Platon über die Oligarchie
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(Platon (griechisch Πλάτων,
latinisiert
Plato) war ein antiker griechischer Philosoph
und lebte von 427 v. Chr. bis 347 v. Chr.
in Athen)
„Die Oligarchie ist jene Verfassung…in der die Reichen
herrschen und die Armen keine Macht haben…Die Schatzkammer, die sich jeder Oligarch mit Gold gefüllt hat, verdirbt die Verfassung.
Zuerst finden sie Gelegenheiten zur Bestechung heraus und biegen dazu die
eigenen Gesetze um…Dann blickt einer auf den anderen, sie wetteifern
miteinander (sich zu bereichern) und werden schließlich alle so!
…Nunmehr widmen sie sich noch mehr ihrem Gelderwerb,
und je ehrenvoller er ihnen dieser erscheint, umso weniger achten sie auf
Ehrlichkeit und Anständigkeit…Wo im Staat der Reichtum und die Reichen geachtet
sind, dort wird die Rechtschaffenheit und der Ehrliche und Fleißige weniger
geschätzt…Aus erfolgsorientierten und ehrgeizigen Männern werden schließlich
gewinnsüchtige und habgierige; den Reichen rühmen und bewundern sie und führen
sie in die Ämter, den Armen verachten sie…
Und sie…verfügen: an Ämtern darf nicht teilhaben, wer
nicht ein bestimmtes Vermögen hat…“
Und Platon fügt sinngemäß hinzu: das wäre so, wie wenn
man nur Steuermänner auf Schiffen einsetzte, die ein bestimmtes Mindestvermögen
haben und einen tüchtigen Steuermann nicht zuließe, weil er arm ist.
Platon weiter: „Ein solcher Staat ist notgedrungen
nicht einer, sondern zwei, ein Staat der Armen und einer der Reichen, obwohl
sie im selben Staat leben…“
Jetzt kommt aber ein Punkt, der mit der Oligarchie
versöhnen kann: „Sie sind wohl gar nicht mehr in der Lage, einen Krieg zu
führen, wenn sie die breite Masse als Waffenträger benützen, dann fürchten sie
diese mehr als ihre Feinde, oder sie (verzichten auf die Bewaffnung des armen
Volkes) und führen ihren Krieg ohne sie als wahrhaft wenige; dazu kommt noch
ihr Widerwille gegen die (im Krieg erhöhten) Steuern infolge ihres Geizes…
Und außerdem unser früherer Vorwurf: ihre Vielgeschäftigkeit! Dieselben Leute betreiben Ackerbau und
Gelderwerb und Kriegsführung…“
Als größten Nachteil der Oligarchie sieht Platon „die
Möglichkeit seinen ganzen Besitz zu verkaufen…und dann im Staate zu leben, ohne
ein Teil des Staates zu sein, nicht Geschäftsmann, Handwerker, Reiter oder
Fußsoldat…
In der Oligarchie findet sich das zuerst! Es wird ja
auch in ihr nicht verhindert; denn sonst wären die einen nicht überreich, die
anderen völlig arm!
…Wenn ein solcher Mann…sein Geld verschwendet, nützt
er da irgendwie dem Staate in einem der eben genannten Berufe? Oder war
er…nicht bloß ein Verschwender seiner Habe…Wie nun in der Zelle des
Bienenstocks eine Drohne als eine Krankheit entsteht, so können wir den Oligarchen als die Drohne im Hause bezeichnen, eine
Krankheit des Staates…“
Platon führt weiter aus, daß
aus dem Oligarchen entweder ein Bettler oder ein
Verbrecher werden kann. Ein Bettler, wenn er seine ganze Habe verschwendet,
oder ein Beutelschneider, Verbrecher und einer, der die Behörden absichtlich
mit Gewalt niederhält (indem er sich eine Privatarmee finanziert oder die
Beamten besticht).
Über den Oligarchen sagt
Platon, daß er an nichts anderes denken kann, wie aus
wenig Geld mehr werdenkönnte, er ehrt und bewundert
nichts anderes als den Reichtum und die Reichen, und er richtet seinen Ehrgeiz
nur auf den Gelderwerb. Er überschätzt das Geld und in seiner Knickerei und
Geschäftigkeit erfüllt er sich nur die
notwendigsten Bedürfnisse (solange er noch nicht reich ist), gestattet sich
keine Aufwendungen und unterdrückt alle anderen Wünsche.
Platon lässt Sokrates über den Oligarchen
sagen: „Ein schmutziger Mensch! Überall nur auf Gewinn bedacht, ein Geldraffer! Solche Leute lobt ja auch die Masse! …Geld steht
zumindest bei Staat und Menschen solcher Art hoch in Ehren! Um Geistesbildung
hat er sich wohl nie gesorgt…Infolge seiner Bildungslosigkeit erwuchsen doch
drohnenhafte Triebe in ihm, Triebe eines Bettlers, eines Verbrechers, die er
nur gewaltsam durch seine sonstigen Sorgen unterdrückt…Bei den …Geschäften, wo
es auf seinen guten Ruf ankommt, den er nach außen hin als rechtschaffener Mann
genießt, bezähmt er mit einem gewissen Anstandsgefühl seine übrigen schlechten
Triebe…Ein solcher Mensch ist nicht ohne inneren Zwiespalt; er besteht nicht
aus einer Person, sondern gleichsam aus zwei, doch wird er zumeist die besseren
Triebe über die schlechteren siegen lassen…Daher zeigt er nach außen hin eine
bessere Haltung als viele andere, aber die wahre Vollkommenheit einer
einheitlichen und ausgeglichenen Seele fehlt ihm bei weitem!“
Übertragen auf unsere heutigen Verhältnisse ist das
so, wie wenn jemand seinen Betrieb verkauft und das Geld in einem
Steuerparadies anlegt und z. B. nach Moanco zieht.
Damit verabschiedet er sich eigentlich vom deutschen Staat. Dasselbe tut er
auch, wenn er nur sein Geld in Ausland bringt, aber hier noch lebt, aber keine
Steuern mehr zahlt.
Quelle:
„Der Staat“ („Politeia“) von
Platon, Reclamausgabe, Achtes Buch, Seite 378 ff.