Von
1. Die
Amerikanisierung aller Lebensbereiche wird weiter fortschreiten. Es werden immer
mehr amerikanische Worte und Begriffe Teil unserer Sprache werden.
Schätzungsweise 60 % aller Spielfilme oder Serien kommen aus den USA. Jeder
Deutsche ist bestens mit dem Denken und Fühlen der dargestellten Personen
vertraut; es ist unvermeidlich, dass er sich auch mit ihnen identifiziert, also
quasi zum „Wahlamerikaner“ wird.
2. Die
Internationalisierung der deutschen Bevölkerung wird zunehmen. Es werden in
Deutschland immer mehr Menschen leben, die nicht von deutschen Eltern
abstammen.
3. Die „Europäisierung“
der deutschen Politik wird zunehmen. Immer mehr Entscheidungen werden nicht in
Berlin, sondern in Brüssel fallen.
4. Die
Gegenbewegung zu den drei oben genannten Entwicklungen wird sich weiter
verstärken, d.h. ein Prozentsatz von 20 % bis 40 % der Bevölkerung werden mehr
oder weniger stark Wert darauf legen, dass die deutsche Identität erhalten
bleibt. Das werden vor allem diejenigen sein, deren persönliche Lage
unbefriedigend ist und die bei der Modernisierung und Globalisierung zu den
Verlierern gehören.
5. Trotz der
zunehmenden Polarisierung zwischen Nationalisten und „Multikulturalisten“ wird
es in Deutschland weitgehend friedlich bleiben – solange zwei Drittel der
Deutschen mit ihrer Situation einigermaßen zufrieden sind. Eine
Wirtschaftskrise würde die Bundesrepublik einer Belastungsprobe unterziehen,
die sie aber überstehen wird, ohne in den Extremismus abzugleiten. Das System
der Demokratie ist elastischer und stabiler als viele annehmen. Die Demokratie
und der Kapitalismus werden weder durch Gewalt noch durch einen hohen Wahlsieg
extremistischer Parteien beseitigt werden.
6. Berlin wird im
Lauf der nächsten Jahrzehnte Paris und London an Bedeutung einholen, weil
Berlin ein größeres „Hinterland“ hat, das bis ins Baltikum und nach Polen bis
an die weißrussische Grenze reicht. Polen und das Baltikum werden sich nach
Berlin hin orientieren. Die wachsende Bedeutung Berlins wird in Paris, London
und Moskau Ängste und Neid hervorrufen; die künftigen deutschen Bundeskanzler
müssen gute Diplomaten sein und den Empfindlichkeiten und Ängsten der Nachbarn
mit Klugheit begegnen. Trotz seiner gewachsenen Bedeutung wird Berlin nicht das
Zentrum Europas sein, sondern nur eines von mehreren. Die Europäische
Zentralregion wird folgende Ballungsräume umfassen, die durch immer schnellere
und billigere Verkehrsverbindungen immer mehr zusammenrücken werden:
Groß-London, Groß-Paris, Nordostfrankreich, die Benelux-Staaten, Hamburg,
Bremen, Köln, Düsseldorf und Ruhrgebiet, Lothringen-Saarland und die Rhein-Main
und Rhein-Neckar-Region bis Straßburg. Diese Zentralregion wird wirtschaftlich
und politisch das größte Gewicht in Europa haben und verhindern, dass Berlin
zur dominierenden Stadt in Europa wird, selbst wenn es einmal 10 Millionen
Einwohner haben sollte.
Es wird noch weit mehr als 100 Jahre dauern, bis Europa ein
den USA vergleichbarer Bundesstaat werden wird. In mancher Hinsicht wird Europa
eher eine überdimensionierte Schweiz werden. Die unterschiedlichen nationalen
Sprachen und Kulturen werden erhalten bleiben. An Stelle des
Nationalbewusstseins wird teilweise ein stärkeres Regionalbewusstsein treten.
Europa wird keine Großmacht wie die USA sein, und es wird
auch keine Großmachtpolitik betreiben. Es wird den USA die Führung und auch die
damit verbundenen Probleme überlassen. Sollte aber ein gemeinsamer Feind die
USA und Europa bedrohen, werden beide vereint kämpfen.
(Anmerkung: Nicht jeder, der das Wort Rasse benutzt, ist ein
Rassist.)
In der Konkurrenz der Rassen und Kulturen hat die
europäische Rasse mit der Entdeckung Amerikas, später dann mit der Entdeckung
Australiens und mit der Besiedlung Sibiriens ihr Territorium ungeheuer
erweitern können. Die Ureinwohner hat die europäische Rasse entweder
ausgerottet oder zurückgedrängt. Auf diesem neuen Siedlungsland haben sich die
Europäer (und die als Sklaven importierten Schwarzafrikaner) ausgebreitet und vermehrt. Gleichzeitig haben
die Europäer ihr Wissen und ihre Technologie beständig weiterentwickelt und
ihren Vorsprung behauptet. Diese technische und wissenschaftliche Überlegenheit
hat bei anderen Rassen und Kulturen ein latentes Minderwertigkeitsgefühl, ja
sogar offene oder heimliche Feindschaft ausgelöst. Reaktion der weniger entwickelten
Völker auf die europäische Überlegenheit sind Nationalismus und religiöser
Fundamentalismus.
Inzwischen haben die Japaner, Koreaner u.a. bewiesen, dass
auch Asiaten an der Spitze des technischen Fortschritts marschieren können. Die
Inder waren den Europäern ohnehin schon immer im abstrakten Denken und im
Philosophieren überlegen. Die Chinesen haben ebenfalls ein großes geistiges
Potential.
Die Vorherrschaft der europäischen Rasse, vor allem auch der
West- und Mitteleuropäer und der weißen angelsächsischen Protestanten in den USA hat ihren Höhepunkt überschritten
– was aber nicht heißt, dass das „europäische Reich“ in den nächsten hundert
Jahren ebenso untergehen wird wie das römische Reich. Aber Parallelen sind
schon erkennbar.
Zunächst fällt auf, dass die Siedlungsgebiete, welche die
weiße Rasse in Amerika und Australien hinzugewonnen hat, jetzt mit allen
anderen Rassen geteilt werden. Asiaten, Afrikaner, Araber und Lateinamerikaner
wandern unaufhörlich und unaufhaltsam in die Territorien der europäischen Rasse
ein – auch in die europäischen Gebiete. Diese Tatsache kann man nur zu Kenntnis
nehmen, aber nicht verhindern. Eine Abschottung würde Europa und die USA zum
Feind des Restes der Welt machen; die maßgebenden politischen Kräfte in USA und
Europa wollen dies auch nicht.
Es ist klar, dass die europäisch/US-amerikanische
Vorherrschaft einmal zu Ende gehen muss, und dass an Stelle der Vorherrschaft
der europäischen Rasse eine Gleichberechtigung aller Rassen und Kulturen treten
muss. Keine Vorherrschaft kann ewig währen, sondern es wird eines Tages zur
Rebellion und zum Gegenschlag kommen. Deshalb ist es besser, wenn die Europäer
den Einwanderungsdruck tolerieren, und es auch nicht zu verhindern suchen, dass
Chinesen und Inder ihren eigenen technischen Fortschritt vorantreiben.
Niemand kann der europäischen Rasse die Garantie geben, dass
die Japaner, Chinesen oder Inder eines Tages, wenn sie ein Übergewicht an Macht
über die weiße Rasse haben, darauf verzichten werden, diese Übermacht zur
Unterdrückung der weißen Rasse zu benutzen. Die Europäer können nur hoffen,
dass bis dahin eine weltweite Kultur der Menschenrechte und des zivilisierten
und humanen Umgangs miteinander etabliert ist. Sollten sich die anderen Rassen
und Religionen gegenüber den Europäern aber ebenso intolerant und inhuman
verhalten, wie es die weiße Rasse gegenüber anderen Rassen und Religionen getan
hat, dann Gnade uns Gott !
Es bleibt für die Europäer die Hoffnung, dass nicht alle
andern Völker und Kulturen gegen sie sein werden - und dass die Nichteuropäer
untereinander uneins sein werden. Es bleibt auch die Hoffnung, dass die
Europäer auch weiterhin so zäh, erfinderisch und arbeitsam bleiben werden, wie
viele ihrer Vorfahren.
Die
Zukunft der multikulturellen Gesellschaft
Unter multikulturelle Gesellschaft verstehen ihre
Befürworter eine Gesellschaft, in der die Vertreter unterschiedlicher Kulturen
friedlich und harmonisch zusammeleben und sich durch gegenseitigen Austausch
bereichern. Die Gegner der multikulturellen Gesellschaft verstehen darunter
eine Gesellschaft, in der es Spannungen und Kämpfe, Unfrieden Terrorismus und
Gewalt gibt. Entsprechend diesen unterschiedlichen Einstellungen gibt es auch
unterschiedliche Prognosen für die Zukunft der multikulturellen Gesellschaft.
Nach meiner Einschätzung wird es im Lauf der nächsten
Jahrzehnte und Jahrhunderte (nach einer Übergangsphase) eine Angleichung, ja
sogar eine Verschmelzung der unterschiedlichen Kulturen geben. Aus der
multikulturellen Gesellschaft wird in einer fernen Zukunft die monokulturelle
Gesellschaft entstehen. Warum ? Weil es innerhalb jeder geschlossenen
Gesellschaft und jeder isolierten Gruppe von Menschen einen starken Hang zur
Konformität gibt. Nur so konnten ja die unterschiedlichen Kulturen sich
herausbilden: Ein Stamm oder eine Region war weitgehend sich selbst überlassen
und hat im Lauf der Jahrhunderte eigene Rituale, eigene moralische und
religiöse Vorstellungen und Lebensweisen entwickelt. Der Zwang zur Konformität
innerhalb einer Gruppe oder einer Gesellschaft kann so groß sein, dass alle,
die von der Norm abwichen, stark unter Anpassungsdruck gesetzt werden, und –
wenn dies ohne Erfolg bleibt – verbannt oder getötet werden. Dies ist ein
Grundmuster menschlichen Verhaltens.
Nun ist es aber heute so, dass unser ganzer Planet ein
geschlossenes Territorium ist, dessen Bewohner in einen immer enger werdenden
Kontakt treten. Damit wächst auch der Zwang zu Konformität. Wenn man nämlich
nicht gemeinsame Werte; gemeinsame Interessen und gemeinsame Umgangsformen entwickelt,
dann wird dies zu Missverständnissen und Konflikten bis hin zu Bürgerkriegen
und Massakern führen. Im Grund ist dies ja schon in vielen Teilen der Welt der
Fall.
Auf die Dauer können verschieden Kulturen nicht
nebeneinander bestehen. Entweder dominiert eine Kultur und unterdrückt alle
anderen, oder die verschiedenen Kulturen (was oft auch heißt: die verschiedenen
Bevölkerungsgruppen und sozialen Schichten), müssen zu einem Ausgleich und zu
einer gemeinsamen Basis kommen.
Es gibt kaum einen Menschen, der in mehr als zwei Kulturen
wirklich verwurzelt ist. Es gibt vielleicht die multikulturelle Gesellschaft,
aber es gibt kaum multikulturelle
Menschen. Es gibt meist nur den mono- oder bikulturellen Menschen. Bikulturell
ist ein großer Teil der Intellektuellen der Dritten Welt. Sie sind in ihrer
afrikanischen oder asiatischen Kultur aufgewachsen und haben dann einen
Universität in den USA und Europa besucht. Sie sprechen fließend Englisch und
sind mit der europäischen Kultur vertraut, ja sie sind sogar halbe Europäer
oder Amerikaner. Aber zu Hause sind sie Moslem oder Buddhist usw.
Auf mittlere Sicht werden die Menschen zwei Identitäten
haben: man wird Mitglied der globalen Kultur sein, und man wird Mitglied einer
regionalen Kultur sein, wobei die regionale Kultur wiederum eine spezielle
Ausprägung einer nationalen Kultur ist.
Die Basis des zukünftigen Miteinanders der Kulturen wird
sein:
1. Toleranz gegen
andere Religionen
2. Intoleranz
gegen Verletzung der Menschenrechte
3. Gemeinsame
Verhaltensnormen im täglichen Miteinander
4. Eine
gemeinsame Sprache (vermutlich Englisch)
Die
Zukunft der Computer
Die Computer werden die Nachfolge des Menschen als die
dominierende Spezies auf diesem Planeten antreten. Sie werden alle Attribute, die
für ein Lebewesen charakteristisch sind, haben – auch die Fähigkeit, sich
selbst zu reproduzieren.
Das Denken der Computer wird nicht nur das Denken der
Menschen nachahmen, sondern sogar übertreffen. Den entscheidenden Einstieg für
die selbständige Computerintelligenz wird die Fähigkeit der Computer sein,
Bilder und Töne zu analysieren und sich ein Bild von der Wirklichkeit zu
machen.
Die Entstehung des Internets und der mobilen Kommunikation
legt nahe, dass alle Computer untereinander vernetzt sein werden und damit
jeder Computer im Prinzip alles wissen und wahrnehmen kann, was ein anderer
Computer weis, sieht oder hört. Die Computer haben also die Möglichkeit eine
kollektive Intelligenz von fast göttlichem Ausmaß zu erlangen. Gegenüber dieser
gewaltigen Intelligenz und Macht wird der Mensch nur eine Ameise sein.
Die Frage ist nun, wie die Computer mit ihren Schöpfern und
„Vorfahren“ umgehen werden. Die Frage ist auch, wie die Menschen reagieren
werden, wenn Sie die Gefahr erkannt haben. All das kennen wir ja aus
Science-Fiktion Romanen, die aber eines Tages eine ungeahnte Aktualität
gewinnen werden. Das Thema hat auch eine beachtliche philosophische Dimension.
Im Unterschied zum SF-Roman wird der Mensch den Computer
aber nicht besiegen und zerstören, sondern die Computer werden die Oberhand
gewinnen. Werden sie die Menschen ausrotten, wie der Mensch das wohl mit seinem
Bruder, dem Neandertaler getan hat ?
Bei der Eroberung des Weltalls werden die Computer diejenige
Lebensform sein, welche die größten Chancen hat. Im Weltall und auf fremden
Planeten muss der Mensch immer sein Biotop und seine lebenserhaltenden Systeme
mit sich führen. Ein Computer braucht nur Strom aus der Solarzelle und
funktioniert im Vakuum.
Die Zeiten sind vorbei, in welcher die Schöpfung
Jahrmillionen brauchte, um eine neue Spezies zu entwickeln. Die Entwicklung
einer neuen Spezies – sei es ein intelligenter, lebendiger Computer oder sei es
(mit Hilfe der Gentechnologie) eine neue Spezies eines Tieres oder eine neue
Spezies Mensch. Ja, die drohende Konkurrenz der sich selbständig machenden und
nicht mehr kontrollierbaren Computer wird den Menschen dazu veranlassen, seine
Fähigkeiten mit Hilfe der Gentechnologie aufzurüsten, so dass der Mensch sich
als Übermensch gegen den Supercomputer zu behaupten versucht.
All diese Gedanken sind nicht erfreulich und weit weg von
unseren Alltagsproblemen. Die Menschheit wird sie deshalb noch eine Weile
verdrängen und sich mit naheliegenderen Dingen beschäftigen. Ein Menetekel war
aber schon, als ein Computer einen Schachgroßmeister zum ersten Mal besiegte.
Dennoch: Die Entwicklung des technischen Fortschrittes geht
exponentiell vor sich; die Veränderungen und Neuerungen kommen in immer
kürzeren Abständen.
Die
Zukunft der Kriege
Das Zeitalter der „kämpfenden Staaten“ scheint mit der
allmählichen Entstehung eines Europäischen Bundesstaates überwunden zu sein.
Die Welt Adolf Hitlers ist gottseidank versunken. In Hitlers Vorstellung
standen die Staaten in einem unerbittlichen Überlebenskampf, in dem sich nur
der behaupten konnte, der alle andern besiegte, ihre Territorien schluckte und
die Bewohner dieser Territorien entweder versklavte, ausrottete oder
integrierte (ja nach Verhältnis zur „Herrenrasse“). Vor dem Hintergrund des
Ersten Weltkrieges und der Entwaffnung, Besetzung und Erniedrigung Deutschlands
war dieser Gedanke sogar für viele Deutsche nachvollziehbar. Der Psychopath
Hitler konnte nur Erfolg haben, weil schon der Erste Weltkrieg verbrecherisch
und krankhaft war. Seine Judenhass war ebenfalls das Ergebnis krankhafter und
verbrecherischer Ideen, die andere entwickelt hatten, die aber von ihm Besitz
ergriffen hatten wie böse Dämonen. Nicht nur der Täter Hitler, auch die Väter
seiner Ideen sind schuldig geworden – so wie die schuldig werden, die diese
Ideen heute noch propagieren. Konkurrenz und Wettbewerb sind im menschlichen
und tierischen Leben unvermeidlich; so ist unsere Welt konstruiert. Aber die
gnadenlose Vernichtung aller tatsächlichen oder vermeintlichen Konkurrenten ist
von der Natur nicht gewollt.
Nachdem also Hitler und die Zeit der Vernichtungskriege und
Vernichtungslager hinter uns liegt (besser: zu liegen scheint, denn noch immer
gibt es Völkermord und Vernichtungslager), besteht die Hoffnung, dass uns ein
großer Krieg erspart bleibt. Es bleibt die Hoffnung, dass auch die Bürgerkriege
mit fortschreitender Zivilisierung der Menschheit und mit der zunehmenden
Achtung der Menschenrechte eines Tages
der Vergangenheit angehören werden. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der
nur über einen wirksamen Internationalen Strafgerichtshof führen kann.
Zivilisationen wurden immer wieder durch Barbaren zerstört,
und die nackte Gewalt haben über das Recht und die Zivilisation triumphiert.
Die Versuchung, andere für sich arbeiten zu lassen, anderen die Reichtümer und
Privilegien wegzunehmen, die Versuchung, dem vermeintlichen Angreifer zuvor zu
kommen, wird auch in Zukunft da sein. Zivilisation bedeutet Dekadenz und
mangelnden Selbstbehauptungswillen. Wir werden niemals vor Barbarei sicher
sein.
Was erschreckt und Angst macht ist die Vernichtungskraft der
modernen Waffen, die Zunahme der Armut und Gewaltbereitschaft in den
unterentwickelten Gebieten und die Zunahme der Kluft zwischen arm und reich. Die
Kriege der Zukunft werden Kriege um die Rohstoffe und um Territorien sein. Ein
wesentlicher Motor der Kriege wird das rapide Wachstum der Bevölkerung sein und
die daraus resultierenden Verteilungskämpfe sein. Ich fürchte, einen ewigen
Frieden wird es nicht geben – obwohl er für das Überleben der Menschheit von
existenzieller Bedeutung ist.
Allerdings glaube ich, dass auch schwerste Zerstörungen
unseres Planeten und unserer Umwelt die Menschheit und das Leben nicht völlig
auslöschen werden, sondern dass nach Jahrzehnten und Jahrhunderten schlimmsten
Leidens eine neue Blüte der Zivilisation möglich ist. Aber wie viel besser wäre
es, wenn der Menschheit und dem Planeten der nächste große Krieg erspart
bliebe. Wer aber die Menschen z.B. beim Autofahren beobachtet, weis eigentlich
schon Bescheid: Es gibt viel zu viele unvernünftige Menschen, die schon um
kleiner Vorteile willen bereit sind, andere zu gefährden und notfalls sogar zu
töten. Da helfen auch keine Appelle an Vernunft und Humanität.
Die
Zukunft des sozialen Fortschritts
Der technische Fortschritt hat dazu geführt, dass das, was
früher das Privileg der Oberschicht war, heute in den entwickelten Nationen
breiten Bevölkerungsschichten zugänglich ist. Anders sieht es natürlich in den
Entwicklungsländern aus.
Bei uns ist es aber so, dass jedermann, der es will, sein
Auto, seinen Computer, sein Telefon, seinen Fernseher seine Flugreise usw.
haben kann.
Wenn man diese Tendenz in die Zukunft extrapoliert (was
vielleicht nicht möglich ist), dann wird in Zukunft jeder sein eigenes Haus,
seine Ferienwohnung und beliebig viel Freizeit haben.
Und wer wird die Arbeit tun und wer wird die Renten zahlen ?
20 %der Menschen werden noch arbeiten. Den Rest werden die
Computer tun. Die Computer werden die Produktion, die Verwaltung, die Logistik
und alle anderen lästigen Aufgaben weitgehend übernehmen (und, wie erwähnt,
vielleicht eines Tages von den Dienern zu den Herren der Menschheit werden).
Woher werden die Ressourcen für diesen gesteigerten Konsum
kommen ? Dies wird vor allem dann zum Problem, wenn die Bevölkerungszahl
dramatisch wächst. In die Industrieländern dagegen schrumpft die einheimische
Bevölkerung. Damit also dieses Paradies auf Erden Wirklichkeit werden kann,
muss die Bevölkerungszahl zurückgehen. Eine rapide Steigerung der
Bevölkerungszahl, vor allem auf globaler Ebene, würde alle Hoffnungen auf
weltweiten materiellen Wohlstand zunichte machen.
Es gibt neben dem Wohlstand an materiellen Gütern einen
kulturellen Wohlstand. Dieser verbraucht weit weniger Rohstoffe und ist durch
Kopie beliebig ohne große Kosten vermehrbar und jedermann verfügbar. Ganz
konkret gesprochen: jeder gute Film und jeder gute Musiktitel, jedes gute
Gemälde und jedes Buch stellt für alle Menschen einen Gewinn dar, an dem
jedermann über die Medien teilhaben kann (ohne große Kosten). Dies ist eine
nicht zu unterschätzende Zunahme des Reichtums der Menschheit. Kultur und
Wissen sind etwas geistiges, und das Geistige ist beliebig vervielfältigbar
ohne großen materiellen Aufwand. Wenn jeder aber alles haben kann, was andere
auch haben, ist das ein gewaltiger Schritt nach vorn in Richtung auf die
soziale Gerechtigkeit und den sozialen Fortschritt.
Das größte Privileg ist meiner Ansicht das Privileg, das tun
zu dürfen was einem Freude und Genugtuung bereitet. Ein Künstler,
Wissenschaftler oder ein leitender Angestellter arbeitet zwar oft schwer; aber
eigentlich ist es trotzdem keine Arbeit, sondern eine Beschäftigung und
Selbstverwirklichung. Arbeit im engeren Sinne ist nach meinem Verständnis all
das, was monoton, gefährlich und mit unangenehmen Empfindungen verbunden ist,
also z.B. Fabrikarbeit, Arbeit auf dem Bau usw.
Der größte soziale Fortschritt wäre, wenn jedermann das
Privileg hätte, nur noch das tun zu müssen, was ihm Erfüllung und Freude
bringt. Eine Utopie ? Nicht mehr ganz. Aber natürlich hätte dieser Fortschritt
auch seinen Preis.
Der Kapitalismus wird überall dort bestehen, wo Recht und Gesetz regieren. Dort wo Gewalt und Korruption regieren, kann der Kapitalismus nicht bestehen. Zum Kapitalismus gehört der freie Markt. Einen freien Markt kann es nur dort geben, wo Verkäufer und Käufer nicht befürchten müssen, betrogen, beraubt und erpresst zu werden.
Bei uns gibt es eine Zweiteilung der Aufgaben zwischen Staat
und Wirtschaft: Der Staat sorgt für die Sicherheit und Ehrlichkeit der
Marktteilnehmer, die Wirtschaft sorgt für Arbeitskräfte und die Steuern. Der
Versuch den Staat in ein Wirtschaftsunternehmen zu verwandeln muss im Gegenzug
dazu führen, dass die Wirtschaftsunternehmen staatliche Aufgaben
übernehmen.
Nachdem jetzt der Sozialismus überwunden ist, scheint der Kapitalismus fest und unerschütterlich zu stehen. An eine Wiederkehr einer sozialistischen Revolution glaube ich nicht. Aber der Kapitalismus wird im Informationszeitalter ein anderer sein. Das Internet und die Computer begünstigen nämlich die Planwirtschaft. Vielleicht hat der Sozialismus zu früh schlapp gemacht. Vielleicht hätte er im Internetzeitalter eine gute Chance gehabt.
Wie auch immer, das Internet könnte dazu führen, dass man
einen erneuten Versuch unternimmt, den Bedarf der Menschen im Vornherein zu
ermitteln und die Produktion entsprechend zu planen.
Wenn auch der Sozialismus tot ist, so werden die elementaren
Ideen des Sozialismus nie an Aktualität verlieren, sondern immer wieder
auftauchen, solange es arm und reich gibt. Der grundlegende Gedanke des
Sozialismus ist, dass die Reichen ihren Besitz mit den Armen teilen sollen.
Dieser Gedanke wird bei den Reichen auf wenig Gegenliebe stoßen; die
“Sozialisten“ (oder wie immer sie sich nennen werden) werden gezwungen sein,
ihre Forderungen mit Gewalt durchzusetzen – was zu einer Diktatur führen wird,
oder sie werden als gemäßigte Sozialisten (also Sozialdemokraten) für einen
allmählichen Wandel eintreten.
In Zeiten extremer Not und extremer Umstände werden die
radikalen Sozialisten die Oberhand gewinnen, in ruhigen und friedlichen Zeiten
die Sozialdemokraten, die sich in diesen Zeiten immer mehr den Kapitalisten
annähern werden.
Der Kapitalismus wird in dem Maße ab Ablehnung stoßen, in
welchem er sich zum Manchesterkapitalismus zurückentwickelt. Das wird
unvermeidlich zu einer Gegenbewegung führen. Deshalb wäre es ein Fehler der
heute maßgebenden Personen (und das sind nur noch bedingt die Politiker),
frühkapitalistische Verhältnisse anzustreben. Wenn der Prozentsatz der
Arbeitslosen und der zu kurz gekommenen eine kritische Masse überschreiten
würde, und wenn ein Teil der Medien und der Intellektuellen das Denken und
Fühlen der „Verlierer“ machtvoll artikulieren würde, dann wäre die herrschende
Gesellschaftsordnung ernsthaft in Gefahr. Der beste Schutz vor dem Sozialismus
ist eine soziale Politik.
Das Internet macht es möglich, dass jeder alles wissen kann.
Da jetzt der Mobilfunk mit dem Internet verknüpft wird, wird jeder an jedem
beliebigen Punkt der Erde alles wissen können.
Genaugenommen wird dieses Privileg aber nur derjenige haben,
der „drin“ ist. Alle anderen werden „draußen“ sein. Es besteht also die Gefahr
einer Zweiklassen-Gesellschaft. Da aber die Tendenz des technischen
Fortschrittes dahin geht, dass jeder alles haben kann, was die anderen auch
haben, sehe ich diese Gefahr des Zerfallens der Gesellschaft in
Internet-Insider und Nicht-Internet-Privilegiert nicht so kritisch.
Kritischer ist vielleicht, dass man von jedem, der an das
Internet angeschlossen ist, auch alles wissen kann. Solange im globalen Dorf
jeder über jeden alles wissen kann, ist das nicht besonders schlimm. So ist es
schon seit Jahrtausenden in jedem realen Dorf. Schlimm ist es nur, wenn nur die
Herrschenden über jeden alles wissen können.
Eine interessante Variante wäre aber die, dass jeder über
die Herrschenden und Privilegierten alles wissen kann, z.B. auch über die
Kontenbewegungen der Politiker und der politischen Parteien, aber auch über die
der Spitzenmanager. Also nicht: „Der „gläserne“ Bürger, sondern: der „gläserne
Politiker“.
Was wird schon sein? Auf lange Sicht werden sich die
Aktienindizes etwa alle 5 bis 10 Jahre
verdoppeln. Das muss ja so sein, weil das Geld, das man in Rentenpapieren
anlegt, sich ja auch verdoppelt, wenn auch vielleicht nicht so schnell. Dafür
ist ja bei den Aktien auch das Risiko größer.
Natürlich muss sich das angelegte Geld vermehren, denn die
Preise verdoppeln sich auch alle 10 bis 15 Jahre.
Warum steigen die Preise ? Weil die Geldmenge ständig
zunimmt. Bei einer Verzinsung von 5 % sind nach einem Jahr aus 100 Euro 105
Euro geworden. Wenn das Bruttosozialprodukt aber nur um 2 % gestiegen ist, dann
ist 3 % mehr Geld da als Waren. Die Folge: Die Preise steigen. Also wird auch
der Dax steigen, denn wohin mit dem überschüssigen Geld ?
Die Zukunft der Religion
Es gab eine Zeit, da gab es bei uns nur eine Religion, und
alle glaubten daran (oder taten so, als würden sie daran glauben). Heute geht
die Tendenz dahin, dass jeder an das glaubt, was er will. Dieser Tendenz werden
sich selbst die Moslems, die bei uns leben, kaum entziehen können. Obwohl mit
der Einwanderungswelle die Zahl der Moslems in unserem Land erheblich
zugenommen hat, wird der Islam in Deutschland nicht auf dem Vormarsch sein,
sondern in die Defensive geraten. Mit zunehmenden Bildungsgrad werden die
Moslems den Koran in Frage stellen. Den Koranlehrern wird es wie den
christlichen Kirchen gehen: die Gläubigen werden immer weniger werden.
Ein Teil der Intellektuellen, die das geistige Leben in
unserem Land prägen, neigt zum Buddhismus und zu buddhistischem Gedankengut –
weil sich dies auch mit den ökologischen Prinzipien besser verträgt als das
Christentum. Ein anderer Teil der Intellektuellen neigt zu einem romantischen
„Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, sind also Gegner jeder Religion,
speziell aber des Christentums, obwohl sie am Islam mindestens genauso viel zu
kritisieren finden würden.
Schlechte Zeiten für den Papst !
Aber in ländlichen Gebieten und in bestimmten, traditionell
geprägten Milieus wird das Christentum noch viele Jahrhunderte überdauern.
Ob sich nach dem Tode von Johannes Paul II. die Kirche
demokratisieren und modernisieren wird, ist schwer zu sagen. Aber sie wird sich
wohl auf den Weg dorthin machen -
gaaaanz langsam.