Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht – Terror im Aufstieg
und Fall der Nationen
erschienen 2003 im Verlag Orell Füssli, Zürich
ISBN 3-280-06008-7
Umschlagstext des Buches:
„Nicht
Religionen, Stammesfehden oder Armut sind die Hauptgründe für die weltweit
anwachsende Eskalation des Terrorismus. Vielmehr sorgt ein übergroßer Anteil an
Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung für tödliche Kämpfe. Vor allem die
sohnesreichen Gebiete des Islam mit seiner Verachtfachung von 150 auf 1200
Millionen Menschen in den letzten 100 Jahren bieten ein immenses Reservoir
gewaltbereiter Krieger.
Mit
eindrücklichen Zahlen und Verweisen auf die Geschichte belegt der international
bekannte Völkermordforscher Gunnar Heinsohn, dass die immer größer werdende
Zahl junger Männer eine ernsthafte Gefahr für die Zukunft darstellt. Seine
brisanten Thesen sind in den USA als „youth bulge“-Phänomen bekannt und stehen für die größte Hegemonialmacht
im Zentrum von deren Globalstrategien. „Söhne und Weltmacht“ bietet daher einen
schlüsselhaften
Einblick in die amerikanische Politik der kommenden Jahrzehnte.
Mit
diesem Buch liefert der Völkermordforscher Gunnar Heinsohn eine spannende und
zugleich provokante Antwort auf den weltweit eskalierenden Terror. Mit
erdrückenden Beispielen aus der Aktualität und der Geschichte belegt er, dass
weder religiöser Fanatismus noch Armut für tödliche Gewaltbereitschaft sorgen.
Vielmehr erweist sich ein übergroßer Anteil perspektivloser Jugendlicher an er Gesamtbevölkerung als Hauptgrund für Unruhen, Terror und
Krieg, bis hin zu Aufstieg und Fall ganzer Nationen.
Gunnar
Heinsohn, 1943 in Polen geboren. Studium der Soziologie, Geschichte,
Psychologie, Ökonomie und Religionswissenschaften an der freien Universität in
Berlin. 1984 wurde er auf eine Lebenszeitprofessur an der Universität Bremen
berufen und leitet dort seit 1993 das erste Europäische Institut für
Völkermordforschung. Die umfangreiche Liste seiner Publikationen umfasst
zahlreiche Titel, u. a. das erste
‚Lexikon der Völkermorde’ (1998).“
Von
Die Revolte der Hoffnungslosen
und Überflüssigen steht bevor
Wie fühlt man sich als Mitglied einer zukünftigen Minderheit ?
Wie
fühlt man sich, wenn man wie ich, 1947 als einziges Kind geboren und selbst
ohne Kinder, liest, dass in der weniger
entwickelten Welt (ohne China !) 1400 Millionen Kinder
unter 15 Jahren in den nächsten 15 Jahren das Erwachsenenalter erreichen werden
? Das bedeutet, Millionen von „zornigen“ und perspektivlosen jungen Männern,
darum kämpfen werden, einen Platz im Leben zu finden, der ihnen nicht nur das
nackte Überleben sichert (das ist bei den meisten der Fall, sie sind sogar
relativ gut ernährt), sondern Anerkennung, Sicherheit und Aufstiegschancen
bietet.
Die
Position, die sie sich wünschen, wird es für die meisten nicht geben. Selbst
bei uns, in den entwickelten Ländern werden für die jungen Männer (und die mit
ihnen konkurrierenden jungen Frauen) die Positionen knapp.
Wie fühlt man sich als einer der Viel-zu-vielen ?
Wie
fühlt man sich, als junger Mann von 21 Jahren, geboren im Irak oder in
Palästina, oder in Kapstadt, mit der Erkenntnis, daß
man sein Leben lang arm und arbeitslos sein wird ? Da
bleibt nur eines: Zur Waffe zu greifen, sich einer militanten Gruppierung
anzuschließen und sich den Anteil an Anerkennung und Besitz, der einem
eigentlich zusteht, zu erkämpfen.
Diese
jungen Männer sind nicht durch Hunger geschwächt; dann wären sie – zynisch gesagt
- für den Rest der Welt keine so große Gefahr, sondern würden apathisch
irgendwo herumvegetieren. Nein, sie sind intelligent, aktiv, hart und
unternehmungslustig. Sie sehen die Zukunft im Krieg und in der Gewalt, denn nur
er kann sie mit all dem versorgen, was sie sich wünschen.
Ein
zentraler Begriff im Buch Heinsohn ist der "youth
bulge".
Was ist der youth bulge ? Der so genannte 'Jugendboom' ist die überproportionale
Ausstülpung (bulge) der Alterspyramide bei den
15-24-jährigen. Heinsohn schreibt: "Ein jouth bulge findet sich überall dort, wo die 15-24-Jährigen
(Fuller 1995) bzw. die Kinder (0-15-Jährige) mindestens 30 % der
Gesamtbevölkerung ausmachen. In Deutschland z. B. umfaßt
die Alterskohorte der 15-24-Jährigen im Jahr 2003 lediglich 10 Prozent. In den
vierzig Spitzenländern des Jugendbooms der islamischen und schwarzafrikanischen
Welt aber wird sie in den kommenden fünfzehn Jahren sogar 30 Prozent ausmachen."
Um diesen youth bulge und die Konsequenzen,
die sich daraus ergeben, geht es in dem hochinteressanten Buch von Heinsohn.
900
Millionen unruhige und gewaltbereite Jugendliche
Überall
dort, wo der Anteil von Jugendlichen in der Bevölkerung überproportional groß
ist, bedeutet dies eine Gefahr für den inneren Frieden eines Landes, aber auch
eine Gefahr für die Nachbarn. Das lehrt die aktuelle Statistik, aber auch die
Geschichtswissenschaft. Dort, wo es überproportional viele junge Männer gibt,
gibt es besonders viele Bürgerkriege, Massaker, Kriege und Revolutionen.
Außerdem wird das Gleichgewicht der militärischen und politischen Kräfte
gestört. Außerhalb der 30 OECD-Staaten (plus Rußland
und die Osteuropäischen Staaten) gibt es 900 Millionen Jungen unter 15 Jahren
(Stand 2003). Diese 900 Millionen bereiten der westlichen Hegemonialmacht USA
ernsthafte
Sorgen. Die
USA verfügen nur über 30 Millionen Söhne in diesem Alter. Die übrigen
OECD-Staaten haben nocheinmal 70 Millionen Söhne. Es
stehen also 100 Millionen Söhne in den Industrieländern 900 Millionen Söhne in
den Entwicklungsländern gegenüber.
Die
Rache der Zu-kurz-Gekommenen droht
Bei den
Söhnen in den Industrieländern handelt es sich meist um die einzigen Söhne der
Familie. Sie wird man kaum in einem mörderischen Krieg opfern wollen. Bei den
Söhnen in den Entwicklungsländern handelt es sich um Söhne, meist um Zweit-,
Dritt- oder noch später Geborene, für die es weder einen angemessenen Job noch
eine sonstige Perspektive gibt. Solche Söhne kann ein Land viel eher entbehren.
Im Gegenteil, manche Regierung wird froh sein, wenn sie die Unruhestifter, die
sich zu kriminellen Banden oder als Bürgerkriegsmilizen zusammenschließen, los
wird. Also liegt es nahe, diese Viel-zu-Vielen als
Flüchtlinge außer Landes zu treiben, oder sie in Kriegen gegen Nachbarn zu
verheizen und zu versuchen, Imperien aufzubauen.
Der
youth bulge und die
Kreuzzüge
Der youth bulge, so stellt Heinsohn
fest, war eine entscheidende Triebfeder für die Kreuzzüge und für die Eroberung
der Welt durch Portugiesen, Spanier, Holländer und Engländer.
Heinsohn
zeigt, wie die "Produktion" von Kindern seit dem Ende des
Mittelalters in Europa bewußt nach oben geschraubt
wurde, indem man die im Mittealter gebräuchlichen Verhütungspraktiken
ausrottete: die Frauen, die sie kannten und praktizierten, wurden als Hexen
verfolgt. Er zeigt auch, wie die Sexualmoral darauf abgestellt war, den Sex
ausschließlich in den Dienst des Kinderkriegens zu stellen und die Frau zur
Gebärmaschine zu degradieren.
Die
Geheimwaffe Gebärmutter ist voll im Einsatz
Auch heute
wird die "Geheimwaffe Gebärmutter" vor allem in islamischen Ländern
wieder bevorzugt eingesetzt. In diesem Zusammenhang möchte ich auf etwas
hinweisen, das Heinsohn nicht besonders betont: Wenn ein Volk unterdrückt wird
und Angst um seine Existenz haben muß, dann wird es
sich besonders heftig vermehren. Als Beispiel möchte ich die Palästinenser oder
auch die Kosovo-Albaner aufführen. Es ist mehr als machtpolitisches Kalkül der
unterdrückten und bedrohten Völker, wenn sie die Bevölkerungsbombe zünden. Es
ist wohl auch der Überlebensinstinkt.
Das
eskaliert die Situation. Die Unterdrücker, z. B. die Serben im Kosovo sahen die
Gefahr kommen, daß sie von den nachwachsenden Söhnen
der Kosovo-Albaner schlichtweg an die Wand gedrückt werden. Also versuchten sie
es mit Völkermord. Es ist zu vermuten, daß viele
Hungerkatastrophen, die stattfinden und stattfanden, in Wirklichkeit
Ausrottungsaktionen und verschleierter Völkermord sind.
Die
Situation der überzähligen Söhne
Ein
einzelner Sohn kann damit rechnen, daß er den Job
oder den Besitz seines Vaters erben kann. Die restlichen Söhne müßen nicht am Hungertuch nagen. Sie werden durchaus mit
dem Lebensnotwendigen versorgt. Die
überzähligen Söhne sind also nicht durch Hunger und Krankheit geschwächt,
sondern durchaus leistungsfähig und ehrgeizig. Aber ihr Streben nach oben
findet kein Betätigungsfeld. Sie sind im "fight for
love and glory", wie
Heinsohn den Film „Casablanca“ zitiert, von vornherein in der Verliererposition.
Das macht sie zornig und aggressiv. Auch sie wollen ihren Anteil an guten Jobs,
an Pfründen, an Ansehen und an den jungen Frauen. Da die bürgerliche
Gesellschaft, anders wie bei uns, diesen Ehrgeiz der Jugendlichen nicht in
einer akademischen oder sonstigen Karrieren kanalisieren kann, bleibt den
Söhnen in den islamischen Entwicklungsländern nur der Griff zur Kalaschnikoff. Der Krieg bietet ihnen Möglichkeiten, um zu
Anerkennung, Geld, Position und Sex zu kommen. Und diejenigen, die im Krieg
sterben, sind in einer gewissen Weise auch versorgt und geben Ruhe.
Es
geht nicht um den Glauben oder die Ideologie
Es geht also
den Glaubenskämpfern jeder Couleur, egal ob es sich um islamische Fanatiker, um
christliche Kreuzfahrer oder um marxistisch-leninistische Weltrevolutionäre
handelt, nicht um Religion oder Ideologie, sondern um die Eroberung von
Territorien, in welchen sie Führungspositionen und Pfründe besetzten können.
Wenn sie dann saturiert sind, werden die extremem
Positionen sehr schnell wieder auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen und
man kümmert sich kaum um Religion und Ideologie, sondern ums Geschäft. Und da
stören Kriege und Fundamentalismus.
Die
Flüchtlingslager sind die Brutstätten zukünftiger Kriege
Die
Flüchtlingslager und die Großstadt-Gettos, aber auch die Trostlosigkeit und die
Armut der Dörfer auf dem flachen Land sind mit ihrem Kinderreichtum die
Brutstätten künftiger Kriege und Bürgerkriege. Darauf hat schon 1998 Hartmut Diessenbacher in seinem Buch „Kriege der Zukunft“ hingeweisen.
Hier ist das
Biotop, in dem Terrorismus und Verbrechen gedeihen. Die jungen Männer gehen in
die Fremde – als illegale Einwanderer in die Industrieländer, oder als
Guerillakämpfer, als Söldner, als Glückritter oder als Terroristen.
Vor
uns die unruhigen Jahre
Vor uns
liegen die unruhigen Jahre, die etwa bis etwa 2020 anhalten werden. Dann, so
hofft man, werden wieder weniger Kinder geboren werden.
Wie wird
sich die industrialisierte Welt dagegen zur Wehr setzten ?
Durch ferngesteuerte Präzisionsbomben ? Das wird nicht gehen. Die jungen Männer
aus den Flüchtlingslagern und Getthos werden den
Kampf Mann gegen Mann suchen.
Sollen
wir einen neuen Limes bauen ?
Jean Christoph Rufin
hat 1991 in seinem Buch „Das Reich und die neuen Barbaren“ gezeigt, daß immer größere Teile der Welt für uns Abendländer
unzugänglich werden, weil dort Bürgerkriege toben, Seuchen grassieren und Warlords und Drogenbarone die Gegend kontrollieren. Diese
von Rufin diagnostizierte Tendenz hat sich weiterhin
verstärkt.
Soll sich das Reich der Abendländer mit
einem neuen Limes umgeben ? Erste Ansätze sind
deutlich erkennbar. Israel baut seine Mauern. Die USA hat ihre Grenze nach
Mexiko über weite Strecken hinbefestigt, um die illegale Einwanderung zu
unterbinden.
Ob das Abendland wirklich wie die DDR
einen „Schutzwall“ bauen wird, ist stark zu bezweifeln. Aber man wird
vielleicht eine elektronische „Firewall“ gegen
Terroristen und illegale Einwanderer entwickeln. Jeder der ins Abendland kommt
und sich dort bewegt, wird gescannt, gefilmt und biometrisch erfasst werden.
Ob uns das schützen wird
?
Der „Atomschild“ ist gegen
Fanatiker und Verrückte unwirksam
Noch denkt die islamische Welt kaum weiter
als über Israel hinaus. Ein Angriff auf Südeuropa ist zur
Zeit nicht zu befürchten. Die islamische Welt ist viel zu sehr
untereinander zerstritten und viel zu inhomogen, viel zu sehr in Gemäßigte und
Radikale, in Freunde und Feinde des Abendlandes gespalten, als daß sie eine einheitliche Aktion gegen den Westen zustande
bringen könnte.
Ja, und dann ist da noch unser atomare Schutzschild. Aber ob der so sehr beruhigen kann ? Den atomaren Schutzschild gibt es nämlich garnicht. Eigentlich besteht dieser Schutz ja nur in der
Drohung, jeden Angreifer mit Atomwaffen zu vernichten. Wenn der Gegner aber
ebenfalls Atomwaffen hat, dann kann man ihm nicht mehr glaubhaft mit Atomwaffen
drohen. Ob man einen islamischen Selbstmordattentäter, der im Besitz einer
Atombombe ist, mit einer Gegendrohung durch Atomwaffen zur Vernunft bringen kann ?
Wie sollen die USA reagieren, wenn jemand
droht, im Hafen von New York eine Atombombe zu zünden ?
Ist Israel, das ja schon lange im Besitz
von Atomwaffen ist, dadurch sicherer geworden ? Haben
die Atomwaffen der USA den 11. September 201 verhindern können
? Nein, eher steht zu befürchten: letztlich werden sich die Atomwaffen
gegen das Abendland, das sie erfunden hat, kehren.
Vor uns die
unruhigen Jahre.
Gibt
es einen Ausweg ?
Vor
allem eines müssen wir erkennen: Die Menschheit ist eine Einheit, und nur
gemeinsam kann sie ihre Probleme lösen. Es wäre jetzt ganz verkehrt, die
islamische Welt als böse und feindlich zu denunzieren. Der youth
bulge stellt zunächst einmal für die von ihm
betroffenen Staaten selbst ein riesiges Problem dar. Wie können sie diese
Millionen von Jugendlichen zu sozial angepassten Menschen machen
? Wenn sich ein Mensch an die sozialen Spielregeln halten soll, dann muß das sich für ihn auch auszahlen. Er muß
eine Existenz und Aufstiegschancen bekommen. Hier einen Weg zu finden ist
Aufgabe der Weltgemeinschaft. Das wird sehr viel Geld und Arbeit kosten. Wo
können wir die einsparen ? für mich ist es klar: Bei
der Rüstung.