Stephan Mögle-Stadel

Die Unteilbarkeit der Erde

Buchbesprechung von Richard Beiderbeck, http://www.koinae.de/

  

    Das Buch erschien (als hardcover, 266 Seiten) im Juli 1996 im Bouvier-Verlag, Bonn (ISBN 3-416-02565-2). Im folgenden soll versucht werden, die wesentlichen Gedanken und Inhalte herauszuarbeiten. Dabei müssen natürlich viele interessante und lesenswerte Details unerwähnt bleiben. Diese Buchbesprechung soll ja auch nicht die Lektüre des Buches ersetzten, sondern dazu anregen.

    Ich halte das Buch für eine gelungene Mischung aus Sachinformation, Dokumentation und erzählerischen und biographischen Passagen. Einzige Kritik: Vielleicht hätte man nicht die Verfassung der Weltföderation in voller Länge wiedergeben sollen, sondern nur die Kernpunkte.

  

    Das Buch beginnt mit einer Graphik, die eindrucksvoll demonstriert, wie sehr das Verantwortungsbewußtsein der Menschen auf die unmittelbare Umgebung und die unmittelbare Zukunft gerichtet ist.

    Damit die Menschheit überleben kann, muß der allgemeine Verantwortungshorizont viel weiter hinausgeschoben werden.

    In seinem Vorwort "Der Kampf um die Zukunft" weist Prof. Dr.Dr. Ossip K. Flechtheim darauf hin, daß nur wenige Menschen die unterirdischen Strömungen der Menschheitsgeschichte intuitiv erspüren, aussprechen und drohenden Katastrophen mit konstruktiven Konzepten entgegentreten. Einer von ihnen ist -so Flechtheim- Stephan Mögle-Stadel, der 1989 aus kosmopolitischen Gründen den Kriegsdienst verweigerte, da er im Gruppenegoismus des Nationalstaates eine Gefahr für unseren Planeten sah. 1992 initiierte er eine Aktion, die an die föderalistischen und kosmopolitischen Ideen der Geschwister Scholl erinnern sollte. Für Prof. Flechtheim sind noch viel mehr solche zivilcouragierten Welt- und Zukunftsbürger wie Mögle-Stadel notwendig. Flechtheim fordert eine Weltföderation, die mit mehr Kompetenzen als die UNO ausgestattet sein muß, und in der mehr Bürgernähe und Demokratie verwirklicht ist.

  

    In seinem Essay "Weltföderalismus als Rahmenbedingung unsere Vielfalt friedlich zu genießen", das Sir Peter Ustinov zu Mögle-Stadels Buch beiträgt, wird dargelegt:

    Der Weltföderalismus ist keine verschwommene Utopie, die alle kulturellen Unterschiede einebnen und eine unkontrollierbare Weltbürokratie erschaffen will. Im Gegenteil, Weltföderalismus ist die organisatorische, ideologiefreie Möglichkeit, jene faszinierdenen Unterschiede, welche die Völker und Kulturen trennen, als gegenseitige Bereicherungen zu erhalten und zu genießen.

    Der Föderalismus ist eine Zukunftsperspektive für die Welt. Er schließt den Patriotismus nicht aus, sondern stellt einen Schutz für den Weiterbestand aller Kulturen dar, die sonst ihm Rahmen von Nationalstaaten unterdrückt würden und werden. Dazu ist es aber erforderlich, den Vereinten Nationen die Bodenhaftung einer gewählten Versammlung zu geben.

    Das Umweltschutzproblem kann nur global gelöst werden, und deshalb muß die UNO mit entsprechenden Institutionen ausgestattet werden und diese müssen über ausreichende Machtmittel verfügen.

    Ustinov fordert außerdem einen Internationalen Gerichtshof für  Individuelles Strafrecht. Die"ethnische Säuberungen" müßen als internationales Verbrechen gebrandmarkt werden, ebenso wie Völkermord, Drogenhandel und Terrorismus. Wir brauchen ein globales Gerichtswesen.

    Für Peter Ustinov, den Präsidenten des World Federalist Movement, ist "Föderalismus" eine anderes Wort um zu sagen: "Friede".

  

    Sein Buch, so führt Mögle-Stadel im nächsten Kapitel aus, ist eine Antwort an den Club of Rome. Er bezieht sich damit auf den von Prof. Yehezkel Dror im Bertelsmann-Verlag in Buchform (Titel: "Ist die Erde noch regierbar?") erschienen Bericht an den Club of Rome (dessen Mitglied Dror ist).

    Die Menschheit, so Mögle-Stadel, ist in fast 200 "souveräne" Nationalstaaten aufgespalten, aber unsere Biosphäre und Atmosphäre ist unteilbar. Der Treibhauseffekt, die atomar verseuchten Winde von Tschernobyl, die Drogenmafia, die Bevölkerungsexplosion haben die Begrenzungen des Nationalstaates ad absurdum geführt. Die UN-Konferenzen von Peking, Berlin, Kopenhagen, Kairo, Rio und Stockholm blieben praktisch ergebnislos. Man hat konsequentes Handeln bis zu einem globalen Crash vertagt. Die Politiker der Nationalstaaten haben kein globales Mandat, und sind infolgedessen tatsächlich verantwortungslos und inkompetent.

    Die Menschheit hat nicht mehr viel Zeit, um die globalen Aufgaben zu bewältigen. Deshalb fordert Mögle-Stadel ein "verfassungsrechtlich zu instrumentalisierendes Um-Weltbürgertum" und Welt-Föderalismus als Weiterführung der kosmopolitisch-humanistischen Tradition (z.B. Kant) in Deutschland.

    Eine Therapie unserer kranken Welt wird aber wohl erst in Gang kommen, wenn der Leidensdruck überhandnimmt. Bis dahin gilt es Therapiekonzepte und Therapeuten bereitszustellen. "Vielleicht wächst erst nach einem globalen Crash Test...die fundamentale Kraft, ganz Mensch(heit)lich zu werden".

  

    Das Titelbild des Buches zeigt die Erde aus der Weltraumperspektive über einem stürmischen Ozean. Dies soll die Polarität zwischen kosmischer Unendlichkeit und der Vergänglichkeit historischer Besitzstände zeigen. Das stürmische Meer soll ein Symbol für die Bewegungen und Veränderungen in der Geschichte der Menschheit sein.

    Das Bild unseres Planeten mit seiner allen Ländern gemeinsamen Atmosphäre soll zeigen, daß die Erde ein einziger Organismus ist.

    "Der Rückzug in eine neue, apolitische Öko-Biedermeierzeit von Vollkornmüsli, Schrebergartenidylle und Greenpeace-Spendenbescheinigung beinhaltet letztlich keine tragfähige Perspektive für die Zukunft einer globalisierten Welt jenseits unserer globalen Dorftrottelnaivität", meint Mögle-Stadel. Wer Umwelt sagt, muß auch UmWeltbürgertum sagen und sein Verhaltensethos kosmopolitisch erweitern. "Für die Realisation der Begriffe Globale Gewaltenteilung, Weltfrieden, Weltbürgertum, Weltföderalismus, Weltverfassung, Weltrechtsstaatlichkeit, Weltparlament, Weltpolizei etc. sind wir alle mitverantwortlich. Sie sind die neuen Kernpunkte der globalen Existenzfrage...Denn wir, die...Bürger der Erde, sind es, die in dem drohenden Systemkollaps einer planetar verantwortungslosen Inter-Nationalität (statt Über-Nationalität) sterben müßten, wenn es nicht gelingt zuvor noch eine alternative und zukunftsweisende Staatenwelt als Weltbundesstaat zu etablieren...Denn die zentrale Herausforderung der Zukunft lautet nicht mehr, was uns der Nationalstaat bringt  oder kostet, sondern was und wieviel wir bereit sind, für den Weltstaat, für Biosphäre und Menschheit, an Egoismus und Konsumismus zu opfern."

    Mögle-Stadel rechnet in der Zeit zwischen 1999 und 2010 mit einer letztlich notwendigen und selbstverschuldeten Umbruchsphase.

  

    In einem kosmopolitischen Brief, den er im September 1995 an den Bundespräsidenten Roman Herzog schickte, meint Mögle Stadel: Im Zeitalter einer sich zunehmend verschärfenden Überlebenskrise bedeutet Globale Mitverantwortung zu übernehmen: paranoide Ängste, bei der Zerteilung der letzten Resourcen zu kurz zu kommen, zu Gunsten einer Weltföderation zu überwinden.

    Wir verwickeln uns immer erfolgreicher vom national-rassistischen Genozid zum global-industriellen Suizid. Deshalb schlägt Mögle-Stadel eine Reform der UNO vor. Es könnte z.B. neben die Generalversammlung eine zweite, demokratisch gewählte Kammer treten, die zunächst nur einen beratenden Status hätte.

    Mögle-Stadel fordert auch eine über-nationale Rechtsprechung und die Einklagbarkeit von Solidarität. Dazu ist aber eine handlungsfähige Welt-Föderation mit legislativer, judikativer und exekutiver Gewaltenteilung erforderlich.

    Da der Zwiespalt zwischen Deutscher, Europäischer und Weltstaatsbürgerschaft verfassungsrechtlich noch nicht geordnet ist, bietet Mögle-Stadel dem Bundespräsidenten an, seine deutsche Staatsangehörigkeit einstweilen ruhen zu lassen. Laut Grundgesetz ist der deutsche Staat verpflichtet, Unheil von seinen Bürgern abzuwenden. Wie kann er das aber, der er selbst ein Nationalstaat ist und wenn das weltweite Unheil größtenteils durch nationale und konfessionelle Gruppenegoismen verursacht wird?

    Mögle-Stadel möchte durch das Ruhenlassen seiner deutschen Staatsbürgerschaft vermeiden, in einen Interessenskonflikt zwischen Deutschland und seiner Verantwortung gegenüber der Zukunft der ganzen Welt heineingezogen zu werden.

    Die Welt könnte vielleicht tatsächlich am deutschen Wesen genesen, wenn wir uns auf unsere kosmopolitisch-weltstaatliche und humanistisch-literarische Tradition besinnen.

  

    In dem Kapitel

    200 Jahre Schritte "Zum ewigen Frieden" erinnert Mögle-Stadel an die Schrift von Immanuel Kant, die 1795 erschien. Kant's Schrift war der Vorschlag Benjamin Franklin's, Europa sollte eine "föderale Union" bilden, vorangegangen, und Jean Baptiste Cloots stellte 1793 fest: "Es gibt keine andere Souveränität als die des  Menschengeschlechts". Kant schrieb: "Für Staaten im Verhältnis untereinander kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem gesetzlosen Zustande, der lauter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie ebenso wie die einzelnen Menschen, ihre wilde (gesetzlose) Freiheit aufgeben, sich zu öffentlichen Zwangsgesetzen bequemen und so einen...Völkerstaat (civitas gentium), der zuletzt alle Völker der Erde umfassen würde, bilden".

    Mögle-Stadel weist darauf hin, daß es zwei Arten von Weltbürgertum gibt:

    Einerseits das in der religiösen und philosphischen Tradition Griechenlands (Stoa), Indiens (Vedanta) und China's verwurzelte Weltbürgertum, das auf den europäischen und deutschen Humanismus aufbaut, und das 1947 aus Erkenntnis der Notwendigkeiten von Einstein angemahnt wurde.

    Andererseits das Weltbürgertum der heutigen Waffen- und  Drogenhändler, der Geldwäscher und der Sex-Touristen. Diese Art des Zusammenwachsens der Welt ist unkontrolliert und bedeutet einen großen Schaden. Notwendig wäre aber das geordnete Zusammenwachsen der Welt im Rahmen einer Weltföderation.

  

    Global Governance realisieren: Diagnosen und Prognosen: In diesem Essay im Rahmen des Buches legt Prof.Dr.. Yehezkel Dror sechs knappe Diagnosen des heutigen Weltzustandes vor und gibt Handlungsempfehlungen.

    1. Die heutige Weltordnung ist durch eine gefährliche Unfähigkeit zu regieren und durch eine veraltete Politik gekennzeichnet. Das heutige Weltregierungssystem muß radikal umgestaltet werden. Die UNO muß größere Entscheidungsbefugnisse erhalten.

    2. Der überwiegende Teil der Menschheit kämpft ums nackte Überleben, hat keinen Bezug zu globalen Zusammenhängen und richtet den Blick kaum über die Grenzen des Stammes hinaus.

    Prognose: Auf absehbare Zukunft kann keine Weltregierung auf einer Weltbürgergesellschaft aufgebaut werden. Deshalb brauchen wir eine hochqualifizierte Weltregierung, um eine Weltbürgergesellschaft aufzubauen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist, Weltprobleme einer breiten Schicht der Bevölkerung in verständlicher und korrekter Form vorzutragen (mit Hilfe der Massenmedien).

    Als Pilotprojekte eignen sich Bürger-simulierte Weltparlamente.

    3. Erste Ansätze für globale Regierungseliten bestehen bereits, aber sie sind noch zu klein, zu wenig fachkundig und haben nicht genügend politische Macht. Noch glaubt man, die "Menschheit" als Ganzes kann ihre Probleme ohne eine Regierungselite beheben. Aber dieser Glaube  entbehrt jeder empirischen Grundlage.

    Die bestehenden politischen Eliten müßen global vernetzt und für globale Probleme sensibilisiert werden.

    Prof. Dr. fordert die Gründung einer Globalen Politikschule.

    4. Bis heute gibt es keine praktikablen Rezepte, wie man die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ohne gewaltsame Umwälzungen überwinden kann und selbst gewaltsame Umwälzungen würden wohl kaum etwas an den Ungerechtigkeiten ändern. Ebensowenig gibt es gute Vorschläge, wie man der Bevölkerungsexplosion oder der Klima-Problematik Herr werden kann.

    5. Übermäßiges Vertrauen in die Märkte ist nur ein ungeeigneter Versuch der Politik, globale Probleme zu überspielen. Deshalb müssen Kontrollen und Regulationen entworfen und eingesetzt werden.

    6. Es muß ein moralisches Weltregierungssystem auf der philosophisch-ethischen Grundlage einer "raison d'humanité" aufgebaut werden, die anstelle der nationalstaatlichen "raison d'état" tritt.

  

    Prof. Dror legt uns folgende Frage vor:

    "Angenommen ein begrenzter Atomkonflikt bricht aus, in dem 50 Millionen Menschen getötet und weitere 200 Millionen verletzt werden. Nehmen wir an, daß auf Grund des Schocks über diese Katastrophe die Menschheit zur Reife kommt und ein geeignetes Weltregierungssystem einrichtet, das unter anderem Atomwaffen abschafft, mit Ausnahme eines sorgfältig kontrollierten Arsenals für unvorhersehbare Eventualitäten. Frage: Unter Berücksichtigung Ihrer Kenntnis der Menschheitsgeschichte und des menschlichen Massenverhaltens: Ist dies ein verhältnismäßig optimistisches oder pessimistisches Szenario?"

 

    Dror fürchtet, daß die Qualitätsverbesserung der globalen Regierungseliten möglicherweise nicht ausreicht, um Katastrophen zu verhindern. Es könnte also eine stärkere Medizin nötig werden, der Zusammenschluß der Großmächte in einem föderalen Regierungssystem. Dror empfiehlt, den Geist der für einen solchen "planetaren Quantensprung" offenen Menschen darauf vorzubereiten.

  

    (Wie) Ist die Erde noch regierbar?"

    In diesem Kapitel setzt sich Mögle-Stadel mit dem Bericht von Prof. Dror an den Club of Rome auseinander. Dieser Bericht ist als Buch im Bertelsmann-Verlag unter dem Titel erschienen "Ist die Erde noch regierbar?"

    Mögle-Stadel greift die Forderung Drors nach einer neuen sozialen Welt-Bürgerbewegung auf und schlägt vor, daß sich jene internationalen NGO (Nicht-Regierungsorganisationen), die sich als globale Repräsentanten von Bürgerinitiativen verstehen, sich zu einer Art Weltbürgergesellschaft vernetzen. So könnte ein Gegengewicht (und eine Kontrolle) gegen die sich bildenden globalen Regierungseliten entstehen.

  

    Würde ein "stringent und vernünftig organisierter Weltbundesstaat" die Freiheit des Bürgers tangieren? fragt Mögle Stadel. Nach seiner Ansicht nicht. Eingeschränkt würde nur die heutige Narren- und Konsumfreiheit.

  

    Als Beispiele dafür, daß heute allmählich eine soziale Weltbürgergesellschaft entsteht, führt Mögle-Stadel einige Kurzbiographien an: Rupert Neudeck, der eine private Flüchtlingshilfe-Organisation aufbaute, Inge Grzyb, die eine Registrierstelle für Weltbürgerinnen einrichtete, Peter Spiegel, der durch Bücher und seine Organisation Terra e.V. für Solidarität mit der Dritten Welt eintritt, Claudius Schauffler, der kosmopolitische Aktivist und Demonstrant für die Überwindung des Nationalismus.

  

    Unter der Überschrift "Globale Herausforderungen" fordert Mögle-Stadel ein zweites, postindustrielles Wirtschaftswunder. Er rechnet mit dem ersten Wirtschaftswunder (dem von Ludwig Erhard) ab, das auf die Umwelt keine Rücksicht nahm und die Massen mit Hilfe einer bewußtseinsvernebelnden Werbeindustrie zum gedankenlosen Massenkonsum verführt hat.

  

    Anküpfend an den Vorschlag von Prof. Dror fordert Mögle Stadel eine "Akademie für Kosmopolitiker" zu gründen.

    Auf der Ebene der Schule soll das Fach "Weltbürgerkunde" eingeführt werden. Auf der Ebene der Universität soll eine weltbürgerliche, religiöse, humanistische und sprachlich orientierte Zusatz-Ausbildung verhindern, daß einseitig wirtschaftlich oder naturwissenschaftlich ausgebildete Absolventen herangebildet werden.

  

    Garry Davis und das weltbürgerliche Gewissen nach Hiroshima

    In diesem Kapitel, das ich für sehr gelungen halte, wird die Geschichte des Initiators der Weltbürgerbewegung, des ehemaligen amerikanischen Bomberpiloten Garry Davis erzählt.

    Davis beschäftigte sich ab 1947 mit weltföderalistischer Literatur und beschloss 1948 einen Kreuzzug für eine Weltregierung zu machen. Er fuhr nach Paris und gab am 25. Mai 1948 seine amerikanische Staatsbürgerschaft auf und erklärte sich zum  Weltbürger. Damit war er staatenloser Ausländer, der ausgewiesen werden mußte. Er suchte Asyl auf dem Gelände des Palais Chaillot, welches Schauplatz einer UNO-Tagung war, und damit nicht französisches Staatsgebiet, sondern Hoheitsgebiet der UNO. Das war die human interest story, auf welche die Presse gewartet hatte. Garry Davis wurde weltbekannt.

    Er erfuhr Unterstützung durch Robert Sarrazac, einen Parteiführer, der ein Solidaritätskommitee aus prominenten Intellektuellen, Herausgebern, Journalisten und Politikern für Garry Davis ins Leben rief - darunter auch Albert Camus, der sich als überaus wertvolle Hilfe erwies. Dieses Solidaritätskomittee arbeitete einen Plan aus, wie Garry Davis in eine UNO-Versammlung eindringen und vor der Weltöffentlichkeit eine Erklärung zugunsten einer Weltregierung abgeben sollte.

    Diese Aktion (am 19. Nov. 1948) rief ein dank der Unterstützung des Komitees ein gewaltiges Medienecho hervor.

    Garry Davis erhielt von überall Unterstützung. Am 3. Dez. 1948 wurde eine erste Weltbürgerversammlung mit 3000 Teilnehmern in einem Pariser Konzertsaal veranstaltet. Am 9. Dezember folgte eine Veranstaltung in einem Sportstadion mit 20 000 Teilnehmern.

    Leider gelang es trotz dieses fulminanten Auftakts nicht, eine Reform der UNO oder gar eine Weltföderation zu erreichen. Garry Davis, der Broadway-Schauspieler, verstand sich zwar auf den publikumswirksamen Auftritt, aber er war kein politischer Führer. So kam es, daß aus der Weltbürgerbewegung nie eine gut durchorganisierte Partei wurde, sondern nur ein loser Zusammenschluß von Menschen blieb. Aber immerhin wurde am 10. Dezember 1948, einen Tag nach der Massenversammlung der Weltbürger, von der in Paris tagenden Generalversammlung der UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet.

    Am 3. Januar 1949 war das Hotel von Garry Davis zur Zentrale der Weltbürgerbewegung umfunktioniert. Es trafen -zigtausende von Briefen ein, deren Absender sich als Weltbürger registrieren lassen wollten. Eine weitere Großveranstaltung wurde organisiert und trotz der Störversuche von Kommunisten und Anarchisten erfolgreich durchgeführt. Im Mai 1949 unternahm Garry Davis eine Vortragsreise durch Frankreich, Belgien und die Schweiz. Im Juni erklärte sich als erste die südfranzösische Gemeinde Trouilla zur "Weltbürgergemeinde". Andere Städte und Gemeinden folgten.

    Insgesamt ließen sich 300 000 Menschen als Weltbürger registrieren - aber dies blieb ohne praktische Konsequenzen.

    Am 20. Dez. 1949 forderte Garry Davis deutsch-französische Studenten auf der Rheinbrücke bei Kehl auf, die Schlagwaffen wegzuwerfen und auf Gewalt zu verzichten. Er holte sich an diesem Tag eine Erkältung und wurde ins Straßburger Krankenhaus eingeliefert.

    Mögle-Stadel zeigt eindrucksvoll auf, daß der Rhein bei Straßburg möglicherweise der Rubikon war, den Garry Davis und seine Weltbürgerbewegung nicht überschritten hat. Davis wies es von sich, für seine Ziele mit Gewalt einzutreten und die deutschen Grenzposten zu überrennen und damit eventuell soetwas wie einen deutsch-französischen Aufstand gegen den Nationalsstaat in Gang zu setzen.

    Im Krankenhaus erhielt Garry Davis einen Brief von Albert Schweitzer, der ihm riet, sich für eine Weile von seinen Aktionen und Verpflichtungen zurückzuziehen. Davis kam diesem Rat nach, hielt am Rheinufer eine Abschiedsrede, verzichtete auf eine Einreise nach Deutschland (wo er viele Einladungen hatte) und ging zurück nach Amerika.

    Sollen wir ihn deswegen tadeln? Immerhin hätte er am Rheinufer  in einer provisorischen Hütte auf seine Einreise warten sollen (und das im Januar).

    Eine Weltbürgerrevolution gegen den Nationalstaat wäre nach meiner Meinung kaum in Gang gekommen, geschweige denn mit Erfolg gekrönt gewesen. Dazu war das Ziel zu abstrakt und der Nationalstaat zu fest im Fühlen und Denken der Menschen verankert. Man kann verstehen, daß Davis, wohl in richtiger Einschätzung des Machbaren, es vorzog, nicht zum Aufrührer oder gar zum Märthyrer zu werden. Wer kann ihm das verübeln?

    Aber dieser plötzliche Rückzug ihres Vorkämpfers und ihrer Gallionsfigur ließ die Weltbürgerbewegung frustiert und ratlos zurück. Zwar nahm Garry Davis nach einer dreijährigen Pause seine Arbeit wieder auf, aber das Eisen, das man bekanntlich schmieden soll, solange es heiß ist, war im Kalten Krieg längst tiefgefroren.

    Mögle-Stadel beschreibt in diesem sehr lesenswerten Kapitel den Zwiespalt, in dem sich Garry Davis und seine Weltbürgerbewegung befand, als sie sich entscheiden sollte, ob sie ihre Ideale mit Gewalt verwirklichen sollte.

   

    Dag Hammarskjölds Vermächtnis

    Ein Zeichen am Weg

    Es ist unschwer zu erraten, daß Hammarskjöld von allen UN-Generalsekretären derjenige ist, den Mögle-Stadel am meisten hochschätzt.

    Hammarskjöld wurde am 17. Sept. 1961 in Nordrhodesien Opfer eines Flugzeugabsturzes, der wohl von seinen Feinden herbeigeführt wurde.

    Er wurde 1953 Generalsekretär der UNO und setzte 1956 als historische Neuerung bei der Suez-Krise UNO-Friedenstruppen ein, die unter seiner Leitung standen. Er erfand also quasi die Blauhelmsoldaten.

    1960 wehrte er erfolgreich den Versuch der Russen ab, ihn zu entmachten.

    1961 störte er im ehemaligen belgisch-Kongo die Kreise der Kolonial- und Atommächte. Das kostete ihn wohl das Leben.

    Mögle-Stadel beleuchtet den persönlichen Hintergrund von Hammarskjöld und läßt hinter dem Amtsträger den großen, aber einsamen Menschen erkennen.

    Die Kosmopolitiker: Ein Kosmopolitiker, so führt Mögle-Stadel aus, ist rück-gebunden (religio) an die Menschheit und an alles Leben auf unserem Planeten. "Er nimmt seinen politischen Beruf als eine Art geistige Berufung sehr viel ernster, überparteilicher und futurologischer...

    Der Geist ist der Herkunftsort des Menschlichen, nicht die Biologie und die Konfession, nicht das Parteibuch oder die nur partikulare Nationalstaatszugehörigkeit...Die Gefahr des -Pardon - allzu dauerhaften Anpinkelns nur eines nationalen und konfessionellen Stammbaumes, besteht u.a. darin, daß dieser -potentielle - Lebensbaum (in einem Wald voller - potentieller - Lebensbäume) zu einem übersäuerten Totem wird, an dessen manisch-nekrophilen Marterpfahl dann der Geist des Lebens gemordert wird."

    Diesen Satz mußte ich in Orginallänge wiedergeben, denn er ist ein echter Mögle-Stadel.

  

Weltföderalismus vor und in den 90er Jahren

 

    Die globale Betrachtungsweise Weltföderalismus hilft, die Probleme Umweltzerstörung, weltweite Armut, Kriege, Bevölkerungsexplosion usw. in einem neuen Licht zu sehen und einen

 

  Ausweg zu finden. Dieser Ausweg umfasst ein globales Sicherheitssystem, eine weltweit koordinierte und ökologisch tragbare Entwicklung sowie eine verantwortungsbewußte Freiheit der Bürger, die in freiwilliger Selbstverpflichtung eine Bürgschaft für die Erde übernehmen. Die Weltföderalisten wollen eine von Bürgern getragene demokratische Gesellschaft auf globaler Ebene.

 

    Das Ziel einer Weltföderation ist groß, jedoch nicht größer als die immensen Probleme, mit denen wir auf unserem Planeten konfrontiert sind. Das Ziel kann nur in einzelnen Schritten erreicht werden. Aber jeder Schritt wird sofort seine Wirkung entfalten. Und jeder Schritt ermöglicht den nächsten. Das Fundament existiert bereits in den Vereinten Nationen.

 

    Es besteht kaum ein Zweifel, daß eine Weltföderation verwirklicht werden kann. Die Alternative wären letztendlich ein kollektiver Selbstmord durch einen Atomkrieg oder durch einen Kollaps des Ökosystems.

 

    Mögle-Stadel: "Müssen wir erst unmittelbar vor noch größerem Leid und noch größerer Zerstörung stehen, oder können wir diesen Fortschritt durch bewußte Wahl einer positiven Vision erreichen?"

 

    Viele Menschen sind heute mit ihrer Regierung unzufrieden. Sie fragen sich: Wozu jetzt noch eine Weltregierung? Wäre das nicht wieder das gleiche? Die Antwort lautet: Es ist nicht das gleiche. Tatsächlich ist das Fehlen an Globaler Regierbarkeit ist der wahre Grund für das Versagen der Regierungen auf nationaler Ebene. Es wäre tragisch, wenn unser Ärger über die Nationalstaaten nun der Grund für die Ablehnung des Weltstaates wäre. Unsere Nationalstaaten versagen ja oft deswegen, weil sie auf ihrer beschränkten Ebene die Weltprobleme nicht lösen können. Mögle-Stadel: "Der Nationalstaat ist zu groß für die kleinen und zu klein für die großen Probleme". Das Nationalstaatensystem ist in einer Krise.

 

    Die Welt ist auf vielfältige Weise bereits eine Einheit. Die Zerstörung der Biosphäre, der Terrorismus (oft die Folge von Konflikten, welche die Nationalstaaten nicht gelöst haben), die weltweiten Flüchtlingsströme, die außer Kontrolle geratenen weltweiten Finanztransaktionen: alle das sind Probleme, die nur global gelöst werden können.

 

    Die Mobilität des Kapitals zwingt die Nationen in einen selbstmörderischen Wettbewerb um Investoren. Die multinationalen Konzerne entziehen sich der Besteuerung und der Kontrolle durch die Nationalstaaten, die sie gegeneinander ausspielen. Sie verlegen ihre Produktion in Länder, in denen es kaum Umweltschutzgesetze gibt oder in denen die Regierungen käuflich sind. Das führt dann dazu, daß die Bürger noch ärgerlicher auf die Regierung sind.

 

    Mit diesen Feststellungen zeigt Mögle-Stadel den Kernpunkt unseres vieldiskutierten Problems vom "Standort Deutschland". Die Lösung dieses Problem kann doch nicht sein, daß der deutsche Arbeitnehmer auf das Lohnniveau Tschechiens, South-Dakota's oder Koreas zurückgestuft wird, sondern nur eine globale Regelung der sozialen Fragen.

 

    Mögle-Stadel fordert eine sinnvolle und effiziente Verteilung der Kompetenzen auf alle staatlichen Ebenen. Er illustriert dies mit einem Beispiel: "Stellen Sie sich einen Mann mit einerseits fettem und übergewichtigem Bauch (und entsprechenden Blähungen) und andererseits mit unterernährtem Kopf und Oberkörper sowie dürren Beinen und schwachen Füßen vor. Diese politische Konstruktion entspricht der politischen Realität unserer infolgedessen aus dem Gleichgewicht geratenen Welt. Während den Beinen und Füßen, also der kommunalen und bürgerlichen Ebene, vom nationalstaatlichen Bauch weitgehend die Souveränität entzogen wurde, leidet der Kopf

 

  als potentiell globales Steuerungsorgan immer noch an Unterernährung, da der nationale Bauch nicht bereit ist, einen Teil seiner übermäßig genossenen Souveränität in Form von realpolitischen Nährstoffen weiterzugeben":

 

    Ich glaube, mit diesem anatomischen Beispiel illustriert Mögle-Stadel anschaulich das Problem der heutigen Politik.

 

    Hat Mögle-Stadel nicht recht, wenn der die Kleinstaaterei unserer Welt beklagt, die ohne globale Rechtsstrukturen, ohne gewähltes Weltparlament, ohne legitimierte Welt-Bundesregierung ist? Mögle-Stadel: "Und wir wundern uns tatsächlich, daß dieser international UNorganisierte Wahnsinn zwangsläufig zu Anarchie und Kriegen führt?"

 

    Er fürchtet bei unserem blähbäuchigen Patienten Welt einen Kreislaufkollaps.

 

    In anarchistischen Gesellschaften setzen die Starken ihren Willen auf Kosten der Schwachen durch. Die Aufgabe einer Regierung ist es, Konflikte und Ungerechtigkeiten auf vernünftige Weise zu lösen. Daran müßen selbst die Starken interessiert sein, denn auch ein unterlegener Gegner kann ihnen schreckliche Schäden zufügen.

 

    Letzendlich kommt man an kollektiven globalen Entscheidungen und Handlungen nicht vorbei. Aber einem gemeinsamen Handeln der Regierungen steht die historisch gewachsene nationale Souveränität entgegen. Es müßen aber auf globaler Ebene demokratische Entscheidungen getroffen werden, denen sich die souveränen Nationen unterordnen müßen.

 

    Staaten sind gesetzlich nicht verpflichtet, die Entscheidungen der UN-Generalversammlung anzuerkennen. "Wenn aber unsere schlimmsten Probleme jetzt globaler Art sind, so muß es auch die Fähigkeit sein, darauf zu re-a-gieren. Wir brauchen einen Weg, um bindende Entscheidungen demokratisch auf globaler Ebene zu treffen". Darin sieht Mögle-Stadel das Ziel einer neuen, zeitgemäßen Kosmopolitik. Nur so kann sich die Welt aus der gegenwärtigen politischen Lähmung befreien und den wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenbruch aufhalten. Anderfalls bleiben wir den Zufällen unserer kollektiven UNvernunft hilflos ausgesetzt.

 

    Mögle-Stadel schreibt: "Die Idee des Weltföderalismus kann kurz umrissen werden: Souveränität und Demokratie für die Institutionalisierung unserer größten Gemeinschaft, der Welt."

 

    Mögle-Stadel betont zu Recht stark den Föderalismus-Gedanken. Die Länder und Regionen sollen ihre kulturelle und politische Identität behalten und über ihre eigenen Angelegenheiten selbst entscheiden. Die staatliche Macht soll also auf verschiedenen staatliche Ebenen verteilt werden, und dabei sollen die Ebenen unterhalb des heutigen Nationalstaates nicht zu kurz kommen.

 

    Die Nationalstaaten sollen in einem Weltbundes-Staat weiterhin als eigenständige Staatsgebilde weiterbestehen, nur müssen Sie auf einige Souveränitätsrechte zugunsten der über und untergeordneten Institutionen verzichten.

 

    Eng verbunden mit dem Föderalismus-Gedanken ist das Subsidiaritätsprinzip: Probleme sollen auf derjenigen staatlichen Ebene gelöst werden sollen, die am besten dafür geeignet ist. Mögle-Stadel: "Subsidiarität ermöglicht Dezentralisierung - und das ist die Genialität des Föderalismus". Aber richtig genial wird der Föderalismus erst, wenn er die Lehren aus Mögle-Stadels Buch zieht: Daß eine globale Ebene auch zum Föderalismus gehört. Ohne diese globale Ebene bleibt der Föderalismus nämlich auf dem Niveau einer Regionalpartei. Föderalismus ohne diesen globalen, integrativen Aspekt ist nur ein Nationalismus auf provinzieller Ebene und führt zu einer Aufsplitterung der Nationalstaaten in lauter noch kleinere Nationalstaaten.

 

     Einer der Einwände, die man gegen eine Weltföderation, also einen Welt-Bundesstaat vorbringt, ist, daß damit ein aufgeblähter Regierungsapparat geschaffen wird. Aber das wird nicht der Fall sein, weil die meisten Befugnisse auf der nationalen und regionalen Ebene verbleiben werden. Es wird in einem Weltbundesstaat weniger regiert werden, denn es wird keine nationalen Außenministerien und keine nationalen Verteidigungsministerien mehr geben. Es wird überhaupt keine Kriegspolitik und keine Außenpolitik mehr geben. Eine Weltföderation wäre die erste Gesellschaft, die keinen äußeren Feinde hätte. Mögle-Stadel: "Eine Weltregierung könnte niemals die Ausrede gebrauchen, zur Verteidigung eine große Militärmacht aufbauen zu müssen. Ihre Streitkräfte, die zwar groß genug sein müßten, um den Frieden zu wahren, wären sehr klein gemessen an der Größe der Weltgemeinschaft, zu klein, um überall gleichzeitig zu herrschen. Das ist ein weiterer Grund, um sicher zu sein, daß eine Weltföderation niemals zu mächtig würde".

 

    Mögle-Stadel schlägt vor, daß eine Weltföderation eine primäre Autorität besitzt für die allerdringlichsten Erfordernisse: Vermeidung von Kriegen und Überwachung von Abrüstung, den Schutz der planetaren Biosphäre, den Schutz der fundamentalen Menschenrechte sowie Hilfe bei Naturkatastrophen und die Institutionalsierung des Nord-Süd-Ausgleiches. Er fordert auch eine gewisse Regulierung der Weltwirtschaft durch die Weltföderation. Zu einer klaren Empfehlung, eine Weltwährung einzuführen, kann er sich nicht durchringen. Auch einer uneingeschränkten Emigration will er nicht das Wort reden. Dazu müssen erst die globalen wirtschaftlichen Ungleichgewichte beseitigt werden.

 

   

 

    Die klassische Analyse der Weltföderalisten

 

    Nach wie vor sind folgende Überlegungen der Weltföderalisten zum Thema Krieg und Frieden zutreffend:

 

    Kriege sind die unmittelbare Folge des Nebeneinanderbestehens souveräner, nur sich selbst verantwortlicher Nationalstaaten. Jeder Staat muß für seine eigene Verteidigung sorgen, also immer einen hohen Stand an Rüstung beibehalten. Das führt sehr leicht zu einem Rüstungswettlauf, in welchem wertvolle Resourcen sinnlos vergeudet werden, die notwendig wären, um Not und Krankheiten weltweit zu bekämpfen und eine intakte Umwelt zu sichern.

 

    Die enormen Rüstungskosten führen zu Inflation und Verschuldung bis hin zum Staatsbankrott.

 

    Es kann aber kein einzelner Nationalstaat auf seine Armee verzichten, solange es keine Instanz gibt, die absolut zuverlässig garantiert, daß er nicht Opfer seiner Nachbarn wird, die nicht abgerüstet haben. Es muß also ein System der kollektiven Sicherheit geschaffen werden. Dieses System ist die UNO nicht, weil zu wenig Macht besitzt. Nur eine Weltföderation könnte die kollektive Sicherheit gewähren.

 

    Den Weltföderalisten geht es aber nicht nur um eine allgemeine Abrüstung, sondern das eigentliche Ziel ist die Abschaffung des Krieges. Abrüstung allein garantiert noch keinen Frieden. Denn jederzeit kann ein Staat, aus welchen Gründen auch immer, wieder aufrüsten - und dies auch noch unter irgendwelchen, oft nur erfundenen Bedrohungsszenarien, seinen Bürgern als notwendig darstellen.

 

    Erst wenn ein gestärkte UNO allen Nationen ausreichenden Schutz garantieren kann, werden die nationalen Kriegshetzer beim Volk keinen Glauben mehr finden.

 

    Ein weiteres Ziel der Weltföderalisten ist die Schaffung eines übernationalen Rechtsmittels. Solange die heute noch bestehende de-facto-Anarchie (trotz Völkerrecht, Internationelem Gerichtshof

 

  und UNO) beibehalten wird, bleibt einem Nationalstaat, der seine begründeten Rechte wahren und durchsetzen will, als letztes Mittel nur der Krieg. Was im bürgerlichen Leben selbstverständlich ist, nämlich daß Konflikte nicht mit Revolvern und Maschinengewehren, also mittels Faustrecht, sondern durch Gerichte und Gesetze ausgetragen werden, ist zwischen den Nationalstaaten noch lange nicht möglich. Die Nationalstaaten verharren vielmehr auf der Stufe der Barbarei. Das ist für die gesamte Menschheit nicht nur eine Schande, sondern eine tödliche Gefahr, da die Nationalstaaten mit Massenvernichtsungswaffen ausgerüstet sind.

 

   

 

    Dies sind die tieferen Gründe, warum die Weltföderalisten so sehr auf eine Reform der UNO drängen. Leider konnte während des kalten Krieges dieser Weg nicht funktionieren. Nun ergeben sich aber mit der zunehmenden Öffnung des ehemaligen Ostblocks in Richtung Westen neue Chancen und Aufgaben. Aber immer noch werden weltweit fast eine Billion US-Dollar für die Rüstung ausgegeben. Der Golfkrieg allein hat schon 100 Milliarden Dollar gekostet. Diese Zahlen zeigen überdeutlich, wie notwendig und kostensparend es wäre, die UNO mit einem Frühwarnsystem und eigenen Schnellen Einsatztruppen auszustatten.

 

   

 

    Umweltschutz aus weltföderalistischer Sicht

 

    Immer wieder weist unser Autor in Publikationen und Vorträgen darauf hin, daß die Verschmutzung von Luft und Wasser nicht an den nationalen Grenzen haltmacht, sondern ein globales Problem ist und infolgedessen wirksam nur auf globaler Ebene behandelt werden kann. Wenn ein Staat in seinem Machtbereich versucht, strenge Umweltschutzkontrollen durchzusetzen, muß er die Erfahrung machen, daß das Investitionskapital und die Arbeitsplätze in Länder abwandern, in denen es diese Kontrollen nicht gibt. Um unsere Umwelt zu schützen, muß sie überall gleich geschützt werden. Wiederum zeigt, sich, daß die nationale Souveränität eine überholte Idee ist.

 

   

 

    Die Weltföderalisten haben die Schaffung einer Welt-Umweltschutzbehörde und einen internationalen Umweltschutzvertrag vorgeschlagen.

 

   

 

    Menschenrechte: Die Weltbürgerbewegung kann zu recht stolz sein auf ihren Anteil am Zustandekommen der Menschenrechtsdeklaration der UNO. Heute tritt die weltföderalistische Bewegung für einen weiteren Fortschritt ein: Sie fordert die Schaffung eine globalen Gerichtshofes für Menschenrechte. Vor diesem Gerichtshof sollen nicht nur Staaten, sondern einzelne Bürger oder Gruppierungen gegen Verletzungen der Menschenrechte vorgehen können.

 

   

 

    Bevölkerungswachstum: Ein weiteres Problem, das nur auf globaler Ebene lösbar ist, ist das übermäßige Bevölkerungswachstum. Mögle-Stadel weist darauf hin, daß damit zu rechnen ist, daß innerhalb der nächsten 50 Jahre die Weltbevölkerung auf 15 Milliarden ansteigt. Es liegt auf der Hand, daß diese 15 Milliarden nicht den heutigen US-amerikanischen oder mitteleuropäischen Lebenstil pflegen können. Es muß also eine ökologisch tragfähige Entwicklung stattfinden. Auf dieser Basis ist aber sehr wohl eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung möglich, die den Menschen ausreichend Nahrung, wirtschaftliche Sicherheit, Bildung, Gesundheitsvorsorge und Gleichberechtigung bietet.

 

    Finanziert werden könnte dies z.B. durch eine globale Steuer auf die Ölproduktion oder den internationalen Handel. Die Steuer

 

  müßte natürlich im Rahmen einer Weltföderation erhoben werden. Nur eine Weltföderation könnte auch die Rüstungskosten drastisch senken und dadurch die riesigen Mittel der "Friedensdividende" freimachen.

 

    Man vermisst in diesem Abschnitt den Vorschlag, das Bevölkerungswachstum durch empfängnisverhütende Mittel einzudämmen. Einer der Gründe könnte sein, daß Mögle-Stadel damit rechnet, daß durch einen Anstieg der sozialen Sicherheit das Bevölkerungswachstum von selbst drastisch zurückgeht, wie das z.B. in Deutschland der Fall ist.

 

   

 

    Reform der Vereinten Nationen

 

    Die Weltföderalisten befürworten eine umfassende Restrukturierung der UNO. Ein Mangel der UNO ist z.B., daß in der Generalversammlung jeder Staat ein gleiches Gewicht hat, unabhängig davon, ob dieser Staat eine Insel in der Südsee mit 20 000 Einwohnern ist, oder ob es sich um ein Land wie Indien oder Brasilien handelt. Die Generalversammlung muß also in ihrer Gewichtung die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegeln.

 

   

 

    Die Weltföderalisten empfehlen außerdem, daß neben die Generalversammlung eine zweite Kammer tritt, das in etwa dem europäischen Parlament vergleichbar ist. Dieses Parlament soll zunächst nur beratenden Status haben und eventuell von den Bürgern der Welt direkt gewählt sein. Der Gedanke  zielt natürlich darauf hin, auf lange Sicht die Generalversammlung, die ja nur eine Versammlung von Berufsdiplomaten ist, die von den nationalen Hautpstädten aus ferngesteuert sind und immer nur nationale Interessen im Sinn haben, durch eine demokratisch gewählte und legitimierte Versammlung zu ersetzen, die der gesamten Menschheit verantwortlich ist.

 

    Es ist klar, daß die nationalen Diplomaten den Braten natürlich sofort riechen und sich nach Kräften widersetzen werden. Um diesen Widerstand zu überwinden, müßen die Bürger und die Bürgerrechtsbewegungen auf die Regierungen Druck ausüben. Dazu es es aber erforderlich, daß die globalen Bürgerbewegungen, wie die Weltföderalisten und die Weltbürger, noch erheblich an Stärke gewinnen.

 

    All dies sind Dinge, die für die Menschheit (und für jeden einzelnen) von höchster Bedeutung sind. Leider ist diese Erkenntnis noch nicht Allgemeingut.

 

   

 

     Das eigentliche Machtzentrum der heutigen UNO ist der Weltsicherheitsrat, in welchem die vier Siegermächte des zweiten Weltkrieges sowie China als ständige und privilegierte Mitglieder vertreten sind.  Jedes der ständigen Mitglieder kann durch sein Veto den Weltsicherheitsrat entscheidungsunfähig machen und dadurch die gesamte UNO lähmen. Das bedeutet, wenn ein Konflikt zwischen diesen Mächten besteht, ist die UNO nicht handlungsfähig. Und gerade dann wäre sie am nötigsten.

 

    Die Weltföderalisten sehen keinen Sinn darin, noch weitere "Vetomächte" in den Weltsicherheitsrat aufzunehmen. Vielmehr muß das Vetorecht begrenzt und allmählich abgebaut werden, sodaß es im Sicherheitsrat kein "Zweiklassensystem" mehr gibt.

 

   

 

    Der Internationale Gerichtshof in Den Haag, so fordern die Weltföderalisten, soll von allen Staaten anerkannt werden, und alle Staaten müßen sich seinem Urteil unterwerfen.

 

   

 

    Zur Friedenserhaltung schlagen die Weltföderalisten vor, daß

 

  die UNO ein Organ erhält, das die Rüstung überwacht und die Angaben der Nationalstaaten überprüft. Ferner sollte die UNO schon vor dem Ausbruch von Konflikten mit einer ausreichender Zahl von Friedenstruppen ausgerüstet sein, um eingreifen zu können, bevor die Konflikte eskalieren. Sie sollte auch ein Frühwarnsystem für Konflikte erhalten und über eine permanente Freiwilligentruppe verfügen, die dem mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteten Generalsekretär unterstellt ist.

 

    Die UNO braucht auch ein eigenständiges Kommandosystem und eine eigenständige Finanzierung.

 

   

 

    All dies muß jedem Menschen klar und verständlich sein, der fähig ist, aus der Geschichte Lehren zu ziehen und der die menschliche Natur richtig einschätzt. Wer die Frage der Friedenssicherung in den Händen der Nationalstaaten beläßt, wird auch weiterhin beobachten können, daß hier der Bock zum Gärtner gemacht wurde.

 

   

 

    Ein weiteres aktuelles Anliegen der Weltföderalisten ist der Internationale Strafgerichtshof, der Individuuen vor Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschenrechte behandeln soll. Es gibt zwar schon einen Internationalen Strafgerichtshof für Bosnien. Nach Meinung der Weltföderalisten sollte er jedoch zu einer ständigen Einrichtung mit weltweiter Zuständigkeit werden und es sollten nicht nur Nationen, sondern auch Gruppen oder einzelne Menschen Klage erheben können. Es ist unschwer zu erkennen, daß wohl eine überwiegende Mehrheit der nationalen Regierungen sich mit Händen und Füßen gegen einen solchen Gerichtshof wehren wird. Dann könnten nämlich die Regierungen Personen, ungeschützt durch irgendwelche Immunität oder durch die nationale Souveränität, von einzelnen Bürgern für ihre Menschenrechtsverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.

 

   

 

    Die weltföderalistische Bewegung

 

    Die weltföderalistische Bewegung ist eine übernationale Organisation, die etwa 35 000 Mitglieder in etwa 40 Ländern hat. Ihr gehören als juristische Personen auch andere Nichtregierungsorganisationen an, ebenso (als Jugendorganisation) die "Jungen Europäischen Föderalisten" mit ca 15 000 Mitgliedern.

 

    Der Dachverband WFM International unterstützt die Arbeit der nationalen Organisationen.

 

    Die Weltföderalisten arbeiten "von Unten nach Oben". Alle vier Jahre wird ein Weltkongress einberufen, auf dem der Rat und das Exekutivkommittee gewählt werden. WFM-Programme werden den nationalen Organisationen anempfohlen, die sich dann selbst entscheiden müssen, ob sie für ihre jeweiligen Länder geeignet sind.

 

    WFM organisiert auf allen Ebenen Konferenzen und Seminare, entwickelt Lösungswege für globale Probleme  und bringt Abhandlungen, Monographien, Zeitschriften und Studienführer heraus. Die Weltföderalisten haben sich an der Gründung der Internationalen Friedensakademie, des Welt-Politik-Instituts und der "Parlamentarier für globales Handeln" beteiligt. WFM hat konsultativen Status bei den Vereinten Nationen, und zwar als Nicht-Regierungsorganisation. Infolgedessen hat sie in New York ein eigenes UN-Büro.

 

   

 

    Schlussbemerkung: Wir müssen Mögle-Stadel recht geben, wenn er feststellt: "Die Arbeit für die demokratische Einheit der Welt - auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Toleranz - ist die

 

  einzigartig größte geistige, moralische und politische Herausforderung unserer Zeit".

 

     Unsere wichtigsten Eigeninteressen sind mit den gemeinsamen universalen Interessen untrennbar verbunden. Die Biosphäre der Erde ist unteilbar. Wir müssen dieser Einheit auch politisch Rechnung tragen. Es müssen demokratische Weltkörperschaften mit begrenzter Machtbefugnis in Schlüsselgebieten geschaffen werden und es müssen global verbindliche Gesetze dort geschaffen werden, wo ein universales gemeinsames Interesse besteht.

 

    Weltföderalismus heißt: Föderalismus, Bürgerdemokratie und Subsidiarität, Kanalisierung von Macht durch Globale Gewaltenteilung.

 

    Die Welt entwickelt sich bereits jetzt in Richtung Weltföderalismus. Aber ist diese Entwicklung auch schnell genug? Es bleibt der Menschheit nicht mehr viel Zeit, die Ozonschicht zu retten, die Regenwälder, die Luft und das Trinkwasser. Kriege müssen verhindert werden, das Bevölkerungswachstum stabilisiert werden, viele Millionen Menschen müssen aus Armut und Verzweiflung befreit werden. Wieviel mehr Zerstörung muß die Menschheit noch hinnehmen, bevor sie die nächsten Schritte unternimmt?

 

   

 

    Kosmopolitik: Wenn es einmal ein für alle Menschen und Regierungen verbindliches Weltrecht geben wird, wird man nicht umhinkönnen, dieses Weltrecht notfalls auch erzwingen zu müssen, um Kriege oder Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Diese Gewaltanwendung muß durch eindeutige Verfassungs- und Gesetzesnormen geregelt werden. Es müßen Welt-Gerichtshöfe geschaffen werden. Ebenso ist eine ständige Polizeistreitkraft (Weltfriedenstruppe) erforderlich. Alle Nationen (ohne jede Ausnahme) müßen vollständig abrüsten. Auf dem Weg dorthin muß eine gleichmäßige, gleichzeitig und sorgfältig kontrollierte Abrüstung stattfinden. Diese Abrüstung muß erzwingbar sein. Ein sozio-ökonomisches Weltausgleichssystem muß geschaffen werden, um das Nord-Süd-Gefälle abzubauen.

 

   

 

    Eine Verfassung für die Weltföderation

 

    Es würde jetzt zu weit führen, in diesem Rahmen die Weltverfassung wiederzugeben und zu kommentieren. Es ist ganz klar, daß es sich auch nur um einen Vorschlag von Privatleuten handelt, wie eine Weltverfassung ausssehen könnte. Eine solche Verfassung könnte nur durch ein  demokratisch legitimiertes und mit den tatsächlichen Machtbefugnissen ausgestattetes Weltparlament verabschiedet werden.

 

    Welches die Grundgedanken in einer solchen Verfassung enthalten sein müssen, wurde in dieser Buchbesprechung bereits mehrmals deutlich gesagt (demokratische Gewaltenteilung, Föderalismus, Subsidiarität, kontrolliertes Gewaltmonopol der Exekutive, Weltgerichtshof usw.)

 

    Es genügt zu wissen, daß die Ausarbeitung einer solchen Verfassung nicht länger dauern müßte als die Erstellung des Grundgesetzes der BRD.

 

   

 

    Die Geburt einer globalen Zivilisation

 

    (Kurze Inhaltsangabe eines Kapitels von Strobe Talbott im Buch von Mögle-Stadel).

 

    Der Vorläufer der Nation war eine prähistorische Horde, die in einem Flußtal um ein Lagerfeuer versammelt war, und der es gelungen war, andere Horden zu unterwerfen. Sie war gewissermaßen eine "Erobererhorde", die sich im ständigen Kriegszustand mit anderen, konkurrierenden Horden befand.

 

     Aus dieser Grundkonstellation führt ein gerader Weg zu den beiden Weltkriegen unseres Jahrhunderts. Nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima lag der Gedanke nahe, diesem Kampf der nationalen Großhorden ein Ende zu bereiten und eine Weltregierung zu schaffen. Dies erkannten so große Denker wie Einstein, Gandhi, Toynbee und Camus als Notwendigkeit. Die Menschheit hat durch viele Prüfungen und entsetzliche Irrtümer entdeckt, daß Unterschiede nicht spaltend sein müßen. Die Schweiz setzt sich zusammen aus vier Nationalitäten, die in einem Gebiet zusammengepfercht sind, das wesentlich kleiner ist als das ehemalige Jugoslawien. Die Schweiz hat sich jedoch zu einem blühenden Land entwickelt, während Jugoslawien versagt hat, und der Grund ist der: um in einem friedlichen Bund miteinander zu leben, brauchen Menschen - und Völker - die Wohltaten von Demokratie und Föderalismus. Der Föderalismus hat sich bereits als das erfolgreichste aller politischen Experimente erwiesen und Organisationen wie die Weltföderalismus-Bewegung waren bereits seit Jahrzehnten ein Fürsprecher des Föderalismus als Grundlage für eine Weltregierung.

 

   

 

    Vom Wesen der Globalen Krise

 

    Mögle-Stadel beschäftigt die Frage: "Warum wollen wir - unbewußt aber zeilstrebig - globalen Selbstmord begehen?" Er vermutet als Ursache einen pyscho-pathologischen Komplex aus kollektiven Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen, Depressionen und Auto-agressionen, Schizophrenie und Paranoia", wie das in dem Prosawerk "Das Kassandramal" des Dichters Aitmatow zum Ausdruck kommt.

 

    Einen Therapieansatz sieht Mögle-Stadel in der "kosmopolischen Unteilbarkeit des Individuums". Die Menschen sollten sich nicht mehr in Gruppenegoismen und Religionsgemeinschaften aufspalten lassen. Sollte der Kosmopolit nicht verkünden: "Ich bin Träger aller Religionen" ?

 

    Wie seine Mentoren, mit denen er in persönlichem Kontakt steht, Robert Jungk und Ossip Flechtheim, hofft Mögle-Stadel aus ein "Menschenbeben", das für die Menschheit eine Wende zum Besseren führen könnte. Aber er ist zu sehr Realist, um nicht auch ein Ausbleiben einer solchen Bewußtseinsrevolution in Betracht zu ziehen. Trotzdem braucht die Menschheit sinnstiftende und zukunftsweisende Ideen.

 

    In einer "Kurzen Psycho-Historie der christlichen Tradition" setzt sich Mögle-Stadel mit den Erwartungen auf die Wiederkunft Christi und der Hoffnung auf ein Reich Gottes auseinander, die eine "unheilvolle Spirale aus Selbstbetrug, Frustration und Erlösungssehnsucht in Gang gesetzt haben". Mögle-Stadel leitet aus dieser Enttäuschung eine "tieferliegende abendländische Lebensmüdigkeit" ab. Mögle-Stadel: "Denn der ganze Konsumterror, den wir Europäer hier auf diesem Planeten veranstalten, kann auch als eine riesige pathologische Abschiedsfete gesehen und verstanden werden."

 

    Aber noch hat die Menschheit eine Chance, stellt abschließend Mögle-Stadel fest, nämlich die Schaffung einer "föderal-kosmopolitischen Weltzivilisation".

 

    Mögle-Stadel hat mit diesem Buch aufgezeigt, in welche Richtung die zukünftige Entwicklung der Menschheit gehen muß. Er hat das auf seine Weise getan - manchmal etwas provozierend, aber von der klaren und richtigen Erkenntnis geleitet, wie die heutige Lage der Menschheit ist.

 

V.i.S.d.P.:   Richard Beiderbeck, Marktäckerweg 1

                             D-85405 Nandlstadt, Tel.: 08756 24 84