Globale Perspektiven

Von Richard Beiderbeck  www.koinae.de 

 

Die Globalisierung der Wirtschaft führt dazu, daß die multinationalen Konzerne die Staaten gegeneinander ausspielen. Globalisierung heißt für die Profitmacher: die globale Herrschaft der Herrschaft des Geldes. Für immer mehr Menschen bedeutet dies: Armut und sozialer Absturz. Aber eigentlich müsste Globalisierung doch heißen: Globalisierung der Menschenrechte, des Wohlstands und der Freiheit.

 

Wie kommen wir zur Globalen Union ?

 

Lange Zeit war ich der Ansicht, daß eine Globale Union von der UNO ausgehen müsste. Warum etwas Neues erfinden? Die UNO existiert ja schon. Jedoch hat sie einige schwerwiegende Mängel. Aber ich dachte: die kann man ja vielleicht beheben. Und so wurde ich Weltföderalist und  forderte, daß aus der UNO-Vollversammlung allmählich in ein Weltparlament wird. Die UNO sollte immer mehr Kompetenzen bekommen und schließlich sollte die UNO-Vollversammlung eine Weltregierung wählen.

 

Große Hoffnungen setzte ich auch auf die USA. Aber das war die USA des Bill Clinton. Von George W. Bush wussten wir damals noch nichts. Die USA haben uns alle bitter enttäuscht. Aber war es allein die Schuld von Bush? Schon die USA des Bill Clinton zu, daß die UNO der USA Vorschriften machen konnte.

 

Das Thema UNO als Weg zur Globalen Weltunion ist für mich ad acta gelegt.

 

Heute sehe ich zwei Wege, auf denen die Weltunion entstehen könnte:

 

1.     Die allmähliche Erweiterung der Europäischen Union zur Globalen Union (in einem Prozess, der vielleicht 50 oder 100 Jahre dauern kann)

2.     Die Entstehung einer Weltföderation der Metropolregionen

 

Beide Entwicklungswege widersprechen sich nicht, sondern können sogar Synergien entfalten.

 

Der Unterschied zwischen dem amerikanischen Imperium und der Europäischen Union

 

Das amerikanische Imperium hat im Vietnamkrieg und im Irak-Krieg sein hässliches Gesicht gezeigt. Und letztlich sind die USA mit ihrer Machtpolitik gescheitert und haben jede Glaubwürdigkeit und Sympathie verloren. Das Gefangenenlager in Guantanamo öffente der Welt die Augen, und man sah auch, dass die USA der Konvention zur Ächtung von Landminen nicht beitraten, dass sie erklären, ein amerikanischer Staatsbürger dürfe nicht vor das vor dem Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden. Die USA wollen sich nicht den Werten und Normen der Weltgemeinschaft unterwerfen. Ein solcher Staat ist kein Freund der Menschheit, sondern ein bedrohlicher Aggressor.

 

Ganz anders die Europäischen Union. Sie erkennt alle ihre Mitgliedsstaaten als gleichberechtigt an und räumt allen ein Mitentscheidungsrecht ein. Die politischen Verhandlungen, um zu einem Konsens und zu einer Entscheidung zu kommen, sind oft unendlich mühsam. Die Politiker, die diese mühsame Ochsentour auf sich nehmen, sind wahre Helden. Aber ihre Arbeit trägt Früchte.  Langsam wächst ein Europa heran, das für die ganze Welt Beispiel und Hoffnung ist. Die Europäische Union ist nicht aggressiv – sie besitzt auch gar nicht die Machtmittel. Aber gerade das macht  ihren Charme aus

 

Soll die Türkei der EU beitreten dürfen und wann ?

 

Zunächst einmal muß man sehen, dass der Beitrittswunsch der Türkei für die EU eine Ehre und Bestätigung dafür ist, dass ihr Politikmodell das richtige ist.

 

Mit dem Beitritt der Türkei würde die EU aufhören, eine nur eine auf den abendländischen Kontinent beschränkter Staatenbund zu sein. Es wäre ein Schritt über den Rubikon; von da an wäre die EU auf dem Weg zur globalen Föderation, zur Weltföderation.

 

Die Frage, die sich hier aufdrängt ist: warum gerade jetzt die Türkei ? Warum nicht zuerst die Ukraine oder Rußland ? Warum nicht zuerst Kanada, Australien, Israel, die USA oder die südamerikanischen Länder ?

 

Die Prioritätsliste für den Beitritt zur EU müsste so aussehen:

 

1. Schweiz

2. Norwegen

3. Kroatien

4. Bosnien

5. Montenegro

6. Serbien

7. Mazedonien

8. Albanien

9. Moldawien

10. Ukraine

11. Weißrußland

12. Rußland

13. Canada

14. Australien und Neuseeland

14. USA

15. Die lateinamerikanischen Staaten (Brasilien, Argentinien usw.)

16. Indien, Pakistan und Bangladesh

17. Japan

16. Dubai und die Emirate am persischen Golf

18. Die Südostasiatischen Staaten

19. Marrokko

20. Tunesien

21. Türkei

22. Die Staaten im Kaukasus und in Zentralasien

23. China

24. Die afrikanischen Staaten

25. Iran

26. Die Staaten der islamischen Welt

 

Warum diese Reihenfolge, und warum die Türkei und die islamische Welt ganz am Schluß ?

 

Zunächst einmal scheint es mir doch wesentlich naheliegender, daß die Schweiz und Norwegen zur EU beitreten als die Türkei.

 

Obwohl uns vom asiatischen Teil der Türkei nur der Bosporus trennt (und dieser auch noch durch eine Brücke überspannt wird), liegt uns Canada viel näher als die Türkei. Die Kanadier sprechen englisch und französisch und sie stammen hauptsächlich von Europäern ab und sind in der europäischen Kultur verwurzelt. Prinzipiell sollte die EU erst Staaten aufnehmen, die in der europäischen Kultur verwurzelt sind und vorwiegend von Europäern abstammen – auch wenn diese Nationen geographisch weit entfernt liegen. Im Zeitalter des Düsenflugzeuges und des Internets spielt die räumliche Distanz eine immer geringere Rolle. Umgekehrt sollte man nicht aus der Tatsache, daß ein Zipfel von Europa zur Türkei gehört, der Schluß gezogen werden, daß die Türkei zu Europa gehört.

 

Ja, die EU muß zunächst ein „Christenclub“, wie sie von den Türken polemisch genannt wird, bleiben. Wir haben leider erfahren müssen, daß sich islamische Minderheiten schwer in die europäische Kultur eingliedern. Allerdings ist die Mehrheit der Türken bestrebt, sich anzupassen und Europäer zu werden. Aber ein dennoch: ein beträchtlicher Teil der Moslems beharrt darauf, sich nicht zu integrieren.

 

Der Islam wurzelt tief im Judentum, tiefer als das Christentum, das starke griechische Elemente enthält. Typisch jüdisch am Islam ist z. B. die Beschneidung, die Reinheitsgebote, die heilige Stadt, der Glaube an die Auserwähltheit und an der Anspruch, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein. Judentum und Islam sind wie Vater und Sohn, wobei der Sohn (der Islam) nicht wahrhaben will, wie sehr er ein Abbild des Vaters ist. Der typisch patriarchalische Anspruch, immer Recht zu haben und die Attitüde, keinen Millimeter nachzugeben, tötet alle Kompromisse und jedes friedliche Miteinander. Deswegen habe ich große Angst und Bedenken, islamisch geprägte Länder in die EU aufzunehmen. Kulturen, die die Aufklärung und das wissenschaftliche Denken noch nicht verinnerlicht haben, werden sich schwer in die europäische Gemeinschaft einzugliedern. Uns reicht schon der Ärger mit Polen.

 

Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Deshalb sollte man es erst einmal mit kleineren islamischen Ländern versuchen, z. B. Tunesien oder Marokko. Wenn das gut geht, könnte man auch an die Aufnahme der Türkei oder Ägyptens denken.

 

 Soll die USA der EU beitreten ?

 

Ja, warum nicht zuerst die USA ? Abstammungsmäßig und kulturell stehen uns die USA-Amerikaner näher als die Türken. Ich brauche hier jetzt nicht im Einzelnen aufführen, wie nahe uns Europäern die USA stehen. Aber ein Beitritt der USA zur EU wurde bisher nie in der Öffentlichkeit diskutiert, noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Warum nicht? Vielleicht weil der Atlantik zwischen den USA und Europa liegt?

 

Ein größeres Hindernis als die geographische Distanz ist das Dominanz-Streben der USA.  Die USA hat solch eine Größe, solch ein Gewicht und solch eine Wirtschaftskraft, dass für sie als absurd erschient, sich den EU-Verordnungen zu unterwerfen. Kann man sich vorstellen, dass die Supermacht USA mit Litauen um irgendwelche Entscheidungen feilscht? Aber auch die EU hat wenig Neigung, die USA beitreten zu lassen. Man muß Angst haben, dass die USA die ganze EU sprengen oder dominieren würden.

 

Weniger Schwierigkeiten dürfte die Währung machen. Die Verschmelzung von Euro und Dollar liegt nahe. Auch der freie Warenverkehr zwischen USA und der EU ist eigentlich schon längst Realität. Vor dem 11. Sept. 2001 war auch die Einreise von EU-Bürgern in die USA kein Problem.

 

Aus meiner Sicht gibt es für den Beitritt der USA zur EU drei ernsthafte Hindernisse:

1.     Die USA sind nicht geneigt, sich der Brüsseler Bürokratie zu unterwerfen (was sehr verständlich ist)

2.     Die USA beanspruchen eine Führungsrolle

3.     Die EU fürchtet, von der USA dominiert und für ihre Großmachtinteressen eingesetzt zu werden, d.h. z. B in ihre Kriege verstrickt zu werden

 

Vielleicht erinnern Sie Sich noch daran, dass man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sich fragte: „Was soll jetzt mit der NATO geschehen? brauch man sie überhaupt noch?“ Eine Antwort darauf war: „Verwandeln wir doch die NATO in ein politische Gemeinschaft!“ Aber das war sehr schnell vom Tisch. Die Gründe waren wohl auch hier, dass die USA nicht daran interessiert war, sich einer Gemeinschaft zu unterwerfen und auf ihren Führungsanspruch zu verzichten.

 

Wenn Die USA der EU beitreten, müssen sie ihr Imperium aufgeben

 

Wenn die USA der Europäischen Union beitreten soll, muß sich ihre Politik grundlegend wandeln. Sie muss auf „amerikanisches Imperium“ verzichten. Dieses Imperium besteht aus einem Netzwerk von Militärbasen, Konzernen, wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Verbündeten. Diese Verbündete, oft genug Militärdiktaturen (Saddam Hussein war einer von ihnen!), werden von den Amerikanern gekauft, erpresst und in Schuldknechtschaft gehalten. Die Welt hasst Amerika in einem Ausmaß, wie es vor 50 Jahren undenkbar war.

 

Es soll nicht verkannt werden, daß wir Europäer Nutznießer dieses Imperiums sind. Auch wir brauchen sichere und billige Rohstoffe und auch wir profitieren von der Ausbeutung der Dritten Welt. Es ist also scheinheilig, die Amerikaner zu verdammen. Die Amerikaner tun nur die Dreckarbeit, für die wir Deutschen uns zu fein sind oder moralische Bedenken haben. Nicht nur die amerikanische Politik, sondern auch die Europäische Politik müsste auf das amerikanische Imperium verzichten. An seine Stelle müsste eine Weltordnung treten, in welcher die Ölreserven und die Rohstoffe in fairer Weise zwischen den Nationen der Welt aufgeteilt werden – unabhängig davon, auf wessen Territorium sie lagern.

 

Wie die Amerikaner globale Politik machen

 

Im Moment sieht es doch so aus: Ein Land hat wichtige Rohstoffe. Deshalb gibt es dort eine starke militärische und wirtschaftliche Präsenz der Amerikaner. Die Regierung des Landes kooperiert mit den USA, weil sie durch die Militärpräsenz gestützt (und eingeschüchtert) wird. Das Land hat Kredite von der Weltbank und vom Weltwährungsfonds bekommen. Damit hat es seine Infrastruktur ausgebaut, damit die Rohstoffe außer Landes gebracht werden können. Das Land ist verschuldet und sitzt in der Schuldenfalle. Wenn es nicht zahlt, wird der Geldhahn zugedreht und jede Unterstützung verweigert. Also verkauft das Land seine Rohstoffe zu Schleuderpreisen und die westliche Welt, um die Schulden und  Zinsen zu zahlen. Aber die Schulden entwickeln sich durch den Zinseszinseffekt immer mehr zu einer abstrakten Geldmenge, die eigentlich niemand mehr bezahlten kann und die nur noch eine irreale Größe ist. Aber für dieses „Luftgeld“ liefert das Land ganz reale Rohstoffe und Produkte. Dies ist eine Ausbeutung ohne Kolonialismus und Unterdrückungsapparat. Mit einem Minimum an Aufwand holen die USA und ihre Verbündeten ein Maximum an Profit aus einem Land heraus.

 

Aber das kann nicht der Weg für die Zukunft sein. Die Rohstoffe gehören der gesamten Menschheit und nicht nur den Imperialisten und der korrupten Oberschicht des Landes, in dem sie vorkommen. Und was die Produkte (Nahrungsmittel, Textilien, Industrieprodukte) anbelangt: Sie dürfen nicht exportiert werden, solange die eigene Bevölkerung und Not und Armut lebt.

 

Der Abschied vom amerikanischen Imperium

 

So geht’s nicht weiter. Auf die Dauer müssen alle Staaten gleichberechtigt sein und jeder Staat muß seine Bevölkerung versorgen können und darf nicht zulassen, daß sie ausgebeutet wird.

 

Nach diesem Prinzip müssten die USA und die EU handeln. Erst wenn darüber Einigkeit herrscht, können die USA Teil der EU werden, und aus der EU kann eine Weltgemeinschaft werden. Das setzt aber auch ein grundlegendes Umdenken in der EU voraus. Aber nicht in nur der EU, sondern auch in Japan und China. Es macht wenig Sinn, wenn sich die USA und Europa aus der Welt zurückziehen und die Rohstoffquellen den Chinesen, Russen und Japanern überlassen.

 

Alle müssen sparsamer werden und alle müssen die Rohstoffe gerecht und friedlich teilen. Der einzige Rahmen, innerhalb dessen dies funktionieren kann, ist die globale Union. Diese globale Union muß zunächst keine politische Union sein, sondern nur eine Instanz, ein Gremium der Nationen, welches aushandelt, wer wie viel Öl etc. fördern und verbrauchen darf. Wenn es zu keiner friedlichen Einging kommt, droht auf lange Sicht Krieg. Krieg droht auch in dem Moment, wo das amerikanische Imperium in die Knie geht. Noch verhindert die überwältigende Übermacht der USA und ihrer europäischen Freunde, daß die Chinesen und alle aufstrebenden Länder versuchen, sich die Rohstoffe mit militärischen Mitteln sichern. Allerdings sind die Chinesen bereits auf sanfte Weise überall auf der Welt unterwegs, um sich bei den Rohstofflieferanten einzukaufen.

 

Alle Nationen werden in Zukunft drastisch sparen müssen

 

Der Verzicht auf die billigen Rohstoffe und die billigen Importe aus den ausgebeuteten Ländern bedeutet natürlich einen Verzicht auf Wohlstand und Konsum bei uns in Europa und in den USA. Aber es wäre vor allem ein Verzicht auf Verschwendung. Diese würde natürlich vor allem die Groß-Verschwender treffen. Ein Hartz-4-Empfänger wird wohl kaum dazu gehören. Aber der Konzernmanager, der 20 Millionen Euro um Jahr verdient und der noch mehr mit seinen Aktien und Gewinnbeteiligungen einnimmt.

 

Exkurs über Reichtum, Armut, Wahlverhalten und Revolution

 

Leider werden die Reichen und Schönen gefeiert und bewundert. Ja, die Medien und die Öffentlichkeit treiben einen Kult um sie. Kult bedeutet: hemmungslose Bewunderung und kritiklose Verehrung. Zu viele Menschen hoffen, daß sie eines Tages auch dazu gehören werden. Diejenigen, die die große Verschwendung von Ressourcen, welche die Menschheit dringend benötigt, abstoßend und unmoralisch finden, werden als Neidhammel oder Versager hingestellt. Aber müßte man nicht die Verschwender anprangern? Aber das würde ja den sozialen Frieden stören. Und ein Aufruf, den Reichen und Mächtigen das Leben zu erschweren oder sie gar verächtlich zu machen, wäre ja schon Volksverhetzung.

 

In den allen Demokratien gibt es zwei politische Lager: Die Linken und die Rechten, die Konservativen und die Fortschrittlichen. Beide Lager halten sich in fortschrittlichen Ländern in etwa die Waage.

 

Woher kommt das?  Es liegt an der Selbsteinschätzung und den Zukunftserwartungen der Leute. Da es immer ein mittleres Einkommen und ein mittleres Vermögen gibt, dann bedeutet dies zwangsläufig: es geht einer Hälfte der Bevölkerung besser und einer Hälfte schlechter geht als dem Durchschnitt.

 

Die Bessergestellten wollen an diesem Zustand nichts ändern und sind konservativ. Die Schlechtergestellten fordern Umverteilung und mehr Gerechtigkeit. Die einen wählen in den USA die Republikaner, die anderen die Demokraten. Bei uns wählen die Bessergestellten FDP, CDU/CSU. Die Schlechtergestellten wählen die SPD und die Linke.

 

Aber ganz so einfach ist das nicht. Entscheidend ist nämlich, welcher dieser beiden Gruppen, den Bessergestellten oder den Schlechtergestellten, man sich innerlich zugehörig fühlt. Ein SPD-Wähler, z. B. der Ex-Bundeskanzler Schröder, ist inzwischen schon längst in des Lager der Besserverdienenden gewechselt. Aber weil er einst in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und sich trotz allem innerlich noch als Schlechtergestellter fühlt, wählt er immer noch SPD. Umgekehrt wählen die Leute immer noch FDP, obwohl sie in der Realität schon längst zu Schlechtergestellten geworden sind.

 

Interessant ist übrigens, daß die Wähler der Grünen zu den Bessergestellten gehören, aber sich im Herzen als Schlechtergestellte fühlen, also nach links tendieren. Aber je realistischer die Grünen werden, umso mehr erkennen sie, daß sie zum bürgerlichen Lager gehören.

 

Die Gemäßigten in beiden Lagern wollen keine Revolution

 

Die Gemäßigten in beiden Lagern sind sich darin einig, daß sie keine Verschärfung des Verteilungskampfes wollen. Die gemäßtigten Bessergestellten denken: Lieber geben wir den Schlechtergestellten etwas von unserem Wohlstand ab, bevor wir eine Revolution erleben müssen, die uns nicht nur Hab und Gut, sondern Leib und Leben kosten kann. Außerdem sind Revolutionen und Bürgerkriege schlecht fürs Geschäft.

 

Die Schlechtergestellten denken: Wenn wir die große Revolution machen, kann das damit enden, daß es uns allen noch viel schlechter geht. Also werden wir mit legalen Mitteln für mehr Gerechtigkeit kämpfen.

 

Wann kann es zu einer Radikalisierung kommen?

 

In normalen Zeiten dominieren die Gemäßigten in beiden Lagern. Erst wenn die gemäßigten Schlechtergestellten sich als extrem schlechter gestellt empfinden, und das Gefühl haben, daß sie nichts mehr zu verlieren haben, drohen Revolution und Bürgerkrieg.

 

Wie kann es dazu kommen, daß die gemäßigten Schlechtergestellten radikal werden ? Der Grund kann sein, daß die Bessergestellten zu gierig und zu rücksichtslos geworden sind und immer mehr Menschen, die vorher ein bescheidenes, aber hinreichendes Auskommen hatten, in die krasse Not getrieben werden.

 

Aber auch dann kommt es noch nicht zur Revolte. Denn: wenn die Bessergestellten die überlegene militärische und polizeiliche Macht besitzen, können Sie den Aufstand unterdrücken. Erst wenn die Herrschaft der Bessergestellten ins Wanken gerät oder die Regierung schwere Fehler macht, ist eine Revolution erfolgreich.

 

Warum man die Reichen nicht folgenlos verächtlich machen kann

 

Weil also immer ein Teil der Bevölkerung konservativ und der andere Teil sozialistisch gestimmt ist, wird man die Reichen nie verächtlich machen können, ohne den anderen Teil der Bevölkerung gegen sich aufzubringen und sich die Gemäßigten beider Lager zum Gegner zu machen. Also werden die Reichen weiterhin unbehelligt bleiben und die Ressourcen der Dritten Welt weiterhin verschwenden.

 

Umweltschützer und die Linken sind nicht wirklich bereit, sich einzuschränken und zu teilen

 

Viele haben ein Bekenntnis zur Gerechtigkeit und zum Umweltschutz auf den Lippen. Schauen wir doch nur Al Gore an. Er tritt als großer Klimaschützer auf. Aber er gibt im Jahr 30 000 Dollar für Energiekosten aus. Er hat ein großes Haus zu heizen, er reist mit dem Flugzeug umher. Die Schlimmsten sind die Heuchler, z. B. die  Grünen, die trotzdem mit dem Auto und dem Flugzeug reisen und in großen, ölbeheizten Wohnungen leben.

 

Heuchler sind auch diejenigen, die fordern, daß man dem Elend der Welt entgegentreten  müsse, aber in der Toskana eine Zweitwohnung haben. Dann können sie  ja ein paar afrikanische Flüchtlinge in diese Zeitwohnung einquartieren oder sie sogar in ihre Erstwohnung in München oder Berlin als Hausgenossen bei sich aufnehmen.

 

Das Thema „Einigung der Welt in einer Globalen Union“ wird immer auch davon abhängen, wie es gelingt, die Frage der sozialen Gerechtigkeit zu lösen. Solange es zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen und den einzelnen Staaten große Unterschiede in Bezug auf Reichtum und Macht gibt, wird es immer ein großes Konfliktpotential geben, welches die Welt in zwei Hälften spaltet. Der Konflikt zwischen Islam und Christentum ist auch ein Konflikt zwischen reichen und armen, zwischen mächtigen und ohnmächtigen Staaten.  Verstärkt wird dieser Konflikt aber durch den intoleranten Charakter dieser beiden Religionen.

 

Wären ein „Vereinigtes Abendland“ nicht für den Rest der Welt beängstigend ?

 

Dieser Aspekt eines Beitritts der USA zur EU wäre aus der Sicht des Restes der Welt bedenklich. Wenn auch noch Rußland, die Ukraine, Kanada, Australien, Neuseeland, und womöglich Lateinamerika dazu kämen, hätte dieses „Vereinigte Abendland“ oder der „Christenclub“ ein beängstigendes Übergewicht über den Rest der Welt.

 

Ist nicht der islamische Terrorismus ein, wenn auch ungeeigneter und krimineller Versuch, dem Westen die Stirn zu bieten? Jeder Fundamentalismus wurzelt in einem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit und in einem tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex.

 

Eine erfolgreiche Diplomatie muß diesem Minderwertigkeitskomplex der nichteuropäischen Welt Rechnung tragen und ihr zeigen, daß sie als gleichwertig und gleichberechtigt angesehen wird.

 

Für die europäische Welt geht es darum, in Würde von ihrem Weltherrschaftsthron zu steigen und sicherzustellen, daß der Pöbel den entthronten Monarchen nicht steinigt. Der Haß ist groß auf die Weißen.

 

Das Ende der weißen Vorherrschaft

 

Welch ungeheuerer Siegeslauf der Europäer in den letzten 800 Jahren !

 

Begonnen hat alles mit den Kreuzzügen. Um das Jahr 1200 hatte Europa an Macht, Kultur und Bevölkerung zugenommen und suchte sich zu expandieren. Im Westen war der Ozean, von dem man nicht wusste, daß Amerika dahinter lag. Im Süden das unwirtliche und vom Islam beherrschte Nordafrika. Im Osten die eisigen Weiten Russlands und die von Mongolen beherrschten Steppen. Wohin also expandieren? In die Levante, das östliche Mittelmeer. Dort hatten Venedig und die oberitalienischen Städte Kolonien und Stützpunkte gegründet, dort gab es Möglichkeiten zu Reichtum zu gelangen.

 

Engländer, Franzosen und Deutsche traten aus ihrer beengten und kleinen Welt heraus und trafen auf in der Levante auf eine Kultur, die ihnen zivilisatorisch und wissenschaftlich überlegen war: Die Welt des Orient und des Islam. Und sie trafen durch die Vermittlung der Araber und Byzantiner auf die Wissenschaft und die Philosophie der Antike.

 

Die Kreuzzüge haben den Grundstein er europäischen Überlegenheit gelegt. Zwar mussten die Eroberungen, die man in Palästina machte, nach etwa hundert Jahren wieder aufgegeben werden, aber man hatte an Wissen so viel hinzugewonnen, daß das Abendland aus dem Schatten der Kirche und ihrer Denkverbote heraustrat. Hier wurden schon die Grundlagen für die Renaissance, die Aufklärung und die moderne Wissenschaft gelegt.

 

Waffentechnisch waren die Europäer noch lange unterlegen. Der türkische Säbel, der Reflexbogen der Mongolen, die Kanonen der Türken, mit denen sie Byzanz und den Balkan eroberten, waren den Mordwerkzeugen der Europäer überlegen.

 

Die Europäer zogen 1492 das große Los

 

Das große Los zogen die Europäer mit der Entdeckung Amerikas und später Australiens. Mit einem Mal vervielfachte sich der Lebensraum der Europäer, und damit auch auf lange Sicht ihre Bevölkerungszahl. Daß Amerika und Australien keine menschenleeren Gebiete waren, sondern, wenn auch meist sehr dünn, besiedelt waren, und daß diese Urbevölkerung gnadenlos unterworfen und teilweise ausgerottet wurde, ist hinlänglich bekannt.

 

Gestützt auf diesen Zuwachs an Land, an Ressourcen und an Wissen stiegen die Europäer zu den Herrschern dieses Planeten auf, und diese Überlegenheit ermöglichte es im 19. Jahrhundert, praktisch ganz Afrika und Asien zu unterwerfen.

 

Wenn China ein „Super-Japan“ wird

 

Das muß man sich vor Augen halten, wenn man die Gefühle der Araber, der Inder, der Chinesen und der Afrikaner uns gegenüber betrachtet. Länder wie China, Japan, Indien und Ägypten hatten aber schon vor den Europäern eine uralte Kultur, die in vielen Dingen dem Abendland überlegen war. Ihnen fiel es relativ leicht, ihr Selbstbewusstsein nach den Demütigungen und Erniedrigungen, die ihnen die Europäer zugefügt hatten, wieder zu gewinnen. Japan warf schon früh  die Europäer und ihre Missionare aus dem Land heraus. Die Japaner haben sich nie gegenüber und Europäern und Amerikanern unterlegen gefühlt, sondern sie zeigten sich nach der erzwungenen Öffnung von 1854 und der Meji-Restauration ab 1868 wild entschlossen, nicht die Unterlegenen, sondern die Überlegenen zu sein. Und die Chinesen eifern ihnen nun nach und sind auf dem Weg, ein „Super-Japan“ zu werden (wenn das auch in chinesischen Ohren schrecklich klingen mag, denn der Haß der Chinesen gegen die Japaner sitzt tief, denn die Japaner besetzen in der Zeit von 1931 bis 1945 ein Drittel Chinas und töteten Millionen Chinesen).

 

Die Inder sind sich ohnehin ihrer spirituellen Überlegenheit bewusst. Die Ägypter sind stolz darauf, die älteste Kultur zu haben und die Araber drängen in Dubai und den Emiraten mit Gewalt in die Moderne – gepolstert durch die Ölreichtümer.

 

Die Nichteuropäer wandern in den USA und Europa ein, während die Europäer aussterben

 

Von der Überlegenheit der Europäer und Amerikaner kann also schon lange nicht mehr die Rede sein. Nicht nur, daß sie allmählich die Dominanz in Asien und Afrika verlieren und mit selbstbewussten und aufstrebenden Staaten wie Japan und China konfrontiert sind, sondern darüber hinaus werden sie in ihren eigenen Metropolen zur Minderheit. Afrikaner, Araber, Türken, Chinesen und Latinos sind dabei, die USA und Europa zu erobern – und zwar auf dem friedlichen Wege er Immigration. Die Deutschen, Franzosen und Italiener sterben aus, und in ihre Wohnungen und ihr Städte ziehen kinderreiche Familien aus der Türkei, Afrika und Asien. Ich bin weit davon entfernt, ein Rassist zu sein. Aber es beunruhigt mich doch stark, wenn ich sehe, wie sich fremde Völker in unserem Land kräftig vermehren, während unsere Bevölkerung immer mehr überaltert.

 

Ich rechne ungefähr so: Deutschland hat etwa 357 000 Quadratkilometer und etwa 82 Millionen Einwohner. Davon haben aber 17 Millionen einen „Migrationshintergrund“, d. h. sie stammen nicht von Deutschen ab. Ich will mich jetzt nicht darüber streiten, ob jeder, der einen deutschen Pass hat, auch ein Deutscher ist. Jedenfalls hat er keine deutschen Gene – wie auch immer deutsche Gene beschaffen sein mögen und wie viele italienische, polnische, jüdische, tschechische oder französische Gene dabei sein mögen. Ich sage nur ein paar Namen: Schimanski, Schipanski, Wischnewski, Lafontaine, de Maiziere, Elisabeth Welano (Liesl Karlstadt). Aber nie hatten diese fremden Gene (meist der europäischen Nachbarvölker) einen so großen Einfluß, daß das deutsche Volk in seiner Grundsubstanz bedroht war. Nein, die fremden Gene stellten eine willkommene Bereicherung dar.

 

Mangelnde Integrationsbereitschaft der Zuwanderer

 

Aber mit der Migration, die innerhalb der letzten drei Jahrzehnte über uns hereingebrochen ist, hat es eine andere Bewandtnis, denn dies alles hat eine andere Quantität und Qualität. Schlecht ist zum Beispiel, daß diese Neudeutschen bevorzugt unter sich heiraten, ihre Frauen aus Anatolien holen und sich kulturell und sozial nicht eingliedern, sondern abschotten.

 

Die Europäer haben die Welt erobert und ihre Gene hinaus in die Welt getragen. Jetzt schlägt die Welt zurück. Die Welt erobert Europa und die USA und trägt ihre Gene zu uns herein.

 

Um nochmals auf die oben genannten Zahlen zurückzukommen. Deutschland hat 357 000 Quadratkilometer und 65 Millionen Deutsche ohne „Migrationshintergrund“, also echte Deutsche – um es mal politisch unkorrekt, aber zutreffend zu sagen. Wenn man das Verhältnis zwischen „echten Deutschen“ und „Migrationsdeutschen“ in Prozent ausdrückt, heißt dies: wir haben 20 % „Migrationsdeutsche“ und 80 % „echte“ Deutsche. Wenn man aber die Geburtenraten der beiden Gruppen und die Alterstruktur der Deutschen in Betracht zieht und bedenkt, daß die Migration ja weiter anhält, so erscheint es mir nicht unwahrscheinlich, daß in 30 Jahren einer überalterten echt-deutschen Bevölkerungsminderheit eine junge  und dynamische Mehrheit von Migrationsdeutschen gegenüber steht.

 

Die Europäer auf dem Rückzug

 

Eines der großen Themen der Zukunft wird also der Rückzug, ja sogar die Zurückdrängung der Europäer sein. Sie werden nicht nur ihren Einfluß in Asien  und Afrika verlieren, sondern in ihrer eigenen Heimat. Heute gehören einem echten Deutschen 357 000 Quadratkilometer durch 65 Millionen, also 5500 Quadratmeter Deutschland. Das ist immerhin ein Grundstück von 74 mal 74 Meter Länge, also ein ganz schöner Bauplatz mit Garten. Diesen Platz könnte ich an den deutschen Staat verpachten, und dieser könnte mir darauf ein Grundeinkommen gewähren. Mein Enkel – so ich einen hätte, hätte nur noch die Hälfte, denn er müßte mit den Migrationsdeutschen teilen, die über 50 % unseres Landes faktisch in Besitz genommen hätten. Eines Landes, in welchem die Kulturpflanzen ohne künstliche Bewässerung gedeihen, wo es keine nennenswerte Bodenerosion gibt, wo das Klima gemäßigt ist und das von Hurrikanen und Naturkatastrophen relativ wenig heimgesucht wird. Diese Art von Land wird langsam kostbar.

 

In diesem Jahr (Sommer 2007) hört man, daß der Spiegel des Garda-Sees stark gesunken ist. Der Grund ist, daß aus dem Gardasee große Wassermengen abgepumpt werden mussten, um die Felder rund um Mantua zu bewässern. Fruchtbarer Boden und Wasser werden weltweit zu einer knappen Ressource, die im Endeffekt wertvoller ist als Ölquellen. Denn die Ölquellen werden eines Tages versiegen.

 

Der Niedergang des Abendlandes?

 

Wie werden wir Europäer und Amerikaner mit diesem Sachverhalt des Endes unserer Dominanz und der Tatsache, daß wir in unseren Heimatländern zur Minderheit werden, umgehen? Und wie werden die Nichteuropäer auf die Tatsache ihrer neu gewonnen Macht und mit ihren neuen Expansionsmöglichkeiten in unsere Heimat reagieren? Wie werden sie mit dem nur allzu berechtigten Groll gegen uns verarbeiten? Werden sie mit uns so umgehen, wie wir mit Indianern (wir haben sie ausgerottet), mit den Afrikanern (wir haben sie versklavt), mit den Chinesen (wir haben sie gedemütigt und opiumsüchtig gemacht) umgegangen sind?

 

Eines ist klar: Gnade uns Gott, wenn wir Europäer, Amerikaner und Russen schwach und machtlos werden, denn auf unserem Planeten gilt nach wie vor: Wehe den besiegten, wehe den Schwachen !

 

Auf der anderen Seite können und sollten wir auch nicht versuchen, unsere Dominanz um jeden Preis zu behalten und zu verteidigen. Wir stünden dann auf verlorenem Posten. Unsere Bevölkerung ist überaltert und verweichlicht. Unsere Metropolen sind verwundbar gegen Krieg und Terror. Wir können uns schlicht keine Kriege und Konflikte mit der Welt leisten. Wir müssen also unseren Frieden mit der Welt machen und können nur hoffen, daß die Welt auch ihren Frieden mit uns machen will.

 

Frieden machen mit der Welt, das heißt für uns Europäer, Amerikaner und Russen: Rückzug an allen Fronten, Aufgabe der Militärstützpunkte und Vorposten.

 

Der Israelitische Staat oder: Gott ist Besteller-Autor

 

Einer der am meisten gefährdeten und markantesten Vorposten ist der Staat Israel. Wenn es zu keinem friedlichen und gleichberechtigten Zusammenleben von Juden und Arabern kommt – was mir angesichts der Intoleranz ihrer Religionen als unmöglich erscheint – dann wird der Staat Israel sich auf die Dauer nicht halten können in einem Meer von feindseligen Arabern. Friede in Nahost – das würde voraussetzen, daß die Moslems ihren Koran und die Juden ihre Thora verbrennen und aus ihrem Gedächtnis streichen. Aber eher friert die Hölle ein.

 

Aber eigentlich gibt es die Hölle nicht und eigentlich sind Koran, Thora und Bibel nur drei recht unvollkommne und widersprüchliche Bücher, bei denen jedes Kapitel nach Menschen riecht. Ja, Gott ist zum Menschen geworden. Er hat drei Bücher geschrieben und ist Besteller-Autor geworden. Das muß ja auch so sein, denn Moses, Jesus und Mohammed, die Stifter dieser drei Religionen, haben keine einzige schriftliche Zeile hinterlassen. Oh hätten sie es doch! Dann könnte sich nicht jeder so einfach auf sie berufen und behaupten, in ihrem Namen zu sprechen und zu handeln.  Stattdessen haben andere für sie die Feder ergriffen, z. B. ein gewisser Paulus. Die meisten anderen Schreibtischtäter sind unbekannt.

 

Jerusalem könnte eine gemeinsam von Juden und Arabern verwaltete Stadt werden, die keinem Nationalstaat angehört. Das gleiche gilt für die Metropolregion Tel Aviv. Sollte die Juden nicht in der Lage sein, mit ihren arabischen Nachbarn in Harmonie zu leben, müssten sie sich nach Europa oder Amerika zurückziehen.

 

Rückzug der USA aus den arabischen Ländern

 

Rückzug der Europäer bedeutet auch Abzug aller amerikanischen und europäischen Truppen aus dem persischen Golf und aus allen Stützpunkten rund um den Globus. Rückzug heißt auch: Rückzug der Russen aus dem Kaukasus und Zentralasien. Sibirien und seine Rohstoffe müssen der Weltgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Und das gleiche gilt für die Ölvorkommen im persischen Golf und überall auf der Welt. Wenn die Europäer dort abziehen, dürfen nicht die Chinesen und Japaner an ihre Stelle treten. Alle Rohstoffe der Welt sind als gemeinsames Erbe der gesamten Menschheit anzusehen und müssen an alle Menschen gerecht verteilt werden. Andernfalls drohen Kriege und Konflikte bis hin zum Atomkrieg.

 

Trotz all ihrer Grausamkeit und ihre Gier haben die Europäer für die Welt viel Gutes bewirkt: sie haben den technischen Fortschritt gebracht und die Welt zu einer wirtschaftlichen Einheit gemacht. Daß bisher nur wenige von dieser Einheit profitiert haben und die meisten Menschen Verlierer der Globalisierung sind, muß sich ändern. Die Asiaten sind auf den fahrenden Zug der Globalisierung aufgesprungen und haben sich mit der ihnen eigenen Zähigkeit und ihrem Ehrgeiz nach vorne gearbeitet. Sie werden die zukünftigen Sieger sein.

 

Wenn sich die Europäer und Amerikaner jetzt als dominierende Macht zurückziehen, kann an ihre Stelle nur die Weltgemeinschaft der gleichberechtigten Völker treten.

 

Der unaufhörliche Zustrom von Menschen aus anderen Kontinenten nach Europa und die USA kann nicht unbeschränkt so weitergehen. Das wird unsere Länder destabilisieren und den Neonazis Vorschub leisten. Die Menschen müssen in Ihren Ländern bleiben. Das maßlosen Wachstum von Megastädten wie Kairo, Lagos, Nairobi, Karatschi, Sao Paulo zeigt aber auch den Weg, der gegangen werden muß: Diese Megastädte in Afrika, im arabischen Raum und in Indien müssen von uns Europäern und Amerikanern mit einer derartigen Infrastruktur ausgestattet werden, daß die Leute in diesen Megacities bleiben und nicht zu uns kommen.

 

Die Zukunft in einer Welt der knappen Energie und der knappen Rohstoffe

 

Ich halte es für das beste, wenn sich die Weltbevölkerung in den Metropolregionen konzentriert. Warum ich das so sehe? Weil ich ein radikaler Umweltschützer und ein Freund der Natur bin. Diese Metropolregionen sollen aber nicht feindliche Brüder sein, sondern eine friedliche Weltgemeinschaft bilden.

 

Um zu verdeutlichen, was ich meine, möchte ich mit Beobachtungen beginnen, die ich gemacht habe.

 

Jeden Sonntagabend wird es auf der Autobahn von Deggendorf nach München lebhaft. Das Heer der Wochendpendler aus dem bayerischen Wald ist in Bewegung. Sie wohnen unter der Woche in München und haben das Wochenende in ihren Häusern in Ostbayern, in der Oberpfalz, im Allgäu und in Tirol verbracht und strömen nun zurück an ihre Arbeitsplätze. Warum haben sie kein Haus oder keine Wohnung in München ? Weil die Mieten und Immobilenpreise unerschwinglich sind. Also haben sie ihren Hauptwohnsitz 150 Kilometer von München entfernt. Ungeheure Mengen von Sprit werden von den Pendlern, von denen die meisten ja keine Wochenendpendler, sondern Tagespendler sind, seit vielen Jahren verschwendet, die Umwelt wird belastet. Der Staat hat das durch die Kilometerpauschale gefördert. Ein Pendler braucht ein Auto oder fördert den Umsatz der Bahn. Das steigert den Konsum und den Umsatz – auch wenn ökonomisch und ökologisch gesehen, Unsinn und Verschwendung ist.

 

Ein ähnliches Bild bietet jeden Sonntagabend auf der Autobahn nach Madrid und Barcelona in vielen andren Metropolregionen. Da läuft was schief.

 

Die Bevölkerung sollte in den großen Metropolen wohnen und auf das Pendeln verzichten. Zu den Berufspendlern kommen am Wochenende die Einkaufs- und Erlebnispendler. Am Samstag strömt alles nach München hinein, um einzukaufen oder um die Fußballer spielen zu sehen. Man geht ins Kino, ins Konzert oder man spaziert im Englischen Garten oder auf der Leopoldstraße. Man will auf dem Land leben, aber am urbanen Leben teilhaben.

 

Wäre es da nicht vernünftiger, wenn die Leute gleich in der Stadt wohnen würden?

 

Aber noch ein anderer Strom von Pendlern setzt sich am Wochenende in Bewegung: Die Münchner zieht es in die Berge. Aber schon vor Holzkirchen, vor Garmisch oder am Tegernsee stehen sie im Stau. Im Winter gesellen sich zu ihnen die Schi-Urlauber aus ganz Deutschland und Holland, im Sommer die Italienurlauber.

 

Auf dem Münchner Flughafen starten in der Ferienzeit im Abstand von zwei Minuten den ganzen Tag über die Flugzeuge mit Urlaubern oder Migranten, die es in den Ferien nach Hause zieht.

 

Welch ein gigantischer Verbrauch von Energie und Kosten.

 

Als Umweltschützer und Freund der Natur muß ich sagen, ich wäre froh, wenn die Pendler alle in München wohnen würden. Schön aus Sicht des Naturschutzes und des sparsamen Umgangs mit den Ressourcen wäre es auch, wenn Münchner in München bleiben würden, statt ständig über die Alpen und den Rest der Welt herfallen würden. Aber kein Berg ist ihnen zu hoch und kein Land zu weit. Ihre Helden sind Leute wie Reinhold Messmer, und keine Bergwiese ist vor ihren Wanderstiefeln und ihren Skiern sicher. Sie durchqueren die Sahara und sie umrunden den Kailash im Himalja. Sie waren schon in Las Vegas und New York, in Bankok und Bali. Und alle sind sie überzeugte Anhänger des Umweltschutzes. Sie lieben die afrikanischen Bergorillas so sehr, daß sie dort hin fliegen und sie beobachten.

 

Aber wäre es für die Welt nicht besser, wenn sie im Englischen Garten oder im Ostpark spazieren gingen  und die Berg-Gorillas auf ihrem Fernsehschirm beobachten würden? Dieser Fernsehschirm könnte ruhig noch größer sein und das Bild noch klarer und plastischer. Der wahre Umweltschützer ist nicht der Reinhold-Messmer-Typ, sondern die Couch-Potatoe mit der Bierflasche in der Hand. Der ideale Umweltschützer ist also vielleicht das magersüchtige Mädchen, das nie die Stadt verlässt und immer nur mit dem Radl zur Arbeit fährt…

 

Aber Spaß beiseite: Wie lange werden wir uns den ungeheureren Energieverbrauch durch Massentourismus und massenhaftes Berufspendeln leisten können ? Die steigenden Energiekosten werden hier zu einem heilsamen Regulativ werden.

 

Die Leute ziehen immer mehr in die großen Metropolen.

 

Die Welt der Megastädte und der industriellen Landwirtschaft

 

Ein amerikanischer Farmer kann 100 Menschen ernähren. Früher haben diese 100 Menschen auf dem Land gelebt. Die Tendenz geht dahin, daß 60 oder 70 von diesen Menschen in die große Stadt ziehen und nur noch der Farmer, ein paar Helfer und ein paar Alte auf dem Land zurückbleiben.

 

Das Land dort draußen vor der Stadt, mit seinen unendlichen Weiten und seiner Einsamkeit ist als Wohngebiet nicht mehr interessant – außer es ist fruchtbares Ackerland, oder es bietet wertvolle Rohstoffe oder es eignet sich als Urlaubsregion. Aber der weit größere Rest unseres Planeten ist Brachland.

 

Was wird die Menschheit mit dem Brachland tun ?

 

Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert hätte man ohne zu zögern geantwortet: Man wird es bewässern und düngen und in fruchtbares Ackerland verwandeln. Aber wird man das auch im 21. Jahrhundert so sehen ? Die Bewässerung führt zur Versalzung der Böden und zur Bodenerosion. Düngemittel verbrauchen bei Herstellung und Transport große Mengen Energie. Aber Energie wir immer teurer.

Monokulturen sind anfällig gegen Schädlinge. Also muß man immer mehr Chemie einsetzen.

 

All das wird dazu führen, daß immer mehr Brachland entsteht. Die Menschen fliehen von ihren verdörrten Feldern in die Megastädte.

 

Die verbleibenden fruchtbaren Gebiete werden von immer weniger Menschen mit immer ausgeklügelteren Methoden bewirtschaftet werden. Der Rest wird Brachland und Wüste, die sich immer mehr ausbreiten werden. Einen geringen Teil des Brachlandes wird man als Müllkippe, militärisches Übungsgelände oder Abenteuerspielplatz für Erlebnistouristen verwenden. Aber für den rieseigen Rest des Brachlandes wird die Menschheit keine Verwendung haben. Einige Sektierer, Zivilisationsflüchtlinge oder Aussteiger werden sich hierher zurückziehen, eine romantische und freiheitsliebende Minderheit, die vielleicht von irgendwelchen religiösen oder ideologischen Überzeugungen beseelt ist.

 

Aber sie werden Leute nach sich ziehen, Schriftsteller, Künstler, Kreative, die an einigen angesagten Orten per Satellit und mit eigener Strom- und Wasserversorgung dort im Nirgendwo ein letztlich urbanes Leben mit allem Komfort führen wollen. Aber der weit größere Teil der Bevölkerung wird in den großen Zentren leben wollen und müssen.

 

In den Gebieten, die in großem Stil landwirtschaftlich genutzt werden, wird es eine dezentrale Struktur geben. Kleinere, verstreute Orte und Städte, mit Straßen- und Bahnanschluß, weil die agrarischen Produkte abtransportiert werden müssen. Mit zunehmenden Transportkosten werden diese agrarischen Gebiete möglichst nahe an den Metropolen liegen – oder in der Nähe eines Hafens.

 

Auf die Dauer wird es nicht möglich und sinnvoll sein, den weit entfernten ländlichen Gebieten die gleiche Infrastruktur zu gewähren wie in er Stadt – auch nicht in Deutschland.

 

Wie wird man die Megastädte ernähren und sichern können?

 

Eine Agglomeration wie z. B. die größte Agglomeration der Welt, die von Tokio, die gegenwärtig 37 Millionen Einwohner hat, muß täglich mit Lebensmitteln, Wasser und Strom versorgt werden. Wie ungeheuer vital, aber wie ungeheuer verwundbar ist ein solches Gebilde !

 

Kann eine Stadt wie Tokio sich einen Krieg wünschen? Oder wird es nicht alles tun, um in einer Welt des Friedens zu leben?

 

Was passiert, wenn plötzlich in Tokio die Hypergrippe ausbricht oder von Terroristen mit Nervengas angegriffen wird? Was passiert, wenn es Terroristen gelingt, die Stromversorgung für 14 Tage lahm zu legen? Was passiert, wenn eine 30 Meter hohe Tsunami-Welle über Tokio hinwegrollt? (Tokio liegt in einer Ebene am Meer, die durchschnittlich 6 m über dem Meeresspiegel liegt).

 

Paradigmenwechsel in Tokio

 

Tokio kann als Megacity nur existieren, solange es einen intakten Welthandel und Frieden gibt.

 

Man hat das in Tokio bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ganz anders gesehen. Das war nicht nur in Tokio so, sondern überall auf der Welt. Was hat die Japaner 1931 dazu getrieben, in China einzufallen und die Mandschurei zu erobern (ich erwähnte es schon am Rande) ? Es war nicht nur Gier, sondern es war auch Angst. Als folge der Industrialisierung war die Bevölkerung rapide gewachsen. Japan fühlte sich, wie Deutschland, als ein „Volk ohne Raum“. Also mussten weite landwirtschaftliche Gebiete erobert werden.

 

Japaner und Deutsche gingen vor dem zweiten Weltkrieg davon aus, daß im eigenen Land nicht genügend Nahrung wachsen würde, um eine ständig sich vermehrende Bevölkerung zu versorgen. Die Option, daß man das Bevölkerungswachstum drosseln könnte, kam nicht in Frage. Weniger Bevölkerung bedeutetet weniger Soldaten, also weniger Macht. Weniger Macht hieß, daß der böse Nachbar über einen herfallen könnte.

 

Also wollte man die militärische Expansion.

 

Nach dem Krieg kam in Deutschland und in Japan ein Paradigmenwechsel. Man sah, daß man die Bevölkerung durch Exporte gut versorgen konnte. Auch wurde die Landwirtschaft immer ertragreicher, sodaß sogar Überschüsse erwirtschaftet wurden. Jetzt hieß die Devise nicht mehr: „Totaler Krieg“, sondern „Friedliches Miteinander“.

 

Die Deutschen und die Japaner sind zahm geworden – und die Welt ist froh darüber, wenn sie es manchmal auch noch nicht so recht glauben kann.

 

Kein Paradigmenwechsel in USA

 

Die USA mussten nie Angst haben, ihre Bevölkerung nicht ernähren zu können. Also war es für sie uninteressant, fremde Länder zu erobern, um die eigene Bevölkerung mit Nahrung versorgen zu können.

 

Auch Öl und Rohstoffe hat die USA bis nach dem zweiten Weltkrieg genug. Warum also expandieren ?

 

Aber je mehr der Öl- und Rohstoffverbrauch in den USA anstieg, umso mehr gerieten die USA in die Rolle eines „Volkes ohne Öl“ hinein. Man hat zwar immer noch eigene Ölreserven, aber die möchte man schonen, denn man weiß, sie sind begrenzt. Aber man hat Angst, ohne ausreichende Ressourcen dazustehen. Das würde den Absturz des Landes bedeuten.

 

Anders als Japan und Deutschland haben die USA die militärische Option nach dem zweiten Weltkrieg niemals aus der Liste ihrer Wahlmöglichkeiten gestrichen. Man glaubte das auch nicht zu können, weil ja Stalins Sowjetunion eine furchteinflößender Gegner war.

 

Als die Sowjetunion Anfang der 90-er Jahre zusammenbrach, hätte es in den USA eigentlich zu einem Paradigmenwechsel kommen müssen: weg vom Streben nach militärischer Dominanz hin zu einem friedlichen Miteinander mit dem Rest der Welt.

 

Aber was geschah? Die USA produzierten Waffen und importierten Autos und Fernsehgeräte aus Japan. Die USA lebten nicht mehr von produktiver Arbeit, sondern ließen andere arbeiten. Die USA machten Geschäfte und lebten davon – und das nicht schlecht. Man verkaufte Wasser, dem man ein geheimes Konzentrat zumischte. Das nennt sich „Coca Cola“. Sie verkauften Disketten und CD-ROMs, das sind Artikel, die eigentlich nur ein per Cent kosten. Aber wenn ein Programm darauf ist, kann man sie für viele Dollars verkaufen. Das heißt dann „Microsoft Windows“.

 

Und man verkaufte Freundschaft und Sicherheit. Das hieß dann US-Army. Finanziert wurde sie von den besetzten Ländern.

 

Man kann nicht umhin, die Genialität des amerikanischen Systems zu bewundern. Aber es ist an seine Grenzen gestoßen. Die USA müssen weg von Dominanzstreben hin zum friedlichen Miteinander. Weg vom Geschäftmachen hin zu ehrlicher, produktiver Arbeit. Weg vom maßlosen Konsum hin zu Sparsamkeit und Selbstbeschränkung.

 

Die Eruopäer und die Japaner sind da schon weiter.

 

Aber genug des USA-bashings. Rußland und die arabische Welt haben weit größere Defizite, von Afrika ganz zu schweigen.

 

Rußland und die Rückkehr des Zarenreiches

 

In Rußland werden die Zustände denen vor dem Ersten Weltkrieg immer ähnlicher. Eine Art Feudalismus feiert fröhliche Urständ. Da sind sie wieder: Die reichen Russen, die an den schönsten Orten der Welt das Geld der armen Russen verpulvern. Die Korruption, die das ganze Reich durchdringt und ohne die es aber nicht geht, weil nur die Korruption das ganze bürokratisch-unbewegliche System schmieren und am Laufen halten kann. Die Korruption, die aber Wohlstand und Prosperität für alle verhindert, sondern die Bürokratie, den Militärstaat und die Plutokratie fördert.

 

Die Russen wollen lieber einen mächtigen Diktator als viele kleine, denn das kommt sie billiger. Ob aus ihnen jemals Demokraten werden ? Ich bezweifele es, denn die Demokratie braucht Bürger. Aber der Bürger gedeiht nur im korruptionsfreien Rechtsstaat. Wenn ein Bürger in einem korrupten Militärstaat zu Reichtum kommt, wird er eine kleine Armee brauchen, um sein Eigentum zu schützen – oder einen mächtigen Beschützer, dem er Schutzgeld zahlen muß. Dieser Beschützer wird ein Teil des korrupten Staates sein.

 

Letztendlich haben in Rußland zu allen Zeiten die Waffenträger und die Geheimdienste geherrscht, und eine bürgerliche Gesellschaft konnte nicht entstehen. Das wird auch so bleiben. Die Russen: ein Volk das immer vorwärts geprügelt wurde, statt aus eigenem Antrieb zu handeln – wenn man den sporadischen Ausbrüchen von revolutionären Aktivitäten absieht. Ein Volk, das ungeheuer leidenfähig und ungeheuer stark war.

 

Aber stimmt das noch?

 

Diese Verhaltensmuster und Eigenschaften passen auf ein bäuerliches Volk von Leibeigenen und Kleinbauern. Aber sind das die Russen noch? Auch sie leben immer mehr in Großstädten und Megacities. Aus dem bauernvolk wird ein Volk von Stadtbewohnern, die sich von denen in New York und Berlin immer weniger unterscheiden wollen. Gut so !

 

Und die Chinesen?

 

In der bäuerlichen Mentalität und der Leidensfähigkeit den Russen durchaus verwandt, aber einer viel älteren Kultur entstammend. Weniger militaristisch, mit mehr Gemeinsinn, ehrgeiziger, urbaner als die Russen, angepasster, disziplinierter. Die besseren Geschäftmacher. Und etwa zehnmal so viele wie die Russen.

 

Nun schwärmen sie aus, über die ganze Welt, um das Wissen der Welt in sich auf zu sagen wie ein trockener Schwamm as Wasser. Denn Wissen ist Macht und Geld. Und endlich können sie wieder Geld verdienen und es auch behalten. Ich glaube, daß trotz allem China weniger korrupt ist wie Russland und daß China das Potential hat, von der Korruption ganz weg zu kommen.

 

Erst kamen nur wenige zu uns an die Technische Universität München. Sie konnten kaum Deutsch oder Englisch sprechen. Man verstand sie kaum.

 

Und jetzt die „neuen“ Chinesen. Die erste Welle von ihnen war die Elite ihrer Jugend . Schöne Frauen, gutausehende Männer, fleißig, hochintelligent, ehrgeizig. Alle sprachen erstaunlich gut Deutsch oder Englisch, manche sogar beides. Alle hatte ein Kind, und das Kind war zu Hause in China geblieben. Das war die Garantie, daß sie wieder zurückkamen und sich wohlverhielten.

Aber gab auch ein paar auch andere, die arrogant und faul waren. Offensichtlich verwöhnte Kinder von hohen Funktionären. Aber die wurden immer weniger. Inzwischen hat sich der gute Durchschnitt etabliert, keine Elite mehr, sondern die neue, aufstrebende und ehrgeizige Mittelschicht.

 

Die Chinesen sind kein Volk von Kriegern, sondern ein Volk von Bauern, von Beamten und von Bürgern. Das lässt die Welt hoffen, daß die Chinesen nie einen großen ernsthaften Krieg riskieren werden. Sie werden ihre Ziele mit Schläue und List, mit Fleiß und mit Ehrgeiz verfolgen. Sie können ganz schön wütend werden, aber die Fremden werden davon wenig spüren. Sie sollen auch nicht zu ihren Zusagen stehen und sie sind schwierige Geschäftspartner. Trotz allem, so glaube ich, wird die Welt mit den Chinesen ganz gut auskommen. Mit den Chinesen ist vielleicht eher eine globale Union zu machen wie mit den Russen oder den US-Amerikanern. Von den Arabern ganz zu schweigen. Die Chinesen werden nämlich denken: Wir sind kein Volk der Krieger. Wir können im Frieden weit mehr gewinnen als im Krieg. Im Frieden kann man Geschäfte machen, und durch unseren Fleiß und durch unsere schlichte Überzahl werden wir in einer globalisierten Welt die führende Nation werden.

 

Die Welt aus der Sicht der Chinesen

 

Ein Chinese könnte vom Reich der Mitte in die Welt hinausschauen, und er würde vielleicht denken:

 

„Da drüben sind die Japaner auf ihrer Insel. Ein Volk, das sich den Amerikanern und dem Westen unterworfen hat, nachdem von ihm schmählich in die Knie gezwungen wurde. Aber einst ein kriegerisches, barbarisches Volk. Niemals mehr darf ein Japansicher Soldat ein Stück chinesischen Boden erobern.

 

Aber die Japaner haben uns gezeigt, wie man den Westen mit seinen eigenen Waffen schlagen kann. Es gibt 130 Millionen Japaner, aber zehnmal so viele Chinesen. China kann eines Tages zehnmal soviel produzieren wie Japan und zehnmal so viel Macht haben.

 

Erst war China ohnmächtig. Dann wurde es unter Mao mächtig. Aber Mao ruiniert die Wirtschaft. Wir werden unsere Wirtschaft aufbauen und reich werden. Wir werden die stärkste Nation der Welt sein.

 

Die USA und die Europäer sind im Grunde schwach und dekadent. Die Chinesen sind 1300 Millionen Menschen in einem Reich. Gewiss gibt es in diesem Reich auch viele Völker und Sprachen. Aber sie sind seit über zwei jahrtausenden in einem Reich und in einer Kultur vereint.

 

Schauen wir dagegen die Europäer an: Seit tausend Jahren ständig im Krieg miteinander; jetzt endlich mühsam und oberflächlich geeint in NATO und EU. Aber die Russen stehen abseits. Der Westen ist uneins, und er ist auch im Innern nicht homogen. Die Angloamerikaner werden in den USA nehmen immer mehr Latinos und Asiaten bei sich auf, ganz zu schweigen von den Afro-Amerikanern. Das muß die Spannungen in dem Land immer mehr erhöhen und den Charakter des Landes verändern. Irgendwann wird vielleicht ein neuer Bürgerkrieg die USA lähmen.

 

Die Europäer haben ihre Vorherrschaft in zwei Weltkriegen verspielt und nehmen jetzt immer mehr Russen, Moslems und Asiaten bei sich auf. Diese inneren Konflikte und Probleme werden Europa lähmen. Die Europäer werden uns durch ihr Wissen und durch ihr Geld helfen, groß zu werden. Für uns sind sie die idealen Partner. Wir brauchen sie nicht zu fürchten, denn sie haben mit uns keine gemeinsame Grenze. Fürchten müssen wir die Moslems und die Russen. Sie sind gefährlich und aggressiv. Die Europäer sind zivilisiert, friedlich und ein bißchen dumm. Man kann sie gut ausnutzen. Sie sind die potentiellen oder schon wieder tatsächlichen Feinde unserer Feinde: Die Russen, die Araber und die USA.

 

Wir Chinesen wollen und werden die Welt nicht erobern. Es genügt uns, sie zu unterwandern. Im Moment zwingt uns die Enge unseres Landes und die Beschränktheit der Ressourcen, das Ein-Kinder-System zu praktizieren. Aber das gilt nicht für die Chinesen im Ausland.

 

Wir werden im südlichen Sibirien und in Zentralasien langsam einsickern. Afrika wird ein von Chinesen wirtschaftlich dominierter Kontinent werden. In Europa und den USA werden wir durch immer größere Kolonien in den Metropolen vertreten sein.

 

Auf einen Rückzug der Europäer aus der arabischen Welt werden wir heimlich und unbemerkt hinarbeiten. Die Amerikaner werden schon bald aus Afghanistan und dem Irak vertrieben werden bzw. sich dort nicht mehr halten können. Wir werden die Araber kaufen. Das klingt zwar absurd, weil sie noch im Geld zu schwimmen scheinen. Aber sie geben auch gewaltige Summen für Luxus und Prestige aus. Wenn das Öl zur Neige geht, werden sie arm sein. Am Entstehen eines großarabischen Reiches sind wir genauso wenig interessiert wie der Rest der Welt. Wenn die Araber den Heiligen Krieg mit dem Westen wollen – dann sollen sie ihn führen. Der Sieger wird China heißen.“

 

Die Welt aus der Sicht eines Ägypters

 

Ein Ägypter könnte denken:

 

„Ein großarabisches Reich wäre nicht das was wir uns wünschen. Wir sind Ägypter, keine Araber. Die Araber waren nur Eroberer, wie so viele andere: Perser, Griechen, Römer, Araber, Türken, Franzosen, Engländer. Sie sind gekommen und gegangen. Die Pyramiden haben auf sie herabgeschaut.

 

Ein großarabisches Reich würde nur Krieg und Not für uns bedeuten.

 

An eine Wiedererstehung eines großen Ägyptischen Reiches ist nicht zu denken. Wir wollen in nur Frieden leben und unser Land voranbringen. Dabei sind uns Gelder aus Saudi-Arabien willkommen. Genauso willkommen ist uns technische Hilfe aus Europa und USA.

 

Wir bemühen uns um Frieden mit Israel. Es war eine verfehlte Politik, sich zum Vorkämpfer der arabischen Welt gegen Israel zu machen. Auf lange Sicht sind wir besser dran, uns nicht hin zu der arabischen Welt, sondern hin zu der Europäischen Union zu orientieren.

 

Das Problem Israel wir sich so oder so ohne unser Zutun regeln. Eines Tages werden sich die Israelis gegen die Palästinenser und die arabischen Nachbarn nicht mehr erwehren können. Deren Frauen werden Kinder und nochmals Kinder gebären und schließlich so zahlreich werden, daß es ein unübersehbares Heer von Selbstmordattentätern und Dschihad-Kämpfern gibt, daß sich Israel nicht mehr wirksam verteidigen kann. Gegen Terroristen und Guerillakäpfer kann man keine Atomwaffen einsetzen.

 

Trotzdem wird die islamische Welt früher oder später in den Besitz von Atomwaffen kommen. Es braucht nur Pakistan zum islamischen Gottesstaat werden. Dann wird es ein Gottesstatt mit Atomwaffen werden. Wir Ägypter werden uns in den Kampf zwischen den arabischen Extremisten und den Juden nicht einmischen. Im Grunde sind die Juden von armen Menschen, die durch ihren Glauben und ihre kulturelle Tradition dazu verurteilt sind, Außenseiter zu sein und Opfer von Massakern zu werden. Wir werden unsere Hände in Unschuld waschen.

 

Die Welt aus der Sicht eines Persers

 

Ein Perser könnte denken:

 

„Bevor das Abendland und der Islam mächtig wurden, gab es schon das persische Reich. Wir sind Perser, keine Araber. Die Araber haben uns nur erobert und uns ihren Islam aufgezwungen. Aber wir haben unseren eigenen Islam entwickelt, den Schiitischen. Wir sind Schiiten, nicht Sunniten. Wir sind eingeklemmt zwischen Arabern, Türken, Mongolen, Kasachen, Afghanen, Russen und Indern. Wir haben keine großen Expansionsmöglichkeiten. Aber wir können uns hier in der Mitte der Welt behaupten. Kleinere Fortschritte können wir machen, indem wir die Schiiten im Irak bei uns eingliedern. Im Süden liegen die Emirate und Saudi-Arabien. Damit liegt ein Brennpunkt der Großmachtinteressen vor unsrer Haustür. Das bedeutet zunächst einmal mehr Gefahr als Chance. Es wäre Selbstmord, die Hand nach den arabischen Ölquellen auszustrecken. Wir werden uns ruhig verhalten.“

 

Die Welt aus Sicht eines fanatischen Moslems

 

Ein fanatischer Moslem könnte denken:

 

„Mohammed und seine Nachfolger haben die Welt erobert. Heute reicht die Welt des Islam von Casablanca am Atlantik bis Manila auf den Philippinen. In Afrika sind wir auf dem Vormarsch, und auch in Europa und den USA. Die Arabische Welt ist uneins, und es wird kein großarabisches Reich geben. Aber der Islam ist eine geistige Macht, der die Menschen unterwirft und sie zu seinen willigen Instrumenten macht, die bereit sind, sich selbst zu opfern. Deshalb ist der Islam unbesiegbar und er wird über die technische Überlegenheit der Abendländer und ihrer fleißigen und gelehrigen Schüler in Japan und China triumphieren. Wir Araber sind die einzigen stolzen Krieger auf der Welt, nachdem sich die Russen dem Alkohol und dem Kapitalismus ergeben haben, die Mongolen und Türken zahm und zivilisiert wurden, und die Europäer alt und müde und die Japaner Arbeitssklaven und Geschäftemacher geworden sind. Die Amerikaner waren nie richtige Soldaten. Nimm ihnen ihre Technik und ihren Komfort weg, und sie werden die Flucht ergreifen und auf ihren Kontinent zurückkehren.

 

Das Öl im  persischen Golf war nur scheinbar ein Segen für uns. Es hat Saudi-Arabien und die Emirate unermesslich reich gemacht – aber auch dekadent. Dort haben die Menschen verlernt, zu arbeiten und zu kämpfen. Sie wollen aus Dubai zu einer Metropole von Weltrang machen und zu einem Ferienparadies. Wollen sie westlicher als die USA werden? Unser islamischer Weg wir ein anderer sein. Das Geld scheint die Welt zu regieren. Aber das Kapital ist ein scheues Reh. Wir werden es jagen und es wird vor uns nirgends sicher sein. Genug der Anschläge auf unschuldige Menschen. Genug der symbolischen Tötungen !“

 

Die Welt aus der Sicht eines Inders

 

Ein Inder mag denken:

 

„Die US-Amerikaner halten sich für den Nabel der Welt. In Wirklichkeit liegen sie auf einer Insel zwischen zwei Ozeanen. Die natürliche Mitte der Welt ist Indien, das zwischen vier Kontinenten liegt: Asien, Afrika, Australien und Europa. Indien ist ein eigener Kontinent. Indien hat 1,13 Milliarden Einwohner; wenn man Pakistan, Bangladesh und Sri Lanka dazurechnet, sind es knapp 1,5 Milliarden. Was ist dagegen Australien, mit seinen 20 Millionen Einwohnern, oder Europa mit seinen 0,68 Milliarden Einwohnern. Unser „Indische Kontinent“ hat 4,4 Millionen Quadratmeter. Das ist weniger als Australien; aber Australien besteht zum größten Teil aus Wüste.

 

Die Welt unterschätzt Indien. Aber das macht nichts. Es ist nicht gut, im Brennpunkt zu stehen. Die andern träumen von Macht und Expansion und von großen Imperien. Wir Inder haben das nie getan. Jede übertriebene Aktivität führt zu Rückschlägen und Erschöpfung.

 

Alle Welt schaut auf China. Wie sie eifrig die Europäer kopieren! Erst haben sie unter Mao Stalin kopiert und haben in der „Kulturrevolution“ Millionen Menschen massakriert und die Wirtschaft des Landes ruiniert. Jetzt sind sie übereifrig dabei, den westlichen Kapitalismus zu kopieren und die Amerikaner an Großmannsucht und Geldgier zu übertreffen. Früher waren sie national gesinnte Sozialisten, heute sind sie National gesinnte Kapitalisten. Aber stets waren sie uner einem zentralistischen, totalitären Regime.

 

Ihr großer wirtschaftlicher Aufschwung wird schon bald seine Schattenseiten offenbaren: Sie verpesten ihre Lust, zerstören ihre Umwelt und machen ihre Städte zu hässlichen Kopien von Hongkong. Schon bald werden Sie in ihrem eigenen Autoverkehr ersticken und gezwungen sein, sich Rohstoffe und Energie um jeden Preis zu besorgen.

 

Die Rückschläge werden kommen, und das chinesische Reich wird in seiner Existenz erschüttert werden.

 

Wenn die Welt genug von ihrer Technik und von ihrer extravertierten Aktivität hat, wird sie zur Besinnung kommen und erkennen, daß die indischen Lehren Frieden und Glück bringen.

 

Wir werden langsam und geduldig unseren Weg gehen. Auch wir werden Fortschreiten – aber nicht als Narren, sondern als Weise. Wir werden unsere inneren Schwierigkeiten lösen. Wir werden das Kastenwesen abschaffen und eine friedliche und egalitäre Gesellschaft entwickeln, in welcher das Volk, nicht das Geld regiert.

 

Bei uns soll die Weisheit und die Toleranz regieren, nicht der Fanatismus. Wir haben Pakistan an den Islam verloren; dies ist ein Pfahl in unserem Fleisch und eine ständige Bedrohung. Aber der Islam wird Pakistan zu Grunde richten. Dann kommt die Stunde Indiens, und Pakistan wird nach Indien heimkehren.“

 

Die Welt aus der Sicht eines Brasilianers

 

„Gott ist Brasilianer ! Aber Gott ist nicht der Gott der Juden, Christen und Moslems. Nein, es ist der brasilianische Gott. Er schwebt unerreichbar im höchsten Himmel und kümmert sich nicht um die Welt. Sie wird regiert von den großen und kleinen Göttern, die wir mit den Masken der Heiligen versehen haben, damit die katholische Kirche glaubt, wir wären brave Christen. Wir haben uns angepasst und wir haben überlebt. Und mehr als das, wir waren fröhlich und haben uns des Lebens gefreut. Weder das Christentum noch der Kapitalismus haben uns die Lebensfreude nehmen können.

 

Die USA sind vorübergehend Herrscher auf unserem amerikanischen Doppelkontinent und auf der Welt. Aber die Termiten sind schon lange in ihrem Haus.

 

Wir in unserer lateinamerikanischen Welt haben kaum Kriege geführt, wir haben keine Imperien gegründet und wir haben keinen Ehrgeiz, die Welt zu beherrschen und ihr zu sagen, wie sie zu leben hat. Darin ähneln wir den Indern. Wie die Inder glauben wir an viele Götter. An einen einzigen Gott zu glauben, macht herrschsüchtig und intolerant.

 

Wichtiger als Macht und Reichtum ist der Genuß des Lebens.

 

Gewiss, wir haben riesige Probleme. Wir führen keine Kriege zwischen den Nationen. Aber wir führen einen Krieg der Reichen gegen die Armen.

 

Die Zeiten der Inkas, Majas und Azteken waren keine friedliche Zeiten, und alles Schlechte der Welt ist nicht erst mit den Spaniern und Portugiesen über uns gekommen.

 

Heute sind wir Brasilianer, aber das Blut der ganzen Welt ist in unseren Adern. Gewiß, die spanische und portugiesische Oberschicht hat nur untereinander geheiratet. Aber ihre Herrschaft ist im Schwinden.

 

Da lateinamerikanische Welt hat Kalifornien, Neu-Mexiko, Arizona, Texas und Nevada an die USA verloren. Aber wir sind dabei, sie auf dem Weg der Einwanderung zurückzuerobern. Spanisch  wird zur zweiten Amtssprache in Amerika werden. Der Süden wird über den Norden siegen. Wir werden über die Yankees siegen. Wir werden sie mit unseren Drogen ruinieren, wir werden ihre Politiker mit unseren magischen Macumba- und Candomblé-Kräften verhexen, und wir werden sie mit unserer Geburtenraten im eigenen Land an die Wand drücken. Das werden wir ganz fröhlich und voll Lebenslust tun, und die Yankees werden es noch nicht einmal richtig merken, weil sie zu sehr mit ihren Kriegen und ihrem Geldmachen beschäftigt sind. Und Fußballspielen und einen anständigen Kaffe kochen können sie auch nicht.

 

Die Welt aus der Sicht eines Russen

 

Ein Russe wird vielleicht denken:

 

„Wenn in Weißrußland eine vom amerikanischen Geheimdienst inszenierte Revolution stattfindet, steht die NATO 500 km vor Moskau. Von der estischen Grenze nach St. Petersburg sind es nur 160 km. Wir haben die Ukraine verloren, das ist, wie wenn man dem russischen Bären einen Arm abgehackt hätte.

 

Das Volk ist in tiefster Armut und kann kaum noch überleben. Die Neureichen verschwenden das Vermögen des Volkes in San Remo und Kitzbühl.

 

Die Moskauer U-Bahn, einst der Stolz Moskaus, ist marode.

 

Armes Mütterchen Rußland ! Wann kommt der große Held, der es zu neuem Glanz führt? Oder ist er schon da und heißt Wladimir Putin? Dann muß Putin auch weiterhin der Herrscher Russlands bleiben.

 

Die Demokratie und der westliche Kapitalismus haben Rußland ruiniert. Aber auch Stalin und der Sozialismus waren nicht gut für Rußland. Außerdem war Stalin gar kein Russe, sondern Georgier. Und Lenin war aus Sibirien. Chruschtschow war Ukrainer. Und die Zaren waren Angehörige des internationalen Adels. Vielleicht sollte mal ein Russe Rußland regieren. Putin stammt aus Leningrad und ist ein echter Russe.

 

Wie kann Rußland wieder zu aller Größe zurückkehren?

 

Wir brauchen die Armee und vor allem den Geheimdienst. Aber die Armee muß aus fähigen und intelligenten Leuten bestehen, nicht aus Prügelknaben, die zwar gehorsam sterben und großartige Kämpfer sind, aber keine Elitetruppe mit Selbstbewusstsein und Können. Wenn es die Preußen noch gäbe, wir könnten viel von ihnen lernen. Aber es gibt die Deutschen. Die Deutschen wären in vieler Hinsicht für uns die idealen Partner. Welche Chancen würden sich für beide Teile ergeben!

 

Mußte dieser Idiot von Hitler uns angreifen !

 

Mußte sich dieser Adenauer den Amerikanern an den Hals werfen!

 

Mußte sich dieser Marx den Sozialismus ausdenken und mußte ihn dieser Halbmogole Lenin ihn ausgerechnet bei uns einführen?

 

Am Elend Russlands sind die Deutschen schuld. Aber trotzdem hassen wir sie nicht.

 

Jetzt haben sich die Deutschen zum Motor der EU gemacht. Deutschland und Frankreich- ein Herz und eine Seele?

 

Dabei wäre alles so einfach. Deutsche Tüchtigkeit und deutscher Fleiß bauen das marode Rußland wieder auf. Deutsche verwalten Rußland und besiegen die Korruption. Im Gegenzug erhalten die Deutschen aus Rußland Öl und alle Rohstoffe, die sie brauchen. Warum binden sie sich an die USA? Ihr Präsident ist ein Heuchler und Verbrecher. Welche Perspektiven ergäben sich aus einer deutsch-russischen Zusammenarbeit !

 

Aber als erstes muß die Ukraine wieder Teil Russlands werden. Das ist Sache des Geheimdienstes. Wir brauchen einen kompetenten und wirksamen Geheimdienst. Der müsste in der Ukraine eine russlandfreundliche Regierung installieren.

 

Wir haben unser Reich verloren und sind nur noch ein schwacher Abglanz einstiger Größe. Aber anderen geht es genauso: den Deutschen, den Türken, den Persern, den Mongolen.  Alles Binnenmächte, die keinen oder keinen wirklichen Zugang zu den Weltmeeren haben. Deutschland: Gefangen in der Nordsee. Die Türkei: Gefangen im Mittelmeer. Rußland: Gefangen in Ostsee und Schwarzem Meer. Persien: Gefangen im persischen Golf, die Mongolei – mitten in Asien.

 

Es war ein Fehler, daß wir Russen zur Seemacht werden wollten und die USA und England mit unseren Schlachtschiffen und U-Booten herausgefordert haben. Was hat uns das gebracht ? Nur Kosten und Drohgebärden, die aber nur das Wettrüsten vorangetrieben haben. Wenn eine Binnenmacht mit den Seemächten konkurrieren will, endet das stets als Fiasko. Das hätten wir von Kaiser Wilhelm und der Schlacht im Skagerrak lernen sollen.

 

Wir sind eine Binnenmacht, und eine Binnenmacht kann auf die Dauer keine Weltmacht mit weitgespannten Stützpunkten werden. Die Kuba-Krise: Welch ein Hasardspiel ! Wir müssen uns darauf beschränken, in Asien und Europa eine der Großmächte zu bleiben.

 

Wie schmal unsere Machtbasis geworden ist !  Wir haben nur noch 142 Millionen Einwohner – nur 15 Millionen mehr wie Japan. Unser Brutto-Inlandsprodukt ist aber nur ein Fünftel von Japan. Auf der Landkarte sehen wir immer noch imposant aus mit unseren 17 Millionen Quadratkilometern. Aber wie weit reicht die Macht des Kremls wirklich ? Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisien, Weißrußland, das Baltikum, die Ukraine, Moldawien, Georgien, Armenien, Aserbeidschan – alles ist uns entglitten. Die Chinesen wandern in Sibirien ein.

 

Der größte Teil unseres Volkes versinkt in Armut. Ich möchte die Deutschen jammern hören, wenn sie in einer vergleichbaren Situation wären. Aber wir Russen leiden stumm. Keine Aufstände, keine großen Demonstrationen. Der Kreml hat die Bevölkerung im Griff. Die Demokratie ist eine Farce. Aber was hat uns die Demokratie gebracht ? Den hemmungslosen Kapitalismus. Wir stehen schlimmer da als zur Zarenzeit und zur Zeit der Sowjetunion.

 

Was werden wir tun ? Nichts. Wir werden warten, was geschieht.

 

Die Welt aus der Sicht eines US-Amerikaners

 

Das Schicksal hat uns erwählt, die größte, reichste, glücklichste und mächtigste Nation der Welt zu sein. Das Glück ist auf unserer Seite. Trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten werden wir am Schluß siegen.

 

Andere Länder sind festgefahren in ihren Gebräuchen und ihrem Verhalten. Wir sind anders. Die Welt ist in ständigem Wandel, und man muß an der Spitze des Fortschritt marschieren. Sollen wir auf die Ewig-Gestrigen Rücksicht nehmen und uns an sie anpassen ? Nein. Wir sind es, die die Spielregeln und Maßstäbe machen, und die anderen sollten sich nach uns richten. Sollen wir Chinesisch, Russisch oder Arabisch lernen ? Nein ! Die anderen sollen Englisch lernen. Das ist besser, auch für sie selbst.

 

Andere haben Strategien und langfristige Pläne. Wir nicht ! Wir handeln, wenn es notwendig ist zu handeln. Wir handeln sogar dann, wenn wir noch nicht wissen, was zu tun ist. Wir sagen uns: „Wenn du  nicht weißt, was zu tun ist, tu etwas !“ And we learn by doing.

 

Wenn wir handeln, dann handeln wir mit ganzer Kraft. Wir kleckern nicht, wir klotzen. Der 11. September 2001 war ein Schock. Aber wir haben gehandelt und Gott und die Welt in Bewegung gesetzt. So haben wir unseren Schock überwunden und der Welt gezeigt, daß man uns nicht ungestraft herausfordern darf. Für jeden Amerikaner sterben hundert Feinde.

 

Wir haben den Vietnamkrieg verloren. So what ! Heute sind die Vietnamesen Kapitalisten und wollen unseren amerikanischen way of life nachahmen.

 

Wir sind für China und Japan zum Vorbild geworden. Sie beliefern uns mit billigen Waren und versorgen uns mit Krediten. Sie sind billigen Arbeitskräfte, die für unseren Wohlstand arbeiten. Die Dinge laufen gut für uns. Rußland ist nur noch ein unterlegener Partner. Putin seien seine Muskelspiele gegönnt.

 

Irgendwann werden die Japaner und Chinesen die Kredite, die sie uns gegeben haben, einfordern. Wir werden sie zurückzahlen – mit neuen Schulden. Was könne sie machen, um sich ihr Geld bei uns zu holen ? Nichts. Eines Tages werden sie es abschreiben müssen.

 

Amerika liegt unangreifbar zwischen zwei Ozeanen. Wir beherrschen die Meeren, den Luftraum und das Weltall. Wir werden dank unserer technischen Überlegenheit einen Raketen-Schutzschild installieren, der uns unverwundbar macht. Wir werden die Überwachungstechnologie weiter vervollkommnen. Keine Maus wir in unser Land hereinkommen, ohne von unseren Computern, Sensoren und Kameras erfasst zu werden.  Noch ist es nicht so weit. Aber die Technik schreitet rasant fort. Dann werden wir auch den Irak und die Drogenanbaugebiete kontrollieren.

 

Wir haben die Computer-Revolution in Gang gesetzt. Damit haben wir eine neue Art der Kriegsführung erschaffen. Die Generäle der anderen Nationen führen immer die Kriege der Vergangenheit. Wir führen die Kriege der Zukunft.

 

Die Chinesen haben eine scheinbar erdrückende Übermacht an Menschen. Aber das ist auch eine Achillesferse. Es ist kein Zufall, daß sie so hysterisch auf die Vogelgrippe reagieren. Eine Seuche würde sich in China mit seiner dichtgedrängten Bevölkerung und seinen mangelhaften hygienischen Verhältnissen verheerend auswirken. Nein, wir haben keine Angst vor den chinesischen Menschenmassen. Diese Menschenmassen müssen erst einmal versorgt und organisiert sein.

 

Wir kontrollieren meisten Erdölquellen der Welt. Wir kontrollieren die Seewege, über die das Erdöl nach China kommt. Wenn wir den Schalter umlegen, geht in China das Licht aus.

 

Die Chinesischen Produkte überschwemmen den Weltmarkt. Aber in zwei Jahrzehnten haben wir die menschenleeren Roboterfabriken. Dann sind wir nicht auf die menschlichen Roboter Chinas angewiesen. Auf die Dauer ist die Technik dem Menschen überlegen.

 

Wir kontrollieren den Weltraum und wir haben die globalen Überwachungssatelliten. Wir kontrollieren die Computer der Welt und das gesamte Wissen der Welt ist in unseren Computern. Wir werden die Welt mit neuen Entwicklungen überraschen. Wir sind deshalb den anderen Ländern überlegen, weil wir immer neue Tatsachen schaffen, die die Gewissheiten und die Strategien der Konkurrenten über den Haufen werfen. Man kann die Zukunft nicht planen. Aber man kann sie machen. Wir machen sie.

 

Manche reden davon, daß das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Chinesen sein wird. Es wird aber genau wie das vergangene das Jahrhundert der Amerikaner sein.

 

Die Welt aus der Sicht eines Europäers

 

Wenn man die Weltgeschichte betrachtet, so könnte man auf die Idee kommen, daß Europa mit Griechenland und die USA mit den Römern vergleichbar ist. Die Griechen sind die älteren, und auf ihrer Kultur bauten die Römer auf. So bauen die USA auf der Kultur der Europäer auf. Die Griechen waren lange Zeit in kleine Staaten zersplittert. Aber sie haben weite Teile der damals bekannten Welt kolonisiert und schließlich unter Alexander dem Großen ein großes Reich geschaffen. Die griechische Kultur drückte der antiken Welt zwischen Spanien und Indien den Stempel auf.

 

Die Römer waren zwar die besseren Militärs und Organisatoren, aber viel Neues haben sie nicht in Wissenschaft und Kunst hervorgebracht. So auch die Amerikaner. Ihr Popkultur stammt von ihre afroamerikanischen Minderheit, die meisten ihrer wissenschaftlichen technischen und künstlerischen Errungenschaften stammen von Juden, Deutschen, Polen, Russen, Italienern, Iren, Engländern und Österreichern.

 

Das Reich der Griechen in Gestalt des byzantinischen Reiches überdauerte das römische Reich um fast tausend Jahre. Und auch Europa als Großmacht wird die USA um tausend Jahre überdauern. Die Europäer haben in den USA keine so tiefen Wurzeln geschlagen wie die Europäer auf ihrem Kontinent, wo sie quasi die Ureinwohner sind. Die meisten US-Amerikaner sind Fremde im eigenen Land, die von einem Ort zum andern ziehen. Die amerikanischen Großstädte sind überwiegend von nicht mehr von weißen anglosächsischen Protestanten bewohnt, sondern von Latinos, Asiaten, Afro-Amerikanern und Arabern. Die USA werden in den nächsten fünfzig Jahren aufhören, eine europäische geprägte nation zu sein. Mit dem Niedergang der europäischen Kernbevölkerung werden auch die europäischen Tugenden und Stärken verschwinden: Gemeinsinn, Ordnung, Zuverlässigkeit, Fleiß, Verlässlichkeit, Kreativität und Eigeninitiative. Die USA werden zu einem Land werden, in dem die Armut und Elend immer mehr zunehmen. Die Staatlichen Strukturen werden immer mehr abgebaut werden. Die USA werden eine Mischung zwischen Brasilien, Rußland, China und Europa sein: Eine reiche Oberschicht wird sich in ihre Reichen-Ghettos verkriechen, die Ghettos und Slums werden wachsen, die Demokratie wird in eine Militärdiktatur umgewandelt werden oder es wird eine Oligarchie entstehen, in der einige mächtigen Familien um die Herrschaft im Land kämpfen. Die wird ihnen aber die Mafia der Italiener, Chinesen und Lateinamerikaner streitig machen.

 

Weite Teile Süden der USA wird faktisch nur noch von Latinos und Afroamerikanern bewohnt werden und sich immer mehr nach Süden orientieren.

 

Wir Europäer stehen vor der grundsätzlichen Entscheidung, ob wir in andere Kontinente ausgreifen sollen oder ob wir uns auf unserem Kontinent einigeln wollen und eine Selbstversorgung mit allem Notwenigen anstreben sollen.  Die alten Seefahrer- und Kolonial-Nationen (Spanien, Portugal, England, Frankreich, Holland, Beligien und Italien) werden durch vielfältige Beziehungen mit den von ihnen einst eroberten und besiedelten Gebieten in emotionalem und wirtschaftlichem Kontakt stehen. Sie werden dafür eintreten, daß sich Europa nicht isoliert. Deutsche, Österreicher und Polen werden sich naturgemäß in Richtung Rußland, Türkei und Orient engagieren.

 

Aber wie weit soll dieses Ausgreifen gehen ? Soll es sich auf wirtschaftliche Kontakte beschränken oder soll es zu engeren staatlichen Bindungen kommen? Die Europäer werden abgewogenen Kompromisse finden. Sie werden den Zustrom der Einwanderer nach Europa beschränken und sie werden mit dem Rest der Welt in Partnerschaft, aber nicht in Dominanz leben. Diese Strategie wird ein sicheres Fundament für die weitere Zukunft Europas sein. Europa wird sich nicht mehr an den großen Kämpfen um die Weltherrschaft beteiligen, die zwischen den USA, China und Islam ausgefochten werden. Aber sie werden ein stabiles Bollwerk sein, das die Zeiten überdauert. Rußland wird sich von seinem Weltmachtstatus verabschieden und in den Schoß der europäischen Völkerfamilie als Gleicher unter Gleichen zurückkehren. So wird Europa gestärkt und mit Rohstoffen versorgt. Die Türkei wird ihren kurdischen Osten verlieren und sich an Europa anlehnen. Russen, Deutschen, Ukrainer und Türken (sowie die kleineren Nationen Osteuropas und Südosteuropas) werden den Süden der ehemaligen Sowjetunion, also die Kaukasus-Region, Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisien, Turkmenistan bis hin zur Mongolei verkehrstechnisch und wirtschaftlich erschließen und durch Straßen und Eisenbahnen an Europa anbinden. Warum ? Weil keine trennenden Gebirge dazwischenliegen und weil es mit der modernen Bautechnik relativ kostengünstig möglich ist. Das wird dazu führen, daß der Landweg nach China an Bedeutung gewinnt. Die Konflikte um die Golfregion und mit dem Islam werden dazu führen, daß der Seeweg nach China unsicherer wird. Möglicherweise wird der Suezkanal nicht mehr befahrbar sein.

 

Europa wird also der Partner von Rußland und er Türkei werden, um innerasiatische Steppenregion zum kurzen Weg nach China werden zu lassen und andererseits die Chinesen davon abzuhalten, nach Innerasien und China vorzudringen. Innerasien und Sibirien werden Europa mit Öl und Rohstoffen versorgen und Europa Stabilität und Sicherheit geben. Die natürlichen Grenzen des nördlichen Eurasiens ist der Gebirgsriegel, der sich von der Türkei bis zum Pazifik erstreckt. Die Chinesen dürfen diesen Riegel nicht überwinden. Nach Westen hin werden sie in Indien einen Riegel finden, und dahinter die arabische Welt. Also können sie ihren Machtbereich nur nach Australien und Afrika ausdehnen. Aber dazu müssen sie die Weltmeeren und den Luftraum beherrschen. Solange die Europäer und die USA hier die Oberhoheit haben, wird China zwar eine mächtiges Land, aber keine Weltmacht werden. Dies könnte sich ändern, wenn sie sich mit Japan zusammentun, um die europäisch-amerikanische Seemacht herauszufordern. Also muß Japan im europäisch-amerikanischen Lager gehalten werden. Gottseidank sind die Beziehungen zwischen Japan und China schwer belastet und werden es wohl auch bleiben. Sollte sich China und Japan zusammenschließen, wäre das für die USA eine größere Herausforderung als die islamischen Terroristen. Aber es würde letzendlich damit enden, daß China und Japan unterliegen, weil ihre territoriale Basis letztlich zu klein und ihre globale Lage in Bezug auf die Weltmeere zu ungünstig ist.

 

Alles in allem ist Europa in einer stabilen und sicheren Position, um die Stürme der Zukunft zu überstehen  - vorausgesetzt die Europäer sind sich untereinander einig und haben ein gutes Verhältnis zu Rußland und der Türkei. Dann können sie getrost zusehen, wie sich China, die islamische Welt, Indien und die USA in Rivalität und Krieg zerfleischen. Wenn die Inder klug sind, halten sie sich auch aus allem raus und orientieren sich nach Europa. Vielleicht könnte man auch die Perser in den Club holen und so die islamische Welt in zwei Hälften trennen. Dazu wäre in Persien aber ein Regimewechsel notwendig und ein zurückdrängen des religiösen Fundamentalismus. Den Persern fehlt ein Atatürk.

 

Nandlstadt, im August 2007