Die Zähmung des Krieges heißt die Zähmung des Individuums

Von Richard Beiderbeck     www.koinae.de

 

Mein Gesetz von der Erhaltung des Leidens ist nur ein spezieller Fall eines umfassenderen Gesetzes, des Gesetzes der Dualität. Dieses Gesetz besagt, dass jede Handlung und jedes Ding, auch jede Person, und letztlich auch Gott, eine positive und eine negative Seite haben, und dass sich beides die Waage hält. Aus dem Gesetz der Dualität Gottes und seiner Schöpfung folgt, dass der technische Fortschritt, welcher versprach, die die Menschen vor Not und Gefahr zu schützen und ihr zukünftiges Überleben zu sichern, nun das Überleben der Menschheit bedroht. Ich rede natürlich von den Massenvernichtungswaffen und der Zerstörung der Umwelt.

 

Die Menschheit muß auf diese Bedrohung eine Antwort finden, sonst wird sie aussterben. Das sage ich nicht als Weltverbesserer, sondern als Beobachter. Bisher wurde noch jede Waffe, die erfunden wurde, auch eingesetzt, und bisher hat nichts und niemand die Menschen davon abhalten können, Krieg zu führen. Früher oder später wird der „menschliche Genius“, auf den sich die Menschheit so viel einbildet, in der Lage sein, die Biosphäre unseres Planeten so weit zu zerstören, dass auf ihm kein höheres Leben möglich ist.

 

Aber ich habe die Hoffnung, dass die Menschheit rechtzeitig einen Ausweg aus dieser Situation findet. Der Ausweg kann nur darin bestehen, alle Armeen und militärischen Waffen zu verschrotten und durch ein System der punktuellen, kontrollierte und dosierten Gewaltanwendung zu ersetzen.

 

Die punktuelle, kontrollierte und dosierte Gewaltanwendung soll die Massenvernichtungskriege ersetzen

 

Was heißt punktuelle, kontrollierte und dosierte Gewaltanwendung konkret ? Es bedeutet, die Gewaltanwendung nicht gegen unschuldige Menschenmassen zu richten – wie dies auch noch heute immer wieder praktiziert wird - sondern die Verbrecher gegen den Frieden und die Menschlichkeit gefangen zu nehmen und vor Gericht stellen – oder, wo dies nicht möglich ist, sie gezielt sie (und nur sie) zu töten – nachdem sie in Abwesenheit (da man ihrer ja nicht lebend habhaft werden konnte) zum Tode verurteilt wurden. Das soll nicht heißen, dass ich für die Todesstrafe plädiere. Aber wenn von der Menschheit nur dadurch Schaden abgewendet werden kann, dass man ein Attentat auf einen Massenmörder, der das Amt eines Staatschefs inne hat, ausführt, dann muß das eben geschehen.

 

Ich schreibe diese Zeilen um November 2006. Saddam Hussein wurde gerade zum Tode verurteilt. Aber hätte man das nicht mit weit weniger Opfern unter der Zivilbevölkerung haben können ? Musste deswegen die gewaltige Militärmaschine der USA in Bewegung gesetzt werden, mussten Städte zerbombt, viele tausend unschuldige Zivilisten getötet und ein Bürgerkrieg entfesselt werden ? Und ist dieser Saddam Hussein nicht lediglich ein Lückenbüßer für den Terroristen Osama bin Laden, über dessen Verbleib die USA fünf Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center immer noch nichts weiß ?

 

Die Analyse zeigt, dass die USA verwundbar ist, und dass ihr all ihre Flugzeugträger, Panzer und Bomber keine Sicherheit geben können. Um das Sicherheitsproblem zu lösen sind nicht Bomber und Panzer notwendig, sondern es würde genügen, punktuelle und dosiert Gewalt gegen einzelne Individuen, z. B. Saddam Hussein oder Osama bin Laden anzuwenden. Aber weder die USA noch ihre Gegner, die Selbstmordterroristen, wenden die Gewalt gezielt, kontrolliert und punktuell gegen die an, die sie eigentlich treffen wollen, sondern töten wahllos Unschuldige.

 

Für diese Methode der punktuellen und dosierten Gewaltanwendung sind Armeen und Soldaten völlig ungeeignet. Deren militärische Tradition fordert nämlich die maximalen Schädigung und Vernichtung des Gegners durch wuchtige Schläge – bzw. die langsame Zermürbung des Gegners durch einen verlustreichen Dauerkrieg. Gebraucht werden aber zur Lösung des Gewaltproblems nicht Militärs (da macht man den Bock zum Gärtner), sondern Polizisten und Agenten und die vielfachen Möglichkeiten der Informationstechnologie.

 

Menschen lokalisieren und identifizieren, das ist die zukünftige Methode der Weltgemeinschaft, um Kriege zu verhindern

 

Um einen Osama bin Laden vor Gericht zu bringen, müsste die USA und die Weltgemeinschaft ganz anders organisiert sein. Die teuren Flugzeugträger und Tarnkappenbomber sind gegen Terroristen machtlos. Die großen und mächtigen Flugzeugträger und Bomber sind wie Saurier. Sie werden in Zukunft durch andere Waffen und Methoden ersetzt werden.

 

Nun ist jedermann klar, dass den gigantischen Kosten, die mit der Anschaffung und dem Unterhalt eines Flugzeugträgers oder einer Flotten von Kampfflugzeugen verbunden sind, gewaltige Umsätze und Gewinne für die Rüstungsindustrie und die Waffenhändler gegenüberstehen. Ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen. Die Widerstände, neue Wege in der Landesverteiddigung zu gehen, sind groß, und diejenigen, die den Widerstand leisten, sind reich und mächtig.

 

Hinzu kommt auch, dass die Zeit für ein technisches und organisatorisches Konzept, das die Armeen überflüssig macht, noch nicht reif ist. Man kann heute nämlich noch nicht jeden Menschen dieser Welt identifizieren und lokalisieren. Aber die technische Entwicklung läuft darauf hinaus.

 

Der Krieg der Killerkommandos wird nicht stattfinden

 

Die USA haben unter einem Vorwand den Irak angegriffen und sie haben dabei viele unschuldige Menschen getötet. Gemäß meinem Rechtsempfinden hat die USA das Völkerrecht missachtet und die amerikanische Armee und ihre verbündeten Armeen sind zu Kriegsverbrechern und Verbrechern gegen die Menschlichkeit geworden. Inzwischen sehen das auch viele amerikanische Bürger so – was dieser Nation zur Ehre gereicht. Eigentlich gehören Präsident George Bush und Verteidigungsminister Rumsfeld ebenso vor ein Kriegsverbrechertribunal wie Saddam Hussein und Milosevic. Es wundert nicht, dass die USA die Konvention für die Schaffung eines Internationalen Strafgerichtshofes nicht unterzeichnet haben. Offensichtlich will die Supermacht USA ihre schmutzigen Kriege ungestört weiterführen. Deshalb haben sie es auch abgelehnt, sich der Konvention gegen die Produktion, Verbreitung und Benutzung von Landminen und Clusterbomben anzuschließen.

 

Als die USA den Krieg gegen Afghanistan und später gegen Saddam Hussein eröffnete, war die Weltöffentlichkeit diesem Krieg nicht völlig abgeneigt. Denn offiziell war es der Krieg der Weltgemeinschaft gegen Regierungen, die sich über die Menschenrechte hinwegsetzten. Ein Kriegsverbrecher und Verbrecher gegen die Menschlichkeit ist nicht durch die nationale Souveränität geschützt. Die Menschenrechte stehen über der nationalen Souveränität, und also kann sich kein Staatschef, weder Saddam Hussein, George W. Bush noch Wladimir Putin auf die nationale Souveränität berufen, wenn es darum geht, sich der Strafverfolgung durch den Internationalen Strafgerichtshof zu entziehen.

 

Das große Problem ist, so hat der Krieg gegen Saddam Hussein gezeigt, den Verbrecher aufzuspüren und ihn zu verhaften bzw. zu töten, ohne Zigtausende unschuldige Menschen zu opfern und ein Land ins Chaos eines Bürgerkrieges zu stürzen. Im Falle von Bush und Putin würde man sogar die Welt in einen Atomkrieg stürzen. Deswegen erfreuen sich die Atomwaffen bei Staatsmännern, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden wollen, zunehmender Beliebtheit, und wer sie noch nicht hat, will sie haben.

 

Doch zurück zu Saddam Hussein und den Irak: Auch wenn die Weltgemeinschaft und die USA ursprünglich im Recht waren, so haben sie sich durch die Wahl ihrer Mittel und durch ihre Methoden ins Unrecht gesetzt und sind selbst zu Kriegsverbrechern geworden. Sie haben es versäumt, ihre Gewalt gegen Saddam Hussein punktuell, kontrolliert und dosiert einzusetzen. Eine einzige Kugel aus einem Gewahr oder einer Pistole hätten gereicht. Gewiß, die USA entwickelten bunkerbrechende Waffen, den so genannten „Saddamizer“, der in Bunker eindringen kann, indem er Betondecken durchschlägt. Aber es gelang nicht, Saddam zuverlässig zu lokalisieren und ihn zu töten.

 

Nun könnte man sagen, die USA hätten noch viel mehr Spione in den Irak schicken sollen, um Saddam Hussein aufzuspüren. Das wäre sicher billiger und letztlich weniger verlustreich für die USA gewesen. Aber die Neigung von Staatsmännern, auf andere Staatsmänner Spione und Killerkommandos anzusetzen, ist nur dann vorhanden, wenn sie damit rechnen können, dass ihre Gegenspieler nicht das gleiche gegen sie versuchen werden. Staatschefs bekriegen sich nicht persönlich. Sie bringen sich nicht gegenseitig um. Getötet werden fast immer nur die Untertanen.

 

Das Alamut-Konzept ist nicht tragfähig und auch nicht wünschenswert

 

Die Methode des Hassan i Sabbah, des „Alten vom Berge“, der 1090 n. Chr. die schwer zugängliche Burg Alamut in Persien eroberte und von dort aus seine Meuchelmörder ausschickte, um die Mächtigen der Welt mit Mord zu bedrohen, hat die Welt fasziniert und erschreckt. In gewissen Maß ist Osama bin Laden ein Nachahmer des Alten vom Berge (aber das ist nur ein Teilaspekt). Immerhin hat Osama bin Laden versucht, den Präsidenten George Bush durch einen gezielten Flugzugabsturz aufs Weiße Haus zu töten – was den sich so markig gebenden Präsidenten zutiefst erschreckte und zu einer von persönlicher Angst getriebenen Flucht nach vor, nämlich hinein in den Krieg, antrieb. Bush wirkt auf mich nicht wie ein Held, sondern wie ein Herrenfriseur, der über den Krieg schwadroniert.

 

Das Alamut-Konzept ist militärisch nicht tragfähig, weil die Festung und seine Insassen lokalisierbar sind, und weil alles, was lokalisierbar ist, durch Waffen oder Verrat eingenommen werden kann. Der Alte vom Berge würde heute in der Falle sitzen, auch wenn sich seine Burg viele tausend Meter unter der Erde in irgendwelchen verzweigten Höhensystemen oder auf dem Boden des Ozeans befinden würde.

 

Nun könnte man eine auf den ersten Blick positive Variante dieses Konzepts entdecken, wenn man annehmen würde, der „Alte vom Berge“ wäre ein Freund der Menschheit und ein Feind aller Diktatoren und Kriegsverbrecher. Nehmen wir also an, er würde irgendwo auf seiner Festung sitzen und die Welt beobachten. Immer dann, wenn ein Tyrann seine Untertanen unterdrückt oder seine Nachbarn bedroht, würde er seine Agenten ausschicken, damit sie im Stile eines James Bond den Übeltäter und seine Komplizen zur Strecke bringen würden. Man könnte sogar noch weiter phantasieren und sich vorstellen, dass dieser Alte vom Berge im Auftrag der Weltgemeinschaft handeln würde, vielleicht sogar der Generalsekretär der UNO wäre. Aber wünschenswert wäre ein solches Konzept nicht, weil es sich der demokratischen Kontrolle entziehen würde. Die Gewaltanwendung wäre zwar punktuell und dosiert – aber sie wäre nicht kontrolliert.

 

Es bleibt nur das Konzept des kollektiven, weltweiten Überwachungsstaates

 

Das Problem der Massenvernichtungswaffen, welches die Zukunft der Menschheit bedroht, besteht darin, dass verantwortungslose, verbrecherische oder verrückte Individuen sich in den Besitz von Massenvernichtungswaffen setzen können – z. B. dadurch, dass sie Staatschef werden oder dass sie ihren Reichtum und ihre Macht oder ihre Schläue oder ihr verbrecherisches Genie dazu benutzen, Möglichkeiten zu finden, die Menschheit zu bedrohen.

 

Das Problem ist nicht das Kollektiv, sondern das Individuum. Das Kollektiv muß Wege finden, das Individuum zu überwachen und zu kontrollieren – besonders dann, wenn das Individuum mächtig ist.

 

Letztendlich läuft das nicht nur auf den Weltstaat, sondern auf den Weltstaat, der alle Menschen kontrolliert, lokalisiert und überwacht, hinaus. Heute erscheint ein solcher „Welt-Überwachungsstaat“ für 99,99 Prozent aller Menschen als ein Albtraum, der um jeden Preis vermieden werden muß – selbst um den Preis des eigenen Untergangs.

 

Man muß schon ein Exzentriker, Querdenker und Spinner sein, um einen solchen Welt-Überwachunsstaat als wünschenswert und für das Überleben der Menschheit für notwendig zu erachten. Wenn man aber die Dinge konsequent zu Ende denkt, erscheint diese Lösung als die einfachste und wirksamste. Und ich glaube, dass sie sich in der Zukunft durchsetzen wird.