrücken wird im Zuge der Mauterhebung registriert, welcher LKW durchfährt. – vielleicht auch in der Zukunft welcher PKW.

 

Identifizierung: Ein Grund zur Besorgnis, aber auch zur Hoffnung

 

Der Mensch wird immer mehr identifiziert und lokalisiert. Ein Grund zu Besorgnis ? Ja. Aber auch ein Grund zur Hoffnung. Es gibt ein wachsendes Bedürfnis, die Menschen zu identifizieren und zu lokalisieren. Wenn die Leute merken, dass es für sie mit keinerlei Nachteilen, aber mit Vorteilen und Annehmlichkeiten verbunden ist, wird die Überwachung immer mehr akzeptiert werden. Es ist doch angenehm, nicht mehr in der Wartschlange an der Supermarktkasse zu stehen, sondern einfach mit seinem Einkaufswagen durch den Ausgang zu fahren, und „der Supermarkt“ weiß, wer ich bin und was ich gekauft habe. Der Preis für die Waren wird automatisch von meinem Konto abgebucht.

 

Es kann lebensrettend sein, wenn die Notarzt-Einsatz-Zentrale von dem Gerät, das einen überwacht, sofort verständigt wird, wenn sich der Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert.

 

Es besteht die Gefahr, dass es Ausgegrenzte gibt

 

Es wird allerdings zweierlei Menschen geben: diejenigen, die registriert und kreditwürdig sind und diejenigen, die kein Konto haben, nicht als Nutzer und Nutznießer dieser Internetgesellschaft  registieriert sind und keinen Zugriff und keinen Zutritt haben.

 

Man kennt das ja aus Science-Fiction-Filmen: Das kleine Häuflein der Rebellen gegen das übermächtige Imperium hält sich in Höhlen oder Untergrundschächten auf und kämpft für die Freiheit, indem es den allmächtigen Überwachungsstaat austrickst. Dreimal darf man raten, wem die Sympathie gehört. Dreimal darf man auch raten, wer hinter der Finanzierung eines derartigen Filmes steckt: Das kapitalistische Establishment.

 

Ja, und dann gibt es natürlich auch noch die geistigen Nachfahren der Kohlrabi-Apostel, die sich von der Unterdrückung durch den Konsumterror und die moderne Arbeitswelt auf irgendwelche Brachflächen im Weichbild einer Metropole flüchten und dort ihre Kartoffel selbst anbauen.

 

Wie soll die Omnikratie mit diesen Aussteigern und Rebellen umgehen ?  Zur Omnikratie gehört, dass es keine Ausgegrenzten in dem Sinne gibt, dass ihnen der Zugriff auf die Zivilisation verweigert wird. Wenn sie es aus freien Stücken tun, also Aussteiger und Rebellen aus innerer Überzeugung sind, so bleibt ihnen das selbst überlassen, solange sie niemanden gefährden oder niemandem schaden. Natürlich wird es „Nichtregistrierte“ geben, denn jedes System hat Lücken und Fehler. Aber es sollte keine Ausgegrenzten geben.

 

Die Omnikratie und die Volksentscheide (d. h. Direkte Demokratie)

 

In der Omnikratie wird man die Wahlen per Computer und Internet abhalten. Die Wahlen werden nicht geheim sein, sondern es wird offen liegen, wer welche Partei und welchen Kandidaten gewählt hat. Jeder muß sich zu dem bekennen, was er wählt. So wird einem Wahlbetrug vorgebeugt. Der Sinn des Wahlgeheimnisses ist, den Wähler vor Repressionen zu schützen. In der Omnikratie gibt es keine Repressionen. Also braucht es auch kein Wahlgeheimnis.

(Ich gebe zu, dass ich an dieser Forderung nach Aufgabe des Wahlgeheimnisses selbst große Zweifel habe. Aber mir ist nicht klar, wie man den Widerspruch auflösen kann, dass man im Internet geheime Wahlen abhält und gleichzeitig garantiert, dass die Wahlen nicht manipuliert werden. Nur wenn jeder nachprüfen kann, ob und was als sein Votum auch richtig registriert wurde, kann niemand das Wahlergebnis verfälschen).

 

Die Wahlen per Internet ermöglichen es auch, die plebiszitäre Demokratie, also Volksentscheidungen und Volkabstimmungen auf jeder politischen Ebene (Gemeinde, Bundesland, Nation) abzuhalten. Die Parlamentarier und die Parteien haben den Volksabstimmungen in der Verfassung geringen Raum gelassen. Der Grund ist angeblich, dass der Bürger unmündig und inkompetent in schwierigen Sachfragen ist, außerdem durch Propaganda manipulierbar. Aber das sind nur vorgeschobene Gründe. Die Volksentscheide sind eine unliebsame Konkurrenz zum etablierten politischen System, das Angst hat, Macht und Posten zu verlieren. Zudem ist die Demokratie ohnehin mühsam, und je mehr mitentscheiden, umso mühsamer wird das politische Geschäft. Ich kann jeden Parteivorsitzenden gut verstehen, der seine Entscheidungen am liebsten mit seinem „Küchenkabinett“ aushandelt.

 

Der „Idlok“ – Identifikator und Lokalisator

 

Wenn die Omnikratie in Deutschland eingeführt würde, würde das bedeuten, dass jeder, der sich hier aufhält, und jeder der in Deutschland einreist, mit einem „Idlok“ versehen sein muß. Ein Idlok ist ein „Identifikator und Lokalisator“. In der Praxis wird dies ein Apparat sein, es möglich macht, den Träger des Idloks jederzeit zu identifizieren und zu lokalisieren. Ohne Idlok können keine finanziellen Transaktionen gemacht werden und bestimmte Gebäude und Zonen überhaupt betreten werden. Konkret: Bahnhöfe, Verkehrsmittel, öffentliche Platze und Gebäude, aber auch Läden und Hotels.

 

Das Idlok enthält alle biometrischen Merkmale (Fingerabdrücke – auch die gentechnischen, Irismuster, Körpermaße usw.) und überhaupt alle Daten über den Träger gespeichert, sodaß es praktisch nicht möglich ist, das Idlok eines anderen Menschen zu benutzen. Das Idlok registriert alle Bewegungen und Gespräche des Idlok-Trägers. Es ist quasi auch ein Art Blackbox mit Voice-Recorder. Diese Aufzeichnungen werden aber im Normalfall nicht offen gelegt. Nur wenn der Idlok-Träger Opfer eines Verbrechens ist oder selbst ein Verbrechen begeht, kann dieses Voice- und Movement-Rekorder seine Daten freigeben.

 

Das Idlok ersetzt die Schlüssel und die Kreditkarte

 

Das Idlok ersetzt nicht nur die Kreditkarte, sondern auch den Wohnungs- und Autoschlüssel. Ein Auto kann nur benutzt werden, wenn man dazu autorisiert ist und sich durch sein Idlok identifiziert. Wer das Auto benutzen darf, entscheidet der Besitzer es Autos. Ebenso ist es bei Häusern, Wohnungen und Privatgrundstücken.

 

Aber nicht nur Menschen können lokalisiert und identifiziert werden, sondern auch Gegenstände. So verfolgen heute schon die Paketdienste die Spur ihrer Pakete. Man kann alle Gegenstände, die Wert oder Interesse sind (z. B. Waffen gefährliche Gegenstände, Autos, Schiffe, jede Art von Fracht) identifizierbar und lokalisierbar machen.

 

Das Kollektiv der Kollektive ist die Menschheit

 

Wer ist nun das Kollektiv ? Dies ist eine sehr weitreichende Frage. Das Kollektiv, das können zunächst nur ein paar Menschen sein oder einzelne Städte, welche sich die Prinzipien der Omnikratie zu eigen machen. Aber das Kollektiv an sich ist die gesamte Menschheit.

 

Wenn sich eine Gruppe von Menschen für die Omnikratie entscheidet, schließen die Menschen untereinander einen Gesellschaftsvertrag ab, der vergleichbar mit dem Gesellschaftsvertrag ist, den die Philosophen an den Anfang des Staates stellen. Dieser herkömmliche Gesellschaftsvertrag besagt, dass die Menschen darauf verzichten, Gewalt, Erpressung, Diebstahl und Betrug gegeneinander anzuwenden, sondern übereinkommen, sich an Gesetze und Regeln zu halten und die Formulierung und Durchsetzung dieser Regeln dem Inhaber des Gewaltmonopols, also dem Staat überlassen. Die Omnikratie erweitert nun diesen klassischen Gesellschaftsvertrag um den Zusatz, dass jedermann sich bereiterklärt, der Gemeinschaft aller Bürger seine Identität, seinen Aufenhaltsort und seinen Besitz und seine Einkünfte im Internet offenzulegen. Daraus ergibt sich auch das Recht des Bürgers, jederzeit zum Internet Zugang zu haben und jederzeit in die Daten aller anderen Bürger Einsicht zu nehmen.

 

Die Omnikratie wird  behutsam eingeführt werden (und mit sanften Mitteln)

 

Nehmen wir also einmal an, in Deutschland wäre die Omnikratie verwirklicht. Was dies alles für Konsequenzen hat, kann ich nur grob abschätzen, aber wichtige Details werden mir sicher entgehen. Das ist das Dilemma jedes Weltverbesserers und Zukunftspropheten. Mir ist schmerzhaft bewusst, dass der Teufel im Detail steckt. Sollten meine Ideen verwirklich werden, muß man sehr sorgfältig darauf achten, wo die Schwachpunkte, Fehler und Fehlentwicklungen liegen. Veränderungen müssen immer Schritt für Schritt und behutsam durchgeführt werden. Man muß neue Ideen oft auch gar nicht mit einer großen Kraftanstrengung und mit Gewalt durchsetzen. Die Entwicklung wird zwangläufig von selbst in diese Richtung gehen, wenn die Zeit reif ist.

 

Wenn in einem Staat die Omnikratie weiter fortgeschritten ist als in den anderen, wird sich dies als Vorteil im Wettbewerb der Nationen auswirken – so wie sich die Demokratie im Wettbewerb als überlegen gezeigt hat. Die Omnikratie wird den Wohlstand der Mehrheit deutlich anheben. Das kann gar nicht anders sein, denn wo es fast kein Verbrechen und weniger öffentliche und private Verschwendung gibt, kann der allgemeine Wohlstand nur steigen.

 

Die Überwachung des Individuums, vor allem des reichen, mächtigen, verbrecherischen, süchtigen, gefährlichen, krankhaften Individuums durch das Kollektiv ist  eine Notwendigkeit. Denn nur so kann die Menschheit auf die Dauer überleben. Es dürfen niemals einzelne, unkontrollierte Individuen Gewalt über Massenvernichtungswaffen erlangen. Aus diesem Grund wird sich die Omnikratie auf den gesamten Planeten und die gesamte Menschheit ausdehnen. Letztlich bleibt der Menschheit keine andere Wahl. Die Menschheit muß zu einem einzigen Kollektiv werden. Wie anders kann es auch sonst sein ? Sollen verantwortungslose und verbrecherische Individuen die gesamte Menschheit mit dem Untergang bedrohen können ? Soll ein zweier Hitler die Welt in einen Atomkrieg stürzen ? Soll ein zweiter Osama bin Laden nicht nur das World Trade Center, sondern ganz New York und Schutt und Asche legen ?

Soll ein Teil der Menschheit den andern Teil ausschließen ? Soll ein Teil der Menschheit der Kontrolle durch das Kollektiv entzogen sein, und der andere nicht ? Soll in einem omnikratischen Teil der Welt Wohlstand für jeden vorhanden sein, während der andere Teil in Krieg und Armut verharrt ? Soll ein Teil den anderen mit Haß und Vernichtung bedrohen ?

 

Ich denke nur zu Ende, was andere, welche die Computer und das Internet, geschaffen haben, in Gang gesetzt haben. Die Informationsgesellschaft hat eine eigene positive Dynamik entwickelt. Letztlich liegt hier die Antwort auf die Frage: wie kann die Menschheit mit der Drohung begegnen, dass ein verbrecherisches und verrücktes Individuum die ganze Menschheit dezimieren oder gar auslöschen kann ?