Auf einem Hügel gegenüber der vieltürmigen Stadt Tuscania, südlich des Bolsena-Sees in der Toscana, liegen zwei Kirchen, die Basilika San Pietro und die Basilika Santa Maria Maggiore. Tuscania war eine bedeutende etruskische Stadt; heute ist die Stadt weniger ausgedehnt als zur Etruskerzeit. In die Fassade von San Pietro, das auf der Ruine eines römischen Tempels steht, ist links unten eine etruskische Grabplatte eingelassen, die einen Sakraltänzer zeigt. Rechts sieht man einen Dämon, vielleicht den Satan selbst, dessen Kopf drei Gesichter trägt. Sybille von Reden hat in ihrem Buch „Die Etrusker“ sehr schön erklärt, dass es sich um das Vultus trifrons, das dreigestirnte Antlitz handelt. Die Darstellung einer Gottes (bzw. seines Gegenspielers) als Dreifaltigkeit geht auf asiatische Anschauungen zurück, die möglicherweise aus Zentralasien stammen. Bei den Kelten wurden viele Götter als Dreiheit verehrt und manchmal dreigesichtig dargestellt. Dies sollte die drei Aspekte eines einzigen Gottes verdeutlichen.
Auch Gott wurde auf Christlichen Gemälden, z. B. in der Kirche Campo Santo in Pisa als dreigesichtig dargestellt. Auch in Süddtirol gab es, zum Missvergnügen der Kirchenoberen, dreigesichtige Gottesdarstellungen, die verehrt wurden.
Aus dem Mund des Dämons von Tuscania kommen Pflanzenranken, Mohnkapseln und Beeren heraus und vor der Brust hält er eine Schlange. Das weist ihn als Erd- und Fruchtbarkeitsdämon aus.
Das dreigesichtige Antlitz zwischen Ornamenten im
plateresken spätgotischen Stil an einer Kirche in Valladolid (Nordwestspanien)
gehört wohl nicht dem Höllenfürsten, sondern eher einem armen Teufel oder einem
armen Sünder.

