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Die Ägypter, Babylonier, Inder, Chinesen, Azteken und viele andere Völker stellten Ihre Götter und Dämonen als Menschen mit tierischen Körperteilen dar. Der ägyptische Gott Horus trägt z.B. den Kopf eines Falken, der Minotaurus der Kreter hat einen Stierkopf. Der Gott Dionysos der Griechen hat einen Bocksfuß und Hörner. Die Gorgonen haben anstelle von Haaren Schlangen. Genaugenommen sind die Flügel der Engel ebenfalls tierische Körperteile.
Andere Götter wurden in vollständiger Tiergestalt verehrt. Aus der Bibel kennen wir das Goldene Kalb, das angebetet wurde.
In der Frühzeit, als der
Mensch noch einer übermächtigen Natur ausgeliefert war, verehrte er die Natur
und betete Sie an. Die Tiere stehen der Natur viel näher als der Mensch.
Deshalb war ist nur logisch, die Natur in Tiergestalt anzubeten. Besonders betete
man diejenigen Tiere an, die den Menschen durch ihre Kraft, Ausdauer,
Schnelligkeit, ihre sexuelle Potenz und Fruchtbarkeit oder andere Eigenschaften
imponierten: Der Stier, der Löwe, das Pferd, der Adler, der Widder, den Hirsch,
selbst den Esel. Die Schlange wurde verehrt, weil sie der Erdgöttin besonders
nahe war. So entstand die Vorstellung von Naturgöttern und Naturdämonen.
Die Menschen hatten auch an
bestimmten Stellen in der Landschaft das Gefühl, dass hier die Naturkräfte
besonders wirksam seien. Diese Orte wurden als heilig betrachtet, und wohl auch
manche Tiere, die dort an den heiligen Plätzen ihr Revier hatten.
Da der Mensch nichts tut,
ohne sich davon einen Nutzen zu versprechen, lag es für ihn nahe, die Naturdämonen zum eigenen Vorteil zu
manipulieren. Nach dem Prinzip „Do, ut des“ („ich
gebe, damit du gibst“), brachte man den Dämonen Opfer dar und hoffte, so ihren
Zorn abwenden zu können oder von ihnen die Erfüllung der eigenen Wünsche zu
erlangen. Ein beliebter Wunsch war z.B. in die Zukunft blicken zu können und
Entscheidungshilfen zu bekommen: So entstanden die Orakel und allerlei
Praktiken, aus dem Flug der Vögel oder aus den Eingeweiden der geopferten Tiere
die Zukunft vorherzusagen.
Da die Tiere heilig waren,
ergab sich für den Menschen ein Dilemma: Er tötete Tiere oder hielt sie als
Nutztiere in Gefangenschaft. Musste man da nicht fürchten, dass sich die Tiere
bzw. die Naturgötter für diesen Frevel rächen würden ?
Man musste also die Tiergötter versöhnen. Aber wie ? Indem man ab und zu einen
Menschen opferte. So war es für Hirten wohl gar nicht so abwegig, den
Tier-Dämonen einen Menschen zu opfern – als Entschädigung für die vielen Tiere,
die man geschlachtet hatte.
Später kam man von den
Menschenopfern ab und opferte Tiere.
Die Ursünde des Menschen
bestand darin, dass er gezwungen war (und ist), die Natur und tierisches und
pflanzliches Leben zu zerstören, um selbst überleben zu können. Später haben
die Priester dann behauptet, die Ursünde bestehe in „Ungehorsam gegen Gott“
(bzw. Ungehorsam gegen seine Stellvertreter auf Erden, die Priester). Es gelang
den Priestern, den Menschen ein permanentes schlechtes Gewissen einzuimpfen, um
so die Menschen leichter manipulieren zu können. Dies war nicht allzu schwer,
denn das schlechte Gewissen eine Form der Angst. Diese Urangst, die dem
schlechten Gewissen wegen der Ursünde zugrunde liegt, ist die Angst, dass der
Mensch im Kampf um das Dasein unterliegen könnte, also als Individuum oder als
Kollektiv von übermächtigen Feinden vernichtet zu werden. Eine durchaus reale
Angst, da unser aller Körper den Naturgesetzen von Verschleiß, Degeneration,
Alterung und Tod unterliegen.
Ein ganz wesentliches
Argument, sich zu einer Religion zu bekennen, ist das Versprechen der Religion,
alles Negative in der Welt letztendlich zu überwinden und damit die Urängste
des Menschen zu heilen.
Ursprünglich wurden die Tierdämonen wohl in vollständiger Tiergestalt verehrt. Dann wurden die Götter immer menschenähnlicher und behielten nur einzelne tierische Körperteile.
Das Tetramorph, das sind die vier Evangelistensymbole (Stier, Adler, Löwe und Engel), welche in der christlichen Kunst oft um eine Jesusdarstellung gruppiert sind, sind solche ins christliche gewandelte Tiergötter.
In einem noch weiteren Entwicklungsstadium hatten dann die Götter Menschengestalt und auch ganz menschliche Verhaltensweisen mit allen menschlichen Schwächen. In der menschlichen Gestalt der Götter spiegelte sich wider, dass für die Menschen nicht mehr der Umgang mit der Natur, sondern der Umgang mit den anderen Menschen zum Problem und zur Bedrohung geworden war.
An den heiligen Orten wurden
zunächst lokale Dämonen verehrt. Später kam man darauf, dass die
Muttergottheit, die an einem Ort verehrt wurde, mit der Muttergottheit, die an
einem anderen Ort verehrt wurde, identisch sein könnte; schließlich wurde dann
aus vielen lokalen Muttergottheiten die Muttergottheit.
Leichter war es, im Gott des
Himmels einen einzigen Gott zu sehen, da der Himmel sich über jedes Fleckchen
Erde wölbt. Für die Nomaden war es sowieso viel zweckmäßiger, den Gott des
Himmels zu verehren, da die Verehrung lokaler Gottheiten wegen dem mit der
nomadischen Lebensweise verbundenen ständigen Ortswechsel zu schwierig war.
Die menschenähnlichen Götter
mussten allmählich an Respekt und Glaubwürdigkeit verlieren. Was sollte man von
einem Gott wie Zeus halten, der hinter jeden Rockzipfel her war und der wegen
seiner Seitensprünge ständig Ärger mit seiner Ehegöttin
Hera hatte ? Ein anbetungswürdiger Gott musste weise,
allmächtig und vollkommen sein. So wurde aus dem Himmelsgott der Nomaden der
abstrakte Gott der Philosophen, der Gott, der die „erste Ursache“ war, also die
Welt geschaffen hatte. Er wurde zur „Weltseele“, zum Urgrund, aus dem alles kam
in den alles zurückkehren musste.
Der vollkommene, allwissende
und allgütige Gott durfte keine negativen Eigenschaften
mehr haben. Also wurden alle negativen Eigenschaften einem zweiten Gott
zugeschrieben, dem Satan. Der musste dem guten, allmächtigen Gott natürlich
unterlegen sein – wenn nicht jetzt, dann später, am Tag des Jüngsten Gerichts.
Für die Gestalt des Satans
boten sich die alten Naturgötter, die mit tierischen Körperteilen dargestellt
worden waren, an. Deshalb hat der christliche Satan auffallende Ähnlichkeit mit
dem Gott Dionysos oder mit dem Gott Pan. Diese Götter waren die Götter der
Ureinwohner Griechenlands. Die Götter der Ureinwohner wurden von den neuen
Eroberern für minderwertig gehalten – genau wie die Ureinwohner selbst.
Als der Mensch noch die
Naturdämonen anbetete, war es für ihn ganz klar, dass diese Dämonen positive
und negative Eigenschaften hatten – genau wie die Natur selbst, die das Leben
hervorbringt, es aber auch wieder vernichtet und neues Leben daraus entstehen
lässt.
Als die Menschen ihren
abstrakten und allgütigen Gott entwickelt hatten, war
für die negativen Seiten kein Platz mehr: Sie wurden jetzt dem Satan
zugeschrieben.
Im Satan leben die alten,
verteufelten Naturdämonen weiter. Es verwundert eigentlich nicht, dass die
Satanisten dem Satan Tiere und sogar Menschen opfern, um ihn für die eigenen
Zwecke zu manipulieren. Dies sind Ideen und Vorstellungen, die aus den alten
Religionen stammen. So erlebt die Magie heute wieder fröhliche Urständ, obwohl
es dem Christentum und dem Rationalismus im 17., 18. und 19. Jahrhundert
beinahe gelungen war, den Aberglauben auszurotten.
Die Schwäche der Magie ist
offensichtlich die, dass sie nur eine geringe (und zufällige) Erfolgsquote hat.
In einer Zeit, in der die Naturwissenschaft und das Geld die größten Wunder
vollbringen, braucht man keine Magie und keinen Satan mehr. Warum dem Teufel
seine Seele verschreiben, wenn einem ein guter Job und ein guter Geldberater
mit so viel Geld versorgen kann, dass man sich alles kaufen kann, was man
begehrt - auch Menschen, die Gesundheit und das Glück. Irgendwann unterliegt
man dann zwar auch dem Alter und dem Tod. Aber da kann einem der Satan auch
nicht helfen. Insofern ist dem Satanismus und der schwarzen Magie wohl keine
große Zukunft bestimmt.
Möglicherweise gehört die
Zukunft dem Buddhismus oder Religionen, die auf dem Buddhismus aufbauen. Mein
subjektiver Eindruck ist, dass der Buddhismus und seine Spielarten und
Abkömmlinge z. B. im Raum München in den Kreisen, die nicht fest in der
christlich-bäuerlichen Tradition verwurzelt sind, und das sind die
Stadtmenschen, stark im Vormarsch ist.
Warum sich die Menschen vom Christentum immer mehr abwenden
Die christlichen Kirchen
haben sich viele Sympathien verscherzt; unter anderem deswegen, weil sie der
Frau eine so erbärmlich unterdrückte Rolle zuwiesen (obwohl doch die Frauen
paradoxerweise diejenigen sind, die das Christentum tragen) und weil sie den
Menschen, welche die Natur für heilig ansehen, nicht viel zu bieten haben
(außer dem heiligen Franz von Assisi). Ein weitere
Schwäche des christlichen Gottesbildes ist, dass es das Zerstörerische und
Negative, das allem Göttlichen anhaftet, ausgeklammert hat. Jeder Mensch
erfährt aber ständig die Macht der negativen Kräfte des Göttlichen. Ein Gott
ohne negative Seiten ist nur ein halber Gott, ein abstrakter, blutleerer Gott,
der sich weit von den Naturgöttern entfernt hat. Es ist ein Gott, dessen Güte
und Allmacht ständig bezweifelt wird und der die Gläubigen in tiefe Zweifel
stürzt. Wenn jemand Opfer eines großen Leides geworden ist, fragt er sich:
„Warum lässt Gott das zu ?“
Der heute aktuelle Satans-
und Hexenkult wird durch diese offenkundigen Mängel des Christentums
begünstigt. Aber er ist nur die Parodie alter Religionen und eine
Oppositionsreaktion gegen das Christentum als Antwort auf dessen Unterdrückung
des Aberglaubens, der Sexualität, der Natur und der Frauen. Die alten
Religionen sind tot; man kann Aberglauben zum Leben erwecken, aber nicht alte
Religionen.
Der heutige Mensch hat zwar
erkannt, dass die Natur doch größer und mächtiger ist, als er dachte. Aber sie
anbeten und den Versuch unternehmen, sie durch magische Mittel zu beeinflussen,
das wird nur eine Minderheit tun.
Ein weiterer Mangel des
Christentums ist, dass es den Menschen das unmittelbare Erleben des Göttlichen,
die persönliche Gotteserfahrung, nur schwer
vermittelt. Hier liegt die Attraktivität von Sekten und Religionen, in denen
der Priester oder der Gläubige von der Gottheit besessen wird oder in denen er
durch Meditation, Wachträume und Trancezustände mit dem Göttlichen selbst in
Kontakt treten kann. Ich denke dabei an Schamanisus,
Voodoo (ein Besesseneheitskult), an orgiastische
Kulte (oft unter Drogeneinfluß) vom Typ Dionysoskult,
aber auch an Meditationen, Spiritismus und Mystik. Das ist für einen Teil der
Bevölkerung, besonders wohl die Jugend, verführerisch. Die Ekstase, das
Heraustreten aus dem Alltag durch betäubende Musik, durch Drogen und Alkohol,
haben auch eine religiöse Komponente. Hier offenbart sich aber auch das
Zerstörerische der Dämonen. Es besser, sich nicht mit ihnen einzulassen.
Der Zerfall des Christentums und des Islam in immer mehr Sekten
Das Christentum, der Islam
und der Buddhismus werden noch weiter in Untergruppen und Sekten zerfallen,
weil keine Religion es schaffen wird, so wie die christliche Inquisition, mit
Gewalt einheitliche Glaubensvorstellungen durchzusetzen. Es wird immer mehr
verschiedene und immer seltsamere Religionen geben und der Papst wird von immer
weniger Menschen als ernstzunehmende religiöse Autorität angesehen werden.
Ähnlich wird es den orthodoxen Patriarchen und islamischen religiösen
Oberhäuptern gehen.
In dieses Vakuum stoßen die
Gurus, die Leuteverdummer und die Geschäftemacher,
aber auch arbeitslose und arbeitsscheue Akademiker und Intellektuelle – kurz,
Leute die besser reden als arbeiten können.
Wer sich weder mit den Kirchen
noch mit den Sekten und Esoterikern identifizieren will, der wird gegenüber der
Religion zunehmend skeptischer und kritischer. Er wird dann immer weniger
glauben und mit Sokrates sagen: „Ich weiß das ich nichts weiß.“ Sokrates hat
allerdings einen Fehler gemacht, den er mit dem Leben bezahlen musste: Er hat
den Autoritäten bewiesen, dass sie auch nichts wissen.
Niemand hat das Göttliche mit eigenen Augen gesehen. Also ist alles, was über Gott gesagt wird, Spekulation. (ich höre jetzt den Aufschrei derjenigen, die es glauben, besser zu wissen).
Ich Religionsunterricht
lernten wird: „Gott offenbart sich durch die Geschichte des Volkes Israel.“ Da
fragt man sich natürlich, was das für ein Gott ist, der sich durch den Holokaust offenbart. Das stimmt doch was nicht.
Mohammed und Jesus gingen in
die Wüste, fasteten und hatten Visionen Gottes. Was sind Visionen. Visionen
sind Träume, auch Wachträume. Wenn der Körper durch Fasten und Schlafmangel geschwächt
ist, kommt es vor, dass man auch in wachem Zustand Träume sieht, weil das
Gehirn nicht mehr normal arbeitet, wenn der Glucosegehalt und die
Elektrolytwerte des Blutes nicht mehr stimmt.
Ähnlich bei den Schamanen,
die in einen todähnlichen Zustand fallen. Der Blutsauerstoffgehalt und die
Körpertemperatur sinken ab. Die Schamanen haben Nahtoderlebnisse, die sie
bewusst herbeiführen, eventuell unterstützt durch Drogen.
Mit einem Wort, die
„göttlichen Erfahrungen“ sind Traumbilder, die das Gehirn produziert, wenn es
in einen schlafähnlichen Bewusstseinzustand versetzt wird.
Ähnlich ist es mit den
„Visionen“ Rudolf Steiners. Ähnlich ist es mit den „Visionen“ der Hellseher,
Mystiker, Heiligen, oder der Leute, die durch Meditation mit Geistern Kontakt aufnehmen
oder die an Kraftorten besondere Eingebungen haben.
Religionen verdanken ihre
Existenz den „Visionen“ ihrer Propheten. Und die Propheten haben geträumt.
Daß der Mensch im Traum kreativ und poetisch ist, sei damit nicht
bezweifelt.