Vor uns das Jahrhundert des Mikrochips
Von Richard Beiderbeck www.koinae.de email: webmaster@koinae.de
Hinter uns liegt das 20. Jahrhundert, ein
Jahrhundert der Kriege und der totalitären Staaten. Geprägt war es von der
Basiserfindung des Verbrennungsmotors und seiner Anwendung im Auto, Panzer,
Schiff und Flugzeug.
Das 21. Jahrhundert, so viel können wir ein
Jahr vor Ablauf des ersten Jahrzehnts bereits erkennen, wird das Jahrhundert
des Mikrochips sein. Ihm Verdanken wir das Internet, die digitale
Bildaufzeichnung, das Satelliten-Fernsehen, das Handy, und tausend andere
Dinge.
Was ist der fundamentale Unterschied
zwischen den beiden Basiserfindungen Verbrennungsmotor und Mikrochip ? Der
Verbrennungsmotor hat einen unersättlichen Hunger nach Energie, vor allem
Erdöl. Der Mikrochip braucht immer weniger Energie und wird immer billiger.
Es war einmal ein Traum, daß sich jeder
Bürger einen Verbrennungsmotor leisten kann – sprich: ein Auto. Heute ist es
ein Alptraum.
Ganz anders der Mikrochip: Jeder kann sich
ihn leisten. Sogar viele Mikrochips.
Der Verbrennungsmotor arbeitet mit Energie,
der Mikrochip mit Information. Die Energie wird immer teurer, die Information
(auch als Bild, Film, Musik) wird immer billiger und quasi umsonst angeboten.
Man braucht nur an die per Satellit zu empfangenden Fernsehkanäle und das Internet
denken.
Mit den Informationen (also den Inhalten)
wird in Zukunft immer weniger Geld zu verdienen sein. Zeitungen und Magazine,
die großen Filmstudios, die Schallplattenproduzenten, die großen
Fernsehanstalten, die Kinos, die Briefpost: sie werden nicht ganz verschwinden,
aber sie werden an den Rand gedrängt werden.
Man wird all das an Inhalten, was heute mit
großem Aufwand und vielen Leuten produziert wird, mit viel weniger Leuten und
Geld produzieren.
Selbst der Flug zum Mond und den Planeten wird
durch Miniraumschiffe (an Bord: keine Menschen, sondern Mikrochips) mit einem
relativ bescheidenen Aufwand betrieben werden.
Ich vermute für die Zukunft folgendes
Szenario:
Jeder Mensch hat in Zukunft so etwas wie
ein weiterentwickeltes iPhone bei sich. Ich nenne es mal einfach „newPhone“.
Durch dieses „newPhone“ ist sein Träger ständig mit dem Internet verbunden, und
das Internet, das heißt das globale Kollektiv, ist ständig darüber informiert,
wo er sich gerade aufhält und was er gerade macht. Erste Ansätze dazu gibt es
ja schon bei Twitter.
Das „newPhon“ vereint in sich:
1.
Einen Computer, mit dem man im Internet
surfen kann.
2.
Ein Navigationssystem auf Basis des GPS.
3.
Ein Handy, mit dem man telefonieren kann
und seinen Gesprächspartner sehen kann (wenn es gewünscht ist).
4.
Einen Fotoapparat, eine
Tonaufzeichnungsgerät und eine Videocamera, die das, was aufgenommen wird, ins
Internet einspeisen
5.
Einen Fernsehapparat, ein Radio, einen
Voice-Recorder, einen Videorecorder und einen mp3-player.
6.
Eine Checkkarte und eine Gesundheitskarte
mit alle wichtigen medizinischen und biometrischen Daten. Das „newPhone“ ist in
der Lage, seinen Besitzer zu erkennen und zu identifizieren. Das „newPhone“ mit
all seinen Möglichkeiten kann nur von seinem Besitzer benutzt werden.
7.
Ein Personalausweis und eine Art
„Nummernschild“. Das „newPhone“ enthält einen Chip, der Anfragen nach der
Identität beantwortet. Das bedeutet z.B. wenn jemand mit seinem vollen Einkaufswagen
die Kasse eines Supermarktes passiert, wird der Kunde automatisch identifiziert
und die gekaufte Ware automatisch gescannt. Bezahlt wird, wenn der Besitzer des
„newPhones“ sein Bankkonto zur Bezahlung freischaltet. Wenn eine Besitzer eines
„newPhones“ eine öffentliches Verkehrsmittel betritt, wird seine Anwesenheit
registriert und nach dem Verlassen des Verkehrsmittels der Fahrpreis vom Konto
abgebucht. Das Internet wird in Zukunft wissen, wer sich in einem Zug oder
Flugzeug befindet. Es wird auch wissen, wer über welche Straße entlangfährt und
wo er gerade ist.
8.
Einen Schlüssel für die eigene Wohnung, das
eigenen Auto, für den Arbeitsplatz und gegebenenfalls: Das Hotelzimmer.
9.
Ein Wahlzettel um an diversen politischen
Entscheidungen teilzunehmen – direkte Demokratie. Auf lange Sicht werden
Parteien, Parlamente und Berufspolitiker an Bedeutung verlieren. Ebenso die
großen Meinungsmacher, welche die Meinung der Menschen durch Falschinformation
und Propaganda manipulieren.
10. Ein Gesundheitsmonitor und eine Notrufsäule. Das newPhone misst über
Sensoren die Puls- und Atemfrequenz, den Blutsauerstoffgehalt und die
Körpertemperatur. Sobald hier gefährliche Änderungen eintreten, wird
automatisch eine medizinische Servicezentrale informiert, die gegebenenfalls
sofort Hilfe in Gang setzt.
11. Ein fast allwissender Gesprächspartner, Berater und Freund.
12. Ein automatischer Biograph, der den Lebensweg des newPhone-Besitzers für
die Nachwelt aufzeichnet und ihm eine Art digitale Unsterblichkeit verleiht.
Das grundsätzliche Problem jedes Handys ist
die Kommunikation zwischen dem Handy und seinem Besitzer. Der Besitzer gibt
seine Wünsche über eine lächerlich kleine Tastatur ein und kommuniziert mit dem
Handy und dem Internet über einen lächerlich kleinen Bildschirm. Das Medium des
Telefons ist aber das gesprochene Wort. Die Crux ist heute, daß das Handy nicht
versteht, was sein Besitzer sagt. Soviel Intelligenz haben die Computer heute
noch nicht. Aber wenn sie diese haben, wird die geballte Computerintelligenz
über das Internet dem Handybenutzer verfügbar sein und er wird mit ihr in
Dialog treten können. Es wird dann ein bisschen sein, wie wenn man mit dem
lieben Gott spricht (oder mit dem Teufel).
Konkret wird das dann etwa so zugehen:
Benutzer: „Wo ist meine Freundin gerade ?“
Handy: „Sie föhnt sich gerade die Haare. Du
solltest sie später anrufen“.
Benutzer: „Soeben hat mich ein Idiot rechts
überholt. Schick ihm mal die Videoaufzeichnung und sag ihm, daß ich seinen
Fahrstil missbillige“
Handy: „Der Mann ist in Flensburg schon
bekannt“.
Benutzer: „Ich bin jetzt hier in Neu-Ulm
gestrandet. Wo gibt’s was gutes zu Essen und wie kann ich die nächsten Stunden
möglichst sinnvoll verbringen ?“
Handy: „Das Bistro in der Kepler-Straße
dürfte dein Geschmack sein. Hier in Neu Ulm wohnt übrigens ein alter
Schulfreund von dir“
Benutzer: „ Ich habe ein Stechen im
Oberbauch. Was kann das sein ?“
Handy: „Deine Blutwerte sind normal. Du
hast im Bistro zu reichlich gegessen und jetzt spürst du wohl deine Galle.“
Wohin die Entwicklung steuert, kann heute
niemand sagen. Die Triebfeder für die technische Entwicklung in unserer
kapitalistisch-militaristischen Welt, die immer noch von den USA dominiert und
von anderen fleißig kopiert wird, ist der Wunsch, Macht, Ruhm und Reichtum zu
erlangen. Aber vielleicht hat die Kraft, welche die Dinge lenkt, ganz andere
Pläne als der Mensch.
Wie auch immer, jede Entwicklung bringt für
uns Menschen Vor- und Nachteile; unter dem Strich werden sich beide wohl immer
die Wage halten.
Als positiv sehe ich z. B., daß in Zukunft
keine Mensch unbemerkt in den Gefängnisse einer Militärdiktatur verschwinden
oder einfach ermordet werden kann. Facebook weist bereits in diese Richtung. Es
werden keine Gesichter mehr so einfach verschwinden könne, ohne daß es die
Freunde merken. Es wird keinen Völkermord und keinen Holokaust mehr geben. Das
Internetkollektiv wird alles sehen und registrieren und jedes große Verbrechen
gegen die Menschlichkeit verhindern, bevor es begangen wird. Keiner wird mehr Antipersonenminen
produzieren und legen können, keiner wird mehr andere Menschen versklaven und
unterdrücken können.
Keine Fanatiker und Sektierer oder
Ausbeuter religiöser, nationaler oder schlicht geldgieriger Art werden ihre
Verderben bringenden Gedanken in die Hirne kritikloser Massen einimpfen können.
Das Internetkollektiv wird Verbrechen,
Betrügereien und Korruption offen legen. Die Schandtaten und Beutezüge der
Reichen und Mächtigen werden glasklar vor den Augen der informierten
Weltgemeinschaft liegen. Und auch die Totschläger in der U-Bahn werden nicht
mehr unerkannt davonkommen, sondern sofort identifiziert und festgehalten
werden.
Korrupte Regime und alles von Menschen
produzierten Hungerkatastrophen und Kriege werden der Vergangenheit angehören
und die Menschen werden mit allem, was sie benötigen, versorgt sein. Die
Wirtschaft wird das, was jeder braucht, in bester Qualität produzieren. „There
is enough for the need, but not for the greed.”
Es wird auch kaum noch Verbrechen und
Korruption geben. Die Verschwendung jeder Art wird drastisch zurückgehen.
Ebenso der exzessive Gebrauch von Verbrennungsmotoren durch Kriegsmaschinerien
und Jetset-Eliten.
Aber das ganze wird natürlich einen Preis
haben. Zum einen besteht die Gefahr, die Mikrochips und das Internet dazu
benutzt werden, einen totalitären Überwachungsstaat aufzubauen. Zur Zeit gibt
es etwa folgende Regierungssysteme auf unserem Planeten:
1.
Die Plutokratie (Herrschaft der Reichen).
Beispiel das Italien Berlusconi’s oder die USA von George W. Bush.
2.
Die Theokratie (Gottesstaat, Herrschaft
militanter Sektierer. Beispiel: Irak, Afghanistan.
3.
Die Militärdiktatur. Beispiel: Saddam
Hussein. Alle islamische Länder, die keine Theokratie sind, sind mehr oder
weniger Militärdiktaturen. Demokratie und Islam sind unvereinbar. Alle
asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Länder, die keine
Plutokratie und keine Theokratie sind, sind Militärdiktaturen. Russland und
alle ehemals kommunistischen Länder (auch China) haben eine Mischung aus
Militärdiktatur und Plutokratie (mit demokratischen Einsprengseln). Die Türkei
als Land zwischen den Welten wird mit einer Mischung aus Militärdiktatur,
Theokratie, Plutokratie und Demokratie regiert.
4.
Die Anarchie (Bürgerkrieg zwischen
verfeindeten militanten Gruppen). Beispiel: Somalia.
5.
Durch die Demokratie gemilderte
Plutokratie. Beispiel: Die meisten Staaten der Europäischen Union, Japan,
Indien, Mexiko, Brasilien, Argentinien, Kanada, Australien.
Es ist durchaus denkbar, daß sich der durch
Mikrochips und Internet gesteuerte und überwachte Staat einer plutokratischen
Militärdiktatur (wie z.B. China) gegenüber den westlichen Demokratien als
überlegen erweist, was dann zur Folge haben wird, daß sich auch der Westen in
diese Richtung bewegen wird.
Aber auch ohne eine derartige Entwicklung
wird die Dominanz der weißen Rasse im 21. Jahrhundert ein Ende finden und es
besteht die Gefahr, daß die Europäer und US-Amerikaner in ihren angestammten
Siedlungsgebieten (wenn auch nicht auf dem flachen Land, aber in den Ballungszentren)
einer fast gleich starken „Minderheit“ an Asiaten und Afrikanern
gegenüberstehen werden. Die Vermischung der Rassen wird voranschreiten,
Englisch wird zum allgemeinen Verständigungsmittel zwischen den
unterschiedlichen Nationalitäten werden.
Obwohl wir Europäer und US-Amerikaner immer
mehr an Macht und Bedeutung verlieren, hat diese Entwicklung für uns durchaus
auch erfreuliche und positive Aspekte: unsere Welt wird reicher und friedlicher
werden. Zwischen Chinesen, Japanern, Indern und US-Amerikanern und Europäern wird es zu keinem kriegerischen
Konflikt, sondern nur zu einer partnerschaftlichen Konkurrenz kommen.
Der Virus der Aufklärung wird auch den
Islam erreichen und der Glaube an die unbedingte Wahrheit des Korans wird nicht
mehr das größte Hindernis auf dem Weg der arabischen und afrikanischen Welt in
die Moderne sein. Die jungen Frauen werden über die alten Patriarchen siegen.
Die kritische Auslegung der Heiligen Texte
wird auch in den islamischen Ländern zu der Erkenntnis führen, daß der Koran
von Menschen gemacht und mit menschlichen Schwächen und Fehlern behaftet ist,
also kein göttliches, sondern sehr menschliches Buch ist.
Auch wenn uns diese Umwälzungen als
gewaltig und epochal erscheinen werden, die größte Umwälzung wird das Heraufkommens
einer der menschlichen Intelligenz überlegenen Superintelligenz sein. Und die
wird in den Mikrochips und im Internet stecken und die Menschheit
kontrollieren. Es bleibt nur zu hoffen, daß diese gottähnliche Intelligenz mit
uns gnädiger umgeht als der Mensch in der Vergangenheit mit dem Menschen
umgegangen ist und es auch in Zukunft tun wird.
Richard Egmont Beiderbeck, Nandlstadt, am
23. Nov. 2009