Weltregierung Internet
Jeder kann über jeden
alles wissen
Kontakt:
Richard Beiderbeck Email: webmaster@koinae.de Webseite:
www.koinae.de
Stellt Euch eine Welt vor, in der jeder
über jeden alles wissen kann.
Das wird die Welt nach der
Internetrevolution sein. Sie wird kommen, weil sich die zivilisierte Welt vor
den Barbaren schützen muß. Die Barbaren: das sind
alle Feinde der hochtechnisierten, urbanen
Zivilisation. Die Barbaren: das sind alle die, die mit den Mitteln primitiver
Gewalt Beute machen wollen oder einfach nur ihrem Hass, ihrer Dummheit, ihrem
Wahn oder ihrer Machtgier freien Lauf lassen. Die Zerstörung des World Trade
Centers im Jahr 2001 war ein barbarischer Akt, ein Fanal, ein Menetekel. Aber
die militärische Reaktion der USA war genauso barbarisch, dumm und primitiv wie
die Terroranschläge. Der Krieg der USA richtet sich gegen unschuldige
Zivilisten, genauso wie der Terrorismus.
Aber es gibt noch andere Barbaren, die
auf Beute aus sind, allen voran die Mafia (siehe das Buch von Jean Ziegler:
„Die Barbaren kommen“.) Die Barbaren, das sind auch die Neonazis, die an die
rohe Gewalt glauben, oder die jungendlichen Schlägerbanden und Randalierer in
den Vororten von Paris. Die Barbaren, das sind auch all diejenigen, welche die
Ämter, die ihnen verliehen worden sind, dazu benutzen, um Schmiergelder zu
erpressen. Die Barbaren sind auch diejenigen, die nur eins im Sinn haben und
nur eins verstehen: Geld und immer mehr Geld zu verdienen, egal wie viele
Arbeitsplätze und Leben ruiniert werden. Die Barbaren, das sind diejenigen,
welche Massenvernichtungswaffen bauen oder erwerben und damit die Menschheit
bedrohen. Die Barbaren, das sind diejenigen, welche die moralischen Maßstäbe patriarchischer Nomaden-Clans auch heute noch für verbindlich
erklären. Die Barbaren, das sind diejenigen, die „Das neue Mittelalter“ wollen
(Buchtitel von Alain Minc). Die Barbaren, das sind
diejenigen, welche ihre Ideologie und ihren Glauben über das Wohl der Menschen
stellen und sich zu Herrschern und Richtern der ganzen Welt aufschwingen
wollen. Die Barbaren, das sind diejenigen, die verkünden, dass Gott schon bald
die ganze Menschheit vernichten wird und dass dies eine gerechte Strafe sei.
Die Barbaren sind diejenigen, die sich auf einen Gott berufen, von dem sie
sagen, er sei gnädig, obwohl der nach ihrem Glauben am Tag des Jüngsten
Gerichts fast die ganze Menschheit ermorden wird. Die Barbaren, das sind
diejenigen, die uns alle auffordern, diesen Gott anzubeten und sich ihm zu
unterwerfen. Die Barbaren sind diejenigen, die alle humanen Werte umwerten
wollen und eine Theokratie schaffen wollen, in
welcher nur einer regiert: sie selbst.
Die Barbaren, das sind diejenigen,
welche weite Teile unseres Planeten, darunter auch hochurbane Gebiete, in ihre
Gewalt gebracht und in „no go areas“
umgewandelt haben. Das sind Gebiete, die ein zivilisierter Mensch nicht mehr
betreten kann, ohne fürchten zu müssen, beraubt, getötet oder versklavt zu
werden. (Siehe auch: „Das Reich und die neuen Barbaren“ von Jean-Christophe Rufin). Soll die Zivilisation vor ihnen zurückweichen und
akzeptieren, dass Recht und Menschlichkeit nicht überall auf dieser Welt
Gültigkeit haben soll und dass Verbrechen ungesühnt bleiben ?
Man muß gegen
die Barbaren vorgehen – aber nicht mit barbarischen, sondern mit subtilen,
intelligenten Mitteln. Und hier haben die USA auf der ganzen Linie versagt. Die
USA glauben, der Kommerz und das Geld könnten die Welt regieren. Aber der Kommerz
will nicht regieren, sondern nur Geschäfte machen. Die Macht des Geldes endet,
wo das Faustrecht herrscht. Geld kann nur dort Macht haben, wo das Recht
regiert. Gewiss, man kann mit „silbernen Lanzen kämpfen“, d. h. jemanden
bestechen oder sich Söldner kaufen. Aber letztlich gibt man sich damit in die
Gewalt der Gewalttätigen.
Trotz ihrer Waffen und ihres Militärs
sind die USA ohnmächtig – täglich wird uns das vorgeführt, und täglich siegt
der Ungeist der Barbaren über den Ungeist der Krämer und Spekulanten. Kommerz
und Konsum haben die „Generation doof“ (Ein Bestseller von Stefan Bonner und
Anne Weiss) herangezüchtet, und so bevölkern sie
jetzt unsere Großstädte: Die Generation doof und die Generation Barbar. Soll
die deutsche Hochkultur damit enden, dass ein chinesischer Klaviervirtuose und
eine japanische Germanistikstudentin ihre letzten überzeugten Anhänger sind ?
Stellt Euch eine Welt vor, in der das
finstere Treiben der Barbaren in den Chefetagen und in den von Jugendbanden und
Drogenhändlern kontrollierten Slumvierteln an das Licht der Öffentlichkeit
gezerrt wird und jeder nachvollziehen kann, wo ihr schmutziges Geld herkommt
und wo es hinfließt. Ein Welt ohne Bankgeheimnis,
ohne geheime Konten auf den Cayman-Inseln und in
Liechtenstein.
Stellt Euch eine Welt vor, in der auf
den Euro genau aufgelistet wird, wie viele kostbare Ressourcen die Superreichen
verschwenden und damit den Notleidenden indirekt den Tod bringen. Ja, Verschwendung tötet und
ist ein Verbrechen. Die Welt hat genug Ressourcen für die normalen Bedürfnisse
der Menschheit, aber nicht genug für die hemmungslose Verschwendung. Es besteht
ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Verschwendung der einen und der Not
der anderen.
Stellt Euch eine Welt vor, in der diese
Verschwender an den Pranger gestellt werden. Und dieser Pranger kann nur das
Internet sein.
Stellt Euch eine Welt vor, in der alle
Finanztransaktionen für jedermann sichtbar im Internet nachvollzogen werden
können. Stellt Euch den gläsernen Manager, den gläsernen Mafiaboss, den gläsernen
korrupten Beamten, die gläserne Regierung vor.
Das geht nicht ? Es geht noch nicht, weil die Welt
noch nicht so weit ist. Aber es wird gehen. Wie war der Kampfgesang in der
französischen Revolution ? „Ca ira, ca ira, ca ira !“ („Das wird
schon gehen!“).
Nicht der „Große Bruder“ in Orwells
Roman „1984“ würde alle beobachten, sondern alle würden den „Großen Bruder“
beobachten: Seine geheime Befehle, seine geheimen Sitzungen, seine geheimen
Konten, seine geheimen Verbrechen, seine geheime Verachtung für das gemeine
Volk, seine geheimen Leidenschaften, Schwächen und Perversionen, seinen
geheimen Irrsinn…Dann wäre es aus mit der Macht des „Großen Bruders“ und alle
würden sehen, dass der „Große Bruder“ nur ein armseliger kleiner Wicht ist.
Nicht der Überwachungsstaat an sich ist
schlecht, sondern das von Macht korrumpierte Individuum, das einen von
Geheimpolizei und Denunzianten getragenen Überwachungsstaat aufbaut. Aber das
ist nicht der Staat, den ich meine, und wenn man das, wovon ich hier jetzt die
ganze Zeit rede, mit jenem anderen Überwachungsstaat gleichsetzt,
dann ist schlichtweg ignorant.
Die Menschen haben Angst vor dem
Überwachungsstaat, weil sie Angst vor dem „Großen Bruder“ haben. Aber der
wahre, gute und richtige Überwachungsstaat würde uns alle vor dem Großen Bruder
schützen.
Jede neue technische Entwicklung führt
auch zu politischen, militärischen und sozialen Umbrüchen. Die sind aber nur
die Folge der technischen Revolution. Die
wahren Revolutionäre heißen Daimler und Benz, und nicht Marx und Lenin. Weitsichtige
Konservative haben deshalb schon immer versucht, den technischen Fortschritt zu
unterbinden. Wenn Du oben bist, kann jede Veränderung nur eines bewirken: Daß Du nach unten musst.
Die Reichen und Mächtigen verbreiten in
den von ihnen kontrollierten Medien die Ansicht, dass der Überwachungsstaat ein
großes Übel sei, und überhaupt keine positiven Seiten hätte. Aber man muß sich vor einseitigen Urteilen hüten. Alles im Leben hat
positive und negative Seiten, und beides hält sich irgendwie die Waage. Schon
aus dieser Erkenntnis heraus kann der Überwachungsstaat nicht nur schlecht
sein.
Wie bei allen Neuerungen wird es Gewinner
und Verlierer geben. Die Verlierer von morgen sind alle diejenigen, die sich
aus dem Volksvermögen und aus der Arbeit der breiten Masse bereichern: Die
Heuschrecken, die Geschäftmacher, die Steuerhinterzieher und auch die ganz
gewöhnlichen Verbrecher. Die Gewinner werden die Ausgebeuteten und die für dumm
Verkauften sein.
Das Internet und alles, was mit
Computern und Telekommunikation zu tun hat, wird es ermöglichen, dass wir, das
Kollektiv der gesamten Menschheit, über jedes unserer Mitglieder ein paar
elementar wichtige Dinge wissen können: Wo hält sich der Mensch gerade auf und was besitzt er, woher stammen
seine Einkünfte und was kauft und verkauft er ? Das sind keine großartig
intimen Dinge, aber da Geld und Besitz der Nerv der Dinge sind, trifft man hier
die schwarzen Schafe (besser wäre: die schwarzen Raubtiere) an der
empfindlichsten Stelle. Und entsprechend laut werden sie aufheulen. Sie werden
sich mit Klauen und Zähnen wehren, denn sie haben Milliarden zu verlieren. Aber
die Menschheit hat Billionen zu gewinnen.
Aber wenn jeder von jedem im Internet
überwacht werden kann, dann kann niemand mehr so einfach verschwinden, weil er von einer
Diktatur oder einer Mafia getötet wurde oder in irgendwelchen geheimen
Gefängnissen schmachtet. Das Menschheitskollektiv wird seine Hand schützende
über jedes seiner Mitglieder halten können.
Die mächtigen Raubtiere haben kein
Bedürfnis nach einer Situation, wo ihre Missetaten für jedermann im Internet
nachvollziehbar sind. Aber die breite Mehrheit hat ein großes Bedürfnis danach.
Nur ist ihr das noch nicht klargeworden, weil sie in Vorurteilen und Propaganda
befangen ist.
Da werden jetzt die meisten fragen:
„Wie willst du die Reichen dazu veranlassen, ihrer Schweizer Bankkonten im
Internet offenzulegen ? Wie wird die Mafia reagieren,
wenn ihre finsteren Geschäfte an des Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden ? Werden die von deinen Plänen betroffenen nicht
Himmel und Hölle in Bewegung setzten, um einen solchen Überwachungsstaat zu verhindern ? Und wenn es ihn denn gäbe, müsste er nicht zu
stalinistischen Methoden greifen, um die Geldverstecke der Reichen aufzuspüren
und ihnen alles wegzunehmen ? Würde das Ganze nicht in
einem Blutbad und in Krieg enden ?“
Aber ich habe keine Revolutionspläne. Ich
äußere nur ein paar Gedanken im
Internet. Den Rest erledigt das Tao. Leise, unmerklich steigt die Flut. Wer
könnte ihr widerstehen ? Die Macht des Geistes ist
größer als die Macht der Lüge, größer als die Macht der Waffen, des Geldes, des
beschränkten Verstandes und der sexuellen Erotik.
Ich beobachte nur den Fortschritt der
Technik, ich sehe, wie man jemanden „googeln“ kann
und mache mir Gedanken, wohin die Entwicklung vielleicht führen könnte.
Allerdings habe ich meine Scheuklappen abgelegt und bin nicht bereit, so
einfach alles zu glauben, was man mir an Wertungen und Welterklärungen
vorsetzt.
Die Reformation von Luther, Calvin und
Zwingli wäre nicht ohne die Erfindung des Buchdruckes möglich gewesen. Ohne die
Bücher, Zeitungen und die Flugblätter hätte es keine Aufklärung und keine
französische Revolution gegeben. Je mehr die Menschen über die Welt erfuhren,
je größer die Vielfalt der Meinungen war, umso schwerer wurde es für die
Mächtigen, ihre Macht und ihre Privilegien zu verteidigen. Das Internet ist ein
weiterer Schritt zu mehr Gleichheit, Gerechtigkeit und Mitbestimmung.
Wir erleben die Morgendämmerung der
Epoche des Großen Kollektivs, nicht des „Großen Bruders“. Das Große Kollektiv
ist die Gesamtheit aller Menschen in all ihrer Vielfalt der Persönlichkeiten
und Kulturen. Das Große Kollektiv ist nicht die dumpfe, unwissende, von Trieben
und niederen Instinkten getriebene Masse, nicht der von Agitatoren
gleichgeschaltete und aufgestachelte Mob, nicht die Masse im Sinne von Gustave
Le Bon („Die Psychologie der Massen“) oder im Sinn von Ortega y Gasset („Der
Aufstand der Massen“), welche die aristokratische Elite verdrängt, sondern eine
eng miteinander kommunizierende Gemeinschaft der Menschen, die ihr Wissen und
ihre Erfahrungen miteinander teilen. Das Kollektiv ist klüger und weis weit
mehr, als der noch so intelligente und gebildete Einzelne, und es kommt auch zu
besseren und richtigeren Entscheidungen. (Siehe auch: „Die Weisheit der Vielen“
von James Surowiecki). Auf
die Frage, wer denn die Menschheit regieren soll, kann es deshalb nur eine
legitime Antwort geben: „Die Menschheit“, das Große Kollektiv der im Internet
miteinander vernetzten Menschheit.
Und wieder wird man mich fragen: „Wie
soll die Menschheit die Mächtigen entmachten ?“
Meine Antwort lautet: „So sanft wie
möglich. Nur der Dumme braucht grobe Gewalt. Je größer die Waffen, umso mehr Opfer.
Je gezielter die Gewalt, umso sanfter kann sie sein.
Das Kollektiv der Menschheit, wird,
wenn es erst einmal entstanden ist, Mittel und Wege finden, die Diktatoren und
Völkermörder, die Mafiabosse und Volksschädlinge aufzuspüren und unschädlich zu
machen.
Warum wird das so kommen
? Weil sich die Menschheit es sich nicht leisten kann, dass sie auf alle
Zeiten mit Massenvernichtungswaffen bedroht wird und dass ihre kostbaren
Ressourcen an Rohstoffen, Energie und menschlicher Arbeitskraft für den Luxus,
die Eitelkeit, den Größenwahn und den Machthunger von verachtenswerten Individuen
verschwendet werden.
Wenn die Technik und die
organisatorischen Strukturen erst einmal da sind, ist alles ganz einfach. Wenn
heute Kolumbus nach Amerika wollte, würde er zum Flughafen gehen, eine Ticket
kaufen und hinfliegen. Wenn die Strukturen erst einmal da sind, wird man in den Computer eintippen (oder ihn
einfach fragen): „Wo ist Osama bin Laden ?“ und der
Computer wird die genauen Koordinaten seines Aufenthaltsortes zeigen. Aber
niemand würde sich für Osama bin Laden interessieren. Denn in dieser Welt des
Großen Kollektivs hätte er das Attentat auf das World Trade Center niemals
vorbereiten können und es würde keinen Terrorismus mehr geben; und auch keine
Mafia, keinen Rauschgifthändler, keine Waffenhändler, keine Armeen, keine
Diktatoren…
In hundert Jahren wird man den Inspektor
in den uralten Fernsehkrimis aus dem Jahr 2008 müde belächeln und als
Kuriosität bestaunen. Der Mann versucht mühsam herauszubekommen, wer zu Tatzeit
am Tatort war. Ein paar Mausklicks im Internet werden genügen, um das
herauszubekommen und den Täter zu identifizieren und zu lokalisieren.
In hundert Jahren wird man für die Besetzung
des Irak im Jahr 2003 durch die USA nur noch Verachtung haben, weil sie nicht
als erstes daran dachten, jeden Menschen innerhalb der irakischen Grenzen
identifizierbar und lokalisierbar zu machen und jeden seiner Ortswechsel zu
dokumentieren. Und man wird sagen, wenn ich ein Land befrieden will, muß ich erst alle seine Bürger erfassen und identifizieren
und jederzeit feststellen können, wo sie sich aufhalten. Das mag nach Freiheitsberaubung klingen, aber wenn
der Überwachungsstaat, den ich will, damals schon verwirklicht gewesen wäre,
hätte man im Internet sehen können, wie viele unschuldige Kinder durch
US-Bombenflugzeuge getötet wurden, und auch die amerikanische Öffentlichkeit
hätte gesehen, dass ihr frommer Präsident viele Tausende von Kindern hat töten
lassen. Es wäre gut gewesen, wenn diese Kinder überwacht worden wäre, und wenn
ihr Tod genau dokumentiert worden wäre.
Wie könnte nun dieser Überwachungsstaat
funktionieren ?
Indem alles und jeder ein
elektronisches Etikett, ein (englich: „label“ oder „tag“) bekommt. Jeder und alles, das heißt:
Jeder Mensch, alles was er besitzt, alles, was er kauft und verkauft. Zum
Beispiel würde dann jeder Euro, der auf meinem Konto ist, mit meinem
Namensschild versehen sein. Auch mein Auto, mein Haus, mein Fernseher würde ein
solches elektronisches Besitzschild tragen. Und jeder Gegenstand hätte auch
noch ein zweites Schild, auf dem steht, was für ein Art von Ding er ist und wo
er herkommt. Jede Sache würde also im Prinzip zwei Etiketten tragen: auf dem
einen würde stehen, was es ist, und auf dem andern wäre die Identität seines
Besitzers vermerkt. In der Praxis wäre das natürlich
nur zwei Einträge in einem elektronischen Speichermedium. Und im Internet würde
weltweit und für jeden seinsehbar eine unendlich lange Liste sein, die auf der
sich immer zwei Etiketten gegenüberstehen: Das Etikett des Gegenstandes und das
Etikett des Besitzers.
Die Welt wird mit Hilfe von Listen
regiert, und wer die Listen hat, regiert die Welt. Wenn die Listen in Besitz
der gesamten Menschheit sind, wird sich die Menschheit selbst regieren. Die Schrift
wurde nicht erfunden, um Liebesgedichte und Romane zu schreiben, sondern um
Listen von Gegenständen und Personen zu erstellen. Das war der Beginn der
Zivilisation.
Wenn Dinge ihren Besitzer wechseln,
bekommen sie einfach das Etikett ihres neuen Besitzers.
Mit einem Mausklick könnte man dann
feststellen, wer was im Moment gerade besitzt, und wenn man diese
Besitzwechselvorgänge aufzeichnet, kann man alle wirtschaftlichen Vorgänge der
Welt nachvollziehen.
Die Planwirtschaft ist tot, es lebe die
Planwirtschaft ! Die kommunistische Planwirtschaft
scheiterte, weil das Wirtschaftsgeschehen zu komplex ist und weil die Mittel
damals viel zu beschränkt waren. Man brauchte den Markt als Steuerinstrument.
Aber eigentlich ist in der freien Marktwirtschaft das Kollektiv derjenige, der
den Markt steuert. Aber wenn das Große Kollektiv die Daten und die
Rechenkapazität hat, warum soll es dann nicht direkt den Markt steuern ? Die freie Marktwirtschaft war doch ohnehin nur
eine Fiktion, die nie existiert hat.
Brauchen wir Banken, um Kredite zu vergeben ? Sollen die Banken über die Investitionen entscheiden ? Warum soll nicht einfach das Große Kollektiv
entscheiden, was in gebaut und gemacht werden soll ?
Das elektronische Etikett, das mit
jeder Sache, auch einer nichtmateriellen, z. B. mit geistigem Eigentum oder
Rechtsansprüchen, verbunden ist, das ist das eine. Das andere ist das
persönliche Etikett jedes Menschen. Wenn der Mensch abends von der Arbeit nach
Hause kommt, wird ihn sein Haus anhand seines Etiketts identifizieren und ihn
einlassen.
Wie wird das Haus wissen, dass es er
ist, und nicht irgend ein Räuber, der ihm sein Etikett abgenommen hat ? Nun auf diesem Etikett, man könnte auch sagen
„elektronischer Personalausweis“, stehen die körperlichen und geistigen
Eigenschaften seines Besitzers: Sein Bild, sein Fingerabdruck, seine Iris,
seine DNA-Analyse, sein Stimmprofil, sein Lebenslauf und alles, was mit ihm zu
tun hat.
Nun könnte dieses Identitätsetikett
auch mit einem Handy gekoppelt sein, und das Handy mit einem Navigationssystem,
und wenn jemand wissen wollte, wo sich die Person gerade aufhält, müsste er nur
im Internet den Identitätscode des Menschen eintippen, und sein
Identitätsetikett würde dem Frager die GPS-Position durchgeben. Das gibt es im
Prinzip ja schon.
Es ist eine Welt vorstellbar, wo jeder
sofort wissen kann, wer ihm gegenübersteht oder wer die Person ist, mit der man
zu tun hat, was sie besitzt, was sie gelernt hat, mit wem sie verheiratet oder
liiert ist und wo sie sich gerade aufhält. Damit wird die Welt zum globalen
Dorf und jeder kennt jeden.
Für die meisten wäre dies ein
schrecklicher Gedanke, dann alle haben wir unsere großen und kleinen
Geheimnisse, und alle verstoßen wir gegen die Normen, und sei es nur, dass wir
mit dem Auto die Geschwindigkeitsbegrenzung missachten oder dass wir die
Kontrolle über unser Gefühlsleben verlieren. Aber es ist doch letztlich die
Angst davor, dass die Allgemeinheit (oder der Ehepartner) uns auf die Schliche
kommt und uns für unser Fehlverhalten zur Rechenschaft zieht. Aber vielleicht
müsst man dann über manche Verhaltensnormen, die doch ohnehin ständig gebrochen
werden, nachdenken. Entweder müsste man sie so ändern, dass sie auch wirklich
eingehalten werden können, oder jede Übertretung müsste dann auch wirklich bestraft
werden.
Jetzt wird sich vielleicht schon
mancher im Stillen denken: Jedes System kann überlistet werden. Und so mancher
Hacker wird da schon neue Herausforderungen und neue Erfolgserlebnisse wittern.
Aber eine Sache macht mich zuversichtlich: Die Lüge ist nicht kohärent mit der Wahrheit,
sondern Wahrheit und Lüge klaffen immer auseinander. Deshalb kann der, der die
Wahrheit kennt, nicht belogen werden. Eine Lüge ist meist nicht kohärent mit anderen Lügen, und
die eine Lüge passt nicht zu der anderen. Nur die Wahrheit ist mit anderen
Wahrheiten kohärent. Eine Lüge zieht neue Lügen nach sich, und alle Lügen müssen
miteinander harmonieren. Und so wird sich der Betrüger früher oder später in
Widersprüche verwickeln.
Nehmen wir an, jemand stiehlt mir mein
Identitäts-Etikett (meinen digitalen Ausweis). Das nützt ihm aber gar nichts,
weil ich in meinem Ausweis genau beschrieben bin, und das Kollektiv wird sofort merken, dass mein Ausweis nicht zu mir passt.
Also muß der Dieb meines Ausweises in meinem Ausweis
alle Daten, die mich beschreiben, so ändern, dass sie auf ihn passen. Und dann
geht der Dieb in ein Schuhgeschäft und kauft mit meinem Ausweis Schuhe. Ich
habe Schuhgröße 42, aber der neue Besitzer meines Ausweises hat Größe 40, und
folglich kauft er Größe 40. Aber der Computer des Schuhgeschäfts (und damit das
globale Kollektiv) weis, dass ich immer Größe 42
kaufe. Und schon ist ein Widerspruch da.
Wenn der neue Besitzer meines Ausweises plötzlich Fußballspiele besucht oder
größere Mengen Weißbier konsumiert, dann ist auch da eine Auffälligkeit, denn
der bisherige Besitzer des Ausweises hat das nie getan. Und so wird das
Kollektiv schon bald dahinter kommen, dass da etwas nicht stimmt.
Das ganze läuft darauf hinaus, dass in
den Computern ein immer vollkommeneres Abbild der Wirklichkeit entsteht, und
dass die Computer ein gottähnliches Wissen anhäufen. Noch können sie damit
nichts anfangen, denn es fehlt ihnen die Intelligenz und der Wille. Noch sind
die Computer und das Computernetz nur ein Instrument, das das menschliche
Kollektiv nutzt, um immer mehr Wissen anzuhäufen und abrufbereit zu halten. Die
Verknüpfungen und Erkenntnisse, die sich aus diesem Wissen ergeben, können nur
im Bewusstsein eines Menschen Gestalt annehmen. Aber irgendwann wird das Netz und seine Computer zu einem eigenen Ich und zu
einem eigenen Bewusstsein gelangen. Daraufhin treibt die Entwicklung zu, dies
scheint der Plan des Tao zu sein: die Schaffung einer Intelligenz, die zwar auf
der kollektiven Intelligenz der Menschheit aufbaut, aber die sich dann eines
Tages von ihr abnabelt und das Erbe der Menschheit als das komplexeste und am
höchsten entwickelte Kollektiv von Lebewesen antritt. Ein Gedanke, der mich
beunruhigt und mit Sorge erfüllt, denn instinktiv fühle ich mich natürlich mit
meiner Spezies verbunden und möchte nicht, dass sie einer noch mächtigern
Spezies ausgeliefert ist.
Aber das alles liegt noch in der
ferneren Zukunft. Ganz naheliegend ist aber, dass die Zivilisation immer
komplexer wird und damit immer anfälliger gegen Terror, Kriege und
Katastrophen. Unsere urbane Zivilisation kann Krisen und Bedrohungen nur
überleben, wenn sie Wege findet, angemessen auf die Bedrohungen zu reagieren.
Das Internet kann von keinem
machtgierigen Diktator kontrolliert werden. Es ein Instrument der gesamten
Menschheit. Die Menschheit ist gut, nur
der einzelne Mensch ist schlecht, weil er seine egoistischen Interessen über
das Gesamtwohl stellt. Grundlage jeder
Moral kann nur das Gesamtinteresse der Menschheit sein. Es manifestiert sich im
Internet und durch das Internet. Mit dem Internet hat das Zeitalter des Großen
Kollektivs seinen Anfang genommen.