Der Religionsstifter Mani
(216 bis 277 n. Chr.)
Von
Leben und Person Mani’s:
Mani wurde am 14. April 216 n. Chr. In Mardinu oder Afruniyi im nördlichen Babylonien geboren. Seine Mutter war mit dem persichen Königshaus der Arsakiden verwandt. Sein Vater Patek, war aus Persien nach Babylonien ausgewandert und dort Mitglied einer asketischen gnostischen Täufersekte geworden, die wohl den Mandäern nahestand.. Im 12. Lebensjahr hatte Mani seine erste Vision, und im 24. Lebensjahr eine zweite. Er verließ die Täufersekte und wurde Apostel einer neuen Lehre von universellem Charakter. Mani war zusammen mit seinen Schülern Zeit seines Lebens beschäftigt, seine Lehre in großem Umfange zu verbreiten, und er hatte dabei viel Erfolg. Zunächst hielt er sich anderthalb Jahre in Belutschistan (Indien) auf, dann kehrte er im Jahr 242 oder 243 kehrt er nach Persien zurück. Dort bestieg der Sassinidenkönig Schapur I. den Thron, und am Krönigstag erhielt Mani die Erlaubnis, seine Lehren zu verbreiten. Der König wurde sein Förderer, weil ihm an seiner Lehre gefiehl, dass sie verschiedene Religionen miteinander verschmolz und deshalb tolerant gegen die verschiedenen Religionen war. Eine solche Lehre war das Richtige für ein Reich, das verschiedene Religionsgruppen und Völker umfasste. Der König soll sogar erwogen haben, die Lehre Mani’s, den Manichäismus, zur Staatsreligion zu erheben. Das geschah zwar nicht, aber Mani konnte während der dreisigjährigen Regierungszeit Schapur I ungestört unter den wohlwollenden Augen der Regierung seine Missiontätigkeit entfalten. Seine Religion breitete sich auf Kosten des der alten Religion aus. Dieses war die Magierreligion, die sich aus dem Mazdaismus Zarathustras weiterentwickelt hatte. Nach Schapur I. wurde sein zweiter Sohn, Bahram I. König. Unter dem Einfluß der Priester der Magierreligion (den sogenannten „Mobeds“) kam der neue König zu dem Schluß, dass Manis Lehre staatsgefährdend sei. Mani wurde verurteilt und in Gefängnis geworfen, wo er am 26. Februar 277 nach kurzer Zeit im Alter von 60 Jahren starb. Wohl nicht zutreffend sind Berichte, nach denen ihm bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen wurde und er dann gekreuzigt worden sei. Dadurch wollten wohl ihn wohl seine Anhänger in die Nähe von Jesus rücken.
Man war ein vielseitig gebildeter Intellektueller, der verschiedene andere Religionen studiert hatte und seine Gedanken schritlich niederlegt, wobei er seine Schriften künstlerisch gestaltet haben soll.
Der Tod Manis konnte aber die weitere Ausbreitung seiner Lehre nicht verhindern, sondern seine Lehre breitete sich nach Mesopotamien, Ägypten, Karthago, Palästina und Kleinasien aus. Um 314 erreichte der Manichäismus Rom und drang weiter nach Gallien und Spanien vor. Der Kirchenvater Augustinus war von 373 bis 382 Anhänger des Manichäismus, trat dann aber zum Christentum über und verfolgte seine ehemaligen Glaubensgenossen und rottete in Nordafrika den Manichäismus aus.
Im 6. Jahrhundert wurde im Westen der Manichäismus durch das Christentum vernichtet. 694 erschien ein Manichäer am chinesischen Kaiserhof. Mani’s Lehre verbreitete sich in Zentralasien und 763 wurde sie Staatsreligion der Uiguren. Durch den Siegeszug des Islam war der Manichäismus im Bereich des Islam zum Untergang verurteilt. Aber im chineschischen Teil Turkestans hielt sich Mani’s Lehre bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts, in China gab es noch bis ins 14. Jahrhundert Manichäer. Die Kirche Mani’s passte sich mit großer Elastizität an die lokalen religiösen Gegebenheiten an und bezog bereits vorhandene Glaubensvorstellungen in ihre Lehre ein. Durch diese Toleranz und Beweglichkeit vermied sie es, dass es zu Kirchenspaltungen und Glaubenskämpfen kam. Bis ins 13. Jahrhundert war der Manichäismus in Asien und Afrika lebendig. Dies beweisen um das Jahr 1900 herum Handschriftenfunde in Turfan in chinesisch Ostturkestan und in den Grotten von Tun-huang, die in verschiedenen Sprachen abgefasst sind. Vorher wwußte man über den Manichäismus nur das, was seine Gegner über ihn geschrieben hatten, also die Christen, Zarathustra-Anhänger und Mohammedaner. Der Manichäismus gelangte über Armenien und Bulgarien nach Italien und Südfrankreich, wo daraus der Katharismus entstand.
Mani glaubte, er sei der Vollender des Werkes einer Reihe großer Propheten,
z. B. Zarathustra, Buddha und Jesus. Diese hatten es aber aus der Sicht Mani’s versäumt, ihre Lehren schriftlich zu fixieren. Mani schrieb seine Erkenntnisse auf und stellte daraus
einen festen Kanon von Heiligen Schriften zusammen, die nicht mehr verändert
werden sollten. Die wichtigsten seiner in syrischer oder ostaramäischer Sprache
verfassten Texte sind (soweit sie uns bekannt sind): „Das lebendig Evanglium“, „Der Schatz des Lebens“, Das Buch der
Mysterien“, „Die Schrift der Riesen“ und „Die Abhandlung“.
Mani’s Lehre besteht zunächst aus einem umständlichen und teilweise
unverständlichen Schöpfungsmythos. Von Anfang an gibt es zwei von einander
verschiedene Substanzen: Licht und Finsternis, also das Gute und das Böse, Gott
und die Materie, Licht und Finsternis. Diese beiden Prinzipien waren
ursprünglich getrennt: Das Licht war oben und die Finsternis unten. Dem Reich
der Finsternis gelingt es, Teile des Lichts zu verschlingen und daraus die
Welt, das Himmelszelt, den Mond und die Sterne zu erschaffen. Dem Reich des
Lichtes unternimmt mehrere Versuche, die Teile der
Lichtsubstanz wieder von der Materie zu trennen. Vollständig gelingt dies aber
noch nicht. Die engültige Trennung von Licht und
Finsternis wird erst nach dem jüngsten Gericht erreicht werden. Die Erlösung
der Welt ist ein allmählicher Prozess, an dem der Mensch aktiv mitwirken kann,
indem er tierische Speisen und Geschlechtsverkehr vermeidet.
Die Religion Mani’s ist eine synkretistische
Religion, sie vermischt Elemente der christlichen, der persischen und der
indischen Religionen. Das Ganze ist aber derartig kompliziert und
„theoretisch“, dass man merkt, dass Mani’s kreatives
Unterbewusstsein diese Religion in einer Serie von Träumen konstruiert hat.
Buddha, Zarathustra und Jesus haben für Mani’s
Religion Pate gestanden und kommen in seiner Religion auch als Erlösergestalten
vor.
Mani bezog auch die Naturdämonen und den Glauben an Götter in seine
Religion ein.
Wie später im Katharismus gab es zwei Kategorien von Gläubigen: die
Priester und die Laien. Die Priester bildeten eine asketische Elite, denen
Geschlechtsverkehr und Heirat verboten war. Ihnen war es verboten, Tiere zu
schlachten. Selbst Pflanzen durften sie nicht pflücken, so dass sie vollkommen
auf die Hilfe der Gläubigen angewiesen waren. Diesen war all dies gestatten.
Sie durften auch heiraten und Kinder bekommen.
Der Manichäismus
übernahm viele Elemente des Buddhismus. Die Manichäer
glaubten an die Seelenwanderung und an das Nirwana, in das die Seele gelangen
konnte, wenn sie sich genügend gereinigt hatte. Das Eingehen der Seele in das
Nirwana, das als Lichtreich gedacht wurde, bedeutete die endgültige Erlösung
der Seele von der immer neuen Fesselung an einen materiellen Körper.