Stephan
Mögle-Stadel
Die
Unteilbarkeit der Erde
Buchbesprechung
von Richard Beiderbeck, http://www.koinae.de/
Das Buch erschien (als hardcover, 266 Seiten) im Juli 1996 im
Bouvier-Verlag, Bonn (ISBN 3-416-02565-2). Im folgenden soll versucht werden,
die wesentlichen Gedanken und Inhalte herauszuarbeiten. Dabei müssen natürlich
viele interessante und lesenswerte Details unerwähnt bleiben. Diese Buchbesprechung
soll ja auch nicht die Lektüre des Buches ersetzten, sondern dazu anregen.
Ich halte das Buch für eine gelungene Mischung aus Sachinformation,
Dokumentation und erzählerischen und biographischen Passagen. Einzige Kritik:
Vielleicht hätte man nicht die Verfassung der Weltföderation in voller Länge
wiedergeben sollen, sondern nur die Kernpunkte.
Das Buch beginnt mit einer Graphik, die eindrucksvoll demonstriert, wie
sehr das Verantwortungsbewußtsein der Menschen auf die unmittelbare Umgebung
und die unmittelbare Zukunft gerichtet ist.
Damit die Menschheit überleben kann, muß der allgemeine
Verantwortungshorizont viel weiter hinausgeschoben werden.
In seinem Vorwort "Der Kampf um die Zukunft" weist Prof. Dr.Dr. Ossip
K. Flechtheim darauf
hin, daß nur wenige Menschen die unterirdischen Strömungen der
Menschheitsgeschichte intuitiv erspüren, aussprechen und drohenden Katastrophen
mit konstruktiven Konzepten entgegentreten. Einer von ihnen ist -so Flechtheim-
Stephan Mögle-Stadel, der 1989 aus kosmopolitischen Gründen den Kriegsdienst
verweigerte, da er im Gruppenegoismus des Nationalstaates eine Gefahr für
unseren Planeten sah. 1992 initiierte er eine Aktion, die an die
föderalistischen und kosmopolitischen Ideen der Geschwister Scholl erinnern
sollte. Für Prof. Flechtheim sind noch viel mehr solche zivilcouragierten Welt-
und Zukunftsbürger wie Mögle-Stadel notwendig. Flechtheim fordert eine
Weltföderation, die mit mehr Kompetenzen als die UNO ausgestattet sein muß, und
in der mehr Bürgernähe und Demokratie verwirklicht ist.
In seinem Essay "Weltföderalismus als
Rahmenbedingung unsere Vielfalt friedlich zu genießen", das Sir
Peter Ustinov zu
Mögle-Stadels Buch beiträgt, wird dargelegt:
Der Weltföderalismus ist keine verschwommene Utopie, die alle
kulturellen Unterschiede einebnen und eine unkontrollierbare Weltbürokratie
erschaffen will. Im Gegenteil, Weltföderalismus ist die organisatorische,
ideologiefreie Möglichkeit, jene faszinierdenen Unterschiede, welche die Völker
und Kulturen trennen, als gegenseitige Bereicherungen zu erhalten und zu
genießen.
Der Föderalismus ist eine Zukunftsperspektive für die Welt. Er schließt
den Patriotismus nicht aus, sondern stellt einen Schutz für den Weiterbestand
aller Kulturen dar, die sonst ihm Rahmen von Nationalstaaten unterdrückt würden
und werden. Dazu ist es aber erforderlich, den Vereinten Nationen die
Bodenhaftung einer gewählten Versammlung zu geben.
Das Umweltschutzproblem kann nur global gelöst werden, und deshalb muß
die UNO mit entsprechenden Institutionen ausgestattet werden und diese müssen
über ausreichende Machtmittel verfügen.
Ustinov fordert außerdem einen Internationalen Gerichtshof für Individuelles Strafrecht. Die"ethnische
Säuberungen" müßen als internationales Verbrechen gebrandmarkt werden,
ebenso wie Völkermord, Drogenhandel und Terrorismus. Wir brauchen ein globales
Gerichtswesen.
Für Peter Ustinov, den Präsidenten des World Federalist Movement, ist
"Föderalismus" eine anderes Wort um zu sagen: "Friede".
Sein Buch, so führt Mögle-Stadel im nächsten Kapitel aus, ist eine
Antwort an den Club of Rome.
Er bezieht sich damit auf den von Prof. Yehezkel Dror im Bertelsmann-Verlag in
Buchform (Titel: "Ist die Erde noch regierbar?") erschienen Bericht
an den Club of Rome (dessen Mitglied Dror ist).
Die Menschheit, so Mögle-Stadel, ist in fast 200 "souveräne"
Nationalstaaten aufgespalten, aber unsere Biosphäre und Atmosphäre ist
unteilbar. Der Treibhauseffekt, die atomar verseuchten Winde von Tschernobyl,
die Drogenmafia, die Bevölkerungsexplosion haben die Begrenzungen des
Nationalstaates ad absurdum geführt. Die UN-Konferenzen von Peking, Berlin,
Kopenhagen, Kairo, Rio und Stockholm blieben praktisch ergebnislos. Man hat
konsequentes Handeln bis zu einem globalen Crash vertagt. Die Politiker der
Nationalstaaten haben kein globales Mandat, und sind infolgedessen tatsächlich
verantwortungslos und inkompetent.
Die Menschheit hat nicht mehr viel Zeit, um die globalen Aufgaben zu
bewältigen. Deshalb fordert Mögle-Stadel ein "verfassungsrechtlich zu
instrumentalisierendes Um-Weltbürgertum" und Welt-Föderalismus als
Weiterführung der kosmopolitisch-humanistischen Tradition (z.B. Kant) in
Deutschland.
Eine Therapie unserer kranken Welt wird aber wohl erst in Gang kommen,
wenn der Leidensdruck überhandnimmt. Bis dahin gilt es Therapiekonzepte und
Therapeuten bereitszustellen. "Vielleicht wächst erst nach einem globalen
Crash Test...die fundamentale Kraft, ganz Mensch(heit)lich zu werden".
Das Titelbild des Buches zeigt die Erde aus der Weltraumperspektive über einem stürmischen
Ozean. Dies soll die Polarität zwischen kosmischer Unendlichkeit und der
Vergänglichkeit historischer Besitzstände zeigen. Das stürmische Meer soll ein
Symbol für die Bewegungen und Veränderungen in der Geschichte der Menschheit
sein.
Das Bild unseres Planeten mit seiner allen Ländern gemeinsamen
Atmosphäre soll zeigen, daß die Erde ein einziger Organismus ist.
"Der Rückzug in eine neue, apolitische Öko-Biedermeierzeit von
Vollkornmüsli, Schrebergartenidylle und Greenpeace-Spendenbescheinigung
beinhaltet letztlich keine tragfähige Perspektive für die Zukunft einer
globalisierten Welt jenseits unserer globalen Dorftrottelnaivität", meint
Mögle-Stadel. Wer Umwelt sagt, muß auch UmWeltbürgertum sagen und sein
Verhaltensethos kosmopolitisch erweitern. "Für die Realisation der
Begriffe Globale Gewaltenteilung, Weltfrieden, Weltbürgertum, Weltföderalismus,
Weltverfassung, Weltrechtsstaatlichkeit, Weltparlament, Weltpolizei etc. sind
wir alle mitverantwortlich. Sie sind die neuen Kernpunkte der globalen
Existenzfrage...Denn wir, die...Bürger der Erde, sind es, die in dem drohenden
Systemkollaps einer planetar verantwortungslosen Inter-Nationalität (statt
Über-Nationalität) sterben müßten, wenn es nicht gelingt zuvor noch eine
alternative und zukunftsweisende Staatenwelt als Weltbundesstaat zu
etablieren...Denn die zentrale Herausforderung der Zukunft lautet nicht mehr,
was uns der Nationalstaat bringt oder
kostet, sondern was und wieviel wir bereit sind, für den Weltstaat, für
Biosphäre und Menschheit, an Egoismus und Konsumismus zu opfern."
Mögle-Stadel rechnet in der Zeit zwischen 1999 und 2010 mit einer
letztlich notwendigen und selbstverschuldeten Umbruchsphase.
In einem kosmopolitischen Brief, den er im September 1995 an den Bundespräsidenten Roman Herzog schickte, meint Mögle
Stadel: Im Zeitalter einer sich zunehmend verschärfenden Überlebenskrise
bedeutet Globale Mitverantwortung zu übernehmen: paranoide Ängste, bei der
Zerteilung der letzten Resourcen zu kurz zu kommen, zu Gunsten einer
Weltföderation zu überwinden.
Wir verwickeln uns immer erfolgreicher vom national-rassistischen
Genozid zum global-industriellen Suizid. Deshalb schlägt Mögle-Stadel eine
Reform der UNO vor. Es könnte z.B. neben die Generalversammlung eine zweite,
demokratisch gewählte Kammer treten, die zunächst nur einen beratenden Status
hätte.
Mögle-Stadel fordert auch eine über-nationale Rechtsprechung und die
Einklagbarkeit von Solidarität. Dazu ist aber eine handlungsfähige
Welt-Föderation mit legislativer, judikativer und exekutiver Gewaltenteilung
erforderlich.
Da der Zwiespalt zwischen Deutscher, Europäischer und
Weltstaatsbürgerschaft verfassungsrechtlich noch nicht geordnet ist, bietet
Mögle-Stadel dem Bundespräsidenten an, seine deutsche Staatsangehörigkeit
einstweilen ruhen zu lassen. Laut Grundgesetz ist der deutsche Staat
verpflichtet, Unheil von seinen Bürgern abzuwenden. Wie kann er das aber, der
er selbst ein Nationalstaat ist und wenn das weltweite Unheil größtenteils
durch nationale und konfessionelle Gruppenegoismen verursacht wird?
Mögle-Stadel möchte durch das Ruhenlassen seiner deutschen
Staatsbürgerschaft vermeiden, in einen Interessenskonflikt zwischen Deutschland
und seiner Verantwortung gegenüber der Zukunft der ganzen Welt heineingezogen
zu werden.
Die Welt könnte vielleicht tatsächlich am deutschen Wesen genesen, wenn
wir uns auf unsere kosmopolitisch-weltstaatliche und humanistisch-literarische
Tradition besinnen.
In dem Kapitel
200 Jahre Schritte "Zum ewigen Frieden" erinnert Mögle-Stadel an die Schrift
von Immanuel Kant, die 1795 erschien. Kant's Schrift war der Vorschlag Benjamin
Franklin's, Europa sollte eine "föderale Union" bilden,
vorangegangen, und Jean Baptiste Cloots stellte 1793 fest: "Es gibt keine
andere Souveränität als die des
Menschengeschlechts". Kant schrieb: "Für Staaten im Verhältnis
untereinander kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem
gesetzlosen Zustande, der lauter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie
ebenso wie die einzelnen Menschen, ihre wilde (gesetzlose) Freiheit aufgeben,
sich zu öffentlichen Zwangsgesetzen bequemen und so einen...Völkerstaat
(civitas gentium), der zuletzt alle Völker der Erde umfassen würde,
bilden".
Mögle-Stadel weist darauf hin, daß es zwei Arten von Weltbürgertum gibt:
Einerseits das in der religiösen und philosphischen Tradition
Griechenlands (Stoa), Indiens (Vedanta) und China's verwurzelte Weltbürgertum,
das auf den europäischen und deutschen Humanismus aufbaut, und das 1947 aus
Erkenntnis der Notwendigkeiten von Einstein angemahnt wurde.
Andererseits das Weltbürgertum der heutigen Waffen- und Drogenhändler, der Geldwäscher und der
Sex-Touristen. Diese Art des Zusammenwachsens der Welt ist unkontrolliert und
bedeutet einen großen Schaden. Notwendig wäre aber das geordnete
Zusammenwachsen der Welt im Rahmen einer Weltföderation.
Global Governance realisieren: Diagnosen und Prognosen: In diesem Essay im Rahmen des Buches
legt Prof.Dr.. Yehezkel Dror sechs knappe Diagnosen des heutigen Weltzustandes
vor und gibt Handlungsempfehlungen.
1. Die heutige Weltordnung ist durch eine gefährliche Unfähigkeit zu
regieren und durch eine veraltete Politik gekennzeichnet. Das heutige
Weltregierungssystem muß radikal umgestaltet werden. Die UNO muß größere
Entscheidungsbefugnisse erhalten.
2. Der überwiegende Teil der Menschheit kämpft ums nackte Überleben, hat
keinen Bezug zu globalen Zusammenhängen und richtet den Blick kaum über die
Grenzen des Stammes hinaus.
Prognose: Auf absehbare Zukunft kann keine Weltregierung auf einer
Weltbürgergesellschaft aufgebaut werden. Deshalb brauchen wir eine
hochqualifizierte Weltregierung, um eine Weltbürgergesellschaft aufzubauen. Ein
wichtiger Schritt in diese Richtung ist, Weltprobleme einer breiten Schicht der
Bevölkerung in verständlicher und korrekter Form vorzutragen (mit Hilfe der
Massenmedien).
Als Pilotprojekte eignen sich Bürger-simulierte Weltparlamente.
3. Erste Ansätze für globale Regierungseliten bestehen bereits, aber sie
sind noch zu klein, zu wenig fachkundig und haben nicht genügend politische
Macht. Noch glaubt man, die "Menschheit" als Ganzes kann ihre
Probleme ohne eine Regierungselite beheben. Aber dieser Glaube entbehrt jeder empirischen Grundlage.
Die bestehenden politischen Eliten müßen global vernetzt und für globale
Probleme sensibilisiert werden.
Prof. Dr. fordert die Gründung einer Globalen Politikschule.
4. Bis heute gibt es keine praktikablen Rezepte, wie man die
Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ohne gewaltsame Umwälzungen überwinden
kann und selbst gewaltsame Umwälzungen würden wohl kaum etwas an den
Ungerechtigkeiten ändern. Ebensowenig gibt es gute Vorschläge, wie man der
Bevölkerungsexplosion oder der Klima-Problematik Herr werden kann.
5. Übermäßiges Vertrauen in die Märkte ist nur ein ungeeigneter Versuch
der Politik, globale Probleme zu überspielen. Deshalb müssen Kontrollen und
Regulationen entworfen und eingesetzt werden.
6. Es muß ein moralisches Weltregierungssystem auf der
philosophisch-ethischen Grundlage einer "raison d'humanité" aufgebaut
werden, die anstelle der nationalstaatlichen "raison d'état" tritt.
Prof. Dror legt uns folgende Frage vor:
"Angenommen ein begrenzter Atomkonflikt bricht aus, in dem 50
Millionen Menschen getötet und weitere 200 Millionen verletzt werden. Nehmen
wir an, daß auf Grund des Schocks über diese Katastrophe die Menschheit zur
Reife kommt und ein geeignetes Weltregierungssystem einrichtet, das unter
anderem Atomwaffen abschafft, mit Ausnahme eines sorgfältig kontrollierten
Arsenals für unvorhersehbare Eventualitäten. Frage: Unter Berücksichtigung
Ihrer Kenntnis der Menschheitsgeschichte und des menschlichen Massenverhaltens:
Ist dies ein verhältnismäßig optimistisches oder pessimistisches
Szenario?"
Dror fürchtet, daß die Qualitätsverbesserung der globalen
Regierungseliten möglicherweise nicht ausreicht, um Katastrophen zu verhindern.
Es könnte also eine stärkere Medizin nötig werden, der Zusammenschluß der
Großmächte in einem föderalen Regierungssystem. Dror empfiehlt, den Geist der
für einen solchen "planetaren Quantensprung" offenen Menschen darauf
vorzubereiten.
(Wie) Ist die Erde noch regierbar?"
In diesem Kapitel setzt sich Mögle-Stadel mit dem Bericht von Prof. Dror
an den Club of Rome auseinander. Dieser Bericht ist als Buch im
Bertelsmann-Verlag unter dem Titel erschienen "Ist die Erde noch regierbar?"
Mögle-Stadel greift die Forderung Drors nach einer neuen sozialen
Welt-Bürgerbewegung auf und schlägt vor, daß sich jene internationalen NGO
(Nicht-Regierungsorganisationen), die sich als globale Repräsentanten von
Bürgerinitiativen verstehen, sich zu einer Art Weltbürgergesellschaft
vernetzen. So könnte ein Gegengewicht (und eine Kontrolle) gegen die sich
bildenden globalen Regierungseliten entstehen.
Würde ein "stringent und vernünftig organisierter
Weltbundesstaat" die Freiheit des Bürgers tangieren? fragt Mögle Stadel.
Nach seiner Ansicht nicht. Eingeschränkt würde nur die heutige Narren- und
Konsumfreiheit.
Als Beispiele dafür, daß heute allmählich eine soziale
Weltbürgergesellschaft entsteht, führt Mögle-Stadel einige Kurzbiographien an:
Rupert Neudeck, der eine private Flüchtlingshilfe-Organisation aufbaute, Inge
Grzyb, die eine Registrierstelle für Weltbürgerinnen einrichtete, Peter
Spiegel, der durch Bücher und seine Organisation Terra e.V. für Solidarität mit
der Dritten Welt eintritt, Claudius Schauffler, der kosmopolitische Aktivist
und Demonstrant für die Überwindung des Nationalismus.
Unter der Überschrift "Globale
Herausforderungen" fordert Mögle-Stadel ein zweites,
postindustrielles Wirtschaftswunder. Er rechnet mit dem ersten Wirtschaftswunder
(dem von Ludwig Erhard) ab, das auf die Umwelt keine Rücksicht nahm und die
Massen mit Hilfe einer bewußtseinsvernebelnden Werbeindustrie zum gedankenlosen
Massenkonsum verführt hat.
Anküpfend an den Vorschlag von Prof. Dror fordert Mögle Stadel eine
"Akademie für Kosmopolitiker" zu gründen.
Auf der Ebene der Schule soll das Fach "Weltbürgerkunde"
eingeführt werden. Auf der Ebene der Universität soll eine weltbürgerliche,
religiöse, humanistische und sprachlich orientierte Zusatz-Ausbildung
verhindern, daß einseitig wirtschaftlich oder naturwissenschaftlich
ausgebildete Absolventen herangebildet werden.
Garry Davis und das weltbürgerliche Gewissen nach
Hiroshima
In diesem Kapitel, das ich für sehr gelungen halte, wird die Geschichte
des Initiators der Weltbürgerbewegung, des ehemaligen amerikanischen
Bomberpiloten Garry Davis erzählt.
Davis beschäftigte sich ab 1947 mit weltföderalistischer Literatur und
beschloss 1948 einen Kreuzzug für eine Weltregierung zu machen. Er fuhr nach
Paris und gab am 25. Mai 1948 seine amerikanische Staatsbürgerschaft auf und
erklärte sich zum Weltbürger. Damit war
er staatenloser Ausländer, der ausgewiesen werden mußte. Er suchte Asyl auf dem
Gelände des Palais Chaillot, welches Schauplatz einer UNO-Tagung war, und damit
nicht französisches Staatsgebiet, sondern Hoheitsgebiet der UNO. Das war die human
interest story, auf welche die Presse gewartet hatte. Garry Davis wurde
weltbekannt.
Er erfuhr Unterstützung durch Robert Sarrazac, einen Parteiführer, der
ein Solidaritätskommitee aus prominenten Intellektuellen, Herausgebern,
Journalisten und Politikern für Garry Davis ins Leben rief - darunter auch
Albert Camus, der sich als überaus wertvolle Hilfe erwies. Dieses Solidaritätskomittee
arbeitete einen Plan aus, wie Garry Davis in eine UNO-Versammlung eindringen
und vor der Weltöffentlichkeit eine Erklärung zugunsten einer Weltregierung
abgeben sollte.
Diese Aktion (am 19. Nov. 1948) rief ein dank der Unterstützung des Komitees
ein gewaltiges Medienecho hervor.
Garry Davis erhielt von überall Unterstützung. Am 3. Dez. 1948 wurde
eine erste Weltbürgerversammlung mit 3000 Teilnehmern in einem Pariser
Konzertsaal veranstaltet. Am 9. Dezember folgte eine Veranstaltung in einem
Sportstadion mit 20 000 Teilnehmern.
Leider gelang es trotz dieses fulminanten Auftakts nicht, eine Reform
der UNO oder gar eine Weltföderation zu erreichen. Garry Davis, der
Broadway-Schauspieler, verstand sich zwar auf den publikumswirksamen Auftritt,
aber er war kein politischer Führer. So kam es, daß aus der Weltbürgerbewegung
nie eine gut durchorganisierte Partei wurde, sondern nur ein loser
Zusammenschluß von Menschen blieb. Aber immerhin wurde am 10. Dezember 1948,
einen Tag nach der Massenversammlung der Weltbürger, von der in Paris tagenden
Generalversammlung der UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
verabschiedet.
Am 3. Januar 1949 war das Hotel von Garry Davis zur Zentrale der
Weltbürgerbewegung umfunktioniert. Es trafen -zigtausende von Briefen ein,
deren Absender sich als Weltbürger registrieren lassen wollten. Eine weitere
Großveranstaltung wurde organisiert und trotz der Störversuche von Kommunisten
und Anarchisten erfolgreich durchgeführt. Im Mai 1949 unternahm Garry Davis
eine Vortragsreise durch Frankreich, Belgien und die Schweiz. Im Juni erklärte
sich als erste die südfranzösische Gemeinde Trouilla zur
"Weltbürgergemeinde". Andere Städte und Gemeinden folgten.
Insgesamt ließen sich 300 000 Menschen als Weltbürger registrieren -
aber dies blieb ohne praktische Konsequenzen.
Am 20. Dez. 1949 forderte Garry Davis deutsch-französische Studenten auf
der Rheinbrücke bei Kehl auf, die Schlagwaffen wegzuwerfen und auf Gewalt zu
verzichten. Er holte sich an diesem Tag eine Erkältung und wurde ins
Straßburger Krankenhaus eingeliefert.
Mögle-Stadel zeigt eindrucksvoll auf, daß der Rhein bei Straßburg
möglicherweise der Rubikon war, den Garry Davis und seine Weltbürgerbewegung
nicht überschritten hat. Davis wies es von sich, für seine Ziele mit Gewalt
einzutreten und die deutschen Grenzposten zu überrennen und damit eventuell
soetwas wie einen deutsch-französischen Aufstand gegen den Nationalsstaat in
Gang zu setzen.
Im Krankenhaus erhielt Garry Davis einen Brief von Albert Schweitzer,
der ihm riet, sich für eine Weile von seinen Aktionen und Verpflichtungen
zurückzuziehen. Davis kam diesem Rat nach, hielt am Rheinufer eine
Abschiedsrede, verzichtete auf eine Einreise nach Deutschland (wo er viele
Einladungen hatte) und ging zurück nach Amerika.
Sollen wir ihn deswegen tadeln? Immerhin hätte er am Rheinufer in einer provisorischen Hütte auf seine
Einreise warten sollen (und das im Januar).
Eine Weltbürgerrevolution gegen den Nationalstaat wäre nach meiner Meinung
kaum in Gang gekommen, geschweige denn mit Erfolg gekrönt gewesen. Dazu war das
Ziel zu abstrakt und der Nationalstaat zu fest im Fühlen und Denken der
Menschen verankert. Man kann verstehen, daß Davis, wohl in richtiger
Einschätzung des Machbaren, es vorzog, nicht zum Aufrührer oder gar zum
Märthyrer zu werden. Wer kann ihm das verübeln?
Aber dieser plötzliche Rückzug ihres Vorkämpfers und ihrer Gallionsfigur
ließ die Weltbürgerbewegung frustiert und ratlos zurück. Zwar nahm Garry Davis
nach einer dreijährigen Pause seine Arbeit wieder auf, aber das Eisen, das man
bekanntlich schmieden soll, solange es heiß ist, war im Kalten Krieg längst
tiefgefroren.
Mögle-Stadel beschreibt in diesem sehr lesenswerten Kapitel den
Zwiespalt, in dem sich Garry Davis und seine Weltbürgerbewegung befand, als sie
sich entscheiden sollte, ob sie ihre Ideale mit Gewalt verwirklichen sollte.
Dag Hammarskjölds Vermächtnis
Ein Zeichen am Weg
Es ist unschwer zu erraten, daß Hammarskjöld von allen
UN-Generalsekretären derjenige ist, den Mögle-Stadel am meisten hochschätzt.
Hammarskjöld wurde am 17. Sept. 1961 in Nordrhodesien Opfer eines
Flugzeugabsturzes, der wohl von seinen Feinden herbeigeführt wurde.
Er wurde 1953 Generalsekretär der UNO und setzte 1956 als historische
Neuerung bei der Suez-Krise UNO-Friedenstruppen ein, die unter seiner Leitung
standen. Er erfand also quasi die Blauhelmsoldaten.
1960 wehrte er erfolgreich den Versuch der Russen ab, ihn zu entmachten.
1961 störte er im ehemaligen belgisch-Kongo die Kreise der Kolonial- und
Atommächte. Das kostete ihn wohl das Leben.
Mögle-Stadel beleuchtet den persönlichen Hintergrund von Hammarskjöld
und läßt hinter dem Amtsträger den großen, aber einsamen Menschen erkennen.
Die Kosmopolitiker: Ein Kosmopolitiker, so führt Mögle-Stadel aus, ist rück-gebunden
(religio) an die Menschheit und an alles Leben auf unserem Planeten. "Er
nimmt seinen politischen Beruf als eine Art geistige Berufung sehr viel ernster,
überparteilicher und futurologischer...
Der Geist ist der Herkunftsort des Menschlichen, nicht die Biologie und
die Konfession, nicht das Parteibuch oder die nur partikulare
Nationalstaatszugehörigkeit...Die Gefahr des -Pardon - allzu dauerhaften
Anpinkelns nur eines nationalen und konfessionellen Stammbaumes, besteht u.a.
darin, daß dieser -potentielle - Lebensbaum (in einem Wald voller -
potentieller - Lebensbäume) zu einem übersäuerten Totem wird, an dessen
manisch-nekrophilen Marterpfahl dann der Geist des Lebens gemordert wird."
Diesen Satz mußte ich in Orginallänge wiedergeben, denn er ist ein
echter Mögle-Stadel.
Weltföderalismus vor und
in den 90er Jahren
Die globale Betrachtungsweise Weltföderalismus hilft, die Probleme
Umweltzerstörung, weltweite Armut, Kriege, Bevölkerungsexplosion usw. in einem
neuen Licht zu sehen und einen
Ausweg zu finden.
Dieser Ausweg umfasst ein globales Sicherheitssystem, eine weltweit
koordinierte und ökologisch tragbare Entwicklung sowie eine
verantwortungsbewußte Freiheit der Bürger, die in freiwilliger
Selbstverpflichtung eine Bürgschaft für die Erde übernehmen. Die
Weltföderalisten wollen eine von Bürgern getragene demokratische Gesellschaft
auf globaler Ebene.
Das Ziel einer
Weltföderation ist groß, jedoch nicht größer als die immensen Probleme, mit
denen wir auf unserem Planeten konfrontiert sind. Das Ziel kann nur in
einzelnen Schritten erreicht werden. Aber jeder Schritt wird sofort seine Wirkung
entfalten. Und jeder Schritt ermöglicht den nächsten. Das Fundament existiert
bereits in den Vereinten Nationen.
Es besteht kaum
ein Zweifel, daß eine Weltföderation verwirklicht werden kann. Die Alternative
wären letztendlich ein kollektiver Selbstmord durch einen Atomkrieg oder durch
einen Kollaps des Ökosystems.
Mögle-Stadel:
"Müssen wir erst unmittelbar vor noch größerem Leid und noch größerer
Zerstörung stehen, oder können wir diesen Fortschritt durch bewußte Wahl einer
positiven Vision erreichen?"
Viele Menschen
sind heute mit ihrer Regierung unzufrieden. Sie fragen sich: Wozu jetzt noch
eine Weltregierung? Wäre das nicht wieder das gleiche? Die Antwort lautet: Es
ist nicht das gleiche. Tatsächlich ist das Fehlen an Globaler Regierbarkeit ist
der wahre Grund für das Versagen der Regierungen auf nationaler Ebene. Es wäre
tragisch, wenn unser Ärger über die Nationalstaaten nun der Grund für die
Ablehnung des Weltstaates wäre. Unsere Nationalstaaten versagen ja oft
deswegen, weil sie auf ihrer beschränkten Ebene die Weltprobleme nicht lösen
können. Mögle-Stadel: "Der Nationalstaat ist zu groß für die kleinen und
zu klein für die großen Probleme". Das Nationalstaatensystem ist in einer
Krise.
Die Welt ist auf
vielfältige Weise bereits eine Einheit. Die Zerstörung der Biosphäre, der
Terrorismus (oft die Folge von Konflikten, welche die Nationalstaaten nicht
gelöst haben), die weltweiten Flüchtlingsströme, die außer Kontrolle geratenen
weltweiten Finanztransaktionen: alle das sind Probleme, die nur global gelöst
werden können.
Die Mobilität des
Kapitals zwingt die Nationen in einen selbstmörderischen Wettbewerb um
Investoren. Die multinationalen Konzerne entziehen sich der Besteuerung und der
Kontrolle durch die Nationalstaaten, die sie gegeneinander ausspielen. Sie
verlegen ihre Produktion in Länder, in denen es kaum Umweltschutzgesetze gibt
oder in denen die Regierungen käuflich sind. Das führt dann dazu, daß die
Bürger noch ärgerlicher auf die Regierung sind.
Mit diesen
Feststellungen zeigt Mögle-Stadel den Kernpunkt unseres vieldiskutierten
Problems vom "Standort Deutschland". Die Lösung dieses Problem kann
doch nicht sein, daß der deutsche Arbeitnehmer auf das Lohnniveau Tschechiens,
South-Dakota's oder Koreas zurückgestuft wird, sondern nur eine globale
Regelung der sozialen Fragen.
Mögle-Stadel
fordert eine sinnvolle und effiziente Verteilung der Kompetenzen auf alle
staatlichen Ebenen. Er illustriert dies mit einem Beispiel: "Stellen Sie
sich einen Mann mit einerseits fettem und übergewichtigem Bauch (und
entsprechenden Blähungen) und andererseits mit unterernährtem Kopf und
Oberkörper sowie dürren Beinen und schwachen Füßen vor. Diese politische
Konstruktion entspricht der politischen Realität unserer infolgedessen aus dem
Gleichgewicht geratenen Welt. Während den Beinen und Füßen, also der kommunalen
und bürgerlichen Ebene, vom nationalstaatlichen Bauch weitgehend die
Souveränität entzogen wurde, leidet der Kopf
als potentiell
globales Steuerungsorgan immer noch an Unterernährung, da der nationale Bauch
nicht bereit ist, einen Teil seiner übermäßig genossenen Souveränität in Form
von realpolitischen Nährstoffen weiterzugeben":
Ich glaube, mit
diesem anatomischen Beispiel illustriert Mögle-Stadel anschaulich das Problem
der heutigen Politik.
Hat Mögle-Stadel
nicht recht, wenn der die Kleinstaaterei unserer Welt beklagt, die ohne globale
Rechtsstrukturen, ohne gewähltes Weltparlament, ohne legitimierte Welt-Bundesregierung
ist? Mögle-Stadel: "Und wir wundern uns tatsächlich, daß dieser
international UNorganisierte Wahnsinn zwangsläufig zu Anarchie und Kriegen
führt?"
Er fürchtet bei
unserem blähbäuchigen Patienten Welt einen Kreislaufkollaps.
In anarchistischen
Gesellschaften setzen die Starken ihren Willen auf Kosten der Schwachen durch.
Die Aufgabe einer Regierung ist es, Konflikte und Ungerechtigkeiten auf
vernünftige Weise zu lösen. Daran müßen selbst die Starken interessiert sein,
denn auch ein unterlegener Gegner kann ihnen schreckliche Schäden zufügen.
Letzendlich kommt
man an kollektiven globalen Entscheidungen und Handlungen nicht vorbei. Aber
einem gemeinsamen Handeln der Regierungen steht die historisch gewachsene
nationale Souveränität entgegen. Es müßen aber auf globaler Ebene demokratische Entscheidungen getroffen
werden, denen sich die souveränen Nationen unterordnen müßen.
Staaten sind
gesetzlich nicht verpflichtet, die Entscheidungen der UN-Generalversammlung
anzuerkennen. "Wenn aber unsere schlimmsten Probleme jetzt globaler Art
sind, so muß es auch die Fähigkeit sein, darauf zu re-a-gieren. Wir brauchen
einen Weg, um bindende Entscheidungen demokratisch auf globaler Ebene zu
treffen". Darin sieht Mögle-Stadel das Ziel einer neuen, zeitgemäßen
Kosmopolitik. Nur so kann sich die Welt aus der gegenwärtigen politischen
Lähmung befreien und den wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenbruch
aufhalten. Anderfalls bleiben wir den Zufällen unserer kollektiven UNvernunft
hilflos ausgesetzt.
Mögle-Stadel
schreibt: "Die Idee des Weltföderalismus kann kurz umrissen werden:
Souveränität und Demokratie für die Institutionalisierung unserer größten
Gemeinschaft, der Welt."
Mögle-Stadel
betont zu Recht stark den Föderalismus-Gedanken. Die Länder und Regionen sollen
ihre kulturelle und politische Identität behalten und über ihre eigenen
Angelegenheiten selbst entscheiden. Die staatliche Macht soll also auf
verschiedenen staatliche Ebenen verteilt werden, und dabei sollen die Ebenen unterhalb
des heutigen Nationalstaates nicht zu kurz kommen.
Die
Nationalstaaten sollen in einem Weltbundes-Staat weiterhin als eigenständige
Staatsgebilde weiterbestehen, nur müssen Sie auf einige Souveränitätsrechte
zugunsten der über und untergeordneten Institutionen verzichten.
Eng verbunden mit
dem Föderalismus-Gedanken ist das Subsidiaritätsprinzip: Probleme sollen auf
derjenigen staatlichen Ebene gelöst werden sollen, die am besten dafür geeignet
ist. Mögle-Stadel: "Subsidiarität ermöglicht Dezentralisierung - und das
ist die Genialität des Föderalismus". Aber richtig genial wird der
Föderalismus erst, wenn er die Lehren aus Mögle-Stadels Buch zieht: Daß eine
globale Ebene auch zum Föderalismus gehört. Ohne diese globale Ebene bleibt der
Föderalismus nämlich auf dem Niveau einer Regionalpartei. Föderalismus ohne
diesen globalen, integrativen Aspekt ist nur ein Nationalismus auf
provinzieller Ebene und führt zu einer Aufsplitterung der Nationalstaaten in
lauter noch kleinere Nationalstaaten.
Einer der
Einwände, die man gegen eine Weltföderation, also einen Welt-Bundesstaat
vorbringt, ist, daß damit ein aufgeblähter Regierungsapparat geschaffen wird.
Aber das wird nicht der Fall sein, weil die meisten Befugnisse auf der
nationalen und regionalen Ebene verbleiben werden. Es wird in einem
Weltbundesstaat weniger regiert werden, denn es wird keine nationalen
Außenministerien und keine nationalen Verteidigungsministerien mehr geben. Es
wird überhaupt keine Kriegspolitik und keine Außenpolitik mehr geben. Eine
Weltföderation wäre die erste Gesellschaft, die keinen äußeren Feinde hätte.
Mögle-Stadel: "Eine Weltregierung könnte niemals die Ausrede gebrauchen,
zur Verteidigung eine große Militärmacht aufbauen zu müssen. Ihre Streitkräfte,
die zwar groß genug sein müßten, um den Frieden zu wahren, wären sehr klein
gemessen an der Größe der Weltgemeinschaft, zu klein, um überall gleichzeitig
zu herrschen. Das ist ein weiterer Grund, um sicher zu sein, daß eine
Weltföderation niemals zu mächtig würde".
Mögle-Stadel
schlägt vor, daß eine Weltföderation eine primäre Autorität besitzt für die
allerdringlichsten Erfordernisse: Vermeidung von Kriegen und Überwachung von
Abrüstung, den Schutz der planetaren Biosphäre, den Schutz der fundamentalen
Menschenrechte sowie Hilfe bei Naturkatastrophen und die Institutionalsierung
des Nord-Süd-Ausgleiches. Er fordert auch eine gewisse Regulierung der
Weltwirtschaft durch die Weltföderation. Zu einer klaren Empfehlung, eine
Weltwährung einzuführen, kann er sich nicht durchringen. Auch einer
uneingeschränkten Emigration will er nicht das Wort reden. Dazu müssen erst die
globalen wirtschaftlichen Ungleichgewichte beseitigt werden.
Die klassische Analyse der Weltföderalisten
Nach wie vor sind folgende Überlegungen der
Weltföderalisten zum Thema Krieg und Frieden zutreffend:
Kriege sind die
unmittelbare Folge des Nebeneinanderbestehens souveräner, nur sich selbst
verantwortlicher Nationalstaaten. Jeder Staat muß für seine eigene Verteidigung
sorgen, also immer einen hohen Stand an Rüstung beibehalten. Das führt sehr
leicht zu einem Rüstungswettlauf, in welchem wertvolle Resourcen sinnlos
vergeudet werden, die notwendig wären, um Not und Krankheiten weltweit zu
bekämpfen und eine intakte Umwelt zu sichern.
Die enormen
Rüstungskosten führen zu Inflation und Verschuldung bis hin zum Staatsbankrott.
Es kann aber kein
einzelner Nationalstaat auf seine Armee verzichten, solange es keine Instanz
gibt, die absolut zuverlässig garantiert, daß er nicht Opfer seiner Nachbarn
wird, die nicht abgerüstet haben. Es muß also ein System der kollektiven
Sicherheit geschaffen werden. Dieses System ist die UNO nicht, weil zu wenig
Macht besitzt. Nur eine Weltföderation könnte die kollektive Sicherheit
gewähren.
Den
Weltföderalisten geht es aber nicht nur um eine allgemeine Abrüstung, sondern
das eigentliche Ziel ist die Abschaffung des Krieges. Abrüstung allein
garantiert noch keinen Frieden. Denn jederzeit kann ein Staat, aus welchen
Gründen auch immer, wieder aufrüsten - und dies auch noch unter irgendwelchen,
oft nur erfundenen Bedrohungsszenarien, seinen Bürgern als notwendig
darstellen.
Erst wenn ein
gestärkte UNO allen Nationen ausreichenden Schutz garantieren kann, werden die
nationalen Kriegshetzer beim Volk keinen Glauben mehr finden.
Ein weiteres Ziel
der Weltföderalisten ist die Schaffung eines übernationalen Rechtsmittels.
Solange die heute noch bestehende de-facto-Anarchie (trotz Völkerrecht,
Internationelem Gerichtshof
und UNO) beibehalten
wird, bleibt einem Nationalstaat, der seine begründeten Rechte wahren und
durchsetzen will, als letztes Mittel nur der Krieg. Was im bürgerlichen Leben
selbstverständlich ist, nämlich daß Konflikte nicht mit Revolvern und
Maschinengewehren, also mittels Faustrecht, sondern durch Gerichte und Gesetze
ausgetragen werden, ist zwischen den Nationalstaaten noch lange nicht möglich.
Die Nationalstaaten verharren vielmehr auf der Stufe der Barbarei. Das ist für
die gesamte Menschheit nicht nur eine Schande, sondern eine tödliche Gefahr, da
die Nationalstaaten mit Massenvernichtsungswaffen ausgerüstet sind.
Dies sind die
tieferen Gründe, warum die Weltföderalisten so sehr auf eine Reform der UNO
drängen. Leider konnte während des kalten Krieges dieser Weg nicht
funktionieren. Nun ergeben sich aber mit der zunehmenden Öffnung des ehemaligen
Ostblocks in Richtung Westen neue Chancen und Aufgaben. Aber immer noch werden
weltweit fast eine Billion US-Dollar für die Rüstung ausgegeben. Der Golfkrieg
allein hat schon 100 Milliarden Dollar gekostet. Diese Zahlen zeigen
überdeutlich, wie notwendig und kostensparend es wäre, die UNO mit einem
Frühwarnsystem und eigenen Schnellen Einsatztruppen auszustatten.
Umweltschutz aus weltföderalistischer Sicht
Immer wieder weist
unser Autor in Publikationen und Vorträgen darauf hin, daß die Verschmutzung
von Luft und Wasser nicht an den nationalen Grenzen haltmacht, sondern ein
globales Problem ist und infolgedessen wirksam nur auf globaler Ebene behandelt
werden kann. Wenn ein Staat in seinem Machtbereich versucht, strenge
Umweltschutzkontrollen durchzusetzen, muß er die Erfahrung machen, daß das
Investitionskapital und die Arbeitsplätze in Länder abwandern, in denen es
diese Kontrollen nicht gibt. Um unsere Umwelt zu schützen, muß sie überall
gleich geschützt werden. Wiederum zeigt, sich, daß die nationale Souveränität
eine überholte Idee ist.
Die
Weltföderalisten haben die Schaffung einer Welt-Umweltschutzbehörde und einen
internationalen Umweltschutzvertrag vorgeschlagen.
Menschenrechte: Die Weltbürgerbewegung
kann zu recht stolz sein auf ihren Anteil am Zustandekommen der
Menschenrechtsdeklaration der UNO. Heute tritt die weltföderalistische Bewegung
für einen weiteren Fortschritt ein: Sie fordert die Schaffung eine globalen
Gerichtshofes für Menschenrechte. Vor diesem Gerichtshof sollen nicht nur
Staaten, sondern einzelne Bürger oder Gruppierungen gegen Verletzungen der
Menschenrechte vorgehen können.
Bevölkerungswachstum: Ein weiteres
Problem, das nur auf globaler Ebene lösbar ist, ist das übermäßige
Bevölkerungswachstum. Mögle-Stadel weist darauf hin, daß damit zu rechnen ist,
daß innerhalb der nächsten 50 Jahre die Weltbevölkerung auf 15 Milliarden
ansteigt. Es liegt auf der Hand, daß diese 15 Milliarden nicht den heutigen
US-amerikanischen oder mitteleuropäischen Lebenstil pflegen können. Es muß also
eine ökologisch tragfähige Entwicklung stattfinden. Auf dieser Basis ist aber
sehr wohl eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung möglich, die den
Menschen ausreichend Nahrung, wirtschaftliche Sicherheit, Bildung, Gesundheitsvorsorge
und Gleichberechtigung bietet.
Finanziert werden
könnte dies z.B. durch eine globale Steuer auf die Ölproduktion oder den
internationalen Handel. Die Steuer
müßte natürlich im
Rahmen einer Weltföderation erhoben werden. Nur eine Weltföderation könnte auch
die Rüstungskosten drastisch senken und dadurch die riesigen Mittel der
"Friedensdividende" freimachen.
Man vermisst in
diesem Abschnitt den Vorschlag, das Bevölkerungswachstum durch
empfängnisverhütende Mittel einzudämmen. Einer der Gründe könnte sein, daß
Mögle-Stadel damit rechnet, daß durch einen Anstieg der sozialen Sicherheit das
Bevölkerungswachstum von selbst drastisch zurückgeht, wie das z.B. in
Deutschland der Fall ist.
Reform der Vereinten Nationen
Die
Weltföderalisten befürworten eine umfassende Restrukturierung der UNO. Ein
Mangel der UNO ist z.B., daß in der Generalversammlung jeder Staat ein gleiches
Gewicht hat, unabhängig davon, ob dieser Staat eine Insel in der Südsee mit 20
000 Einwohnern ist, oder ob es sich um ein Land wie Indien oder Brasilien
handelt. Die Generalversammlung muß also in ihrer Gewichtung die tatsächlichen
Verhältnisse widerspiegeln.
Die
Weltföderalisten empfehlen außerdem, daß neben die Generalversammlung eine zweite
Kammer tritt, das in etwa dem europäischen Parlament vergleichbar ist. Dieses
Parlament soll zunächst nur beratenden Status haben und eventuell von den
Bürgern der Welt direkt gewählt sein. Der Gedanke zielt natürlich darauf hin, auf lange Sicht
die Generalversammlung, die ja nur eine Versammlung von Berufsdiplomaten ist,
die von den nationalen Hautpstädten aus ferngesteuert sind und immer nur
nationale Interessen im Sinn haben, durch eine demokratisch gewählte und
legitimierte Versammlung zu ersetzen, die der gesamten Menschheit
verantwortlich ist.
Es ist klar, daß
die nationalen Diplomaten den Braten natürlich sofort riechen und sich nach
Kräften widersetzen werden. Um diesen Widerstand zu überwinden, müßen die
Bürger und die Bürgerrechtsbewegungen auf die Regierungen Druck ausüben. Dazu
es es aber erforderlich, daß die globalen Bürgerbewegungen, wie die
Weltföderalisten und die Weltbürger, noch erheblich an Stärke gewinnen.
All dies sind
Dinge, die für die Menschheit (und für jeden einzelnen) von höchster Bedeutung
sind. Leider ist diese Erkenntnis noch nicht Allgemeingut.
Das eigentliche
Machtzentrum der heutigen UNO ist der Weltsicherheitsrat, in welchem die vier
Siegermächte des zweiten Weltkrieges sowie China als ständige und privilegierte
Mitglieder vertreten sind. Jedes der
ständigen Mitglieder kann durch sein Veto den Weltsicherheitsrat
entscheidungsunfähig machen und dadurch die gesamte UNO lähmen. Das bedeutet,
wenn ein Konflikt zwischen diesen Mächten besteht, ist die UNO nicht
handlungsfähig. Und gerade dann wäre sie am nötigsten.
Die
Weltföderalisten sehen keinen Sinn darin, noch weitere "Vetomächte"
in den Weltsicherheitsrat aufzunehmen. Vielmehr muß das Vetorecht begrenzt und
allmählich abgebaut werden, sodaß es im Sicherheitsrat kein
"Zweiklassensystem" mehr gibt.
Der Internationale
Gerichtshof in Den Haag, so fordern die Weltföderalisten, soll von allen
Staaten anerkannt werden, und alle Staaten müßen sich seinem Urteil
unterwerfen.
Zur
Friedenserhaltung schlagen die Weltföderalisten vor, daß
die UNO ein Organ
erhält, das die Rüstung überwacht und die Angaben der Nationalstaaten
überprüft. Ferner sollte die UNO schon vor dem Ausbruch von Konflikten mit
einer ausreichender Zahl von Friedenstruppen ausgerüstet sein, um eingreifen zu
können, bevor die Konflikte eskalieren. Sie sollte auch ein Frühwarnsystem für
Konflikte erhalten und über eine permanente Freiwilligentruppe verfügen, die
dem mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteten Generalsekretär unterstellt
ist.
Die UNO braucht
auch ein eigenständiges Kommandosystem und eine eigenständige Finanzierung.
All dies muß jedem
Menschen klar und verständlich sein, der fähig ist, aus der Geschichte Lehren
zu ziehen und der die menschliche Natur richtig einschätzt. Wer die Frage der
Friedenssicherung in den Händen der Nationalstaaten beläßt, wird auch weiterhin
beobachten können, daß hier der Bock zum Gärtner gemacht wurde.
Ein weiteres
aktuelles Anliegen der Weltföderalisten ist der Internationale
Strafgerichtshof, der Individuuen vor Kriegsverbrechen, Völkermord und
Verbrechen gegen die Menschenrechte behandeln soll. Es gibt zwar schon einen
Internationalen Strafgerichtshof für Bosnien. Nach Meinung der Weltföderalisten
sollte er jedoch zu einer ständigen Einrichtung mit weltweiter Zuständigkeit
werden und es sollten nicht nur Nationen, sondern auch Gruppen oder einzelne
Menschen Klage erheben können. Es ist unschwer zu erkennen, daß wohl eine
überwiegende Mehrheit der nationalen Regierungen sich mit Händen und Füßen
gegen einen solchen Gerichtshof wehren wird. Dann könnten nämlich die
Regierungen Personen, ungeschützt durch irgendwelche Immunität oder durch die
nationale Souveränität, von einzelnen Bürgern für ihre Menschenrechtsverbrechen
zur Rechenschaft gezogen werden.
Die weltföderalistische Bewegung
Die
weltföderalistische Bewegung ist eine übernationale Organisation, die etwa 35
000 Mitglieder in etwa 40 Ländern hat. Ihr gehören als juristische Personen
auch andere Nichtregierungsorganisationen an, ebenso (als Jugendorganisation)
die "Jungen Europäischen Föderalisten" mit ca 15 000 Mitgliedern.
Der Dachverband
WFM International unterstützt die Arbeit der nationalen Organisationen.
Die
Weltföderalisten arbeiten "von Unten nach Oben". Alle vier Jahre wird
ein Weltkongress einberufen, auf dem der Rat und das Exekutivkommittee gewählt
werden. WFM-Programme werden den nationalen Organisationen anempfohlen, die
sich dann selbst entscheiden müssen, ob sie für ihre jeweiligen Länder geeignet
sind.
WFM organisiert
auf allen Ebenen Konferenzen und Seminare, entwickelt Lösungswege für globale
Probleme und bringt Abhandlungen,
Monographien, Zeitschriften und Studienführer heraus. Die Weltföderalisten
haben sich an der Gründung der Internationalen Friedensakademie, des
Welt-Politik-Instituts und der "Parlamentarier für globales Handeln" beteiligt.
WFM hat konsultativen Status bei den Vereinten Nationen, und zwar als
Nicht-Regierungsorganisation. Infolgedessen hat sie in New York ein eigenes
UN-Büro.
Schlussbemerkung: Wir müssen
Mögle-Stadel recht geben, wenn er feststellt: "Die Arbeit für die
demokratische Einheit der Welt - auf der Grundlage von Gerechtigkeit und
Toleranz - ist die
einzigartig größte
geistige, moralische und politische Herausforderung unserer Zeit".
Unsere
wichtigsten Eigeninteressen sind mit den gemeinsamen universalen Interessen
untrennbar verbunden. Die Biosphäre der Erde ist unteilbar. Wir müssen dieser
Einheit auch politisch Rechnung tragen. Es müssen demokratische
Weltkörperschaften mit begrenzter Machtbefugnis in Schlüsselgebieten geschaffen
werden und es müssen global verbindliche Gesetze dort geschaffen werden, wo ein
universales gemeinsames Interesse besteht.
Weltföderalismus
heißt: Föderalismus, Bürgerdemokratie und Subsidiarität, Kanalisierung von
Macht durch Globale Gewaltenteilung.
Die Welt
entwickelt sich bereits jetzt in Richtung Weltföderalismus. Aber ist diese
Entwicklung auch schnell genug? Es bleibt der Menschheit nicht mehr viel Zeit,
die Ozonschicht zu retten, die Regenwälder, die Luft und das Trinkwasser.
Kriege müssen verhindert werden, das Bevölkerungswachstum stabilisiert werden,
viele Millionen Menschen müssen aus Armut und Verzweiflung befreit werden.
Wieviel mehr Zerstörung muß die Menschheit noch hinnehmen, bevor sie die
nächsten Schritte unternimmt?
Kosmopolitik: Wenn es einmal ein für
alle Menschen und Regierungen verbindliches Weltrecht geben wird, wird man
nicht umhinkönnen, dieses Weltrecht notfalls auch erzwingen zu müssen, um
Kriege oder Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Diese Gewaltanwendung muß
durch eindeutige Verfassungs- und Gesetzesnormen geregelt werden. Es müßen
Welt-Gerichtshöfe geschaffen werden. Ebenso ist eine ständige
Polizeistreitkraft (Weltfriedenstruppe) erforderlich. Alle Nationen (ohne jede
Ausnahme) müßen vollständig abrüsten. Auf dem Weg dorthin muß eine
gleichmäßige, gleichzeitig und sorgfältig kontrollierte Abrüstung stattfinden.
Diese Abrüstung muß erzwingbar sein. Ein sozio-ökonomisches
Weltausgleichssystem muß geschaffen werden, um das Nord-Süd-Gefälle abzubauen.
Eine Verfassung für die Weltföderation
Es würde jetzt zu
weit führen, in diesem Rahmen die Weltverfassung wiederzugeben und zu
kommentieren. Es ist ganz klar, daß es sich auch nur um einen Vorschlag von
Privatleuten handelt, wie eine Weltverfassung ausssehen könnte. Eine solche
Verfassung könnte nur durch ein
demokratisch legitimiertes und mit den tatsächlichen Machtbefugnissen
ausgestattetes Weltparlament verabschiedet werden.
Welches die Grundgedanken in einer solchen
Verfassung enthalten sein müssen, wurde in dieser Buchbesprechung bereits
mehrmals deutlich gesagt (demokratische Gewaltenteilung, Föderalismus,
Subsidiarität, kontrolliertes Gewaltmonopol der Exekutive, Weltgerichtshof
usw.)
Es genügt zu
wissen, daß die Ausarbeitung einer solchen Verfassung nicht länger dauern müßte
als die Erstellung des Grundgesetzes der BRD.
Die Geburt einer globalen Zivilisation
(Kurze
Inhaltsangabe eines Kapitels von Strobe Talbott im Buch von Mögle-Stadel).
Der Vorläufer der
Nation war eine prähistorische Horde, die in einem Flußtal um ein Lagerfeuer
versammelt war, und der es gelungen war, andere Horden zu unterwerfen. Sie war
gewissermaßen eine "Erobererhorde", die sich im ständigen
Kriegszustand mit anderen, konkurrierenden Horden befand.
Aus dieser
Grundkonstellation führt ein gerader Weg zu den beiden Weltkriegen unseres
Jahrhunderts. Nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima lag der Gedanke nahe,
diesem Kampf der nationalen Großhorden ein Ende zu bereiten und eine
Weltregierung zu schaffen. Dies erkannten so große Denker wie Einstein, Gandhi,
Toynbee und Camus als Notwendigkeit. Die Menschheit hat durch viele Prüfungen
und entsetzliche Irrtümer entdeckt, daß Unterschiede nicht spaltend sein müßen.
Die Schweiz setzt sich zusammen aus vier Nationalitäten, die in einem Gebiet
zusammengepfercht sind, das wesentlich kleiner ist als das ehemalige
Jugoslawien. Die Schweiz hat sich jedoch zu einem blühenden Land entwickelt,
während Jugoslawien versagt hat, und der Grund ist der: um in einem friedlichen
Bund miteinander zu leben, brauchen Menschen - und Völker - die Wohltaten von
Demokratie und Föderalismus. Der Föderalismus hat sich bereits als das erfolgreichste
aller politischen Experimente erwiesen und Organisationen wie die
Weltföderalismus-Bewegung waren bereits seit Jahrzehnten ein Fürsprecher des
Föderalismus als Grundlage für eine Weltregierung.
Vom Wesen der Globalen Krise
Mögle-Stadel beschäftigt die Frage: "Warum wollen wir - unbewußt
aber zeilstrebig - globalen Selbstmord begehen?" Er vermutet als Ursache
einen pyscho-pathologischen Komplex aus kollektiven Minderwertigkeits- und
Schuldgefühlen, Depressionen und Auto-agressionen, Schizophrenie und
Paranoia", wie das in dem Prosawerk "Das Kassandramal" des
Dichters Aitmatow zum Ausdruck kommt.
Einen
Therapieansatz sieht Mögle-Stadel in der "kosmopolischen Unteilbarkeit des
Individuums". Die Menschen sollten sich nicht mehr in Gruppenegoismen und
Religionsgemeinschaften aufspalten lassen. Sollte der Kosmopolit nicht
verkünden: "Ich bin Träger aller Religionen" ?
Wie seine
Mentoren, mit denen er in persönlichem Kontakt steht, Robert Jungk und Ossip
Flechtheim, hofft Mögle-Stadel aus ein "Menschenbeben", das für die
Menschheit eine Wende zum Besseren führen könnte. Aber er ist zu sehr Realist,
um nicht auch ein Ausbleiben einer solchen Bewußtseinsrevolution in Betracht zu
ziehen. Trotzdem braucht die Menschheit sinnstiftende und zukunftsweisende
Ideen.
In einer
"Kurzen Psycho-Historie der christlichen Tradition" setzt sich
Mögle-Stadel mit den Erwartungen auf die Wiederkunft Christi und der Hoffnung
auf ein Reich Gottes auseinander, die eine "unheilvolle Spirale aus
Selbstbetrug, Frustration und Erlösungssehnsucht in Gang gesetzt haben".
Mögle-Stadel leitet aus dieser Enttäuschung eine "tieferliegende
abendländische Lebensmüdigkeit" ab. Mögle-Stadel: "Denn der ganze
Konsumterror, den wir Europäer hier auf diesem Planeten veranstalten, kann auch
als eine riesige pathologische Abschiedsfete gesehen und verstanden
werden."
Aber noch hat die
Menschheit eine Chance, stellt abschließend Mögle-Stadel fest, nämlich die
Schaffung einer "föderal-kosmopolitischen Weltzivilisation".
Mögle-Stadel hat
mit diesem Buch aufgezeigt, in welche Richtung die zukünftige Entwicklung der
Menschheit gehen muß. Er hat das auf seine Weise getan - manchmal etwas
provozierend, aber von der klaren und richtigen Erkenntnis geleitet, wie die
heutige Lage der Menschheit ist.
V.i.S.d.P.: Richard
Beiderbeck, Marktäckerweg 1
D-85405 Nandlstadt,
Tel.: 08756 24 84