Die
Baustelle der "Lenbach-Gärten" galt als größtes innerstädtisches
Projekt in der bayerischen Landeshauptstadt.
Es entstehen
31 Eigentums-Suiten, 24 Loftwohnungen und 160 Hotelzimmer.
Zwei
Büroprojekte sind von der Deutschland-Tochter des US-amerikanischen
Verlagshauses Conde Nast
für elf Jahre angemietet, das größere Bürogebäude für 11 Jahre von der McKinsey&Company. Das Hotel wurde (laut Immofinanz) von
“Sir Rocco Forte & Famliy“
für 30 Jahre angemietet.
Die
Fertigstellung und Übergabe an die Mieter ist in mehreren Etappen für das erste
Halbjahr 2007 vorgesehen.
Die Eröffnung
des Hotels war Sommer 2007 geplant.
Nicht
weit entfernt sind:
- Im
Südenwesten der Hauptbahnhof
- im
Südosten der Justizpalast, dahinter der Stachus, (mit U- und S-Bahn, Stachus-Einkaufszentrum
und zwei große Kaufhäusern - Kaufhof und Hertie). Hinter dem Stachus beginnt
die Münchner Fußgängerzone
- Im
Osten der Lenbachplatz mit dem Künstlerhaus und der Bayerischen Börse, daneben
das Palais Bernheim
- im Norden der Königsplatz (mit dem Lenbachaus, den Propyläen, der
Glyptothek und der Antikensammlung), dahinter im Norden und Nordosten die drei
Münchner Pinakotheken (Gemäldesammlungen)
- Im
Nordwesten die Technische Universität
- Im
Osten der Lenbachplatz und die Bayerische Börse
- Im
Westen der Stiglmaierplatz mit dem Löwenbraukeller
Im
weiteren Umkreis sind:
Südlich
von Hertie und Bahnhof: Das Deutsche Theater, die Schiller-, Goethe- Schwanthaler- und Landwehrstraße (Bars, Ausländische Läden,
Computer- und Elektronikgeschäfte),
Im
Südwesten: Bayerischer Rundfunk, Circus Krone, Spatenbrauerei
Im
Osten: Hotel Bayerischer Hof, Literaturhaus, Einkaufspassage „Fünf Höfe“), Theatinerstraße, Odeonsplatz,
Nationaltheater, Residenz, Maximiliansstraße, Marienplatz, Hofbräuhaus
Im
Norden Maxvorstadt in Richtung Universitätsviertel
und Schwabing
Ist
das nun eine gute Lage ?
Für
Leute, die gerne zentral wohnen, ganz sicherlich. Aber es ist weder ein
vornehmes Wohnviertel (es ist überhaupt kein Wohnviertel), sondern ein Areal,
das am Rande von überall liegt: Am Rande des Bahnhofsviertels (mit den vielen
Fremden und Ausländern, die sich hier aufhalten), am Rande der Museumsmeile
(nach sieben Uhr abends wie ausgestorben), am Rande der Fußgängerzone (es
wimmelt von Menschen), am Rande des Brauereiviertels
(Brauereien sind auch nicht besonders vornehm), am Rande der Technischen
Universität (auch nicht besonders aufregend), am Rande der Augustenstraße, wo
eigentlich schon Schwabing beginnt (mit den Leuten, die ökologie- kultur-,
esoterik- und bildungsbeflissen sind und den entsprechenden Lokalen und Läden).
An
diesem Platz ist man also immer nur am Rande, aber man gehört nirgends richtig
dazu. Es ist kein Nobelviertel (zu nahe am
Bahnhofsviertel), am Rande der alten Nazi-Architektur (Oberfinanzdirektion,
Führerbau u. a.). Es fehlt vor allem ein Park wie der Englische Garten. Der
Alte Botanische Garten ist zu klein, nicht vom richtigen Publikum bevölkert und
nicht das, was sich zum Spaziergehen wünscht.
Der frühere Eigentümer
des Geländes, auf dem heute die „Lenbachgärten“ stehen, war die
Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier befanden sich die chemischen
Institute. Der Freistaat Bayern hat Grund und Boden, der dem Bayerischen Volk
gehörte und der Bildung seiner Jugend diente, an eine Investorengruppe
verkauft, die daraus ein Rendite-Objekt gemacht haben.
Die
bayerische Regierung unter Stoiber brüstete sich damit, daß
sie die Hochschulen und die Bildung im Freistaat besonders fördert. Aber um
welchen Preis ? Der Preis ist, daß die Universität
München (LMU) und die Technische Universität München (TUM) Grundstücke in
bester Innenstadtlage hergab (wahrscheinlich hergeben mußte),
um so die Forschungs- und Bildungspolitik zu finanzieren. Stoiber verkauft das
Tafelsilber um kurzeitiger Erfolge willen. Das Eigentum des Volkes gerät in die
Hände von Geschäftmachern.
Der
aufmerksame Beobachter erkennt am Eingang des Gebäudes der Oberfinanzdirektion
an der Außenwand den großen Parteiadler der NSDAP. In dem Lorbeerkranz befand
sich ein Hakenkreuz. Das wurde herausgemeiselt. Hier
in der Nähe war das Parteiviertel
und die Verwaltung von NSDAP und SA. Nahe am Königsplatz waren das Braune Haus,
der „Führerbau“ (wo 1938 das „Münchner Abkommen“ unterzeichnet wurde), der
Verwaltungsbau der NSDAP und die Fundamente der „Ehrentempel“ zur Erinnerung an
die beim Hitlerputsch 1923 erschossenen neun Nazis. Der Verleger Bruckmann
wohnte am Carolinenplatz 5 (auch in der Nähe) und
seine Frau führte Hitler in die feine Gesellschaft ein. Auf der anderen Seite
des Botanischen Gartens, im Justizpalast und dem zur Hitlerzeit in
norddeutscher Backsteingotik ausgeführten Ereiterungsbau des Gerichts tagte der
Volksgerichtshof des Roland Freisler. Davon steht in den Hochglanzbroschüren
der Lenbachgärten nichts. Man nimmt lieber Bezug auf das Lenbachhaus und das
Kloster St. Bonifaz, wo König Ludwig I. sein Grab hat.
„Wohnen wie
die Könige“ klingt als Werbespruch auch besser als „Arbeiten wie bei der
NSDAP“.
Klingt in diesem
Spruch „Wohnen wie die Könige“ nicht der Meudalismus
an, der moderne Feudalismus? Auf der einen Seite die Privilegierten, die sich
per „Doorman“ alle möglichen Dienstleistungen ordern
können und die am liebsten zurück in die „gute alte Zeit“ wollen, wo es noch
Dienstmädchen, Wäscherinnen und Diener gab, die den Herrschaften alle
Unbequemlichkeiten des Alltags abnahmen.
Auf der anderen Seite Arbeitslosengeldempfänger und Geringverdienenden,
die froh sind, wenn sie in solch einem herrschaftlichen Haushalt als
Kindermädchen oder Putzfrau arbeiten dürfen.
Woanders
lebt diese gute alte Zeit ja auch noch fort, z. B. in Saudi Arabien und in den
Vereinigten Emiraten. Und die Gäste aus diesen Ländern fliegen immer
zahlreicher nach München ein. Im Sommer ist die Fußgängerzone bevölkert von
arabischen Frauen, die, in dunkelbraune oder schwarze Mönchskutten gehüllt, in
die Läden und Kaufhäusern zum Shopping ausschwärmen und dort modische Kleidung
und Accessoirs kaufen (Wo tragen sie die eigentlich ?
Wahrscheinlich dort, wo sie kein Fremder sehen kann).
Diese
Klientel wird sicher im Fünf-Sterne-Hotel von Rocco
Forte absteigen und dann bequem zum Stachus laufen können. Anreisen wird man
per Flugzeug und dann (so träumen die Transrapid-Befürworter) mit dem
Transrapid in zehn Minuten am Hauptbahnhof sein. Aber wahrscheinlich werden die
Herrschaften aus den Emiraten sich lieber vom hoteleigenen Wagen abholen lassen
und direkt in das Hotel fahren oder ein Taxi benutzen – wegen der Sicherheit
oder wegen der Probleme mit dem Fahrkartenautomaten.
Nachtrag: Am
Freitagnachmittag, den 30. Aug. 2007 ging ich mal wieder an der Baustelle
vorbei. Über dem Eingang des Sterne-Hotels hatte man gerade angefangen, die
großen Buchstaben für den Namen anzubringen. Ich las „CH“. Einer der Beschäftigten
sagte mir, daß das Hotel „Charles“ heißen soll. Also
„Übernachten wie Prinz Charles“.
Man konnte
jetzt auch schon in den Innenhof gehen, und dort saß eine Mutter mit einem kleine
Kind auf der Bank. Offensichtlich sind schon die ersten Mieter eingezogen.
Wenn ich den
Eindruck beschreiben soll, den der Gebäudekomplex auf mich machte, so fällt mir
zunächst das Wort „monoton“ ein. Es ist vom Äußeren her eine monotone
Wohnmaschine für Besserverdienende.
Der
Gebäudekomplex sieht nicht schlecht aus. Jedes Fenster ist mit einem steinernen
Zierrahmen umgeben. Alles wirkt ordentlich und gediegen. Aber langweilig. Ich
bin vielleicht deshalb so kritisch, weil die Wohnungen so teuer sind und weil
man doch etwas Extravagantes und Luxuriöses erwartet. Der Komplex heißt zwar
„Lenbachgärten“, aber abgesehen von ein paar Grünanlagen ist nichts von einem
Garten zu sehen.
Wie sollte
man den Baustil beschreiben? Unverkennbar nimmt er Bezug auf die Bebauung rund
um den Königsplatz. Der Farbton der Steine, welche die Außenfassade bilden, ist
ein Beige-Ton, also eine Mischung zwischen weiß, braun und gelb. Die Hersteller
von Badfließen nennen es „pergamon“. Diesen Farbton
haben die Propyläen, die Antikensammlung und auch die
Hitlerbauten rund um den Königsplatz und der Justizpalast (nach dem
Sandstrahlen).
Was den
Baustil angeht, so ist er an die Architektur der Hitlerbauten, vor allem den
„Führerbau“ angelehnt. Auch hier die von steinernen Umrahmungen umgebenen
Fenster und steinernen Zierbänder oben, wo das Dach beginnt. Das ist Stil der
1930er Jahre. Man hatte sich vom Historismus und vom Jugendstil abgewandt und
schwor auf die „neue Sachlichkeit“ des Bauhauses. Hitlers Architekt Troost schuf dann einen Stil, den man mit „Nazi-Impire-Stil“ oder „abgespeckter Neo-Renaissance“
umschreiben könnte, so eine Art Kreuzung zwischen Bauhaus und Historismus. Man
orientierte sich immer noch an der Antike mit ihren Säulen und Giebeln, aber
man macht alles einfacher, spartanischer, wenn man so will, „bauhausmäßiger“ (obwohl Hilter das
Bauhaus nicht mochte). Hitler sah sich als Soldat und Imperator. Also hatten
seine Bauten spartanisch zu sein. Aber nicht zu spartanisch, denn er wollte
auch repräsentieren. Troost ließ die Kapitelle von
den Säulen weg, machte alle Säulen, Giebel und Fensterumrahmungen glatt und
schmucklos. Die Verzierungen waren einfache geometrische Formen ohne Schnörkel
und bildliche Darstellungen.
Und so
ähnlich gingen die Architekten der Lenbachgärten auch vor. Man wollte keine
glatten Hauswände. Das hätte dann einfach wie ein Wohnblock ausgesehen. Also
machte man um die Fenster und oben unter dem Dach Zierrahmen. Aber das ganze
durfte auch nicht zu aufwendig sein – das wäre zu teuer geworden. Damit kam ein
spartanischer, kasernenhafter Zug hinein, der durch
die Kupferlampen an der Hausfront in der
Luisenstraße gemildert werden soll. Quasi eine
Mietskaserne für Besserverdienende. Im Stil der neuen Sparsamkeit sind übrigens
auch die „Fünf Höfe“, eine Luxuseinkaufszentrum zwischen Odeonsplatz
und Marienplatz.
Die Lenbachgärten
könnten auch ein Regierungsgebäudekomplex in den USA sein, der aus den 1930er
Jahren stammt. Die Lenbachgärten wirken gediegen, langweilig und konservativ.
Aber so ist nun mal der Geschmack der wirklich reichen Leute, und so sieht z.
B. auch der Schmuck der reichen alten Damen aus.
Ob ich dort
wohnen möchte, wenn ich das Geld hätte? Ja und nein. Die zentrale Lage und die
Nähe zum Bahnhof, zur Fußgängerzone und zur Maxvorstadt sind natürlich große
Pluspunkte. Es ist auch eine ruhige Lage, vor allem nach Norden hin. Aber es
gibt in München viel schönere und prächtigere Häuser, aber die stammen alle aus
dem Zeit vor 1914, z. B. in der Richard-Wagner-Straße hinter dem Lenbachhaus.
Manche werden das Ensemble in der Richard-Wagner-Straße kitschig nennen. Aber
es ist viel schöner als die Lenbachgärten. Aber die Lenbachgärten im Stil der
guten alten Zeit zu bauen, wäre aus finanziellen in praktischen Gründen
unbezahlbar. Aber Lieber wohnt man in
etwas, das aussieht wie ein amerikanischer Verwaltungskomplex aus den dreißiger
Jahren – um nicht wieder den Vergleich mit dem Führerbau zu bemühen.
Aber es gibt
weiter schlimmeres in München – z. B. die Bayerische Staatskanzlei. Das ist
eine Kreuzung zwischen Treibhaus und Domkuppel. Um Treibhaustemperaturen durch
die Sonneneinstrahlung zu vermeiden, hat man eine aufwendige und energiefressende Klima-Anlage installieren müssen. Das
Gebäude der Staatskanzlei stellt ihre Erbauer und Hausherrn als geschmacklos
und energiepolitisch inkompetent bloß. Wenn ich Beckstein wäre, würde ich mein
Büro im Innenministerium am Odeonsplatz behalten.
Doch zurück
zu den Lenbachgärten. Für die, die drin wohnen wollen, ist wichtiger als das
äußere Aussehen die Frage, wie die Wohnungen und Büros im Innern des Hauses
sind. Und vielleicht auch noch die Frage: wer sind die Nachbarn?
Ob diese
Wohnungen und Büros eine gute Geldanlage sind? Sie sind teuer. Das heißt, ein
Schnäppchen sind sie nicht gerade. Damit sie eine gute Geldanlage werden,
müssen sie noch teuerer werden. Das hängt vom Markt, der Nachfrage und der
Konjunktur ab. Und davon, ob den Leuten die Lenbachgärten gefallen.