Bauprojekt „Lenbachgärten“

Von Richard Beiderbeck, http://www.koinae.de/   

Am 9. September 2004 stellte der Projektentwickler „Frankonia Eurobau“ der Presse das im Stil des „New Urbanism“ geplante Projekt "Lenbachgärten" in München vor. Die Baukosten wurden mit 280 000 Millionen Euro angegeben.

Die „Lenbachgärten“ liegen ganz nahe am Münchner Hauptbahnhof im Stadtteil Maxvorstadt. Auf dem ehemaligen Gelände der Ludwig-Maximilians-Universität zwischen Luisen-, Sophien-, Karl- und Meiserstraße, einem  etwa 22000 qm großen Areal zwischen dem Alten Botanischen Garten und der Abtei St. Bonifaz, baut man (Baubeginn war im Mai 2005) in neun Objekten ein Mix aus Büros und Lofts, Wohnungen und einem Hotel sowie eine großzügig ausgelegte Tiefgarage mit 600 Stellplätzen.

Die von der Idee des „New Urbanism“ inspirierte Architektur des Ensembles aus Hotel (15.500qm), zwei Bürogebäuden (ca. 23.000 qm) und hochwertigen Eigentums- und Mietwohungen (ca. 24.000qm) mit Fünf-Sterne-Hotel stammt vom Architekturbüro Hilmer & Sattler & Albrecht (München); der Bauabschnitt "Steidle-Lofts" (Frankonia) wurde bis zu seinem plötzlichen Tod von dem Architekten Otto Steidle entwickelt, danach von seinem Büro weiter geplant.

Insgesamt 20.000 Quadratmeter sind für Büronutzungen und 27.000 Quadratmeter als Wohnfläche vorgesehen.

Das Luxushotel hat 160 Hotelzimmer. Pächter des 160-Zimmer-Hauses mit 70 Millionen Euro Baukosten ist die britische Rocco-Forte-Gruppe. Hier wird das internationale Publikum ein- und ausgehen, hofft man. Günstigstes Zimmer: 300 Euro. Neben dem "Steidle Loft" werden auch Luxus-Eigentumswohnungen mit einem "Doorman-Konzept" gebaut, das den Bewohnern "ein exklusives Serviceniveau und diskrete Sicherheit" bieten soll. Gegenüber dem Kloster St. Bonifaz entsteht eine "mediterrane Piazetta", an der Mietwohnungen und Raum für Gastronomie geplant sind. Bis zum Jahr 2007 sollen die Lenbachgärten bezugsfertig sein.

Die Baustelle der "Lenbach-Gärten" galt als größtes innerstädtisches Projekt in der bayerischen Landeshauptstadt.

Es entstehen 31 Eigentums-Suiten, 24 Loftwohnungen und 160 Hotelzimmer.

Bereits vor Baubeginn konnte der Hotelabschnitt an die Luxushotel-Kette "Sir Rocco Forte & Family" des britischen Hoteliers Sir Rocco Forte verpachtet werden. Damit bekommt München ein neues 5-Sterne-Hotel. "Nach der Fertigstellung wird das Hotel das stilvollste Hotel in der besten Lage Münchens sein", so Sir Rocco Forte. Das günstigste Hotelzimmer soll 300 Euro pro Nacht kosten.
Das 160 Gästezimmer (inklusive 28 Suiten) umfassende Deluxe Hotel wird Service Dienstleistungen für die gesamten Lenbach Gärten bieten. Die Lage in Laufnähe zu Hauptbahnhof, Museen und City ist bestechend.

Zwei Büroprojekte sind von der Deutschland-Tochter des US-amerikanischen Verlagshauses Conde Nast für elf Jahre angemietet, das größere Bürogebäude für 11 Jahre von der McKinsey&Company. Das Hotel wurde (laut Immofinanz) von “Sir Rocco Forte & Famliy“ für 30 Jahre angemietet.

 

Die Fertigstellung und Übergabe an die Mieter ist in mehreren Etappen für das erste Halbjahr 2007 vorgesehen.

Der Name „Lenbachgärten“ nimmt Bezug auf Malerfürsten Franz von Lenbach http://de.wikipedia.org/wiki/Lenbach, dessen im Renaissance-Stil in den Jahren von 1887 bis 1891 von Gabriel von Seidl erbaute Stadtvilla (gegenüber den Propyläen am nahe den Lehnbachgärten gelegenen Königsplatz) die Ausmaße eines kleinen Schlosses hat. Heute ist das „Lenbachhaus“ (www.Lenbachhaus.de) ein Museum für Malerei. Nach Lenbach ist auch der Lenbach-Platz benannt, an dem sich die Bayerische Börse und das Künstlerhaus (Heute: Mövenpick-Restaurant) befindet. Der Lenbachplatz liegt östlich des Alten Botanischen Gartens, also nahe an den „Lenbachgärten“.

Die Eröffnung des Hotels war Sommer 2007 geplant.

Nicht weit entfernt sind:

 

-          Im Südenwesten der Hauptbahnhof

 

-          im Südosten der Justizpalast, dahinter der Stachus, (mit U- und S-Bahn,  Stachus-Einkaufszentrum und zwei große Kaufhäusern - Kaufhof und Hertie). Hinter dem Stachus beginnt die Münchner Fußgängerzone

 

-          Im Osten der Lenbachplatz mit dem Künstlerhaus und der Bayerischen Börse, daneben das Palais Bernheim

 

-           im Norden der Königsplatz (mit dem Lenbachaus, den Propyläen, der Glyptothek und der Antikensammlung), dahinter im Norden und Nordosten die drei Münchner Pinakotheken (Gemäldesammlungen)

 

-          Im Nordwesten die Technische Universität

 

-          Im Osten der Lenbachplatz und die Bayerische Börse

 

-          Im Westen der Stiglmaierplatz mit dem Löwenbraukeller

 

Im weiteren Umkreis sind:

 

Südlich von Hertie und Bahnhof: Das Deutsche Theater, die Schiller-, Goethe- Schwanthaler- und Landwehrstraße (Bars, Ausländische Läden, Computer- und Elektronikgeschäfte),

 

Im Südwesten: Bayerischer Rundfunk, Circus Krone, Spatenbrauerei

 

Im Osten: Hotel Bayerischer Hof, Literaturhaus, Einkaufspassage „Fünf Höfe“), Theatinerstraße, Odeonsplatz, Nationaltheater, Residenz, Maximiliansstraße, Marienplatz, Hofbräuhaus

 

Im Norden Maxvorstadt in Richtung Universitätsviertel und Schwabing

 

Ist das nun eine gute Lage ?

 

Für Leute, die gerne zentral wohnen, ganz sicherlich. Aber es ist weder ein vornehmes Wohnviertel (es ist überhaupt kein Wohnviertel), sondern ein Areal, das am Rande von überall liegt: Am Rande des Bahnhofsviertels (mit den vielen Fremden und Ausländern, die sich hier aufhalten), am Rande der Museumsmeile (nach sieben Uhr abends wie ausgestorben), am Rande der Fußgängerzone (es wimmelt von Menschen), am Rande des Brauereiviertels (Brauereien sind auch nicht besonders vornehm), am Rande der Technischen Universität (auch nicht besonders aufregend), am Rande der Augustenstraße, wo eigentlich schon Schwabing beginnt (mit den Leuten, die ökologie- kultur-, esoterik- und bildungsbeflissen sind und den entsprechenden Lokalen und Läden).

An diesem Platz ist man also immer nur am Rande, aber man gehört nirgends richtig dazu. Es ist kein Nobelviertel (zu nahe am Bahnhofsviertel), am Rande der alten Nazi-Architektur (Oberfinanzdirektion, Führerbau u. a.). Es fehlt vor allem ein Park wie der Englische Garten. Der Alte Botanische Garten ist zu klein, nicht vom richtigen Publikum bevölkert und nicht das, was sich zum Spaziergehen wünscht.

Der frühere Eigentümer des Geländes, auf dem heute die „Lenbachgärten“ stehen, war die Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier befanden sich die chemischen Institute. Der Freistaat Bayern hat Grund und Boden, der dem Bayerischen Volk gehörte und der Bildung seiner Jugend diente, an eine Investorengruppe verkauft, die daraus ein Rendite-Objekt gemacht haben.

Die bayerische Regierung unter Stoiber brüstete sich damit, daß sie die Hochschulen und die Bildung im Freistaat besonders fördert. Aber um welchen Preis ? Der Preis ist, daß die Universität München (LMU) und die Technische Universität München (TUM) Grundstücke in bester Innenstadtlage hergab (wahrscheinlich hergeben mußte), um so die Forschungs- und Bildungspolitik zu finanzieren. Stoiber verkauft das Tafelsilber um kurzeitiger Erfolge willen. Das Eigentum des Volkes gerät in die Hände von Geschäftmachern.

Der aufmerksame Beobachter erkennt am Eingang des Gebäudes der Oberfinanzdirektion an der Außenwand den großen Parteiadler der NSDAP. In dem Lorbeerkranz befand sich ein Hakenkreuz. Das wurde herausgemeiselt. Hier in der Nähe war das Parteiviertel und die Verwaltung von NSDAP und SA. Nahe am Königsplatz waren das Braune Haus, der „Führerbau“ (wo 1938 das „Münchner Abkommen“ unterzeichnet wurde), der Verwaltungsbau der NSDAP und die Fundamente der „Ehrentempel“ zur Erinnerung an die beim Hitlerputsch 1923 erschossenen neun Nazis. Der Verleger Bruckmann wohnte am Carolinenplatz 5 (auch in der Nähe) und seine Frau führte Hitler in die feine Gesellschaft ein. Auf der anderen Seite des Botanischen Gartens, im Justizpalast und dem zur Hitlerzeit in norddeutscher Backsteingotik ausgeführten Ereiterungsbau des Gerichts tagte der Volksgerichtshof des Roland Freisler. Davon steht in den Hochglanzbroschüren der Lenbachgärten nichts. Man nimmt lieber Bezug auf das Lenbachhaus und das Kloster St. Bonifaz, wo König Ludwig I. sein Grab hat.

„Wohnen wie die Könige“ klingt als Werbespruch auch besser als „Arbeiten wie bei der NSDAP“.

Klingt in diesem Spruch „Wohnen wie die Könige“ nicht der Meudalismus an, der moderne Feudalismus? Auf der einen Seite die Privilegierten, die sich per „Doorman“ alle möglichen Dienstleistungen ordern können und die am liebsten zurück in die „gute alte Zeit“ wollen, wo es noch Dienstmädchen, Wäscherinnen und Diener gab, die den Herrschaften alle Unbequemlichkeiten des Alltags abnahmen.  Auf der anderen Seite Arbeitslosengeldempfänger und Geringverdienenden, die froh sind, wenn sie in solch einem herrschaftlichen Haushalt als Kindermädchen oder Putzfrau arbeiten dürfen.

Woanders lebt diese gute alte Zeit ja auch noch fort, z. B. in Saudi Arabien und in den Vereinigten Emiraten. Und die Gäste aus diesen Ländern fliegen immer zahlreicher nach München ein. Im Sommer ist die Fußgängerzone bevölkert von arabischen Frauen, die, in dunkelbraune oder schwarze Mönchskutten gehüllt, in die Läden und Kaufhäusern zum Shopping ausschwärmen und dort modische Kleidung und Accessoirs kaufen (Wo tragen sie die eigentlich ? Wahrscheinlich dort, wo sie kein Fremder sehen kann).

Diese Klientel wird sicher im Fünf-Sterne-Hotel von Rocco Forte absteigen und dann bequem zum Stachus laufen können. Anreisen wird man per Flugzeug und dann (so träumen die Transrapid-Befürworter) mit dem Transrapid in zehn Minuten am Hauptbahnhof sein. Aber wahrscheinlich werden die Herrschaften aus den Emiraten sich lieber vom hoteleigenen Wagen abholen lassen und direkt in das Hotel fahren oder ein Taxi benutzen – wegen der Sicherheit oder wegen der Probleme mit dem Fahrkartenautomaten.

Nachtrag: Am Freitagnachmittag, den 30. Aug. 2007 ging ich mal wieder an der Baustelle vorbei. Über dem Eingang des Sterne-Hotels hatte man gerade angefangen, die großen Buchstaben für den Namen anzubringen. Ich las „CH“. Einer der Beschäftigten sagte mir, daß das Hotel „Charles“ heißen soll. Also „Übernachten wie Prinz Charles“.

Man konnte jetzt auch schon in den Innenhof gehen, und dort saß  eine Mutter mit einem kleine Kind auf der Bank. Offensichtlich sind schon die ersten Mieter eingezogen.

Wenn ich den Eindruck beschreiben soll, den der Gebäudekomplex auf mich machte, so fällt mir zunächst das Wort „monoton“ ein. Es ist vom Äußeren her eine monotone Wohnmaschine für Besserverdienende.

Der Gebäudekomplex sieht nicht schlecht aus. Jedes Fenster ist mit einem steinernen Zierrahmen umgeben. Alles wirkt ordentlich und gediegen. Aber langweilig. Ich bin vielleicht deshalb so kritisch, weil die Wohnungen so teuer sind und weil man doch etwas Extravagantes und Luxuriöses erwartet. Der Komplex heißt zwar „Lenbachgärten“, aber abgesehen von ein paar Grünanlagen ist nichts von einem Garten zu sehen.

Wie sollte man den Baustil beschreiben? Unverkennbar nimmt er Bezug auf die Bebauung rund um den Königsplatz. Der Farbton der Steine, welche die Außenfassade bilden, ist ein Beige-Ton, also eine Mischung zwischen weiß, braun und gelb. Die Hersteller von Badfließen nennen es „pergamon“. Diesen Farbton haben die Propyläen, die Antikensammlung und auch die Hitlerbauten rund um den Königsplatz und der Justizpalast (nach dem Sandstrahlen).

Was den Baustil angeht, so ist er an die Architektur der Hitlerbauten, vor allem den „Führerbau“ angelehnt. Auch hier die von steinernen Umrahmungen umgebenen Fenster und steinernen Zierbänder oben, wo das Dach beginnt. Das ist Stil der 1930er Jahre. Man hatte sich vom Historismus und vom Jugendstil abgewandt und schwor auf die „neue Sachlichkeit“ des Bauhauses. Hitlers Architekt Troost schuf dann einen Stil, den man mit „Nazi-Impire-Stil“ oder „abgespeckter Neo-Renaissance“ umschreiben könnte, so eine Art Kreuzung zwischen Bauhaus und Historismus. Man orientierte sich immer noch an der Antike mit ihren Säulen und Giebeln, aber man macht alles einfacher, spartanischer, wenn man so will, „bauhausmäßiger“ (obwohl Hilter das Bauhaus nicht mochte). Hitler sah sich als Soldat und Imperator. Also hatten seine Bauten spartanisch zu sein. Aber nicht zu spartanisch, denn er wollte auch repräsentieren. Troost ließ die Kapitelle von den Säulen weg, machte alle Säulen, Giebel und Fensterumrahmungen glatt und schmucklos. Die Verzierungen waren einfache geometrische Formen ohne Schnörkel und bildliche Darstellungen.

Und so ähnlich gingen die Architekten der Lenbachgärten auch vor. Man wollte keine glatten Hauswände. Das hätte dann einfach wie ein Wohnblock ausgesehen. Also machte man um die Fenster und oben unter dem Dach Zierrahmen. Aber das ganze durfte auch nicht zu aufwendig sein – das wäre zu teuer geworden. Damit kam ein spartanischer, kasernenhafter Zug hinein, der durch die Kupferlampen an der Hausfront in der  Luisenstraße gemildert werden soll. Quasi eine Mietskaserne für Besserverdienende. Im Stil der neuen Sparsamkeit sind übrigens auch die „Fünf Höfe“, eine Luxuseinkaufszentrum zwischen Odeonsplatz und Marienplatz.

Die Lenbachgärten könnten auch ein Regierungsgebäudekomplex in den USA sein, der aus den 1930er Jahren stammt. Die Lenbachgärten wirken gediegen, langweilig und konservativ. Aber so ist nun mal der Geschmack der wirklich reichen Leute, und so sieht z. B. auch der Schmuck der reichen alten Damen aus.

Ob ich dort wohnen möchte, wenn ich das Geld hätte? Ja und nein. Die zentrale Lage und die Nähe zum Bahnhof, zur Fußgängerzone und zur Maxvorstadt sind natürlich große Pluspunkte. Es ist auch eine ruhige Lage, vor allem nach Norden hin. Aber es gibt in München viel schönere und prächtigere Häuser, aber die stammen alle aus dem Zeit vor 1914, z. B. in der Richard-Wagner-Straße hinter dem Lenbachhaus. Manche werden das Ensemble in der Richard-Wagner-Straße kitschig nennen. Aber es ist viel schöner als die Lenbachgärten. Aber die Lenbachgärten im Stil der guten alten Zeit zu bauen, wäre aus finanziellen in praktischen Gründen unbezahlbar. Aber  Lieber wohnt man in etwas, das aussieht wie ein amerikanischer Verwaltungskomplex aus den dreißiger Jahren – um nicht wieder den Vergleich mit dem Führerbau zu bemühen.

Aber es gibt weiter schlimmeres in München – z. B. die Bayerische Staatskanzlei. Das ist eine Kreuzung zwischen Treibhaus und Domkuppel. Um Treibhaustemperaturen durch die Sonneneinstrahlung zu vermeiden, hat man eine aufwendige und energiefressende Klima-Anlage installieren müssen. Das Gebäude der Staatskanzlei stellt ihre Erbauer und Hausherrn als geschmacklos und energiepolitisch inkompetent bloß. Wenn ich Beckstein wäre, würde ich mein Büro im Innenministerium am Odeonsplatz behalten.

Doch zurück zu den Lenbachgärten. Für die, die drin wohnen wollen, ist wichtiger als das äußere Aussehen die Frage, wie die Wohnungen und Büros im Innern des Hauses sind. Und vielleicht auch noch die Frage: wer sind die Nachbarn?

Ob diese Wohnungen und Büros eine gute Geldanlage sind? Sie sind teuer. Das heißt, ein Schnäppchen sind sie nicht gerade. Damit sie eine gute Geldanlage werden, müssen sie noch teuerer werden. Das hängt vom Markt, der Nachfrage und der Konjunktur ab. Und davon, ob den Leuten die Lenbachgärten gefallen.