Napoleon: Wie ein
Übermensch Schach spielt
Text:
Die Schachpartie
Napoleons stammt aus dem Buch „“Freude am Schach“ von Gerhard Henschel,
Bertelsmann Verlag 1972.
Während seiner Verbannung
auf St. Helena spielte Napoleon die nachfolgende Schachpartie gegen seinen
getreuen General Bertrand. Wenn man sieht, wie Napoleon am Schluss - ständig in
Gefahr, selbst matt gesetzt zu werden -
erst einen Turm, dann noch einen Läufer opfert, um schließlich doch den
Kampf zu gewinnen, dann kann man dankbar sein, dass Hitler keine vergleichbare
Begabung hatte. Napoleons Spiel zeigt, dass er ein hervorragendes strategisches
Gespür mit exakter und weitreichender Berechnung
verband. Er liebte komplexe, zweischneidige Situationen, aus welchen er als
Sieger hervorgehen konnte, weil er die besseren Nerven und den besseren
Durchblick hatte. Er wusste genau, dass es darauf ankam, am entscheidenden
Punkt die größere Durchschlagskraft zu haben – ungeachtet der Verluste, mit
denen er diesen punktuellen Vorteil erlangt hatte.
Napoleon verdankte
seine Siege auf dem Schachbrett und auf dem Schlachtfeld aber auch den Fehlern
und Schwächen seiner Gegner. Um auf die Schachpartie mit Bertrand
zurückzukommen: dieser war zwar ein wackerer und durchaus ernstzunehmender
Gegner, aber er machte schon in der Eröffnung einen kleinen Fehler, den er sich
gegen einen guten Spieler nicht erlauben konnte: er nahm das Damengambit an und
ruinierte seine Bauernstellung in der Mitte. Nur dank des starken
Bauern-Zentrums konnte dann Napoleon am Schluss sein Matt herbeizaubern. Gegen
einen guten Vereinsspieler oder einen Schachcomputer hätte sich Napoleon solche
Opfer und Risiken nicht leisten können; sein Husarenritt wäre klar widerlegt
worden, so wie Napoleon auf dem Schlachtfeld ebenfalls widerlegt wurde, als die
Gegner seine Strategie begriffen hatten. Und so kam es, dass der phantasielose
Beamte, der kleinliche Biedermann Hudson Lowe,
Gouverneur von Stankt Helena, zu Napoleons Kerkermeister wurde. Der „letzte
Mensch“ (im Sinne Nietzsches) triumphierte über den „Übermenschen“, der zu hoch
gepokert und verloren hatte. Aber das konnte Napoleon für eine Stunde
vergessen, als er diese Schachpartie spielte.
1. Sg1 – f3 Sb8
– c6
2. e2 – e4 e7
– e5
3. d2 – d4 Sc6
x d4
4. Sf3 x d4 e5
x d4
5. Lf1 – c4 Lf8
– c5
6. c2 – c3 Dd8
– e7
7. 0-0 De7
– e5
8. f2 –f4 d4
x c3+
9. Kg1 – h1 c3 x b2
10. Lc4 x f7 Ke8 – e8
11. f4 x e5 b2
x a1D
12. Lf7 x g8 Lc5
– e7
13. Dd1 – b3 a7
– a5
14. Tf1 – f8+ Le7
x f8
15. Lc1 – g5+ Lf8
– e7
16. Lg5 x e7+ Kd8
x e7
17. Db3 – f7+ Ke7 – d8
18. D7 – f8++