Ist die
Büste der Nofretete eine Fälschung ?
Sie ist
zu schön, um echt zu sein
Von
Am
So. , den 29. Juli 2007 kam im ZDF um 19 Uhr 30 im ZDF eine Sendung über die
Büste der Nofretete. Dort wurde erwähnt, daß manche
Leute die Echtheit der Büste bezweifeln.
Denn
Zweiflern an der Echtheit der Nofretete kann ich nur zustimmen.
Ludwig
Borchardt hat die Nofretete-Büste 1912 gefunden. Das war zur Zeit des
Jugendstils. Schauen Sie Sich doch mal die Nofretete-Büste an
! Sie erinnert stark an den Jugendstil. Dieser Stil legte großen Wert
auf das Ästhetische und Schöne. Man wollte nicht mehr die alten Wege des
Historismus gehen, sondern das Traditionelle weiterentwickeln und übertreffen.
Dabei interessierte man sich für fremde Kulturen und benutzte ihre Werke als
Inspiration. (Während die Moderne mit der Tradition ganz brach).
Ich
habe den Verdacht, daß die Büste der Nofretete ein
Jugendstil-Kunstwerk ist, das von der ägyptischen Kunst inspiriert ist.
Mir
ist aufgefallen, daß ist erst im Jugendstil gelungen
ist, eine schöne Frau auch so realistisch und attraktiv darstellen, daß sie auf dem Bild oder der Plastik wirklich schön und
ästhetisch ist. Die meisten Madonnen aus Gotik und Barock sind hässlich, die
Darstellung oft unbeholfen und mit künstlerischen Mängeln. Keine einzige
Frauendarstellung aus dem Mittelalter ist wirklich schön – wenn auch manche
ganz hübsch sind. In der Renaissance war es auch nicht sehr viel besser. Die
berühmte Mona Lisa ist auch keine
Schönheit. Und Botticellis Venus auch nicht. Und wie schaut es in der
griechischen und römischen Antike aus ? Auch hier
Fehlanzeige. Also, ich wiederhole: Bis zum Jugendstil haben es die Künstler
nicht geschafft, eine schöne Frau so realistisch zu porträtieren, daß ihre Schönheit auch noch im Porträt soweit vorhanden
ist, daß sie einen fasziniert.
Das
gilt auch für die Schönheiten-Galerie von Ludwig I.
von Bayern, die es im Schloß Nymphenburg zu bewundern
gibt. Das gilt auch für das Bild von der schönen Lola Montez. Es haut einen
nicht vom Sockel.
Aber
die Nofretete tut es. Mir er scheint es einfach unwahrscheinlich, daß ein ägyptischer Bildhauer etwa 1300 v. Chr. geschafft
haben soll, was die Künstler in den folgenden dreitausendzweihundert Jahren
nicht geschafft haben: Ein faszinierendes Abbild einer schönen Frau zu
schaffen. Das schaffte erst der Jugendstil.
Seltsam
ist auch, daß die Nofretete aus Gips ist (genauer,
eine Steinbüste mit einem Überzug aus fünf Schichten Gips). Kein anderes Volk
baute und schuf so für die Ewigkeit wie die Ägypter. Die Skulpturen wurden
bevorzugt aus Granit gemacht, dem härtesten und widerstandsfähigsten Stein. Die
Nofretete ist aber aus Gips. Das ist ein Material, das weich und gegen
Feuchtigkeit empfindlich ist. Trotzdem ist die Büste der Nofretete so wunderbar
erhalten, und auch die Farben, mit denen sie angemalt ist, haben sich über die
Jahrtausende so wunderbar erhalten ! Das sind etwas zu
viele Wunder.
Die
Amarna-Kultur, aus der die Norfretete-Büste
entstammt, ging neue Wege. Insofern würde das die Verwendung von Gips erklären.
Aber die Amarna-Kultur legte großen Wert aus eine realistische Darstellung, nicht auf eine idealisierte
Darstellung. Man ging mit dem Realismus so weit, daß
man schon karikierte – wie man an der Skulptur von Echnaton
sieht. Die makellose Schönheit der Nofretete passt eigentlich nicht zum
Realismus der Amarna-Kultur. Deshalb hat man jetzt
die Beleuchtung der Büste so geändert, daß die
Fältchen sichtbar werden.
Ludwig
Borchardt war eine große Koryphäe auf dem Gebiet Entlarvung von Fälschungen. Er kannte die Tricks der
Fälscher und er wusste auch, wie man den Fälschern auf die Schliche kommt.
Damit war er aber auch einer, der das nötige Wissen hatte, um eine perfekte Fälschung
zu machen. Er grub die Nofretete in der Werkstatt von Thutmosis,
ihres Schöpfers, aus. Da fand er wohl auch die notwendigen Materialen und
Pigmente, um die Nofretete-Büste so zu fälschen, daß
diese Fälschung nicht durch eine Analyse des verwendeten Materials nachzuweisen
ist. Wenn die Techniken und die verwendeten Materialien aus der Amarna-Zeit stammen: wie soll dann eine
naturwissenschaftliche Analyse weiterhelfen ? Da bleibt nur das Stilempfinden und das Bauchgefühl. Und das
sagt mir: Die Nofretete ist eine Jugendstilbüste.
Vielleicht
dachte Borchardt ursprünglich gar nicht an eine Fälschung, sondern nur an ein Restauration.
Er
fand eine Steinbüste und ließ dieses beschädigte und unvollkommene Kunstwerk
von einem Jugendstilkünstler durch einen Gipsüberzug restaurieren. Er wollte
vielleicht nur sehen, wie die Büste ausgesehen haben mag, als sie neu war.
Diese Restauration glückte so gut, daß man gesagt
haben mag: „Dieses Werk ist so schön und vollkommen. Wir können die Gipsschicht
nicht wieder abmachen.“
Die
Büste wurde erst einem kleineren Publikum gezeigt. Darunter waren wohl auch
hohe Herrschaften, vielleicht Kaiser Wilhelm selbst. Und dann wurde dem Herrn Borchardt nahegelegt, die
Büste für echt zu erklären. Und das ist sie ja auch –was ihren steinernen Kern
anbelangt. Sie wurde nur restauriert – und zwar so, daß
sie viel schöner als das Original wurde.
Über die
Echtheit der Nofretetebüste schreibt mir ein Sammler von ägyptischen
Ausgrabungen aus Österreich:
„Habe mit
Interesse ihren Artikel über die Büste der Nofretete im Internet gelesen. Bin
auch ihrer Meinung, dass die Büste so um die Jahrhundertwende eventuell
hergestellt wurde.
Ich sammle
einfache ägyptische Figuren aus Fayence und Bronze und habe da im Laufe der
Zeit eine Menge Literatur gelesen und vor allem angeschaut. Mit der Zeit
bekommt man dann ein Gefühl aufgrund des Stils dafür, ob eine Figur nun antik
sein kann oder nicht. Bei Figuren wie sie oft in den Auktionshäusern angeboten
werden, werden praktisch nie naturwissenschaftliche Methoden angewendet, um das
antike Alter zu bestimmen. Die Experten erkennen dies am Stil und an der
Oberfläche des Materials.
Zur
Oberfläche der Nofretete ist auch zu sagen, dass praktische keine
Versinterungen des Oberflächenmaterials zu sehen sind. Dies ist aber zumindest
bei Sammlern immer ein wichtiges Echtheits-Kriterium. Fehlen chemische Oberflächenveränderungen aufgrund des hohen Alters bei
heute angebotenen Figuren, ist es schwierig, solche Figuren zu verkaufen, weil
Sammler dann skeptisch werden. Es müßte zumindest an
kleinen Stellen, auch an der Büste der Nofretete, irgendwo Beschädigungen
gegeben, wo man solche chemische Auswüchse in Form von Versinterungen sehen
kann. Selbst Farben auf alten Sargdeckeln zeigen diese manchmal (obwohl
Holzhintergrund). Bei einem Gipsuntergrund müßten,
denke ich zumindest, Versinterung durch die Bemalung durchdringen. Dies ist bei
antiken Figuren normalerweise praktisch normal.
Wie Sie auch
im Artikel beschreiben, der Stil ist mehr oder weniger um 1900. Solche
Darstellungen hat es auch in der ganzen Ägyptischen Antike nie gegeben. Keine
Frauendarstellung zeigt diese, für uns sehr ansprechende Eleganz. Bin mir auch
nicht sicher, ob in der 18. Dynastie, dies überhaupt ein Schönheitsideal
gewesen wäre. Die Farbenzusammenstellung ist auch untypisch. Die Armana-Prinzessinnen aus der 18.Dynastie zeigen auch eine
meiner Ansicht nach, ganz andere Kopfform. Nofretete erscheint mir im Gesicht
etwas zu schmal. Weiters denke ich auch, dass die Hautfarbe zu hell ist. Die
Ägypter aus diesem geographischen Bereich haben eindeutig dunklere Hautfarbe.
Die
Farbenzusammenstellung der Büste insgesamt würde auch so eher um 1890-1910
passen. In Wien wurden ab ca. 1880 sogenannte "Wiener Bronzen"
hergestellt, wo man sehr gerne Orientalen (Araber mit Kamel usw.) darstelle.
Diese Figuren haben eine sehr oft ähnliche Farbenkomposition wie die Nofretete.
Ähnliche Farbenkompositionen gibt es auch bei der Darstellung von Arabern auf
Bildern aus dieser Zeit.
Insgesamt ist
es auch sehr unwahrscheinlich, eine Figur mit Gipsüberzug, in so einer
Oberflächenqualität überhaupt zu finden und dies dann noch von einer Königin.“